Der Sieg -er Japaner
fifer bie Flotte Noschestwenskis darf, je mehr Einzelheiten über die Schlacht bei Tsuschima begannt werden, als ein vollständiger angesehen werden und man kann sich leider der Erkenntnis nicht verschließen, daß die Niederlaae der Russen lir.e ungeheure ist. Die Vernichtung der russischen Flotte offenbart sich in ihrer aamen schrecklichen Größe, die besten Schiffe sind verloren, Tausende von Matrosen sind tot oder in japanische Gefangenschaft geraten, lieber die Verluste auf beiden Seiten genaue Klarheit zu erhalten wird erst nach einigen Tagen möglich sein, jvenn wieder ein geordneter Nachrichtendienst !funktionieren kann, zweifellos ist jedoch jetzt schon ;M$ die Japaner di e Seeherrschaft b e h a ir p t e t haben und daß es für Rußland immöglich ist, sie wieder zu gewinn.en. Daran
81 • lNacbdruck verboten.)
Schatten der Vergangenheit.
Roman von B. Eoronh.
< Fortsetzung.)
T „Dazu bedurfte es des Zuredens meiner «Schwester wirklich nicht," erwiderte Kurt, die «ihni dargebotene Hand in kameradschaftlicher Weise drückend.
. „Je nun, wer mit so hohen Herrschaften zu -Gaste sein soll, dem wäre es ja nicht zu verdenken, wenn er —"
„Sie scherzen wohl, mein Fräulein?" fiel Kurt ein, als sie stockte. „Hoffentlich gab ich «Ihnen niemals Ursache, mich für einfältig und dünklelhaft zu halten!"
. „O nein! Aber ganz unempfindlich dürften .Sie Auszeichnungen gegenüber, die zum Beispiel meinem Oheim niemals zu teil werden, auch nicht bleiben."
„Ich setze sie einfach auf Rechnung der lang- ,jährigen, freundschaftlichen Beziehungen, welche zwischen dem Baron, meinem Onkel und meinem Vater herrschen."
Mit einem Lächeln, das es zweifelhaft erscheinen ließ, ob sie diesen Worten Glauben schenke oder nicht, sah ihm Susanne in die Augen und .jagte dann, rasch auf einen anderen Gegenstand «überspringend:
„Ich habe niemand weiter gebeten, als Sie beide. Onkel mikßte über Land. Wir wollen -'heute einmal wieder wie in unserer Kiioderzeit .'«in lustiges Kleeblatt sein. Was meinst Du chazu, Liesbeth?"
„Fch? STdj, mir siehst Du es geiviß an, wie vergnügt ich bin, und daß ich die ganze Welt Umarmen.mochte! Wie hübsch Du das gemacht sßaft! Mitten auf der 22ie£e unter der uralten
London, 31'. Mai. (Privattelegr.). „Daily Expreß" meldet aus Tokio: Der russische Kren- zer „Gromoboi" stieß bei der Ausfahrt von Wla- diwostök, in der Hoffnung, sich mit den heran- kommenden Schiffen Roschestweuskis vereinige« z» können, auf eine javanische Mine und ging bei schwerer See mit 800 Mann tut Bord unter. Man vermutet, daß auch Admiral Skrydlow an Bord war.
London, 30. Mai. Wie dem „Daily Mail" aus Washington gemeldet wird, erhielt das Marinedepartement ein Telegramm aus Tokio, nach welchem das Flaggschiff Roschesttvenskis „Fürst Ssuworow" mit Roschestwenski an Bord gesunken sei.
Paris, 30. Mai. Soeben wird' gemeldet, Roschestwenski sei am Schulterblatt durch einen Granatsplitter verwundet und lieae bewußtlos an Bord des Torpedoboots „Browi", das, von einem Kreuzer begleitet, Wladiwostok erreichte. (?)
Tokio, 30. Mai. Man meldet jetzt, die russischen Panzerschiffe „Borodino" (oder „Ssuworow") und ein zweites seien in der Seeschlacht gesunken. „Orel" und „Admiral Nachimow" aufgeflogen. Nikolaus I." sei durch ein Torpedo schwer beschädigt und von der eigenen Besatzung in die Lust gesprengt wordeik. „Dmitri Dons- koi" sei beschädigt und - die „Kamtschatka" genommen.
