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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsveilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.

Jti lüi

Vierteljährlicher Bezugspreis, btt der Expedition 2 M., bet allen Postämtern 2,25 Mk. ^excl. Bestellgeld).

JnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Rcclamcn: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Sonntag, 30. April 1905.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Umvcrsitäts-Buchdruckerei 40. Jahrg. Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Erstes Blatt.

Die soziale Republik.

-k-Der Sozialismus kann ohne Republika- nisinus nicht bestehen," erklärte einmal der Ab­geordnete Bebel im Reichstag. Darnach müßte inan annehinen, daß die Republik die beste Staatsfornt wäre; alle Bürger, alle Parteien müßten in ihr wohlzufrieden und glücklich leben.

Blicken wir aber zurück auf die Geschichte der sozialen Republik, so werden wir leicht eines an­deren belehrt. Robert Owen, ein reicher engli­scher Fabrikbesitzer, suchte im Jahre 1823 eine soziale Republik durch Gründung von Hei- matskolonien für seine Arbeiter au errichten. Diese sollten darin gesellschafts- und familien- . weise in völliger Gütergemeinschaft und gleichen Rechten leben. Indessen trotzdem dieser Man» keine Kosten und Mühen gescheut, die Heimatskolonie zu erhalten, mußte er doch er­fahren, daß ein Leben in Gütergemeinschaft und gleichen Rechten so schön auch der Gedanke sein mag bei der Verschiedenartigkeit der Charaktere ganz unmöglich ist. Und Georg Rapp, der Württemberger, ruinierte zu Anfang des 19. Jahrhunderts feine ins L^ben gerufene soziale Republik durch einen elenden Betrug. Er prophezeihete nämlich den Weltuntergang und brachte das Gemeinschaftsvermögen auf listige Weise irt feinen Besitz, ging damit durch und ließ die Getreuen seiner Getneinde in Not und Elend sitzen.

Auch der Republikanismus in unserer Zeit ist dem Sozialismus wenig günstig, nicht einmal dann, lvenn seine Regierung ausgesprochen so­zialdemokratisch ist. Tas hat der Reichskanzler Graf Bülow im Reichstag deutlich. ezeigt, indem er dem sozialdemokratischen Abgeordneten Bebel, welcher das Verhalten der Regierung beim Bergarbeiterstreik im Ruhrgebiet bemängelte, entgegnete:

Ich richte an den Herrn Abgeordneten Bebel die Gegenfrage: wie haben sich denn bei ähn­lichen Anlässen Politiker, die aus der Sozialde­mokratie hervorgegangen sind, verhalten? Wo sie dazu in der Lage waren, sind sie Streiks manu militari entgegengetreten. So haben es in Frankreich Minister gehalten, die vorher der sozialdemokratischen Partei angehörten, so hat es, wenn mein Gedächtnis mich nicht täuscht, der Genosse Wollschläger in Basel gehalten bei dem Maurer-Streik. Auf demJnternatiottalen So- ztalistenkongreß" in Amsterdam sagte der Abge­ordnete Bebel selbst:kein größerer Kampf in den letzten vier Jahren, nicht in Lille, Roubaix, Dlarseille, in Brest und Martinique und noch jüngst in der Normandie gegen streikende Glas­arbeiter, bei dem nicht das Ministerium Waldeck- Nousseau-Millerand und das Ministerium Corn- bes gegen die Arbeiter Militär aufgeboten hat. Im November ist die Pariser Polizei in dec

Schmücke bein Haus und seine Umgebung!

fr , (Schluß.)

Beim Pflanzen von alteren Topföallen ist zu beachten, daß der alte Wurzelfilz stark gelockert werden muß: was mit einem spitzen Holzstäbchen leicht auszuführen ist. Die Neubewurzelung geht danach viel rascher vor sich. Nach dem Bepflanzen der Kästen wird es immer gut sein, die zu starke Sonne etwas zu mildern durch lleberdeckeit der Pflanzen mit Papier.

Starkwüchsige Pflanzen verbrauchen bald den löslichen Nährstoffgehalt der Erde und man muß Lann an einen geeigneten Ersatz derselben durch regelmäßige Düngungen mit flüssigen, sehr sau­ber anwendbaren Nährlösungen denken, z. B. Nährsalz bei Tromm u. a. erhältlich.

Jedoch möge mit der Anwendung beim Gie- ßen der Plauzen vorsichtig verfahren und lieber öfters in kleinen Portionen, als zu viel Nährsalz auf einmal genommen werden, da durch zuviel des Guten leicht Verbrennen der Wurzeln statt- findet.

