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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Alluftrirtes Sonntagsblatt.
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vierteljährlicher Be,ugSprei»i btt »er Expedition 8 ML, btt eBttt Postämtern 2IS Mk. (excl. Bestellgeld).
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Marburg
Freitag, 19. Mai 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verla,: Joh. Kxg. Noch, UntversitMckSuchdrucktrch 40.
Matchnrg, Mark 2L — Telephon 56.
Neueste Telegramme.
>. Berlin, 17. Mai. Den Abendblättern zu- solge erfolgte am Schwarzen Brett der Technischen Hochschule zu Chattottenburg ein An- ischlag, in welchem der Rektor und der Senat einerseits und die Studentenschaft andererseits ßm Interesse der Herbeiführung deS akademische« Friedens erklären, daß bei den bisherigen 5Bor» hängen von keiner Seite eine Beleidigung beab- Vchtigt war, und die Aeußerungen, welche von ibn: anderen Seite als Beleidigungen empfunden Horden find, beiderseits endgültig zurückgenommen werden. Ferner ladet der Rektor zu einer allgemeinen Studentenversammlung auf den 20. Mai ein, auf deren Tagesordnung die Wahl von Vertretern steht.
Lübeck, 17. Mai. Der Bürgerausschuß stimmte der bekannten, gegen die Sorialdemo- Katie gerichteten Senatsvorlage auf Abänderung des Wahlrechts (die wir kürzlich in einem Artikel ausführlich behandelten), zu, lehnte er aber ab, alle Nichtbürger, die feit drei Jahren Mindestens 2000 Mark Jahreseinkommen versteuern, mit 50 v. H. Einkommensteuerzuschlag ßu belegen.
Metz» 17. Mai. Bei der gelegentlich des Kaiserbejuchs im Bezirkspräfidium abgehaltenen politischen Konferenz sollen u. a. die folgenden Punkte zur Besprechung gestanden haben: Neber» jnahme deS deutschen Protektorate- über die katholischen Missionen im Orient, Regelung der Kirchhofsfrage durch Gesetz und Einbringung eines hierauf bezüglichen EesehentwurfeS im Landesausschuß, Anlage zweier neuer Forts, eins bei Metz und eins bei Diedenhofen, Wechsel im. Statthalterposten.
! Rom, 17. Mai. Wie nach dem ,B. 5L' verlautet, beabsichtigt Papst PiuS X. eine Kommission von Kardinälen und Theologen zu ernennen, die über die Einführung von Reformen ^it befinden haben wird. Die inttansigenten Kreise, namentlich die Jesuiten, sind über diese Pläne des Papstes empört.
Pari?, 17. Mai. Wie verlautet, werden der mit der Vertretung der französischen Re- aienlng bei den Vermählungsfeierlichkeiten in Berlin beauftragten Sondermission angehören: Der Gouverneur von Lyon General de Lacroix als Botschafter in außerordentlicher Mission, der Gesandte und Deputierte Arago, Kontre- admiral de Marolles und Botschaftssekretär Gnillemin. Die Entsendung ist, wie nach einer Meldung der „Nat.-Ztg." in Pariser unter- richteten Kreisen verlautet, auf die persönliche Initiative DelcasseS zurückzuführen. Es liegt iahe, anzunehmen, daß Herr Delcaffe der öffent- ichen Meinung Frankreichs, soweit sie auf ein reundliches Verhältnis zu Deutschland Wett egt, durch die Anregung der Sondergesandt- chaft einen Beweis dafür hat geben wollen,
daß er dieser aggressiven Tendenzen abholden Richtung auch seinerseits Rechnung trägt.
17. Mai. Der Kaiser von Korea sandte an seinen Gesandten in Berlin Min Ehöl Hun ein Handschreiben, welches dem Kronprinzen auS Anlaß seiner Hochzeit überreicht »erben soll. Diesem Briefe ist ein mit kostbaren Steinen verzietteS goldenes Kleinod beigegeben.
Der russisch-japanische Krieg.
