mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Allnstriries Sonntagsblatt.
JV§. 105
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Marburg
Freitag. 5. Mai 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Äug. Koch, Universitäts-Buchdrucker«
Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
40. Jahrg.
Neueste Telegramme.
Berlin, 3. Mai. Der Kaiser machte, wie die „Norddeutsche" berichtet, dem Reichskanzler Grafen v. Bülow zu seinem heutigen Geburtstage eine Standuhr in Goldbronze mit seinem Reliefporträt zum Geschenk.
Berlin, 4. Mai. Im Finanzministerium fand gestern unter Teilnahme des Ministers Areiherru. von Rheinbaben eine Besprechung beteiligter Persönlichkeiten statt wegen eines allgemeinen Zusammenschluffes der einzelnen Blinden- Fürsorgevereine.
Rom, 3. Mai. Nach hierher gelangten Nachrichten hat sich die Lage auf Kreta verschlimmert. Der wohlwollende Rat der Schutzmächte blieb ungehört, so daß diese sich über das, was zu tun ist, nicht länger unschlüssig bleiben können, wenn der von ihnen stabilierte Status quo auf dem Balkan aufrechterhalten Werden soll.
Paris, 3. Mai. (Havas.) Ein Sekretär der japanischen Gesandtschaft begab sich am Montag in das Ministerium des Auswärtigen und fragte dort, ob die französische Regierung Kenntnis davon habe, daß die Schiffe des russischen Geschwaders sich noch immer in den territorialen französischen Gewässern befänden. Der Sekretär erhielt die Antwort, man glaube zu wissen, daß die russischen Schiffe die französischen Gewässer verlassen hätten.
Athen, 3. Mai. Prinz Georg ersuchte abermals die Mächte um Gestattung der Union der Insel Kreta mit Griechenland, andernfalls er alle Verantwortung für die Folgen ablehnen müsse.
Washington, 3. Mai. 300 Teilnehmer des internationalen Eifenbahnkongresses trafen heute aus Newhork und Philadelphia ein. Der Empfang der Kongreßteilnehmer durch Präsident Roosevelt am 13. Mai, der dabei eine Ansprache hält, ist in Vorbereitung.
Die landeskirchliche
Versammlung.
In Berlin trat gestern unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung, nachdem am Dienstag im neuen Dom ein Festgottesdienst und abends eine öffentliche Versammlung stattgefundeu hatten, die landeskirchliche Versammlung zu ihrer Hauptversammlung in der Kirche der Berliiter Stadtmifsion, zusammen.
Die Predigt im Dom am Dienstag hielt ®e< neralsuperintendent .tzoltzheuer aus Magdeburg. Die Versammlung abends im Valasttbeater war überfüllt. Die Eröffnungsansprache hielt Superintendent Krückeberg-Berlin, sodann behandelte Pastor Israel-Berlin das Thema
Das Evangelium und die Wahrhaftigkeit.
8 'Nachdruck verboten.)
- Schatten der Vergangenheit.
Roman von B. Corony.
f>vorlfeminß.)
: , „Dem gibst Du Deine Nichte doch gewiß nicht? Denn er ist leichtsinnig und ver- fchN>eilderisch."
,.Es it schon mancher tolle Streiche gemacht und ist dann ein Muster von Solidität ge- Worden. Daß Stupp aber nichts zu hoffen hat, geht ja schon aus dem hervor, was ich vorhin sagte. Deshalb eben —" er unterbrach sich unfügte rasch hinzu: „Wir reden demnächst weiter über dieLache."
In diesem Augenblick traten Kurt, seine Mutter und die Mädchen wieder in die Laube.
Susannes Wangen glühten, ihre Augen er- glänzten noch höher als sonst und um den kirschroten Mund spielte ein frohes Lächeln.
„Ach, war das prächtig! War das wunder- schön!" rief sie. „Die ganze Nacht hätte ich mich auf dem Wasser schaukeln mögen! Denke Dir, Onkel, der Assessor und ich ruderten abtvechselnd und ich rudere mindestens ebenso gut, wie er. Jst's nicht wahr?"
