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die Nationalliberalm ihr Verhältnis zu anderen Parteien in Zukunft gestaltm wollten. Ander« linksliberale Blätter schlagen einen noch schärfe­ren Ton an, und aus allen ihren Ausführungen klingt der Aerger über die reinliche Scheidung, der sich zwischen den rechtsstehenden National- liberalen und der demokratischen, immer mehr in antimonarchischeS und fctzialdemokratischeS Fahrwasser gelangenden Linkm zu vollziehen be­ginnt. Denn durch die Absage der Mationallibe- ralen, die mit diesen Karteien nichts mehr zu tun habm wollen, tritt bereu wahrer politischer Charakter, dec durch das Zusammengehen mit der nationalliberalen Partei einen nationalen Anstrich sich zu geben verstand, nunmehr untrer- hüllt zu Tage.

Einsehr bedenkliches Symptom" nach der Auffassung der demokratischen Presse ist eine von Generaldirektor Eichhorn in Bonn verfaßte Bro­schüre, die im Verlage des von dem Reichstags­abgeordneten Patzig herausgegebenen, als partei- offizi"' geltenden WochenblattesDeutsche Stim­men" fneben erschienen ist. Diese Broschüre be­handelt die Frage des Zusammenschlusses der Liberalen, be$to. der Einigung des Liberalismus mit der Demokratie. Der Verfasser nimmt, wie in dem vom Verlage beigefügten Anschreiben be­merkt ist, in der nationalliberalen Partei eine angesehene Stellung ein, und seine Ausführungen dürften deshalb iin Hinblick auf den Dresdener Delegiertentagin hohem Grade allgemein inte­ressieren". Eichhorn wendet sich hauptsächlich gegen den Mißbrauch des SchlagwortesReak­tion". Von einer Reaktion im positiven Sinne könne im Reiche nicht die Rede sein, und daß die Regierung in Preußen und im Reiche positiv, d. h. aus eigener Initiative, reaktionäre Politik treibe, sei eine Behauptung, die niemand aufrecht erhalten könne.

Damit ifi daö SchlagwortReaktion" abge­tan, mit dem gerade die linksliberal-nattonal"- sozialc Presse alles zu bekämpfen pflegt, wogegen sie keine Gründe anzuführen im Stande ist. Man muß sich eiaentlich wundern, daß viele nicht schon längst gegen diese beleidigende Unterschätzung ihrer geistigen und Polltischen Einsicht Front ge­macht haben, die darin liegt, daß man einfältige Schlagwörter für genügend erachtet, jeden poli- ttschen Unsinn dieser demokratischen Presse an­nehmbar zu machen.

In der Broschüre Eichhorns wird mit Recht betont, daß zwischen den Nationalliberalen und den demokratischen Parteien ein größerer Unter­schied sei, als zwischen den Nationalliberalen und ben konservativen Parteien. Diese Erkenntnis ergibt sich bet fast jeder parlamentarischen Aktion ganz von selbst. In den allermeisten Fällen, namentlich aber bei nationalen und wirtschafts- polittschen Fragen, stehen die alten Kartellpar­teien zusammen gegen die gleichfalls zusammen­haltende Demokratie. Wenn also Eichhorn auS dieser Erkenntnis heraus direkt eine politische Fühlungnahme mit den Konservativen empfiehlt, so ist das nur logisch gedacht und Politisch emp- funben. Auch sein Hinweis, baß durch die Wie- beranbahnung eines Verhältnisses nach Art beS alten Kartells ein Zusammengehen ber Konser-

liches Lächeln den üppigen Mund umspielt« und der Frohsinn aus ben schwarzen Augen funkelte.

Heller aber haßte und fürchtete nichts mehr, als sie tagelang mit verdrießlicher Mene herum- gehen zu sehen itnb das knallende Zuschlägen ber Türen zu hören. Deshalb lenkte er jetzt ein, in­dem er mürrisch sagte:

Kann auch sein, daß ich mich irre. Frauen haben für dergleichen einen schärferen Blick. ES ist doch nicht bös gemeint, wenn ich sage, daß sich einer um so'n Prachtmädel mehr Mühe geben müßte, wie der Herr Assessor zu tun für gut fin­det. Na, komm! Gehen wir ober nicht?"

Immer noch trotzig blickenb nahm sie einen anderen Hut aus dem Schrank und zog die Handschuhe an.

