Ende.
E. v. Blanckensee. (Marburg.) ■
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Dr. DoerkeS-Boppard in Marburg. 2
die Großherzogin Sophie sich eilt erhob ite» Denkmal gefetf. Vorzüglich dirigierte a capclla- Chöre leiteten die ncicr ein. bei welcher sich der der Großherzog durch seinen Oberhofmarschall Exzellenz von Palesienr-Falroniiet vertreten ließ. Nach begrüßenden Worten des Ferrit Sta.O-- ministers und des Geh. Rat Suphahn, dem Leiter des Archivs, führte Herr Dr. Hofmann als Sekretär der Schillerstiftung in wannender und klarer Weife aus, wie die Stiftung seit ihrer Gründung trotz großer Anfeindungen, sogar eines Gelehrten wie Jakob Grimm, von Jahr Zu Jahr erstarkt und ein Quell des Segens geworden sei.
Nach Verlesung der Schenkungsurkunde des Schillerverbandes deutscher Frauen wurde die Vorsitzende und Gründerin des Vereins Frau Frida Brasch aus Leipzig Zum Ehrenmitglied der Schillerstiftung ernannt.
Ein jubelnder Chor schloß die erhebende Feier mit Schillers: „An den Frühling", komponiert von G. Gaebler. Hierauf veriveilte mau noch einige Zeit in Betrachtung der ausgestellten Schiller- und Goethe-Bilder, der Briefe und anderer Andenken aus ihrem Nachlaß.
Da aber der Mensch nicht allein von Hören und Sehen leben kann, so fand Zur fteter des Tages ein Diner in dem Festsaal der „Erholung" statt, an welchem über 300 Personen teilnahmen. Die Damen der Hofgesellschaft erschienen in schwarzen hohen Kleidern mit Hut, die geladenen auswärtigen Damen in hellen Promenadetoiletten. Ein wohlgezähltes Dutzend der verschiedenartigsten Reden unterbrach die angeregte Unterhaltung bei Tafel. Exzellenz Rothe brachte mit liebenswürdig begrüßenden Worten an die Gäste daZ Hoch auf Se. Majestät und den Großherzog aus; ihm folgte Exzellenz von Bo- janckwski, der Schriftführer der Schillerstiftung mit einem Willkommengruß an die Mitglieder der Stiftung. Darauf erhob sich der Schweizer Delegierte Dr. Hans Bodmer aus Zürich, der in begeisterten Worten die Schillerfeierlichkeiten seiner Heimat schilderte. Schiller würde als der Dichter des Schweizer Freiheitsliedes, des Wilhelm ^Tell. der unsterbliche Liebltna des treuen Bergvolkes bleiben; auch klingende Opfergaben hätten nicht gefehlt, denn bei der Neugründnng einer Schweizer Schillerstiftung habe sich in kurzer Zeit ein Kapital von 100 000 Frs. angesam- mcll. Der Redner schloß in dankbarer Anerkennung deutscher Gastfreundschaft mit einem Hoch auf die Leiter der deutfchen Schillerstiftung.
Die nächste Rede war wohl da? sonderbarste, was wir Frauen an jenem Tage zu hören bekamen. Herr Dr. Hofmann mußte das Wohl auf den Schillerverband der Frauen ausbringen, und tat dies nur, wie er sich ausdrückte, infolge eines inneren Zwanges, der die Gestalt eines Engels mit goldenen, aus 20 Markstücken bestehenden Flügeln hätte. In halb satprischer, halb humoristischer Weise zog er Goethes: ..Dienen lerne bei Zeiten das Weib" mit Schillers: „Ehret die Frauen! Sie flechten und weben himmlische Rosen ins irdische Leben" in Paralelle, und mußten wir armen Frauen eine Flut von Hyperbeln über.uns ergeben lassen. Da wir aber doch so fleißig gesammelt hatten, blieb uns schließlich der Dank nicht aus, und er wurde uns dann auch am Schluß der Rede mit einer liebenswürdigen Wendung gegeben.
