Erstes Blatt
den Wald getrieben wurden. Der Glaskopf war eine herrschaftliche Schäferei, so berichtet Winkelmann.
1604 am 9. Oktober stirbt Landgraf Ludwig IV. auf den, Schlosse zu Marburg im Wer von 67 Jahren ohne Leibeserben. Am 23. Oktober wurde er in sein Ruhekämmerlein in der lutherischen Kirche beigesetzt. Ter Rabenstein auf dem Kaff wurde neu erbaut.
1605 am 5. August gab es in Marburg einen großen Aufruhr wegen den Verbesserungspunkten die Landgraf Philipp einführen wollte. Tie neuen reformierten Prediger wurden zur lutherischen Kirche hinausgeworfen und geprügelt. Der Landgraf kam nach Marburg mit einigen Fähnlein vorn Ausschuß, führte die Prediger an der Hand in die Kirche, ließ sämtliche Bilder verhauen und verbrennen und führte seine Ver- besserungspnnkte mit bewaffneter Hand ein. Die lutherischen Prediger fanden bei dein Landgrafen von Hesson-Darmsradt Aufnahme.
1607 ist die Pest wieder in Marburg; die Universität kommt nach Frankenberg und später nach Ziegenhain. Der Landgraf von Hessen- Darmstadt Ludwig V. errichtet in Gießen eine Universität und nimmt die aus Marburg ver- triebenen Professoren auf, hiermit hörte Mar- bürg als Sainpt-Universität für Hessen, entgegen dem Testament des Landgrafen Philipp, auf.
1608 war ein langer kalter Winter, aber ein fruchtbarer Sommer.
1611 bricht abermals eine Seuche aus; die Universität kommt nach Frankenberg.
1614 am 20. November gab es einen Wolkenbruch, wodurch das Wasser so groß war, daß es in Weidenhausen am kurzen Brückchen mannshoch stand.
1615 wurde ein Student von einem Soldaten erschlagen, derselbe wurde bei ter, lutherischen Kirche beerdigt, wo nur noch Beerdigungen von Begünstigten stattfanden,
1616 am 26. Mai starb der Professor Joh Wolfs, der Stifter des Wolff'schen Fideicomisses und Hospitals in Ockershausen.
Vegebenheiten in Hessen während des 30jährigen Krieges.
1605, 27. Dezember. Einführung der Verbesserungspunkte des Landgrafen Moritz durch landesherrliches Patent. Austrägalgerichtsurteil in der Marburger Seccessionssache.
1607, 23. April. Schluß der Synode zu Cassel, auf welcher man die Verbesserungspunkte angenommen.
1607, 19. Mai. Kaiserliches Privilegium für die Universität Gießen.
1608, 30. November. Tumult in Schmalkalden wegen der Verbesserungspunkte.
1613, 1. Februar. Eroberung von Wetzlar durch Landgraf Ludwig V. von Darmstadt.
1615, 29. April. Ermordung des Hofmarschalls Friedrich Balthasar von Hertinghausen auf dem Marsrällerplatz in Cassel von dem Hofjunker Rudolf von Eckhardsburg.
1615, 1. Mai. Hinrichtung des Mörders Rudolf von Eckhardsburg aus dem Marställerplad in Cassel. Da der Landgraf Moritz dieser Hinrichtung beiwohnte, nahm alles für den Mörder Partei.
1618, 18. Januar. Erste Kundgebung vom Landgrafen Moritz, die Regierung niederzulegen, welche Absicht er sechs Jahre später ausführte.
1619. Vermählung des Landgrafen Wilhelm V. mit Amalie Elisabeth, Gräfin von Hanau, geboren am 29. Januar 1602.
1620, 29. Oktober. Schlacht am weißen Berge bei Prag, an welcher eine Anzahl Hessen teilnimmt, in dem Heere des Kurfürsten von der Pfalz.
