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Von Tsugaru und La Perouse werd.. nachts durch die Scheinwerfer der japanischen Torpedo­boote taghell beleuchtet, um ein Durchschlüpfen der russischen Schiffe zu verhindern. Die japa­nische Flotte befindet sich südlich von Formosa, Der starke Nebel, welcher augenblicklich herrscht, begünstigt einen etwaigen Plan Noschestwenskis, unbemerkt seinen Kurs östlich von Formosa zu nehmen.

London, 25. April.Daily Telegraph* erfährt aus Tokio vom 24. April: Der Gouver­neur der Hainaninsel telegraphierte an die chine­sische Regierung. Die Baltische Flotte nehme Kohlen in der Hainanbucht ein. Es verlautet in Hongkong, das dritte russische Geschwade: werde etwa am 28. April zur Baltischen Flotte stoßen, und die Russen werden längeren Aufenthalt auf der Hainaninsel nehmen. Der Hongkonger Berichterstatter desDaily Erpreß" meldet un- ternt 24. April: Es verlautet, Togo sei bereits nahezu in Fühlung mit den Russen. Er werde zuerst versuchen, die russische Flotte durch Tor- prdoangriffe zu schädigen, ehe er sich in eine all­gemeine Seeschlacht einlasse.

Saigon, 25. April. Zwei von Saigon kommende, mit Reis beladene Frachtdampfer, mit der Bestimmung nach Japan sind Don, den Russen aufgebracht worden. Russische Offiziere erklären, daß das Geschwader Roschestwenkis zu einer Schlacht entschlossen sei; jedes Schiff habe seinen besonderen Auftrag, das japanische Ad­miralschiff werde jedoch daS Ziel des ganzen Geschwaders sein. Am Sonntag Vormittag wurde von neuem Kanonendonner gehört, die einzelne« Schüsse folgten in Zwischenräumen.

Tschifu, 25. April. (Reuter-Meldung.) Aus Korea wird von heute berichtet, Admiral Togo hätte am 20. April mit einem größeren Telle seiner Flotte in der Masamphobucht ge* legen.

In den hervorragendsten russischen Blättern, wie z. B. imJournal de St. Petersbourg* sowie in derNowoje Wrcmja" wird für di«

Fortsetzung dcö Krieges

Stimmung gemacht und den Friedensbestrebungen mit Entschiedenheit entgegengetreten. Auch Graf L. L. Tolstoi, der Sohn des bekannten philosophischen Sonderlings, tritt im Gegensatz zu seinem Vater lebhaft für die Fortsetzung des Kampfes gegen Japan ein, indem er schreibt: Was man auch sagen möge, es widerstrebt mir positiv, auszugehen und die Gesellschaft aufzu« suchen. Alle diejenigen, die man sieht, lassen einen allzu peinlichen Eindruck zurück, indem sie fortfahren, den Krieg mit einer schmählichen Kleinmütigkeit zu betrachten, und zwar unter dem absolut falschen und für Rußland entwür­digenden Standpunkte, der vom Beginn der Feindseliokeiten an eingenommen wurde und die erste Ursache unserer beständigen Mißerfolge gewesen ist. Man würde unrecht tun, die be­deutsame Rolle des psychologischen Moments bei den menschlichen Handlungen zu bestreiten. Oder glaubt man vielleicht, daß die Verzweif- lung, die Kleinmütigkeit, das Eingeständnis der eigenen Schwäche, die inneren Zwistigkeiten und

der G.gend einen ungemein freundlichen Aus­druck. In einiger Entfernung, den Höhenzug des Vorgebirges entlang, erblickte man zahlreiche, von blühenden Obstbäumen umgebene Gehölle, welche das Landschaftsbild anmutig bclebten. In östlicher Richtung ragte, wie von einem durch­sichtigen, grauen Nebelschleier umhüllt, aus dem Häusergewirr der Stadt riesengleich der Kölner Dom empor.

Walter begleitete die jungen Leute so wert, bis er ihnen die einzuschlagende Richtung genau zeigen 'konnte. Dann schlenderte er langsam zu­rück bald hier, bald dort stehen bleibend. Der sonst rastlos Arbeitende liebte diese Abendspazier­gänge und betrachtete sie als seine einzige @r< bolung.

