Einzelbild herunterladen
 

JTs. 131

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.

Vierteljährlicher Bezugspreis: per ver ExpÄ>ition 2 Mk^ bet allen Postämtern 2,25 Mk. <e$cl. Bestellgeld).

Jnsertion-gebühr: die gespaltene Zeile oder Deren Raum 10 Pfg, Rcclamcn: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Dienstag, 6. Juni 1905.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UmversttätS-Buchbruckerei 40. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Zweites Blatt.

Der Weltbund der Vereine christl. junger Männer

hielt, wie s. Z. kurz gemeldet wurde, vom 23. bis 30. Aprilin Paris seine 16. internationale Konferenz ab in Verbindung mit dem 50jährigen Jubiläum der Weltbundes-Vereinigung der sämt­lichen Jünglingsvereine auf der ganzen Welt. Als sich im Jahre 1855 in Paris Vertreter der oben genannten Vereine auf Grund eines Sta­tuts der sogen. Pariser Basis zu einem Weltbünde vereinigten, waren es 35 Abgeordnete aus 7 Ländern. Diesmal versammelten sich 717 offizielle und 300 nicht offizielle Delegierte, welche die christlichen Vereine junger Männer aus 25 Ländern vertraten. Es waren erhebende Festtage, die die Teilnehmer an der Pariser Konferenz er­leben durften. An gemeinsamer Stärke des christ­lichen Glaubens hat es nicht gefehlt. Aus den fernsten Ländern brachten die Boten Grüße. Der Japaner und Russe reichten sich als Brüder die -ycnö. Der Bewohner Madagaskars saß fried­lich neben dem Vertreter Australiens. Der Ungar und der Reichsdeutsche verstanden sich völlig.

Zur Besprechung, kamen eine Reihe von Fra­ge.. aus dem Vereinsleben de«, verschiedenen Lander, u. a.Stellung und Pflichten der Ver­eine , gegenüber den verschiedenen Kirchen und religiösen Gemeinschaften, unter Berücksichtigung der in der Pariser Basis ausgedrückten Prinzi­pien" oderEntspricht das Werk (der chrisfl. Vereine j. M.) in seiner jetzigen Form mit seinen jetzigen Mitteln und Bedürfnissen der heutigen Jugend?" Die Verhandlungen wurden in drei Sprachen geführt: deutsch, französisch und eng­lisch. Deutschland hatte 249 Dele­gierte. Manche Vorträge waren schon vorher gedruckt und den Delegierten in ihrer Mutter­sprache eingehändigt worden. Die Diskussion er- wies oft eine große Einmütigkeit in den grund­legenden Fragen des evangelischen Bekennt­nisses; in Dingen von untergeordneter Art war man so weitherzig, als irgend nur möglich. Er­neuert wurde in feierlicher Weise auf Vorschlag de? Prinzen Bernadotte von Schweden die sogen. Pariser Basis, die auch in den nächsten 50 Jahren die Grundlage des Weltbundes bleiben wird. (Jesus Christus, mein Gott und Geiland".)

Einen gewaltigen Eindruck machte auf die Teilnehmer die gemeinsame Feier des heiligen Abendmahles, an der sich die große Mehrheit der Delegierten beteiligte.

In schöner Weise wurden die Abende der Konferenztage ausgefüllt. So waren die Kon­ferenzteilnehmer einmal Gäste des Pariser Jiing- lingsvereinS, der in der nie de Trävise ein großes, feines, Geim besitzt. An edler Unterhal­tung hat es nicht gefehlt; Erfrischungen aller Art leibliche und geistige gab es ccnua.

Die Botschafter und Gesandten empfingen an einem Abend die Vertreter aller Länder. Die Deutschen werden nicht vergessen, wie frenn 'ich sie vom Fürsten und der Fürstin v. Radod. in der deutschen Botschaft begrüßt wurden. Der Fürst überraschte seine Landsleute mit musikali- schen Gaben. Wie lachte einem das Herz, ein deutsches Quartett, deutsche Lieder int i.emden Lande mustergültig vortragen zu hören! Bei echt deutscher Fröhlichkeit mit Begeisterung kvurde des Kaisers gedacht. verflossen die Stunden sehr rasch; es wurden einige religiöse Lieder gesungen, auchDeutschland, Deutschland über alles" wurde nicht veraeiien.

An einem Abend lud die deutsche evangeli^^ Gemeinde ein, die in der rue Blanche ein präch­tige? Gotteshaus hat. Sie möchte ein Sammelpunkt aller evangelischen Deutschen in Pari? sein. Der Pfarrer leitet zu gleicher Zeit einen Jünglings- und Jungfrauenverein. Die Kirche hat noch eine kleine Schuldenlast, sie wurde reichlich von Glaubensgenossen aus Deutschland unterstützt.