Tokio, 30. Mai. Der große Seesieg der Japaner wird jetzt im vollen Umfange amtlich bestätigt. Die Russen verloren im ganzen neunzehn Schiffe.
London, 30. Mai. Die japanische Gesandt- schäft veröffentli ht folgende Depesche aus Tokio vom 30. Mai: Die vier erbeuteten russischen Kriegsschiffe nntrben beute wohlbehalten nach unteren Kriegshäfen gebracht, nämlich der „Orel" nach Maizuru, „Imperator Nikolaus I.", „General-Admiral Apraxin" und „Admiral Ssenja- win" nach Sasebo.
Washington, 30. Mai. Das Marinedevarke- mei.t erklärt auf eine Anfrage, e5 habe weder Privatim noch amtlich die von den Blättern wiedergegebene Mitteilung erhalten, nach der der „Knjaes Ssuworow" gesunken u. Roschestwenski umgekommen sein soll.
Die Reste der russische» Flotte'' sind, soweit die vorliegenden Meldungen berichten in Wladiwostok angekommen. Mehrere andere, meist Hospital- oder sonstige Begleitschiffe flüchteten nach chinesischen Häfen, wo sie interniert werden.
London, 30. Mai. Das Reutersche Bureau meldet aus Petersburg: Der russische Kreuzer „Almas" ist in Wladiwostok eingetroffen. Die Admiralität hat keine Nachricht, daß noch andere russische Schiffe entkommen sind. Der Kapitän des „Almas" bestätigt die Meldung, daß das Linienschiff „Fürst Ssuworow" und vier andere Schiffe des baltischen Geschwaders, darunter der „Borodino", gesunken sind. Gerüchtweise hieß eS heute, der Kapitän des „Almas" teilte dem Kaiser mit, daß Admiral Roschestwenski an Bord eines Torpedobootes gegangen sei. Kapitän Zi- loti von der Admiralität erklärt das Gerücht jedoch für unbegründet und bemerkt ferner, daß
übe: den Zustand des Kreuzers „Almas" feitet Meldung vorliegt.
Petersburg, 30. Mai. Aus zuverlässig« Quelle verlautet, daß außer dem Kreuzer „Almas" das Hospitalschiff „OrA" und ein Torpedoboot in Wladiwostok angekommen seien. Das Linienschiff „Knjaes Ssuworow", das Flaggschiff des Admirals Roschestwenski „Osljaebja" unei das Flaggschiff des Admirals Foelkersahm „Borodino", sowie der Hilfskreuzer „Ural" und bet; Transportdampfer „Kamtschatka" seien gesunken. Roschestwenski sei verwundet auf einem von dem Leutnant Durnowo befehligten Torpedoboot gerettet worden und entkommen. Weitere Nachrichten liegen bis jetzt bei dem Marinestab nicht vor.
London, 30. Mai. Dem „Evening Standard* wird aus Schanghai gemeldet, daß ein kleiner russischer Kreuzer dorthin zurückgekehrt und in den Hafen eingelaufen ist, sowie daß sechs i» Wusung liegende russische Transportschiffe eingewilligt haben, sich dort internieren zu lassen.
Schanghai, 30. Mai. Eins der aus bet Schlacht bei Tsuschima entkommenen Schiffe ist hier eingetroffen. Man erwartet, daß demnächst noch weitere Schiffe der Baltischen Flotte Schanghai als Schubhasen aufsuchen werden.
Nach einer weiteren Depesche aus Paris rüst dort die Meldung, daß Admiral Nebogatow sich ergeben hat, ungeheure Entrüstung hervor, um so mehr, als zwei seiner Kommandanten sich entleibt haben sollen, um nicht in japanische Gefangenschaft zu geraten.
Der Eindruck der Niederlage in Russland
war ein fürchterlicher. Die Petersburger Adi-ch- ralität war vorgestern den ganzen Tag über vo« Nachfragenden belagert, die jedoch alle dieselbe Antwort erhielten: „Es sei keine Nachricht vorhanden. Diese Auskunst erhielten auch die Diplomaten, die sich im Auftrage ihrer Regierungen erkundigten. Die Zensur hält die amtlichen japanischen Nachrichten zurück, doch werden Nach- richten aus anderen Quellen massenhast verbreitet. Das Publikum ist über den AuZgang der Schlacht im Unklaren. Allgemein erwartet man, ein großer Teil von Roschestwenssts Geschwader , werde Wladiwostok erreichen.
