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Verunglückte Reklame.
In dem von dem Schriftsteller Hans Leuß kürzlich herausgegebenen Buche über den literarischen Nachlaß des früheren Chefredakteur» der „Kreuzzeitung", Freiherrn von Hammerstein, wird unter anderen sehr anaezweifelten Mitteilungen auch berichtet, v. Hammerstein hab» in einer „Versammlung konservativer Notabel«" vertraulich erklärt, Graf Botho zu Eulenburg sei nicht abgeneigt (als Nachfolger Caprivi») das Reichskanzleramt zu übernehmen, wenn mau ihm seitens der Konservativen freie Hand lasse, das bestehende Reichstagswahlrecht für einige Jahre zu suspendieren.
Tiefe Behauptung Hammersteins bezw. des Leuß'schen Buches wird von dem Reichstagsabgeordneten v. Gerlach unterstützt durch folgendes Zeugnis in der Wochenschrift „Die Nation", wo Herr v. Gerlach berichtet:
»Graf Eulenburg sollte Reichskanzler werde«. Er berief sofort Hammerstein zu sich. Und Hammerstein wiederum berief eine Versammlung konservativer .Notabeln" zusammen, die ihm am nächsten stehende« konservativen Journalisten, christlich-sozialen Politiker und Männer der Berliner Bewegung. Ick habe an dieser Versammlung teilgenommen und entsinne mich noch des sensationellen Eindruckes, den Hammerstein» Mitteilungen machten. Er erzählte, wie das Leuß ganz korrekt berichtet, er komme eben- von Eulenburg. Der wolle das Kanzleramt nur übernehmen, wenn er von allen Konservativen bei seiner Absicht unterstützt werde, das Rcichstagswahtrecht einige Jahre z« suspendieren. Hammerstein plädierte für diese Zusage."
Herr v. Gerlach erzählt dann weiter, daß er als erster gegen diese ungeheuerliche Zumutung das Wort ergriffen habe, andere seien gefolgt und an ihrem Widerstand sei schließlich die ganze Konferenz gelcheitert.
Herr v. Gerlach als Retter des bestehenden Reichstagswahlrechts, wie rührend daS klingt. Alle Vvlksfreunde muffen mit höchster Begeisterung zu ihm emporblicken. Sein hiesiges Leiborgan verfehlt denn auch nicht, die rührsame Geschichte mit möglichst viel Theatralik aufzuputzen und feiert Herrn v. Gerlach als leibhaftigen Ritter .. —.1 j a
Aus diesem aschfahlen Gesicht glühten die Augen wie zwei düstere brennende Fackeln. Seine Gestalt zitterte und bebte, sein Mund öffnete und schloß sich, ohne einen Laut hervorzubringen. Er glich einem Menschen, der unmittelbar vor dem Ausbruch der Tobsucht steht. Seine Brust keuchte, Schaum trat ihm auf die Lippen. Erst nach geraumer Zeit gelang es ihm, die Worte hinaus zu pressen: „Nimm Dich in Acht! Nimm Dich in Acht! Dabei bebte sein Körper wie im Krams.
„Jetzt aber mach', daß Du fortkommst!" schrie Niedermeier und packte den Mann an beide« Schultern, um ihn hinaus zu stoßen.
Der aber schien plötzlich ernüchtert zu fern. Er schleuderte plötzlich den Wirt zurück und rief, die geballten Fäuste erhebend: „Es ist so und nicht anders! Ich hab' ja dazumal, wo ich noch im Schloß war, den furchtbaren ©breit, mitten in der Nacht gehört. Hab' gesehen, wie die Fra« Baronin sich in den Park geflüchtet hat und der gnädige Herr hinter ihr hergesmrzt ist. Herrje, war das eine wilde Jagd! Aber für unser einen ist's schon am besten, wenn er sich taub und blind stellt. Was ging's denn auch mich an? Ich bin ins Haus güaufen, aber am anderen Morgen hat man eine Tote aus dem Wasser gezogen, und---"
„Wenn ich nicht wüßte, daß Du am ©nufer« Wahnsinn leidest, Kerl, so schösse ich Dich nieder wie einen tollen Hund," rief der Freiherr mit drohendem Ausdruck. „Nur noch ein Wort —• und Du bereust es!"
Doch Schreiner hörte nicht oder wollte nichH hören. Immer mehr packte ihn die dumpf», nichts mehr scheuende Wut, immer gemeiner» brutalere Beschuldigungen stieß er hervor.