Geschlossen wurde die Weltkonferenz durch ein Festkonzert ans Anlaß des 50jährigen Bestehens de? Weltbundes. Den Vorsitz dieser Veranstal- tnng führte ein Professor der medizinischen Fakul­tät der, Pariser, Universität. Das Konzert fand int großen Festsaal des Trocadöro statt und war sehr gut besucht. Es mögen gegen 8000 Men­schen da gewesen sein. Das Programm enthielt treffliche Musik Psalm 43 von Mendelssohn le Deluge von Saint-Saens gemeinsame Lieder und herrliche Ansprachen.

Es wird den Teilnehmern unvergeßlich sein, als nach einem Orgelvorspiel über denLuther­choral" die ganze Bersam: lung jeder in sei- ver Muttersprache das Lutherlied ..Gin feste Burg" unter der Begleitung der ..Riesenorgel" «nd des Orchesters stehend mitsana.

Tie^ganzc Konferenz hat daraetan. daß es in demSeirebabel" auch noch ernste Christen gibt.

die beten können, und die sich nicht scheuen, ihren Glauben nach außen hin zu bekennen. Möge von der Konferenz Segen c usgehen in die ganze Welt!

Deutsche Kolonien.

Südwestafrika. DerTägl. 9t." liegt ein Schreiben eines deutschen Händlers vor, das wertvolle Aufschlüsse über die Lage der Koffern jenseits der Grenze bringt. Der Brief ist am 23. März 1905 aus Koachenei abgegangen: Ich bin hier in Koachenei (engl. Militärstation, 55 Kilometer östlich Rietfontein) mit 480 großen Ochsen eingetroffen. Vor 10 Tagen sind die ganzen Hereros, Willy, Friedrich Maharero, Traugott mit etwa 25 Pferden und höchstens 100 Ochsen und Kühen hier aufgefangen worden. Die englische Polizei hat sämtliche entwaffnet. Es sollen sich aber auf dem Wege RietfonteinOli­fantskluft im Felde noch Hererobanden herum­treiben. Ich bin daher recht ängstlich um meine Ochsen. Ich weiß nun, heute nicht, ob ich eine militärische Bedeckung treffe auf Rietfontein. Ich sandte daher zwei Leute zu Pferde vor, um nach- zusehen; wenn nicht, soll 11. soweit reiten, bis er das erste deutsche Militär trifft, eventuell bis Das. Hier sitzen die ganzen Okahandja- und Tjetiv-Herero nm mich herum, aber ich alaube cs ist nichts zu befürchten, so lange ich auf englischem Gebiet stehe. Die Grenze zu überschreiten, wie di,> Lage heute liegt, ist unmöglich; denn die gan­zen Hereros wissen von meinen Ochsen. Bekomme ich Schutz, so bin ich schnell auf Gobabis, alle Ochsen sind fett. Die Hereros haben kolossale Verluste gehabt. Samuel isk beim großen Polizei-Campan Ngami-See. Er ist schon im November heruntergekommen. Hier sterben täg­lich Leute vor Hunger. Laut Anordnung der eng­lischen Polizei darf kein Herero die Grenze über­schreiten. Die Leute, Ochsen und Pierde müssen zweiinal in der Woche gezählt werden. Ochsen, welche ein Pstrk (d, h. Stempel eines deutschen Farmers) tragen, dürfen nicht geschlachtet wer­den. Auf diese Nachricht hin fint dann die 4. und 9. Kompagnie zur Säuberung des Grenz­distrikts abgegangen.

Auslaltd.

