Einzelbild herunterladen
 

M 123

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: JllnstrirteS Sonntagsblatt.

Vierteljährlicher Bezugspreis, der oer ExpÄitüm 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mr. xejcu Bestellgeld).

Jnsertronsgebühr: die gespaltene Zeile oder verm Raum 10 Pfg.

Ncclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Freitag. 26. Mai 1905.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Drück Md »erlag' Joh. Aug. Loch, Unwersitäts-Buchdruckerei

Marburg, Markt 2L Telephon 55.

III UHU

40. Jahrg.

Rerreße Telegramme.

Dortmund, 28. Mai. Wie aus den hier statt- gehabten Verhandlungen der Westfälischen Land- wirtschaftslammer hervorgeht, ist an der Wahl Dortmunds als Festort für die Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft 1907 nicht mehr zu zweifeln.

Darmstadt, 25. Mai. Das Großherzogpaar reist Ende der nächsten Woche nach Berlin.

Petersburg, 24. Mai. Zu den Hochzeitsfeier- lichkeiten in Berlin begibt sich außer dem Groß- fürsten Wladimir, der Großfürstin Maria Paw­lowna und dem Großfürsten Nikolaus Michailo- ivitsch eine Deputation, bestehend aus dem Ge­neral der Kavallerie Strukow, dem Fürsten Bjeloselski-Bjeloserki, dem Fürsten Orlow und dem Obersten im Leibgarde-Preobrashenski-Regi- ment, ferner eine Deputation des kleinrussischen Dragoner-Regiments, dessen Chef der Kron- prinz ist.

Riga, 24. Mai. Der Beschluß des Minister­komitees, durch den die deutsche Unterrichtssprache an den Privatschulen in den Ostseeprovinzen zu- gelassen und diese Schulen mit staatlichen Rechten ausgestattet werden, sofern beim Abiturium eine Prüfung in der russischen Spraye abgenommen wird, erregt hier riesigen Jubel.

Warschau, 24. Mai. .freute Nacht schleuderte kin Unbekannter eine Bombe gegen den auf einer Veranda sitzenden Polizeichef von Siedler und verwundete ihn schwer: drei andere Personen wurden leichter verwundet. Der Bombenwerfer entkam.

Baku, 24. Mai. (Petersb. Tel.-Agent.) Heute Nachmittag 8 Uhr wurde der Gouverneur Fürst Nakascbidse durch eine Bombe getötet, ebenso ein Kosatenoffizier, der zufällig vorbeiging: der Kutscher wurde verwundet.

Madrid, 25. Mai.Correo Espanol" meldet, daß Oberstallmeister Marquis de la Mina, beglei- tet von einigen anderen Persönlichkeiten, sich nach Berlin begibt, um den König bei der Hoch­zeit des Kronprinzen zu vertreten.

Newyork, 24. Mai. Prinz Heinrich von Preußen nahm die ihm brieflich von der Ver­einigung alter deutscher Studenten angebotene Ehrenmitgliedschaft an.

Ausgaben der höherem Schien.

Bei der Eröffnung der neuen latett. losen Realschule in Duisburg hielt der Provinzial­schulrat Dr. Meher eine Ansprache, in der er, wie wir derRhein- und Ruhrzeitung" ent­nehmen, folgende allgemeinen Ausführungen über die Aufgaben der höheren Schulen machre, die auch für weitere Kreise von Interesse sein dürften:

Es ist Tatsache, daß unsere höheren Schulen den Ideen unserer Zeit um 30 Jahre nachge­hinkt haben. Und doch, sollten nicht gerade die höheren Schulen, die einmal die Errungen­schaften der vergangenen Kultur zu vermitteln haben, die die Keime einer neuen Zett hegen i = i s

27 Nnchi-rrick vrrboren.)

Schatten der Vergangenheit.

Roman von L. C o c o n h.

... Immer finsterer wurde Henrys sonst so hei­teres Antlitz und endlich sagte er mit gepreßter Stimme:

Daß es so schlecht steht, wußte ich allerdings wicht."'

Ihr jungen Herren glaubt nur immer aus dem Dollen schöpfen zu können."

Mache mir keine Vorwürfe, Papa. Du hast, wie ich aus Deiner Berechnung ersehe, jährlich auch keine geringen Summen verbraucht!"