Sen btt russischen Flotte
liegen heute mehrere Meldungen vor, nach denen die Bereinigung der beiden Admirale als vollzogen angenommen werden darf. Wie auS Saigon von gestern bettchtet wird, wurde der Korrespondent der Pattser Zeitung »Journal* in Hanoi, dessen Schiff bei Pott Dayot vom rechten Kurse abgekommen war, von dem rusfischen Geschwader angehalten. Nachdem er den Sachverhalt aber aufgeklärt hatte, bereiteten ihm die Russen eine herzliche Aufnahme. Die Offiziere sagten, sie seien seit Februar nicht mehr an Land gegangen; sie machten fich aus eine baldige Schlacht gefaßt. Die vereinigten Geschwader seien im Begriff, nach Wladiwostok zu gehen. Da- Geschwader Nebogatow» macht einen unsauberen, veralteten Eindruck. Die Gesamtzahl bet Schiffe der Flotte beträgt sechzig.
London,17.Mai. (BureauLassan.) Admiral RoschestwenSkiS Geschwader hat, tote dem Petersburger Korrespondenten des »Daily Expreß* von einem Beamten der russischen Admiralität erklärt wurde, die indochinesische Küste endgiltig verlassen. Roschestwenski hat Befehl auf Wladiwostok zu dampfen und eine Schlacht anzunehmen, falls Togo eine solche anbietet.
Der Aufenthaltsort der
jepanischr« Flotte
ist nach wie vor vollkommen unbekannt. Da jede Korrespondenz verboten ist, erhalten die Angehörigen der Flottenmannschasten keine Nachrichten.
Amoy, 17. Mai. (Reuter.) Die Frauen und Kinder werden von den PeScadoreS-Inseln nach Formosa gebracht. Man glaubt, daß ein Teil der japanischen Flotte unterhalb FormosaS kreuzt und während der Nacht von hier Befehle erhält. Ferner nimmt man an, die Japaner beabsichtigten, die russische Flotte. südlich von Formosa in einen Kampf zu verwickeln.
Verschiedene Meldungen.
Tokio, 17. Mai. Dem Mailänder „Sortiere della Sera" wird von hier gemeldet, daß Japan zum dritten Mal bei Frankreich wegen deS Verbleibens der russischen Flotte in den Gewässern Jndochinas protestiert habe.
London, 17. Mai. Nach einem „Times*- Telegramm aus Tokio betont eine dortige einflußreiche Zeitung, daß das englisch-japanische
Bündnis die Ausgabe habe: nicht andere Rattonen in den Krieg zu ziehen, sondern sie davon auszuschließen, damit diese nicht in letzter Stunde noch daS Recht erwerben, amFriedenS- fchluß teilzunehmen.
Petersburg, 17. Mai. (Petersburger Tel.-Ag.) Nach Blättermeldungen aus Kronstadt gab der Geschwaderches der Balttschen Flotte Admiral Bittlew in einem Tagesbefehl den Kommandanten der Schiffe des vierten Geschwaders bekannt, dieselben zum 14. Juni unbedingt zur Abfahtt nach dem fernen Osten bereitzuhalten.
Haag, 17. Mai. Die niederländischen Seestreitkräste in den indischen Gewässern, die entsandt worden waren, um die Neutralität der Niederlande aufrecht zu erhalten, werden um btei Panzerschiffe vermindert werden, di« in die Httmat zurückkehren.
AuS Wladiwostok find, wie ettnnerlich, mehrfache Bewegungen deS dortigen rusfischen Geschwaders gemeldet worden. Es ist also sehr wohl möglich, und eS wäre verständlich, daß Admiral Togo gegen Wladiwostok gar keine Schiffe mehr stehen hat, sondern alle seine Kräfte zusammengemgen hält, um möglichst stark bei der Entscheidungsschlacht, die er natürlich anstreben muß, zu sein. Geringe Kräfte gegen Wladiwostok stehen zu laffen, hätte keinen Zweck und könnte für sie verhängnisvoll werden, starke von der Hauptflotte abzuzweigen, scheint noch gefährlicher, und so wird denn der Admiral, selbst auf die Gefahr hin, daß die Russen von Wladiwostok rührig auftreten ober sich mit RoschestwenSkiS Flotte vereinigen, daS Geschwader deS Admiral Kamimura auch an sich gezogen haben, wenigstens nicht weitab von der Haupt- flotte verwenden. — Die Anficht, daß Japan seine zahlrttchen Ankäufe älterer Dampfer gemacht hat, um die Schiffe zu versenken und Passagen zu sperren^ teilen wir nicht, glauben vielmehr, daß fie beladen nach Japan gehen und zwar unter britischer Flagge, um dann in Japan erst übernommen zu werden. Da in England nach Japan fich Wohl schwer Schiffe chattern laffen, so muß man sie eben kaufen. UebrigenS haben solche Ankäufe während der ganzen Dauer deS Ktteges stattgefunden, wenn fie auch in letzter Zeit zahlreicher geworden find. Wir zählen von Mitte März bis Anfang Mai 21 verkaufte Dampfer, mit einer Ausnahme (»Herald* 573 To.) zwischen 1500 und 8300 Tonnen groß, der älteste »Ehdonia*, 1876 zu Newcastle abgelaufen, die meiften in den 80er Jahren.
