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Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck imd Verlag' Joh. Ang. Koch, UnivcrfttätS-Buchdrnckerei 40. JahkA Marburg, Markt 21. Telephon r>5.

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Reclamcn: die Zeile 25 Psg.

Marburg

Sonntag. 28. Mai 1905.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.

Erstes Blatt.

lieber das preußische Wohnungsgesetz veröffentlicht Oberinspektor Lieber in Bielefeld- . Bethel in dem neuesten Heft derDeutschen VolkssttinMe", dem Organ der Bodenreformer, einen L-rffA, der die Grundbessimmnngen des Wftwurfs behandelt und int Hinblick auf die in vielen Städten brennend gewordene Frage der Reformen auf dem Gebiete der Wohnungen, der .Bodenpreise und der Wertzuwachssteuer, die in ursächlichem Zusammenhänge stehen, von beson­derem und allgemeinem Interesse ist.

In Abrißform wiedergegeben, behandelt der Entwurf in Artikel 1: Baugelände- und Straßenkosten-Beiträge. (Festlegung von Stra- ßenflnchtlinien, namentlich auch um "Rahmen für Gärten (Vorgärten), Plätze usw. zu gewinnen; b. h. mehr Licht und Luft für Lunge und Leben zu schaffen Zulassung von Straßen geringerer Breite zu Gunsten von Kleinwohnungen Fertigstellung vonOrtsstraßen" durch die Kommunen Ermäßigung von mindestens eines Viertels der Straßenkostenbeiträge usw. für Arbeiterhäuser).

Artikel 2: Bebauung der Grundstücke. (Zulässige bauliche Ausnützung des Baugeländes, bezw. der Grundstücke.)

Artikel 3: Ban- und Grundabgaben. Be­steuerung (Erniäßigung für Arbeiterhäuser hin­sichtlich Kanal-Wasserleitungs-Gebühr usw.)

Artikel 4: Benutzung der Gebäude. (Zwangsweise Durchführung derWohnunzs­ordnung" nur für Gemeinden von 10 000 Ein­wohnern au. Zn kleineren Gemeindenkann" solche erlassen werden. Die Wohnungsordnung gibt Anhaltspunkte für sittlich-gesundheitliche Ausnützung der Gebäude: Jede Familie soll einen Abort haben, die verschiedenen erwachsenen Ge­schlechter gesonderte Schlafgelasse. Für den Kopf, im Schlaf- wie Wohnraum, soll Mindest­maß 10 cbm, bezw. 4 qm sein Einliegerwesen, Dienstboten- wie Lehrlings-Aufenthalt werden geregelt.Besondere Vorschriften über Unter­bringung von Arbeitern hinsichtlich Mindestforde­rungkann" durch Polizcioerordnung geregelt werden.")

Artikel 5: Wohnnngsaufsicht. (Wohnungs- inspektiondie Aufsicht über das Wohnungs- .wesen liegt, unbeschadet der allgemeinen gesetz- ilichen Befugnisse dec Ortspolizeibehörde, dem ^Gemeinde-Vorstand ob." Nur für Gcnicinden von 100 000 Einwohnern an wird einWohnnngs- amt gefordert. Für 'kleinere Gemeinden kann ,durch den Minister ein Wohnungsamt gefordert werden, ebenso durch den Regierungspräsidenten eine Wobnungsuachweisstelle in Verbindung mit deni Wohnungsamt. Ein Bezirks-Woh'.nngs- beamter kann, sobald das Bedürfnis dazu vor­handen ist. dem Regierungspräsidenten beiaegeben werden usw.")

Artikel 6: Schluß- und Uebergangs-Be- stimmungen. (Hinsichtlich Wohnungsordnung und Wohnungsbeaufsichtigung (Artikel 4 und 5) sind

29 'Nachdruck verboten.)

Schatten der Vergangenheit.

Roman von B. Coronh.

(Sortfeiiung.)

Ich würde cs Dir sogar sehr übel nehmen," entgegnete der Kommerzienrat.Ich weiß zwar, daß Du Dich ivie eine Schnecke in Dein eigenes Haus zurückziehen möchtest. Es ist mir auch nicht verborgen geblieben, daß mancher über Deine allzugroßc Bescheidenheit lächelt."

Es kann eben keiner aus seiner eigenen 'Haut heraus, mein lieber Ernst, und eben des­halb bitte ich Dich, auf mein Kommen zu ver­richten."

Ich bestehe darauf, daß Du kommst, denn Dnnois hegt mm einmal eine besondere Vorliebe für Dich."