Afrika. Von der deutschen Gesandt- s ch a f t n a ch Abes s i n i e n sind außer deren Leiter, dem Gesandten Dr. Rosen, der Legations­rat Graf Viktor Eul nberg und der Vizekonsul Schüler in Berlin eingetroffen. Die Ergebnisse der Sendung sind, nach derKöln. Ztg.", in jeder Hinsicht zufriedenstellend. Bekanntlich ist zwischen Deutschland und Aethiopien ein Freundschafts­und Handelsvertrag abgeschlossen worden, der für die künftigen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern eine, feste Grund­lage schafft. Ein ausführlicher Bericht über die wirtschaftlichen und Verkehrsverhältnisse Abessi­niens ist noch in Arbeit. Bei einer Karawanen­reise von iiber 1600 Kilometern durch abessini­sches Gebiet (Kitte die Gesandtschaft GelegenHeit, auch die Boden- und Produktionsverhältnisse im Innern des Landes kennen zu lernen und bisher wenig bekannte Absatzgebiete zu erkunden. Von der Hauptstadt Addis Abeba war sie unter Füh­rung eine? i'-r vom Kaiser Menelik mitgegebenen höheren Beamten und einer entsprechenden Es­korte am 18. März aufgebrochen und hatte die nördlichen (Äallaländer bis zum Blauen Nil be­reist. Von dort war sie durch die Provinzen Godjam und Damot nach dem Tana-See und der ehemaligen Hauptstadt Gondar marschiert, überall von den örtlichen Beamten aufs freund­lichste aufgenommen. Am 18. April brach die Gesandtschaft von Gondar auf und konnte, dank der Fürsorge Menelsks, wenigstens zum Teil den Weg über das schwer zugängliche Snnicu-Ge- birge, den höchsten Teil des Landes, nehmen. Hier wurden Pässe von über 4000 Metern über­schritten, Höhen, aus denen nachts starke Fröste herrschten. Nach Vereinigung der Reisenden mit ihrer auf einem tiefer liegenden Wege vorangc- sandten Lastkarawone südlich von Takazze, be­suchte die Expedition die uralte äthiopische Haupt­stadt Axum mit ihren interessanten Altertümern und ehrwürdigen Kirchen, um dann weiterhin, durch die Provinz Tigre zihend, am Mareb die Grenze Erythräas zu überschreiten. Am 8. Mai, d. h. nad), 52tägigem Marsche von Addis Abeba, erreichte sie die erythräische Hauptstadt Asmara, von den italienischen Behörden herzlich aufge­nommen. Am 10. Mai schiffte sich der Gesandte mit vier Herren in Massaua ein, nm über Aegypten nach Deutschland zurückzukehren. Auf der ganzen Reise war das Befinden sämtlicher Mitglieder es waren einschließlich des Gardedukorps 19 deutsche ausgezeichnet, trotz der stellenweise nicht imerhetstche Anstrengungen eines Rittes von im ganzen 83 Tagen.

Marburg rmd Umgegend»

(Nachdruck aller Originalartikel tst gemäß 8 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe

.Oberheff, Ztg." gestattet.)'

Marburg, 5. Juni.

* Der Verein von Lehrern höherer Unter- richtsanstalten der Provinz Hessen-Nassau und des Fürstentums Waldeck hielt am 31. Mai in Wfldmigen seine 30. Hauptversammlung ab, zu der sich zahlreiche Teflnehmer eingefunden hatten. Oberlehrer Dr. Neumann (Frankfurt) verlas den Vortrag des durch Krankheit verhin­derten Oberlehrers Dr. Höfer (Frankfurt): Pä­dagogische Streifzüge durch die Vereinigten Staa­ten Nordamerikas. Der Verfasser gab darin ein anschaulisches Bild der amerikanischen Schul­organisation, ihrer Schulen, Lehrer und Schüler, wie er es in siebenmonatiger anstrengender Tätigkeit auf einer Fahrt von Stadt zu Stadt, vo,l Schule zu Schule kennen gelernt hatte. An Stelle des ebenfalls durch Krankheit am Erschei­nen verhinderten Oberlehrers Riese gab der Vor­sitzende Direktor Zint einen Bericht über die Entwicklung des Vereins und einen weiteren über seine Tätigkeit im letzten Jahre. Aus den Mitteilungen des Vereinsvorsitzenden und des Vorsitzenden der preußischen Delegiertenver­sammlung Prof. Lohr ging hervor, daß zwei lang gehegte Wünsche der Oberlehrer jetzt Aussicht auf Erfüllung haben. Soeben kommt eine neue Ver­ordnung der Anciennitäts- und Pensionsverhält- nisse heraus, in welcher auch die Privatanstalten berücksickstigt werden, für deren Erhaltung ein staatliches Interesse vorliegt. Während bis zum Jahre 1884 die gesamte Wartezeit auf die Be­messung des Ruhegehaltes angerechnet wurde, findet augenblicklich nod) ein Abzug der Jahre statt, in welchen der Oberlehrer nicht wenigstens mit 12 Stunden wöchentlich beschäftigt wurde. Den Wunsch nach Erhöhung des Vrozentsatzes der Professorenernennungen hat gegründete Aus­sicht auf Erfolg. Der Bericht ,Oberrealschul- Direktors D r. Knabe (Marb u r g) über die Gesellschaft für deutsche Erziehung?- und Schu'l- geschichte bildete den Beschluß der Tagesord­nung. Der Redner setzte die Ziele und Bestre­bungen des Vereins auseinander und versuchte die Oberlehrer mehr als bisher für den Verein und besonders für eine Pro: inzialgruppe _ zu werben. Nach dem Schluß der Sitzung vereinte im neuen Kurhause ein Festmahl die Gäste, Mit­glieder und Gastfreunde.