Umschau.
Ei« neuer Flelschnoi-Rummel.
In der letzten Zeit hat ein Steigen der Vieh- preise stattgefunden, worauf natürlich auch eine
Erhöhung der Uttschpreife, vielfach sogar in «n* berechtigt hohem Matze erfolgt ist. In der linkS- liberalen u. die Viehhändlerinteressen vertretend«! Presse ist diese Preisbewegung alsbatt» zum Anlatz genommen worden, um einen neuen Fletsch- not-Rummel in Szene zu setzen. ES wird genau nach alten Rezepten behauptet, die deutsche Landwirtschaft vermöge den Bedarf der deutschen Viehmärkte nicht zu decken, es sei daher unbedingt nötig, die Grenzen zu öffnen und ausländisches Vieh heranzuziehen. Diesen Machenschaften treten die „Mitteilungen der Zentralstelle der Preußischen Landwirtschaftskammern" durch folgende Ausführungen entgegen:
„Die „Grenzen auf", so tönt es bereits Wiede: in der gefamten landwirtschaftsfeindlichen Presse. Aber nicht um der teuren Fleischpreise willen greift man zur Feder — diese Preise waren bisher fast ebenso hoch —, sondern um möglichst billigen Vieheinkauf handelte es sich. Wenn erst feine Grenzsperren mehr verhindern würden, daß man nach Belieben Vieh nach dem Inland« hineinbringen kann, dann erst könnte der Weizen des Zwischenhandels vollständig blühen. Wenn auch jetzt die Oeffnung der Grenzen keine Ein- fuhr billigeren Viehes zur Folge haben würde, denn daS wissen die Akteurs der neuesten Fleisch- ntot ganz genau, daß überall die Viehpreise erheb- lich geftiegen sind, und billiges Meh nirgends vorhanden ist, ja, daß in unserem .Haupteinfuhrlande, in Oesterreich. Ungarn, fettes Vieh so knapp ist, daß von dort die Einfuhr zu uns im ersten Vierteljahr dieses Jahres um etwa 10 OOO Stück gegen daS Vorjahr und um etwa 16 000 Stiick gegen vor zwei Jahren zurückgeblieben ist so hoffen sie doch, daß, wenn nur erst einmal die Grenzen ganz geöffnet find, sie. dann auch nicht wieder zugemacht werden, und bann würde schon bald genug die Zeit kommen, wo sft ihr Schäf- lein scheren können.
Es gibt wahrlich keine törichtere Mache als diesen erneuten Versuch, eine Fleischnot zu konstruieren. Welch gewaltiges Geschrei hat man erst vor zweieinhalb Jahren gemacht über Vieh- not und Fleischmangel unb schon nach wenigen Monaten redete fein Mensch mehr von einer Fleischnot. Und jetzt muß selbst der „Vorwärts" zugeben, daß die Hauptursache der augenblick- sichen Preissteigerung an der unzureichenden Futtermittelernte des letzten JahreS siegt. Diese ist aber nicht nur bei unS so unzureichend gewesen, sondern auch bei den anderen Staaten, die für uns für die Viebeinsiibr in Bettacht kommen. Es ist daher völlig unsinnig zu behaupten, daß, wenn die Vieh- und Fleischeinfuhr nicht künstlich gehemmt würde, wir Einigere Viebvreise haben würden: eS steht ja durchaus nichts im Wege, so viel Vieh und Fleisch als man haben will, zu uns einzuführen, wenn es nur andere wärtS billig zu haben Ware. Es ir vielmehr als ein Glück zu bezeichnen, daß wir bezüalick unserer Fleischvroduktion noch b gut wie gar nicht vom Auslande abhängen, dwn um st rascher werden fich die Preise im 'V-r'”fie regn Heren.*
21 'Nachdruck verboten.),
Schatten der Vergangenheit.