Aus London wird von gestern gemeldet, de« Zar fei in Zarskoje Selo durch ein direktes Tele- grnmm aus Wladiwostok über den Umfang der russischen Niederlage informiert worden. Det Eindruck, den die Hiobsbotschaft auf den Zarea gemacht hat, war, wie eine hochstehende Persönlichkeit versichert, ein geradezu niebetMmetfem der. Als der Zar das Telegramm in Hände« hielt, zitterte er an allen Gliedern und stammelte wiederholt die Worte: „Wse kontscheuo!!
(Alles verloren.) Hierauf zog er sich in feine Arbeitsgemächer zurück und blieb den ganze»! Nachmittag über allein. Nur fein Leibarzt, Prost Dr. Hirsch, hatte Zutritt. Die Zarin, die bekanntlich einen großen Einfluß auf ihren Gemahl auszuüben vermag, bemühte sich vergebens, ihn zu beruhigen. Der Zar verfiel in Fieber und mußte sich auf Anordnung seines Leibarztes ins Bett beheben.
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bestehend ans den Linienschiffen
bord-Kolonne,
Borodino", ,
Ssuworow", „Sissoi Weliki", In der Back-
Jts. 128
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würde auch die jetzt sehr fragliche Enffendung eines bierten Geschwaders nichts ändern. Ueber den .
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Verlauf der Seeschlacht
liegt eine Reihe wichtiger und interessanter Telegramme vor, die wir nachstehend folgen lassen: Togo war am Sonnabend früh mit fast allen Kriegsschiffen ber japanischen Flotte bei Ma- sampho. Plötzlich trafen drahtlose Depeschen von den japanischeil Kundschafterschiffen zwischen der Insel Tsuschima und den Quelpart-Jnseln ein, welche das Herannahen der Baltischen Flotte in voller Stärke ankündeten. Wenige Stunden später telegraphierten die Kundschafter, daß die Russen nicht durch den westlichen Kanal zwischen Tsuschima und Korea, sondern durch den östlichen Kanal der Koreastraße zwischen Tsuschima und Japan entlang kämen. Die Nachricht erregte Ueberraschung beim japanischen Stabe. Togo fuhr unverzüglich bon seiner Basis ab und ging mit vollem Dampf nördlich um Tsuschima herum. Als die japanische Flotte die Insel umfahren hatte, sah sie die Baltische Flottein zweiKolonnen herandamtzfen. Der Kreuzer „Schemtschug" führte die (Steuer
Erscheint wöchentlich sieben mal. j a ,
Druck und Verlag- Joh. Äug. Koch, Umverfitätt-KuchbruckerÄ 40. Jahrg. d
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Orel", „Knjäs
„Alexander III", „Osliabja", „Navarin" und „Nikolaus I.
Marburg
Donnerstag, 1. Juni 1905,
bordkolonne dampften der Panzerkreuzer „Admiral Nachimow", die Küstenverteidigungsschiffe „Uschaow", „Ssenjawin" und „Apraxin" und die übrigen Kreuzer. Nun begann, die gewaltige Schlacht. Togo richtete ein vernichtendes Feuer auf die Flanke der Backbord-Kolonne und die Spitze der Steuerbord-Kolonne. Die russischen Schiffe gerieten in Verwirrung. Togos feuerspeiendes Geschwader drängte die verzweifelt kämpfende Flotte stetig nach der japanischen Küste zu, wo ein furchtbarer Angriff von sämtliche« Kriegsschiffen der japanischen Flotte erfolgte. Ein Torpedo-Angriff nach dem andern brachte Zer- ftörung und unrettbare Verwirrung unter die russischen Schiffskolosse: die todverachtenden Torpedoboote erzielten ost den größten Erfolg.
Nach Meldungen aus Tokio verursachte die ungünstige russische Formation die schnelle Vernichtung . des Geschwaders. Roschestwenski postierte die Schlachtschiffe östlich, die Kreuzer westlich, die größte Zahl der minderwertigen Schiffe dazwischen. Dieses Zentrum war sehr bald durch das akkurate japanische Feuer in höchste Itnordnnng aebracht, und dadurch wurden beide Flügel in Mitleidenschaft gezogen. Die eigentliche Schlacht war kurz und ging sehr bald in Flucht und Verfolgung über. Die Russen er- widerten das furchtbare Fever der Japaner nur schwach. Die besten Schiffe waren bald kampfunfähig, der Rest floh.
