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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jllustrtrtes Sonntagsblatt.

M 96

Vierteljährlicher Bezugspreis: btt btt ExxLition 2 3RL, btt allen Postämtern Mk. >.exct. Bestellgeld).

JnserttonSgebühr: die gespaltene Zette oder deren Raum 10 Pfg.

Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Sonntag, 23. April 1905.

Erscheint wächentlich sieben mal.

Druck tmb Verlag' Joh. Aug. Koch, UmversttätS-Buchdruckerel 40.

Marburg, Markt 2L Telephon öS.

Zweites Blatt.

Neueste Telegramme.

Breme», 21. April. Bößmanns Bureau mel­det: Die . gesamten Anlagen der Deutschen Dampffischerei - GesellschaftNordsee" stehen in Mammen. Man befürchtet, daß sie vollständig niederbrennen werden. Die Dampfer und das SegelschiffUnion" konnten rechtzeitig in den Hafen geholt werden und sind gerettet. Men- schen sind nicht verunglückt. Der Brand ist heute Morgen um 7 Uhr entstanden.

Bremen, 21. April. Nach weiteren Meldun- gen sind sämtliche aus lcichteni Material errichtete Gebäude der Nordseegesellschaft in Flammen auf­gegangen: nur die Pieranlagen konnten durch das rechtzeitige Eintreffen der Feuerwehr und des von Bremerhaven zur Hilfe geeilten Spritzen- dampfers gerettet werden.

Rom, 21. April. Das Agitationskomitee der Eisenbahnangestellten beschloß, den Ausstand ein­zustellen.

Petersburg, 21. April. Die Petersb. Telegr.» «g. meldet atis Peking: Der rttssische Gesandte Lessar ist vergangene Nacht gestorben.

Petersburg, 21. April. Wie ^.Roßkoje Slowo" h> durchaus zuverlässiger Weise erfährt, ist das Gerücht von einem Abschiedsgesuch Wittes be­gründet. *

Warschau, 21. April. Abends 9 Uhr drangen vier bewaffnete A'.tarchisten in zwei Häuser der Widokstraßc ein, erdolchten einen und verwunde­ten tödlich den zweiten Hausbesorger aus Rache dafür, daß sie Genossen verraten hatten, die spä­ter zu Zwangsarbeit verurteilt worden waren. Al? die Verbrecher verfolgt wurden, feuerten sie Revolverschüsse auf ihre Verfolger ab, verwunde­ten einen, entkamen aber durch ein Hanstor der Widokstraße.

Loudon, 21. April.Morning-Post" meldet aus Washington von gestern: Japan hat die Ver­einigten Staaten davon in Kenntnis gesetzt, daß seiner Ansicht nach Frankreich die Neutralität da­durch verletzt habe, daß es dem Geschwader Rosch- bjestwenskp gestattete, die Kamranhbai als Stütz­punkt zu benutzen.

Kanea, 21. April. Die Vereinigung Kretas mit Griechenland hat die kretische Kammer gestern beschlossen. Sie hat gleichzeitig den Oberkommissar Prinzen Georg beauftragt, diesen Beschluß den Mächten mitzuteilen. Die Depu­tierten haben am selben Tage den Eid auf den Namen des Königs von Griechenland und die hellenische Verfassung geleistet.

Tokio, 22. April. Prinz Arizugawa. der als Vertreter des Kaisers von Japan an den Ver- möhluirgsfeierlichkeiten des Kronprinzen in Ber­lin teilnimmt, wird sich nach der Hochzeit des Kronprinzen zum Besuche an die Höfe von Schwerin und München begeben.

Tokio, 21. April. Prinz Karl Anton von tzohenzollern ist auf dem Wege nach Tokio in Most angekommen.

Tsingtau, 21. April. Der große Kreuzer Hansa" mit dem Konteradmiral Grafen Moltke

an Bord wurde nach Tschiligolf beordert, um zeitweise zur Verfügung des Prinzen Friedrich Leopold zu stehen.

Hongkong, 21. April. Auf dem britischen Chinageschwader herrscht eine bemerkenswerte Tätigkeit. Der KreuzerHogue" hat Befehl er­halten, sich bereit zu halten, auf Befehl innerhalb von zwei Stunden in See zu gehen.

Die Aufgaben der Kriegervereine behandelt daS Organ des deutschen Krieger- vereinSbundes in einem beachtenswerten Artikel. Der neueste Geschäftsbericht deS Preußischen LandeS-KriegerverbandeS erinnert durchaus zeit­gemäß an die Leitsätze über die vaterländischen Aufgaben der Kriegervereine, die von der Ver­treterversammlung des Kyffhäuser-BundeS der Deutschen Landes-Kriegerverbände als einheit­liche Richtschnur für alle deutschen Krieger- vereine aufgestellt find. Diese Leitsätze ent­wickeln auS den allen Kriegervereinen gemein­samen Satzungszwecken des monarchischen und vaterländischen Geistes den Gegen­satz deS KriegervereinSwesenS zur Sozialdemo­kratie und gipfeln in folgender grundsätzlichen Stellungnahme:Wer sich zur Sozialdemokratie bekennt oder ihre Bestrebungen durch Wort oder Tat unterstützt, kann nicht Mitglied eines KriegervereinS werden und muß, wenn er eL dennoch geworden ist, auSgeschlosie i werden, so­bald solche Tatsachen zur Kenntnis seines Ver­ein» gelangen. Dieser klare, unanfechtbare Rechtsboden ist durch richterliche Erkenntnisse mehrfach anerkannt worden. Diese Grundsätze für die Auswahl und Aufnahme der Mitglieder der deutschen Kriegervereine bilden zugleich die Richtschnur für die nationale Wirksamkeit des deutschen KriegervereinSwesenS. Es handelt sich darum, die ehemaligen Soldaten, die in treuer Gesinnung zu ihrem Landesherrn und ihrem engeren Vaterlande in Treue ju Kaiser und Reich, in die Kriegervereine eingetreten find, in dieser Gesinnung zu erhalten und zu stärken, sowie ein starkes Nationalgefühl in ihnen anzu- sachen und zu pflegen; es handelt sich deS weiteren darum, die Mitglieder dazu anzuhalten, diese Gesinnungen auch als Staatsbürger zu betätigen, sie, ein jeder in seinen Kreis, hinein­zutragen und dadurch zur Verbreitung einer starken monarchischen Ge­sinnung und eines kräftigen National­gefühls im deutschen Volke beizutragen; und es handelt sich endlich darum, scharfe Stellung gegen die Sozialdemokratie zu nehmen und der Weite'Verbreitung ihrer Lehren entgegenzuwirken." Diese Anschauungen sind Gemeingut der Kriegervereine geworden.