Ich lebte, wie es einem Kavalier, der bei Hofe verkehrt, zukommt."

Dasselbe geschah meinerseits."

, »Ich, tadle Dich deshalb keineswegs, sondern 'zeige Dir nur die Notwendigkeit einer glänzen­den Heirat. Deine baldige Vermählung oder wenigstens öffentliche Verlobung mit Fräulein von Dunois ist zu einer brennenden Frage ge­worden, von der gewissermaßen Leben oder Tod abhängt. Denn für uns beide kommt die Ge­wißheit, künftig knickern und mit kleinlichen Geld­sorgen kämpfen zu müssen, wohl einem Todes- urteil gleich. Lieber lustig gestorben, als elend gelebt! Bist Tu anderer Ansicht?"

Nein, aber (per das Leben noch nicht bis zur Neige genossen hat, denkt ungern an den Tod."

So versck>affe Dir und mir die Möglichkeit, auf diesem schönsten aller Planeten vergnügt wei­ter zu leben."

Das will ich ja, aber Onkel Georgs Er- Kränkung verbietet mir doch, mit einer bringen- .den Werbung um seine Tochter an ihn heran git, treten. Gegenwärtig soll es ihm bereits besser gehen. Wenn die nervösen Anfälle ihren

und pflegen sollten, berufen sein, mit weit­schauendem Blick zu erkennen die großen Ziele, die da« gesellschaftliche Leben in sich trägt, mit weitschauendem Blick voraus zu steuern, daß sie eine ideale Auffassung von den Aufgaben un­seres Lebens gewinnen können? Sie sind dazu berufen, unser Volk vor den schwersten Er- schülterungen zu bewahren. Die höhere Schule wird es können, wenn sie anfängt, unsere Ge­bildeten zu reformieren, sie auszuraffen und reif zu machen zur Arbeit am Volke. Unsere höhere Bildung hat mehr als einmal, in der Renaiffancezeit und in den 8050er Jahren des vorigen Jahrhunderts das Gegenteil getan. Unsere hohen Schulen haben mit vollem Be- wußtsttn dahin gestrebt, das Wissen auf ge- tniffeu Gebieten abzugrenzen von den soge­nannten Ungebildeten. Daraus ist lange Zeit ein schwerer Schaden erwachsen. Die höheren Schulen müssen nun diese Schranken, die sie zwischen Wissen und Volksleben gestellt haben, niedrrreitzen, sie müssen sich mit dem Leben ausgleichen und Empfindung haben mit dem Heranwachsenden Geschlecht. Sie müssen wissen, daß das ganze Wissen, das die höheren Schulen geben, nur dazu da ist, daß e» dem ganzen Volke zu Gute kommt. Die Schule soll dazu mithelfss, dis Empfindung, da» erbarmende Mitleid »fit denen, die in Not und Elend find, zu wecken. Die Bildung kann damit hinführen zu dem Ziel ber sozialen Frage. Von ein- schneidender Bedeutung, von verderblichem Ein­flüsse ist sermn: der StrM zwischen den ein­zelnen Knnst'ffionen. Sie müssen sich gegen» festig zu verstehen suchen. Boa welch verderb­licher Mttkur.g e» ist, ander« gestimmte Mitmenschen nicht zu verfirhcn, sehen wir, wenn wir bis Zustände deS 16. und 17. Jahrhunderts br rochtm!Sozial" heißt nicht Wohlfahrt för einen Teil be8 Volke«, sondern es betrifft die Woh'sc.hrt b$8 genaen Nolker. Dazu müssen wir die Schüler b$r höheren Schulen erziehen. Wer die Mensch«? bilden will, muß auf ihre Gesinnung wirken ; denn in der Gesinnung ruht die Bildung. Da gilt eS zu bilden, nicht bloß durch Reden, Vorträge und langatmige Er» ö.terungen, sondern durch den Geist, der jede U-sterrichtSstunds »urHzftht."

Der rMch^apaMHe Krieg.

Au8 der Makl-sch^rei.