1621, 18. November. Eroberung der Amöneburg durch Christian von Braunschweig durch
hat den Bau von 18 500 Tonnen-Limenschiffe* angekündigt. Alle diese Maße aber werden übe» troffen von den neusten Panzern der italienische» Kriegsflotte, die eine Tonnage von 19 500 « halten sollen. Hand in Hand mit dem Strebe« nach einer Erhöhung der Größenabmessungen geht der Wunsch nach stärkerer Armierung, un- besserer Fahrtleistimg. Die geplanten Riesenpanzer der japanischen Marine sollen nicht weniger als 16 Geschütze schwersten Kalibers erhalten und 19 Knoten laufen, also mindestens um einen Knoten mehr als gegenwärtig die schnellsten Linienschiffe der europäischen Marinen. Eine noch stärkere Bestückung ist für die Dreadnought- Klasse der britischen Marine in Aussicht genommen; nach „Engineering" wird die artilleristische Ausrüstung nach Zahl und Kaliber ter Geschütze derartig fein, daß der eine Panzer zweien der stärksten im Dienst befindlichen Linienschiffe hinsichtlich der Feuerleistung vollständig gewachst ist. Die Fahrtleistung dieser Klasse soll sogar auf 21 Knoten erhöht werden, sodaß die neueste Klasse der englischen Hochseepanzer,, indem sie dis artilleristischen Fähigkeiten des Linienschiffes mH der Schnelligkeit des Kreuzers vereinigt, einen völlig neuen Schlachtschifftyp darstellen wird.
1622, 4. Januar. Plünderung von Rinteln durch Christian von Braunschweig.
1622, 6. März. Ilebergabe der Stadt *tnÜ Amt Homberg v. d. H. an den Stifter der Linie Landgraf Friedrich durch Ludwig V. von Hessen- Darmstadt.
1622, 13. Mai. Gefangennahme des Landgrafen Ludwig V. von Darmstadt durch Friedrich von der Pfalz und Graf Ernst zu Mansfeld.
1623 wurden vom Landgraf Moritz seine Räte Friedrich von Scholley. L. Sixtius und L. Sartorius nach heftigem Meinungswechsel bei bitterer Kälte aus den Toren von Cassel gejagt.
1623, 1. April wurde das Erkenntnis des Reichs-Hofrats in der zwischen Hessen-Cassel und Hessen - Darmstadt streitigen Marburger Erbschaftssache, welcher Landgraf Moritz der Marburger Erbschaft verlustig erklärt, gefällt.
1623, 20. Mai besetzt Tilly die Stadt He^s- fttd.
1624. Tilly besetzt Marburg und überliefert es an Hessen-Darmstadt; im folgenden Jahre am 25. Mai verlegt Ludwig V. die Universität von Gießen nach Marburg.
1624, 7. März, stiftete Landgräfin Juliane, Gemahlin von Landgraf Moritz eine Spende von 6 Viertel Korn an die Armen wegen einer glücklichen Errettung als sie vom Schloß Plesse fuhr imd aus dem Wagen stürzte, in einer Nacht, als sie ihrem aus Cassel vertriebenen Gemahl folgen wollte.
1624, 10. November. Große Ueberschwem« mung in Hessen, die größte in diesem Jahrhundert.
1625, 25. Mai. Feierliche Eröffnung da nach Marburg verlegten Universität , Gießen. Schutzbrief Kaiser Ferdinand II. für die kaisev« lich gesinnte hessische Ritterschaft.
1'626, 22. April. Ueberfall des Städtchen Naumburg durch Christian von Braunschweig.
Umschau.
Neue Kriegsschiffe.
In den Dimensionen des modernen Kriegs- schisfbaues macht sich ein allgemeiner Fortschritt bemerkbar. Englands neuester Linienschiffstyp, tote er durch die „Dreadnought" dargestellt wird, erhält eine Tonnage von 18 000 Tonnen. Tie Vereinigten Staaten haben für die neueste Panzerklasse eine Tonnage von 17 000 Tonnen in Aussicht genommen. Die japanische Regierung
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck imd Verlag' Joh. Aug. Koch, UnivrrfitSts^uchdruckerel Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Sonntag, 4. Juni 1905
Beiträge zur Chronik von Marburg.
Von L. Müller.
(Fortsetzung.)
1590, stirbt die Gemahlin b'on Landgraf Ludwig im Alter von 43 Jahren und wird in der lutherischen Kirche begraben. Es wurde ein Epithapiuni errichtet und mußten derowegen etliche Gräber geöffnet werden. In dem einen lag der Körper eines Adeligen, als man den Sarg öffnete lag er unversehrt da, als man ihn aber berührte, fiel er in Totenasche zusammen.
1593 wurde Friedrich von Baumbach aus Cassel in einer fröhlichen Gesellschaft, infolge eines Zankes erstochen. Der Galgen, der vordem auf dem Ordenberg gestanden, wurde auf dem Kass neu aufgerichtet.