Doch findet er es gewiß begreiflich, wenn ich mir keinen Zwang auferlegen will."

Der Baron würde Dich ungern vermissen. Ich erwarte also, daß Du meiner Einladung Folge leistest. Dieses kleine Opfer glaube ich wohl von Dir fordern zu dürfen."

Selbstverstänblich, Enist! Wenn Dir etwas daran liejft, so komme ich. Nach den Vorberei» tnngen zu urteilen, giebst Du ein wabrhaft fürst­liches Fest."

Fürstlich?" Der Konnnerzienrat zuckte die Schultern.So lange ich in einem Hause wohne, aus dessen Fenstern man auf jenen gctvaltigen Schornstein dort drüben blickt, kann vonfürst- lich" kaum die Rede sein. Doch das hat nun auch bald ein Ende."

Wieso denn?" fragte Hans fast erschrocken.

Die Fabrik geht demnächst, zugleich mit die­ser Villa, in andere Hände über. Ich stehe in Unterhandlungen. wegen Ankauf des Rittergutes Hohensteinal»" _____

öffentlich-staatliche Gebäude und die königlichen Schlösser ausgeschlossen.)

Jedes tiefere Eindringen in die Wohnungs­frage und deren Beweggründe wird unzweifelhaft drei Hauptforderungen zu stellen haben: Einrich­tung einer umfassenden, zweckentsprechenden W o h n u n g s b e a u f s i ch t i g u n g Lösung oder doch möglichst Berücksichtigung der Kredit- wie B o d e n f r a g e.

Das Wort:Die Wohnungsfrage ist eine Bodenfrage" enthält eine unumstößliche Wahrheit.

Wie gesehen, hat der Gesetzentwurf eine W o h n u n g s - B e a u f s i ch t g u n g wohl ins Auge gefaßt, indes der Wortlaut:Die Aufsicht über das Wohnungswesen liegt, unbeschadet der allgemeinen gesetzlichen Befugnisse der Orts- Polizeibehörde, dem Gemeindevorstand ob", steckt dieser Erstforderung aller Wohnungsreform-Ge­danken Grenzen, die schwerlich immer eine gedeih­liche Entwicklung zulassen werden. Ihr wird dabei der Regel nach die durchaus notige Selbst- ständgkeit und Freiheit abgehen, die ihr nur als staatliche oder doch provinzielle Einrichtung ge­sichert werden dürfte.

Wir haben kommunale Wohnungs-Auf- sichtsbeamte kennen gelernt, die es allemAnscheine nach nicht bloß redlich mit ihrer segensreichen, rn erster Reihe ja auch vermittelnden Aufgabe mein­ten, und dein Charakter, tote der Erfahrung nach wohl befähigt waren aber doch, aus lauter persönlicher Rücksichtnahme, sobald es Beanstan­dungen anlangte, nicht wußten, wo und tote sie zufassen sollten!

Die Polizei dürfte bei der Wohnungsbeauf- sichtigung ebenfalls nur als notwendige Ergän­zung, sobald es Ztvangsvollstreckungen usw. an- fangt, in Frage kommen. Das Wort, das dein Regulativ der Essener Wohnungsbeattssich- tigung voraufgeht, kennzeichnet diese Ansicht tref­fend:Die Wohnungsinspektion ist nicht als ein? Polizeimaßnahme, sondern als eine Bolkstoohl- fahrts-Eiitrichtung attfzufassen." Der nur im Bedürfnisfalle für den Regierungspräsidenten ge­forderte WohnungZ-Aufsichtsbeamte müßte we- nizstens für alle Regierungsbezirke obliga­torisch fein. Weiter sollte für eine be­stimmte Bewohner,zahl (und jedenfalls ganz gleich, ob Stadt oder Land) immer in gekenn­zeichneter Weise ein Aufsichtsbeamter bestellt sein. Auch die Gründung von Wohnungsämtern, schon um eine Saiumelstelle für Erfahrungen usto. zu haben, wäre nicht bloß für Städte von 100 000 Einwohnern an zu wünschen, sondern immer für eine bestimmte. Bewohnerschaft bezw. einen be­stimmten Bezirk überhaupt. Es könnte in dieser Beziehung zu einem verhängnisvollen Irrtum führen, wollte man die Größe der Wohnnngsnot immer nach der Größe der Orte bemessen.