Im Aufftrag unserer ersten Vorsitzenden parierte Fran Geh. Rat Windstbeid aus Leipzig die geistvollen Ausfälle des Vorredners in so anmutiger, echt frauenhafter Weise, sprach mit so tiefem Gefühl über die Mission der ^deutschen Frau und über unser gemeinsames rammeln für den hohen edlen Zweck, und dankte deni^Ausschuß der Schillerstiftung so herzlich für Schirm und Schutz bei unserem Werke, daß ein Sturm des Beifalls den Saal durchbrauste, als die Rednerin gesprochen hatte.
Wie aber nur allzuoft die Grenze des Guten überichritten wird, so ging es auch hier. Eine andere Dame erhob sich um eine Frau von Hellwig leben zu lassen, die im Jahre 1813 das erste Schillerdenkmal im ciaenen Gart u errichtet hatte, wo es noch heute steht im fernen Esthlande. Der guten Dame kam aber der freundliche Wunsch nicht mehr zn statten, da sie lange, wnge schon das Zeitliche gesegnet bat.
Gern ließen wir aber die Gläser erklingen, als Exzellenz v. Brandt auf die liebreizende Musenstadt Weimar sprach und der Vertreter der Zweigsttftung Breslau ein dreifaches Hoch aus Frau Staatsminister Rothe ausbrachte. Ferner gedachte Geh. Rat Suvbahn noch der Vertreter des Schwabenlandes, diese erwiderten, und schließlich wurde noch eine Depesche des zur Zeit nicht in Weimar anwesenden Großherzogs verlesen, die der festlichen Versammlung seinen huldvollen Gruß übermittelte.
Wie außerordentlich liebensivürdig der Großherzog für die Mtglieder de? SchillervereinS gesorgt hatte, bewies das Fest im Theater. Von uns angewiesenen - Balkouplätien konnten .wir uns dein vollen Entzücken über Die wundervollen Darbietungen auf der Bühne hinaeben. Prahms
Marburg
Sonntag, 28. Mai 1905
Vermischtes.
Die spanischen Schahschwindler. Die Polizei verhaftete in Madrid eine Schwindlerbande, die unter der Vorspiegelung, zur Hebung angeblich verborgener Schätze verhelfen zu können, deutsche und französische Handeltreibende ausgebeutet hat. AuS deut in Beschlag genommenen Brief, wechsel der Bande ist zu ersehen, daß diese Betrüger in allen Ländern Europas und Amerikas Beziehungen hatten.
Sancta Simplicitas. In einem Dorfe im Hannoverschen nahm dir Ortspouzei, einem Handwerksburschen einen Taler ab. der nicht echt zn fein schien. Der Vorsteher meldete die Sache der Staatsanwaltschaft und fragte an, was ge- schehen solle. Er erhielt die Antwort, daß er den Talter zur Feststellung sofort einschicken solle Nach zwei Tagen erhielt die Staatsanwaltichast per Postanweisung den Betrag von drei Mark zugestellt. (!?) .
„Ich wollt' Sic mcht Metbincii" singt der Notar Blind in der „Fledermaus", ähnlich ergeht es Heinrich Klopp in Wettendorf, der tut „Jsenhagener Kreisblatt" gleich drei Ehren- crklärungeit auf einmal abgibt. Heinrich Klopp schreibt: „Die Beleidigungen, aeaen die vier Frauen in Steimbke nehme ich hiermit zuruck und erkläre hiermit, daß die Bauern keine Pferde, sondern rechtliche Bauern sind." — „Die Beleidigungen gegen den Vorstand ber K'chkasse zu Steimbke nehme ich hiermit zurück und erkläre hierdurch, daß die Vorstandsmitglieder keine Esel, sondern Vorstandsmitglieder der Kuhkasse sind." — Ferner: „Die Beleidigung gegen Fräulein Emma Könecke nehme ich hierdurch zurück und erkläre hierdurch, daß Fräulein Emma Könecke keine stattliche Kuh, sondern ein braves Mädchen ist!" — Heinrich, mir graut vor Dirk
Geschäftliche Mitteilung.