Tokio, 24. Mai. Am Nach­

mittag des 21. Mai griffen ®in Bataillon russi­sche Infanterie und 6 Schwadesnen russische Kavallerie die nördliche Anhöhe Bei Chinhing- pao, 10 Meilen nöckl'ch von Wsipuenvomen, an, wurden aber zurückgslchlagsn. Am Morgen des 22. Mai gingen ein Bataillon Infanterie UNS tret Aoteilvngen Kavilierie auf der Straße von Kirin-Taolv grqsn Etzteuchent zu vor. Eine

Höhepunkt erreicht haben, ist die Genesung nicht mehr fern."

Nun gut. Er und ich haben als junge Leute manche frohe Stunde mit einander verlebt. Dunois suchte früher meine Gesellschaft und wir amüsierten uns vortrefflich. Vielleicht gelingt es mir, Deine Interessen zu fördern. Das käme auf einen Versuch an."

Von welchem ich mir besten Erfolg ver­spreche, Papa! Ich lege alles «getrost in Deine Händel"

Natürlich! So ist es ja auch viel bequemer," erwiderte der Kolonel achselzuckend.Schon als Kind ließest Du am liebsten andere für Dich ar­beiten und Deine schriftlichen Aufgaben machen. Der Wahlspruch meines Herrn Sohnes lautet: Nichts durch eigene, alles durch fremde Kraft!" Die Worte: Selbständigkeit und Energie haben keinen Sinn für Dich."

Ach Gott, Papa, ich bin eben her Mensch, zu welchem man mich erzogen hat. Der Baron ist schwer zu behandeln. Du, sein Jugendfreund wirst es ohne Zweifel besser verstehen. Zwischen ihm und der Tante herrscht eine Spannung, die von Tag zu Tag wächst, weil daS vermittelnde Element fchlt. Viktoria hält zur Großmama und ich, befinde mich sozusagen Mischen zwei Feuern, weil ich es doch mit keiner der beiden feindlichen Parteien verderben darf. Meine Braut würde eine Kränkung der alten Dame nie verzeihen, Dunois aber betrachtet mich mit Mißtrauen und begegnete mir schon oft mit auffallender Kälte. Dieses ewige Lelsetreten, dieses ängstliche Hin- und Herschwanken habe ich wirklich satt. Du drängtest mich schon in Brüssel zu einer Ver­lobung mit der Kousme, ober

. -Ich drängte Dich? Ja, folgtest Du denn nicht dem eigenen Wunsche? Ist Dir daS Mäd­chen gleichgiltig?"

Kompanie Infanterie erreichte eine Anhöhe westlich von diesem Dorfe. Wir trieben beide Abteilungen zurück. Die feindliche Kavallerie auf dem rechten Ufer deS Liaoho begann sich am Morgen deS 22. Mai zurückzuziehen. Nach­mittags 5 Uhr stand der Feind südlich von Talun, 17 Meilen westlich von Falumen. Im übrigen ist die Lage mit Ausnahme kleiner Zusammenstöße unverändert.

Petersburg, 24. Mai. (W. B.) Lene» witfch telegraphiert vom 23. Mair Als eine Abteilung am 21. Mai gegen die Station Tfchantifu vorrückte, wurde sie von feindlichem Gewehrfeuer aus den Schützengräben auf den Höhen nördlich der Station empfangen. Al» die Abteilung zum Angriff vorging, räumten die Japaner die Schützengräben.

Petersburg, 24.Mai. Wie diePetersb. Telegr.-Agent. mitteilt, ist die Meldung de» Daily Telegraph", daß die Eisenbahn - Ver­bindung mit Wladiwostok unterbrochen sei, voll­kommen unbegründet.

AuS Tokio wird depeschiert: Lenewitsch» Truppenzahl wird auf 800 000 Mann geschätzt. Die militärische Sekundärbahn von Kittn nach Tschantschun ist vollendet worden, und eine breite Straße nach Süden wird für Zwecke de» PrvvianttranSporte» gebaut. Die japanische Armee ist jetzt wieder ebenso stark wie vor der Schlacht bei Mukden.

Der LondonerStandard" erfährt au» Petersburg, Alle Meldungen von der Front deuten an, daß die Stellungen westlich der Mandarinenstraße den Schauplatz der kommen­den Schlacht bilden werden. Die Russen haben bereits eine große Anzahl Hospitalzüge bei Guntschulin angefammelt und andere Maß­nahmen zur Unterkunst der Verwundeten ge­troffen.

Be« de« Flett»«.