DieWohnungsordnun g", diese un­entbehrliche gesetzliche Handhabe der Wobnnngs- beaufsichtiaung. müßte ebenfalls nun und nimizier an die Einwohnerzahl (10 000) gebunden sein, sondern maßgebend sein für rede Wohnung unter Beachtung von Artikel 6. Alles WohnungSelend kleiner Jndustrieorte, kleiner Zechen usw. bliebe sonst der Rgel nach unbetroffen und ganz beson­ders auch der sittlich oft schwerschädigende Wob- nnngsjammer ländlicher Gegenden, namentlich

..lind die Fabrik soll wirklich veräußert werden? Wirklich Ernst?"

Kommt Dir das so unerwartet? ES ist doch schon längst meine Absicht gewesen und ich sprach wiederholt mit Dir darüber."

Ja, aber ich meinte, die Ausführung dieses Entschlusses läge in weiter Ferne."

Als ob ich noch so viel Zeit hätte, mich lange besinneit zu können!" erwiderte Ernst Walter mit bitterer Ironie.Was ich tun rollt, muß bald geschehen oder es wird zu spät. Du bist ja ganz fassungslos. Warum denn? Hast doch mich genug gearbeitet und kannst Dich endlich zur Ruhe setzen."

Nein, nein, Ernst! DaS wäre noch zu fri'ch. Wer so stark und gesund ist, soll die Hände nicht in den Schoß legen. D.ic Arbeit war mir von jeher Lebensbedürfnis. Du weißt ja nicht, wie ich an der Fabrik hänge, die durch unseren Fleiß zu so großer, industrieller Bedeutung gelangte. Wie Du Dich nur von ihr trennen kannst! Wie, Du's nur fertig bringst! Doch verzeihe es ist ja so natürlich. T-ein leidender Zustand"

Nicht deshalb allein habe ich mich zu dem Verkauf entschlossen, sondern es leiteten mich noch andere Gründe. Schon meiner Kinder wegen ziehe ich mich jetzt vollständig ins Privat­leben zurück. Das wird für Egons und Erichs und auch für Irenens Zukunft besser sein."

Inwiefern denn? Gereicht e5 Dir und Deiner Familie etwa zur Unehre, daß Du's vom armen Kaufmannslehrling bis zum reichen Fabrikbesitzer und Kommerzienrat brachtest? Muß das nicht jeder vernünftige Mensch bewun­dern, Haben Deine Angehörigen nicht allen Grund, stolz darauf zu fein!."

Entschuldige, Hans, aber es giebt Dinge, die über Dein Urteilsvermögen gehen."

des Ostens. Gerade aber, weil wir der vollen Ueberzeugung leben, daß die Erhaltung und lebensfähige Kräftigung der Landwirtschaft eine Vorbedingung ist des politischen, Vie sozialen Bestehens unseres Vaterlandes, als fast einziges Gegengift gegen das in gleichem Sinne verseu­chende und verwirrende Herdenwesen der Städte, müssen wir mit ganzer Energie für Wohnungs- bcanfsichtigilng usw. gerade auch auf dem Lande Eintreten! Licht und bessere Luft ist hier gewiß noch genügend vorhanden, aber die Sittlichkeit wird, wie angedeutet, durch die Wohnungsfrage oft mindestens ebenso gefährdet wie in den Höhlen der Großstädte.

Kredit» wie Boden frage wird im Gesetzentwurf leider nicht berührt.

Jeder tveiß, daß die Beleihungsfrage auch heute noch der Punkt ist, an dem namentlich ge­meinnützige Bautätigkeit nächst Bewältigung der Boden frage scheitern kann. Werden doch die Gelder der LaitdesverstcherungS-Anstalten, die seit langem, mit geringer, trauriger Ausnahme, freundlich auf solche Weise (durch Lösung der Wohnungsfrage) dem kleinen Mann schon dienst- bar gemacht werden, bevor er sie mit Zins und Zinseszins als Invaliden- bezw. Alteisrente er­hält, in sehr absehbarer Zeit hierfür nur noch sehr sparsam fließen können: die immer mehr in Kraft tretenden Altersrenten saugen die lieber- schlisse eben auf. Da muß Hilfe geschaffen werden!