1595 am 25. Mai wurden auf dem oberhalb der Vorstadt liegenden Rabenstein zwei niederländische Edelleute, welche einen von der Frankfurter Messe zurückkehrenden Kaufmann bei Gießen ermordet hatten, hingerichtet. Weil diese Wegelagerer von Adel waren, wurden sie in der Siecheukirche begraben.
1595 kostet 1 Pfd. Fleisch 1 Albus, 1 Haring 3 Pfg., 1 Mätzchen Hafermehl oder Erbsen 1 Mus, 2 Maaß Milch iy2 Albus, 6 Wecke 1V2 Albus, 1 Pfd. Speck oder Butter 314 Albus, iy2 Matze Salz y2 fl. 5 Albus.
1596 läßt Landgraf Ludwig das Portal am Schröckerbrunnen erbauen. Es sterben viele Menschen an der Seuche und roten Ruhr. Die Professoren ziehen nach Grünberg und Homberg.
1597 im Oktober wird die fürstli >e Kanzlei nach Kirchhain, in das Rathaus verlegt, auch Studenten mit ihren Lehrern gehen dorthin.
1600 war der Schwanhof ein herrschaftliches Dorwerk, wo eine Menge Schweizerkühe und Ziegen gehalten wurden, welche in Herden mit -ahmen Hirschen und Rehen durch die Löhn in
paschende Mitteilung, daß in Berlin Geschäfte emittieren, deren Inhaber 8600—10 000 Mark schuldig sind, manifestiert haben, von benen die Beiträge zu den Versicherungsanstalten, nicht ztvangsweise beizutreiben sind, die auch die Materialien, Löhne 2c. oft nur teilweise bezahlen, die aber trotzdem 60—100 Leute beschäftigen, und sich bisher an allen Submissionen beteiligten, kräftig unterboten haben re. Das soll in Zukunft aufhören. Auch die Bedingungen für das Schiedsgericht sind vielfach verbessert worden. Die Kaution soll 5% der Anschlagssumme nicht überschreiten. Von 23 gestellten Anträgen hat der Redner mit seinen Freunden 18 durchgebracht. Hoffentlich gelinge es auch bald, dm Begriff zwischen Fabrikant und Handwerker abzugrenzen, damit die Doppelbesteuerung fortfalle. Die Abschlagsgeschäfte seien ein großer Schaden für das Handiverk. Bezüglich des unlauteren Wettbewerbes sei es wünschenswert, daß die deutschen Richter ebenso scharf Vergingen als die Richter in Belgien, anstatt im „Uebergerechtig- keitsgefühl" so manchen laufen zu lassen, der es schlauerweise verstanden hätte, durch die Maschen des Gesetzes zu schlüpfen. Reform der Gefängnisarbeit werde ebenfaTLv kommen, jedenfalls werde der Unfug beseitigt, daß sogar ei. seine Zuchthäuser sich an Submissionen beteiligten. Der Redner sprach dann noch über die Reform der Gewerbesteuer, die Uebergriffe der Konsumvereine, Beamten- und Warenhäuser usw. Man möge ihm mir Material zuschicken, denn die Regierung verlange Beweise, man solle andererseits 'm dm Forderungen nicht zu, weit gehen, denn daun werde man gar nichts erreichen. Die Steuerfreiheit dieser Konsumvereine müsse unbedingt beseitigt werden. Man hebe die Konsumvereine für die wirtschaftlich Schwachen gegründet, aber ein Blick in das Warenverzeichnis belehre, was diese wirtschaftlich Schwachen an Wein, Champagner, Havanna-Zigarren, Seidenstoffen und anderen Luxusartikeln alle konsumieren. Weiter kam der Redner auf das neue Waren haus st euergesetz zu sprechen, wonach die Sätze bekanntlich erheblich erhöht wer- den. Er bemerkte dabei, daß die 73 Warenhäuser in Deutschland 96 Millionen Umsatz haben. Der „Bon marchd" in Paris hat allein 170 Millionen Mark Jahresumsatz. In Amerika schössen die Warenhäuser wie Pilze aus der Erde. Während die Aussichtsratsmitglieder der Beamten- Waren- und Konsum-Vereine jeder 50 000 Mark Tantieme beziehen, hätten fast die Hälfte aller Handwerker wmiger als 1500 Mark Jahreseinkommen, jedenfalls 90 Prozent aller Gewerbetreibenden unter 4000 Mark. Zum Schluß seiner zweistündigen hier nur ganz kurz gestreiften Ausführungen empfahl der Redner als alter Genossenschaftler den Handwerkern den g e - nosseuschaftlichen Zusammenschluß als wirksamstes Mittel der Selbst- hiilfe, insbesondere in Form von Einkaufsgenossenschaften zum gemeinsamen Bezüge von Maschinen und Rohstoffen rc. Auf diesem Gebiete hat man in Berlin, Magdeburg rc. schon ganz erhebliches geleistet und dadurch vielen kleinen Handwerksuieistern aufgeholfen. Nach-
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Sonntagsbeilage: Alluftrirtes Sonntagsblatt.