(Fortsetzung folgt.)
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Allustrirtes Sonntagsblatt. —
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Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expedition 2 MH, bet allen Postämtem 2,25 Mk. ^exct. Bestellgeld).
ZnserttonSgebühr: die gespaltmeZeile oder deren Raum 10 Pfg.
Reclamen: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Dienstag, 16. Mai 1905.
5 Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerck 40. Jabra.
Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
Neueste Telegramme.
Rathenow, 14. Mai. Der 175. Stiftung». i|ag des Zieten Husaren-Reqiments wurde gestern unter Teilnahme der alten Herren des Regiments, zahlreicher ehemaliger Offiziere und auswärtiger Zieten-Bereine gefeiert. Unter anderen find eingetroffen Generalfeldmarschall Graf Häseler, General der Kavallerie Gras von Wartensleben und andere höhere Offiziere. Mittags gegen 1 Uhr fand auf dem Kaiser Wilhelmplatz eine Parade statt, nach welcher Graf von Wartensleben nach kurzer Ansprache ein dreimaliges Hurra auf den Kaiser auSbrachte.
Karlsruhe, 15. Mai. Generalmajor Leut- Jfoein, der Gouverneur von Deutsch-Südwest- ^afrika ist nach einem Kurgebrauch in Pegli Dun zu längerem Aufenthalt in Neberlingen am »Bodensee eingetroffen.
i Wie«, 14. Mai. Die aus Anlaß deS Ä5jährigen Jubiläums des Deutschen Schulder» !einS stattfindenden Festlichkeiten find gestern ^nit einer musikalischen und deklamatorischen ,'Feier im großen Musikvereinssaale eröffnet »worden. Die Festrede hielt Prof. Groß.
Paris, 13. Mai. Nach einer Blätter- Deldung aus ZarSkoje Sselo verhinderte die ^Wachsamkeit der Zarin, daß der kleine Groß- iürst-Thronfolger Alexis im Badezimmer verbrüht wurde. Ein großer Teil der Dienerschaft sei infolge dieses Vorfalles entlaffen.
Madrid, 13. Mai. Nach einen Telegramm der „Frkf. Ztg." griffen marokkanische Piraten in der Nähe von Malaga daS spanische Küsten- sahrzeug „Joven Teresa" an. Die Besatzung »flüchtete in einem Boot und wurde von dem Postdampfer „Ciudad de Mahon" geborgen. Die Piraten nahmen die „Joven Teresa" weg.
Petersburg, 13. Mai. (PeterSb. Tel.-Ag.) Hier wurde heute Vizeadmiral Nazimow von seinem Burschen durch drei Revolverschüsse er- jmordet. Der Grund soll die Entlastung des Durschen gewesen fein, der zum Kriege einbe- xufen war. — Der Senat verwarf das Kassations- 'gesuch Koliajews, des Mörders des Großfürsten Sergius und bestätigte das Todesurteil.
Sofia, 14. Mai. Der Kriegsminister unternimmt demnächst mit sämtlichen DivlfionS- und Brigadekommandanten und deren Stäben eine Studienreise nach dem Südosten Bulgariens, in die Gegend zwischen Zagora und Tirnowo, daS in einem eventuellen Kriege als Einbruchspforte des türkischen Heeres gilt.
Vom „Reichsoerband gegen die Sozialdemokratie"
erhalten wir folgende Mitteilungen:
Am 11. Mai sand in Berlin eine Sitzung deS Ausschusses des „Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie" statt, nachdem vorher eine kurze Porstandssitzung abgehalten worden war. ES waren 21 Herren aus ganz Deutschland vertre
ib 'Naä !'rilck verboten.)
Schatten der Vergangenheit.
Roman von B. E o r o n h.
! Fortsetzung.)
! „Ein gutes Zeugnis! Wofür? Soll ich viel- jleicht ei :m Schurken zu seinem Fortkommen Verhelfen, Anton Schreiner?"
! „Ich bin fein Schurke damals gewesen!"
; , „Verdient der, welcher seinen Herrn bessiehlt, eine andere Benennung? Weg da, Vagabund! Hinaus!"
„Meine Frau ist schwer krank und meine Kin- idsr hungern, gnädiger Herr!"
Die übliche Redensart solchen Gesindels!"
-Mir haben wirklich kein Stück Brot im tzaus.",
„Kein Stück Brot? Aber an Branntwein ffehlts nicht. Pfui! Schäme Dich! Ein Mensch, dessen Fr.mil'" hungert und der dir letzten Mennige in die Kneipe trägt!"
