mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.
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Marburg
Donnerstag, 1. Juni 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck imb Verlag' Joh. Aug. Koch, UniversttätS-Buchdruckerei 40. Jahrg. Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Erstes Blatt.
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„Oberheffifche Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und LandbrieftrLgern entgegengenommen.
Deutsch - evangelischer Schulkongreß.
Man schreibt uns: „Wer die Jugend hat, hat die Zukunft". Das weiß heute jeder; und wer seiner politischen oder wissenschaftlichen oder religiösen Uebergr-uauna in Staat und Gesellschaft zum Siege verhelfen will, der sucht auf die Jugendbildnng Einfluß zu gewinnen. „Freisinn" und „Demokratie" und wer sonst es für ein erstrebenswertes Glück hält, „außerhalb des Schattens der Kirche leben und sterben zu können", arbeiten mit Hochdruck an der allgemeinen Einführung der Simultanschulen, in welcher die Religion Nebensache ist. Die Freunde einer religionslosen „ethischen Kultur" suchen durch öffentliche Dorträge in den großen Städten und durch Massenverbreitung populärer Schriften weite Volkskreise und vor allem die Lehrer an höheren und niederen Schu- leir für ihre Idee zu gewinnen, daß die Religion gänzlich aus. dein Iuqendunterrichte verbannt werden müsse. Auf dem ersten sozialdemokratischen Parteitage für Drcnßen. der vom 28. bis 81. Dezember 1904 in Berlin tagte, waren die Hauptverhandlungen der Schulfrage gewidmet. Die Volksschulfrage wurde für die wichtigste Frage des Proletariats, die Eroberung derVolks- schule für die dringendste Aufgabe der Sozialdemokratie erklärt, und Trennung der Schule von der Kirche, Ausscheidung jedes religiösen Unter- richts aus dem Lehrstoff der Schule war die oberste Forderung die ausgestellt wurde. So reichen sich die Sozialdemokraten und die gebildeten Herren von der „ethischen Kultur" die Hände zur Erstrebunq desselben Zieles, zum ge- meinsamen Süirmangriff auf die christliche Schule, und ein für die wichtigsten Grundlagen eines gesunden Volkslebens blinder Liberalismus tut beiden die erwünschten Pionierdienste. Kein Wunder, daß der „Vorwärts" in seinem Begrüßungsartikel für den ersten preußischen sozialdemokratischen Parteitag bereits siegeS- .yctoiß schrieb: „Wir haben die Pflicht, schon heute in die verkümmerte und zermürbte Welt die Heilsbotschaft unserer Bildungsideale hinauszu- , tu feit, für sie zu wecken und zu werben. Der klare, kluge und tapfere Klassenkampf des Proletariats wird auch das preußische Joch sprengen." Missen die, Sozialdemokraten doch zu gut, woher sie schon bisher ihre besten und zahlreichsten Rekruten gewonnen haben! Aus der von der Kirche
Die Toiletten unserer künftigen Kronprinzessin.
lieber die Wunderdinge, die französische Meister der Toilettenkunst für die deutsche Fürsten- braut hervorgezaubert haben, sollen auch unsere Leserinnen nach der Schilderung des „Berl. Lok.» Anz." einiges erfahren. Da ist zuerst die Toilette für den Gottesdienst am Tage vor der Trauungs- Zeremonie. Zartes, blaßblaues Gewebe, Gaze Myosotis, mit ä la Grecque gezeichneten Spitzen- Jnrrustationen geschmückt, wird in kunstvollem Faltenwurf die schlanke Gestalt umhüllen. Die hohe Corsage ist durch Liberty umfaltet, von einer fichuartigen Berte umgeben und mit zierlichen kleinen Rosenkränzen besteckt. Die hierzu gehörige Courschleppe aus Liberty in gleichem blaßblauen Ton ist mit Volants ans Gaze in modernem runden Plissee-Watteau garniert. Ebenso plissierte, leicht gewellte Gaze ist der Länge nach auf die Schleppe gesetzt. — Eine Balltoilette für große Hoffestlichkeiten ist aus weißen, reich mit Schleifen aus weißem Samtband und Rosen und silbergesticktem Tüll und weißem, pailletiertem Velours zusammengestellt. Der letztere bildet den Rocksaum sowie den der Hofschleppe. Die ganz cn relief ausgeführte Broderie ist im reinsten Stil Louis XVI. Tie Bänder sind in abschattierter rosa Chenille ausgestickt. Die über und über drapierte Corsage bildet mit der Cour- schleppe aus Pailletierter Liberty ein Ganzes, das mit weißen Samtschleifen und -knoten aus- gos.ickt ist. Tie, duftigen, wolkigen Aermel sind ans Tüll. — Eine andere Robe für hohe Zeremonie besteht ans türkise blauem, abschattiertem Samt mit hochaufsteigenden Jnkriistationen von
und allen Gutgesinnten sträflich vernachlässigten schulentlassenen Jugend. Welche Ernte wartet ihrer, loenn ihr Geist durch die genannten Helfershelfer erst Einzug gehalten hat in die Schulen!
