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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Allnftrirtes Sonntagsblatt.

M 106

Vierteljährlicher Bezugspreis; bei ver ExpÄition 2 M, bet alten Postämtern 2,25 M. (.ejcU Bestellgeld).

JnsertionSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Reelamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Sonnabend, 6. Mai 1905.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Umversttäts-Buchbruckerek 40.

Marburg, Markt 21. - Telephon 55. H

Neueste Telegramme.

Berlin, 5. Mai. Der bisherige Unterstaats­sekretär im Königlichen Staatsministerium Frhr. P. Seckendorff soll an Stelle des jüngst verstor­benen Dr. Gutbrodt zum Präsidenten des Reichs­gerichts ausersehen sein.

Berlin, 4. Mai. In der heutigen Bundes» ratssitzung wurde je einem Abkommen mit Luxemburg über Unfallversicherung und über den Bezug von Invaliden- und Unfallrenten die Zustimmung erteilt.

München, 5. Mai. Prinz Rupprecht von Bayern wird am 3. Juni im Auftrage des Prinzregenten al» besten Vertreter zur Ver­mählung de» Kronprinzen hier eintreffen.

Rom, 5. Mai.Messagero" meldet aus Kandia, die Schutzmächte hätten dem Prinzen Georg notifiziert, wenn die Ruhe auf der Insel nicht sofort wiederhergestellt würde, müßte man seine kommissarische Stellung als unnötig be­trachten.

Patts, 4. Mai. Wie dem ,8. 21/ von hier gemeldet wird, nahm Kaiser Franz Josef nach einer Meldung des Journal die Einladung Viktor Emanuels an, im Laufe des Oktober Rom zu besuchen, mit Goluchowski und KriegS- minister Pittreich im Quirinal zu residieren und einer großen militärischen Revue sowie einem Galadiner mit nachfolgendem Empfang aller italienischen Zelebritäten beizuwohnen. Vom Quirinal würde sich der Kaiser nach der vati­kanischen Botschaft begeben und von dort aus dem Papste einen Besuch abstatten. Der Papst hätte dem NunziuS in Wien Gravito Pignatelli Belmonts Vollmacht gegeben, die Arrangements zu treffen. Ter einzige noch unerledigte Punkt sei, ob der Kaiser sich von einer italienischen oder einer eigenen Leibgarde zum Vatikan werde begleiten lassen.

Madrid, 4. Mai. Heute fand im könig­lichen Palais ein Ministerrat statt, wobei der Ministerpräsident dem König über die Stellung­nahme der verschiedenen Mächte in der Marokko- Frage Vortrag hielt. Die Abreise des neuen spanischen Gesandten in Tanger wurde auf den 10. Mai festgesetzt.

Petersburg. 4. Mai. Ein gestern erschie- nenerAufruf desZentralkomitees der sozialistischen Partei fordert die Arbeiter auf, eine Feier am 1. (14.) Mai in verschiedenen Stadtteilen von Petersburg zu begehen, sowie zu versuchen, einen Ümzug zu veranstalten. Im Falle des Ein­schreitens der Polizei soll bewaffneter Wider­stand geleistet werden. Die .intelligente' Be­völkerung wird aufgefordert, die Arbeiter auch durch die Tat zu fördern, und sich ihnen anzu- schließei'.

9 'Nachdruck verboten.)^

r Schatten der Vergangenheit.

Roman von B. Soronh.

T ..Da könntest Du Dich irren, Onkel/ fuhr bas Mädchen auf.

Wenn Du selbst Dich nicht irrst! Vielleicht träte es doch besser. Du nähmst den Gutsbesitzer Battenberg.''

Solchen Bauer? Fällt mir gar nicht ein! Dann nehme ich noch lieber den Stupp, der hat wenigstens Manieren."

Und einen beständig leeren Geldbeutel, den ich ihm wahrlich nicht durch eine Heirat mit Dir zu füllen gedenke."

Habe ich Dich schon ersucht, es zu tun? Ich mag aber weder den, Stupp noch den Batten­berg."

Du wirst so lange die Anspruchsvolle spielen, bis Du sitzen bleibst."

Davor ängstige ich mich nicht."

Je nun, Du wärest nicht die erste, der es so ginge. Auf wen wartest Du eigentlich? Muß es «in Prinz sein?"