Für ganze Hausfronten, Veranden und durch mehrere Stockwerke durchgehende Balkons haben die holzartigen harten oder fast harten Gewächse für unsere Zwecke Manche Vorzüge. Man kann mr Lause der Jahre große, weitdeckende Beklei­dungen der hetreffenden auszuschmückenden Bau­teile heranziehen und hat immer bald im Früh­jahr alles begrünt. Das gilt besonders auch für Balkons usw. an der Nordseite eines Gebäudes, wo man oft auf einen reichen Blumenschmuck ver­zichten muß und froh ist, etwas Grünes zu ha­ben (wilden Wein, Epheu usw.) Bei solcher Be­pflanzung ist auch die Ueberwinteruva zu be­denken, die aber im allgemeinen keine übermäßi­gen Schwierigkeiten macht.

Die bei uns in den Gärten Winterhärten Ge­wächse können meist auf dem Standorte verblei­

schamlosesten und gewalttätigsten Weise in die Pariser Arbeiterbörse eingebrochen und hat 70 Arbeiter verwundet, niedergeknüppelt, tmd da hat ein Teil unserer sozialistischen Freunde in der Kammer nicht für die Bestrafung des Poli- zeeipräfekten gesummt. . ."

Ich verhalte mich ganz objektiv gegenüber den Vorgängen in anderen Landern, aber ich richte an den Abgeordneten Bebel die Frage, mit welchem Recht er da gegen die preußische Regie­rung zu Felde zieht, die gegenüber dem Aus­stande von 200 000 Arbeitern nicht einen einzi­gen Soldaten auf die Beine gebracht hat. Als in der belgischen Kammer der belgische Kohlen­arbeiterstreik zur Debatte stand, baten die beiden sozialistischen Vertreter von Lüttich, die belgische Regierung möge gegenüber dem belgisckRn Streik eine ebenso gerechte und sachliche Haltung ein- nchmen, wie es die preußische Regierung wäh­rend des Bergarbeiterstreiks im Ruhrrevier ge­tan hätte. Gehen Sie, Herr Bebel, bei ihren belgischen Genossen in die Lehre, oder brechen Sie endlich mit den verknöcherten Anschauun- gen . .

Der Arbeiterschaft ist also in der Republik noch niemals Heil widerfahren, vielmehr finden gerade die Arbeiter eine nachdrückliche Vertretung ihrer Interessen in der Monarchie. Möchte doch jeder Arbeiter zu der Einsicht kommen, daß nicht die Republik, sondent die verfassungsmäßige Mo­narchie der Hort ist zur Förderung seines Stan­des. Kein Land und vornehmlich keine sozia­listische Republik hat eine so große Zahl von Ar- beiterschutzgesehen aufzuweisen, wie unser Vater­land. Wir verdanken diese Errungenschaften le­diglich i . Initiative Kaiser Wilhelms I. Darum ist c5 geradezu eine Ehrenpflicht der Arbeiter, sich durch reichs- und kaisertreue Gesinnung aus- zuzeichnen. Das können sie ober nur, wenn sie sich von ter vaterlandslosen und reichs- und- nigsfeindlichen Sozialdemokratie losreißen und eine Vertretung ihrer Interessen auf nationaler Grundlage suchen.Wählen Sie Männer aus Ihrer Mitte, einfache Arbeiter, wir wollen sie anhören und mit ihnen verhandeln, wählen Sie aber keinen Sozialdemokraten," hat unser Kai­ser einmal zu einer Arbeiterdeputatiotr gesagt. Alle Arbeiter sollten diese Worte beherzigen, um­somehr, als sie damit am besten ihren Interessen und ihrem Stande dienen können.

UmfdmiL

D i e neue Felduniform für das deutsche Heer

schildert ein Berliner Mitarbeiter desHamb. Korr." folgendermaßen:

Nicht leichten Herzens hat sich die oberste Leitung der Armee zu Versuchen mit einer neuen Feldbekleidnng entschlossen, die in letzter Linie zur Abschaffung der farbenprächtige.. Uniform führen könnten, jener Zier des wehrhaften Krie­gers, die durch ihreit Glanz seit Jahrhunderten

ben und werden dann gegen das Ausfrieren der Erde geschützt durch darübergebreitete Bast oder Strohdecken. Empiindlichere Gewächse überwin­tern sicherer im Keller oder in einem srostfreien Raume. Das. Gedeihen ist üppiger, wenn man jedes Frühjahr die leicht abhebbare obere Erde durch frische ersetzt und im Sommer, gelegentlich auch dünat. Atarkwüchsige Arten, wie z. B. der Wilde Wein, müssen im Frühjahr auf etwa "V-z Meter bis 1 Meter lange Triebe zurückreschnitten werden: das trockene Holz muß auf alle Fälle herausgeschnitten werden.

