mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sontttagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.
Neueste Telegramme.
!*•' Berlin, 31. Mai. Wie die „Rbeinisch-West- fälische Zeitung" mitteilt, hat Kaiser Wilhelm an den Zaren aus Anlaß der neuen Niederlage Ker Russen ein Telegramm gerichtet. in dem er seiner Trauer Ausdruck giebt.
Berlin, 31. Mai. Der Fürst von Montenegro hat dem Kaiser das Großkreuz des Tschernagori- schen Unabhängigkeitsordens verliehen.
Hamburg, 31. Mai. Heute Mittag ging der Truppentransportdampfer „Eduard Woermann" mit 35 Offizieren, vier Unteroffizieren mit Portepee und 523 Mann sowie 360 Pferden nach Deutsch-Südwestafrika ab.
Stuttgarts 31. Mai. Die Abgeordnetenkam» ^mer lehnte heute einen Antrag auf Zulassung konfessionsloser Volksschulen mit 53 gegen 9 Stimmen ab.
München, 2. Juni. Die diesjährige Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Schulver- ,eins zur Erhaltung des Deutschtums im Auslande wird in der Pfingftwoche hier stattfinden.
München, 31. Mai. Unter Anwesenheit vieler Fachautoritäten begann heute die Hauptversammlung der deutschen Volksbäder-Gesellschaft. Vorträge erörterten die Vorzüge der Volksbäder, ihre Verbesserungen, Ausbreitung, Verbilligung usw.
Straßburg, 1. Juni. Das Kapuzinerkloster in Königshofen erhielt die Nachricht, daß durch den Taifun bei den Karolineninfeln (vgl. Kolonien) die gesamte Kapuzinermission auf Ponape (Ost-Karolinen) zerstört sei.
Turin, 1. Juni. Der Herzog und die Herzogin von Aosta sind heute Morgen nach Berlin vbgereist, um den König und die Kömarn bei der Hochzeit des deutschen Kronprinzen zu vertreten.
Paris, 1. Juni. (Wiederholt, da bereits gestern durch Exttablatt bekanntgegeben). Als der König von Spanien, dessen Wagen von einer dichten Kürassiereskorte umgeben war, nach Beendigung der Galavorstellung in der Oper gegen 12% Uhr durch die Rue de Rivo' fuhr, wurde aus der Menge in der Richtung des Wagens des Königs eine Bombe geschleudert, welche imt laittem Knall explodierte. Ein Schuhmann, eine Frau und die Pferde mehrerer Kürassiere -wurden leicht verletzt. Zwei Individuen sind verhaftet worden. Man glaubt, daß der Attentäter ein Ausländer ist. Es heißt, daß die Bombe mit Nägeln geladen war. Unter der Volksmenge herrschte große Entrüstung über den Anschlag.
Madrid, 1. Juni. Oberstallmeister Marquis de la Mina, der als außerordentlicher Gesandter Spaniens an der Hochzeit de§ deutschen Kronprinzen teilnimmt, wird als Geschenk für den deutschen Kaiser einen prächttaen. in Toledo her- gestellten Säbel überbringen, dessen Emailschmuck das Wappen des Regiments Numancia zur Darstellung bringt, dessen Ehrenoberst der Kaiser ist.
Petersburg, 1. Juni. Das Projekt der Einberufung einer Volksvertretung ist von der Kommission unter dem Vorsitz des Ministers des Innern ausgearbeitet und bereits ferttg gedruckt. Es wird dieser Tage dem Miniserkcmseil zur Begutachtung vorgelegt werden.
, Petersburg, 31. Mai. Da Großfürst Wladimir «ii seinem alten Leiden wieder erkrankt ist, begiebt sich statt keiner der Bruder des .Kaisers, Großfürst Michael Alerandrowitsch, als Vertreter des Kaisers zu der Vermählungsfeier nach Berlin.
Bukarest, 1. Juni. Prinz Ferdinand ist beute nach Berlin abgereist, um den König bei der Hoch- zeitsfeier des deutschen Kronprinzen zu vertteten
Tanger, 31. Mai. Die „Köln. Ztg." meldet aus Fez vom 28. Mai: Graf Tattenbach und die der Sondergesandtschaft zugeteilten Offiziere wurden gestern vom Sultan in Privat-Audienz empfangen.. Der Sultan unterhielt sich fast eine Stunde auf das liebenswürdigste mit den Herren -die sämtlich die Begabung und das rege Interesse des jungen Herrschers für alle Fragen rühmen.