Nein."

^Wer denn sonst?"

i VKurt Walter! '

'Bist Du wirtlich so verschossen in Shirt, Mädel?"

Jak"

Wenn er Dich aber nicht mag?"

r,Mich nicht mögen"! Hahaha! "Sie drehte sich wie ein Kreisel vor dem Spiegel herum. ^Das laß nur meine Sache sein."

Nehmen wir nun einmal den doch immer­hin möglichen Fall an!"

»Ich erkläre ihn für einen unmöglichen!"- ,

Die süddeutsche Demokratie in Nöten.

Die Deutsche (demokratische) VolKpartei hat es immer als ihre hauptsächlichste Aufgabe er­achtet, mit der Sozialdemokratie in einem ange­nehmen, freundnachbarlichen Verhältnisse zu stehen. Sie sah sich zwar in ihre. süddeutschen Domänen von Wabl zu Wahl immer mehr durch die Sozialdemokratie bedroht: aber sie suchte sich dadurch noch in ihrem Besitzstände einigermaßen zu erhalten, daß sie teils entgegen ihrer eigentlichen Grundanschauung außerordentlich starkesoziale" Gefühle entwickelte, teils sich für die Stichwahlen die Hilfe derGenossen" zu sichern bemühte.

Im Königreich Württemberg war die Deutsche Volkspartei bisher noch immer stark. Bei den Nrichstagswahlen von 1898 erzielte sie fast ein Mertel sämtlicher abgegebenen Stimmen, sie war stärker als das Zentrum und stärker als die Sozialdemokratie. Ihre Stimmenzahl betrug damals 75 105, die der Zentrumspartei 73 816 und die der Sozialdemokratie 62 452. Bei den letzten Reichstagswahlen aber änderte sich bereits das Bild. In erste Linie rückten die Sozialde­mokraten mit 99 743 (27,5 Prozent) Stimmen, diesen folgte das Zentrum mit einer Stimmen­zahl von 89 979 (24,8 Prozent) und dann erst erschien die Deutsche Volkspartei mit 62 609 (17,2 Prozent) Stimmen. Und dieses Ergeb­nis erreichte die Völkspartei auch nur mit Hilfe der Sozialdemokratie.

Wie soll das nun bei den .kommenden Wahlen werden? Auf der Stuttgarter Landesversamm­lung hat die Sozialdemokratie beschlossen, den Kampf gegen die Deutsche Völkspartei als Hauptaufgabe durchzuführen, und bei den näch­sten Landtagswableu soll damit der Anfang ge­macht werden.. Es ist die Ironie des Schicksolls, von welcher die süddeutsche Demokratie hier er­eilt wird. Sie hat nämlich von jeher ganz im Sinne der Barth -und Naumann den Sozialde­mokraten die Hände weit entgegengestreckt und stets sich zu einem Zusammengehen mit der etwas" weiter links stehenden Partei bereit ge­zeigt. Wehmütig hat dies vor einigen Monaten noch der Abgeordnete Dr. Paper auf dem demo- kratischen Parteitage festgestellt. So wie sie seit Jahren ihre Taktik gebildet haben. Tel ein Aus­kommen mit den Sozialdemokraten nicht mehr möglich. Die Erfolge bei den Wahlen seien ihnen zu Kopfe gestiegen. Die Art, wie die Sozialde­mokratie ernstliche Fortschritte gefährde, die ge­hässige Weise, auch da, wo Uebereinstimrnung herrsche, die Vertreter der anderen linksstehen­den Parteien herabzuwürigen, diese Taktik mache zurzeit ein Zusammengehen mit ihnen unmöglich.

Man beachte Wohl das Wörtchenzurzeit". Pc er ließ denn auch die frohe Hoffnung durch­blicken, daß bis zu den nächsten Wahlen eine solche Möglichkeit wieder eintreten werde. Tat­sächlich bat sich auch das freundnachbarliche Ver- halten der Demokraten zu denGenossen" gar nicht, geändert. Dieses Verhalten aber blieb ein einseitiges. Die Sozialdemokratie sah den Augen­blick gekommen, die Völkspartei. der sie bisher noch einigeGroßpensionäre" im Parlament be­willigt hatte, zu depossedieren. Das Organ der

Also gut, dann beantworte scherzeshalber meine Frage. Wenn sich nun wider alle Erwar­tung Herausstellen sollte, daß Kurt Dich nicht will? Würdest Du dann den Antrag des reichen, allgemein geachteten Battenberg annehmen?"