Was wird aus der evangelischen Jugend? Wo ist die Arbeit, wo ist die Sorge, wo sind die Bemühungen der treu gesinnten evangelischen Glieder unseres großen, zu zwei Drittteilen evangelischen deutschen Volkes um die Erhaltung ihrer Schuljugend und schulentlassenen Jugend in ihrem evangelischen Glauben, in ihrer evangelischen Gesinnung? Wenn jemand ein Recht hat, seinen Einfluß auf die Jugendbildung und -Erziehung geltend zu machen, so sind sie es. Denn wenn sie es tun, so geschieht es nicht aus Parteigeist, nicht aus Klassenhaß oder aus Klassenverachtung, nicht um die Schule und die heilige Jugend zu mißbrauchen als ein Mittel zur Befriedigung politischer Macht- und Herrschaftsgelüste, sondern lediglich aus Liebe, um des zeitlichen und ewigen Wohles der unter ihren Augen aufwachsenden Jugend selbst willen, um des Heiles des Vaterlandes in Kriegs- und Friedenszeiten willen. Aber wie wenig geschieht von dieser Seite!
Wer soll die Zukunft haben in unserem Volk? Welcher Geist soll in ihm herrschen? Der Geist der seichten Aufklärung, einer hohlen, lediglich weltlichen Bildung? Eines aller Ideale baren Materialismus, einer gewissenlosen Gewinnsucht, der MammonZgeist? Der Geist des Parteihaders, der Selbstüberhebung, eines sittenlosen Sichanslebens? Der Geist einer öden Gleichmacherei, des Klassenhasses, des ntopisti- schen Träumens von einem zukünftigen Schlaraffenland? — Soll es nicht vfllmehr sein der Geist der Wahrheit, des Glaubens, des Trachtens nach ewigen Gütern? Der Geist des Pflichtbewußtseins, der Demut, der Zucht, der sittlichen Kraft, der wahren Freiheit? Der Geist eines engen Gewissens und eines weiten Herzens, der Geilt der Liebe, der Verträglichkeit, der Opferwilligkeit, des Sichauswirkens aller im Dienste Gottes und der Mitmenschen je nach den verliehenen Gaben und Kräften, mit einem Worte: der Geist Jesu Christi? — Nur dieser Geist, der christliche Geist, der Geist des Evangeliums bringt dem einzelnen, bringt dem ganzen Volke wahres Heil in Zeit und Ewigkeit.
Soll aber dieser edle christliche Geist die Herrschaft in unserem Volke behalten und immer mehr gewinnen, so müssen sich alle treuen evangelischen Christen, die Lehrer an den Volks- und höheren Schulen, die evangelisch gesinnten Väter und Mütter, alle evangelischen Männer und Frauen, die ein Herz Halen für Volk und Vaterland, zusammenschließen und mit großem Ernst durch wechselseitige Stärkung und mannhaftes öffentliches Bekenntnis dem gesunden evangelisck)- christtichen G.'.ste die Herrschaft sichern in der Jugenderziehung in Schule, Haus und Leben.