Ter letzte rote Streifen am Himmel war er­loschen. Die Dämmerung breitete ihre dunklen Schwingen über Berg itnb Tal, ein köstlicher, er- glückender Lufthauch spielte mit dem grauen Haar des einsamen Wanderers, der sich nicht ein- mal umwandte, sonlern nur zur Seite trat, al- ein Fuhrwerk hinter ihm herrollte.

Da hörte er Plötzlich von wohlbekannter Stimme seinen Namen rufen.

Guten Abend, alter Freund!" ertönte eS dicht neben ihm.Nette Begegnung, sehr nett, wirklich! Steigen Sie doch ein!"

Willkommen, Herr Baron!" erwiderte Wal­ter, indeni er stehen blieb.So bald erwartet man sie gar nicht, weil bisher keine Depesche ein- traf."

Haha! Dazu hatte ich meine Grunde! Ver­mutlich glaubt man mich noch weit entfernt. Wollte einmal unvermutet ankommen. Ich be­diente mich, wie sie sehen, einer Mietskntsche. Sind die bestellten Arbeiten fertig?" 1

1 '(Fortsetzung folgt.) ,

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.

M 98

Vierteljährlicher Bezugspreise bei der Expedition 2 Alk, b« allen Postämtern 2,25 Mk. <exci. Bestellgeld).

Znsertlonsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg, Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Donnerstag, 27. April 1905.

aEMB

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Dnlck imb Verlag' Joh. Aug. Koch, Universitäts-Duchdnickerei

Marburg, Matti 21. Telephon 55.

40. Jayrg.

Neueste Telegramme.

Königsberg r. P., 25. April. Der Ge­neraladjutant Kaiser Wilhelms I., General der Kavallerie Graf Lehndorff, ist laut derOst- preußischen Zeitung" in der Nacht vom Montag auf Dienstag auf Schloß Preyl plötzlich ge­storben.

Stratzdirrz 26. April. Die in hiesigen unterrichteten Kreisen obwaltende Vermutung, daß als Nachfolger des voraussichtlich bald zurück­tretenden jetzigen Statthalters' der Reichslande der Schwager des Kaisers Prinz Adolf zu Schaumburg-Lippe an erster Stelle in Betracht komme, wird nach demB. T." auch in Ber­liner amtlichen Kreisen geteilt.

Rom, 26. April. Das Institut Colonial International begann gestern seine Verhand­lungen. _ Ter Unterstaatssekretär im Ministerium des Aeußern, Fusinato, hob in einer Begrüßungs­ansprache die Bedeutung des Instituts hervor. Aus Deutschland nehmen an den Verhandlungen terl: Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, Graf Hutten - Czapski, Profeffor Laband, Pro­fessor Köbner, Graf Schweinitz, von der Heydt, Profeffor Schanz.

Bordeaux, 25. April. Ein Standbild für Gambetta ist heute in Anwesenheit des Minister­präsidenten und des Präsidenten Loubet enthüllt worden. Es wurden mehrere Reden gehalten, insbesondere vom Minister Etienne. Dieser schloß seine Rede mit dem Wunsche, daß das Andenken Gambettas dazu beitragen werde, die verschiedenen Gruppen der republikanischen Par­teien einander zu nähern. Eine von 650 Mu­sikern vorgetragene Kantate schloß die Feier, welcher eine überaus zahlreiche Menschenmenge beiwohnte.

Petersburg, 26. April. Prinzessin Hein­rich von Preußen ist gestern Abend von Zars- kvje Sselo nach Kiel abgereist.

London, 25. April. Laut einer heute ver- dffentlichten Bekanntmachung wurde Transvaal eine neue Verfassung gewährt, die eine Volks­vertretung vorsieht.

London, 25. April. Eine japanische Offen­sive großen Stils, die durch gewaltige Um- gehungsmanöver vorbereitet ist, wird in unter­richteten Kreisen als unmittelbar bevorstehend angesehen. Die Chancen der japanischen Armeen sollen erheblich günstiger sein als vor den Schlachten bei Liaujang und Mukden.

Eine vernünftige Bürgerschaft.

Durch den Dreimillionensieg vom Juni 1903 ist der Machtkitzel der Sozialdemokratie ins Un- gemessene gesteigert worden. ES genügt den Führern der roten Internationale nicht, ihre Machtsülle nur im Reichstag zu entwickeln, sie strecken ihre Hände begehrlich nach etwa Höherem aus. August Bebel, dem mitunter in einem temperauientvolleu Augenblicke entschlüpft, tvas

1 Machdruck verboten.).

Schatten der Vergangenheit. -

Roman von B. C 0 r 0 n Y.