Was Dir nur einfällt! Ich mag nicht auf dem Lande versauern und verbauern. Davon kann gar keine Rede sein."

^Mithin ist es Dir nur um den Assessor zu hin, weil er in der Stadt lebt und sich vielleicht den Weg zu einer hervorragenden Stellung bahnt?"

Was wäre denn schlimmes dabei, wenn ich so dächte? Daß ich ehrgeizig bin, will ich gerne zugeben. Ich will etwas anderes sein, als eine Frau, welche die Mstchwirtschaft, die Knechte und Mägde beaufsichtigt, allsonntäglich den Herrn Pastor, den Herrn Doktor und den Herrn Apo­theker einladet und, wenn es hoch kommt, auch noch ein paar Rittergutsbesitzer. Aber nicht des­halb allein ist es mir, wie Du anuimmst, um den Assessor zu tun. O nein! Ich liebe ihn! Der Gedanke, Kurt einer anderen lassen zu müssen, könnte mich zur Raserei treiben und zu den toll­sten Streichen verleiten. Mir muß er gehören, Onkel, mir!"

Heller zuckte mit den Schultern.

Kann ich ihn Dir etwa kaufen, wie ein Arm­band ober einen neuen Hut?"

Das verlange ich auch keineswegs. Schiebe doch nicht immer Dein Geld in den Vordergrund, als ob man mich nicht meiner selbst wegen be­gehren könnte!"

Dabei warf sie heftig Hut und Sonnenschirm hin und eilte aus dem Zimmer.

Was wird da noch draus hervorgehen?" murmelte der Gutspächter, ihr besorgt Und un­zufrieden nachblickend. -

Württembergifchen Volkspartei,Der Beobach­ter", scheint die sozialdemokratische Kampfansage vorläufig noch nicht ganz Ernst zu nehmen. Er schwingt sich zu einer Betrachtung auf, die seltsam genug iji und in der es heißt:

Es ist auf den ersten Blick vom Parteistand­punkte der Sozialdemokratie in Württemberg be­greiflich, daß sie gegen die Demokratie in Würt­temberg anrennen möchte (!). Denn gerade ht diesem Vorlande der Deutschen Volkspartei, wo sich, die r tschiedenste Richtung der bürgerlichen Freiheitanhänger am besten entfalten konnte, hat die Sozialdemokratie nicht die Entwickelung (?) gefunden. die ihr in anberen deutschen Landen blühte, wo reaktionäre politische Zustände den sozialdemokratischen Pflanzungen den besten Nährboden bereitet hatten. Je freier, je besser verwaltet ein Land, desto geringer die sozial­demokratischen Erfolge. Je unfreier und rück­ständiger eine Regierung, desto berechtigter die scharfe Anklage, die von der Sozialdemokratie er­hoben wird, und desto mehr Mlligung dieser An- klage durch das Volksurteil. Das ist ein natür­licher, klarer, einfacher Zusammenhang. Es ist nickt erstaunlich, daß die Sozialdemokratie unter solchen Umständen eine kraftvolle bürgerliche De­mokratie »ls ein Hindernis des sozialdemokrati­schen Wachstums als unbequem verspürt."

Das ist eine Fülle von Selbsttäuschungen. WennDer Beobachter" schreibt, die Sozialde­mokratiemöchte" gegen die württembergische Demokratie anrennen, so ist das widersinnig an- llesichts der Tatsache, daß die Sozialdemokratie die württembergische Demokratie um 50 Prozent an Stimmen überflügelt hat, während noch fünf Jähre vorher die Demokratie um rund 25 Proz. der Sozialdemokratie überlegen war. Und wenn das Blatt weiter ausführt, in dem Dorlande der Deutschen Völkspartei habe die Sozialdemokratie nicht die gleiche Entwicklung wie anderwärts ge­funden, so ist das ebenso unsinnig: denn die Ver­mehrung der sozialdemokratischen (stimmen ist in Württemberg in demselben Verhältnisse er­folgt, wie in anderen deutschen Ländern.

