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die allgemeine Unzufriedenheit Faktoren der Etärke sind die den Sieg verleihen könnten? tzlber das ist so unmöglich, wie wenn man eine nxofec Masse mit Erfolg von ihrem Platze be- weoen wollte, indem man sie von allen Seiten stößt. Befinde ich mich inmitten meiner Freunde, Verwandten oder Bekannten, so höre ich stets nur dieselben Klagen, dieselben langweiligen und ermüdenden Unterhaltungen über den Krieg, die gegenwärtige Lage und die Zukunft Ruß­lands. Dies ist entnervend und ekelerregend. Es kostet mich große ^-ühe, wenn ich nicht allen diesen von der Kleinmütigkeit angesteckten Leuten zurufe: »Schweigt doch! Erbarmet euch mindestens eurer selbst! Rühmt nicht öffentlich eure moralische, intellektuelle und physische Dürftigkeit! Zeigt nicht mit solcher Scham­losigkeit die Spuren einer inneren Fäulnis. Ihr verlangt das Ende des Krieges! Ihr wollt den Frieden. Aber gibt es jemand, der etwas anderes wünscht? DaS Wollen ist indessen nicht alles; es muß vielmehr auch durchgeführt werden können. Wie soll jedoch dieses Resultat erreicht werden? Sicherlich nicht durch die Schwäche, die Kleinmütigkeit und die Negation. Aus dem Verdeck der Straßenbahnen, bei der Unter­haltung mit Leuten aus dem Volke höre ich Aeußerungen über den Krieg, die weit ver­nünftiger, weit ruhiger und ehrenvoller sind, als die;enigen, die man in der Gesellschaft ver­nimmt, sowie in den Kreisen der Intelligenz. Ein Landmann, besten beide Söhne sich im äußersten Orient befinden, fragte mich hinsicht­lich des Fortganges der militärischen Operationen. Als er erfuhr, daß da« Geschick der Waffen fortdauernd unS ungünstig wäre, sagte er: »Man hat bereits zwei meiner Söhne genommen, ich werde mich also noch von den beiden übrigen trennen wüsten."

Deutsches Reich.

Berlin, 26. April.

Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin find, wie schon gestern telegraphisch ge­meldet wurde, am Moutag in Palermo ange- kommen. AlS Palermo und der Monte Pellegrino in der Nachmittagssonne in Sicht kamen, fuhr den Schiffen ein größerer, mit den deutschen Farben und frischem Laub geschmückter Dampser entgegen, auf dem fich die deutsche Kolonie befand, welche lebhafte Huldigungen darvrachte. Da3 im Hasen liegende italienische Linienschiff .Sardegna', die Torpedoboote und zahlreiche Handelsschiffe hatten Über die Toppen geflaggt. Unzählige Boote umkreisten die deutschen Schiffe; ihre Insassen brachten den Majestäten, bte fich aus dem Oberdeck befanden, mit Evviva-Rusen and Händeklatschen stürmische Huldigungen dar. Die deutschen Schiffe machten am Kai fest; Blumen» spenden wurden an Bord geschickt. Der Kaiser kmpfing die Spitzen der Behörden, den Präfekten, den Bürgermeister, den Korpskommandeur, den Division«» iommandeur, den Hasenkapitän, den Kommandanten >er Sardegna', den Schloßhauptmann und den deut» chen Konsul Springer. Zum Tee empfing da« ikaiserpaar mehrere Hofdamen der Königin Margherita »nd der Königin Elena. Der Bürgermeister von Palermo veröffentlichte eine Bekanntmachung, in der er dem Kaiserpaar den Willkommengruß der Stadt entbot. . , o