Dcrguüauuas- und Erholuuasrrisen zur See. Zu einer Vergnügungs- oder Erholungsreise bietet eine Seewhrt die allerbeste Eelegenheit. Seit dte Errungenschaften der modernen Technik eine Reise zur See so sicher, wenn nicht noch sicherer als eine Reise zu Lande, und vor allem viel bequemer gemacht haben, zieht der Reisende, der fremde Länder und Städte mit ungetrübtem Genuß besuchen und kennen lernen will, den langen Fahrten im engen, staubiaen Eisenbahn« kouvee und den Unbequemlichkeiten des häufigen Hotel« Wechsels, soweit es möglich ist, eine Fahrt auf einem schmucken, großen Dampfer vor. Deshalb sind es — neben den aus geschäftlichen Gründen Reisenden — nicht blos Touristen, welche in neuerer Zeit immer mehr die Seereisen bevorzugen, sondern auch die Erholungsbedürftigen benützen auf den Rat der Aerzte immer mehr die Seereisegelegenheiten, um entweder mit dem Dampfer fremde Kurorte aufzusuchen, oder auch nur die Seereise als solche als Kur zu gebrauchen. Die für diese Zwecke in den letzten Jahren eingercch« teten speziellen Beranügungsdampfer bieten zwar den Neifenden manche Annehmlichkeiten, vor allem entheben sie dieselben des selbständigen Suchens und Zusammenstellens des Sehenswerten. Aber, gerade darin finden viele Reisende mit Recht auch wiederum schwere Nachteile und ziehen cs deshalb vor, mit den Dampfern der regulären Linien ihre Reife zu machen, um den Reifeplan selbständig zufammenzustellen, in den einzelnen Anlaushäsen selbständig über bie Art der Verwendung ihrer Zeit, event. auch über bte Aufenthaltsdauer u. a. verfügen zu können. Wie mannigfaltig die Reisemöglichkeiten auf den regulären Linien sind, zeigt ein Blick in einen Prospekt de» Norddeutschen Lloyd, dessen reguläre Dampstr ein« überraschende Fülle der verschiedenartigsten Möglich keilen zu Vergnügungs- und Erholungsrecsen nach allen Ländern ber Welt und zu allen ^-ahreszesten bieten. Die Fahrten mit seinen Dampfern nach Italien, Egypten und Ceylon sind ja allbekannt und werden von Touristen und Erholungsbedürftigen in immer steigendem Maße benützt. Aber daneben gibt es noch eine Menge anderer herrlicher Repemoglich- ketten nach England, Frankreich, Holland und Belgien, nach Portugal, Spanieu, Ostindien, nach den hinter- indischen Inseln, nach China, Japan, Australien und den Südseeinseln, nach den Vereinigten Staaten von Amerika und nach Südamerika. Diese vielen Reise- möglichkeiten können durch Benützung von Anschlutz- linien noch unbegrenzt erweitert werden, so daß man alle schönen und interessanten Plätze der Weir mit regulären Linien besuchen kann. Eine hübsch ausgestattete, reich illustrierte Broschüre über diese Fahrt« hat der Norddeutsche Lloyd in Bremen dieser Tag« herausgegeben und auch bei seiner hiesigen Vertretung der Im» und Exportsirma Carl Schneider zur kostenlosen Ausgabe aufgelegt. —
ber Straße, und alle Ritter, Elsen und Kobolde, Zigeuner, Türken imb Heiden hatten nur das eine Ziel: „Die Erholung". Ein Festtrubel, beinahe wie zn Zeiten der Fastnacht im Gürzenich entwickelte sich im großen Saal des genannten Lokals, und ein gemütliches Essen und Plaudern an kleinen Tischen ließ nns die Stunden wie im Fluge verrinnen. Auf einmal erklangeii lockende Walzertöne rb siehe da: Götz und Adelheid. Cid und llraka, Kalaf nnb Adelma, Tell nnb Bertha v. Brunek wirbelten an uns vorüber, — ba machten wir Schillerdamen uns schleunigst aus dem Staube, ber 14. Mai war für uns zu
Name leitete die Feier ein. nnb die wehmütigen Worte: „Alles Schöne muß sterben", lenkten unwillkürlich den Blick auf bie leere Hofloge, in welcher wahrscheinlich, svenn ber erbarnuingsloie Tob nicht bazwischengetreten wäre, die holde, so früh ans bem Leben geschiebene Fürstin bie Gedächtnisfeier mit ihrer Gegenwart beehrt hätte.