Mach nicht so ein (MW, als ob die Milch in allen Töpfen sauer werden sollte!" rief oer Gutspächter.Herr Gott, wenn das Gesichter­schneiden kein Ende nünnit, hernach krieg ich's auch satt, verstehst Du? Aus dem Aerger kommt unsereiner so wie so nicht 'raus. Dafür sorgt schon der Herr Baron."

Ter? Was geht der Dich weiter an?"

Sollt's mich etwa nicht verdrießen, daß er den Fabrikdirektor wie seinesgleichen behandelt un mir kaum dankt, wenn ich grüße?"

Du nntßt eben dem alten Walter obternen, wie er es an fängt, sich beliebt zu machen," erwiderte sie achselzuckend.Jetzt begreife ich schon Du gönnst mich dem Sohne nicht, weil Tu auf den Vater eifersüchtig bist!"

Verrückte Idee!"

Gar nicht verrückt! Sogar ganz verständlich. Ich könnte an Deiner Stelle ebenso denken und handeln. Was geben aber mich und Kurt niese Geschichten und Eifersüchteleien an? Ich liebe ihn nun einmal und wer ihn mir nähme ben würde ich hassen und verfolgen! Zwischen dem Md mir gäb's nun und nimmermehr Friede und

vativen mit item Zentrum verhindert toetjbew würde, ist ganz mizutreffend.

Es ist bezeichnend für den Umschwung, bet sich in der letzten Zeit bei den Nationalliberalen gütend macht, daß die vorst^enden Erörterungen die, wenngleich sie vorläufig einen mehr theoreft- fchen Wert haben, doch sehr bedeutsam sind, von der Parteipresse nicht bekämpft werden. Au» diesem Schweigen ergibt sich ebenfalls, daß die linkslöberalen Anschauungen in ben maßgebenden Kreisen an Kraft und Einfluß verloren haben. Hoffentlich bridjt sich bie Ueberzeugung, daß bet einzig richtige Standpunkt für die nattonalllbe- rate Partei der alte Rechtsstandpunkt fit, immer mehr Bahn. Zum Schaden für die Partei wich es nicht sein.s.

Der russisch-japanische Krieg.

Au» »er Mandschurei.

AuS Gundschuling wird gemeldet, daß sich eine größere japanische Streitmacht von Fakumön nach Tuntfiaku bewegt. Dort sind zwei Ponton­brücken sowie eine feste Brücke über den Liau- fluß erbaut und große Depots angelegt. Die Zufuhr geschieht auf Dschunken von Jnkou auS. Dort find über 400 Dschunken in Betrieb, ebensoviele bei Tfintsiatun. Die Japaner scheinen also ein großes Unternehmen gegen die russisch« rechte Flanke zu planen. Sie find jedenfalls mit der Ergänzung ihrer Truppenkörper fertig. Außer den wieder Genesenen, die in bie Front zurücktraten, sind 88000 Mann bis zum 1. Mai hinzugekommen; jede Kompagnie wurde um zehn Mann verstärkt. Die ganze japanische Armee ist 820000 Mann stark.

Schanghai, 16. Mai. Tie Japaner haben den Betrieb auf der mandschurischen Bah» seit dem 7. b. M. bis Tieling ausgenommen.

Bon der russische» Flotte

liegen keine Nachrichten vor. Die Vermutung spricht dafür, baß Roschestwenskis und NebogatowS Geschwader sich vereinigt habe.Echo de Paris" verzeichnet ein Gerücht, wonach RoschestwenSki nervenleidend sei. Er dürste heimberufen und im Flottenkommando durch ten ehemalig« Bizekönig Alexejew ersetzt werden. Das wär» ber dümmste Streich, den die Russen mache» können, denn Alexejew hat sich als gänzlich unfähig erwiesen.

Dir jnponischr Flotte.

Nachdem wir vor einigen Tagen eine ge­naue Zusammenstellung der Streitkräfte der beiden russischen Flotten unter RoschestwenSki und Nebogatow gegeben haben, folgt hier eine ' Uebersicht über bie japanische Flotte. Wenn man auch die gegenwärtige Ordre de bataüle der japanischen Flotte nicht zuverlässig kennt, so hat man doch die vom Herbst vorigen Jahres, und da sie sich recht gut bewährt hat, ist an­zunehmen, baß in ber Besetzung der Kommando-

Versöhnung. Der größten Schechtigkeit wäre ich fähig, nur um mich zu rächen."