dem der Redner noch dir Gründung von R a - battfbarbereinen empfohlen — da, wo man sie noch nicht wolle, gehe e§ bi.t Detaillisten noch gar nicht so schlecht — befürwortet er zum Schlüsse, dahin zu streben, daß die Gegensätze zwischen Stadt und Land ausgeglichen werden, und daß er und seine Freunde dafür sorgen werden, daß das Handwerk nicht untergeht.
Die Ausführungen des Vortragenden wurden mit starkem Beifall aufgenommen. Aus der sich anschließenden Inständigen Aussprache wollen wir nur das Wichtigste hervorheben. Dr. Winterstein wies auf die vielen Berührungspunkte zwischen Konservativen und Antisemiten hin und empfahl fernerhin auch bei der Landtagswahl im Landkreise Cassel Hand in Hand zu gehen. Oeko- nom Recknagel verurteilte die Warenhäuser aufs schärfste und führte dann im weiteren aus, daß die gegenwärtige Politik der Staatsregierung der Sozialdemokrafie Vorschub leiste, denn umgekehrt müsse es sein, die Kleinen müßten gegen die alles verschlingenden Großen gestützt werden. Direktor Tripp kam auf verschiedene schwebende Fragen zu sprechen, welcher bekanntermaßen in Sachen der Konsumvereine, Genossenschafts- Bäckereien ?c. den Detaillisteuverband für Hessen und Waldeck in zahlreichen Petitionen und Immediateingaben, Audienzen beim Minister re. beschäftigt haben. Insbesondere führte er Beispiele für die Vehaiipttmg an, daß der Erlaß des Ministers in der Konsumvereins-Angelegenheit hier und in Bebra re. nicht beachtet werde. Es sei bedauerlich, daß die Beamten immer noch so viel freie Zeit in Stellungen hätten, daß sie sich mit solchen Nebenbeschäftigungen befassen könnten, durch welche die steuerzahlenden Detaillisten ge- waltsam erdrosselt würden. Lehrer Brandau bekannte sich als warmen Freund der genossenschaftlichen Selbsthilfe und bedauerte das, vielfach beobachtete mangelnde Standesbewußtsein rc. bei den Handwerkern, ebenso, daß man nur gegen Konsumvereine, Beamten-Warenhäuser rc., nicht aber auch gegen den Zusammenschluß der großen, wie Kohlenkartelle rc. kämpfe.
Im Grunde stimmten die verschiedenen Redner darin überein, daß die.Handwerker, Gewerbetreibenden usw. bei den Wahlen nur für, solche Parteien eintreten sollten, die bereits ihre Mittel- standssreimdlichkeit durch Taten bewiesen hätten. Mt einem Schlußwort des Vorsitzenden wurde die imposante und anregende Versammlung, die ein schönes Zeugnis für die Verbreitung konservativer, das Allgemeinwohl fördernder Ideen war, in vorgerückter Stunde geschlossen.
und HandwerkerftM.