Gestern Dienstag vormittag wurde em Aus­flug nach Monreale unternommen. Der Landungs­platz war mit riestgen Bannern in deutschen und aalienischen Farben und mit Laubgewinden geziert, sie Feststraße mit Flaggenmasten besetzt, bte ganze 6töbt beflaggt. Die Bevölkerung brachte ben Majestäten auf ihrer Wagenfahrt lebhafte Huldigungen mr. Um 10 Uhr trafen der Kaiser, die Kaiserin Md die Prinzen mit Gesolge dort em unb Uhren unter begeisterten Kundgebungen der Be» bölkerung zur Kathedrale, wo fie von dem Sindaeo, dem Erzbischof und den städtischen Beigeordneten be­grüßt wurden. Nach eingehender Besichtigung der Kathedrale besuchte die kaiserliche Familie das Kloster und eine diesem benachbarte Villa, von wo aus sie die von Bergen umschloffene Ebene Conea d'Oro be­wunderten. Um 11 Uhr erfolgte die Rückkehr nach Palermo. Nach ihrer Rückkehr von Monreale stattete die kaiserliche Familie der Villa Cosnastra einen Be- such ab, wo sie von deren Eigentümer, dem Senator Tuscolanza und der Gräfin Tasea, empfangen wurden. Diese bot der Kaiserin eine prachtvolle Btumenspende dar. Hieran schloh fich ein Besuch der Capella Pala­tina. Um '/»! Uhr erfolgte die Rückkehr auf die .Hohenzollern' unter begeisterten Kundgebungen der Menge, während von den dicht besetzten Balkonen ein

Schmücke dein Haus und seine Umgebung!

i Man schreibt uns:

Bei Gelegenheit der letzten Generalversamm­lung des Marburger Verschönerungs-Vereins wurde von einem Mitgliede beantragt, der Der» ein möge ans die Einwohner und besonders die Hausbesitzer unserer Stadt anregend einwirken, mn sie zum Schmuck der Ballone, der Fenster, Vorgärten und Eingänge mit Grün unb beson­ders mit Blumen anzuregen. Es wurde in dem Anträge ausgesührt, daß die Stadt Dresden, an sich schon eine der schönsten Städte Deutschlands, fich. bei Gelegenheit der Städteausstellung, zu der viele Tausende von Gästen und Vertretern von Städten aus aller Well dorthin pilgerten, wie in einem dauernden Festschmuck produ­ziert habe. Dresden verdankt diesen Schmuck nicht nur dem Sinn seiner Bewohner für das Schöne und der Freude an den Kindern Floras, sondern vor allem auch der rührigen Anregung des dort bestehenden Vereins zur Förderung Dresdens und des Fremdenverkehrs, welcher durch Veröffentlichungen aller Art den Bestre­bungen, die Stadt zu verschönern, zu Hilfe kommt «nb durch Preisverteilung zu einem edlen Wett­bewerb anregt.

* So weit sind wir ja hier allerdings noch nicht, denn -um Vreisverteilen gehört Geld und zum Dringen eines Preises gehört nicht nur Glück, sondern auch Fleiß und Geschick, zunächst vielleicht auch etwas Anleitung. Doch was nicht ist, kann fa noch werden, das Geld für ein paar Preise, eie ja weniger durch ihren Geldwert wirken, als «ine Anerkennung barstellen sollen, spenbet viel» leicht einmal ein wohlwollender Gönner, Fleiß wollen wir einmal vorausfetzen, wenn etwas An­

steter Blütenregen ans ben kaiserlichen Wagen nieder» ging. Ter Kaiser, die Kaiserin, die Prinzen und ba8 Gefolge nahmen nachmittags den Tee beim Fürsten Trabia ein. Um 6*/* Uhr erfolgte die Rückkehr auf die »Hohenzollern'.