Na, na, na, mach's Halbwege," sagte Heller, sie beinahe scheu von ber Seite anblickend. Glaubst Du vielleicht, solches Rasen stehe Dir gut? Das ist nicht der Fall. Du siehst auS .oit eine, bie auf dem Besenssiel durch ben Schornstein biavonfahren will."

Heute bekomme ich ja rechte Artigkeiten von Dir zu hören."

Vorwärts, vorwärtsI Wollen wir gehen ober uns noch länger herum zanken?"

Ach Gott, dabei kommt doch nichts Vernünf­tiges heraus. Gehen wir lieber!"

Es war ein wundervoller Sommerabend, jeder Blumenkelch schien betäubende Düfte auszu- atmen, zarte Nebelwölkchen schwebten gleich flat- ternden Schleiern um die leise rauschende« Blumenwipfel und wurden von ben flammernben StroHlen der Abendsonne in goldiges, flimmern­des Rot getaucht.

Mt ausgebreiteten Armen flog Lieschen ben Ankommenden! entgegen, die sie fchon von weitem erspäht hatte. In dem kleinen Garten roar bet Tisch gedeckt und zierliche Lämpchen, bestimmt, bei eintretenber Dunkelheit farbiges Licht zu verbreiten, hingen in dem sich sanft hin- und her­wiegenden Gezweig.

Neben dem zarten Figürchen ber Schwester erschien jetzt auch die imposante Gestalt des Bru­ders. Elisabeth war zehn Jahre jünger als Kurt«

Ach, Herr Assessor!" rief Susanne, bie Erstaunte spielend.Welch' hübsche lieber« raschung!"

Eine Ueberraschung? Wohl kaum!" , er­widerte er unbefangen.Bei einer so festliche» Gelegenheit durfte ich doch nicht fehlen. WaH Lieschen?"

Seine Hand strich zärtlich über ihr hellblondeH Haar, ' - (Fortsetzung folgt.).

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.

's JVs. 116

Vierteljährlicher Bezugspreis: ber oer Expedition 2 Mk, ber allen Postämtern 2,25 Mk. (e$cL Bestellgeld).

JusertronSgebühr: die gespalleneZeile oder deren Raum 10 Pfg.

Reclamm: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Donnerstag, 3. Mai 1905.

Erscheint wöchentlich siebe« mal.

Druck Md «erlass! Joh. lag. Koch, llräverMtSckSuchdruckerek 40. Allhkg, Marburg, Statt 21. Telephon 55.

Erstes Blatt.

Neueste Telegramme.

4 Berlin, 17. Mai. Die Verhandlungen wegen Klbschlusses eines Handelsvertrages mit Bulga­rien dauern fort. Möglicherweise kann sich der Reichstag bald nach seinem Wiederzusamsnentritt im Herbst mit dem neuen Handelsvertrag be- fpffen.

Berlin. 17. Mai. Prinz Eitel Friedrich ist -um Chef der Leib-Kompagnie des 1. Garde- Regiments ernannt worden.

Göttingen, 17. Mai. Eine allgemeine Stu- teiiüenberfammhtng der hiesigen Universität wählte Angehörige bet Wilbenschaft in ben Stu­dentenausschuß, um auch den Nichttorporierten Gelegenheit zu geben, ihre Interessen zu ver­treten. Der Ausschuß bezeichnete die katholischen Perbinbungen als zur Wilbenschaft gehörig. ^Dadurch haben sie also Gelegenheit, inbirekt im Ausschuß vertreten zu sein).

Kiel, 16. Mai. Von hier schreibt man ben M. N. N.": Eine besonbere Ehrung wirb in tiefem Sommer bem berühmten Chirurgen Pro­fessor v. Esmarch zu teil werben, eine Ehrung, tote sie einem Gelehrten bei Lebzetten selten be- schieben ist. Am 6. August wirb in Tönning (Kreis Eideustabt, Provinz Schleswig-Holstein), ber Vaterstadt v. Esmarchs, bie Enthüllung eines Esmarch-Denkmals, bei ber Geh. Medizinalrat Professor Dr. Küster von Marburg die Festrebe halten wirb, stattfinben.