„Schon die Höflichkeit würde mir verbieten, anderer Meinung zu sein," scherzte Kurt. „Aber Iber Wahrheit die Ehre! Sie verstehen mit sei- Jener Kraft und ebenso seltenem Geschick das Ruder zu führen. Man könnte sich Ihnen sogar bei einer Fahrt auf stürmischer See anver- frauen."
„Ich ließe Sie sicher nicht ertrinken. Da ist Mark drinnen!" Sie streckte ihre vollen, hübsch geformten Arme aus. —
„Vor dem Ertrinken hätte ich/als, guter Schwimmer auch keine Angst," erwiderte et lachend.
Der Redner wandte sich gegen den kirchlichen Liberalismus unter besonderer Berücksichtigung des „Falles Fischer". Nur die Rückkehr zum alten Evangelium sei imstande, zu erlösen aus den mtwahren Zuständ.n unserer Zeit. Es seien feine objektiv wahren Zustände, wenn Geistliche, die auf den Glauben an die Bibel verpflichtet sind, gegen diesen Glauben Sturm liefen. Es seien keine wahren Zustande, wenn V' diger bei ihren liturgischen Amtshandlungen die Rolle von Automaten spielten, wenn sie innerlich anders denken, als der Mund eS ausspricht. Wenn die Katholiken der Jungfrau Maria die Krone der Himmelskönigin aufsetzten, so sei das schlimm. Aber toenn man dem Heiland die Krone seiner Gottheit vom Haupte reiße, so sei 5 schlimmer. Man rede so viel von der Fortentwickelung der Religion. Wenn man darunter verstehe, daß aus dem Christentum alles ausgemerzt werden müsse, was mit dem sogenannten modernen Zeitbewußtsein sich nicht verträgt, dann werde von der Religion nickt viel übrig bleiben. Ihm dünke das aber geradezu gotteslästerisch. Die Religion brauche sich nicht fortzuentwickeln, das solle nur die lleligiösität in uns tun.
Pastor Philipps aus Plötzensee, sprach über Evangelium und Toleranz.
Der Staat sei die organisierte Volksgemeinschaft aller Konfessionen, er müsse Toleranz üben. Aber die Kirche brauche das nicht, die Kirche sei nur eine Eemeinsckaft der Gläubigen. Wer nicht gläubig auf dem Boden des alten Evangeliums stehe, habe nichts in der Kirche zu suchen, er möge sich allein eine Kirche gründen. Der Vorsitzende des landeskirchlicken Äusschnsses. Graf Hohen- thal-Dölkau berichtete über die kirchliche Liebesarbeit, und Pastor Bohn, der Vorkämpfer der Berliner Sittlickkeitsbeweaung, hielt einen Vortrag über „Das Evangelium und die Sittlichkeit", wobei er aus führte, der Mensch könne nur dann wahrhaft sittlich fein-, wenn er den Dogmen, glauben sich überzeugungstreu aneigne. Pastor Burkhardt aus Steglitz sprach über das Evangelium in i<er Reichshauptstadt und Hmfprediger a. D. Stöcker vereinigte zuletzt die Anregungen des Abends in einer Schlußansprache.
Tie Hauptversammlung begann gestern Mittwoch morgens 9 Uhr. Nach einem Gebet begrüßte Graf Hohenthal-Dölkau die zahlreich Erschienenen, unter denen sich auch der Vizepräsident des Herrenhauses, Frhr. b. Manteuffel sowie verschiedene Abgeordnete befanden. Den ersten Vortrag hielt Professor Dr. Lüttgert aus Halle a. S. über
Christentum und Theologie.
Heute sei es vielfach Sitte, sich mit dem Bekenntnis zu begnügen: Jesus fei ein Prophet, nicht der Sohn Gottes, aber einer, der die Worte deS Vaters zu uns spricht. Aber es genüge nicht, die positive Theologie dürfe sich nur mit dem Bekenntnis der vollen Gottessohnschaft zufrieden geben. Wer au Jesum glaube, müsse auch an seine Gottheit glauben, denn glauben darf man nur an Gott, »ich! an Menschen. Jesu? sei nicht nur ein, wenn auch mit noch so großer Begeisterung verehrter Religionsstifter, nicht nur ein
„O, aber ich erschrack vorhin sehr, als Suse das Boot so schaukelte," sagte Lieschen mit ihrer lieblichen Stimme. „Es hätte wirklich Umschlagen können."