L „Warum tu' ich's aber, warum?" fragte Schreiner.
„Weil Du ein Halunke bist!"
» weil mein Weib total gelähmt und totkrank daheim liegt, weil sie jammert und stöhnt von früh bis spät, und weil ich's nicht wehr hören mag," er schluchzte laut auf, „und weil ich nichts mehr verdienen kann, seit der Herr Baron mich beim Gericht angezeigt hat." i „Sollte ich etwa den Diebstahl verschweigen?"
. „Besser wär's vielleicht gewesen. Ich hab' -ie Weinflaschen damals nur genommen, weil )te Anne-Marie nach ihrem letzten Wochenbett so schwach war und weil ich nichts Stärkendes kau. fen konnte."
„Was kümmert das mich? Hinaus mtt Dir!"
ten. Der Vorsitzende, Generalleutnant z. D. von Lieber!, begrüßte die Anwesend n und entwarf in großen Zügen ein Mld von der Ent- Wicklung und Tätigkeit des Verbandes, der gerade auf ein einjähriges Bestehen zurückblicken kann. Er konnte mit Genugtuung darauf Hinweisen, daß der Reichsverband trotz dieser kurzen Zeit heute schon über 38 000 Mitglieder zählt und daß mehr und mehr bereits vorhandene Organisationen gegen die Sozialdemokratie, wie die in verschiedenen Gegenden des deutschen Reiches bestehenden reichstreuen, vaterländischen und deutschpatriotischen Vereine sich dem „Reichsverband gegen die Sozialdemokratie" als körperschaftliche Mitglieder anschließen. Zu besonderer Freude gereiche es ihm, mitteilen zu können, daß mit dem von Herrn Dr. Friedrich Lange, dem Herausgeber der „Deutschen Zeitung", begründeten „Nationalen Reichswahlverband" eine Einigung auf einen engen Zusammenschluß mit dem „Reichsverband gegen die Sozialdemokratie" zustande gekommen sei. Die Verschmelzung des „Nationalen ReichswahlverbandeS" mit dem „Reichsverband gegen die Sozialdemokratie" sei besonders um deswillen von großer Bedeutung, west dadurch eine Anzahl politisch tätiger und national zuverlässiger Persönlichkeiten dem Reichsverbande zugeführt werde. Auch sei es ein großer, nicht zu unterschätzender moralisch r Gewinn, daß in Deutschland endlich einmal die leider gerade auf nationaler Seite bestehende Zersplitterung in etwas vermindert werde und zwei nationale V-rläiide sich bereinigten, die bisher nebeneinander gingen.
Nachdem Generalleutnant von Siebert dann noch daS Verhältnis des Neichsverbandes zu den veischiedenen bürgerlichen Parteien, zur Presse und zur Regierung einer eingehenden Betrach- ti'ng unterzogen hatte, legte Dr. Friedrich Lange die Gründe dar, die ihn dazu bewogen hätten, eine Verschmelzung des „Nationalen Reickswahl- verbandos" mit dem „Reichsverband gegen die Sozialdemokratie" zu erstreben. Alsdann gab Dr. Friedrich Lange einen genauen B'rickt über die Organisation des Nationalen Reichswahl. Verbandes und teilte mit, daß von ben insgesamt 34 Ortsgruppen des Nationalen Reichswahlverbandes 23 sich zustimmend zu der Verschmelzung mit dem „Reichsverband gegen die Sozialdemokratie" und nur eine ablehnend geäußert hätten. Von den übrigen Ortsgruppen des Neichswahl- verbandes werde zweifellos der größere Teil ebenfalls sich im Sinne des Anschlusses an den Neichsverband aussprechen. Nachdem Herr Dr. Friedrich Lange vom Ausschuß des Reich-Verbandes einstimmig in den Vorstand des „Reichs- Verbandes gegen die Sozialdemokratie" und Qiifserbem zwei Vorstandsmitglieder des Nationalen Reichswahlvereins, die Herren Oberlehrer Groll-Potsdam und Dr. Kleinecke-Friedenau m den Ausschuß des „Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie" gewählt worden war, übergab Dr. Lange die Akten des Nationalen Reick twaksi- verbandes dem Vorstand des Reichsverband-s, und damit war die Verschmelzung dieser beiden nationalen Verbände vollzogen. Durch dieses vom nationalen Standpunkte aus mit großer Freude zu begrüßende Ereignis hat der „Reichs- verband gegen die Sozialdemokratie" schon jetzt einen Zuwachs von 23 Ortsgruvpen mit 2500
„Eine kleine Gabe, gnädiger Herr!"