Bern, 16. Mai. Die internationale Arbeiter- fchiitz-Konserenz ist heute auch über die Festsetzung ber Grundzüge eines internationalen Ueberein- kommens betreffend das Verbot der gewerblichen Nachtarbeit der Frauen zu einer Einigung ge­langt. (vgl. Schweiz).

Kopenhagen, 17. Mai. Die dänischen Behor- 'beit. sind benachrichtigt worden, daß das vierte russische Geschwader in drei Wochen die dänischen Gewässer auf dem Wege nach Ostasien passieren werde. ,

Paris, 16. Mai. lieber die Zusammensetzung ber französischen Sondergesandtschaft, welche die Regierung bei ber Hochzeit bes beutschen Kron­prinzen bertreten soll, ist ein Beschluß noch nicht gefaßt. Mt gewisser Bestimmtheit spricht man indessen davon, baß ber ehemalige Botschafter in Berlin, Baron Courcel, zum Führer ber Gesandt­schaft auSersehen werden dürfte.

London, 16. Mai. Wie amtlich bekannt ge­geben wirb, ernannte ber König ben König von Spanien aus Anlaß des morgigen Geburtstages zum Geiteral in ber britischen Armee.

London, 16. Mai. DasReuterfche Bureau" meldet ans Tokio: Hierher ist das Gerücht ge­langt, daß eine Abteilung deutscher Truppen Kaitschn, südlich von Schantung, besetzt habe, und daß bie deutsche Flagge dort aufgepflanzt und salutiert wurde. Haitschu liegt an ber aus­gedehnten Bai des alten Kanals des Hoangho. Das Gerücht hat hier Sensation hervorgenrfen.

Hierzu machtWolffs Telegraphen-Btzreau" folgende Notiz:Wie wir an amtlicher Stelle erfahren, entbehrt das Gerücht jeder Begründung.

Santa, 16. Mai. Das kretische Parlament beschloß heute mit großer Majorität den Beginn seiner Arbeiten; es unterwarf sich dadurch ber Ablehnung der Union durch die Mächte. Zum Präsidenten wählte es ben Kandibaten ber Re- gicrung Michelibakis.

Cadiz, 16. Mai. DaS französische Kabel zwi­schen Tanger unb Cabix ist heute für ben Ver­kehr eröffnet worben.

Tanger, 16. Mai. Die deutsche Sonberge- fandtschaft unter bem Grasen Tattenbach wurde heute vorn Sultan mit bem üblichen Zeremoniell empfangen.

NaLionalliberal - Konservative Annäherung?

Mr haben vorige Woche in einemNational- liberale Absage" benannten Artikel auf die scharfe Schwenkung hingewiesm, mit der bie rechtsstehen­de,« Nationalliberalen von ber demokratischen Linken abzurücken scheinen. Der erwähnte Ar- tikel berKöln. Ztg." bedeutete eine direkte Warnung vor ben Linksliberalen unb sog.Na- tional"-Sozialen, bereu Politik als unfähig unb zersetzenb bezeichnet wurde. Wir haben diesen Ruck nach rechts" als ein erfreuliches Symptom begrüßt, denn bie Rückkehr ber Nationcllliberalen zu ben alten Traditionen des rechtsstehenden Flügels der Partei wird zu einer Klärung und Gesundung der Lage nicht wenig beitragen. Das Drängen nach links seitens dec nasionalliberalen Jugend" war und ist nur ein Zeichen politischer Unreife, die nicht nur die Geschäfte der Links- liberalen, sondern auch die der Sozialdemokratie besorgte.

Die von derKöln. Ztg." nunmehr ausdrück­lich ausgesprochene Anerkennung der Notwendig­keit eines starken rechten Flügels ber national- liberalen Partei hat aus linksliberal-demokrati- scher Seite stark verschnupft, unb bie freisinnige Presse äußert bereits mehr ober weniger leb­hafte Befürchtungen, es könnte zwischen ben Na­tionalliberalen und ben beiden konservativen Parteien zu einer Annäherung wie in den Zeiten des alten Kartells kommen. Man lat deshalb unmittelbar nach den Erklärungen derKöln. Ztg." in der freisinnig-demokratischen Presse den Versuch gemacht, die Nationalliberalen vor einer Rechtsschwenkung ober vielmehr vor ber Rückkehr in bie trabitionette Mittelstellung abzuhalten. Man scheine, so heißt es beispielsweise in ber freisinnig - volksparteilichenKönigsberger Har- tungschen Zeitung", auf bem rechten Flügel ber Nationalliberalen toieber sehr kartelllustig zu sein, dem, die Möglichkeit des Wiederauflebens des Kartellgebankens werbe in der nationallibe­ralen mit allem Für unb Wider erörtert. In wenigen Tagen werde in Dresden ber national« liberale Delegiertentag zusammentreten, um über das neue Organisationsinstitut zu beraten, unb da werde man wahrscheinlich auch erfahren, wie

20 'Nachdruck verboten.)

