mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Jlluftrirtes Sonntagsblatt.
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Jfä. 118
Biertrljährlicher Bezugspreis: bet der Expedition 2 Mk., bet allen PostLmtern 2,25 Mk. <exct. Bestellgeld).
Marburg
Znsertton-gebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Reclamen: die Zeile 25 Pfg.
Sonnabend, 20. Mai 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UmversttätS-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
40. Jahrg.
Neueste Telegramme.
Berlin, 19. Mai. Art Stelle des nicht mehr auf seinen Posten zurückkehrenden Gouverneurs Horn ist Gvaf Zech zum Gouverneur voit Togo ernannt worden.
Berlin, 19. Mat. Die Konferenz der Rekto- kcn deis preußisckfen Hochschulen dauerte gestern im sstiütusministerium , noch fort; die Beratungen Dürften voraussichtlich erst heute zu Ende geführt tuerden. Die Verhandlungen betreffen vornehmlich die studentischen Ausschüsse. Die Rektoren find angewiesen worden, selbst ihren Senaten gegenüber Geheinchaltung zu beobachten.
Bad Nauheim, 19. Mai. Der Berliner Bot- ifchafter der Vereinigten Staaten, Tower, ist von dem Staatssekretär Hay hierher berufen worden, wo sich bereits seit einigen Tagen der Berliner tGenepalkonsiil Mason zum Besuch des Staats- kekretärs aufhält. Die drei Herren halten Konferenzen ab, die sich aus zukünftige Gestaltung deÄ handelspolitischen Verhältnisses! zwischen jDeutschlanül und den Vereinigten Staaten 6c- tziehen.
. Wien, 19. Mai. Das Hochzeitsgeschenk des Kaisers Franz Josef für den deutschen .Kron- jpriuzen besteht, aus einer offenen Viktoria, bespannt mit zwei Lippizaner Vollblutschimmeln, deren Geschirr reich mit Silber beschlagen und mit der Krone und dem kaiserlichen Namenszug jßCjiert ist.
’ .. Paris, 19. Mai. Ueber den bevorstehenden Rücktritt Delcassäs, der von allen Seiten gemeldet wird, teilt man noch mit, daß Rouvier ent- sgegen den Wünschen Loubcts die Ersetzung Del- ieassäs fordere. Die größten Aussichten für den «Posten hat iwdi immer der Konstantinopeler Botschafter Constans. Der frühere Kriegsmi- ,Nister.Freycinet soll das Ansuchen, den Posten zu übernehmen, abgelchnt lmben.
Rom, 19. Mai. Der Herzog der Abruzzen plant eine neue loissenschaftliche Forschungsreise. Diesmal ist das Ziel Zentralafrika. Der König billigte die Fahrt, die eventuell im Herbst beginnen wird.
Rom, 19. Mai. Der Papst hat, hiesigen Blättern zufolge, in der Mosaikfabrik des Vatikans ein großes Mosaikbild herstellen lassen«, das dem Kronprinzen als Hochzeitsgeschenk zugedacht tit- Kardinal Fürstbischof Kopp wird als Ver- trcter des Papstes bei der Feierlichkeit das Geschenk überreichen.
Die Schulvereinsarbeit und das nationale Programm unserer Zukunft.
In diesen Tagen bat der Wiener (d. h. der österreichische) Deutsche Sckuilverein die 25 Wiederkehr seines Gründungstages gefeiert. Im kommenden Jahre wird der „Allremeine Deutsche Schulverein" (Berlin) die gleiche Feier begeben. Gestehen wir es doch: bei uns im Reiche ist der Schulvercin mit seinen 33 000 Mitgliedern immer noch ein Fremder. Was einst seinen Grün- dern vorschwcbte, daß er die ganze Nation um-
“ 'Abdruck verboten.)
Schatten der Vergangenheit.
Roman von B. Coronh.
(Fortsetzung.)'
K'u.rt hob die Baronesse in den Wagen und blieb wkundenlang wie festaebannt stehen. Die schmeichelnden Abendlüfte schienen von dem zar- ten Duft erfüllt, den die Haare und Gewänder Victorias ausströmten.
Noch einmal wandte sich die junge Dame zurück iind grüßte lächelnd.
. ."5'-toie schön sie ist! Me wunderschön!" ries Elkiabetü. „Nicht wahr, Susannchen? Und die)e herrlichen Rosen! Sieh' nur!"
