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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Illustrirtes Sonntagsblatt.

JK 121

Virrteljährlichrr Bezugspreis. bet bet ExpLitwn 2 SRL, bet allen Postämtern 2,25 Mk. <e$cu Bestellgeld).

JnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder Deren Raum 10 Psg.

Reelamen: die Zeile 25 Pfq.

Marburg

Mittwoch, 24. Mai 1905.

Erscheint wöchentlich siebe« mal.

Druck und Verlag- Iah. «ug. Koch, llniversttätr-vuchdruckerek 40. Jahrq.

Marburg, Markt 2L Telephon ob.

NeneAe Tele^ramNe.

Berlin, 23. Mar. DieNordd. Allg. Ztg." dementiert die Meldung, daß anläßlich bet Hoch- »eit des Kronprinzen eine Amnestie erjlassen wer> -en solle. Die französische Sonder-Gesandtschaft tft übrigens gestern in Berlin amtlich notifizrert worden. Ihr Führer ist General Lacroix.

Der Kronprinz ist dem Provinzialverband Berliir - Brandenburg des Deutschen Flottenber- eins als Mitglied beigetreten.

Wiesbaden» 23. Mai. Der Kaiser bat unter Zustimmung des Bundesrats den Unterstaats­sekretär v. Seckendorfs zum Präsidenten dsS Reichsgerichts ernannt.

Dresden, 23. Mai. , Die Entschließung des hier versammelten nationalliberalen Parteivor­standes zur akademischen Freiheit hat folgenden Wortlaut:Der Vertreterin der nationallibera- len Partei spricht der deutschen Studentenschaft rn ihrem Karnpfe um die akademische Freiheil 'ür eine unabhängige Entwicklung deS deutschen Geisteslebens seine lebhafte Sympathie aus/

Rom, 28. Mai. Der Papst wird dem Kron- vriuzen ein eigenhändiges Gratulationsschreiben senden, daß durch einen besonderen päpstlichen Vertrauensmann nach Berlin überbwcht und durch Kardinal Kopp, der voraussichtlich den Papst bei der Hochzeitsfeier vertritt, übergeben werden wird.

saragofsa, 22. Mai. Hier kamen heute in der Umgebung der Kirche Del Pilar Ruhestörun- gen vor, welche dadurch veranlaßt wurden, daß die Republikaner den Austritt der Prozession ,u verhindern suchten. Tie Polizei und die Bürger- garde schritten ein und nahmen mehrere Ver­haftungen vor. Hierauf wurde die Ruhe wieder hergestellt.

Paris, 23. Mai. Im Ministerium des Aus­wärtigen hofft man nach einer Drahtmeld-mq deS L.-A." binnen. kurzem in der marokkanischen Frage zu befriedigenden Feststellungen gegenüber Deutschland zu gelangen.

Belgrad, 22. Mai. Das Kabinett Paschitsch reichte seine Entlassuna ein.

Stockholm, 23 Mai. Im Auftrage des Königs begwt sich der Kronprinz-Regmt am 1. Juni wach Berlin, um der Hochzeit der Kronprinzen beizuwohnen.

Tanger, 22. Mai. Aus Fez wird unterm 18. Mai durch Eilboten gemeldet: Graf Tattenboch ist vom Sultan in einer zweiten privaten Audi- enz empfangen worden. Zu Ehren der deutschen Dpezia^gesandtschaft finden täglich große Festlich-

Newyork, 22. Mai. Rach einer Depesche au- Honolulu werden die Meißen rr. vabaina auf der u (Hawaii-Grupve) im Gerichtsgebäude von 2300 ausständigen farbigen Arbeitern bela­gert, von denen einer getötet und zwei verwundet wilrden. Von Honolulu ginn ein Dampfer mit Milrztruppen und Polizeimannschaften nach lahaina ab, um die Weißen zu befreien.

Die christlichen Gewerkschaften oeröffentlicheu in ihrem ..Zentralblatt" den Jahresbericht für 1904. Man wird sich nicht Gruber ivundern dürfen, wenn diesmal in dem Bericht em so hoffnungsvoller Ton angeschlagen

80 w '^rutf verboten.)

Schatten der Vergangenheit.

Roman von B. Coronh.

l Fortsetzung.)

Es klopfte.

Wer ist da?" frogte Victoria.