Die Tragweite der russischen Niederlage
.bei Tsuschima stellt sich, nachdem fetzt genauere ^Einzelheiten über die fürchterliche Katastrophe -bekannt roerden, als eine unabsehbare dar, und die Gemüter der ganzen Kulturwelt werden sich üoch lange mit der rühmlosen Vernichtung der russischen Flotte beschäftigen, die um den halben Erdkreis herumfuhr, ehe sie ihr Verhängnis fand und durch ihren Untergang auch das Schicksal !des Krieges, das Schicksal vielleicht der russischen Herrschaft im fernen Osten für immer besiegelt hat. Die Seeschlacht bei Tsuschima hat einen »ndgiltigen Wendepunkt herbeigeführt. Verluste, wie sie Rußland jetzt in solch ungeheurem Umfange erlitten hat, kann auch das reichste Land «icht verschmerzen. Schlimmer jedoch als ine
materiellen Verluste, ist die moralische Einbuße, die das Ansehen Rußlands erlitten hat, vor allem sein militärisches Prestige, denn die für unglaublich gehaltene Tatsache, daß sich vier russische Kriegsschiffe, darunter ein erstklassiges, fast un- beschädigt dem Feinde ergeben haben, hat sich leider bestätigt und diese Meldung stempelt den ; materiellen Zusammenbruch noch zu einem schweren moralischen. Das russische Reich ist an einem Wendepunkt seiner Geschichte angelangt, wohin der Weg geht, aufwärts oder noch weiter abwärts, dürste bereits die allernächste Zukunst lehren.
Die Siegesstimmung in Japan findet allenthalben lebhaften Ausdruck, jedoch ist, wie aus Tokio berichtet wird, die Haltung der Sieger würdevoll i.r.d man läßt dem unterlegenen Gegner, soweit er darauf Anspruch hat, alle Anerkennung zu test werden.
Die Nachricht von der tatsächlichen Vernichtung der Balfischen Flotte hat in Japan nach der langen Spannung große Erleichterung verursacht. Ueberall herrscht enthusiastische Stimmung, und Flaggen wehen von vielen Häusern. Die japanischen Marinekreise bewundern die Kühnheit der Rusien, bedauern aber gleichzeittg ihre Unfähigkeit und ihre aussichtslose Taktik. Wie aus London gemeldet wird, soll Roschest- wenskr über seine Ersetzung durch Admiral Biri- lew aufgebracht und nervenleidend gewesen sein, als er sich entschloß, durch die Hauptverkehrsstraße nach Wladiwostok zu segeln. Die Japaner behandeln bL Verwundeten großartig. Alle Häfen an der Tsuschimastraße sind voll Verwundeter. Zahlreiches japanisches Lazarettpersonal war sofort zur Stelle. Die Szenen, die sich dort abspielen, sind grauenhaft und herzzerreißend.
Einzelhkstkn aus der Seeschlacht werden jetzt bekannt, die für die japanische Kriegstüchttgkeit höchst ehrenvoll sind und auch die Bewunderung derer Hervorrufen, die aus volitrschen Grilnden und Rassegefühlen das Auf- stteben der asiatischen Natton nur mit Unruhe beobachten. Für Javan ist mit diesem Kriege gegen eine europäische Großmacht eine neue Aera angebrochen, die Flagge mit der aufgehenden Sonne hat sich für das Jnselreich als glückliches Symbol erwiesen.
Der Bericht des Admirals Togo über den Verlauf der Seeschlacht zerfiel in verschiedene Abschnitte, die entsprechend dem Abschluß der einzelnen Operationen bei Tsuschima abgesaßt und nach Japan übermittell wurden. Ihr Inhalt deckt sich mit den bereits veröffentlichten Telegrammen. Nunmehr liegen noch zwei größere Schlußberichte vor, die das Ergebnis der Schlacht zusanunenfassend melden.