: -Herr Gott, sie sehen aus, wie andere auch," entgegnete Susanne und stieß den Strauß so heftig ooiseite, daß ein ganzer Regen leuchtend- croter Blättchen zu Bodeii fiel.
-Wie schade!" klagte die Kleine
' ^Entschuldige meine Ungeschicklichkeit. Ick) Mcke Dir morgen einen Strauß, der den 33er- vleich mit diesem vohl aushalten kann."
, / dlch. Ein, bitte nicht! In unserem Garten nun es ja auch einen entzückenden Rosenstor Es
den Centsfolien abgefallen.
^.eyst DuDie anderen prangen in Pracht.
teilt Mlch fo itntenblid), bafj bie Soroneffe ort Mim gedacht und mir so freundliche Glückwünsche gekracht hat."
' -Deshalb wird der dünkelhasten Person keine Perle aus der Krone gefallen fein. Eine Fürstin mitte man wirklich nicht ehrfurchtsvoller emp- isangen können.
„Dünkelhaft ist sie wahrlich nicht. Da tutst Du ihr Unrecht."
„Nun meinetwegen! Leak Euch ihr nur alle Ft Fußen! Was kümmert es mich?"
fassen und durchdringen solle, hat sich eben durch- aus nicht erfüllt. Wahrhaft volkstümlich ist er nie geworden und wird er euch kaum so bald werden. Er hat seine eigene kleine stille Gemeinde, die ihm treu bleibt, aber über diese hinaus dringt fein werbender Ruf nur selten. Man hat ihm wohl vorgeworfen, daß er zu wenig laute Propaganda treibe. Der Vorwurf ist nicht berechtigt, wie man am Beispiel des Alldeutschen Verbandes! sieht, der ja recht eigentlich der jüngere temperamentvollere, politisch gerichtete Bruder des rein nationalen „Schulvereins" ist und es vor allem in den ersten Jahren seines Bestehens an lebhafter und zum Teil auch recht erfolgreicher Agitation nicht hat fehlen lassen. Denn auch er bat den Gedanken der alldeutschen „Gemeinbürgschaft", oder sagen wir: das Be- wußtsein der nationalen Verantwortlichkeit der Reichsdeutsche» für die Erhaltung dies Deutsch- tums im Auslande nicht eigentlich populär zu machen verstanden, ja er hat durch seine mehr gefühlsmäßige Behandlung politischer Fragen und durch das Vorwalten eines 'pessimistischen Grundzuges in ihrer Beurteilung zweifelsohne in manchen Kreisen unseres Volkes eine mehr oder weniger bewußte Reaktion gegen Jenen Gedanken hervorgerufen.
Aber solche Erfahrungen sollen uns nicht entmutigen. Auch Gedanken haben ihre Schicksale. Auch für sie gilt das Wort vom Kampf ums Dasein. Sie müssen sich im Widerstreit mit Vordermännern und Nachbarn ihren Platz in der Welt erst erobern. Bei uns im Reich hat der konfessionelle Gedanke im Sinne des konfessio- nellen! Haders noch immer eine Bedeutung, die spätere Geschlechter vielleicht nicht mehr verstehen werden. Wir sind in dieser Beziehung fast noch das Volk des dreißigjährigen Krieges geblieben, verfolgen uns gegenseitig mit Haß und Vorurteilen und schwächen damit unsere nationale Kraft, ohne unsere religiöse zu vertiefen. Solche krankhafte Stimmungen müssen erst einmal überwunden werden, ehe der nationale Gedanke bei uns zu voller Entfaltung kommen kann. Und dieser Gedanke selbst, wie viele Schlacken hasten ihm heute noch an, wie viele unklaren Wünsche und Aspirationen. Da gilt es noch mannhaft Selbstzucht üben, allen Phantasien tapfer entsagen und sich fest auf den Boden der Wirklichkeit stellen.
Aber — noch einmal sei es gesagt — um die Idee, ans der vor einem Vierteljahrhundert die Schulvereinsarbeit hervorwuchs, ist uns nicht bange. Je mehr unser Volk in die Aufgaben der Weltpolitik hineinwachien wird, desto mehr wird es sich mit dem Bewußtsein durchdringen, daß alle solche Politik zur Vorbedingung hat jene nationale Kulturgemeinschaft aller Deutschen auf der Erde, die herbeizuführen und zu festigen der eigentliche Inhalt , der Schulvereinsarbeit ist. Keine Aggressive, keine Expansion, Wohl aber Er- haltuug des Deutschtums im Auslande und vor allem Erhaltung des Deutschtums in Mittel- europa, — in diesem Gedanken und in keinem anderen liegt das nationale Programm unserer Zukunft. B.