Henry, bitte um die Erlaubnis, Dich zum Dmer akcholen zu dürfen," lautete die von lupigem Lachen begleitete Antwort.

Ah Du bist es! Nur herein."

Der junge Mann trat ein.

Ein etwas erstaunter Blick streifte Fräulein von Dunois.

xsd) komme wohl zu früh? ErlaMt Du mir, tm Nebenzimmer zu warten?"

Zu warten? Worauf? Du findest mich etf, entgegnete sie mit zerstreuter Miene und naon! seinen Arm.

Er führte sie in das Speisezimmer, vor dessen Fenstern uralte Linden rauschten. Es lag nach kbm heller Sonnenstrahl drang jetzt

M«r MittagZzert in den großen sechsfenstrigen Raum, der duster und unfreundlich aussah.

Frau von Elairville war bereits anwesend mrd musterte die Enkelin, welche ihr die Hand küßk, mit uiizufriedeueni Ausdruck.

iNicht in Diner-Toilette?"

Ach, Großmama, verzeihe! Das habe ich Heute wirklich vergessen," entschuldigte sich Vic­toria.Da wir ganz unter uns sind"

Das ist kein Grund zur Vernachlässigung geffen, was in jedem vornehmen Hause Sitte ist. kchon die Rücksicht auf meine Gegenwart muß Mrr verbieten, das aus den Augen zu lassen."

wird wie vordem niemals. Tattächlich hat die chrislliche Gewerkschaftsbewegung in dem ver­flossenen Jahre erhebliche Fortschritte gemacht, die allerdings zunächst der Mitgliedevzu- nähme in den Bergarbeiterverbänden und dann dem Beitritt der Eisenbahnerverbände auf das Konto gesetzt werden müssen. Nach dem Jahresberichte gehörten am 1. April 1905: 274 860 Arbeiter und Angestellte den interkon­fessionellen christlichen Gewerkschaften anp wäh­rend um dieselbe Zeit des Vorjahres sich die Mtt- gliederzahl auf nicht mehr als 203 161 belief. Die Zunahme in dem Berichtsjahre betrug also 71 699 Mitglieder.

Die Zahl der Verbände, über welche sich die statisttschen Ermittelungen erstrecken, betrug 25; 18 derselben sind dem Gesamtverband der christ- sichen Gewerkschaften Deutschlands angeschlossen. Diese zählten am 1. April 1905 195 401 Mit­glieder, gegen 100 053 um dieselbe Zeit im Jahre 1904. Der Mitgliederzuwachs entfällt somit ausschließlich auf die dem Gesamtverband ange- hörenden Organisationen; dis außerhalb des- selben stehenden Verbände haben größtenteils Mitgliederverluste zu verzeichnen. Dem Gesamt­verband der christlichen Gewerkschaften gehörten an am 1. April:

Zunahme

1901

83571

relativ

in Prozent

1902

84 497

926

1,1

1968

84652

155

0,1

1904

100053

15401

18,2

1905

1954-1

95358

95,2

Unter den Mitgliedern der Organisatton, die dem Gesamtverband angehören, ^befanden sich 7624 Arbeiterinnen; die Zunahme derselben be­trägt im Berichtsjahre 2159. Die Mitglieder­zahl am 1. April 1905 und die Zunahme der bedeutenderen Verbände aeaenüber dem Vor­jahre beträgt: Bergarbeiter 80 080 (4- 38 280), Terttlarbeiter 24 182 (4- 6752), Bauhandwerker 19 267 (+ 10 336), Metallarbeiter 18140 (+ 10 815), Hilfs- und Transportarbeiter 9682 (+ 4999), Holzarbeiter 8300 (+ 3200), Heimarbeiterinnen 3143 (4- 926). Tabakarbeiter 2866 (+ 637), Keramarbeiter 2737 (4- 1868) usw. Der Löwenanteil der Zunahme entfällt auf Rheinland und Westfalen: zurzeit zählen die dem Gesamtverband angeschlossenen Verbände in die­sen beiden Provinzen rund 145 000 Mitglieder. Einschließlich der Mitglieder des Deutschen Eisen- bahnhandwerkerverbandes sind in Rheinland und Wesstalen rund 160 000 Arbeiter christlich-gewerk­schaftlich organisiert.