Tokio, 31. Mai. Der fünfte Bericht des Ad- nriral Togo, der am Nachmittag des 30. Mai hier einging, lautet:
Nachdem sich der Hauptmacht der vereinigten japanischen Flotten bei Liancourtrocks am Nachmittag des 28. Mai, wie schon gemeldet, der Nest der russischen, Flotte ergeben hatte, (fielt die japanische Flotte inne, sah aber gleich darauf, während sie dabei war, die russischen Schiffe zu verteilen,, in südwestlicher Richtung das Küstenpanzerschiff „Admiral Uschakow". Sofort wurden die beiden Panzerkreuzer „Jwate" und „Jäkumo" zur Verfolgung des „Admiral Uschakow" weggeschickt, die das russische Schiff, nachdem es zur llebergabe aufaefordert war, die Ucbcrgabe aber verweigert hatte, um 6 Ubr nachmittags in den Grund bohrten. Tie übriggebliebene Besatzung von mehr als 300 Mann wurde gerettet. Der russische Panzerkreuzer „Dimitri Donskoi" wurde nm 5 Uhr nachmittags gesehen, sofort gejagt, eingeholt und heftig von unserer hierten Division der zweiten TorPedobooDzerstörerttottille beschossen. In der Nacht wurde der „Dmitri Donskoi" von der eben genannten zweiten Flottille angegriffen und am nächsten Morgen am südwestlichen Ufer der Urleung-Jnsel an der koreanischen Küste ftstgekommen entdeckt. Der japanische Torpedo- bootszerstörer „Bicdowy", auf welchen sich Admiral Roschestwenski und noch ein Admiral, beide schwer verwundet, und 80 Russen, ein- schließlich der Offiziere vom Stab des Flaggschiffes „Knjäs Ssuworow", das am 27. Mai gesunken war, befanden und sämtlich zu Ge- fangenen gemocht wurden. Von unserem geschützten Kreuzer „Tschitose" wurde, während er nach Norden kreuzte, noch ein anderer russischer Torpedobootszerstörer in den Grund gebohrt. Unser Kreuzer „Niitaka" und der Torpedobootszerstörer „Marakumo" griffen am Mittag des 28. Mai einen russischen Torpedobootszerftörer an, der schließlich sank.
Nach den verschiedenen bisher erhaltenen Berichten und r.ad) den Angaben von Gefangenen ist das Resultat der Schlacht vom 27. bis zum 28. Mai folgendes: „Knjäs Ssuworow", „Imperator, Alexander HI.", „Borodino", „Dmitri Donskoi", „Admiral Nachimow", „Wladimir Monomach",, „Shemtschug", „Admiral Uschakow", ein Hilfskreuzer und zwei Torpedobootszerstörer gesunken, Md „Imperator Nikolai I/>>
„Orel", „General-Admiral Apraxin", „Admiral Ssenjawin" und der Torvedobootszerstöree „Biedowy" genommen. Nach Berichten von Gefangenen ist die „Osijaba" ungefähr um 3 Uhr nachmittags am 27. Mai gesunken; ferner ist bet „Nawarin" gesunken und „Almas" am 27. Mai in gefechtsunfähigem Zustande, anscheinend sinkend, gesehen worden, doch ist fein endgültiges Geschick noch nicht bekannt. (Der „Almas" ist bekanntlich in Wladiwostok eingetroffen.)
Die vollen Einzelheiten betreffend die an unseren Schfffen angerichteten Schäden liegen mir noch nicht vor. Aber, soweit ich feststellen konnte, ist keines davon ernstlich beschädigt, alle sind noch in Tätigkeit. Noch sind nicht alle Verluste fest- gestellt. Die Verluste der ersten Division werden auf etwas über 400 Mann geschätzt. Prinz Rorihito ist bei bestem Wohlsein. Admiral Misu wurde am 27. Mai leicht verwundet.
Der sechste Bericht des Admirals Togo, der am 30. Mai nachmittags einlief, lautet: Der Untergang von „Osljaba" und „Nawarin" be- ftätigt sich. „Ssissoi Welsti" ist nach zuverläsfi. gen Berichten am 28. Mai moraenS ebenfalls gesunken. — Der amtliche Bericht über die russi. scheu Verluste, sowett dieselben bisher ermittelt sind» lautet: Folgende Schlachtschiffe sind gesunken: „Knjäs Ssuwormv", „Jmper..tor Kieran- der HI ", „Borodino", „Osljaba", „Ssisioi We- liki", „Nawarin". — Folgende Kreuzer gesunken: „Admiral Nachimow", „Dmitri Donskoi", „Wljadümir Monomach", „Swietlana", „Shem- shug". — Küstenpanzer: „Admiral Uschakow" gesunken, ebenso Kvei Spezialschiffe: „Kamtschat- ka" und „Jlifisch", ferner 3 Torpedobootszerstörer. — Zwei Schlachtschiffe, nämlich: „Orel" und „Imperator Nikolai I.", zwei ,Küstenpanzer, nämlich: „General Admiral Aprarin" und „Admiral Ssenjawin", sowi- der Torpedvbootszer- störer „Bjedowy" genommen. Mithin verlor Rußland 22 Schiffe, mit einem Gesamttnhalt von 154 411 Tonnen.
Verschiedene Meldungen.
