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mit dem Kreis-lait für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jllnstrirtes Sonntagsblatt.

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Vierteljährlicher Bezugspreis: bei oer Expchitio« 8 SJIL, bei allen Postämtern 2,25 Mk. Bestellgeld).

ZnsertionSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Psg.

Neclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Sonnabend, 27. Mai 1905.

Erscheint wöchentlich jtom mal.

Druck und Berlage Joh. «ug. Koch, llnivenitätr^vuchdruckerel

Marburg, Markt 2L Telephon 55.

40. Jahrg,

Neueste Telegramme.

F Wiesbaden, 25. Mai. Gestern vollendete der Bur Zeit im Gefolge des Kaisers hier weilende Chef des Kaiserlichen Zivilkabinetts Wirklicher Geh. Rat Dr. v. LucanuS kein 75. Lebensjahr. Aus diesem Anlasse wurde der Jubilar vom Kaiserpaare und den Mitgliedern des Hofstaate- beglückwünscht.

Rom, 26. Mai. Seitens der deutschen Regie­rung sind zu den am 28. Mai in Rom beginnen- den Beratungen über die sogenannte Weltagrar- kammcr als Vertreter der großen landwirtschaft­lichen Organisationen und Bereinigungen fol­gende Herren delegiert worden: Geh.Regierungs- fat Dr. Haas (landwirtschaftliche Genossenschaf, en), Dr. Roesicke (Vorsitzender des Bundes der Landwirte), Prinz zu Schönaich - Carolath (Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft) und Frhn. k Soden (Deutscher Landwirtschaftsrat).

Venedig, 25. Mai. Der Fürst von Montene­gro ist heute von hier nach Berlin abaereist.

Konstantinopel, 25. Mai. Auf eine Einladung des Königs von Rumänien begibt sich der kaiser­liche Botschafter Freiherr Marschall von Bieber­stein am 27. Mai nach Kuestendsche, um der Schiffstaufe deS neuen rumänischen Schnell­dampfersRumänien", sowie der Einweihung des soeben durch den Kabeldampfervon Pod- dielski" gelegte» Kabels Konstantinopel-Kue- stendsche beizuwohnen.

Konservative Anarchisten".

So schimpfte neulich derVorwärts" die Rechte, weil sie int preussischen Abgeord- netenhause nicht ganz nach der Pfeife der Sozial­demokratie tanzte. Heute gebährdet sich das sozialdemokratische Blatt auS Rand und Band darüber, daß die Konservativen und Rational- liberalen im Reichstage eine Beschlußfassung über die Berggesetzgebung vereitelt haben. Erst tagS zuvor hätten die ReaktionSparteien unter Führung deS Herrn Paafche versucht, die Sozial­demokratie dadurch zu kränken, daß sie die Vor­lesung der sozialdemokratischen Unterzeichner eines Antrages auf namentliche Abstimmung forderten, um feststellen zu können, daß die Unterzeichner bei der Abstimmung zum teil nicht anwesend toaren.. Man denke: kann derReak­tionär Paasche" eintodeswürdigeres Verbrechen begehen? Und giebt eS für die Sozialdemo­kratie ein heiligeres Recht, als Anträge von solchen Personen stellen zu lassen, die überhaupt nicht da sind? Übernatürlich, einer Gesellschaft, die so.wenig Rücksicht aus die zarteste Emp- stndung der Sozialdemokratie nimmt, ist alles zuzutrauen und so hat sie eS denn auch richtig fertig gebracht, daß die Sozialdemokratie im Reichstage daran verhindert ist, in liebevoller Fürsorge sich in die Geschäfte des preußischen Abgeordnetenhauses einzumischen und in dem Augenblicke, da in letzterem eine Verständigung

28 Nachdruck verboten.)

Schatten der Vergangenheit.

Roman von B. Corony.

< Fortsetzung.)

i ^,Nicht? Darüber denke ich anders. Wenn man bei einem Handwerker dies und jenes üe- stellt und er liefert schlechte, unbrauchbare Arbeit so wird selbstverständlich Annahme und Bezah. lnug verweigert. Den Aerzten aber, die mich anstatt gesund noch kränker und elender gemacht haben, deren Wissenschaft mir nicht helfen konnte soll ich trotz solchen Mißerfolges die Taschen fül­len? Wenn ich unheilbar bin, dann läßt sich nichts dagegen machen, aber niemand darf Vor­teil aus meinem elenden Zustand zichen. Ich vertraue mein Geld und meine Gesundheit nie­mandem mehr an. Ersteres habe ich aus allen Banken zurückgezogen und Staatspapiere dafür gekauft, die mir sichere Zinse» tragen, und hier" er deutete auf seinen Geldschrankgut verwahrt sind."

