mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Zlluftrirtes Sonntagsblatt.
, J2 100
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Jnserttonsgebühr: die gespaltene Zeile ober deren Raum 10 Pfg, Reelamen: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Sonnabend, 29. April 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug.Koch, UnwersitätS-Buchdruckerei
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
40. Jahrg.
Neueste Telegramme.
Berlin, 28. April., In der nächsten Woche wird der Bundesrat feine Bollsttzungen wieder aufnehmen. Bis dahin werden auch die Staatssekretäre und die preußischen Minister, die einen Osterurlaub antraten, nach Berlin zurück- kehren.
Halle, 27. April. Unter dem Vorsitz des Prpfessors„Gkcheimrat Kahl-Berlin trat heute vormittag bei starker Beteiligung im Stadt- schützenhauS die landeskirchliche Konferenz zwecks Gründung einer kirchlichen Mittelpartei zusammen. (S. unter Deutsches Reich.)
München, 28. April. Eine sehr gute Anordnung hat der Kultusminister getroffen. Nach einer Meldung der Münchener .Post" wies er die technische Hochschule an, bisher in München nicht immatrikulierte Russen nicht aufzunehmen, um einer lebhaften Frequenz durch russische Studierende infolge der Schließung der russischen Hochschulen vorzubeugen.
Paris, 27. April. Eine Note der „Agence HavaS" besagt: Wir find ermächtigt zu erklären, daß kein neuer Zwischenfall im Verlaitfe der zwischen Paris und Berlin wegen Marokko« -begonnenen Besprechung eingetreten ist. Die Regierung hat keinen Zeitungsartikel inspiriert !und hat weder direkt noch indirekt irgend einem Blatte eine Mitteilung gemacht.
, Stockholm, 27. April. Der Reichstag be- willigte in gemeinsamer Abstimmung mit 193 gegen 165 Stimmen 4914900 Kronen für den Bau von Kriegsschiffen. Die Dttnderheit stimmte für eine Bewilligung 5420900 Kronen.
Bukarest, 27. April. Die Ratifikationsurkunden des Zusatzvertrages vom 8. Oktober 1904 zum deutsch-rumänischen Handels-, Zoll- und Schiffahrtsvertrage vom 21. Oktober 1893 wurden heute hier ausgewechselt. Die Wirksamkeit des Vertrages beginnt am 1. März 1906.
Konftauttuopel, 26. April. Der Sultan fpendets zum Bau einer Moschee in der Hauptstadt Abeffyniens 100000 Francs und verlieh dem Chef der hier weilenden abeflhnischen Mission die Paschawürde. — Der König von Sachsen übersandte dem Sultan die Insignien des höchsten sächsischen Ordens.
Kapstadt, 27. April. (Reuter.) In Hinsicht darauf, daß die Hafenbehörden und die Regierung beabsichtigen, die Ausgaben für die öffentlichen Arbeiten einzuschränken, ist die Lage der Arbeitslosen sehr enift geworden. Zahlreiche Handlungsgehilfen sind beschäftigungslos. Die einflußreichsten Kaufleute raten von der Einwanderung von Europa ab.
Schanghai, 27. April. („Frkf. Ztg.") Der englische Vangtße-Dampfer „Puenwo" ist unterhalb Chinkiang aufgebrannt. Die Besatzung und über 300 Passagiere sind angeblich alle gerettet und heute mit dem deutschen Pangtße-
3 (Nachdruck verboten.),
Schatten der Vergangenheit.
* Roman von ö. Corontz.
(Fortsetzung.)
„Lummkopf, geh' hinaus!" fichr der Baron t>cn Diener heftig an. „Wir werden uns selbst bedienen!" Und zu Walter gewendet fuhr er fort: „Der Mensch ist ebenso dumm, wie er lang ist. Ich könnte mit leichter Mühe einen intelligenteren finden, aber Josef hat gute und seltene Eigenschaften. Treu wie Gold, stark wie ein Niese, würde er's als Pflicht und Schuldigkeit betrachten, mich gegen jede Gefahr, jeden Angriff zu verteidigen. Solche Leute sind heutzutage fetten und deshalb behalte ich ihn — wirklich nur deshalb, denn seine Albernheit könnte oft den Sanftmütigsten zur Raserei bringen!"