Mit der vergangenen Woch: hat die Zeit der gewerkschaftlicken Verbandstage ihren Anfang genommen. Bisher wurden abgehalten die Verbandstage der Bauhtlfsarbeiter, der Zimmerer und dcr Maurer. Infolge der befferen Wirtschaft- lichen Konjunktur tritt jetzt auf den Verbandstogen das Bestreben hervor, vorläufig den weiteren Aus­bau der Unterstützungseinrrchtungen zurücktreten zu lasten hinter die Tendenz zur Erkämpsung befferer Arbeitsverhältaisse. Nur im Verbände dcr Zimmerer ist betr-ff8 der llnterstützungseinrichtungen ein großer Fortschritt gemacht worden, da eS hier gelang, die schon lange Zeit geplante Arbeitslosenunterstützung zur Einführung zu bringen. Der Verband der Zimmerer hat feinen Mitgliedsbestand feit dem letzten Verbandstage von 22009 auf 37 000 erhöht. Weiter find Verhandlungen gepflogen worden, die darauf abzielen, einen großen Zentralverbanb aller Bau­arbeiter zu gründen. Der Gedanle kann vorläufig ats gescheitert gelten, er dürfte aber früher oder fpäter wieder onfleben. Bei den Bauhilfsarbeitern gelang nur eine kleine Erhöhung der Umzugsunter- stützung. Im Verbände der Maurer ist 6er durch, fchnittliche Mtgliedsbestanb von 82000 im Jahre 1902 auf 129000 im letzten Jahre gestiegen. Alle An­träge über die Erweiterung der Unterstützungs- einrichtungen find bei ben Maurern abaekehnt. nur über bie Verdefferung der Reiseunterstützung sollen Erhebungen veranstaltet werden. Segen 20 andere VerbandStage werden noch in ben folge- ben Wochen veranstaltet.

Der Verband preußischer Ge - meinbebeamten hat bas Kurhaus Theo- borshalle in Kreuznach auf längere Jahre ge­mietet unb mit dessen Ausbau zu einem B e - amten-Erholuugsheim begonnen.Zahl­reiche Gemeinden, Behörden usw. haben ansehn­liche Beihilfen gespendet, der Minister des In­nern u. a. 1000 Mark, die Stadt Essen 50 Mark, der Kaiser ließ sein Bild dem Beamtenheim über­weisen. Am 20., 21. und 22. Mai wird das neue Heim seine Weihe feiern. Das Heim ge­währt gegen einen Preis von 3 Mark pro Tag Wohnung unb volle Verpflegung. , Der Verein beabsichtigt, noch ein zweites Heim einzurrchten.

Deutsche Kolonie».

Südwestafrika. Daß unser? Solaren im schwarzen Erdteil recht oft an die Sieben in der Heimat denken, dafür liefert der ungemein rege Postverkehr den besten Beweis. Seit Be­ginn deS Feldpostverkehrs bis Ende März 1905 sind beim Marinepostbureau 1947 000 Stück Briefsenbungen bearbeitet worben, bavon toaren Sendungen der Truppen nach der Heimat 1252 000 Stück. Nehmen wir nur die Stärke auf 10000 Mann an, so hat ein jeder in Vji Jahren 125 Sendungen nach der Heimat ge­schickt; schreiblustig sind also unsere braven Jungens gewesen. Natürlich hat sich in dem letzten Vierteljahr seit der Vermehrung der Schutztruppe der Briefverkehr enorm gehoben. Es kamen in dem genannten Vierteljahr beim Marine-Postbureau 427 500 Briefe und Post­karten an, hinaus gingen 239 300 Briefe unb Postkarten. 12400 Zeitungen wurden hinaus­geschickt, also so ganz ohne Kunde von den Vorgängen in der Welt find unsere Krieger nicht geblieben. Fleißig sparen sie auch; sie können selbstverständlich in Deutsch Südwest­afrika Geld nicht oft ausgeben. So liefen im letzten Vierteljahr 7890 Postanweisungen ein, während nur 234 hinauSgingen. Mehrere Post­anstalten in Deutsch-Südwestafrika, die während des HereroaufstandeS geschloffen werden mußten, sind wieder in Betrieb, so namentlich Waldau, ferner Hari, Kuis. Feldpoststation Nr. 2 ist jetzt mobil gemacht und von Windhuk nach dem südlichen Kriegsschauplatz abgerückt, Feldpost­station Nr. 4 ist demobilisiert, sie befand fich seit dem Herbst vorigen Jahres in dem durch daS blutige Gefecht bekannten Owikokorero. Man muß eS unserer Postverwaltung lasten, daß fie mit allen Kräften bemüht ist, unseren Kriegern die Verbindung mit der Heimat so leicht als möglich zu machen. Zu den vielen Briefen und Postkarten ist noch die stattliche

Zahl der Pakete gekommen; seit Beginn des Feldpost - Päckereiverkehrs sind 30 000 Stück hinausgegangen.