DaS Großherzogt um Hessen hat durch sein Wohnungsgesetz die Kommunien unter anderen auch verpflichtet, die Bürgsä-aft für Dar- leben bei Erstattung der benötigte» Kleinwoh­nungen durch gemeinnützigeBautätigkeit zu über­nehmen, während der Staat selbst das Geld schafft und hierzu eine Banbank ins Leben ruft. Manche Kommunen Deutschlands (Ulm, Unna i. W. 2C.) haben, was Bürgschaft der Landesver- sichernngK-Anstalt gegenüber anlangt, diesen Vorgang bereits längst eröffnet. Was aber in Hessen möglich ist, sollte das nicht auch in Preu­ßen durchführbar sein? Und sollte diese Form nicht überall die geeignete sein, so dürfte es bei der durchaus.sicheren und recht deutlich jedenfalls als ..mündelsicher" anzuerkennenden Anlage, doch gewiß unterschiedlich andere Formen geben. Wir erinnern z. B. nur an die Ausgabe von Bau- Pfandbriefen, die der tapfere Vorkämpfer Paul L e d) I e r schon vor vielen Jahren forderte!

Was die Bodenfrage anlangt, so müßte doch gerade auch der weitherzigste Börsenmensch gegenüber den schamlosen Vorkommnissen auf dem Gebiete des Bodenwuchers, der doch gerade unsere schwächsten Mitmenschen am meisten schä­digt, sein moralisches Stündchen haben, nm, wenn auch stillschweigend, zuzugeben, daß der Staat hier ein greifen muß, um endlich eine so­ziale, wie wirtschaftliche Schmach des Jahrhun­derts wenigstens in bestimmte Grenzen zu weisen.

Alle Maßnahmen, hier helfend, steuernd ein­zugreifen, so wertvoll sie an einzelnen Orten sein mögen, sind und bleiben nur Sänfftgungs- mittel der Größe und Gewalt dieses Uebels gegenüber. Wir nennen hierher gehörig: Ver­koppelungsverfahren, Besteuerung des Sktu-

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Das bestreite ich gewiß nicht. Unser Stand­punkt ist ja in vielem von jeher ein ganz ver­schiedener gewesen. Also waS Du tust, wird wohl­getan sein, wenn es mich auch schmerzlich be­rührt."

Mache doch fein so betrübtes Gesicht, alter Hans," sagte der Kommerzienrat, indem er den Bruder auf die Schulter klopfte.Mein Nach­folger greift mit beiden Händen zu, toemt t? er­fährt, daß Du Deine gegenwärtige Stellung auch ferner beibehalten willst. Wie meine, fo wirst Du auch feine rechte Hand fein. Hagendorf sprach schon darüber, ich zeigte aber kein beson­deres Entgegenkommen, weil ich hoffte. Du wurdest nach Köln ziehen und mir erlauben, etwas für Dich, Deine Fran und Lieschen zu tun. Kurt steht ja bereits auf eigenen Füßen. Meine reizende Nichte darf nicht wie eine un­gepflegte Feldblume anfwachfen."

Weshalb nicht, Ernst? Sind nicht igerabc solche Blumen schön, lieblich und geeignet, einen jeden mit ihrer halbseitigen Einfachheit zu er­freuen ? Ich würde mich scheuen, meine Liesbeth die in dieser reinen Atmosphäre auf wuchs, in die erstickende Luft der Großstadt zu versetzen. Glaube ja nicht, daß es dem Mädchen an geistiger Pflege fehlte. Ich habe ihr vortreffliche Lehrer und Lehrerinnen gehalten und sie war stets eine gute Schülerin."

, Ein so gewissenhafter Mann wird natürlich auch seine Pflichten als Vater kennen. Dennoch bitte ich Dich, überlege Dir meinen Vorschlag mache auch Feierabend. Du haft genug er­worben, um sorgenfrei leben zu können, wenn Du mir wirklich nicht gestatten willst, Dir eine Jahresrente auszusetzen. Dem eigenen Bruder gegenüber ist übrigens jeder Stolz übel ange­bracht.".k: ! - 1_ , J

gründ und -Bodens nach dem gemeinen Werte usw. Mit der größten Aussicht auf Erfolg iw Kampfe dürfte noch eine umfassendere und ver­nünftigere Annumdung des Erbbaurechtes haben, wenn eben nach Ablauf des Erbbau-Zest» raumes der Erbbaunehiner für sei. : rückfallen, den Baulichkeiten eine entsprechende Entschä- digung erhält. Jedenfalls spricht der Umstant doch sehr für seine Verwendbarkeit, daß selbst i» London, dank vieljähriger Anwendung des Erb­baurechtes (und zwar noch nicht einmal auf bei geforderten Grundlage), der Bodenwucher, Bodenpreife lange nicht diese das Volksleben n. mancher Beziehung unterbindende Bedeutung er­langt haben wie bei uns.