In den Augen eines echten süddeutschen De­mokraten ist es besonders Preußen, in demre­aktionäre politische Zustände" herrschen und an- geblich den besten Nährboden für die sozialdemo­kratischen Pflanzungen bereiten. Wie war aber in Preußen die sozialdemokratische Entwicklung? Die Sozialdemokratie stieg von 1898 bis 1903 von 1 141 958 auf 1 649 998 Stimmen, von 24,2 auf 28,7 Prozent, dagegen fielen die frei­sinnig - demokratischen Stimmen von 573 531 auf 549 028, während die Stim­men derreaktionären" Konservativen von 647 452 auf 766 626 stiegen. Und dieses Er­gebnis einschließlich Berlins und andererfrei- heitlich" regierter Großstädte!Der Beobachter" würde also gut tun, den Beschluß der toürttem- bergischen Sozialdemokratie, die bisherigen guten Nachbarn zu berennen", von einem anderen Ge­sichtspunkte aus zu betrachten. Nicht derkraft- vollen" bürgerlichen Demokratie gilt di ser Vor­stoß, sondern, der brüchig gewordenen Vorfrucht, die überall dieselbe ist, ob in demfortgeschritte­nen" Schwabenlande oder in demstock-reaktio­nären" Preußen!

3. Kapitel.

Am nächsten Tage stattete Kurt Walter Herrn von Dunois seinen Besuch ab, wurde freundlich begrüßt und empfing die Versicherung, daß er im Schloß stets willkommen sein würde.

Es fiel ihm auf, daß sich mehr denn je eine gewisse Hast und Unruhe in allem bemerkbar machte, was der Freiherr tat und sagte, auch sah dieser blaß und leidend aus und drückte wieder­holt die Hand an die Stirn, als quäle ü>n ein heftiger Kopfschmerz.

Der Assessor erhob sich deshalb bald mit den Worten:

Sie scheinen noch etwas angegriffen und er­müdet von der Reise, Herr Baron?"

Nicht doch! Ich habe schlecht geschlafen. Die Lust in diesen großen, aber niedrigen Zimmern ist dumpf und drückend. Es riecht nach Staub und Moder hier. Finden Sie nicht auch?"

Nein, Herr von Dunois."

Nun, dann bilde ich es mir bloß ein. Das ganze Schloß mit seiner unsymmetrischen Bauart, seinen schmalen Gängen und tiefen Gelassen ist mir zuwider."

Daß diese düstere Pracht mehr zur Schwer­mut als zur Heiterkeit stimmt, läßt sich nicht leugnen, dennoch finde ich sie bewunderungs­würdig."

Für jene, welche über den vollen, unge­brochenen Frohsinn der Jugend verfügen, mag das Finstere und Geheimnisvolle einen gewissen Reiz haben. Die Romantik, obschon unmodern geworden, besitzt immer noch ihre Anhänger wenigstens unter den jungen Leuten, für die im Leben Enttäuschten ist sie längst und vollständig abgetan."

Wäre dem so, würden Sie sich dann von ihr 'beeinflussen lassen?"

Der Baron lachte nervös.

Der russisch-japanische Krieg.

London, 4. Mai. Da die Petersburger Ad­miralität Rostdjestwensky jetzt Oberbefehlshaber der pazifischen Flotte tituliert, wird angenom­men, daß er feine Vereinigung mit dem Ge- schwader Nebogatows nunmehr vollzogen hat. Rostdjestwenskys Flotte befand sich Dienstag bei Port 2)eit, nördlich der Honkohe-Bucht (Ostküste von Anam) auf der Suche nach einem geeigneten exterritorialen Ankerplatz. Sonntag war die Flotte von dem englischen DampferTelz machus" noch bei Honkohe gesichtet und beobachtet worden. Die DampferEva",Dagmar" und Bourbon" waren dort ständig zwischen Saigon und den russischen Schissen unterwegs die sie mit Vorräten aller Art versorgten, sodaß die rus­sischen Schiffsdecke selbst mit Mehl, Reis, Speit und Gemüse beladen waren. Die anfänglich ebenfalls sehr rege Lieferung von Wein uni Schnaps hörte später plötzlich auf. Der Daily Mail zufolge hätten die französischen Behörden in Schanghai an Bord des im dortigen Hafen liegenden russischen KreuzersDiana" eint starke französische Matrosenwache gestellt, um sein Entweichen zu verhindern.