„Damit Du wieder säufst?"
„Nein! Die bring' ick heim."
„Wer soll so einem Lumpen, tote Du bist, etwas glauben?"
„Herr Baron, mich macht ja nur die Verzweiflung zum Säufer."
„So warum arbeitest Du nicht?"
„Arbeiten? Das tat ich wirklich und wahrhaftig gern! Aber wer giebt mir denn Arbeit? Ueberall heißt's: der Herr von Dunois bat Dich vor so und so viel Jahren schon als Dieb angezeigt. Wir wollen nichts mit Dir zu tun haben. Herr Jesus!"
Er fuhr sich mit beiden Händen in das halb- ergrhute, struppige Haar und fuhr fort; „Was kann ich anderes tun, als wie ein fertige tagt er Hund weiter rennen? Nirgends nimmt man mich an. Keiner will was von mir wissen. Und wenn ich vom frühesten Morgen an rumgetaufen. bin, den und jenen angebettelt und ein paar Groschen zusammen gebracht hab', bann quält mich der Durst noch mehr wie der Hunger, dann trink ich mit leerem Magen und der elende Fusel steigt mir stets in den Kopf."
„Papa, laß mich dem Mann ein Almosen geben und dann mag er seine Straße weiter ziehen," bat Viktoria. „Soll uns! denn diese häßliche Begegnung den schönen Morgen verderben? Wenn Du erlaubst —"
„Ich erlaube es nicht!" unterbrach er mit rauher, barscher Stimme: „Habe ich einmal nein gesagt, so bleibt's dabei! Das merke sich jeder. Und nun hinaus! Auf der Stelle!"
Schreiner rührte sich nicht, sondern starrte den Freiherrn mit blutunterlaufenen Augen immerzu an.
Mtgkieöern erhalten. Die Gesamtzahl seiner Mitglieder ist damit auf Über 40 000 gestiegen, ein Resultat, daS für die kurze Arbeitszeit t.ineS Muters als befriedigend bezeichnet werden kaim.
Hierauf gab Dr. Bovenschen einen eingehend- den Geschäftsbericht über den Reichverband. Darnach hat sich die Mitgliederzahl bei Reichsverbandes seit dem 14. Dezember 1904 um 19 253 vermehrte. Die Zahl der Ortsgruppen ist um 21, die der körperschaftlichen Vereine um 45 gestiegen. In diese Zahl sind die Ortsgruppen des „Nationalen Reichswahlverbandes" noch nicht mit eingerechnet.
Der Reichsverband hat bisher 18 Flugschriften in einer Auflage von! 231 000 Stück herausgegeben. Namentlich bei der Wabl in Hof und jetzt hn Wahlkampf in Hameln- Springe sind viele Tausende von Flugschriften durch den Reichsverband verbreitet tootiben. Durch die eingerichtete Rednsrschule hat der Neichsverband eine Reihe von Wanderrednern ausgebildet, die bereits mit glänzendem Erfolge tätig sein konnten.
Auch bei den Wahlettzu Kaufmann s g e r i dj t e n hat der Reichsverband Gelegenheit gehabt, den Kampf gegen die Sozialdemokratie zu unterstützen. Ebenso hat der Reichsverband, um nur ein Beispiel anzuführen, in einer thüringischen Fabrikstadt den Wahl- kämpf bei den Wahlen zrrr Krankenkasse tatkräftig unterstützt. Dort war der gesamte Vorstand der Krankenkassen in sozialdemokratischen Händen. Jeder Versuch, die Sozialdemokratie aus dem Kaffenvorstand hemirszubriugen, schien erfolglos. Gleichwohl wurde durch den christlichen Arbeiterverein unter Aufbietung aller Kräfte und unter mühseliger Arbeit der Versuch gemacht, und der Erfolg war, allen beteiligten nationalen Kreisen selbst zur Ueberraschung, ge- vadezu glänzend. Von den 20 sozialdemokratischen Mitgliedern des Krankenkassenvorstandes wurden 12 nicht wiedergewählt, so daß her Vov- stand der Krankenkasse dort jetzt aus 12 nationalen und nur 8 sozialdemokratischen Mitgliedern besteht. Dieser glänzende Erfolg bet den Krankenkassentoahlen in jener thüringischen Fabrikstadt hat den Reichsverband zu dem Beschlüsse geführt. allen seinen größeren Ortsgruppen itnb den ihm angeschlossenen Verbanden dringend anznempfehlen, bei den nächsten Wahlen zu den Krankenkassen an den betr. Orten in gleicher Weise den Kampf gegen die Sozialdemolrafte aufmnehmen.