„Nun, wäre dos kalte Bad in dieser heißen Nacht so übel gewesen? Kurt und ick würden Dich schon unversehrt ans Ufer gebracht haben. Du Närrchen. Was steckst Du Dir denn da ins Haar?"
„Einige Wasserrosen."
„Wirf weg! Die bringen Unglütf."
„Das glaube ich nicht. Sie sehe» ja so rein und weiß aus."
„Aber sie bringen dennoch Unglück. Das ist eine alte Geschichte. Wie kommst Du denn zu den Dingern? Hast Du es wirklich gewagt. Dich so weit über de» Rand des Kahnes zu beugen? Davon habe ich ja gar nichts bemerkt."
„Weil Du eben das Schloß betrachtetest. Doch ich will nicht lügen, Suse, unb mich mit fremden Federn schmücken. Mein Bruder hat mir diese lieben, schneeigen Bluten geschenkt."
„So? Und für mich blieb keine übrig?"
„Da! Ich teile mit Dir."
„Besten Dank! Behalte nur, was Dir bestimmt war," lehnte Susanne schroff ab.
_ „Ich kannte ja Ihre Neigung gegen Wasser- rofen," entschuldigte sich der Assessor mit unbe- fangeiier Heiterkeit: „aber zu kurz kommen sollen Sie dennoch nicht."
Er brach zwei der schönsten Fliederzweige ab und reichte sie ihr. Sie befestigte den einen in ihrem braunroten Haar, den anderen im Gürtel und die kleine Falte zwischen den Brauen verschwand sofort wieder.
,.9kun ist's aber Zeit, heim zu gehen," mahnte der Gutspächter, sich erhebend.
„Ein liebes . und hübsches Mädchen, die Susanne," meinte Waller zu feinem Sohn, als dieser, der Heller und dessen Nichte bis zur Weg
großer Kenner des Willens Gottes, sondern er sei Gott selbst. Jesus sei auch nicht nur Lehrer gewesen, er war ein Mann der Tat. Es gab und gäbe viele Menschen, die Jesus verehren, weil er ’n Genie, weil er eine mächtige Persönlichkeit geworden. Die so tun, trieben, modern gesagt, Heroendienst. Solche Jesusvereb :tg, die doch nur eine Menschenverehrung ist, sei keine Vorstufe der Verehrung Gottes, sondern ihr Gegensatz. Darum: wenn die Verehrung Jesu nicht Anbetung Gottes sei, dann sei sie Sünde. So reiche auch nicht das Bekenntnis hin, daß Jesus Macht hat. Nur das Bekenntnis genüge: er hat schöpferische Allmacht!
Professor Dr. Ecke-Bonn sprach über die moderne Theologie und das evangelische Gemeindeleben. Großen Beifall fand Pastor Wolff aus Frielendorf, der Herausgeber der Hengstenbergi- schen „Kirchenzeitung" mit seinen Ausführungen über die
grundsttirzende Theologie der neuesten Zeit und die kirchlichen Ordnungen und Bekenntnisse. Mit Schmerz müsse festgestellt werden, daß Irrlehren, welche die Grundwahrheiten des Christen- tums leugnen, auf Katheder und Kanzel geduldet würden, wodurch für die Gemeinde eine tiefe Beunruhigung und für die Kirche selbst eine ernste Gefahr entstanden sei. Die grundstürzende Theologie könne weder im christlichen noch im kirchlichen Sinne als bereckttgt anerkannt werden, sie greife den biblischen und bekenntnis- mäßigen Bestand der Landeskirche rücksichtslos an, versuche den Glauben der Gemeinde umzu- stürzen und bilde somit eine Gefahr, bei der es sich um Sein oder Nichtsein der Reformattons- kirche handle. Die kirchlichen Behörden müßten im Falle, daß die Lehre eines Geistlichen dem Bekenntnis der Kirche widerspricht, das Disziplinarverfahren einleiten, ohne den Antrag der Gemeindeorgane abzuwarten. Die Lehrzucht habe auch dann einzutreten, toenn ein Geistlicker zwar nicht auf her Kanzel, aber dock öffentlich feine toiderkirchlicke Ueberzengung aussvricht. An den Vortrag schloß sich eine lange Aussprache, auf die wir aus Gründen des Raummangels nicht näher eingehen können. Zum Schluß wurden folgende zwei
Resolutionen
einftimmig angenommen. Die eine, (A) war von D. Stöcker, die andere (B) vom Ausschuß beantragt worden:
A. 1. Die zum 3. Mai 1905 nach Berlin berufene landeskirchliche Versammlung sicht in U'bereinstimmung mit dem Bekenntnis ihrer Kirche auf dem Boden der göttlichen Offenbarung heiliger Schrift und auf dem Glaubens- grunde der Gottheit Christi, des für ul' gekreuzigten und auferstandenen Heilandes.
