mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.
Jls. 110
Bierteljährlichcr Bezugspreis; bei der Expchition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mk. Bestellgeld).
JnsertionSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Psg.
Neclamen: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Donnerstag, 11. Mai 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UnivcrsttätS-Buchdruckerei 40. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon ob.
NeMe Telegramme.
I Jena, 9. Mai. Aus Anlaß der Schillerfeier wurden der Herzog Georg von Meiningen und .Bildhauer Auguste Rodin-Paris von der philo- ffophischen Fakultät zu Ehrendoktorm ernannt.
Rom, 9. Mai. Der von hier nach Paris abgereiste französische Botschafter Barrdre gilt als Wahrscheinlicher Nachfolger DAcassds.
Madrid, 9. Mai. Die Zeitungen „Heraldo" und „Pais" widmen der Ehrung Schillers ausführliche Artikel und reproduzieren Abbildungen der Schillerhäuser und Museen.
Petersburg, 9. Mai. Der Kaiser verlieh dem 39. Dragoncrregiment Narwa, dessen Chef der 'Deutsche Kaiser ist, anläßlich seines 200jährigen ^Bestehens eine neue Standarte mit dem Jubi- täumsbande.
Petersburg, 9. Ntai. IW. B.) Nach hier vor- liegenden Meldungen wurden in den Ostseepro- chinzen und in Moskau Schillerfeiern veranstaltet. iJn den deutschen Schulen von Petersburg fanden Iestaufführungen statt. Auch die russischen Büh- juen ehrten den deutschen Dichter durch Aufführung seiner Dramen. Die illustrierten Zeit- .schriften und Zeitungsbeilagen bringen auf den Schillergedenktag bezügliche Zeichnungen und Auffähe.
Petersburg, 10. Mai. (W. B.) Die Abendnummer der „Birshewija Wjedomostl" meldet, daß am 7. Mai in Schitomir eine Judenhetze aus- gebrochen ist. Läden und Magazine wurden zerstört. Die Juden leisteten bewaffneten Widerstand. Am folgendn" Tage wurden 12 Tote und 50 Verwundete gezählt, obwohl seitens der Ortsbehörden Maßnahmen zur Unterdrückung der Unruhen ergriffen worden waren.
Mndsor, 9. Mai. Prinz Eitel Friedrich von Preußen, Herzog Karl Eduard von Sachsen- Koburg-Gotha und die Herzogin von Albany sind heute früh angekommen. Sie besichtigten die königlichen Gemächer von Windsor Castle. Nach dem im Schlosse eingenommenen Frühstück erfolgte die Rückfahrt nach Schloß Esher.
Washington, 9. Mai. Der amerikanische Generalkonsul in Berlin, Mason, befürwortete in einem Bericht an das Staatsdepartement den Abschluß Zeines Freundschafts- und Handelsvertrages zwischen Deutschland und 'Amerika, der dine größere Reziprozität vorsieht und die wahren Interessen der beiden Nationen schützt.
Der rrrsstsch-japanische Krieg.
Aus der Mandschurei.
Die letzten Telegramme von Kriegsschau- olahe bestätigen das Vorgehen beider japanischer Flügel. Nach privaten Meldungen stehe fine Schlacht baldigst bevor. Nach Meldungen au§ Gunschulin beträgt die Stärke der zu einem neuen Angriffe vorrückenden Japaner 320000 Mann. 120 Werst nordwestlich von Tschantufu ist ein neuer volkstümlicher Chunchusentruppe jmfgetaucht.
H ^Nachdruck verboten.)
Schatten der Vergangenheit.
Roman von B. Coronh.
l Fortsetzung.)