Die Regie...ngen können es allein nicht tun, auch nicht die kirchlichen Oberen; sie müssen in ihrer schweren und verantwortungsvollen Arbeit unterstützt und getragen werden von einer starken Strömung im Volksleben. Sollen sie nicht schließlich einer widerchristlichen Ströl..urm im Volke machtlos g.genüberstehen, so müssen alle guten, treuen Christen mit großem Eifer dafür sorgen, daß der Wille der Gutgesinnten kräftig, als eine achtunggebietende Macht in die Ersckzei»
Venesianer Gipüren, die den reichen Stoff der Prinzeß-Robe unterbrechen. Die Hofschleppe ist aus demselben weichen Samt, in natürliche gatten auslaufend, mit leicht geschlungenen, wie lose auf die Schleppe hinaufgeworfenen Schleifen garniert. — Besonderer Wert wurde von der Mutter der Brant auf die Einzugs-Toilette gelegt, und es war keine ganz leichte Aufgabe, hier das Jugendlichzarte mit dem Höfisch-Zeremoniellen zu verbinden. Das Kleid besteht aus duftigem, rosigem Seiden-Musselin. Eine herrliche Ssickerei ans Rosen und Bändern, die sich in Scblangenlinien über das leichte Gewebe ziehen, verbindet die unten auf den Rock geestzten Spitzen Points d’Angleterre mit dem Stofs der Robe. Die Corsage ist aus Cr6pe de Chine M6tüore rose drapiert und aus dem gleichen Material die Courschleppe sowie deren den Abschluß bildende leichte, duftige Volants aus Gaze rose. Das kleine Mantelet, das eben nur die Schultern bedecken soll, korrespondiert mit seinem Crepe» de-Chine- und Gaze-Volants mft der Schleppe. — Das Gepräge von großem Luxus tragt auch ein Galakostüm, das für die Oper bestimmt ist. Den Rock aus himmelblauem Serdeu Musseline durchqueren drei breite Schrägstreifen ansVelours int gleichen Ton, die von Kristallperlen überflutet und durch Rosengirlanden unterbrochen werden. Diese sind in Reliefstickerei auf soie d’Alger ausgefiihrt und ranken sich bis über Kniehöhe hinauf.
Neben diesen „offiziellen" Staatsroben birgt der Brauschah nach eine Reihe „kleinerer", sogenannter Gelegenheitstoiletten. Da fiel ein „einfaches Kleidchen" angenehm auf, das, in altrosa Taft mit Fichu Marie Antoni ette gehalten, für Garden-Parties gedacht ist- Llnch ein Teagowix
nung tritt. Dazu ist im Jahre 1882 in Frank- furt a. M. der Deutsche Evangelische Schulkongreß ins Leben gerufen worden; dazu hat er weiter getagt in Stuttgart, Kassel, Hannover, Barmen, Erfurt, Dresden, Bielefeld, Potsdam, Berlin, Hamburg, und dazu soll er in diesem Jahre am 14. und 15. Juni in Wernigerode tagen. Wer also noch festbält an dem Bekenntnis: „Es ist in keinem andren Heil, ist auch kein andrer Name den Menschen gegeben, durch den sie können errettet werden aus allem Uebel des Leibes und der Seele und stark werden zu allem Guten in Zeit und Ewigkeit, als der Name Jesu Christi", wer auf diesem Felsengrunde demgemäß auch die Erziehung und Bildung der Jugend unseres Volkes erhalten wissen, will, der komme am 14. Juni nach Wernigerode zum 14. Deutschen Evangelischen Schulkongreß und b'lfe mit eintreten für die teuersten ewigen Güter, die wir unserem lieben deutschen Volke nicht rauben lassen, sondern auf alle Weise, es koste, was, es koste, erhalten wissen wollen! Sic. Dr. C. Leimbach, Geh. Regierungsrat, Provinzialschulrat in Hannover.
Umschau.
Der Helm Im deutschen Heere.
Mit dem Helm im deutschen Heere, wie er heute gebräuchlich ist, ist ein militärischer Mitarbeiter der „Rhein.-Westf. Ztg." recht unzufrieden. Der Helm mag — so schreibt er — seine Vorzüge haben, jedenfalls aber hat er auch Nachteile, die nur der hinwegleugnen kann, der nie oder nur kurze Zeit in der Haut eines Kompagniechefs gesteckt hat. Der Helm paßt in den seltensten Fällen von vornherein. Durch Einlagen aller Art zwischen Schweißleder und Haube und mit Zuhilfenahme der im Innern vorgesehenen Verschnürung wird er mit Mühe passend gemacht, leider aber, um bei Temperaturwechsel wieder andere Abmessungen anzunehmen. Doch auch das möchte noch angehen. Nun beobachte man aber einmal einen Trupp Mannschaften mit gut verpaßten Helmen, deren Sitz durch die unters Kinn gelegten Sturmriemen noch größere Unverschiebbarkeit erhalten hat, bei dem „Hinlegen" im Feuergefecht mit voller Ausrüstung. Das Hinlegen ist ein blitzrasches Hinwerfen, wie es eben im Feuer zu geschehen hat. Von 100 Mann haben — wie die unerbittliche Praxis gegenüber jeder anders lautenden Theorie beweist — mindestens 80 Mann den vom Rückengepäck über die Augen geschobenen Helm erst wieder aus der Stirn zu rücken, um Gesichtsfeld zu erhalten. $8cr das ableugnet, hat nie aufmerksam in der Front gestanden! Der Beginn der Feuertätigkeit wird um die hierzu erforderliche Zeit hinausgeschoben, ganz abgesehen davon, daß diese Unbequemlichkeit nur behoben wird, wem der Mann den Helm hierbei ganz in den Nacken stülpt. Die Front beweist diese Behauptung täglich.