Ferner toi.rbe beschlossen, die Errichtun g von Rechtsauskunftsstellen ins Auge zu fassen und ein Handbuch herauszugeben, tn dem alle Schlagwörter, die man von sozialdemokratischen Rednern in Versammlungen zu hören bekommt, aufgeführt und unter Mitteilung deS einschlägigen Materials widerlegt werd m sollen.
Hierauf machte Freiherr von Reibnitz, der ebenfalls in den Ausschuß hinzrrgewähft wurde, eingehende Mitteilungen über die Arbeit und Täftgkeit der neuen, vom Reichsverbande eingerichteten Werbeabteilung, deren Aufgabe es ist, die Propaganda und Agitation für den Reichs- Verband für das ganze Deutsche Reich großzügig ’u organisieren. —
(Die Entwicklung des „Reichsverbandes,, innerhalb der verhältnismäßig kurzen Zett seines
Jetzt eilte auch der Wirt, der den Wortwechsel vernommen hatte, herbei.
„Schaffen Sie den Kerl da fort!" befahl Dunois. „Wenn solches Gesindel bei Ihnen ein- und ausgeht, kann kein anständiger Mensch hier Rast machen."
„Bitte tausendmal um Verzeihung, gnädiger Herr!" rief Franz Niedermeier. „Den Lumpen hab' ich schon so und so oft vor die Türe gesetzt. Der kriegt bei mir keinen Tropfen! Raus, raus!, Soll ich den Hausknecht holen oder gar auf die Polizei schicken?"
»Ich geb’ ja schon," murmelte der Bedrohte, drehte sich aber bann wieder um und schüttelte die Faust. „Ein schlechter Kerl bin ich schon, aber so schlecht, tote der Allergnädigste dort, doch noch nicht!"
„Was unterstehst Du Dich?" schrie Dunois aufspringend.
„Bitt' schön, gnädiger Herr! Der Anton ist ja wieder 'mal sinnlos betrunken," sagte Nieder - meier und gab diesem einen Stoß, daß er bis ans Gartiengitter taumelte und dort nieoersiel.
Dann rosste sich aber Schreiner wieder crnvor und brüllte förmlich: „Ich geh' — ja — aber erst muß ich noch was sagen! s' ist schon wahr, ich bin ein Lump, ein Säufer, ein ganz gottvergessener Mensch! Aber dort sitzt einer, der mir's doch noch zuvortut an Schlechtigkeit. Ich hab' nicht so für Anne-Marie gesorgt, tote es meine Pflicht und Schuldigkeit gewesen wäre — aber wenigsteits mein Weib auch nicht in ten Teich gestoßen und ertränft!"
„Um Gottes willen! Was wagt dieser Mensch zu behaupten?" schrie Vittoria. „Vater —■"
Sie verstummte jäh, gleichsam wie gelähmt von dem entsetzlichen Ausdruck in Dunois Antlitz, ans dem jede Spur pon Farbe gewichen war«
Bestehens und Wirkens nach vollendeter Orga, nisatton bars als sehr erfreulich angesehen werden und sie berechtigt zu der Hoffnung, daß bet Verband auch Wetter auf dem günstigen Weg» fortschretten wird. Der „Reichsverband" ist vielfach mit besonderer Vorliebe als „Scharfmacherbund" verdächtigt worden, auch von linslib-ralet Seite, weil er die national- und vaterlandsfeindliche Sozialdemokratie bekämpft und in monarchischem und nationalem Sinne wirkt, mit diesem Programm also auch unseren Demokracen und Linkssliberalen entgegenarbeitet. Die bisherige Tätigkeit des Reichsverbandes hat aber das Miß. trauen, das ihm auch aus mehr rechtsstehenden Kreisen anfänglich entgegengebracht wurde, z r- streut, und so steht zu erwarten, daß der „Reichsverband" nunmehr in den weitesten Kreisen Be- achtimg, Vertrauen und Unterstützung finden wird, damit seine hervorragend vaterländische Arbeit von immer größeren Erfolgen begleitet werde!)