Viktorias seltene, klassische Schönheit fiel überall auf. Neben ihr nahm sich Irene, die Tochter des Kommerzienrats, ein hochaufgeschosse- ßies Mädchen, mit durchaus nicht häßlichen, aber buch nicht schönen Gesichtszügen recht unschein- Ear aus. Da Fräulein von Dunors auch als eiche Erbin galt und das Projekt ihrer Verlo- ung mit Herrn von Clairville den meisten un- sbekannt war, so wurde sie von allen Seiten um- schwärmt und es rief wirklich Neid und Erbitte- jruiig hervor, als man Viktoria — die ihrer Kälte ßmd Unnahbarkeit wegen „Eisfee" Genannte — bn jenem viel besuchten Gesellschaftsabende bei dem Kommerzienrat in scchr lebhaftem Gespräch pnt dem Assessor Kurt Walter sah. Dieser hatte ssin ganz unverfängliches, aber für die junge Dame ungemein fesselndes Thema angeschlagen, vidern er jener Zeit erwähnte, wo beide als Kinder in diesem herrlichen, kleinen Erdenparadiese belebt hatten. Da gab es so viele liebe traute Erinnerungen, daß die Baronesse mehrmals fröhlich auflachen mußte. Das verlieh ihrer
knrsiun, stolzen Schönheit einen seltenen, bestrickenden Reiz. Es klang, wie wenn ein klarer Quell mit melodischem Geplätscher plötzlich zwi- scheu schroffen Felsen hervorsprudelt. Und was {ür wundervolle Augen besaß Viktoria! Kurt enric nicht müde, in ihr dunkles Kornblumenblau hinein zu sehen. Eine ganze Märchenwelt poll holder Rätsel schien sich hinter diesen sanft feuchtenden Sternen zu bergen. Bald sprach Schwermut und sinnendes Nachdenken aus ihnen lnd bald das, Auffblitzen kindlichen Frohsinns, lnmec aber schienen sie der Spiegel einer schönen, einen Mädchenseele zu sein.
Petersburg, 9. Mai. Die Petersburger Telegr. Ag. meldet aus Shtiasa von gestern: Auf dem linken Flügel der Russen begegnete eine Kolonne am 5. Mai im Jngoling-Passe etwa zwei japanischen Bataillonen mit sechs Geschützen, wobei Schüsse gewechselt wurden. Auf der russischen rechten Flanke sollen bedeutende japanische Streitkräfte bemerkt worden sein. Der Wachtdienst der Javaner ist derartig verstärkt worden, daß unsere Kavalleriepatrouillen unmözlich die Borpostenlinie durchbrechen können.
Wie man in leitenden Kreisen die Lage ansieht, würde, fall« die Japaner überhaupt weiter offensiv operieren, was nicht geboten scheint, das weitere Vorgehen von der Entscheidung zur See abhängen. Nach Behauptung der Seeherrschast wäre eine Ueberstügelung des rechten russischen Flügels von Osten wahrscheinlich mit etwaiaer Landung gegen Wladiwostok. Eine Ueberstügelung des rechten russischen Flügels würde die Bahn zwar abschneiden, dagegen die russischen Armeen auf die starke Basis Wladiwostok drängen. Auch wäre diese Operation nur durch Betreten der neutralen Mongolei möglich.
Bon der Flotte.
Der „Agence Havas" wird aus Nahbrang vom 9. gemeldet: Admiral Noschektwenski, der seit mehreren Tagen auf hoher See vor der Vangfong-Bucht kreuzte, ist beute morgen mit seiner ganzen Flotte weitergefahren. Ein nachmittags eingegannenes Telegramm des Admirals Jonguiöres bestätigt diese Melduno.
Saigon,. 8. Mai. Das Geschwader des Admirals Nebogatow befindet sich in der Nähe der Pulo Condor-Jnseln, 100 engl. Meilen südlich von Saigon. Es wartet dort auf zwei Dampfer mit Vorräten aus Saigon. Nach deren Eintreffen wird Nebogatow sein Geschwader mit dem Roschestwenskis oereinigen.
Hongkong, 9. Mai. Der hier eingetroffene deutsche Dampfer Neumüh^en berichtet, am Freitag in der Nähe der Kamranhbucht 45 Schiffe gesehen zu haben, von denen 20 Kriegsschiffe waren. Der Dampfer Haimun sichtete an demselben Tage einen japanischen Kreuzer auf der Höhe von Amoy.
Nach einem vertraulichen Telegramme des französischen Gouverneurs von . Jndochina soll ein japanisches Torpedogeschwader unter dem Befehle des Admirals Bewa fortwährend in Berührung mit der russischen Flotte gewesen sein und deren Bewegungen aufs genaueste verfolgt haben.
London, 9. Mai. Telegramme aus Petersburg berichten, daß alle Kriegsschiffe, welche das vierte baltische Geschwader bilden sollen, augenblicklich in Kronstadt vereinigt sind, wo eine Generalinsp:ktion über die Beschaffenheit der Schiffe vorge»ommen wird, bevor sie nach Ostasien abgehen.