Roman von B. Lorontz.
! (Fortsetzung.)
! »O, mir wäre auch sonst alle Freude verdov- hen gewesen," sagte die Kleine, sich innig an ivn schmiegend. Dann nahm sie den Arm ber Freundin.
„Wie ich beschenkt worden bin, Liebste I DaS muß ich Dir nun gleich zeigen. In der Laube ist alles aufgebaut. Bitte, bitte, komm schnell initl — Sieh hier, von den Eltern lauter nützliche Gegenstände. Von Kurt die wunderschöne Schreibmappe, von Onkel Erm't und Tante Luise dieses für mich viel zu kostbare Kleid und ein entzückendes Schmuckkästchen!"
- „Da darf ich ja kaum wagen, meine beschei- Steile Gabe daneben zu legen," sagte Susanne, welche alles ziemlich interesselos betrachtet hatte «und jetzt ein Etui hervorzog und öffnete.
-,,O wie lieb und gut von Dir!" rief Elisabeth, ihr um den Hals fallend. „Türkisen! Dis gefallen mir ja viel, viel besser, als entere c.eU steine. _ Sie sehen ganz wie Vergißmeinnicht aus. Und die, weißt Du, sind doch mehre Lieblings- Numen. Kurt, Kurt, was ich eben bekommen shabel Nein, so ein Geburtstag! Die Freuden nehmen gar kein Ende!"
Der Assessor war herangetteten und bewun- fcerte lächelnd das neue Geschenk.
. „Haben Sie es selbst ausgewählt, Fräulein Susanne?" fragte er. >
:■ „Ja wohl! Der Onkel verficht nichts von solchen Dingen«? >
»Sie besitzen wirklich einen fernen Geschmack."
Er sagte es obenhin, wie matt vom Augenblick tebofene Artigkeiten aiksFnsprechen pflegt- aber Ge Wangen des Mädchens erglühten dennoch ön ßefften M geschmeicheltex .Eitelkeit, . ' - —
»Die Liebe lehrt uns Wünsche erraten , nb erfüllen," flüsterte sie und ihre sonst immer etwas laute harte Stimme hatte einen weichen, schrnri- chelnden Klang.
„Während Lieschen vorauslief, um den eben 'empfang eit en Schmuckgegenstand jedem zu zeigen, schritt Susanne langsam auf dem schmalen Kieswege neben Kurt dcchin. Ein eigentümliches süßeH, sehnsüchtiges Gefühl durchschau erte , sie, ein wonniges berauschendes Ahnen, der geliebte Manin werde heute noch das erlösende und tin» dende Wort sprechen. Sie besaß eine bis ins Maßlose gehende Selbstüberschötzung, ba$u gesellte sich ein gefährlicher Mangel an mädchenhafter Zurückhaltung. Sie war eben gewöhnt, stets beide Hände nach dem auS^uftretfen, was ihr begehrenswert schien, und würde es, wäre die Macht auf ihrer Seite gewesen, jedem anderen rücksichtslos entrissen haben.
Eine leidenschaftliche Natur durch unb durch, betrachtete fie nur den eigenen Wunsch und Willen als Gesetz und hielt alle Mittel, die zu dem erstrebten Ziele führen konnten, für recht- *
In dem flammenden Abendrot nahm sich ihr Haar wie schimmerndes Kupfer aus und bildete einen pikanten: Gegensatz jzu den schwarzen, dichten Brauen.
Es gibt für jede Frau Augenblicke, wo sie dar Gefühl hat, hübscher und verlockender aI5 sonst zu sein. Ein solcher Augenblick war jetzt für sie gekommen. Sie fühlte, daß des Assessors Blicke mit Wohlgefallen auf ihr ruhten und kam sich vor, wie jemand, der lange gefroren hat und den nun eine behagliche Wärme überströmt. Zögernd blieb sie bald da, bald dott stehen, hier eine Blume pflückend, dort ein hängendes Zweiglein aufrichtend, nur damit Kurt unterdessen den Mui finden sollte, jhr zu sageni ,/Sei mein! Ich Hebe Dich!* Ihr Herz klopfte, als wolle es zerspringen und ihre Wangen brannte«. Sie, bi? fottfi so SeskrächttzS, war je|t verstimmst tg
atemlosem Lauschen. Aber die, beglückenden Worte, nach denen sie verlangte, wie der Verdurstende nach einem erquickenden Quell, blieben ungesprochen.