Ausland.

Bel-ieu. Das exfte Urteil über die deut­sche Ausstellung in Lüttich ist gesprochen; eS kommt von englischer Seite unb lautet in hohem Grade anerkennend. Besonders haben die Pünkt­lichkeit, mit der Deutschland auf dem Plane erschienen ist, sowie die rastlose Energie und die geschäftliche Umsicht, mit der bie deutschen Aussteller es verstanden haben, ihre Abteilungen bis zum 27. Avril, dem offiziellen EröffnunoS- tage der Ausstellung, in völlig fertigem Zu­stande zu präsentieren, den ungeteilten Beifall eine« englische» Korrespondenten erweckt, der An'anz der laufenden Woche an sein Londoner Blatt berichtete:Deutschland hat ein ausge­zeichnetes Beispiel völliger Bereitschaft gegeben, seine Ausstellung ist fast völlig fertig. Man erkennt deutlich, wie sich die deutschen Aussteller eS sehr viele Mühe haben kosten lasien, gleich am ersten Tage möglichst gut herauszukommen, in deutlich erkennbarer Absicht, ihre kommerziellen Beziehungen zu Belgien tunlichst zu verbessern.' Darf bie beteiligte deutsche Industrie mit diesem Urteile deS englischen Augenzeugen wohl zu­frieden sein, so muß fich andererseits derjenige Teil der englischen Industriellen, die für die Lütticher Ausstellung gemeldet haben, ein ganz anderes unb recht ungünstig lautendes Urteil gefallen lassen. Während nämlich die Aus­stellungen nicht nur aller europäischen, sondern auch der meisten exotischen Staaten durch ihre sorgfältige Vorbereitung und ihren vorge­schrittenen Zustand angenehm überraschen, ist die englische Abteilung noch so weit zurück, daß an eine Fertigstellung bis zum Eröffnungstage nicht entfernt gedacht werden kann. Unter diesen Umständen wird der erste Eindruck, wenn der Besucher die in Lüttich konkurrierenden Industrien verschiedener Nationalität in Ver­gleich stellt, kaum zu Gunsten der englischen Teilnehmer ausfallen können.

Marburg unb Umgegend.

(Nachdruck aller Originalartiket ist gemäß § 18 bei Urheberrecht! nur mit der deutlichen Quellenangabe Oberheff. Zig." gestattet.)

Marhitrg, 26. April.

* Bom Zägrrbataillan. Der frühere Kom­mandeur des Bataillons (Vorgänger deS Oberst­leutnants v. Borries), jetzige Kommandeur der 31. Inf. - Brigade Generalleutnant, Emmich wurde zum Kommandeur der 10. Division in Posen ernan- t.

* Kirchenksnzert. Wie un8 mitgeteilt wird, veranstaltet uyser bekannter hiesiger Konzert- fänget Herr PH. Ströbel am Donnerstag, den 4. Mai, abends 8 Uhr, in der Universitäts- kirche unter Mitwirkung der Cellovirtuofin Fräulein Anna Ballio aus Heidelberg unb deS Orgelvirtuosen Heinrich Sonntag aus Frank­furt a. M. ein geistliches Konzert, dessen Rein­ertrag dem Fonds des PhilippshauseS zugute kommen soll. DaS äußerst wirkungsvoll zu­sammengestellte Programm soll demnächst ver­öffentlicht werden. Ebenso werden wir auf die sehr günstigen Urteile der auswärtigen Presse über die ßeiftungen der Künstler in den nächsten Tagen noch zurückkommen.