Kurt Walter nahm von dieser ersten Begegnung einen tiefen Eindruck mit sich. Es verletzte ihn fast, als Leutnant Egon seine Bewun- deruna mit len schneidig hingeschnarrten Worten äußerte:
„Reizende Person, Prachtmädel, Rasseweib bis in die Fingerspitzen! Und dazu famoser Golüfisch! Das heißt, Dunois soll in seiner tollsten Zeit kolossal viel verschwendet falben. Ich beneidete Dich beneidete Dich eigentlich nie um Deine häufigen Fahrten und Promenaden nach dem kleinen Neste S . . . Wäre nur der Dienst nicht so streng! Du hast heute das Glück gehabt, Dich besonderer Auszeichnung zu erfreuen, und das könnte mich gerade zu dem Versuch reizen. Dir _ ins Gehege zu kommen. Also: Schach der Königin! Hüte Dich, daß ich sie Dir nicht weg- kapere!"
. „Du sprichst von der Baronesse, wie von irgend einer Tingeltangel - Schönheit," entgeonete der Assessor kalt. „Fräulein von Dunois ist der größten Hochachtung würdig und war heute Abend Deines Vaters Gast."
„Will ich sie denn beleidigen?" lachte der' junge Offizier laut auf. „Du bist und bleibst doch ein unverbesserlicher Pedant! Mit so schwerfälligen Gesellen hat Frau Fortuna nicht gerne zu tun. Nun, Gott Amors Pfeil scheint Dich doch ernster verwundet zu haben, als ich glaubte."
„Unterlaß derartigeScherze, zu denen ich wenigstens gegenwärtig nicht aufgelegt bin!"
„Na, nimm's nicht übel," erwiderte Egon gutmütig. „Ich wollte Dich nur ein wenig aufrütteln, weil Du das Leben überhaupt viel zu schwer nimmst. Dabei kommt nichts 'raus, lieber Kurt. Meine Parole ist: Im Sonnenschein schwärmen und den Honig aus den Blütenkelchen nippen."
„Nicht alle huldigen der gleichen Gebens- ^anschauung. Ich dränge die meine niemandem
Die Schiffsverluste der Japaner
sind von Anbeginn des Krieges an nach Möglichkeit verschwiegen worden und die Unterdrückung jeglicher . .'achricht über ihre Verluste ist den Japanern derartig gelungen, daß man Genaues b‘ ebensowenig weiß wie nach den ersten Zusammenstößen. Dieselbe Anordnung ist auch für Schiffsverüiste und Beschädigungen getroffen und durchgeführt worden, jedoch nur bis zu einer gewissen Grenze gelungen, da man nicht gut ab- ri viten konnte, daß Schiffe sanken, wenn Tausende von Augen die Katastrophe mit angesehen hatten. , Nichtsdestoweniger wurde der Verlust des Linienschiffes „Paschirna" Monate hindurch, entgegen den BefHmmteften Meldungen von russischer Seite, Beitritten und erst zugegeben, als immer und immer wieder nur vier Linienschiffgezählt wurden. Der Verlust von „Hatsuse" konnte nicht gut geleugnet werden. Außer den genannten, die Mai 1904 sanken, liefen noch die beiden Küstendampfer „Hai Den" am 18. September und „Sai Aen" im November 1904 auf Minen, ferner die Kreuzer „Mijako" am 15. Mai und „Kaiman" am 5. Juni desselben Jahres, und Kreuzer „Poschimo" wurde am 15. Mai vom V.mzerkreuzer „Kasuga" gerammt. Alle diese Schiffe sind sicher verloren gegangen. Nun wird dem „L.-A." in einem Briefe aus Hakodate W iteres über Beschädigungen von Schiffen mit- geteilt. Die von den Japanern gemeldeten Havarien und Menschenverlnste der Flotte waren allerdings derartig geringfügig, daß sie nicht gut geglaubt werden konnten, doch konnte man etwas Näheres nicht erfahren. Nach jenem Schreiben ai Hakodate nun wäre am 10. August das Linienschiff „Mikasa", Flagschiff Admiral Togos, von einem japanischen Torpedo getroffen worden, weil der Führer des Torpedobootes, Leutnant Jushiko, die „Mikasa" für ein rnss'lches Schiff hielt Ferner verlor Linienschiff „Sclökischima" zwei Schraubenflügel und mußte bis Ende Dezember zur Reparatur im Dock liegen. Linienschiff „Fuji" erhielt zu Anfang