Langsam verhallten bie Worte nnb feierliche Stille lagerte im Hause, bis sich der - Vorhang hob und dem Blick eine wundervolle ariechische Lairdschaft zeigte. Schillers Senirte mit Händel Hunirnelscher Musik wurde in trefflicher Weise aufgesührt. Schon in dieser Jugendarbeit des Dichters offenbart sich die große Gestaltungskraft, besonders in der Erscheinung der Juno, die mit olympischer Leidenschaft nnb in glühender Eifersucht ihr Opfer vernichtet. Die Rolle der Juno sand eine hervorragende Interpretin in Frl. Schiffe! vom Weimarer Hoftheater.
Weniger tragisch verlief der zweite Teil des Programms. Goethes Festzna aus bem Jahre 1818 sollte noch einmal in gleicher Weise über bie Bühne wandeln, wie bamals vor den Augen der Kaiserin-Mntter Maria Feodorowna, auf deren Wunsch er von Goethe arrangiert war.
Die Bühne zeigte eine Partie des Weimarer Hofparkes: hoch im Hintergrund die Ruine unterhalb des römischen Hauses mit ihren Grotten und dem sich hinabschläiigelnben Pfad: Buchen und Birken im Hellen Maiengrün prangend, rahmten die Sccenerie ein. und als Hinweis aus die Bedeutung des Abends erhob sich rechts im Vordergründe auf hohem Sockel die Kolossalbüste Schillers, von vier brennenden Kandelabern um- getzssii. In den Kulissen sammelte sich inzwischen ein höchst ergötzliches Publikum in der Tracht des JnhreS 1818. Zierliche Gestalten in Zwickel- kleidern, Kreuzbänderfchuhen und ivaliren Omnibussen von Hüten, über denen sie winzigen grünen Soiinenschirmchei! fast lächerlich bescheiden schwebten, neugierige Kate Greenway-Püppchen und kokettierende Gigerl au-3 jener Zeit, alles wogte durcheinander, bis das Auftreten des Fest- zuqes dein bunten Treiben ein Ziel setzte. Tragödie, Epos und Komödie vereint beschwören die Gestalten deutscher Dichtkunst herauf: der glänzende Zug, vom Genius geführt, erfcheint oben unter dem Bogen der Ruine und zieht feierlich ins Tal., Die Jlmo, in munterer, silberheller Geschwätzigkeit burchschlängelt den Feierzug, stolz auf die Dichter, die an ihrem samtenen Ufer gewandelt und mit dem lustig rieselnden Flüßchen Zwiesprache gehalten. Und nun sehen wir sie vorüberwallen, in entzückender Abwechslung, Gestalten aus Werken Wielands, Herders. Schillers und Goethes. Oberon mit Titania nnb den Elfen, ein wundervoller Somnrernachtstranm; Eid mit Himene und Sofia Uraka in stolzem Schritt; die glänzende, vielfach belebte Gruppe des Götz von Berlichingen: Faust in Dopprtge- stalt mit bem Gretchen im Einvirrttvl, Mephisto, dessen Mäntelchen Höllenflammen zu speien scheint, und der sich auch hier als gewandter Dialektiker erweisen muß. Dann ein Bild tiefsten Schmerzes: die Braut von Messina, eine Gruppe so fein empfunden, daß sie ber Pinsel eines Meisters hätte verewigen sollen. Aber nun flutet neues Leben hinein; toie sprudelnder Berg- gucll, so eilen die kernigen Gestalten ans Schil- - lers Tell bie Pfade hinunter und ziehen an dem erfreuten Auae vorüber. In feierlichem Pomp folgt Wallenstein mit seinen Getreuen, ihm nach in überschgitmenber Lebensfreude das Lager mit Groß und Klein. Alt und Jung.