Aber auch dem Erbbaurecht, so weite Aus­breitung wir ihm schon ans anderen Gründen wünschen, sind hinsichtlich langjähriger Festlegung von Kapital usw. Grenzen gezogen: auch kann es Wohl für alle Zukunft den Grund und Boden aus den Krallen des Wuchers rücken, müßte aber unter Umständen mit seinen schamlosen Anfor- berungen augenblicklich rechnen, wird ihm nicht durch gleich zu berührende Vorbedingungen eine gesunde Grundlage geschaffen. Dem Boden- Wucher wird endgültig nur ein EnteignungS- ver fahren zu Gunsten des Wohnungswesens oder doch eine durchgreifende entsprechende ähnliche Maßnahme seine Vampgrarm- abhauen können, die er jetzt, wie gesagt, anstandslos um das pulsierende Leben, unsere Wohnstätte, Ge­sundheit, Sitte und wirtschaftliche Wohlfahrt er­drückend, legen kann. Und wenn der Mann werktätiger Nächstenliebe, P. D. v. Bobelsckwinch, mit weitem Mick und großem Herzen, denSchwer- punkt der Kanalvorlage auf sozialem Gebiete sieht, weil rechts und links des Kanals unzähl­bare Heimstätten, kleine eigene Anwesen für den kleinen Mann geschaffen werden können, so sieht auch er die notwendige Vorbedingung dazu in Regelung der Bodenfrage. Die Wohnungs­frage ist und bleibt eben in erster Reihe eine Boden frage ! Würde daS nicht beachtet, fo würden sich sofort die Boden- Wucherer auf das ins Bereich baulichen Interesses gezogene Gelände wie die Geier werfen.

llmlrban.

Das Sparkassen Wesen in Deutsch, land und i m A u s l a n d e.

Im Jahre 1903 zählten Europa und Amerika zusammen 67 Millionen Sparkassenbücher mit einem Kapital von 31 Milliarden Mark. Eng­land hafte in demselben Jabre 11 Millionen Sparbücher mit 4 Milliarden Einlagen: Frank- reich 11 Millionen Bücher mit 31/> Milliarden Einlagen', Deutschland 15 Millionen Bücher mit rund 9 Milliarden Mark. Letztere verteilen sich im wesentlichen wie folgt:

Vrenßen 8670709 Bucher mit 5 741 "0'000 M Bayern 810282 , , 819 711000 ,

llönigr.Sachsen 2337482 . . 925'295000 ,

Württemberg 491134 , , 230 000 VM ,

Baden 436851 , . 419000000 ,

Els.-Lothrinzen 333219 , , 117CODOOO .

Hamburg 269515 , , 17800X00 ,

Bremen 171161 , . 94X0000 ,

käD. - ===============--------------------

Von Stolz kann ja gar keine Rede fein, Ernst, Aber Du mußt mich nickst aus dem Boden reißen wollen, in welchem ich fest wurzele. Ich und die Fabrik sind unzertrennlich und mein Häuschen da drüben möchte ich mit keinem Palast vertauschsn. Einen alten Baurn kann man nicht mehr in anderes Land verpflanzen, sonst geht er zu Grunde. Also laß mich, wo ich bin."

Wenn Du durchaus willst. Hagendorf wird froh sein, einen so erfahrenen Ratgeber und Mtarbeiter an seiner Seite zu wissen. Ich lasse Dich also gleich mit in den Kontrakt auf- nehmen, mein braver, alter Hans.. Was Du licbgetoonnen hast, soll Dir durch mich nicht ge­nommen werden. Bleibe also Fabrikdirektor. Die Sache ist abgemacht. Alles bleibt beim Alten."

Es ist nicht dasselbe, ob man mit dem eige­nen Bruder ober mit einem Fremden arbeitet, aber natürlich werde ich dem neuen Ches mit gleichem Eifer dienen, wie Dir."

Ich darf also heute Abend aus Dich rechnen?" Natürlich! Ich kann Dir ja doch feinen Wunsch abschlagen."

Was das anbelangt, kenne ich meinen wacke­ren Bruder. Also auf Wiedersehen! Ich will mich noch ein wenig hinlegen, damit ich am Abend nicht gar zu abgespannt erscheine."

Du siehst wirklich ans, als täten Dir ein Paar Stunden erquickenden Schlafes not."

Wenn er mich nur nicht um so beständiger fliehen würde, je dringender ich ihn rufe!"

Vielleicht denkst Du zu viel?"

Wohl möglich, daß Dein schlichter Verstand auch hierin das Richtige getroffen bat. Sind erst meine Pläne verwirklicht, bann werde ich schla­fen, sanft und tief und mir endlich Ruhe gönnen." . (Fortsetzung folgt.)