/ 1. Kapitel. -

ltngesähr zwei Stunden von Köln entfernt erhob sich ein altertümliches, großes, viereckiges Gebäude mit dicken, festungsähnlichen Mauern. Die verhältnismäßig kleinen Fenster waren in tiefen Nischen angebracht. Das an drei Seiten von einem weitausdehnten Park umschlossene Ge­bäude nahm sich wie eine Ritterburg aus und schien gegen Stürme und Unwetter, Wohl auch gegen feindliche Angriffe gefeit zu fein.

Dieses Werk mittelalterlicher Baukunst er­regte das Interesse ziveier Herren, ioeldic in dem kleinen Garten der ländlichen WirtschaftZum Lamm" faßen. Während der eine in seinem Skizzenbuch zeichnete, rief der andere den Wirt und begann Erkundigungen einzuziehen.

Das Schloß gehört dem belgischen Baron Dunois," erklärte der Lammwirt bereitwilligst. Im Winter ist er viel auf Reisen, bringt aber den größten Teil des Jahres hier zu. Zur Zeit der Jagden geht's lebhaft drüben her. Ja, ja, der Herr Baron wird auch jetzt wieder er- wartet^ doch ist es noch unbestimmt, ob er heute oder morgen eintrifft."

Ein belgischer Baron?"

Ja. Der Besitz ist ihm vor vielen Jahren von einem Verwandten zugefallen, der sich zur Zeit der französischen H rrschaft im Rheinlands s vngesiedelt hatte. Gleichzeitig erbte er von die- i sein ein Gilt, das er jedoch verpachtet hat."

Da bringt der glückliche Eigentümer der f prächtigen Besitzung wohl erwünschtes Leben in diese Einsamkeit?"

er hinterher nicht gern gesagt haben möchte, hat denn auch öffentlich erklärt,durch die Hansestädte wollen wir in den Bundesrat gelangen". Analog lautet eine seiner Privatäußerungen,die Hanse­städte kaufen wir uns". Der Gedanke ist ver- wünscht gescheit. In einem republikanischen Staatswesen liegt ja die Möglichkeit näher als in einem monarchischen Staat für eine Partei, die die breite Masse hinter sich hat, die Zügel der öffentlichen Gewalt in die Hände zu bekommen.

Von den drei Hänsestädten war Lübeck von der sozialdemokratischen Partei als Angriffs­objekt ausersehen. Während in Hamburg und Bremen die ständische Struktur der Volksver­tretung eine Mehrheitsherrschaft der Sozialdemo­kratie, ausschließt, begünstigt das seitherige Wahl­recht in Lübeck die Pläne der Sozialdemokratie. Durch das Gesetz vom 15. Dezember 1902 war das frühere Bürgergeld von 28 Mark aufgehoben und das Wahlrecht jedem Staatsbürger znge- standen, der 5 Jahre hindurch mindestens 1200 Mark versteuert hatte. Die Sozialdemo' atie agi­tierte daher unablässig in Arbeiterkreisen für Erwerbung des Wahlrechts, das ia nunmehr keine Kosten verursacht. Die Folge davon war, daß die Zahl der Lübecker Bürger seit 1902 um 40% zugenommen hat. Zur Zeit sitzt in de. aus 120 Mitgliedern bestehenden Bürgerschaft noch kein Sozialdemokrat. Allein bei den letzten Biirger- schasiswahlen vor 1902 betrugen die Stimmen­differenzen zwischen den bürgerlichen und sozial­demokratischen Kandidaten im Marien-Magda- lenenquartier nur 11, im Jakobiguartier 20, im Marienguartier 132. Es würden als.' schon in diesem Jahre angesichts des Umstandes, daß die Zunahme der wahlberechtigten Bürger über­wiegend auf Rechnung der Sozialdemokratie konurtt, v.u den 4 Stadtvierteln 3 eine Beute der Umsturzpartei werden. Die Sozialdemokratie glaubte sich daher in Lübeck unmittelbar vor dem Ziel der Herrschaftsgelüste. ^Diejenige Partei, ivelche die Mehrheit in der Lübecker Bürgerschaft hat gen innt Einfluß auf die Verwaltung, besetzt schließlich Bürgerausschuß und Senat, und letz­terer erwählt und instruiert bekanntlich den Bundesratsbevollmächtigten. Die Bürgerschaft ist nämiich nicht nur Volksvertretung, sondern auch Mitträgerin der Staatsgewalt und unauf- löSlich. Der Traum Bebels wäre also der Verwirklichung nahe gerückt, wenn nicht durch eine Abänderung des Bürgerschaftswahlrechts da- gegen vorgebeugt würde, daß sich an der Trave eine rote Republik ein richtet und als Reichsschäd­ling entwickelt. Die gesetzgebenden Körperschaften Lübecks sind daher zur Zeit mit einerVerfassungs- reformvorlage beschäftigt.