London, 24. Mai.Morning Post" meldet aus Schanghai: Es verlautet dort au» glaubwürdiger Quelle, daß sich die Flotte Togos noch auf der Höhe von Masampho (Korea) be­finde. Togo ist bei dieser Stellung in der Lage, sowohl den Russen die Durchfahrt bei Korea zu sperren als auch schnell nach Osten zu ge­langen, falls RoschestwenSki wirklich durch den Sfiflrn Ozean fahren wird.

Saigon, 24. Mai. (Agence Havas.) T» find strenge Bestimmungen erlassen worden, welche die Ablieferung von Kohle innerhalb der Kolsnialwässer verbieten.

- - . . !________ 1 ' 3

Deutsches Reich.

Berlin, 25. Mai.

Seine Majestät der Kaiser unternahm gestern Mittwoch Morgen, wie au8 Wie s- baden berichtet wird, einen Spazierritt. Um 11% Uhr empfing der Kaiser den Fürsten Salm und hörte später den Vortrag des aus Berlin gestern Morgen eingetroffenen Chefs des Militär-

Keineswegs! Ich finde Viktoria ,entzückend! Daß sie eine reiche Erbin ist, schadet ihr in mei­nen Augen auch nicht. Aber ihrer Sprödigkeit wegen könnte ich ihr doch oft ernstlich grollen."

Ja, ja, Du bist eben verwöhnt worden. Aber öre Frauen, die Dich so verwöhnten, haben Dich Dein ganzes Erbteil gekostet."

Begingst Du niemals Torheiten, Papa?"

Gewiß! Deshalb werfe ich Dir auch die Deinigen nicht vor. Doch jetzt ist es hohe Zeit, dem sickeren Hasen zuzurudern."

Ich versuche es, wie gesagt, schon lange ver­gebens und möchte das Rudern lieber Dir über­lassen." *

Gut! Hat da nicht eben jemand geklopft?"

Ich habe nichts gehört."

Wieder tönte ein bescheidenes Klopfen.

Du hörst, ich habe mich nicht geäuscht."

Herein!" rief Henry.

Joses öffnete die Türe und meldete:

Der Herr Baron lassen den Herrn ®rafen bitten."

Ich folge Ihnen," erwiderte der alte Graf aufspringend und flüsterte seinem Sohn zuWir sprechen uns heute noch."

Es war gewiß als Zeichen der Wiedergene­sung zu begrüßen, daß Dunois den alten Freund mit ausnehmender Liebenswürdigkeit empfing.

Mein teurer Georg!" rief der Kolonel ihm entgegen,ich horte von Ihrer Krankheit, war arg beunruhigt und sehe Sie nun in der Blute des Mannes vor mir stehen. Wie mich das freut und überrascht! Nicht vor der Zeit zmn Greise geworden, sondern jung und kräftig trift mir der lang entbehrte Genosse meiner Jugendjahre entgegen."

Herzlichen Dank für die freundlichen Worte, mdn lieber Francois, aber leider bin ich nur noch eine Ruine, die demnächst gänzlich zusam­menbrechen wird."

kabinetts, Frhrn. v. Senden-Bibram, der auch zur Mittagstafel geladen war. DaS Besin« den der Kaiserin ist durchaus zufriede» stellend. Am Nachmittag begab sich das Kaiser­paar nach Biebrich. Die Kaiserin fuhr in einem geschlossenen Wagen, der Kaiser in seinem Auto« mobll. Das Kviserpaar machte einen Spazier­gang im Parke deS Biebricher Schlosses. Die Kaiserin fehrte daraus nach Wiesbaden zurück,- während der Kaiser noch die neue Dränier- Gedächtniskirche in Biebrich bestchttgte und bann fin Automobil zurückkehrte. Abend? besuchte bet Kaiser das Theater in Wiesbaden. Die Abreise der Majestäten ist für Freitag Abend vorge'ehen.

Das preußische Staatsmini« sterium trat gestern Nachmittag 3y2 Uhr im Abgeordnetenhaus« zu einer Sitzung unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Grasen von Bülow zusammen, vermutlich um zu der bevor­stehenden dritten Beratung der Bergarbeiter- schutznovelle Stellung zu nehmen.