* Zum Schiffrrtagk wird uns im Anschluß an unseren gestrigen Artikel geschrieben, daß die Vorbereitungen für eine allgemeine Schiller- Gedächtnisfeier soweit gediehen sind, daß dem­nächst die Programme in den Druck gegeben werden können. Es sind Herren auS allen Kreisen der Bürgerschaft unb auS bei Studenten­schaft zu einem Ausschüsse zusammengetreteu, und eS wird besonderer Wert darauf gelegt werden, eine möglichst volkstümliche Gestaltung der Feier zu erzielen. Deshalb ist auch von

allem Dramatischen abgesehen worden, obwohl doch Schiller fast ausschließlich zu Worte kommen soll. Um eine kurze Gedächtnisrede werden fich Gesänge Schillerscher Lieder von einer hervor» ragenden Konzertsängerin unb von zwei hiesigen dazu ausaelosten Männeraesangvereinen einzeln unb gemeinsam sowie Rezitationen von ausgewählten Gedichten Schillers und von '--ethes Epilog zur Glocke gruppieren. Die

änge find mit besonderer Sorgfalt ausge- h>6i)lt, auch in Rückficht darauf, daß jede W-eder- holur-g vermieden wird, ba bereits bie Chöre zur Braut von Mesfina von bet Oberreal' schule, Beethovens gewaltiger Tonsatz mit dem Siehe an bie Freude vom Akademischen Konzert­verein bargeboten find unb da« Lieb von der Glock? vom Marburger Gemischten Chore am 7. Mai vorgetragen werden wird. Die Ein­trittspreise sollen tunlichst niedrig angesetzt werben.

() Arbeitsjubiläum. Aul eine 25jährige Tätigkeit in der Koch'schen Univerfitäts - Buch­druckerei kann am heutigen Tage der Maschinist Georg Gaßmann zurückblicken. In Anerkennung seiner treuen Dienste wurde dem Jubilar seitens des Geschäfts ein Geschenk überreicht

Heber bie Fischerei in der Lahn hatten wir gestern eine Zuschrift veröffentlicht, deren Inhalt fich auf frühere Verfügungen stützt, die, waS dem Einsender wohl unbekannt geblieben ist, in neuester Zeit durch eine weitere Ver­ordnung wesentliche Aenderungen erfahren haben. Um der Unsicherheit über die Bestimmungen ein Ende zu machen geben wir daher nach­stehend die zur Zeit geltende und allein maß­gebende Polizeiverordnung im Wortlaut wieder:

Aul Grunb beS 5 137 be« Gesetzes über bie allge­meine Lanbesverwaltung vom 30 Juli 1883 unb bet 8Z 6,12,13 ber Verordnung über bie Polizeiverwaltung in bett neu erworbenen Landesteilen vom 20. Sept. 1867 unb mit Bezug auf § 3 Ziffer 8 unb § 5 ber Verordnung vom 8. August 1887 zur Ausführung des FischereigeseheS im Regierungsbezirk Cassel bestimme ich unter Zustimmung des hiefigcn Bezirksausfchufies wie folgt: Die Poltzei-Verordnung vom 12. März 1890, Regierungs-Amtsblalt Seite 57, durch welch« Fischerei in ber Zeit vom Montag morgen 6 Uhr bis Donnerstag morgen 6 Uhr während der Frühjahr«, schonzeit (tiom 10. April morgens 6 Uhr bis 9. Juni abends 6 Uhr) verboten ist, wirb auf die Lahn, so- weit sie im Regierungsbezirk Cassel fließt, aue gedehnt. Diese Verordnung tritt am Tage ihrer Bekannt­machung in Kraft. (A. III., 5556.) Cassel, am 5. Juli 1901. Der Regierungs - Präsident. I. V.: Rudolph.

Vorstehende Polizeiverordnung wird hiermit zmi öffentlichen Kenntnis gebracht. Marburg^ben 24. Juli 1901. Der Königliche Landrat: I. V.: Schüler.