„Verläßlich sind die VantenS alle. Josefs prüder werden seit Jahren in unserer s^brik ^beschäftigt. Es sind lauter ehrliche, dankbare, gute Menschen'"
„Tie Gutmütigkeit wird zur Dummbeit, .wenn sie zu weit geht. Josef kann und will durchaus .ton niemand etwas Schlechtes glauben. Des- jhatb wird er auch von allen Seiten Belogen und betrogen. Statt, daß er sich Respekt verschafft, tanzen ihm die Leute auf der Nase herum. Man mißbraucht seine Harmlosiakeit. Das hat ihm schon manchen scharfen Tadel von mir zugezogen, aber was hilft's? Er bleibt immer derselbe leichtgläubige Tor."
.Ja, der Josef hat ein wahres Kindergemüt," Mtb Walter lächelnd zu. „Um so mehr dürfen Die aber auch von seiner Ergebenheft und Pflichttreue überzeugt sein. Was Sie vorhin von der Möglichkeit^ einer Ihnen drohenden Gefahr er- bahnten, Herr Baron, ist Mr mwerständlich.
Dampfer .Suian" in Schanghai fällig. — Beim Verlassen des Dampfers „Pvenwo" sind etwa 40 Chinesen ertrunken.
Schlagworte.
Die „Freie Deutsche Presse" '(„Freisinnige Zeitung") hat in diesen stosfarmen Tagen in dem vor zwei Jahren herausgegebenen Ratgeber für die Konservativen im Deutscheit Reiche (Verlag von Reimar Hobbing in Berlin) geblättert, ist aber nicht über die ersten Seiten hinausgekom- mm. Da ist dem Organ der Freisinnigen Volks- Partei gleich anfangs die Frage in die Augen gestochen: „Was ist konservativ?" Auf diese Frage wird in dem erwähnten Ratgeber eine ganze Reihe von Antworten erteilt; aber nur die erste davon hat die Beachtung des freisinnigen Blattes gefunden; nämlich diese: „Konservativ ist kein Schlagwort. Konfervaftv ist es nicht, mit Schlag- Worten zu kämpfen."
Warum soll es denn nicht konservaftv sein, so fragt die „Freie Deutsche Presse" erstaunt, mit Schlagworten zu kämpfen? Die Schlagworte könne keine Partei entbehren, sie seien gut und nützlich im Kampfe, weil sie in knapper und gemeinverständlicher Formulierung eine bestimmte Parteiforderung aus drücken. Wir glauben ja ganz gern, daß für die demokraftschen Agitatoren em besftmmter Vorrat von demagogischen Schlagworten das beste, manchmal auch das einzige Kampfmittel sei, namentlich wenn Ueberzeugungs- gründe fehlen und wenn es heikel ist, sich auf das fachliche Gebiet zu begeben. Aber im konservativen Lager hat man von jeher die stumpfsinnigen Schlagwörter, durch die tatsächlich die große Masse nur betört werden soll, gemieden; denn der politische Kampf ist doch dazu da, die Mei- nungen zu klären und nicht zu verwirren, die Wähler zu überzeugm und nicht sie zu lmpnoti- fieren.
Offenbar aber weiß, so schreibt die „Kons. Korresp.", die „Freie Deutsche Presse" gar nicht, was eigentlich ein Schlagwort ist. Sie wirft den Konservativen vor, mit Schlagwonen zu wirtschaften; so weit sie aber „auf die Geschichte der Polittschen Kämpfe" zurückgeht, findet sie doch nur einige wenige Leitsätze oder programmattsche Bezeichnungen, die sie für Schlagworte ausgibi, die aber tatsächlich keine solche sind. So bezeichnet das Blatt folgende konservative Aussprüche und Grundsätze kühnlich als Schlagworte: „Mit Gott für Kaiser und Reich, Fürst und Vater- land! „Dem Volke muß die Religion erhalten werden!", „Hat der Bauer Geld, 'fo hat's die ganze,Welt!" Ferner meint das freisinnige Or- gan, tn folgenden Aussprüchen Schlagworte erblicken zu können: „Autorität, nicht Majorität!", „Schutz der nationalen Arbeit!", „Nationale Wirtschaftspolitik!", „Praktisches Christentum!" Mehr aber hat es an „konservativen Schlagworten" nicht finden können, denn die paar Schlagworte, die es sonst noch anführt, sind nicht konservativer Herkunft, wie ja auch der Ausspruch von dem Bauer, der Geld haben soll, damit die Welt es habe, ein altes landläufiges Sprichwort ist und das andere Wort von der Erhaltung der
Wie hätten Sie auf diesem friedlichen Fleckchen Erde eine solche zu fürchten?"