Auch die Kassenverhältnisse er­fuhren eine bedeuten de Verbesserung. Die Ein­nahmen der an der Stattsttk beteiligten Verbände stiegen von 1 131 605 Mk. im Vorjahre auf 1 337 841 Mk. im Jahre 1904. Von den Ein­nahmen entfallen auf die dem Gesamtverbaude angehörenden Organisationen 894 517 Mk. Die Gesamtausgaben betrugen 1 094 643 Mk., davon die Verbände des Gesamtverbandes 711 699 Mk., und. zwar für Verbandsorgane 111 995 Mk., Streik- und Gemaßregelteminterstützung 133 362 Mark. Sterbegeld 49 679 Mk.. Rechtsschutz 18 974 Mk., sonstige Unterstützungen 9200 Mk. usw. Mehrere Verbände nahmen auch im Jabre 1904 wieder Beitragserhöhungen vor. Der Bergarbeiterverband will, um sich für alle Eden- tualitäten zu rüsten, auf seiner bevorstehenden

Zürne nicht. Das Versäumte soll sogleich nachgeholt werden."

Laß nur! Heute mag es so hingehen."

Das Diner nahm einen recht trübseligen Ver­lauf. Victorias Gedanken beschäftigten sich so lebhaft mit der Losung, des unheimlichen Rätsels, daß sie ziemlich schweigsam war und zerstreut antwortete. Frau von Elairville war, wie immer, ernst und einsilbig. Henry, ein glänzender Ge- sellschafter, schlug bald dieses, bald jenes Thema an, vermochte aber nicht die Unterhaltung in Gang zu bringen und sagte endlich:Der Onkel bat recht. Ein melancholisches Nest, dieses Horbell! Man möchte meinen, es gingen Ge- spenster hier um, seit der, wie ich höre, so über- ^.^9 angebahnte gesellige Verkehr wieder gänz­lich abgebrochen wurde."

Papa ist doch leidend," erwiderte Victoria. ,Run ja, er krankt an einem alten Nerven- ubel, das wissen wir ja, aber eben k^shalb täte ihm Ablenkung not. Erst stellt er ein ruheloses, in den ärgsten Trubel der Geselligkeit hinein- hastendes Treiben an und nach kaum sechs Wochen tritt gänzliche Windstille ein. Nur ein im höchsten Grade nervöser Mensch kann so von einem Extrem ins andere geraten. Sollten wir aber schweigend zusehen, wenn er sich plötzlich einspinnt wie eine Raupe? Sollten wir ihn nicht lieber aus dieser Einsamkeit, die seinem Gemütszustand keineswegs förderlich sein kann, herausreißen? Warum versuchst Du eS nicht. Victoria?"

Papa verschließt mir seine Türe."

Seit wann?"

Seit mehreren Wochen schon. Ich habe auch keinen Einfluß auf ihn, weil ich erklärte, daß mein Platz bei Großmama sek."

Generalversammlung eine erhebliche Erhöhung der Wochenbeiträge durchsetzen.

Ein nicht uninteressantes Kapitel des Jahres­berichts ist das, welche- von den Streiks han­delt. Danach waren im verflossenen Jahre die christlichen Gewerkschaften ht 291 Lohnbewegun­gen bezw. Ausstände verwickelt. Insgesamt waren daran 14 818 Mitglieder beteiligt. 143 dieser Lohnbewegungen führten zu Streiks und AuS- sverrungeu, an welchen insgesamt 8019 Mit­glieder beteiligt waren. 74 der Bewegungen und Streifs wurden allgemein geführt und 152 gemeinschaftlich mit anderen Organisationen. Die meisten Streiks kamen im Baugewerbe vor. Den Standpunkt, daß die Organisattonen durch Streik­bewegungen gefördert werden, Vertritt auch die Leitung der christlichen Gewerkschaften, ebenso wie es die sozialdemkratische Generalkommission tut. In dem Jahresberichte heißt eS darüber:

Mtt dem Wachstum unseres Verbandes steigt auch sein Einfluß auf die Gestaltung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse im Baugewerbe. Andererseits wird er auch öfter und in größerem Maßstabe in Lohnkämpfe verwickelt. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir anenhmen. daß das entschiedene Eintreten und Kämpfen unseres Ver- bandes für die wirtschaftlichen Interessen seiner Mitglieder ihm selbst sowie allen christlichen Ge­werkschaften unter den Arbeitern zu Achtung und Ansehen verhalfen hat. Ja. diesem Umstande sind auch zum großen Teile die Fortschritte zu verdanken, auf die wir jetzt zurückblicken können."