„Weshalb bist Du Plötzlich so verstimmt?" „Verstimmt? Keineswegs! Es ärgert mich nur, wenn Ihr Geschichten macht, als wäre eine Göttin bei Euch eingekehrt. Wo ist denn der Onkel? Wir wollen jetzt nach Hanse."
„Nein, Suse, das tutst Du mir nicht an! Ich hatte mich auf den heutigen Abend so gefreut. Du bleibst, nicht wahr? Sonst wende ich mich an Deinen Onkel."
„Ja, ja, ja! Mache nur kein Aufsehen. Wenn es sein muß, bleibe ich."
„Wie Du nur auf einmal bist! Wir waren doch so vergnügt! Hat Dich denn irgend etwas gekränkt?"
/ „Möchte wissen, was! Höre auf mit dem vielen Fragen, sonst gehe ich allen Ernstes, und wenn es fein muß, ohne den Onkel."
„Gut, gut, ich bin ja schon siill. Aber verdirb mir die Geburtstagsfreude nicht."
In diesem Augenblick trat der Assessor heran.
„Darf ich um die Ehre bitten, Sie zu Tische zu führen, mein Fräulein?"
Susanne nickte, nahm seinen Arm, aber in ihrem Innern tobte ein Sturm. Der sich selbst so Hocheinschätzenden war eine tiefe Demütigung bereitet worden. Die Baronesse hatte gänzlich über, sie hinweg gesehen und Kurts volles^Jnter- esse in Anspruch genommen.
Jetzt schritt Susanne neben ihm einher uird saß bei Tisch an seiner Seite, fühlte aber mit dein scharfen Urteilsvermögen des liebenden! und eifersüchtigen Weibes, daß er nicht an sie, sondern an eine andere dachte. An Aufmerksamkeiten ließ es der junge Mann nicht fehlen. Er vergaß keine feiner Ritterpflickten, aber gerade das bewies, wie gleichgültig ihm die hübsche Nachbarin war. Ter ihn unausgesetzt beobachtenden Susanne entging es auch nicht, daß er später, als man vom Tische aufitan’b und sich zwanglos gruppierte.
Der russisch-japanische Krieg.
Bo» den Flotten»
Singapore, 18. Mai. Das haitische Geschwader verließ vorgestern enbgilHg Annam, in nordöstlicher Richtung dampfend.
Saigon, 18. Mai. Die Vereinigung der russischen Geschwader vollzog sich am 8. Mai außerhalb der territorialen Gewässer. Am 14. Mai sind die Schiffe in See gegangen und entfernten sich in östlicher Richtung Das Hospitalschiff „Orel" beabsichtigt nach Shanghai zu gehen. Ad- miral Jonquidres erstattet über Me Inspizierung an den Küsten von Annam befriedigende Berichte.
Honkong, 18. Mai. Der Berichterstatter deS Reuterschen Bureaus sah auf der Fahrt nach Kwangschauwan am Abend deS 16. Mai 150 schwerbeladene Dschunken, wahrscheinlich mit Vorräten für die baltische Flotte, 20 Meilen südwestlich von Kap St. John vor Anker liegen. Sie zeigten ihre Signallaternen. Beim Herankom- men des Dampfers verschwanden die Lichter. In Kwangickauwan ist alles ruhig.
London, 18. Mai. Ein Telegramm von Lloyds Agency aus Singapur von heute meldet: Der Dampfer „Segovia" berichtet, er sei in einer Entfernung von 40 Meilen von dem nördlich von der Honkohebucht liegenden Cap Varela an der russischen Flotte vorbeigekommenr, die aus 42 Schiffen bestand und langsam nordwärts dampfte.
Tokio, 18. Mai. Die Japaner haben zwei Schiffe aufgebracht, deren Nationalität zwar noch nicht feststeht, von beiten man aber aus guten Gründen annehmen darf, daß sie zum Haiti- scheu Geschwader gehören. Der eine der beiden Dampfer geriet in der Nähe von Südkorea in die Hände der Japaner, der andere auf der Höhe der Pescadoves-Jnseln. Danach scheint es sich zu bestättgen, daß die russische Flotte auf dem direkten Wege durch die Formosa- und Fukien- Sttaße Wladiwostok zu erreichen sucht. Unter diesen Umständen wäre aber ein Zusammenstoß mit ,Tggo unvermeidlich, abgesehen davon, daß bereits die Formosa-Straße durch Minen gesperrt ist.