„Je nun —- man kann nie wissen. Wie Ihnen Bekannt, war ich dereinst ein ziemlich imbemittel- ter Edelmann und ein reicher, unverheirateter Vetter ernannte mich nur unter der Bedingung zu seinem Universalerben, daß ich bleibenden Wohnsitz auf Schloß Horbell nähme. Von dieser Verpflichtung Befreit mich nichts; aber j.desmal, wenn ich hier eintrete, ist es mir. als schwebe mir etwas unheimliches und ungreifbares voran und ich bilde mir ein, daß es der Tod ist — ein häßlicher, gewaltsamer Tod. Lächerliche Einbildung natürlich, höchst lächerlich!"
„Wie ist es möglich, daß Sie sich von ihr Be- herrichen lassen?" fragte der Fabrikdirektor erstaunt.
„Du lieber Himmel, die Nerven! Nur die Nerven sind es, die mich auf so verrückte Ge- danken bringen! Aber wie schon gesagt, ich hasse das schloß und beziehe es stets mit Widerwillen. Seme eimame Lage, die lange Reihe von Ge- machern, welche säinttich wie ausigestorben scheinen —"
„Weil Sie _ selbst die ganze Dienerschaft, mit Ausnahme ^wefs, in das Hintergebäude verbannt haben, Herr von Dunois."
„Soll ich mir etwa ein Heer bezahlter Feinde auf den Hals laden? Ich traue keinem von 'diesen Faullenzern und Tagedieben, die eben ein notwendiges liebel sind. Aber nicht davon und auch nicht von meinen Nerven wollte ich sprechen, sondern mir den ersten Abend aus Horbell so gemütlich und angenehm wie möglich machen." Er erhob sein Glas. „Auf Fortbestehen unserer guten, nachbarlichen Beziehungen!"-
. „Möge nichts auf der Welt Sie jemals trüben!"
Religion für das Volk vom großen Kaiser Wilhelm stammt.
In Wirklichkeit ist also die Ausbeute der „Freien Deutschen Presse" an konservattven Schlagwörtern gleich Null; denn der konservative Wahlspruch: „Mit Gott für König und Vaterland!" kann wohl kein bernunftiger Mensch als Schlagwort ansehen. Wie anders aber sieht es inbezug hierauf in den Reihen der demokratischen Linken aus. Dort werden ganze Mengen von Schlagworten, von wirklichen Schlagworten de- ina^ogischer Art, geprägt und statt sachlicher Gründe, im politischen Kampfe benutzt. Wir nennen in bunter Reihe, wie sie uns eben inS Gedächtnis kommen, die folgenden: Reaktionäre, Junker, Agrarier, Brotwucherer, Scharfmacher, Liebesgabenempfäiiger, Kanalrebellen, Jasager, Fronde, Kopfnicker, Schleppenträger des Zentrums, Beutepolittker, Militarismus usw. usw.
Das sind Schlagworte, die von der Linken angewandt werden, um von vornherein die politischen Gegner mit einem Stigma zu behaften, um sie in den Augen der Wähler herabzusetzen und um Bern Kampfe mit ehrlichen Waffen, mit sachlichen Ausführungen, zu entgehen. Die „Freie Deutsche Presse" wird kaum imstande sein die Unentbehrlichkeit auch nur eines derartigen Schlagworte im Polittschen Kampfe darzutun, sie wird auch keinesfalls behaupten können, die Schlagworte drückten „in knapper und gemein- verständlicher Formulierung eine besttmmte Parteiforderung aus." Diese Schlagworte sind vielmehr ausschließlich zu dem Zwecke geprägt, die Gegner oder die Regierung oder besttmmte Gesetzesvorlagen von vornherein zu verunglimpfen. Freilich ist die Linke der Ueberzeugung, daß solche Schlagworte „gut und nützlich im Kampfe" seien, sonst würde sie sich wohl nicht so große Mühe geben, immer wieder neuen Vorrat zu erfinden und den alten Bestand bei jeder Gelegenheit neu aufzufrischen.