Die russischen Verluste.
Washington, 30. Mai. (Reuters. Das Staatsdepartement erhielt folgende Depesche aus Tokio von heute: Amtlich wird bekarntgegebeu, daß alle russischen Schlachtschiffe mit Ausnahme des „Orel" und „Nikolaus I.", die genommen wurden, untergcgangen sind. Roschestwenski, Fölkcrsahm und Nebogatow wurden gefangen genommen.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Alluftrirtes Sonntagsbratt. —
t’J Neueste Telegramme.
, Berlin, 30. Mai. Der Kaiser hat dem wringen Arisuoawa von Japan den Schwarzen sAdlerorden verliehen. Die Prinzessin Arisugawa jerhielt die Rotekreuzmedaille ärster Klaffe. — ©et argentinische Gesandte Garcia - Meron ist heute Bormittag gestorben.
V Brru, 31 Mai. Der Bundesrat hat zur Hochzeitsfeier des deutschen Kronprinzen den schweizerischen Gesandten in Berlin de Clapartzde Spezialmission abgeordnet.
L Rom, 30. Mai. Die Internationale Konferenz zur Begründung des Internationalen Uckerbauinstituts hielt heute unter dem Bor- sitz des Ministers Tittoni eine neue Sitzung tob. Nach der Annahme der Geschäftsordnung jfand eine allgemeine Erörterung statt, an der sich mehrere Delegierte beteiligten. Sodann? beschloß die Konferenz sich in drei Kommissionen^ zu teilen, um das von der italienischen Regierung' ^orgeschlagene Programm zu beraten. Die jKvmmissionen werden heute mit ihrer Arbeit beginnen. Die Konferenz vertagte sich bis zu Beendigung der Arbeiten der Kommissionen, deren Berichte gedruckt und an die Delegierten verteilt werden sollen.
Gnufchnling, 29. Mai. Prinz Friedrich Leopold von Preußen traf heute Morgen im russischen Hauptquartier ein. General 8ene* iwitsch empfing den Prinzen am Bahnhofe, wo eine Ehrenwache Aufstellung genommen hatte. ; Sydney. 30. Mai. (Franks. Ztg.) Der Dampfer „Germania" meldet: Am 18. April Wurden durch einen Orkan auf Ponape sowie Kusais alle Häuser und Plantagen zerstört. Auf Ponape wurden 20 und auf der Kusaie- insel 5 Personen getötet. Der Schaden beziffert sich auf drei Millionen Mark.
Linde gedeckt. Köstlich muß es sich bi. im Schatten sit-en!"
Bald war ein fröhliches, oft von lautem Lachen unterbrochenes Gespräch im vollen Gange. Tie Nichte des Gutspächters verstand sehr drollig zu plaudern. Sie besaß einen zwar derben, aber wirksamen Humor und erschöpfte sich in Zuvorkommenheiten gegen die Geschwister. Dabei zeigten ihre hübschen Augen aber oft einen lauernden und stechenden Ausdruck und ihre Stimme bekam mitunter einen scharfen Klang.
„Der Herr Kommerzienrat soll ja überraschende Vorbereitungen gemacht haben," bemerkte Susanne jetzt, indem sie eine Rose in Liesbeths Haar steckte und sich bei dieser Gelegenheit halb von Kurt abwandte.
„O ja," erwiderte dieser unbefangen. „Er führt ein großes Haus und ist ja auch in der Lage, das zu tun."
„Freilich! Im Schlosse giebt es Wohl auch bald ein Fest. Dann werden alle, die den Namen Walter tragen, mit Einladungen bedacht Iverden."
„Ich wüßte nicht, daß ein Fest im Schlosse in Aussicht stände. Herr von Dunois hat sich immer noch nicht ganz erholt. Er fonunt ztvar heute Abend, aber — wie gleich hinzu gefügt wurde — nur auf kurze Zeit."
„So? Dann wird die Verlobung der Baronesse vielleicht nur im engsten Familienkreise gefeiert."