Ließ denn Kutt aus Schüchternheit oder absichtlich auch diese Gelegenheit, um sein Glück zu werben, vorübergehen? Nur noch wenige Schritte — und sie waren bei den anderen.
„O, sehen Sie, Assessor, da oben scheint ein Vogelnest zu sein!" sagte Susanne, toartete aber vergebens auf eine Antwort, denn soeben s.rhr die Equipage des Freiherrn von Dunois vor.
Kutt gebeitete Susanne schrell zu seiner Mut- ter. Offenbar hatte er ihre Worte gänzlich überhört.
Josef Vanien öffnete den Wagenschlag. Frau von Clairville stieg nicht aus und wandte überbauet keinen Blick nach dem 'kleinen festlich gr- schmückttn Grundstück. Sie erwiderte den wuß des jungen Walter, welcher herangetteten :aar, in ihrer gewöhnlichen hochmütigen Att. Die Baronesse aber stützte sich auf die bargebortene Rechte des Assessors,, sprang leicht und graziös ob und näherte sich Lieschen, ihr einen prachiigen Strauß halberblühter dentifofien reichend.
„Meinen aufrichtigen Glückwunsch, zum Geburtstag! Papa würde, mich gern begleitet haben, er ist aber wieder leidend, und Großmama so angegriffen, daß sie nur unter großen Beschwerden aussteigen könnte. Diese Rosen habe ich selbst gepflegt und gepflückt."
„Herzlichen Dank, Baronesse!" rtief das junge Mädchen. „Wie gütig von Ihnen, an mich zu denken! Aber ein Glas Wein werden Sie doch nicht verschmähen?"
„Nein; ich stoße gern darauf an, daß Ihnen daS neue 3djr nur Hohe Tage bring«."
Die Gläser klangen aneinander.
„Dürft« ich eS vrelleicht wagen, der gnädigen Frau Großmama auch einen erfrischenden Trunk 8» HringM" - •' 11 - ' ■
Die Erwiderung ließ lange auf sich warten, dann sagte Fräulein von Dunois:
„Kommen Sie mit mir. Wir wollen ihr beide das gefüllte Glas bringen."
„Ein Glas? O nein, dos wäre nicht gut genug. Ich habe etwas anderes in Bereitschaft. Nur zwei Minuten bitte, bann bin ich wieder da."
Elisabeth eilte fort und kehrte bald btiranf mit einem silbernen Becher zurück, um dem ein Kränzchen frisch gepflückter Vergißmeinnicht gewunden war. Dieser wurde mit edlem alten Wern gefüllt, bann näherten sich die jungen Mädckien ber Equipage.
„Fräulein Elisabeth Walter bittet um die Erlaubnis, Dir eine Erquickung bringen zu dürfen," sagte Victoria.
Die Kleine erschrack vor dein eisigen Blick de» grauen Augen, raffte aber ihren ganzen Mut zusammen und stammelte: „Gnädige Frau Gräfin, dieser Becher ist Tante Louisens Patwgeschenk, welches sie mir vor sechszehn Jvhren ft» die Wege legte. Niemand hat bisher daraus getrunfen. Wenn Sie ihn mit Ihren Lippen berühren, wird er mir bann doppelt heftig fern.*1
Ein müdes, freudloses Lächeln glitt flüchtig über das hagere Antlitz der Greisin. „Aui Jh» Wohl, mein liebes Kind!" sagte sie. „Möge Ihnen das Leben nur Rosen ohne Dornen bescheren. Ich kann daS Trinkgefäß nicht bis zur Neig« leeren, folge aber einem Brauche, indem ick den Nest des Weines auf dieses Ihnen gehörig« Stückchen Erde gieße. Möge eine reiche SegenS- saat emporiprießen!"
Elisabeth ergriff die Hand, welche ihr den Becher zurückreichte unb küßte sie ehrfurchtsvoll.
HanS Walter und ferne Frau waren ebenfalls herangekommen , die Schloßherrin zu begrüßen, aber das gütige Aufleuchten, wftche- eben noch ihr Antlitz verschonte, war bereits wie, der der früheren Starrhnt gewichen.
'(Fortsetzung folgt) i