Wie? Dieser Geldschrank birgt Ihren Reichtum?" fragte der Kolonel erstaunt.

Ja. Setzt Sie das so sehr in Verwunde­rung ?"

Allerdings. Große Kapitalien lasten sich doch wertbringender anlegen."

Ich habe nicht nötig, mich mit gewagten Spekulationen zu befassen, und betrachte mich als verläßlichsten Wächter meines Eigentums. Die drei Schftssel des komplizierten Schlosses trage ich stets bei mir und des Nachts liegt der scharfgeladene Revolver dicht neben meinem Bett. Ich schlafe wenig, das leiseste Geräusch würde mich wecken, an diesem Mangel erquickenden Schlummers gehe ich auch noch gänzlich zu Grunde. Das ist das schlimmste Symptom mei­ner Krankheit. Totmüde lege ich mich hin und

über die ArbeiterauSschüfle bevorsteht, diese Ver­ständigung durch Brandreden zu erschweren. DerVorwärts" bezeichnet daS als wilde Ob­struktionskunst und meint, dieselben Leute, die ohne Unterlaß die Sozialdemokratie verdächtigen und der Untergrabung deS Parlamentarismus bezichtigen, wenn sie zum Schutze wichtiger VolkSintereffen die Mittel der Geschäftsordnung anwenden, scheuen nicht vor der von ihnen sonst verworfenen Ausnutzung der Geschäftsordnung zurück, sobald sie den Schuh der Unternehmet« interefsen gegen die VolkSintereffen beabsichtigen.

DaS ist sehr gut gebrüllt, aber leider in allen Punkten unzutreffend. WaS die Sozial­demokratie unter VolkSintereffen versteht, find ihre demagogischen Parteiinteressen und waS sie hier als Unternehmerintereffen gegen Volks- intereflen hinstellt, kann, wenn ander- eS einen Sinn haben soll, nur bedeuten, daß die geheime Wahl der ArbeiterauSschüffe und damit die Aus­lieferung dieser letzteren an die Sozialdemo­kratie den Interessen deS deutschen Volkes ent­spräche, und daß nut ruchlose Unternehmer« intereflen das Volk um diese Segnungen bringen wollen. So mag die Welt sich in den Köpfen bet Bebel und Stadthagen spiegeln, in Wirklich­keit sehen die Dinge, wie Jeder weiß, genau gegenteilig auS.

Im Abgeordnetenhause steht die Frage zur Entscheidung, ob auch die neue im Interesse deS sozialen Frieden? geplante Einrichtung zur Trägerin sozialdemokratischer Agitation gemacht werden soll, oder ob endlich unsere Sozialpolitik vor dem TerrotiSmuS der Sozialdemokratie ge­schützt werden soll. DaS ist, wie Jedermann zugeben wird, unter allen Umständen zunächst eine innere Angelegenheit deS preußischen Ab­geordnetenhauses und der Versuch, von Reichs­tagswegen daS Abgeordnetenhaus in den sozial­demokratischen Pferch hineinzvpeitschen, würde eine Vergewaltigung deS Parlamentarismus überhaupt bedeuten. Nicht die Rechte, sondern die Sozialdemokratie ist eS also, die auch hier wieder als Vergewaltigerin des Parlamentaris­mus zu betrachten ist, und daS ganze Phrasen­geklingel desVorwärts" zeigt nut aufs neue, welche Narrenkappe er trägt.

Trr ruffisch-IapaiiifHe Krieg.

Aus der Mandschurei.

Seitens der beiden feindlichen Armeen liegen nut sehr spärliche Meldungen vor, und auch diese find ohne besondere Bedeutung. General Lenewitsch meldet dem Kaiser in einem Tele­gramm vom 24. d. M.: Am 22. Mai griffen unsere Abteilungen das Dorf Nantschendzh und die feindlichen Stellungen auf dem linken Ufer deS Kaohe, südlich von Schandaohe, an. Nach einem andauernden Gewehrfeuet wurde Nan­tschendzh von den Japanern verlassen, die mehr

stehe wieder auf ohne auch nur eine Stunde wirklich geschlafen zu haben."

So würde es mir auch gehen, wenn ich mit dem Gedanken, eines geladenen Revolvers zu be­dürfen, zu Bett ginge. Mißtrauen Sie etwa Ihrem Diener Josef?"

Nein! Auf dessen Ehrlichkeit baue ist ebenso fest, wie auf die des Fabrikdirektors Hans Walter."