Die blinkende, verräterische Helmzier, Spitze, Scheibe, Dekoration, Schiene, will man im Felde durch den Ueberzug aus Schilfstoff verdecken. Gut! Wäre es aber nicht praktischer, eine feldmäßige Kopfbedeckung einzuflihren. die man — wenn es durchaus sein muß — lieber zur Parade zustutzt und aufputzt, als das gegenwärtige, un-
aus rosigem Liberty reiht sich ein. Das Gewand öffnet sich über einem Tablier aus plissierter und gessickter Seidengaze. Die wie Flügel geschnittenen, lang herunterfallendien, offenen Aermel sind. aus duftigem Musselin mit Volants garniert. Ferner wird ein elegantes Straßenkostüm in pastellfarbigem Tuch erwähnt. Der untere Teil des Rockes sowie der des langen, eigenartig geschnittenen, weitfaltigen, hübschen Mantels zeigt eine Stickerei auf Inkrustationen aus irischen Spitzen. Der paletotartige Mantel ist um den Hals in winzige Fältchen genäht — petits pincös —, die unterhalb einer Broderie auf weißem Tuch beginnen. Die Großherzogin- Mutter Anastasia ließ in demselben .fxuife auch die Festtoiletten für sich selbst arbeiten. Allen voran sieht die Robe, die die Großherzogin voraussichtlich zu der Vermählungsfeierlichkeit ihrer Tochter anlegen wird. Es ist dies ihr eigenes, nu- „restauriertes" Brautkleid aus Drap d'Argent, das in der Großzügigkeit "iine§ Stils nicht seinesgleichen haben soll — über das aber kein Sterblicher sprechen darf, ehe es nicht in Aktion getreten ist. Zu einer zweiten Festrobe wurde mauvefarbene Gaze mit Volants aus Points d'Angleterre gewählt.^ Tie Casaque, die zum Genre Louis XVI. gehört, ist aus Pornpa- dourseide auf mauve Fond geschnitten, reich mit Spitzen-Revers geziert und seitlich mit einer Schärpe aus mauve- und rosafarbenem Liberty- Band drapiert. Sind später die festlichen Tage verrauscht, dann wird noch manche Toiletten- Ueberaschung offenbar h?cri;n, dbu was (singe- weihte auch über die Einzelheiten des Trousseaus wissen, sie folgen den strikten Anordnungen der Großherzogin Anastasia und---schweigen.
praktische Pamdestück gelege..tlich zum Feldgebrauch herzurichten? Jeder Kenner der Front würde eine Kopfbedeckung, wie sie die Jäger und Schützen bereits haben, freudig begrüßen; bet Fortfall der Nackenblende und die horizontale Stellung des Augenschirmes würden mit einem Schlage die dem Helme anhaftenden Uebel beseitigen. Die für einen Beibehalt der Nackenblende angeführten Gründe (Schutz gegen Sonne ufm.) sind sehr problematisch und werden ja schon durch ihren Fortfall beim Jägertschako widerlegt. Was das Jägergenick verträgt, hält auch der Musketiernacken aus. Vor Jahren schon versuchte ein noch der Front angehöriger Offizier an dem traditionell gutgeheißenen Helm energisch zu rütteln; er muß dabei heilige Auffassungen verletzt haben, bald darauf gehörte er nichi mehr der Front an und ein Beispiel wirkte abschreckend, denn trotz augenscheinlicher abhilfebe- dürstiger Mängel ließ man die Pickelhaube ihr weiteres Dasein fristen.
Mustergültige Arbeiterwohn- Häuser in Hessen.