Schatten der Vergangenheit.

Roman von B. Eorony.

i?Lttsetzung.)

6. K a P i t e l.

Was Kurt Walter die Abende in dem trau­lichen, kleinen Haus ber Eltern fast hätte Ver­leiben können, war, daß er dort gewöhnlich Su­sanne Heller traf. Obgeich er dem Mädchen durchaus freundlich gesinnt war, fand er es doch peinlich, alles in ihrer Gegenwart erledigen unb besprechen zu müssen, ja, bie ungenierte Art, in welcher sie mit verkehrte unb sich gleichsam als Familienmitglied geberbete, erschien bem Assessor sogar als etwas aufdringlich und durch nichts gerechtfertigt.

Susanne kam meistens in Begleitung ihres 'Onkels, ber sie stets ziemlich barsch aufforberte, mit ihm einstweilen in das nächste Zimmer zu gehen, wenn ber Baron und dessen Tochter ge­legentlich an dem HäuschenHalt" machten. Das war aber infolge von Diinois leidendem Zustand seit Wochen nicht mehr geschehen.

Donnerwetter, Mädel, Du siehst ja ans. als läge Dir die ganze Welt zu Füßen!" scherzte ber Gutspächter eines Tages, als beibe sich wieder tz» Walters begaben. Man wollte Elisabeths sechszehnten Geburtstag feiern unb Susanne hatte mit des Onkels Einwilligung eine goldene Kette gekauft, an welcher ein mit Türkisen be­setztes Kreuzchen hing.

Je nun, die ganze Welt. das gäbe mir fcu großes Gedränge," erwiderte sie kokett Machend.Ich bin schon mit einem Einzigen zu­frieden, den halte ich aber fest, der zerre'ßt seine Kette nicht mehr."

Wer fcäre denn das?"

-Als ob Tu's nicht wüßtest!" .

Ich kenne so manchen, der um Dich wirbt, doch ber Teufel soll mich holen, wenn ich ver­stehe, von wem jetzt die Rede ist. Mt dem StuPP laß mich nur ungeschoren. Ter läuft Dir freilich auf Schritt unb Tritt nach: aber das ist ein böser Bube, von dem ich nichts hören will. Geld hat er ja seit seines Vaters Tode wieder in den Hän­den, toirby aber ohne Zweifel ebenso durch­bringen, wie alles andere, was er schon verpul­vert hat. Nein, nein, nein, mit dem laß mich aus!"

Was kümmert mich ber? Du mußt bliub sein, um nicht zu merken, wen ich meine! Läßt Dein Gedächtnis so bedenklich nach, oaß Dir wirklich vollständig entfallen konnte, wen ich mir zum Gatten wünsche? Kurt Walter ist es!"

Unsinn! Dem liegt nichts an Dir!"

Was Du nur dabei hast, mir beständig zu widersprechen!" rief Susanne, ben feinen Hut von Florentinerftroh, welchen sie eben auf bie rotbraunen Flechten setzen wollte, so heftig auf den Tisch schleudernd, baß bie große, schone Straußenfeder an zwei Stellen geknickt wurde. Warum kommt beim ber Assessor jetzt fast all­abendlich?"

Je nun, ich möchte darauf schwören, baß es nicht Deinetwegen geschieht, sonst fände er wohl auch einmal den Weg nach Waldorf."

Ich bin ja so gut wie zu Hause bei Walters, und Kurt weiß, baß er mich ba stets antreffen kann."

Sehr eilig hat er's jedenfalls nicht damit, Dich um Dein Jawort zu bitten."

Wenn es darauf abgesehen ist, mir die Laune zu verderben, so bleibe ich lieber zu Hause. Um das Vergnügen hast Du mich ja nun doch schon gebracht."

Ein häßlicher Ausdruck entstellt« ihr Gesicht, welches nur hübsch erschien, wenn em freund-.