Ihr nächster Nachbar, wenn ich nicht irre?"

Ganz recht! Ein Mensch von wahrhast idealer Gesinnung und Selbständigkeit. Sie muffen ihn kennen lernen. Dazu bietet sich dem­nächst Gelegenheit, da sein Bruder, der Kom­merzienrat, die Sommermonate hier zu verleben pflegt. Was Josef anbelangt, so ist er mir von dem Direktor empfohlen und würde mich wie ein treuer Dund gegen jeden Feind verteidigen."

WaS fürchten Sie denn also?"

Nichts und alles."

Wie fall ich das verstehen?"

Longe schon quälte mich die böse Ahnung, daß mir in diesem Schlosse Unheil droht, und daß mich zwischen seinen Mauern der Tod ereilen wird."

^.Herr Gott, glaubt denn heutzutage über­haupt noch jemand an derartige Vorgefühle? Und ein aufgeklärter Mann, tote Sie"

Ein kranker Mann, lieber Kolonel," unter­brach ihn Dunois,ein Mann, dessen Nerven an­gespannt sind, wie die Sehnen eines Bogens."

Ah bah k Sie sind eine sensitive Natur und lassen sich von Ihrer Umgebung mehr, als er­laubt, beeinflussen. Frau von Claiville in Ehren aber eine aufheiternde Gesellschafterin war meine würdige Verwandte niemals. Was fiel Ihnen denn eigentlich ein, sie zur Hausge­nossin zu machen?"

- Ich rief nur meine Tochter zu mir, aber die alte Dame stützte sich auf rtn ihr vertüggsmäßig

als 10 Tote und Verwundete hatte«. (Eine russische Abteilung griff ferner die Japaner in ihren Stellungen südlich von Schandaohe an und vertrieb sie auS einer Ortschaft vor dieser Stellung.

Bs« tat Flotte».

Manila, 25. Mai. (Reuter.) Nach einer amtlichen Depesche auS Vigan (Luzon) wurden am 20. Mai über 50 Kriegsschiffe an der Ost« küste der Bataninseln nordöstlich steuernd ge­sehen. ES wird angenommen, daß eS russische waren. Die gestrige Meldung von einer Seeschlacht im Süden Formosa«, die für die Ruffen günstig gewesen sei, hat von anderer Seite keine Bestätigung erfahren.

Ein Sonderberichterstatter meldet aus Schan­ghai, daß eS dem Admiral RofcheftwenSki ge­lungen fei, sich trotz aller Hindernisse auf längere Zeit mit Kohle zu versehen. AuS vollkommen sicherer Quelle erfährt man, daß die Ereignisse auf dem Kriegsschauplätze zur See sich für die Russen günstig gestalten. ES sei jedoch nicht angängig, näheres darüber mitzuteilen, da eS RofcheftwenSki schaden könnte.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Mai.

SeineMajestät der Kaiser unternahm gestern Donnerstag Morgen, wie aus Wiesbaden ge­meldet toirh, einen Ausritt und hörte sodann die Vor­träge des Caess des Ztvil- und deS MilitärkabinettS. Das Befinden der Kaiserin ist andauernd günstig, Berichte werden deshalb nicht mehr aus­gegeben. Gestern vormittag machte die Kaiserin eine Spazierfahrt und nachmittags beg b sich daS Kaiser­paar wieder nach Biebrich, der Kaiser im Automobil, die Kaiserin im Wagen, und promenierten gemeinsam im Schloßpark Nach der Abendtasel wohnte der Kaiser der Vorstellung des .Bettelstudenten" im Theater bei.

Für die Hochzeitsreise bei Kron­prinzenpaar kost der Kaiser, wie aus Potsdam gemeldet wird, dieHohenzollern zur Verfügung ge­stellt haben, auf der das junge Paar eine mehrwöchiae Reise von flvl aus unternehmen soll, um dann erst das Marmorpalais zu beziehen. Der kleine Kreuzer .Berlin' wird angeblich der .Hohenwllern" als Be­gleitschiff beigegeben werden.