* Gastspiel des Oberbaherischen BaueruthcatttZ am 29. und 30. April. Wie bereits gemeldet, gibt das augenblicklich im Logensaal in Frank­furt a. M. mit großem Erfolg auftretende En­semble deSOberbayerischen Bauerntheaters' am 29. und 30. April hier int Museum ein zweimaliges Gastsviel, das gewiß in weitester Kreisen Beachtung verdient. Zur Aufführung werden gelangen am Samstag Anzengrubers GwisisnSwurrn" und am Sonntag das Volks­stückDie Leni von Oberammergau". I« beiden Stücken steht doS Künstlerpaar Dengg in erster Linie der Mitwirkenden. Wenn auch die Eigenart unb die Vorzüge der Gäste eigent­lich weltbekannt sind, so dürsten doch einige Bemerkungen von Interesse sein, die einem Münchener Blatte über ba§ jüngste Auftreten desOberbayerischen Bauerntheaters" cntnonv men sind:Daß das Publikum kommt, daß es warm wird, daß e8 mit regster Anteilnahme den Vorgängen folgt, daß die Stimmung stetig wächst, um zum Schlüsse einen kernechten Bei­fallssturm auszulösen, daS ist ein Verdienst der unverfälschten, naiven Kunst dieser Spieler, die durch einen starken künstlerischen Willen geleitet sich zn einem vollwertigen Ensemble vereinigen. Ensemble, da« ists! In der Bewegung unter den Cornvarsen, dem zwanglose» sich bilden unb lösen der Gruppen, in der künstlerischen Ausbeutung der realen Gebräuche der Ober- Iflnbler für bie Tenbrnz ber Bühne baiin

leitung und Geschick hinzukommt, so kann das Glück einen Preis, oder doch wenigstens die An­erkennung der Vorübergehenden zu erringen, nicht ausbleiben. Daß hier manches geschehen kann zur Verschönerung ohne großen Aufwand an Geld, muß zugegeben werden. Man braucht nicht bis nach Dresden zu wandern, auch manche unserer Nachbarstädte zeigen uns, wie,dies ge­schehen kann. Gewiß hat Marburg seine Herr- liche Umgebung, seinen hübschen Stadtpark und manches sonsüge schöne Fleckchen Erde, für wel­ches verhältnismäßig viel vom Verschönerungs­verein und auch aus öffentlichen Mitteln zur Verschönerung geschieht, aber die meisten dieser Plätze sind nur dem Einheimischen bekannt und auch nur für denjenigen erreichbar, welchem hin- reichend Zeit zur Verfügung steht. , Der Fremde, der nur zu kurzem Aufenthalt hierher kommt, der sieht von allem dem Schönen nichts, er bil­det sich sein Urteil, aber nach dem, w a 2 er sieht, und da müssen wir zugeben, daß da manches nicht schön ist. Nicht nur die allenthalben auf den Straßen und in den Anlagen herumflattern­den Papierfetzen fallen dem Fremden unange- nehm auf, sondern auch die oft recht vernachläs­sigten Vorgärten und Hauseingänge. Der Kampf gegen die Papierfetzen erscheint nachgerade aus­sichtslos, denn es ist eine Eigentümlichkeit der Landleute aus der Umgebung der Stadt, die Papierhüllen, in welchen sie von Kaufleuten, Bäckern usw. die gekauften Waren erhielten, baldmöglichst wegzuwerfen. Dagegen wird sich bei dem konservativen Sinn unserer Landbevöl­kerung nicht viel ausrichten lassen. Anders ist es mit dem Schmuck der Häuser durch Blumen, durch Pflanzen unter Zuhilfenahme von etwas Liebe und Pflege die wir selbst diesen angedeihen lassen können: mancher häßliche Fleck läßt sich ba int Innern der Stadt mit leichter Mühe ver­decken, manches unscheinbare Haus, manche lang­

weilige Front läßt sich freundlich beleben und heben, nicht nur der Fremde wird angenehm be­rührt fein bei solchem Anblick, auch der Einhei­mische, der Besitzer wird Freude und Befriedi- auna über sein Werk empfinden. Viele werde» wohl sagen, ich möchte wohl, aber Ivie kommt denn die von dem schon genannten Dresdener Verein herausgegebene Anleitung zum Schmuck der Fenster und Balkons mit Blumen auch uns zu Hilfe, da der Verein die Benutzung derselben, soweit sie für hiesige Verhältnisse brauchbar ist, in liebenswürdigster Weise gestattet hat.