* Aus der Studentenschaft. Das jüngste Korps int hiesigen 8. C., die 1840 gegründete Gueftphalia feiert in den Tagen vom 23. bis 26. Juli sein 6 0. Stiftungsfest, ver­bunden mit der Einweihung des Platzes für ein neues Korpshaus. Am 10. Juni findet, wie schon kürzlich gemeldet, in Koesen die F e i e r des 50jährigen Bestehens des Koe- feuer 8. 6. -Verbandes statt. Es ist aus diesem Anlaß geplant, in Koesen ein Korpshaus zu erbauen, ein monumentales Gebäude mit größerem Kostenaufwande. Professor Wilhelm Kreis in Dresden hat den Auftrag erhalten, einige Entwürfe auszuarbeiten. Es besteht die Aussicht, daß bei der Festsitzung gelegeistlich des 50jährigen Jubelfestes des Koesener Verbandes die volle Sicherheit über die Ausführung des Baues verkündet werden kann, wodurch dem Feste eine besondere Bedeutung gegeben werden soll. Für das korpsstudentisdse Leben, das in der Woche vor Pfingsten sich in Koesen abspielt, fehlt es bis jetzt an geeigneten Räumlichkeiten. Das Korpshaus soll and) als ausschließliche dauernde Stätte für die Verhandlungen des 8. O.-Ver- bandes dienen. Da? Haus soll int Besitze des Verbandes alter Korpsstudenten bleiben und von diesem verwaltet werden. Der Verband der färben tragen den Turnerschaf- t e n auf deutschen Hochschulen (V. C.), dem auch die Marburger Turnersd)astPhilippina" ange­hört, wird in der Pfingstwoche in Gotha sein 12. Verbandsfest abhalten. Es ist dies bereits das vierte Mal, daß der Verband in Gotha tagt. Er umfaßt zurzeit 41 Turnenchaften mit einer Mit­gliederzahl von etwa 4500 Philistern und Stu- bcirteir. Die Zahl dser letiteren beträgt etwa 1000. Im Mttelpunkt des Festes wird auch diesmal wieder das Turnen stehen. Das Pro­gramm umfaßt (stabfreribungen, Korporations- wetturnen, Fünfkampf, Einzelwetturnen, Sonder­vorführungen, Eilbotenlauf, Turnen der Alten Herren und Turnspiele. Außerdem ist ein Fest­kommers, Festessen und Festball und eine Turn­fahrt in die Thüringer Berge geplant. Die Lei­tung des diesjährigen Festes liegt ir der Hand der Präsidierenden Turnerschaft Germania in Bonn. Auch der V. A. T. (Verband alter Tnrnerschafter) wird bei dieser Gelegenheit des Festes eine Sitzung halten.

* Zehnte und elfte dcntsche Lehrerfahrt nach Südfrankreich-Spanien bezw. Italien. Die wäh­rend der letztjährigen Sommerferien und den diesjährigen Osterferie mit großem Erfolge ausgeführten Spezialfahrten deutscher Lehrer sollen, vielfachen Wünschen entgegenkommend.

in diesen Sommerferien wiederholt werden. Die 10. Lehrerfahrt beginnt am Montag, 17. Juli, in Basel, führt über Genf und Lyon, nach de« ihrer römischen und mittelalterlichen Baudenk- mäler wegen berühmten Städte Orange, Avig­non, Arles, Tarascon und Nimes nach ^Barcelona, von da nach Madrid (Escurial) und über Burgos (Cid), San Sebastian, Bordeaux nach Lyon zu­rück. Die Jtalienreise beginnt am 16. Juli in Luzern, geht mit der Gotthardbahn nach Mai­land, Florenz (Fiesole) und über Orvieto nach Rom (Ostia, Tivoli usw.) Von hier Ausflug nach Neapel (Pompeji, Paestum, Caprie) und zwar, was diese Reise besonders interessant ge­stalten wird, auf dem Seewege über Ischia und Procida. Tie einzelnen Teflnehmer können von Lyon, bezw. Rom au§ beliebig, innerhalb weiterer 14 Tage die Rückreise antreten. Der Preis, alles inbegriffen, auch Hotel, Verpflegung mit Wein, Nundfahren, Ausflüge, Trinkgelder rc. stellt sich bei ter 10. Fahrt nach Südfrankreich-Spanien (Reisedauer 16 Tage), von Basel bis zurück auf 560 Mark; bei der Fahrt noch Italien (Reise­dauer 17 Tage), von Luzern bis Luzern auf 460 Mark. Nicht-Lehrer können unter gewissen Be­dingungen an den Reisen teilnehmen. Man ver­lange ausführlichen Prospekt (gratis und franko) von derNeuen Äadischen Schulzeitung" in Mannheim.