Der russisch-japanische Krieg.

Aus der Mandschurei.

General Lenewitsch telegraphiert unter dem 21. Mai, daß sich am 18. Mai östlich der Eisenbahn eine durch Kavallerie verstärkte russische Abteilung dem Dorf Schahotse näherte; sie wurden von den Japanern in beträchtlicher Stärke angegriffen, die von den Kohlenminen her, die südlich von Schahotse liegen, zur Offensive übergingen. Auf der Mandarinen­straße gingen zwei russische Abteilungen vor, ohne mitelnander in Verbindung zu stehen. Eine stieß auf Widerstand van japanischer In­fanterie und Kavallerie, warf sie der Reihe nach aus ihren Stellungen und besetzte das Flußtal des Kaakhe und das Flußtal des Khanda west­lich von Nanchentse. Die andere Abteilung trieb die feindlichen Kavallerievorposten von Tadlou zurück.

Aus dem japanischen Hauptquartier wird gemeldet: Am 20. Mai machte der Feind, be­stehend aus über einem Bataillon Infanterie, einem Regiment Kavallerie und zwei Geschützen, eine Umgehung von der Nachbarschaft der zehn Meilen östlich von Changtu belegenen Höhe Santaokow und eröffnete um ll12 Uhr morgens das Feuer. Später erschienen vier feindliche G-schütze auf der nördlichen Höhr von Ch nhanopar. Um 4 Uhr nachmittags gingen zwei russische Bataillone von der östlichen Seite des Dor les vor, wurden aber zurückgeschlagen. Eine wettere gemischte Truppenabteilung rückte in Ersilipao ein, fetzte das Torf in Brand und

Ließe sich denn eins mit dem anderen nicht vereinigen?"

Nein!" schnitt Frau von Elairville das Ge­spräch kurz ab.Ich habe meine Enkelin von ihrem zehnten Jahre an erzogen und zu mir ge­hört sie! Dieses einzige Kind meiner schmerzlich beweinten Tochter lasse ich mir nicht nehmen. Ich hindere sie keineswegs an Erfüllung ihrer Pflichten dem kränflichen Vater gegenüber, gegen unsere, von ihm beabsichtigte Trennung werde ich mich aber stets energisch wehren!"

Aber Tante, wenn Viktoria sich verheiratet, dann mußt Du ihrem Gatten doch auch einige Verfügungsrechte zugestehen!"

Gewiß! Aber sie wird gewiß keinem Mann die Hand reichen, der mir nicht mit kindlicher Ehrfurcht ergeben ist."

Ich müßte undankbar und herzlos sein, wenn ich es täte," sagte die Baronesse, indem sie auf- stand, die Greisin zärtlich umschlang und ihr silberweißes -Haar küßte.Du hast mir seit mehr als acht Jahren die Eltern ersetzt, und Deiner Güte berbanfe ich es, wenn ich mich niemals ver­waist fühlte. Deshalb werde ich es immer als me'ne höchste Aufgabe betrachten, Dir gehorsam zu fein und meinen Willen dem Deinigen stets unterzuordnen."

Ein schattenhaftes Lächeln flog über Frau von Clairvilles bleiche Züge, als sie sich auf den Arm des Mädchens stützte und den Speisesaal verließ.

Sehr hübsch aber sehr langweilig," mur­melte Henry. Nun war es wirklich Zett, an die öffentliche Verlobung zu denken und den Termin der Vermählung nach Möglichst zu beschleuni- &Die Clairvilles verfügter! nicht über große

sgitter und alte pekuniäre Verpflichtungen

zog sich zurück. Abgeseffene feindliche Kavallerst griff Tangshed auf dem rechten Ufer deS Liaoho, dreizehn Meilen südwestlich von Fakumen, am Morgen deS 20. Mai an. Nach einem zwei­stündigen Kampfe zog sich der Feind in Un­ordnung nach Südwesten zurück und ließ 30$ Tote und Verwundete zurück. Außer kleineres Zusammenstößen ist die Lage unverändert.

Kiachta, 22. Mai. Prinz Friedrich Leo­pold von Preußen ist heute von Urgan nach Kiachta abgereist, um sich zur russischen Feld? armee zu begeben.

Se* der Flotte.