Konservativ ist es aber jedenfalls nicht, in Biefer Weise zu kämpfen; ob es spezifisch freisinnig sei, wird uns das volksparteilich: Organ wohl gelegentlich einmal betraten. Dock um uns keiner Ungenauigkeit schuldig zu machen, wollen wir noch die angeblichen Schlagworte verzeichnen, die tue „Freie deutsche Presse" als Beweis dafür aufzählt, daß die Konservativen auch in jüngster Zeit noch Schlagwörter zum Gebrauch heran- ziehen. Nämlich folgende: bon dem „zersetzenden Einfluß des Judentums" (das ist bekanntlich nur die Konstatternng einer Tatsache, die schon Mommsen in seiner römischen Geschichte erwähnt bat), dann „Schutz des Mittelstandes", „Schutz des Handwerks", „Schutz der Ostmarken", „Börsenschwindel", „Bauschwindel", „Seuchengefahr". Das sollen Schlagworte. fein, deren Hohlheit zu erkennen fei, durch die aber konserbatwerseits die wahren Wünsche und Interessen berborgen Serben sollen. Die Forderungen des Schutzes für Handwerk, Mittelstand und Deutschtum in den Ostmarken sind alte fonferbatibe Programmforderungen und gehören in keiner Weise in das Gebiet der Schlagworte. Was aber die Hinweise auf Börsen-, Bau- und anderen Schwindel betrifft, so sind diese sachlich so oft und so eingehend begründet worden, daß man in dieser 59e-
„Wie geht es Ihrem Herrn Bruder?"
«Er ist leider ein kranker Manu, Herr Baron."
„Vermutlich werden Sie 'die Fabrik später gänzlich übernehmen, da der ältere Sohn des Kommerzienrates Offizier ist und der jüngere Landwirtschaft studiert."
„Nein, Ernst beabsichtigt, die Fabrik zu ber- faufen oder vielleicht gegen ein großes, ertragsfähiges Gut oder einen vornehmen Landsitz einzutauschen. Er bat viel gearbeitet und sich bon den kleinsten Anfängen emporgebracht, darum ist ihm ein schöner, ruhiger Lebensabend zu gönnen."
„Aber Sie? Müßte Ihnen nicht endlich der Lohn jahrelanger, aufopfernder Arbeit zu teil werden?"
„Das ist geschehen, Herr von Dunois. Ich berdanke meinem Bruder viel ober richtiger gefegt alles; ich habe mich stets außerordentlich glücklich und zufrieden in meinem mir von ihm geschaffenen Wirkungskreis gefühlt."
^Jn welchem Sie höchst segensreich walteten. Man darf wohl behaupten, daß das rasche und kräftige Emvorblühen der Fabrik hauptsächlich Ihrer praktischen und gewissenhaften Tätigkeit zuzuschreiben ist."
„Das hieße mir eine zu große Ehre antun. Ich blieb immer nur das Werkzeug, die aus- führende Hand. Alle leitenden Gedanken und Entschlüsse kamen von Ernst."
„Gegen Ihre Bescheidenheit zu Felde zu ziehen, ist freilich ein nutzloses Beginnen. Aber trinken Sie aus, lieber Direktor! Der Sekt macht luftig."
„Dessen bedarf es bei mir nicht, Herr Baron'. Ich Befinde mich auch ohnedies in bester Laune," lehnte Walter scherzend ab.
ziehung von Schlagworten nicht sprechen kann; auch hier handelt es sich um Tatsachen und MN um Tatsachen.
Der russisch-japanische Krieg.