Tokio, , 31. Mai. (W. B.) Admiral Roschestwenski ist im Marinehospital von Sasebo angekommen. — Das Marinedepartement gibt bekannt, daß während der Schlacht nur drei Torpedoboote verloren gegangen sind."
Tokio, 31. Mai. (Reuter.) Die Wunden des Admirals Roschestwenski find leicht. — Der Gesamtverlust der Japaner beträgt noch nicht 800 Mann.
PeterSburg,l. Juni. (Petersb. Telegr.» Ag.) Der Kreuzer „Jsumrud" ist in Wladiwostok angekommen.
Peterburg, 31. Mai. (PeterSb.Telegr.- Sfl.) Bezüglich der Gerüchte über den Untergang des Kreuzers „Gromvboi" erklärt der Admiralstab, daß sich der Kreuzer in Wladiwostok befindet und am Kampfe nicht teilgenommen hat. — Das Torpedoboot „GroSjastchy" ist in Wladiwostok angekommen.
Tokio, 31. Mai. (Reuter.) Die Meldung, daß der russische Kreuzer „Schemtschug" gesunken sei, bestätigt sich nicht. Der Name ist von der Liste der in den Grund gebohrten Schiffe gestrichen worden. ES wird vermutet, daß der Kreuzer „Aurora" gesunken ist, doch fehlt eine bestimmte Bestätig» g.
Washington, 31. Mai. (W. B.) Ein dem Staatsdepartement zugegangenes Telegramm aus Tokio besagt, Roschestwenski habe einen Schädelbruch erlitten, der eine Operation nötig mache. Sein Zustand sei ernst, aber nicht lebensgefährlich.
Tokio, 31. Mai. (Reuter.) Admiral Roschestwenski ist an der Stirne, beiden Seinen sowie am Rücken verwundet, doch dürste er wieder genesen.
Tokio, 1. Juni. (Reuter.) A d miral Fölkersahm wurde Samstag in dem Turm des Linienschiffes „Ofsljabja" getötet.
Wladiwostok, 31. Mai. (Petersb. Telegr.-Ag.) Der Torpedobootszerstörer „Bravy" ist mit vier Offizieren und 197 Matrosen von der Besatzung deS Linienschiffes „Ofsljabja" eingetrvffen.
Friede oder Fortsetzung des Krieges find jetzt die beiden großen Fragen, mit denen sich alle Welt beschäftigt. Friedensgerüchte waren auch nach den großen Schlachten in der Mandschurei aufgetaucht, ohne daß fie sich als begründet herausstellten. Im allgemeinen zweifelt man an der Bereitwilligkeit der russischen Regierung, unter dem Druck der jetzigen Niederlage irgendwelche Schritte in dieser Hinsicht zu tun.
Der russische Botschafter in Washington Cassini erklärt, alle Gerüchte von einem bevorstehenden Friedensschluß und von Vermittlungs- Vorschlägen seien nichts als llnfinn. Bis Liaujang habe für Rußland hie Mäglichkeit bestände».
Frieden z« schließen, nach den späteren überwältigenden Niederlagen werde der Krieg tut« noch Jahre dauern. DievonJapan sicher» lich geforderten Kriegskosten verwend« Rußland besser zum Bau einer neue» Flotte.
Aus Berlin wird der „Franks. Ztg." toom 31. Mai gemeldet, daß über die in Petersburg nach der Vernichtung der russischen Flotte bevorstehenden Entschließungen und den angeblich dort gestern abqebaltenen Kronrat an hiesige» diplomatischen Stellen noch keinerlei Nachrichte» vorliegen. Man ist auch in diesen Kreisen 6il jetzt nur auf Vernutungen und Analogieschlüffe über die unmittelbaren politischen Folgen deS EreigniffeS in der Straße von Korea angewiesen und hat dabei mit unsicheren Faktoren zu rechnen. Der, wie eS scheint, in anderen Hauptstädte» unmittelbar aufgetauchte Gedanke, daß nun der Friedensschluß sehr nabe sein müffe, stößt bei kundigen Beurteil-rn auf ernste Zweifel. Man erwägt, daß durch die neueste Niederlage die Gründe, die Rußland bisher abgehalten haben, den Frieden zu suchen, nicht vermindert, sondern vielleicht verstärkt worden sind. I» demselben Maße, wie durch diese Niederlage der Verlust des russischen Prestiges sich vermehrt hat, und so kann immerhin richtig sein, waS der „Doff. Ztg." auS Petersburg gemeldet wird, daß man in dortigen Kreisen vor der nächste» Landschlacht an Frieden nicht denke.