Die Wahl der Pflanzen hängt davon ab, ob der Platz windgeschützt genug ist. uni mit zarten krautartigen Pflanzen kommen zu dürfen. Im anderen Falle, wie an der Nordseite und Wetter­seite von Gebäuden^ wird man sich mit hartblät­terigen, holzartigen Gewächsen, wie Epheu, wil­der Wein. Immergrün, begnügen.

Für eine einigermaßen geschützte Lage steht eine sehr viel reichere Auswahl zur Verfügung. Ost- und Westseite des Gebäudes sind meist die besten für die Pflanzenpflege, da hier die Sonne nicht allzu sehr brennen kann; aber auch auf der Südseite sind schöne Erfolge möglich, wenn für. einige Beschattung in den Mittagsstunden, be­sonders so lange die Pflanzen noch jung und nicht angewachsen sind, und für geitügetide Feuch­tigkeit gesorgt werden kann.

Nach außen hin wirkt am Schönsten eine tep­pichartige Vom Balkon herabhängende Pflanzen­bekleidung. wie sie sich von selbst bildet, wenn man Schling- und Ampelpflanzen verwendet und ie nicht weiter aufbindet, föndern sie wachsen faßt, wie das Licht sie lockt.

Im Nachfolgenden wird tttn eine Liste von Hänge- und Schlingpflanzen gegeben, die durch­aus nicht alles, enthält, was geeignet ist. Es ist ja überhaupt nicht gesagt, daß man nur hängende oder rankende Gewächse verwenden dürfte. Im allgemeinen aber erreicht man mit diesen am schnellsten die gewünschten Absichten, nämlich

die Augen von alt und jung und nicht zum min­desten das des Soldaten selber erfreut. Man ist nunmehr aus dem Stadium der Erwägungen und Vorversuche in das der praktischen Erpro­bung eingetreten, und zwar ist die neue Feld- uniform versuchsweise bei drei Bataillonen ein- geführt: beim Lehrinfanterie-Bataillon zu Pots­dam, bei einem Bataillon des Grenadier-Regi­ments Nr. 3 in Königsberg und bei einem Ba­taillon des Infanterie-Regiments Nr. 145 zu Metz. Die wichtigste Aenderung ist die Wahl der grauen Farbe für die Röcke und die Beinkleider, und zwar genau derselben, die uns schon von den Mannschaftsmänteln her bekannt ist. Der Ge­danke lag ja nahe, die graugrüne Kleidung zu wählen, in die die Jäger zu Pferde gekleidet sind; aber ~bie bisher auch von einzelnen größeren Tuchfabriken angestellten Versuche haben, merk­würdigerweise ergeben, daß die Farbenmischung sogar auf grünen Stetfern und Wiesen sich deut­licher abhebt als das einfache Nebelgrau. , Der Schnitt der Beinkleider ist der frühere geblieben. Der Rotf hat zwar die gleiche Länge behalten, wie der bisherige, aber er ist in der Taille weiter gearbeitet und kann durch eine innen angebrachte Schnürvorrichtung je nach Bedarf enger ober weiter gemacht werden. Das Militärische der Erscheinung leidet durch die Neuerung nicht im geringsten, wie man das vielfach befürc/et; eben­sowenig fällt es dem geübteren Auge auf, daß der Stehkragen, um dem Halse mehr Freiheit zu lassen, um Vz Zentimeter niedriger gehalten ist als bisher. Die Kragen- und Aermelaufschläge Tressen und Hosenbisen sind unverändert ge­blieben und heben sich ebenfo wirksam von dem grauen Stoff ab wie vom blauen -rimen Tuch. Diese aus militärischen Gründen unentbehrlichen Merkmale, die zusammen eine asthetisch-wirkungs- volle Zierde darstellen, konnten zum Glück bei- behalten werden, weil es einfach ausgeschlossen ist, daß sie auf Entfemungeit über 300 Meter etwa das Zielen des Gegners erleichterten; 600 Meter sind aber erst als mittlere Feuerentfer­nung anzusehen. Auch die blanken Knöpfe sind nicht verschwunden; sie werden aber im Felde durch eine Deckleiste von Tuch verdeckt, wie sie auch bei Zivilpaletots und Ueberrötfen üblich ist. Im Frieden werden sie aber, durch di" Knopf­löcher der Leiste durchgeknöpft, sichtbar getragen. Eine sehr praktische Steuerung ist die Anbringung von seitlichen Tragehaken, auf denen '.e Koppel und das Gewicht der daran befestigten schweren Patronentasche, des Seitengewehrs und des Schanzzeuges, die Hüften entlastend, ruht. Die Haken sind zum jederzeitigen Herausnehmen ein­gerichtet. Auch die neuen Seitentaschen im Rock werden zweifellos den Beifall unserer Soldaten finden. Die Mützen sind vorläufig unverändert geblieben, und insbesondere denkt nkmonb da­ran, an Stelle des bewährten und erprobten Lederhelms etwas anderes zu setzen.