Während der Schmuck der Vorgärten, der Hofcingänae unb der ganzen Hausfronten in den meisten Fällen Sache der Hausbesitzer sein wird, kann zur Verschönerung seiner Etage, seines Balkons ober auch nur einiger Fenster jeder Mieter beitragen. Die moderne Bauweise bietet hierzu reichlich Gelegenheit. Im allgemeinen handelt es sich nur um zweckentsprechende Ent­richtung der Pflanzkästen und sonstigen Gefäße, sowie ttnt die richtige Auswahl der geeigneten Pflanzen, um auch mit bescheidenen Mitteln sehr hübsche Wirkungen zu erzielen. Auf einem dem Südweftwinde sehr ausgesetzten Balkon werden wir andere Pflanzen verwenden, als an der son­nenarmen Nordseite oder an einer geschützten Ostseite, das muß natürlich erwogen werden.

In vielen Fällen muß dem Pflanzenfreunde ein Blumenbrett genügen, das verhindert, . daß die Töpfe aus die Straße hinabstürzen. Natürlich missen Vorkehrungen getroffen werden, daß selbst bei Wind fein Topf auf die Straße hinabstürzen kann, wenn anders der Besitzer sich vor unange­nehmer Bekanntschaft mit dem § 366, Absatz 8 des Strafgesetzbuches bewahren will. Ein vor­gespanntes Stück Draht oder gar Schnur bietet die erforderliche Sicherheit gegen Hinabfallcn von Blumtöpfen noch nicht. , Eine Verkleidung vorn, welche verhütet, daß die Sonne auf die

Töpfe brennt, daß dieselben übermäßig rasch auStrocknen und-die der Topfwond anliegende» Wurzeln verdorren, ist in den seltensten Fälle» bedacht. Dabei läßt sich natürlich kein sriiches Gedeihen der Pflanzen erzielen. Am besten ist eS für das Wachstum der Pflanzen, ioeim das Brett bi ih einen der Breite des SimfeS ange­messenen Kasten ersetzt wird von etwa 15 Zenti­meter Tiefe. Wenn es sich nur uni Topfpflanze» handelt, so werden die Zwischenräume mit Torf- mull oder Sagemehl auSgefüllt und an der Ober­fläche mit etwas lebendem Waldnwos bedeckt, s* daß die porösen Topfwände gegen das Austrock­nen durch Wind und -sonne geschützt sind. Rascher erzielt man reichen, lang andauernden Blumen­flor, wenn man diese Blumenkästen mit einer guten Komposterde anfüllt und die Pflanzen ohne Töpfe hineinpflanzt. Der Spielraum für die Wurzeln sowie die größere Sicherung gegen Austrocknen gestatten ein viel üppigere' Wachs­tum, als die Topfkultur. Man wählt hierfür mit Erfolg« die allbekannten Sommerbkuinen und sommerblühenden Topfgewächse, besonders auch Ranken- und Hängepflanzen, welche hauptsächlich Sr die Wirkung nach außen, nach der Straße zu

Betracht kommen. Die Entwickelungssähigkeit und Behandlung dieser Kastenkulturen wird na» türlich bedeutend gefördert, sobald man sie auf einem Balkon, einer Veranda oder Plattform anbringen kann- .

Hier handelt es sich nur um geschickte An­bringung der Kästen und um eine den Sonnen- und Windverhältnissen angepaßte Pflanzenaus- wahl. Die Kästen werden meist zu schmal und wenig tief genommen; die Folge ist, daß bte Pflanzen verhungern unb verdursten: xumal wenn dreimal so viel Pflanzen hinemgetzflanz« werken, als darin gedeihe» können. ( 4041-- - (Schluß folgt)./