London, den 1. Juni. Mehrere Blätter wollen auS gut informierten japanischen Kreise» erfahren haben, Japan werde nunmehr folgende Bedingungen für einen eventuellen Friedensschluß machen: Kriegsentschädigung 2 Milliarden Mark. Schleifung der Festungswerke von Mad'wostok, deffen Hasen in einen Handelshafen umgewandelt werden fall, Ver» pstichtung seitens Rußlands, während einer noch festzulegenden Periode keine Kriegsschiffe nach chinesischen oder japanischen Gewäffern zu entsenden, die Abtretung Sachalins, Port Arthur» und der Liaujang-Halbinsel, Abtretung eines großen Teils der mandschurischen Eisenbahn und endlich Anerkenung deS japanischen Pro» teftoratS über Korea seitens Rußland.
Deutsches Reich.
B e r l i n, 2. Juni.
— Seine Majeüät der Kaiser nahm am Mittwoch Morgen aus dem Tempelhoser Felde die diesjährige Frübjahrsparade über die Berliner Garde- reaimenter ab, die einen glänzenden Verlauf nahm. Sämtliche in Berlin anwesenden deutschen und ausländischen Fürstlichkeiten wohnten der Parade bei. Abends fand im Schlöffe große Tafel statt.
— Das Kronprinzenpaar wird, wie de« ,L.-A." aus Eberswalde gemeldet wird, am Tage nach der Vermählung in dem Jagdschloß Hubertusstoch das ihm vom Kaiser zur Verfügung gestellt worden ist. die Flitterwochen verleben. Die zuerst geplante Reis« nach Oels soll, wie verlautet, wegen der immer noch nicht ganz erloschenen Genickstarre in Schießen aufaegeben worden sein. In Hubcrtusstock werden bereits für den Empfang deS kronprinzlichen Paares Vorbereitungen getroffen.
— Man schreibt uns: Di; Reichsta gsersah- Wahl im Wahlkreis Hameln-Spring« hat ein recht erfreuliches Ergebnis gehabt und wiederum gezeigt, daß die Entwickelung der Sozialdemokratt« aufzuhalten und zurückzudämmen ist. Es erhielten die bürgerlichen 1903: 1905:
Kandidaten 16339 16892 Stimme«
der Sozialdemokrat 10198 8712 ,
Gegenüber der Hauptwahl 1933 hat die Sozialdemokratie 1486 Stimmen verloren, die bürgerlichen Patteien 553 gewonnen. Es kommt nun darauf au, daß die bürgerlichen Parteien bei der Stichwahl ae* schloffen gegen den Sozialdemokraten stimmen. Wie bei der letzten Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Hof hat auch bei dieser Nachwahl der Reichsverbaud gegen die Sozialdemokratie eine umfassende Tätigkeit entfaltet. Er hat in vollkommen paritätischer Weis« seine Kräfte den bürgerlichen Parteien zur Verfügung gestellt und seine Ausgabe gemäß seinen Satzungen lediglich darin erkannt, die Stimmenzahl der Sozialdemokratie zurückzudrängen. Der Reichsverband hat» zu diesem Zweck 2 seiner Beamten wochenlang in Wahlkreise arbeiten lasten, hat über 70000 Flugschriften und Broschüren verteilt und über 50 Versammlungen durch 4 nach dem Wahlkreise entsandt« Redner abgebalten. Da zwischen dem nationalliberalen Kandidaten und dem sozialdemokratischen am 8. Juni Stichwahl stattfinden wird, so wird der Reichsverband feine Tätigkeit in der Richtung fort» setzen, daß die im Wahlkreise sich teilweise sehr fiatf gegenüberstehenden bürgerlichen Parteien ihren Zwist hintenanstellen und geschlosten gegen den Sozialdemokraten stimmen.
MarLameittanftves.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Berlin, 3L Mai.
Das Abgeordnetenhaus erledigte heute zunächst zwei vom Herrenhause in abgeänderter Fastung zurück- gelangte Entwürfe. Die nur unwesentlich verändert» Vorlage bete, dir Verwaltuna gemeinschaftlicher 3a*
Vierteljährlicher Bezugspreis, der der ExpÄition 2 Mh»
TR/» 4 t)Q der allen Postämtern 2,25 Mk. <ejck. Bestellgeld).
v!» Imv Jnsertlonsgebühm die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pfg.
Reclamen: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Sonnabend, 3. Juni 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. klug. Koch, tlniversttätEuchdruckerek 40. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon öS.