Die Flotte der Großmächte.

Eine soeben dem englischen Parlament zu­gegangene Denkschrift gibt folgende Zufammen-

einen mit Blüten und Grün bekränzten Balkon. Die einfachsten Mittel sind die besten: Kapuziner­kresse, Feuerbohne, wohlriechende Wicke und Pe­tunie leisten am meisten und wirken farbig am schönsten. Aber dec Liebhaber wünscht .ibwechs- (ung und die läßt sich billig und leicht beschaffen.

SeEllt a>w Samen heranziehen kann man h°, Ansinat um Ansano Mai an Ort und Stelle: Phaseolus multiflorus, Feuerbohne, Lathyrns odora- tus, wohlriechende Platterbse, Tropaeolnm Lobbia- num, Kapuzinerkresse, Tropaeolum majus, Kapu­zinerkresse

BeimHandelsgältncr in kleinen Tövl-nzu laustn, außer obengenannten: Pelargonium peltatum, ebben- blättrige Pelargonie. Cobaea scandens, Petunia hybrida, einfach blühend, Ipomoea purpurea, Tmchterwinde, Eccremocarpus scaber, Humulus japonicus, Muntblättriger Hopsen

Für den Liebhaber von Seltenheiten: Cardios- permum hirsutum, Balkonpflanze, Mina lobata, Momordica Elaterium, Spritzgurke, Sicyos angulata, Haargurke, Pilogyne suavis, Mikanta scandens buntblSttriger Sommerepheu. Solanum Jasminoides.

Ausdauernde, holzartige Gewächse: für exponierte Lagen: Ampelopsis hederacea, wilder Mein. Ampelopsis Veitchii, ielbstlletternd, Evonymus radicans, Hedera Helix, Epheu in verschiedenen Blattformen, Actinidia polygama.

Für geschütztere Lagen durch schöne Blüten oder Belaubung ausgezeichnet: Lonicera brachypoda aureo- reticulata, Lonicera fuchsioides, Ieläng-.rj°liet>er, RosaTurners Crimson Rambler d> Polygonum baldschuanicum, Clematis vital ba, weißblühende Waldrebe. Clematis viticella, purpurblühende Wald­rebe, Clematis hybrida, blau bis weiß.

(Nachdruck berboicn.)

Das erste Semester.

Skizze von D. Mannberger (Frankfurt c. M.)

Tauchst du wieder einmal vor mir auf du köstlichste Zeit meines Lebens? Verwischt und vergessen ist so manches, was des gereiften Man­nes Herz in früheren Jahren erfreut und ent­zückt, verwunden und vernarbt mancher herbe

stellung über die Größenverhaltnisse bet Krieg» flotten der 7 maritimen Großmächte. Groß­britannien besitzt 59 fertige und 9 im Bau be­griffene Linienschiffe, Deutschland 29 und 8, Frankreich 30 und 6, Rußland 19 und 8, Italien 16 und 4, die Vereinigten Staaten 13 und 13 Japan 6 und 2. An Kreuzern sind vorhanden in Großbritannien 111 fertig und 20 im Bau befindlich, in Deutschland 29 und 8, in Frankreich 37 und 8, in Rußland 19 und 8, in Italien 25 und 4, in den Vereinigten Staaten 35 und 9, in Japan 34. In der Torpedoklafle besitzt Eng­land 219 Torpedoboote und Zerstörer. Frankreich 269, Deutschland 121, Rußland 202, Jtalieq 151, die Vereinigten Staaten 51 und Japan 105 Fahrzeuge. Endlich besitzt England 17 fer­tige und 23 im Bau befindliche Unterseeboote, Frankreich 37 und 32, Rußland 13 und 14, dir Vereinigten Staaten 8 und 4, Deutschland nur je 1