Bei der Erstellung von Arbeiterwohnhäusern, deren Zahl fi* in Deutschland von Jahr zu Jahr ganz erheblich mehrt, hat man bisher wohl durchweg nur den einen Zweck verfolgt, den Arbeitern ein gesundes, behagliches und dabei doch billiges Heim zu schaffen. Dieses Bestrebe» brachte es mit sich, daß überall die Wohnhäuser einer Arbeiterkolonie wohl praktisch und, ein jedes für sich betrachtet, auch leidlich schön gebaut sind, aber sie alle sehen einander gleich wie ein Ei dem anderen, wodurch das Gesamtbild oft viel von seinem Reiz verliert, ja geradezu langweilig erscheint. Dem braucht aber durchaus nicht so zu sein; denn mit demselben Aufwand an Mtteln müssen sich ebensogut auch Wohnhäuser verschiedener Art, verschiedenen Stils erstellen lassen, Häuser, die von einem höheren künstlerischen Geschmack und Empfinden zeugen, als er heute in den Arbeiterkolonien und sonstwo anzutreffen ist. Von dieser Erkenntnis geleitet, hat sich gegen Ende vorigen Jahres r. Darmstadt unter dem Protektorat des Großherzogs ein „Hessischer Zentralverein -für Errichtung billiger Wohnungen" gebildet, welcher die Lösung der oben erwähnten Aufgabe alsbald dadurch näher trat, daß er einen Wettbewerb unter den beutle.,'n Architekten zur Erlangung muftergiltiger Bauplätze für Arbeiterwohnhäuser ausschrieb. Die hessisch« Regierung unterstützte dieses Vorgehen in sehr dankenswerter Weise, insbesondere auch dadurch, daß dem Verein von dem Ministerium des Innern ein Staatszuschuß von 3000 Mark zu den Kosten des Wettbewerbs bewilligt wurde. Und welche Zugkraft das Preisausschreiben — daS je einen Preis von 1000, 600 und 400 ^arf, sowie den Ankauf einer Anzahl sonstiger Entwürfe in Aussicht stellte — in der deutschen Architektenwelt ausgeült hat, beweist die Tatsache, daß bis zu dem festgesetzten Termin (1. Mak d. Js.) im ganzen 287 Arbeiten mit mehr als 5300 Entwürfen und zahlreichen Modellen eingereicht .unden. Die Entscheidung des Preisgerichts steht im Augenblick noch aus, jedoch heißt es, daß eine große Anzahl der Entwürfe dem von dem Vereine ausgestellten Programm durchaus entspricht und demgemäß mit einem Preise bedacht bzw. zum Ankauf empfohlen werden dürfte.
Wissenschaft, Kunst und Leben.
"Den Manen Schillers hat auch ein Chinese litterarisch gehuldigt. Aus Anlaß der 100jährigen Wiederkehr des Todestages des Dichters hat der am Orientalischen Seminar iw Berlin wirkende Lehrer Aao-Pao-ming Schillers „Sprüche des Consucius" in das Chinesische übersetzt. Er hat die Arbeit gemeinsam mit Professor Dr. Forke ausgeführt. Bei dieser Gelegenheit sei mitgeteilt, daß auf eine vom „B. L.-A.* an das genannte Seminar gerichtete Anfrage, was die Völker Asiens von Schiller wüßten, die Antwort übereinstimmend lautete: Nichts! Weder in die arabische oder persische, noch türkische Lit- ieratur, weder, in das hindostanische, r.oA' das chinesische Schristum ist etwas von Schiller gedrungen,. Nur Japan macht auch in dieser Beziehung eine Ausnahme, indem wenigstens in der jüngsten Zett von den Werken des Dichters einiges übersetzt worden KL Von dieser Tatsache bleibt unberührt, daß Mitglieder jener Völkerschaften, die unter uns gelebt oder gar eine deutsche Erziehung genossen haben. Schiller wohl kenne» und aus diesem oder jenem feiner Werke einiges übersetzt haben. Aber derartige litterarische V.r- suche sind dann auch ihre ganz privaten (Schöpfungen geblieben, und in das Schristum ihrer Dolksgenssen sind sie nicht eingedrungen.
* Uber den äußeren Verlaus der französische» Südpol-Expedition werden jetzt nähere Einzelheiten bekaimt. Die unter Führung des Dr. Charcot stehende Expedition trat ihre Ausreise in die antarktischen Gebiete am 26. Sanuat 1904 an. Als Forschungsschiff biejite ein in Argentinien gecharterter WalfisMnger, der den!