Vor einigen Tagen hielt auf Veranlassung »es konserpgtiven Vereins für Hes- 1 e u u n d Ma ldeck der Landtagsabgeordnete Btalernieifter Hammer in einer gut besuchten
öffentlichen Versammlung in Cassel einen Vortrag über das obige Thema. Namentlich Freunde der Mittelstandsbewegung, Handwerker i nd Kaufleute waren erfreulicherweise sehr zahlreich erschienen. Nachdem, tote das „Cafs. Tgbl." berichtet, der Vorsitzende, Rittergutsbesitzer von Lölbecke, die Versammlung mit einer kurzen Begrüßungsansprache eröffnet und einen lieber Miet über die politische Sage geben hatte, begann Herr Hammer, der im Landtag der Kommission für Handel und Gewerbe angehört, mit seinen Aus- führungen, in denen er sich über bi. Meister- I u c s e, Submissio ns wesen, Auswuchs e b e 3 Konkurrenzkampfes usw. In gemeinverständlicher Weise verbreitete und,
auf die Verhandlungen in der Kommission und Im Landtag hinweisend, im einzelnen hervorhob, was die Freunde des Handwerks zur Beseitigung der Uebelstäude und Auswüchse getan und mit welchem Erfolge sie gearbeitet haben. Bei den Submissionen wird in Zukunft die Art bet Vergebung gereglt werden, insbesonder sollen bei den beschränkten Submissionen mindestens 3 und nicht mehr als 6 in der Regel zur Bewerbung aufgefordert werden. Bisher wurden viele übergangen, bei den guten Submissionen wurden nur einzelne berücksichtigt, tvährend bei denjenigen Submissionen, von denen im voraus bekannt war, es sei nicht viel zu verdienen, alle aufgefordert wurden. Auch die Fristen sollen zu Gunsten des Handwerks eine Veränderung erfahren. Bisher waren sie meist so kurz be- messeii, daß nur de.- Fabrikant und Unternehmer, welcher über große Arbeiskräfte und technische Hilfsmittel verfügt, sich daran beteiligen konnte, nicht aber der kleine Tuchler- und Klempner- meister, welcher nicht in 2—3 Tagen eine große Offerte mit Belagen rc. aufstellen kann. Deshalb sollen die Fristen auf 14 Taae bezw. 4 Wochen erstreckt, die Zuschlagsfristen dagegen abgekürzt werden. Auch sollen nur „angemessene" (nicht „aiinehmbare") Gebote berücksichtigt werden, wie dem bisherigen Unfug, 40—50 Prozent unter dem L .-..uschlag zu bieten, zu beseitigen. Bei gleichwertigen Angeboten soll der bevorzugt werden, wer den Meistertitel hat. Alle diese Forderungen haben die Konservativen energisch vertreten. Ausgeschlossen sind diejenigen Offerten, die den Vediugungen, Proben rc. nicht ent- fprechen, ferner auch von solchen Finnen, die ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen sind in Bezug auf Arbeitslöhne, Beiträge zur Jnva- kiden- und Altersversicherung, Krankenkasse rc. Der Redner machte hierbei die wohl alle i'iber-
Die
Taktik der sozialdemokratische* Gewerkschaften.
Der Kölner Gewerkschaftskongreß hat angeblich schwere Arbeit geleistet. Er hat, wie stolz tret' kündet wird, die Klippen geschickt vermieden, cn! denen die Einigkeit der GewerkschaftsbeweguiH und ihre Zusammengehörigkeit mit der Soziak demokratie hätte scheitern können. Wir haben weder die „Sorge", mit der sozialdemokratisch« Blätter scheinbar den Kölner Verhandlungen enl- gegensahen, noch die Hoffnungen, mit denen dir Mauserungspolitiker wieder einmal erfüllt waren teilen können, und der Verlauf des Kongrefsei hat uns recht gegeben. Man hat zu Köln eigent- lich nur eine große Komödie aufgeführt. Die angeblichen Meinungsverschiedenheiten in Sachen der Maifeier und des Generalstreikes sind im Grunde genommen gar keine Meinungsverschiedenheiten gewesen, wegen deren ein Konflikt hätte befürchtet werden müssen, und die Frage der Arbeits- ober Arbeiter-Kammern war rein taktischer Natur, so daß der „Vorwärts" bereits verkündet, die Sozialdemokratie werde aus dem oppositionellen Beschluß keinen Konfliktstott machen.
Die Gewerkschaftsleitung hat in Verfolgung ihrer bewährten Taktik, die auch die Sozialdemokratie im eigenen Interesse billigen muß, Wett darauf gelegt, alle diejenigen radikalen, ihr von der Sozialdemokratie auferlegten Richtlinien zu beseitigen, welche ihre Propaganda in den Kreisen der noch nafionalgesinnten Arbeiter erschweren. Der Generalstreik war einer jener Punkto. Et ist durch eine Resolution aus der Gewerkschaftsbewegung beseitigt, die, wie der Berichterstattei Böiuelburg erklärte, „zu gar nichts verpflichtet". Dabei aber betonte dieser „Genosse", daß die Gewerkschaften unausgesetzt organisieren müßten, um die Arbeiterschaft zu befähigen, auch einmal
Vierteljährlicher Bezugspreis: bet ver Expedition 2 Mk., 1 Qß bei allen Postämtern 2,25 Mk. sexct. Bestellgeld).
-»öv Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Rcclamen: die Zeile 25 Pfg.
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