„Wie? Viktoria verlobt sich?" rief Liesbeth mit kindlicher Neugier. „Davon weiß ich ja gar nichts."
„Und ich ebenso wenig," fügte der Assessor ziemlich kurz hinzu. „Fräulein Heller scheint besser von dem was im Schlosse vorgeht, unterrichtet iu lein, als wir und unsere Eltern,*/
„Je nun, man erfährt oft zufällig etwas, ohne sich im mindesten darum zu kümmern," erwiderte Susanne mit spöttischem Lächeln, denn es war ihr nicht entgangen, daß Kurt seine Erregung nur mühsam bezwingen konnte.
„Man hört auch zuweilen Dinge, die völlig aus der Lust gegriffen sind," fuhr er fort.
„Gewiß; das dürfte jedoch in diesem Falle nicht zutressen."
„Schöpsen Sie aus so sicherer Quelle?"
„Ich gebe mir gar nicht die Mühe, das zu tun, lieber Assessor. Wenn mir aber so ein geschwätziger Quell allerlei verrät, was anderen Leuten ein Geheimnis ist, so kann ich meine Ohren doch nicht verstopfen."
. „Mit mein wird sich Viktoria denn verloben?" fofrschte Liesbeth.
„Danach zu fragen hat wohl niemand ein Recht, so lange die freiherrliche Familie darüber schweigt," fiel Kurt Walter seiner Schwester barsch in die Rede.
Diese errötete wie ein gescholtenes Kind und flüsterte verlegen: „Es interessiert mich ja nur, weil ich Viktoria so lieb habe."
„Warum soll sie nicht wissen, daß Graf Henry von Clairville seine Cousine heimführen wird?" sagte Susanne achselzuckend.
„Graf Henry?"
„Ein hübsches Paars Findest Du nicht? — O, Lieschen! Wie gut, daß nichts auf Tein hellblaues Kleid gekommen ist!"
Das mit Rotwein gefüllte Glas, welches sie eben an die Lippen führen wollte, war Liesbeth aus der Hand gefallen und der purpurne Inhalt hatte sich teils über das Tischtuch, teils auf den Boden ergossen.
„Wie erschrocken Du aussiehst!" bedauerte Susanne. „Was ist das? Tränen in den Augen? Aber, lieber Schatz, was liegt denn an dem dum>
wen Glase? Scherben bedeuten Glück! Ich glaube, wir fangen schon an, Polterabend zu feiern. Was sind das für häßliche Falten auf der Stirn, Assessor? Wollen Sie Ihr Schwesterchen etwa gar ausschelten? Aber das wäre ja zu komisch! Ha, ha, ha! — Nun, lacht niemand mit?! Wohin ist denn plötzlich die fröhliche Stimmung gekommen?"
Weder Kurt noch Liesbeth antworteten.
„Habe ich also unrecht," fuhr Susanne fort, „wenn ich Abneigung gegen die Herrschaften im Schlosse hege, da schon ihr Name genügt, uns allen die Laune zu verderben? Reden wir also von etwas anderem!"
„Weißt Du, Suse, ich möchte lieber nach Hause," stammelte Liesbeth. „Mutter bat mich, nicht lange zu bleiben."
„Aus ein paar Minuten kommt es doch wohl nicht an. Helfen Sie mir, die Kleine feschalten, Herr Assessor."
„Das ist leider unmöglich, da ich mich für ihren Gehorsam verbürgen mußte," versuchte er zu scherzen.
„Ja, bann bleibt mir freilich nichts zu hoffe« übrig," sagte sie in etwas boshaftem Tone, „bcnn dem unerschütterlichen Pflichtgefühl eines Angehörigen der Famllie Walter gegenüber haben alle eigensüchtigen Forderungen zu verstummen. Auf Wiedersehen! Amüsiere Dich heute Abend recht gut, Lieschen! Ihnen wünsche ich dasselbe, lieber Assessor!"
„Ebenso aufrichtig, wie er gemeint ist, dank« ich für diesen Wunsch, mein Fräulein," erwiderte Kurt.
Wieder schritten die Geschwister über ben weichen Moosteppich des Waldes, an besser Saum Gut Waldorf gelegen war. Aber in wich veränderter Stimmung wurde der Heimweg zw rückgelegt. — Erst fiel es dem von seinen eig«