Eine gemeinsame Kommission, des Senats und der Bürgerschaft hat einmütig beschlossen, , 311m Schutze unseres Bürgertums und imfereS gesamten Staatswesens einen Damm aufzurich- ten, der auf absehbare Zeit eine unbedingt ziwer- lässige Abwehr gegen eine sozialdemokratische Mehrheitsherrschaft bietet". Die Mehrheit der Kommission entschied sich für ein Zweiklassenwahl- fystem mit ungleicher Mandatszahl bei einer Steuergrenze von 2000 Mark. Der seitherige 1200 Mark-Zensus fällt weg. jeder Steuerzahler, der Bürger ist, erwirbt nach 4jähr!ger Karenz­zeit das Wahlrecht. Wer über 2000 Mark ver-

,.Je nun, früher tat et das mehr, als gerade nötig gewesen wäre. Ich war damals noch nicht hier. Er soll sehr schleckst mit seiner Gemahlin gelebt haben, die eisersiichftg war und Dinge ent­deckte, die ihr nicht paßten. Da hat's oft böse Auftritte gegeben. Eines Morgens fand man sie tot in dem Parkteich. -Ob sie verunglückt ist ober vielleicht ihrem Leben ein Ende machen wollte das weiß niemand. Jedenfalls gab es damals viel häßliches Gerede und es herrschte große Er­bitterung gegen den Herrn Baron in der Land­bevölkerung. Eine Anzahl Bauernburschen soll sogar einen Sturm auf das Schloß beabsichtigt haben. . Des Barons Schwiegermutter, Gräfin von Elairville. die nach dem Empfang der Todes- nachiicht sofort hierher reiste, nahm ihre damals zehnjährige ftnkelin mit nach Brüssel. Seit jenem Unglück im Park ist der Baron ein rechter Son­derling oeworden. Beliebt ist er hier durch­aus nicht. Gegen feine Untergebenen und die Landlente ist er grob und herrisch: vor'allem kann er die Kinder nicht leiden. Diese lausen denn auch schleunigst davon, wenn ste ihn schon von weitem erblicken. Man sagt, er leide an Verfolgnngswahnsinn"

Schwatzt doch nicht inehr, als Ihr verant­worten könnt, Dollinger," wurde der Redselige in diesem Augenblick unterbrochen.

Ein älterer Herr mit ausdrucksvollen, freund­lichen Zügen, die Hobe Stirn von vollem, grauen Kraushaar umrahmt, mar unbemerkt näher ge­treten und grüßte lächelnd, wobei er jedoch nicht unterließ, noch einmal in mild verweisendem Ton 31t sagen:

Eure Zunge ist immer etwas zu vorwitzig, Lammwirt. Das ist nicht gut."

.Ach, Herr Direktor! Es war ja gar nicht böse gemeint. Nur lveil die Herren fragten

steuert oder midestens 3 Hektar Grundbesitz für eigene Rechnung bewirtsAiftet, wählt in der ersten Abteilung, alle übrigen Bürger haben in der zweiten Abteilung zu wählen. Die Zahl der Mandate bleibt dieselbe wie bisher, nämlich 120. Diese verteilen sich wie folgt: Stadt und Vor­städte 1. Abteilung 90, 2. Abteilung 12, Trave­münde und Landgebiet 1. Abteilung 15, 2. Ab­teilung 3. Angenommen, daß die Sozialdemo­kratie in der 2. Abteilung schlankweg siegt, so kann sie dadurch höchstens nur 15 Mandate er­beuten. Die übergroße Mehrheit verbleibt den bürgerlichen Parteien. Es ist Aussicht vorhanden, daß diese Vorschläge in allen wesentlichen Punk­ten in der Bürgerschaft zur Annahme gelangen, der Senat hat sie bereits gutgeheißen. Die Sozialdemokratie, der nun das Konzept gründlich verdorben ist, hätte also bei ihrer Spekulation auf Eroberung der öffentlichen Gewalt in der freien und Hansestadt Lübeck die Rechnung ohne das Lübecker Bürgertum gemacht.