Bekanntlich ist die Einführung einer Reichs» erbschastssteuer geplant, aus deren Erträgniffen dann, wie verlautet, denjenigen Bundesstaaten, die heute schon eine Erbschaftssteuer haben, eine Ent­schädigung in Höhe ihrer bisherigen daraus fließenden Einnahmen aus bezahlt werden soll. Diese geplante Neuregelung legt es nahe, einmal die bestehen­den Erbschaftssteuern in den einzelnen Bundesstaaten näher ins Auge zu fasten. Eine solche besteht in allen Bundesstaaten, mit Ausnahme von Mecklenburg-Ltrelitz und Waldeck-Pyrmont. Sie Ausgestaltung und Höhe der Sätze ist jedoch sehr verschieden, z. B. kennen nur Elsaß Lothringen. Ham- bürg und Lübeck eine Steuer bei Erbschaften in gerader Linie. Von der verschiedenartigen Aus- gestaltung giebt die Höhe der Einnahmen ein deut­liches Bild. Die höchsten Einnahmen aus der Erb- schasts- und Schenkungssteuer zieht Hamburg mit 2,61 Mark auf den Kopf der Bevölkerung; dann kommen Lübeck mit 2,07, Bremen mit 1,95 und Elsaß- Lothringen mit 1,75 Mk. Die geringste Einnahme

guerfannteS Recht, indem sie die Enkelin beglei­tete, welche gänzlich unter ihre Herrschaft gera­ten ist."

Natürlich nur so lange, bis Fran von Clairville diese Herrschaft an einen Gatten ab­treten muß. Und das dürfte in nicht allzuferner Zeit geschehen, da unsere Kinder sich lieben und dem Plan, der, wir vor Jahren entwarfen, mit­hin nichts im Wege steht. Warum das Glück der jungen Leute verzögern? Ich dächte"

Wir reden später darüber. Jetzt ist mein Kopf noch zu teuft," sagte Dunois mit einer ab­wehrenden Handbewegung.

Gewiß; es drängt ja nichts zur Eile," er­widerte der Graf, feinen Aerger über den miß­glückten Versuch unter liebenswürdigem Lächeln verbergend.

Mit echt weltmännischer Geschmeidigkeit gintz er sofort auf ein anderes Thema über und un­terhielt den Baron auf das vorzüglichste.

So wurden die beiden Herren wieder fast unzertrennliche Genossen. Clairville. frühstückte mit Dunois, war auf Öen Spaziergängen stets sein Begleiter, spielte Sckwch mit ihm, gab jeder feiner Launen nach, verstand es unter Wahr­nehmung der eigenen Interessen sich dem Gast- freunde unentbchrlich zu machen und konnte Henry bald die erfreuliche Versicherung geben: In wenigen Wochen feiern wir Eure öffentliche Verlobung."

9. Kapitel.

Kommerzienrat Ernst Walter hatte seine ele­gante Villa bezogen und bewohnte sie nun mit Frau, Tochter und dem jüngeren Sohn, welcher die Ferien in S . . . zubrachte. Das hagere Ge- fW des alten Herrn trug unverkennbare Spu­ren großer Erschöpfung, tiefe Schatten lagen un­ter den müÄen, eingesunkenen Augen, die doch -uweilen fieberhaft erglänzten, aber auch jetzt

haben Sachsen-Meiningen mit 0,16, Schwarzbm» Rudolstadt und Reutz ä. 8. mit 0,20, Anhalt tn» Mecklenburg-Schwerin mit 0,26 und Preußen mit 0.29 Mk. auf den Kops der Bevölkerung. Sämtlich« Staaten nahmen an» dieser Steuer im Jahre 1902 zu» fammeo 25,901 Millionen Mark oder aus den Kopf der Bevölkerung 0,46 Mk. rin. Im Vergleich mit bet Einnahmen, die das Ausland au» dieser Eteuerquell» zieht, ist daS sehr wenig; in England z. B. komme« 6,6 und in Frankreich 4,0 Mk. aus den Kops der Be­völkerung. Dem Reiche ließe sich also hier noch eh# reiche Einnahmequelle erschließen und «S würden ihm jedenfalls selbst dann noch große Summen übrig bleiben, wenn die einzelnen Staaten jährlich ent­schädigt würden. Aber auch für den Fall, daß diele» nicht geplant wäre, würde diese Entziehung der Erb­schaftssteuer zu Gunsten de» Reichs für die Einzel­staaten keinen allzugroßen Ausfall bedeuten, bringt sie heute doch, wie schon gesagt, in sämtlichen Staate« nur 25,9 Mill. Mk. d. h. 4,82«/. sämtlicher Staat», einkünste ein.