Der Reichstag wird, wie dasB. $.M erfährt, spätestens nächsten Mittwoch bis zum Oktober vertagt werden, doch bemüht man sich, bereits zum kommenden Sonnabend mit den dringendsten Strbeiten fertig zu werden, um schon an diesem Tage be;t Reichstag entlassen» zu kön­nen. Auf eine Erledigung deS Militärpen« stonsgesetze» noch vor der Sommerpause hat die Regierung verzichtet. Dagegen rechnet sie auf Verabschiedung der neuen Maß- und Gewichtsordnung und auf die Durchbe­ratung der Börsengesetznovelle. E» ist auch Grund zu der Annahme vorhanden, daß die Börsenreform in der Kommisstonsfassung keinen stärkeren Widerspruch im Plenum de» Reichstages finden wird. Endlich will man noch die Anträge zum Bergarbeiterschutz erledigen. Die Dfsche. Tagesztg." hält es aber für ganz ausge­schlossen, daß das Saus so lange beschlußfähig bleibt, bis diese Anträge in allen drei Lesungen durchbevatett find, und die Erfahrungen der letz­ten Tage scheinen dieser Vermutung recht zu geben.

Heber das Stadium, in dem sich die Reichsfinanzreformpläne gegentoär- tig befinden, wird von anscheinend inspirierter Stelle Nachfolgendes veröffentlicht:Die Pläne haben noch keine feste Gestalt gewonnen, befin­den sich vielmehr in der Vorbereitung, und zwar derart, daß die verschiedensten Regierungsstellen darüber in Verhandlung stehen. Bei einer sol­chen Sachlage wäre es ein Fehler,, Einzelheiten laut werden zu lassen. Zudem wftd man den Plan der Reichsfinanzreform in seiner Gesamt­heit vor sich haben müssen, um über die Einzel- beiten ein rt tiges Urteil abgeben zu können. Man wird jedenfalls in der Annahme nicht fehl­gehen, daß über die Reichsfinanzreform authen­tische Mitteilungen nicht früher verbreitet werden dürften, ehe nicht ter ganze Plan festfteht und demnach reif für die legislatorische Beratung ist. Sicher bleibt auch heute, daß in den kompetenten Regierungskreisen die Reichsfinanzreform al» eine der dringendsten innervolitischen Aufgaben angesehen wird und deshalb mit dem größten Eifer an ihrer baldmöglichsten Lösung gearbeitet

So etwas dürfen Sie nicht einmal im Scherz sagen."

Es ist mein Ernst!"

Aber um Gotteswillen, welche Idee! Gegen derartige Einbildungen werde ich mit allen Waf­fen meines Ihnen bekannten, guten Humors zu Felde ziehen."

Das dürste wenig nützen. Ich habe mich sehr verändert, bin alt und schwerfällig gewor­ben. Es gibt Tage, wo ich mich selbst unb die ganze Welt verfluche unb alles grau in grau sehe, mag die Sonne auch noch so goldig vom wolkenlose Firmament herab scheinen."

Es wird uns schon gelingen, diese schwer- mittigen Anwandlungen zu besiegen. Nim freue ich mich erst reckt, gekommen zu sein, da es gdt, den lieben und verehrten Freund wieder zu einem lebenslustigen Menschen zu macken."

Wenn Sie das fertig brächten, wäre mein Dank grenzenlos."

Ich bringe es fertig, bester Georg! Sie müssen sich nur nicht hier einkapseln, sondern mir hinaus folgen in das frische, fröhliche Leben. Wollen Sie sich kurze Zett meiner Führung über­lassen?"

Warum nicht? V on den Aerzten habe ich jetzt genug. Keiner konnte mir helfen, aber jeder schickte Rechnungen von wahrhaft schwindel­erregender Höhe."

Sie sind ja reich genug, um über den Kosten­punkt hinweg sehen zu können."

Reich genug? Ja! Aber soll ich mich tio« Betrügern und Dummköpfen ausnutzen lassen? Nein! Lieber ftreue ich mein Geld in alle vier Winde. Von nun an überschreitet kein Arzt mehr meine Schwelle!"

Bester Georg, kein Sterblicher ist unfehlbar und jeder kann irren. Vergriffen fick die Aerzte, in der Wahl ihrer Mittel, so sind sie deshalb doch nicht zu verdammen." (Forts, folgt.)