2. Mit Schmerz muß festgestellt werden, daß Irrlehren, welche die Grundivahrheiten des Christentums leugnen, auf Katheder und Kanzel geduldet werden, wodurch für die Gemeinde eine tiefe Beunruhigung und für die Kirche selbst eine ernste Gefahr entstanden ist. Dieser Zustand ist in her letzten Zeit dadurch unerträglich geworden, daß die grundstürzende Theologie ihre schriftwidrigen Vermutungen als sickere Ergeb
biegung begleitet hatte, wieder in den Garten trat.
„Q ja, ich bin ihr auch herzlich gut,* entgegnete der Assessor.
„Die wird gewiß dereinst einen Mann glücklich machen."
„Daran zweifle ick nicht."
„Dachtest Du noch nie daran, selbst dieser Mann zu sein?"
„Ich? Nein, wahrhaftig nicht, Papa! Nichts aus der Welt liegt mir ferner," versicherte Kurt und fügte lachend hinzu: „Was bringt Dich auf den drolligen Einfall, aus uns beiden ein Paar machen zu wollen? Wie schon gesagt, ich mag sie herzlich gern leiden, aber mich mit ihr verheiraten? Nein! Meine zukünftige Frau müßte ganz andere Eigenschaften besitzen und in vieler Hinsicht gerade das Gegenteil von Susanne fein. Wünschtest Du sie Dir etwa als Schwiegertochter?"
„Mein Wunsch kann da gar nicht in Betracht kommen. Ick, kenne keine ernstere Sache, als ein Bündnis fürs ganze Leben. Es sollte stets nur auf Grund innigster gegenseitiger Zuneigung geschlossen werden."
„Die Uebereinsttmmung der Charaktere nicht zu vergessen."
„Kleine Gegensätze hatte ich nicht gerade für ein liebel."
„ Zartgefühl, Zurückhaltung unb feinsten Takt möchte ich bei meiner Braut auf keinen Fall ver- missen — daran fehlt es aber eben der Nichte Hellers."
„Der Mann vermag erzieherisch aus das Weib zu wirken."
.. „Mcht auf jedes. Susanne pflegt ihren Stand- pmikt sehr energisch zu vertreten. Sie wird dereinst ihren Gatten beherrschen, nun und nimmermehr aber sich von ihm beherrschen lassen. Ich
nisse geschichtlicher Forschung in die Gemeind« wirft und diese in ihrem Glaubensstand ge fährdet.
B. Die am 3. Mai 1905 in Berlm tagende landeskirchliche Versammlung wählt einen 9TuS< schuß aus ihrer Mitte und beauftragt denselben, auch künftig sich in geeigneter Weise zum Aufbcm der Landeskirche zu betätigen, mit wachsamem Auge alle den Bestand der Landeskirck: gefährdenden Vorgänge auf dem ganzen '"cßide der Oeffentlichkeit zu verfolgen, auf Vorbereitung und Einberufung von Versammlungen bedacht zu fein und zu diesem Behüte sich im Bedarfsfälle durch Zuwahl geeigneter Männer zu erweitern.
Der russisch-japanische Krieg.