Und dann cht Blick in edelsteutglitzernde und doch so schaurig blutige Zeiten: Demetrius,, — bas Werk, mit bem Schiller sich noch in seinen letzten Fieberträumen beschäftigte.
Ist jetzt der Geist so weit nach Ostengc- scknveift, so muß er seine Flügel noch cttvas weiter spannen, denn hier kommt Tnrandot unter seltsamer Glöckchen-Musik, begleitet vom märchen- boffen Prunk des Orients. Der geschwätzige Altomn preist seiner Tochter Klugheit und ihre endlich erwachte Liebe, muß aber bann bett Wissenschaften nnb Künsten weicken. bie von Pallas und Klio hereingeführt 1 verteil.
Und nun. sammelt sich noch einmal der ganze farbensprühende Zug zu einem malerischen Aufbau. oer Genius bekränzt unter Preisenden Worten bie Büste des großen Toten unb,',scheinbar den Stiften, entschwebend, erschallen feierliche Klänge: _ ;
Heil Dir, fertiger Verklärter, ‘ 7 ' Nimm zufrieden Deinen Somienflugk Deinem Herzen !uar die Menschheit werter. Als der Größe prangender Betrug!
Schöne Taten ivaren Deine Schätze, Aufgebäuft für eine schöne Welt. —
Das Theater war zu Ende, draußen umfing unS kühle Mainacht mit funkelnden Sternen; bie Kandelaber um das Schiller-Gosthebemmal warfen rote Flammen in die Luft nnb die gleißenden Bänder der zahllosen Kränze flatterten und winkten wie zum frermblichen Gruß. Aber eilig brängte die Menjchenflitt daran vorbei, ,selbst der Maskenzug, zum größten Teil ans Mitglie- , dern der Hofgesellschaft bestehend, befand sich auf
Erscheint wöchentlich neben mal.
Druck und Verlag- Iah. Aug. Koch, UnivkrfitätS-Buchdruckkrü 40. Jghtg.
Marburg, Markt 21. — Telephon äö.
(Nachdruck UerBokn.).
Nachklänge der Schillerstistung- Gcrächrnisstier in Weimar.
- „Die schönen Tage von Aranjuez sind nun zu £nbe", könnte man mit Domingo aus Schillers (Don Carlos sagen, wenn man .zurückblickt auf pie große Anzahl der Schillerfeste, die mit ber ßfebächtnisfeier ber Schillerstiftung am 14. Mai pohl ihren Abschluß aefunben haben bürste.
| Hier in Weimar schwinbet Fahne um Fahne ,us den währenb der Schillertage so farbenfroh «eschmückten Straßen; das Schiller- und Goethe- fccirfmal steht wieder einfach und schlicht ohne Ben Hintergrund seines festlichen Lorbeertvaldes; Bur die zahllosen Kränze mit leuchtenden Schleien. auf denen innige Worte einer dankbaren Ration des Unsterblichen gedenken, sind die Zeichen einer solchen Fülle verrauschter Festtage, fcic wir Deutsche sie selten einmütiger und feierlicher verlebt haben.
Die Huldigung der deutschen Frauen, welche |ur Ehrung des großen Toten eine reiche Opfer- gabe auf den Altar der Nächstenliebe niederlegten, titdeie den harmonischen Schlußakkorb bet Ken» tenarfeier. Zum Dank für bie treue Mitarbeit würbe ber Zentralvorstand des Schillerverban- ves deutscher Frauen und Delegierte der verschie- teiien Ortsgruppen aufgefordert. an ber Gedächtnisfeier im Schiller-Goethe-Archiv teilzn- Pehmen und als Gäste des GroßherzogS der Fest- rorstellung im Theater beizuwohnen.