des Krieges von d. . Batterien Vort Arthurs eine 30,5 em Granate, die den Hinteren Geschützturm mit zwei 3 ),5 cm schwer beschädigte, und eine 21 cm« Haubitzgronate, die das Panzerdeck durchschlug, 26 Maschinisten tötete und die Kessel beschädigte. — Darnach wäre von den sechs vorhandenen Linienschiffen nur eins, „Asahi", unbeschädigt geblieben, und um so schwerer trifft die Russen und Admiral Fürst Uchtomski der Vorwurf, am 10. August nicht energisch die Japaner ange- ari" i zu haben. Nun wird auch das Zöaern der Japaner am 10. August erklärlich. Togo manövrierte vorsichtig, weil seine vier Linien- schiffe nicht intakt waren. — Eni.stich sagt eine gut" österreichische Marineguelle, daß die Ge- rü.'Le über den Verlust des Panzerkreuzers „Asama" derartig bestimmte Form angennom- men hätten, daß man diesen Kreuzer auch als verloren aitfeBen müßte. Es besitzt nun zwar Java» genügend große Docks für seine großen Schiffe und auch große Reparaturwerkstätten: ob aber solche Reparaturen, wie sie der Torpedi- fchuß auf „Mikasa" und die beiden Granaten auf „Fuji" notwendig machten, tadellos ausge-
auf, lasse ir aber auch keine andere anfdrängen, erklärte Kurt beinahe schroff abweisend und verließ das HanS seines Onkels. Die sckiiininernden Gemächer, in welchen sich eine auserlesene Gesellschaft bewegte, vermochten ibn nicht mehr zu fesseln. Jetzt, wo Viktoria sich entfernt hatte, sah er alles mit ernüchterten Blicken. Nun entgingen ihm die Spuren far Erschlaffung und Erschöpfung auf manckiem Frauenantlitz nicht mehr. Er fand die Gespräche, welche geführt wurden, banal und inhaltsleer und atmete förmlich auf, als er aus dieser parfümierten Schwüle in die reine, kühle Nachluft trat.
Wie Professor Gultz vorher gesehen, konnte die erschütterte Gesundheit des Barons dieser ruhelosen Lebensweise nicht lange Widerstand leisten. Die feit Wochen gewaltsam betäubten Nerven Begannen sich grausam zu rächn. Josef Santen, der Niese mit dem harmlosen Kinder- Blick, mußte jetzt wieder manche Nacht am Bette feines, Herrn znbringegn, um diesem — der den Schlaf nicht finden konnte — vor den Gebilden seiner krankhaften Einbildung zu schützen.
Der Diener war wie ein anhänglicher, treuer Hund, welcher dem leisesten Rus gehorcht, auch nicht böse wird, wenn man ihn einmal mit einem Fußtritt hinausjagf, und der nichtsdestoweniger die Türe energisch gegen jeden Eindringling derlei igt. Er fgnnte Dunois Zustand besser, als je'er andere, la aber das Gebot an ihn ergangen war: Du schweigst gegen jedermann über alles, was Du hörst und siehst, oder kommst mir nie mehr vor die Augen!" so würden weder die ärgsten Drohungen noch die verlockendsten Versprechungen vermocht Baben, irgend einem — und wäre es auch die Tochter oder der Arzt seines Herrn getoeien — Mitteilungen zu machen. Nein, selbst, die hübsche Grete Klar, die bei dem Gntspächfer Heller diente und welche Josef zu heiraten gedachte, vennochte kaum etwas zu er
führt werden kennten, scheint doch etwas fraglich; so große Sänfte sind niemals in Japan gebaut worden, und das Material für sie muß vom Ausland bezogen werden. Jedenfalls ist von einer bedeutenden Ueberlegenheit der Japaner nach dem Eintreffen des Geschwaders NebogatowS und nach dessen Vereinigung mit Roschestwens'ki keine Rede mehr. Schneidige Führung und Wohl auch überlegene Schnelligkeit werden ausschlaggebend wirken. An Führung haben die Japaner sich den Russen Bisher weit überlegen gezeigt, an Schnelligkeit dürften die japanischen Linienschiffe und Panzerkreuzer den Russen mindestens gleich fein, wenn sie sie nicht übertreffen.
Deutsches Reich.
Berlin, 10. Mat.