Dir im Deutschen Flottenverein durch die Niederlegung der Vorstandsämter der General« Keim und Menge» entstandene Krifi» dürfte aus Grund der Audienz, die dem Präsidenten des Verein» Fürsten zu Salm-Horstmar, wie gestern gemeldet, vom Kaiser in Wiesbaden gewährt worden tft, als beige» legt zu betrachten sein. Ein Telegramm des ,L. A." aus Stuttgart teilt mit, daß die schwebende» Differenzen dank der entgegenkommenden Würdigung, welche die Darlegungen des Fürsten Salm beim Kaiser gefunden haben, jetzt vollständig ausgeglichen sind und hierdurch die bisherige Tätigkeit des Flotten» verein? gesichert ist. Da nunmehr die Gründe, die zu der Krifi» führten, beseitigt find, ist es nicht unmötp lich, daß die Generale MengeS und Keim sich ent­schließen, ihre Dienste weiterhin dem Flottenveret» zur Verfügung zu stellen.

Parlamentarisches.

ReiLSta«.

Berlin, 25. Mal.

Der Reichstag erledigte heute die zweite Lefung des Entwurfs betreffend Uebernahme einer Garantie des Reichs in Bezug aus eine Eisenbahn von Duala nach den Manengubabergen. Nachdem Abg. Schwarze» Lippstadt (Ztr.) sich für die Vorlage ausaefprochen hatte, betonte Abg. Ledebour (Soz ), feine Partei sei gegen den Entwurf, weil die Bahn nur Kapitalisten zugute komme und zugleich mit Landzuteilen ver­bunden fei. Kolonialdire'tor Dr. Stübel erwiderte, wenn die Bahn durch das Reich gebaut werde sei das Risiko noch größer als jetzt, die Landüberweisunge« an die Gesellschaften seien gerechtfertigt. - Abg Lattmann lwirtsch. Vg.) unterzog die Vorlage einer sachlich scharfen Kritik, in der er namentlich den Bau der Bahn durch eine Konzeifiouspesellfchaft bemängelte und auS diesem Vorgehen der Regierung eine Schä­digung des deutschen Handels und der Lage der Ein­geborenen ableitete. Als grundsätzlicher Gegner bei Entwurfs erwies sich der Abg. Kopsch (frf. Vp), während die Abag. Dr. Paasche (nl.) und Freiherr von Richthofen skonserv > sich mit den Kommissions- beschlüssen einverstanden erklärte. Ueberrafchend kam die im wesentlichen zustimmend^ Haltung auch de» Abg. Stürz lfüdd. Vp.)

Rach weiterer Debatte fand über § 1 namentliche Abstimmung statt. An ihr beteiligten sich 199 Abge­ordnete. § 1 wurde mit 132 gegen 61 Stimmen bei 6 Stimmenenthaltungen angenommen, rach weiterer Debatte der Rest der Vorlage nach d>n 'bons- beschlüffen.

drückte dieses verfallene Antlitz noch seltene Energie aus.

Ernst Walter hatte immer nur eine Serben- schäft gekannt: den Ehrgeiz. Dank einer durch nichts zu erschütternden Willenskraft war es ihm gelungen, sich aus dem Kleinbürgertum zu einer hochangesehenen und einflußreichen Stell- ung in der Handelswelt emporzuschwingen. Aber dieser Ehrgeiz, der ihn beständig anstachelte, noch höher hinaus zu streben, der ihn zwang, stet» nach schwerer Erreichbarem zu greifen, war gleichsam zu einem zehrenden Nebel geworden, das seine letzten Lebenssäfte aufsaugte.

Kaum in S. . . eingetroffen, war er nach Horbell gefahren und gegen Ende derselben Woche hielt die Equipage des Freiherrn vor der Villa.

Seitdem waren wiederholt Besuche gemacht und erwidert worden und am Abend des 8. August sollte ein großartiges Souper bei dem Kommerzienrat stattfinden, dessen Söhne mit vielen ihrer Freunde erwartet wurden. Auch Dunois hatte für sich und feine Angehörigen zu- gefügt.

Am Vormittag erschien Hans Walter bei dem Bruder und bat:Entschuldige, wenn ich für meine Person Deine freundliche Einladung ab- lehne. Meine Frau, Kurt und Liesch.n komme» natürlich."

Und Du kommst auch!" lautete die ziemlich schroffe Erwiderung.

Du weißt, ich hatte mich am Liebsten von derartigen Vergnügungen fern; es tft mir pein­lich, wenn man mich nötigt, sie mitzumacheni. Ein einfacher Mann wie ich. paßt auch gar nicht unter Deine vornehmen Gäste. Du meinst M dieser Einladung verpflichtet zu sein, well wa Brüder sind. Ich danke Dir herzlich für di« freundliche Absicht, hoffe jedoch, daß Du mir ei nicht übel nimmst, wenn ich daheim bleibe.*

(Fortsetzung folgt.)