- ' Am Abend des 13. Mai sah man schon beim Älout im Ministerhotel, wo Exzellenz Rothe und fyemahlin die Gäste auf das Liebenswürdigste E gegrüßten, die Damen des Zentralvorstandes * ouZ Leipzig, an der Spitze die ehrwürdig reifende Erscheinung der Ehrenvorsitzenden; ferner die Vertreterinnen ber Ortsgruppen Karlsruhe, Ffftenbnrg, Stuttgart, Hamburg. Halle, Köln, Berlin, Eisenach, Frankfurt a. M. nnb Marburg, (sit der Fülle hervorragender Erscheinungen be- fnerften wir auch Ernst v. Wilbenbrnch mit Ge- piahlin und hatten den besonderen Genuß, sein fegeisterungdurchglühtes Festgedicht: „Heros, Heiße bei uns!" von Fran Obrist-Jenicke, der nichtigen Stuttgarter Tragödin, mit herrlicher knetallreicher Stimme Vorträgen zu hören. Kurz iöor Mitternacht ging die festliche Verfaimnliing Nuseinanber, um für ben kommenden Tag neue Kräfte zu sammeln.
Am frühen Somstagmoraen fanden sich die fremden Gäste im Schillerhause ein, um die Karden für die Abendvorstellung in Emvfang zu Pehmen. Beim Betreten der durch Schillers Geist geweihten Räume läßt sich eine tiefe Wehmut picht unterdrücken, trotz Fahnen und Kränze, bie fetzt das Haus schmückten, trotz aller Verherr- sichiing des Dichters auf dem großen Transparent links vom Eingang und trotz der Feier seines schämens, soweit die deutsche Zunge *!ingL Ein (hoher, edler Geist, der die herrlichsten Blüten (trieb, hatte hier endlich sein Asiil nach langen kummervollen Jahren gefniiden, und siehe, kaum labte er sich an der friedlichen Gegenwart, als , fhm auch schon der Tob zu Häupten stand und langsam die Fackel neigte. Schillers Sterbe- flimmer! Ein Tempel, aus dem sich mancher neuen Mut fürs Leben und neuen Aufschwung für die bedrückte Seele mitnimmt. Jetzt füllen kostbare Kränze mit bunten Schleifen das einfache. schmale Bett, der Blick fällt überall auf Liebes» und Verehrungszeichen, wkrd aber die fetzige dankbare, nacheifernde Stimmung cm» Halten?
Wie rührend nimmt sich die kleine Samin» ching bescheidener Kostbarkeiten aus, öie wenigen Andenken ans Schillers Nachlaß. Die verjchie- veiten Oelbilder zeigen uns ben Dichter in mannigfaltigster Auffassung. Hier sehen wir ihn aus der Mannheimer. Zeit. eTenb, unter dem gepuderten Haar müte ins Leben blickend, gegenüber ein von Tischbein gemaltes Bild, wie man sich wohl den Karl Moor selbst vorstelleir könnte, jmü fünhnem Gesichtsausdruck, feuriaen Augen iuÄ wild sich bäumenden roten Locken. Hier ist wieder der träumerische Dichter, dort der ernste Denker dargestellt, und so bringt jedes Bild ‘einen anderen Schiller. Noch etwas merkwür- - biges birgt das Hans; wie Schillers wunderbare .Stirn Raum bot für unermeßlichen Reichtum der Gedanken, so ist das ganze Haus ein Wandschrank für Bücher; überall doppelte Wände, und hinter ber grünen Tapete das aeiitiae Leben so vieler bebentenber Menschen.
Im Vorraum steht auch die Büste eines Mannes, des Major Serre, welcher der Schillerstif-- fitng die erste richtige Lebenskraft mit seiner Schillerlotterie verlieh. Seiner wurde in herzlichen Worten gedacht bei ber feierlichen Sitzung im Goethe-Schiller-Archiv, in jene» schiistisch so 'vornehmen Gebäude^ durch dessen Errichtung
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
~ Sonntagsbeilage: Jttustrirtes Sonntagsblatt.