So wenig diese Zusammenstellung, die doch im wesentlichen auf Mutmaßungen und einem nicht in jebem Falle kontrolierbaren Nachrichten- material beruht, auf Vollstänbiakeit und Zuver­lässigkeit Anspruch erheben kann, so läßt sie doch ein Moment mit völliger Sicherheit erkennen: die gewaltige Ueberleaenheit der britischen Kriegsflotte an Linienschiffen und Kreuzern. Schließt man die in Bau begriffenen Fahrzeug« dieser beiden Gattungen in bett einzelnen Floh tenbeftänbe ein, so ergibt sich für Großbritannien die enorme Zahl von 68 Linienschiffen unb 131 Kreuzern, insgesamt 199 Schlachtschiffen erster Ordnung. An Linienschiffen können nur Deutsch­land (37) unb Frankreich (36) wenig mehr all die Hälfte ber englischen Fahrzeuge von gleichem Typ aufbriugett. Um der englischen Kreuzer- flotte annähernd gewachsen zu sein, müßten sich Deutschland (37). Frankreich (65) unb Italien (29) ober Deutschland, Italien und die Vereinig- ten Staaten (44) zusammentuu. Hinsichtlich der Kleinschiff-Flotte wird England nur von Frank­reich übertroffen, das von jeher den Bau von Torpedo- und Unterseeboten stark forciert bat; indessen bleiben alle übrigen Seemächte mit der Zahl ihrer Torpedofahrzeuge und Unterseeboote weit hinter den Beständen der englischen Flotte zurück. Nach dem übereinstimmenden Urteil aller maritimen Praktiker liegt die Entscheidung in einem modernen Seekrieg bei den Linienschiffen und Kreuzern: unter diesem Gesichtspunkte ist, wie die Tabelle der englischen Denkschrift zeigt, England so bedeutend überlegen, daß, wenn mau von einer Kombination Deutschland Frankreich abfiebt, die völlig außer dem Bereich der Möglich­keit liegt, der seit 1900 in England proklamierte Drei-Möchte-Sfanbvunkt tatsächlich burtfigefübrl erscheint, denn um den britischen schweren Schlachtschiffen eine einigermaßen ebenbürtige Flotte entgegenzustellen, müßten Deutschland, Italien und die norbamerikanische Urton ihre Bestände an Linienschiffen und Kreuzern ber­einigen.

Schlag, den das Schicksal schlug, du aber, mit deinen kleinen Leiden und Freuden stehst wieder in unverblichener Farbenpracht vor meinem Auge, btt goldenes erstes Semester!

Gott was war man noch so dumm als man vom Pennal kam! Noch hingen einem die mah­nenden Abschiebsworte des Direktors, die weisen Ratschläge von Vater und Mutter nach, als man endlich einzog in die langersehnten Gefilde aka­demischer Freiheit. Ja, war denn das noch die­selbe Suff, die man atmete wie früher? Nein, die dumpfe Lust der Schulstube unb Vaterstadt war geschwunden, und die man hier atmete, schien in eitel balsamische Rosendüfte getaucht zu fein. Unb was es alles zu schauen gab! Schon am Bahnhof, da stiegen sie auf unb ab, bi. vergüt- terten Herren der Musenstadt, die Couleurstuden­ten. Wie sie einen musterten. Ja, seht nur, ich bin nun < uch Student, kommt nur her, ich lasse mich gernanbauen". Unb dann ber erste Gan? durch die Stadt. Ei, gab's da viele schöne Mäd­chen und alle sahen so freundlich drein unb lä­chelten so kokett, o, wie war bas fein.

Aber schon traten auch die ersten Soraen an einen heran. Eine Bude suchen! Noch klangen des Vaters ernste Worte im Ohr:Daß Du mir in ein a ständiges Viertel ziehst!" unb das hoch- geschwellfe Freiheitsgefiihl hatte eine derartige Lust und Liebe zur freien Natur geweckt, daß man sich nicht erst in den traditionellen Straßen nach den Buben "wsah, wo schon Jahrzehntelang nur akabernische Bürger hausten unb deren Wir­tinnen so trefflich ans die Burschensitten und Un­sitten eingeschossen sind, nein, man tobte hinaus an die äußerste Grenze, wo sich die Vorgärten schon stark dem freien Felde nähern. Hier erstand man bann für teures Geld einen Ban" O, waA mar man doch ba noch so töricht! Was fiel einem schon nach wenigen Wochen ber weife Weg in bil Stadt so schwer und wieviel schwerer oft bei Heimweg.