* FeriensonderzLge. Wie uns von der Kgl. Eisenbahndirekti. n in Cassel mitgeteilt wird, loer« cheic wie in den Vorjahren auch in diesem Som­mer wieder sog. Feriensonderzüge befördert. Nach den einstweiligen Festsetzungen verkehren dis Züge: a. nach Basel über Straßburg am 1./2» und 8./9. Juli und 14./15. August, über Heidel­berg am 15./' 3. Juli, b. nach Hamburg am 10./11. Juli. Zu den Zügen toerben in Mar­burg im Preise ermäßigte Rückfahrkarten mit 45tögiger Geltungsdauer ausgegeben und zwar zu a je nach der Leitung der Züge nad) Straß­burg, Colmar, Freiburg, Triberg, Basel, Kon­stanz und Schaffhausen, zu b nad) Hamburg. Die genauen Abfahrtszeiten, die Fahrpreise, die Verkaufszeiten für die Sonderzugskarten und die sonstigen Benuhungsbedingungen für die Son­derzüge werden in besonderen gedruckten Hebet- sichten zusammengestellt, die bereits in der Vor­bereitung begriffen sind. Sie werden bei Ent­nahme von Sonderzugskarten unentgeltlich ver­abfolgt.

Vermischtes.

Bon der japanischen Teezeremonic gibt dec / Maler Eduard Cuciiel im neuestell (9.) Heft von lieber Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche Verlagsanstakt) in einer PlaudereiBesuch in einem japanischen Privathause" eine amüsante Schilderung.Als O Hiro San seine Arbeit be- endet hatte," erzählt der Maler,fragte sie mich lächelnd, obmeiner Gnaden" eingnädiges" Schälchen Tee gefällig sei. Und nun sah ick) zum ersten Mal die berühmteTeezeremonie", ^ede» Tag bekam O Hiro San zwei Stunden lang Un­terricht in der Kunst der Teezeremonie, und ließ mir sagen, daß man zwei Jahre brauche, um sie sick) anzueignen. Die Zeremonie begann also: DieResau" brachte ein eisernesHrbachi" mit glühenden Kohlen herein, es wurde ein eiserner Kessel aus das Feuer gestellt, und dann kam eine Bronzeubüchse mit gepulvertem Tee, der wie grü­nerpondre de riz" aussah, eine mit blaue» Störchen bemalte Porzellanschale, ein kleines, aus zersplissenem Bambus hergestelltes Gerät, das wie ein Eierguirl aussah, und ein kleines rundes Schöpfgefäß mit sehr langem, dünnem Stil. Dieses Schöpfgefäß wurde in einem be< stimmten Winkel auf den eisernen Kessel gelegt. Die Teezeromonie ist eine sehr förmliche Sache, und, soviel ich ausfindig machen konnte, bestand die Kunst hauptsächlich in den automatischen Be­wegungen der Wirtin beim Bereiten und Ser­vieren des Tees. Mr wurde mein Platz rechts neben demHibachi" anoewiesen, und ick) mußte meine Hände mit fest gestGossenen Fingern auf meine Schenkel legen, als ich auf meinen Hacken wie ein weißer Buddha dasaß. Nun *rat O Hiro San ein und durchmaß tangfam in gerader Linie das Gemach bis zur entgegengesetzten Seite des Hibachi, ließ sick) in jäherWendung auf die Hacken nieder und bewegte sich auf das Feuer zu, wo fie niederkniete und mir eine tiefe Serbeucuitfl mackste. Mit einer langsamen und einfhtbieirtjj Bewegung der Hände öffnete sie die Bronzebüchse, tat etwas von dem Teepulver in die Schale, setzte dei: Deckel wieder auf die Büchst und schöpfte dairn mit dem langgestielteil Schöpfer . etwas heißes Wasser in die Schale; . nachdem sie nun den Schöpfer wieder genau in seine vorherige Lage zurückgebracht, n'abnt sie den Bambüsquirl und quirlte mit ihm das Wasser und den Tee durcheinander, bis eine grüne Paste daraus ent­stand. Daraus trat der Schöpfer wieder in Tätigkeit, es wurde diesmal die Schale mit Wasser gefüllt, und dergnädige Herr Tee" wat fertig. Wieder leine tiefe Verbeugung! Die Schale in beide Hände mit steif ausgestreckten