Paris, 4. Mai. Im Ministerium des Aeußeren ist man durch Japans erneuerte Beschwerden wegen der Unterstützung russischer Kriegsschiffe besonder« unangenehm berührt, weil diese Reklamationen jenseits des Kanals so ernst genommen werden, als handelte eS sich um einen vereinten englisch-japanischen PrMst. Unter diesen Umständen ist eS begreiflich, Haß König Eduard keine Gelegenheit sucht, Pch über diese brennendste aller politischen Fragen auszusprechen.
London, 3. Mai. Wie die „Morning« post* auS Washington erfährt, hat die britische Regierung an China eine Note gleichen Inhalts wie die der Vereinigten Staaten gerichtet, in welcher die Notwendigkeit der strikten Neutralität Chinas betont wird. China dürfe weder den im Hafen von Schanghai befindlichen russischen Schiffen gestatten, in See zu gehen, noch zugeben, daß die Russen sich chinesischen Gebiets als Operationsbasis bedienen. In diplomatischen Kreisen glaubt man Grund zu der Annahme zü haben, daß die russischen Schiffe in Schanghai entweichen werden, wenn China sie nicht mit Gewalt daran verhindert.
Madrid, 4. Mai. Nach einer Meldung aus Gibraltar hat England Befehl gegeben, unverzüglich 6 Hochseetorpedoboote nach den chinesischen Gewässern abzusenden.
Tokio, 3. Mai. Die Atbe ten zur Hebung der bei Port Arthur und Tschemulpo gesunkenen russischen Schiffe nehmen einen guten Fortgang. Einzelheiten und die Zahl der Schiffe, um die es sich dabei handelt, werden nicht be- kanntgegebrn. Man hält es aber für gewiß, daß die japanische Marineverwaltung sich einige wertvolle Schlachtschiffe sichern wird.
Deutsches Reich.
Berlin, 4. Mai.
— Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin sowie die Prinzen und Gefolge begaben sich gestern Mitttoock Dormittia 8*/» Uhr mit einem Motorboote in die Giardini Pubblici zum Besuche der internationalen Kunstausstellung. Der Besuch dauerte
bin auch nicht derjenige, welcher nachgibt. Du weißt doch: Zwei harte Steine mahlen schlecht."
„Schon toafcr! Möglicherweise hast Du auch bereits gewählt?"
„Nein, Papa! Ich will nicht leugnen, daß ich mich für dieses und jenes hübsche Gesicht interessiert, »".andrem niedlichen Mädchen Fensterpromenade gemacht und mehrmals wirklich Feuer gefangen habe. Es handelte sich aber immer nur um ein ganz ungefährliches Strohfeuer, das ebenso rasch erlosch, wie es aufflackerte."
„Da Dein Herz noch frei ist, wendet es sich doch vielleicht später Susanne zu."
„Bei Gott ist alles möglich," scherzte der Assessor. „Aber wer weiß, ob ich mir dann nicht einen Korb holen würde? Das ist ja, wie es heißt, schon Verschiedenen passiert."
Der Direktor hätte ihn über diesen Punkt beruhigen können, begnügte sich jedoch mit der Erwiderung: „Ich glaube kaum, daß Du so etwas zu befürchten hättest; doch möchte ich weder Dich noch die Nichte meines alten Freundes zu einem raschen Entschluß drängen. Jetzt wollen totr zur Ruhe gehen! Du weißt, ich pflege früh morgens auf meinem Posten zu sein."
„Immer als erster, Papa."
„Wie es demjenigen zukommt, der anderen mit gutem Beispiel voranzugehen bat."
Arm in Arm wanderten beide dem Hause zu.---—
„Nun Suse, wie steht's? Hat er sich erklärt?" fragte Heller, daheim angefommen, seine Nichte, welche vor einen großen Spiegel at und prüfend ihr Bild betrachtete.
„Noch nicht," entgegnete sie kurz.
„Noch nicht? Er läßt sich lange Zeit. Soll ich Dir offen sagen, was ich denke?"
„Nun?"
»Dem Assessor liegt überhaupt nichts an Dir.* (Fortsetzung folgt.).