Verschiedene Meldungen.
London, 18. Mai. Der Korrespondent des Reuterschen Bureaus bei der Armee des Generals Oku meldet über Fusan unter dem 14. Mai: Die Eisenbahn ist ferttggestellt und kann bis Tie- ling benutzt werden. An Stelle der zerstörten Brücken sind Provisorische gebaut worden. Der Bahn bau nör dlich von T'eling wird mit aller Macht gefördert. Das Material für die perma- nenten Brücken kommt von Japan. Taufende von Dschunken bringen Vorräte auf dem Liau von Niutsckwang nach Tieling.
Petersburg, 19. Mai. Der Kommandant von Kronstadt Birilew hatte heute eine Audienz beim Kaiser. Es ist möglich, daß er nach Wladiwostok kommandiert wirb. — General Stössel geht, wie di? „Nowosli" melden, zur Erholung in das Kloster, das durch seinen Heiligen Seraphün bekannt ist.
. Pcterburg, 18. Mai. Das Gerücht, daß Admiral Roschdiestwensky wegen Nervenzerrüttung
verstohlen eine Rose aus dem von Victoria ge» spendeten Strauß nahm und zu sich steckte. Laut aufschreien hätte sie da mögen vor Schmerz und Zorn.
Da ließ sich Hellers Stimme vernehmen: „Gehen wir nun heim? Ich bin müde und muß morgen früh heraus. Wenn Du aber lieber erst später aufbrechen willst, Suse, so gedulde ich mich schon noch ein Weilchen."
„Das wäre unnötig. Ich komme gleich mit. Es ist hohe Zeit, dgß ich mich empfehle. Adieu, Lieschen! Adieu, Herr und Frau Direktor! Lassen Sie sich nicht stören, Herr Assesior!"
„Darf ich Sie ein Stückchen begleiten?"
„Wozu benu ? Der Onkel ist ja bei mir. Bitte, entziehen Sie sich Ihren Angehörigen um keine Minute früher, als nötig ist. Gute Nacht!"
Victorias Rose auf dem Herzen verborgen, eilte Kurt jetzt in das Stübchen, welches die Eltern stets für ihn bereit hielten. Er stand twch vollkommen unter dem Eindruck der Begegnung mit Fräulein von Dunois. Hatte ihr letzter, von einem langen, warmen Blick begleiteter Gruß ihm oder der Schwester gegolten? Vermutlich Lieschen, die sich mit so kindlicher Zärtlichkeit an den Bruder schmiegte — aber dennoch war es dem jungen Manne gewesen, als habe ein blendender Strahl aus diesen tiefblauen Sternen bis in das Innerste seiner Seele hinein geleuchtet und alles, was er vor sich selbst als Geheimnis zu bewahren wünschte, mit goldiger Lichtflut überströmt. Und jetzt rangen in ihm zwei feindliche Gewalten: Vernunft und Liebe. Die erstere sagte: „Du bist bürgerlicher Abkunft und hast zwar gut situierte, aber keineswegs vornehme Elter)), barfft also nicht hoffen, jemals des reichen Aristokraten Schwiegersohn zu werden." Die zweite wenidete dagegen ein: -Wo zwei Menschen
von seinem Posten zurücktreten werde und Ad« miral Birilew an feine Stelle treten sollte, beruht offenbar auf einem Mißverständnis. Soweit zu erfahren ist, handelt es sich um Admiral Nebogatow, dessen Aufgabe von vornherein nur darin bestand, das dritte Geschwader dem Admiral Noschdjestwensky zuzuführen und dann zurückzukehren. Ob Admiral Birilew sich statt Nebogatows nach dem fernen Osten begibt, soll in den nächsten Tagen entschieden werden.
Umschau.
Zum Bergwerkgesetz.