, Die Sozialdemokratie in Lübeck schäumt natür­lich vor ohnmächtiger Wut über die neue Wahl­reform, die sie mit Russenkurs, Entrechtung der Arbeiterklasse, Geldsacksherrschaft, Erdrosselung u. f. w. bezeichnet. Das Lübecker Sozialisten- oraan beschimpft jeden Anhänger der Vorlage in unflätigster Weise, stellt die Namen der Mit- glieder der Verfassungskommission auf eine soge­nanntePrangertafel" und verhängt über diese Herren den wirtschafflichen Boykott. Am 27. März fanden drei sozialistische Protestversamm- lungen statt, in denen kräftig gegen die Ver- fafiungsvorlage gewettert wurde. Ein lokaler Führer drohte, daß, wenn die Sozialdemokratie erst einmal die Uebermacht habe, an den jetzt Herrschenden das Wiedervergeltungsret'c für all die den Arbeitern zugefügte Itnbili geübt werden soll: dann werde die Zeit kommen. 1n der man Über diese erstklassigen Bürger zur Tagesord­nung übergehen werde. Also ganz jakobinische Denkungsweise!

Bedauerlich ist es, daß ein Teil des Bürger­tums in Lübeck der Nmsttirzpartei die Steigbügel hält. Die guten Leutchen vergessen, daß die Niederringung der sozialdemokratischen Gefahr brennender ist, als die Erhaltung grauer Gleich­heitstheoreme, daß bei der Beibehaltung des seit­herigen Wahlrechts der Bestand des Lübeckischen Freistaats und seine handelspolitische Stellung als wichtiger Faktor der nationalen Wirtschaft auf dem Spiele steht. Die Hansastädte sind durch Bürgerfleiß und Bürgertiichtiokeit groß geworden. Dem Bürgertum gebührt daher die Leitung des Licheck'schen Staatswesens, entspre­chend den Worten Gustav Freytags:In dem deutschen Bürgertum liegt die edelste Kraft, die Führerschaft auf dem Gebiet idealer und prak­tischer Interessen".d.

Der nrlsitchMWmlchx Erreg.

Die Flotte Roschrstwenskis

nähert sich, zuin Schrecken der Japaner, die eine ungeheure Ueberwachungstätigkeit entfalten, im­mer mehr der Insel Formosa, wo es vermutlich zu dem ersten Zusammenstoß kommen wird. Der Herald" meldet aus Schanghai, die Meerengen

und jeder andere hätte doch auch so geredet," ent­schuldigte sich Dallinger, indem er die Mütze bald auf das linke, bald ans das rechte Ohr schob.Ein Glas Bier gefällig, Herr Walter?" Ja, Lammwirt! Bringt mir eins. Er­lauben Sie, meine Herren?" wandte sich der neue Gast an die beiden Fremden:Diese Laube ist nämlich mein Lieblingsplatz."

Sehr angenehm!" erwiderte der eine, indem er sein Skizzenbuch zuklappte, während der andere einen Stuhl zurecht rückte, worauf die Herren sich einander vorstellten.

Auf die Frage, ob Herr Walter ins Schloß gehöre, antwortete dieser:

Nein, ich bin der Leiter jener Fabrik, deren Schornstein Sie dort drüben austaiichen sehen."

Ein schöner Baup

Wozu er sich allmählich aus bescheidenen An­fängen entwickelt hat. Hier gründete mein älterer Bruder vor mehr als dreißig Jahren eilt Woll­spinnerei und kaufte ein Mühle an, dessen Wasser­kraft so lange zum Betriebe der Fabrik verwendet wurde, bis ihre Vergrößerung die Anlage von Dampfbetrieb nötig machte."

Schloß- und Fabrikherr halten vermutlich gute Nachbarschaft?" meinte einer der Herren.

Mein Bruder ist leider jetzt recht kränklich und konimt feines leidenden Zustandes wegen nur selten hierher, aber der Baron und ich sind immer gute Nachbarn gewesen und werden es hoffentlich auch bleiben. Gedenken die Herren hier zu übernachten?"

Nein, wir wollen heute Abend noch bis T . . manbern."

Da können wir ja eine Strecke zusammen gehen. Mein Weg rührt mich dieselbe Richtung."

Unter lebhaften Gesprächen schritten sie später dahin. Die goldig-rote Abendbeleuchtung verlieh