— Seine Majestät der Kaiser fuhr in Straßburg gestern Dienstag Morgen Uhr im Automobil in den nördlich der Stadt gelegenen s.'idfischen Rheinwald und ritt dortselbst eine Stunde spazieren. Später arbeitete der Kaiser allein und hörte sodann Vorträge. Um 11 Uhr nahm der Kaiser Parade über die Garnison ab. Er begab sich mit den Herren des Ge- solges zu Fuß nach der Kaiser-Wilhelmstraße, wo er vor dem Hauptvortale des Postgebäudes Aufstellung nahm. Hier hatten sich bereits der Kaiserliche Statthalter, der Staatssekretär von Kölle. und die Generalität eingefunden. Der Kaisers b"grüßte den Statthalter und den Staatssekretär und nahm den Frontrapport vom kommandierenden General Ritter Hentschel v. Gil- genheimb entgegen. Der Vorbeimarsch wurde kommandiert vom Generalleutnant Frhrn. von Hoiningen, gen. Sirene. Die Fußtruppen gingen in Kompagniekolonne vorüber, die berittenen Truppen ebenfalls zu Fuß. Nach dem Vorbei- marsch hielt der Kaiser Kritik und n Jjm eine Reihe militärischer Meldungen entge en. Er fa'-'-B sich alsdann unter begeisterten Zurufen der airgesammelten Menschenmenge zu Fuß nach dem Kaiserpalast. Um 1 Uhr nahm der Kaiser mit Gefolge an einem Frühstück Beim kommandieren- den General Ritter Hentschel v. Gilgenheimb teiL Der Bürgermeister von Straßburg, Unterstaats- fefretär z. D. Back wurde zum Wirklichen Geh. Rat mit dem Prädikat Erzellenz ernannt. — Bei dem Bevorstehenden Besuch des Kaisers in Wies- Baden wird, wie verlautet, die Kaiserin ihren Gemahl nicht Begleiten. Als Gäste dc? Kaisers werden, soweit Bis setzt bekannt, dort anwesend fein: die Königin-Witwe Margherita von Italien, den Großherzog und die Großherzogin von Hessen, sowie Prinz rind Prinzessin Adolf von Schaumburg-Lippe.
— Bei der gestern im 7. Wahlbezirke des Regierungsbezirks Potsdam stattgehabten Land- tagserfatzwahl wurden insgesamt 321 Stimmen abgegeben, die auf den Rittergutsbesitzer Graf Bredow-Goerne (kons.) entfielen.
— Die Eingabe der.Halleschen Konferenz der Hochschulrektoren vorn 10. März wind nunmehr in ihrem Wortlaute mifgeteilt. Dem Kultusminister wird darin empfohlen: 1. Verhandlungen mit der Studentensckaft prin-
fahren, obschon sie viel schlauer war, als Danfen, und dieser auf der ganzen Welt nichts lieber hafte, als das dralle Mädchen mit dem kecken Stumpfnäschen und dem beständig lochenden, kirschroten Nlrmd.
Die Kunde, der Baron sei wieder leidend, drang auch zu Hans Walter und veranlaßte ihn, im Schloß vorzusprechen. Er wurde wie immer von dein Freiberrn freundlich empfangen, machte jedoch die Bemerkung, daß dieser seltsam verfallen und gealtert aussehe.
„Es war wieder einmal nichts, war ein totaler Mißgriff, als ich meine Tochter hierher beorderte," äußerte Diinois gesprächsweise, „aber die Geister, die ich rief, kann ich jetzt nicht bannen."
„Und Sie würden es gewiß auch nicht wollen," meinte dFabrikdirektor lächelnd. „Ich begegnete nie einem schöneren und in jeder Hinsicht vollendeteren Wesen, als der Baronesse."
„Die Hoffnungen, welche ich an ihr Hierherkommen knüpfte, blieben leider unerfüllt. Sagte ich Ihnen nicht, daß ich in Viktoria ein Geschöpf zu finden erwartete, das sich mir gänzlich widmen und gänzlich in mir aufgehen würde? Gleich der erste Abend Bereitete mir eine Enttäuschung. Auch nicht eine Stunde traulichen, zärtlichen Bei- sammenfeins habe ich bis setzt mit meiner Tockter verlebt, man hat sie von mir losgenssen. Nicht an dein Vater Bangt Viktoria, sondern an jener Frau, die in ihren schwarzen Gewänden und mit blassem, starrem Antlitz wie eine wandelnde Leiche durch die Gemächer dieses Schlosses gleitet."
„Von der Großmutter erzogen, ist die Baronesse dieser mit ganzer Seele zugetan: sie wird sich aber, wenn sie erst hier eingewöhnt ist, gewiß auch dem Vater mitkindlicher Zärtlichkeit zünei- gen, wenn ihr dieser Geduld und Nachsicht ent» gegenBringt."- (Fortsetzung folgt.)