Der Abgeordnete Gamp hat zu der Berg» gesetznovelle einen Antrag auf Sperrung bet Muttlngen eingebracht, über den die Kommission des Abgeordnetenhauses, wie schon gemeldet, am Dienstag beraten hat. In der Kommission wurde festgestellt, daß der Antrag aus der Besorgnis entstanden, es möchten die bergfreien Felder in kurzer Zeit in private Hände übergehen. Zur Begründung des Antrages Gamp wurde angeführt. daß durch die jetzige Praxis der Bohrg» sellschasten die Produktion verteuert würde. Auch liege die Gefahr vor, daß sich das Kohlensyndikal der Felder bemächtige. Von der Regierung wurde die Vorfrage, ob Gefahr vorhanden sei, daß die Kohlenfelder in kurzer Zeit in Privathände kämen, bejaht. Es seien außer den bis jetzt gemachten Kohlenfunden weitere Felder föMverlich zu entdecken. Wenn man jetzt nich! zugreife, so sei die verfügbare Menge rasch belegt. Die Hauptmasse sei schon in festen Händen. Beim Kali seien die Verhältnisie nichs so klar, aber es bestehe doch auch hier die Gefahr, daß die wertvollen Schätze in feste Hände ge rieten. Im nationalen Interesse sei dringend zi wünschen, daß mit den Bohrungen nicht in bei bisherigen Weise fortgefahren werde. Der noä übrige Rest von Kohleund Kali müsse füi den Staat reserviert werden. Uebei die Mittel ließe sich reden. Von einem Mitglied! der Kommission wurde dem Negierringskommissm entgegengehalten, daß es sich danach um der llebergang von der Bergbaufreiheit in dal Staatsmonopol handle, ein Verfahren, das mit den früheren Erfahrungen beim Erwerb der Hibernia im Widerspruch stehe. Dies wurde von der Regierung bestritten. Es handle sich nicht um ein Staatsmonopol, sondern lediglich um die Abstellung von Schäden. Aus der Mitte der Kommission wurde der Antrag gestellt, daß der bisherige Muter das Recht, den Schlagkreis! an- zubohren, auf zwei Jahre behalten soll. Die SBeiterberatung wurde auf Freitag abend vertagt.
Die Kalibohrgesellfchaften find begreiflicherweise gegen den Antrag Gamp. Nach deren Ansicht involviere der Antrag wirtschaftliche Nachteile und bedeute einen schroffen Eingriff in das bestehende Recht. Zur Beseitigung der Auswüchse des Mutungswesens bedürfe es nicht eines Antrages Gamp, dazu genüge die Festsetzung einer bestimmten Frist von der Einlegung der Mutung bis zur Schlußerklärung. Durch den Antrag würden den thüringischen Staaten außer-
erkennen, daß sie in Liebe unlösbar zu einander gehören, da müssen alle Schranken fallen. Besitzest Du also keinen altadeligen, so, erwirb Dir einen berühmten Namen, den auch die vornehmste Frau mit Stolz tragen kann."
„Warum bleibst Du denn alle naselang stehen und siehst zurück?" fragte Heller seine Nichte ans dem Heimweg.
„Ich dachte — mir war's, als käme jemand hinter uns her."
„Wer denn? Der Assessor etwa? Da kannst Du lange warten. Ja, wenn's darauf ankäme, dem Fräulein von Schloß Horbell die Schleppe zu fragen, da würde der junge Herr schnell bereit fein. Aber Du — Dich laßt er allein mit mir nach Hause trotten."
„Ich verbot ihm doch, uns zu begleiten."
„Pah! Ein Verliebter fragt den Teufel nach solchen Verboten. Wenn's ihm gevaßt hätte, wäre er schon mitgefommen. Das weißt Du auch recht gut. Ich sehe es Dir ja an. Du machst ein Paak Augen, daß man sich fürchten könnte."
„Weil die Baronesse tat, als wäre ick) gar nicht zugegen. Ein impertinentes, hochmütiges! Ding! Ich habe eine Wut in mir, eine Wut —"
Sie fing Plötzlich an zu schluchzen.
Der Guispächter verzog den Mund git einem spöttischen Lachen. „Jetzt wirst Du vielleicht bester begreifen, wie einem dergleichen ärgern kann« Als ick mich heute über Herrn Dunois beklagte, da gab mir ein gewisser jemand den weisen Rat! „Lerne doch dem Fabrikdirektor ab, wie er es an« fängt, sich beliebt zu machen!" Vielleicht befolgst Du die gute Lehre selbst und nimmst Dir Liebchens Verhalten zum Vorbild!" j
(Fortsetzung folgt.)