Singapore, 4. Mai. (Reuter.) Der Dampfer Selangor" traf auf der Höhe von Kuzra in bet Malattastraße heute Vormittag 9 Uhr russisch« Schiffe, wie man annimmt, diejenigen Neboga­tows.

Tokio, 4. Mai. (Reuter.) Die Presse fährt fort, in scharfer Weise die französische Ausübung der Neutralitätsverpflichtungen bezüglich Judo- chinas zu tadeln.Dschidschi Schirnvv richtet die dringende Aufforderung an die Regierung, ohne irgendwelche Rücksichtnahme, Schritte zum Schutze der nationalen Jnteressenen zu tun und behauptet, Frankreich trage die Vera.ttoortung für eine weitere Ausdehnung der Feindselig­keiten.

Petersburg, 4. Mai.- (W. B.) Telegramm des Generals Lenewitsch vom 3. Mai: Am 1. Mai stieß eine Abteilung Kosaken auf eine japa­nische Eskadron Dragoner und griff sie an. Ein japanischer Offizier und eine größere Anzahl Dragoner wurden getötet, elf Mann wurden ge­fangen genommen.

Deutsches Reich.

Bert. , 5 llai. _

Ihre Majestäten der Kaiser und di« Kaiserin haben gestern Donnerstag abend Venedig verlassen und die Rückreise nach Deutschland angetreten. Der Kaiser ließ durch den Prälekten und den Sindoco der Bevölkerung seinen Dank für den schönen Empfang aussprechen. Nachdem die Majestäten gestern nachmittag noch eine Gondelfahrl unternommen hatten, verließen sie unter den Salut schiefen der italienischen und deutschen Kriegsschiff die .Hohenzollern' und begaben sich in Begleitun, der Prinzen und deS Gefolges nach dem Bahnhof« Das Publikum bereitete den Majestäten aus der Fahr durch den Eanale Grande, und bewnders auch an Bahnhof, lebhafte Huldigungen. Am Bahnhof Hatter sich die Spitzen der italienischen Behörden und bi« deutsche Kolonie eingefunden. Die Majestäten verab­schiedeten sich von allen auf das liebenswürdigste. Beide Majestäten wie auch die Prinzen sind in hohem Maße erfreut über den schönen Verlauf der Mittel-

Da haben Sie mich mit meinen eignen Waf­fen geschlagen. In mir streiten eben zwei Gegen- fätze: der Skeptiker und der von seinen kranken Nerven Beherrschte. Letzterer siegt oft über ersteren. Seit Jahren schon kann ich keine dunk­len Winkel und Ecken leiden und an diesen ist gerade Schloß Horbell so reich. Wollen sehen, ob es heller und freundlicher wird, wenn meine Tochter kommt. Erinnern Sie sich ihrer noch?"

Gewiß! Die Baronesse war ein schönes, schwarzlockiges Kind. Gar oft sah ich sie, wenn mein Weg mich am Gitter des Schloßgartens vorüber führte."

Jetzt soll sie mir , helfen, die alte Finsternis und die drückende Stille zu verscheuchen. Mit ihr wird neues Leben hier einziehen. Und das muß auch geschehen, damit ich den Aufenthalt zwischen diesen Bergen erträglich finde. Künftig wird das Schloß überhaupt nicht mehr wie ein schwarzer Koloß daliegen, sondern aus allen fei­nen Fenstern strahlende Helle verbreiten."

'Ich kann es nur begreiflich finden, daß man in dieser schier endlosen Flucht von Raumen die Einsamkeit wie eine schwere Last empfindet, und gratuliere Ihnen zu Ihrem Entschluß, die Baro­nesse hierher zu berufen, Herr von Dunois."

Nehmen Sie doch noch ein wenig Platz."

Meine Zeit ist gemessen. Ich muß in die Stadt, hoffe jedoch bald längeren Urlaub zu er­halten."

Den Sie hier verleben werden?"

So beabsichtige ich, Herr Baron."

«Schön! Dann wünsche ich Sie recht oft bet mir zu sehen."

Der Assessor kehrte noch einmal in das freund­liche Hänschen zurück, verabschiedete sich von tef Eltern und der Schwester und benutzte dann de» im Fabrikgeläude ' eingestellten Wagen feinet Onkels. (Fortsetzung folgt.), ;