Die letzten Telegramme über
dir Flotte «oscheßwenski
lassen vermuten, daß der russische Admiral mit großer Geschicklichkeit und Vorsicht auf dem Seekriegsschauplatz operiert. So unverständlich es klingt, daß RoschestwenLki feine Streitkräfte angesichts des ihn sicherlich sehr genau beobachtenden Feindes geteilt haben sollte, deuten doch die aus den indochinesischen Häfen ein- laufenden Meldungen andauernd aus eine solche Zersplitterung hin. Einigermaßen erklärt würde eine so bedenkliche Maßregel nur durch da« Bestreben, mittelst vorübergehenden „Getrenntmarschierens" den Feind zu täuschen und unter dem Schutze solcher Manöver, die vielleicht nur die Absicht des Verweilens in den französischen Gewässern verschleiern sollen, das bereits in der Nähe der Malakkastraße befindliche 3. Geschwader NebogatowS abzuwarten. Aus den verschiedenen Anzeichen geht hervor, daß Admiral Roschest- wenski seine Flotte nicht nur geteilt hat, sondern die einzelne Teile, vermutlich feine als Vor- und Nachhut dienenden Kreuzer in großen Kreisen auSschwärmen läßt, um den Kern der Schlacht- flotte und die Transporte vor Ueberraschungen zu sichern. Der Aufenthalt dieses Kerns bleibt dadurch nach wie vor mit einer Geschicklichkeit verschleiert, die dem Führungsvermögen bei russischen Admirals alle Ehre macht.
Dem ,B. L.-A." wird aus London telegraphiert: Während in Tokio anscheinend noch an eine Vereinigung RoschestwenskiS mit Nebo- gatow in den Gewässern von Hainau geglaubt wird, deuten alle anderen Meldungen darauf hin, daß das Gros der Hauptflotte von der Kamranh - Bucht zunächst wieder südwärts gedampft ist, um das dritte Geschwader unter Nebogatow bei Batavia zu treffen. Tie Tatsache jedoch, daß, wie der Daily Mail aus Hongkong telegraphiert wird, das Kabel zwischen der Insel Hainan und dem chinesischen Festlande zerschnitten worden ist, wird hier so ausgelegt^ daß Roschestwenski einige seiner Schiffe nordwärts detachiert hat, um diese Zerschneidung vorzunehmen. Hierin wiederum wird ein Beweis dafür erblickt, daß der russische Admiral in der Tat nach der Vereinigung der Gesamtflotte die chinesische Insel Hainau unbeirrt von Neutralitätsbedenken als Basis für die bevorstehende Schlacht zu benutzen gedenkt und sich durch die Zerstörung der telegraphischen Verbindung mit Kanton eine unbequeme Berichterstattung der Jnselbehörden an die chinesische Regierung vom Leibe halten will.
Tokio, 27. April. (Reuter.) Die Ver- teidigungspläne der Japaner gegen den Asmiral
„Das ist wahr. Von Ihrem Ueberfluß sonniger Heiterkeit könnten Sie mir Pessimisten etwas abgeben."
„Herzlich gern täte ich es! Aber Herr von Dunois, es liegt ja in Ihrer eigenen Macht, sich das Leben angenehm zu gestalten, Lust und Freude ringsumher zu verbreiten und dem Aufenthalt in diesem Schlosse alles düstere zu nehmen. Wenn Sie nur wollten —"
„Nun gut, ich will! Und jetzt sollen Sie eine grobe Neuigkeit hören: Meine Tochter trifft in vierzehn Tagen hier ein!"
„Baronesse Viktoria — die feit ihrem zehnten Jahre bei der Großmutter wellt?"
„Ganz recht! Es ist Zeit, daß die nun Acht- zehnjährige zu dem Vater kommt. Ihre Jugend und ihre Fröhlichkeit werden hoffentlich den finsteren Geist vertreiben, der hier umgeht. Warum sehen Sie mich so erstaunt an? Habe ich nicht ein allerliebstes Nestchen für die Heimkehrende geschaffen? Sie versicherten mir doch, daß alles nach meinen Angaben besorgt fei."
„Das wohl — aber---“
„Nun?"
„Hat denn die Frau Gräfin so ohne weiteres eingewilligt, sich von der EnkÄin zu trennen?*
„Sie hat nichts zu verweigern und nichts zu gewähren. Ich hätte längst die Rückkehr meinet Kindes verlangen können; es war lediglich mein guter Wille, wenn ich Viktoria bis jetzt bei Frau von Clairville ließ. Nun aber habe ich meine Vaterrechte geltend gemacht und ein Schreiben nach Brüssel gesandt, des Inhalts, daß ich Viktoria bis zum 16. d. 9TO. in Schloß Horbell er-, warte, und daß sie die Reise nattirlich unter dem Schutze einer zuverlässigen, älteren Dame anzutreten habe." -j‘
"(Fortsetzung folgt.) ;