DieTimes" melden, der Rendezvous-Ort, welchen Roschjestwenski für seine Kohlenschiff« bestimmt hat, befinde sich im Kanal von Balling Tang und zwar in der Nähe der Insel Babuhan Clalo, welche einen Leuchtturm besitzt und sich nördlich von Luzon befindet. Du russischen Kohlensch^ffe, in einer Stärke von 21 Schiffen in Begleitung von anderen Dampfern mit Munition an Bord, haben in Singaporl die Instruktion erhalten, sich bei der genannten Insel zu versammeln, wo sie eventl. weiten Instruktion erhalten sollen, an welchem Orte die Kohlenübernahme erfolgen soll.

Daily Expreß" meldet aus Tokio: Uebex die Bewegung der russischen Flotte ist man hier völlig im unklaren, wodurch das Publikum in große Unruhe versetzt wird. Die japanischen Behörden bewahren über die Angelegenheit vollständiges Stillschweigen. Man vermutet, daß RoschestwenSki den Kurs nach Osten in ben Stillen Ozean nimmt, wonach er nördlich bit zur Küste von Kamtschatka fahren werde, utf von dort aus Wladiwostok zu erreichen.

Hongkong, 22. Mai. Der letzte hin eingekommme Dampfer berichtet, daß er Sams­tag Morgen einen Kreuzer bei russischen Frei­willigen Flotte in Begleitung eines schwer be­ladenen Frachtdampfers in der Hainanstraß« westlich steuernd gesehen habe.

Tokio, 22. Mai. Hier verlautet, daß ein« Dschunke, auf der sich zahlreiche russische Offizier« befanden, weggenommen worden fei. Man nimmt an, es habe sich um eine von Wladiwostok unternommene Erkundungsfahrt gehandelt.

Deutsches Reich.

Berlin. 23. Mai.

Seine Majestät derKaiser arbeitete, wie aus Wiesbaden berichtet wird, geften. Mon­tag Vormittag allein. Zur Mittagstafel waren keine Wnladungen ergangen. Nachmittags unter- nahm der Kaiser eine Automobilfahrt nach Jagd­schloß Platte, machte von dort einen Spaziergang nach der Eisernen Hand und kehrte darauf mit­tels Automobils nach Wiesbaden zurück.

lieber ben bereits gemeldeten Unfall der Kaiserin wird jetzt folgendes bekannt: Die Kaiserin wollte am Sonntag gegen 5 Uhr die schmale Wendeltreppe, welche die kaiserlichen Gemächer miteinander verbindet, heruntergehen. Hierbei geriet sie mit ihrem Fuße in die Fatten ihres Kleides und fiel mit der Stirne auf etne

fingen an, sehr lästio zu werden. Dunois hin­gegen galt für sehr reich und mit dem prächtigen Schlosse mußten dereinst glänzende Einkünfte auf die einzige Erbin übergehen. Die Baronesse hielt ein großes Vermögen in ihren schönen Hän­den, aber die Angelegenheit rückte gar nicht vor­wärts. Die Erkrankung des Barons schob wie­der alles in unberechenbare Ferne hinaus. Dabei war es so langweilig, so entsetzlich langweilig unter diesen Umständen auf Horbell.

Der junge Gras langweilte sich täglich mehr und unternahm deshalb Morgenritte und Spa­ziergänge, die stets an dem grünumranlten Häuschen in S . . . vorüberführten. Dort gab es jemanden, der auch frühe Ausgänge liebte: ein entzückendes, hellblondes Mägdelein, das gra­ziöseste Nippfigürchen von der West, mit Augen groß und unschuldsvoll und einem kleinen, roten, freundlich lächelnden Kindermund.

Erst war es gewiß nur Zufall, daß er Lies­chen begegnete, jedenfalls wich die Kleine solchem Zusammentreffen nicht aus. Sie beschäftigte sich entweder im Garten ober wandelte außerhalb desselben am Bachesrand hin, Vergißmeinnicht pflückend. Zuweilen geschah es auch, daß sie langsam, den breitrandigen Strohhut auf daS lichte Haar gedrückt, irgend einer Hütte znschritt, um Kranken und Bedürftigsten Unterstützungen zu bringen, denn an Direktor Sans Walter wen­dete sich fein Bittender vergeblich.

Dann wechselte sie stets einige Worte mit dem jungen Edelmann, streichelte das Pferd und hielt immer ein Stückchen Zucker in_ Bereitschaft«