Die frühere Ansicht, daß die Satzungsbe- stimmung, welche politische Erörterungen aus- schließt, auch der Sozialdemokratie gegenüber zu gelten habe, tritt nur noch ganz vereinzelt auf. Fast überall hat sich die Ansicht durchge­

rungen, daß diese Bestimmung sich nur auf die politischen Meinungsverschiedenheiten der bürger­lichen Parteien beziehen könne, um den Partei­hader aus den Kriegervereinen zu bannen. Sehr richtig führt der Geschäftsbericht auS, das un­politische Wesen der Kriegervereine müsse streng dahin festgehalten werden, daß alle bürgerlichen Parteien ohne Unterschied als gleichberechtigt anzusehen (aber nur solche, die ebenfalls die Sozialdemokratie bekämpfen, denn Parteien, welche die Sozialdemokraten unterstützen und als gleichberechtigt anerkennen, stehen auf der­selben Stufe wie diese) und daß die Meinungs­verschiedenheiten der bürgerlichen Parteien au» den Vereinen fernzuhalten find; kein Verein dürfe fich in daS Schlepptau einer politischen Partei nehmen lassen oder ihre Bestrebungen unterstützen. Mit demselben Recht aber wird die Bekämpfung der Irrlehren der Sozial­demokratie, d. h. ihrer Feindschaft gegen die Monarchie und ihrer vaterlandslosen Gesinnung als eine unbedingte Forderung der wichtigsten Satzungsbestimmung der Kriegervereine hinge­stellt. Die unmittelbare Folgerung, daß die Verband»- und VereinSvorstände vor Wahlen ihre Kameraden auf die Satzungsverpflichtungen Hinweisen, ergibt sich hieraus von selbst. In dieser Weise haben denn auch in den letzten Jahren die Vorstände der Verbände und Ver­eine, besonders in Gegenden, wo die Sozial­demokratie stark und mächtig ist, ihre Pflicht aufnesaßt.

Der russisch-javamschs Krieg.

Bon der russische« Flotte.

Admiral RoschdjestwenSky soll mehreren der ehemaligen deutschen Dampfer, die in Hilfs­kreuzer umgewandelt worden find, den Auftrag erteilt haben, den japanischen Handel lahmzu­legen und die Städte an der japanischen Küste zu beschießen, die nicht verteidigt find. Die Kreuzer find durch ihre Schnelligkeit hierzu im­stande. Admiral Togo würde durch diese Taktik mehrere Kreuzer seiner Flotte zur Verfolgung der feindlichen Hilfskreuzer entsenden müssen.

London, 21. April. DaS Erscheinen rus­sischer Torpedoboote vor Hongkong hat die so­fortige Folge gehabt, daß die englische Dampf­schiffahrt nach japanischen und chinesischen Häfen fast gänzlich suspendiert ist. Die fälligen Dampfer wurden ausnahmslos hier zurückgehalten und deren Ausreise ad calendas russicas vertagt.

Paris, 20. April. In französischen diplo­matischen Kreisen weiß man nichts über den Protest, welcher fremden Zeitungen zufolge fotmett von Japan an Frankreich gerichtet worden sei, und eine Verletzung der Neutralität durch das russische Geschwader zum Gegenstand habe. Das Geschwader hat seit mehreren Tagen die französischen Gewässer verlassen.

Hongkong, 20. April. Ter Gouverneur erließ eine Bekanntmachung, die sich gegen die

Ausfuhr von Kohlen richtet, ausgenommen der von der Buvkerkohle, deren Ausführung der Ge­nehmigung deS Hafenmeisters unterliegt.

Schanghai, 21. April. Ter hier intet« nirte russische KreuzerAskold" hat von drei Lastschiffen Kohlen eingenommen. DerASkold" ist jetzt so angestrichen, daß er einem ameri­kanischen Kriegsschiff gleicht. Die Maschinen­teile, welche bei der DeSarmierung des9l8lolbe seinerzeit entfernt worden waren, wurden wieder ersetzt. Ein Lotse ist für drei Monate ange­nommen. Fünf chinesische Kriegsschiffe haben Befehl erhalten, denASkold" zu überwachen. (Für die herannahende russische Flotte wäre et eine wertvolle Unterstützung, überhaupt et« ausgezeichneter kühner Streich wenn es dem ASkold" gelänge, die hohe See zu erreichen.)

Ueber de» Zustand der japanischen Flotte weiß man Genaues nicht. Die Sckftssverluste, namentlich an Torpedofahrzeugen, kennt man nicht, also auch nicht genau die Stärke der Flotte. Gereinigt und ausgebessert sind sicherlich alle Schiffe auf das sorgfältigste in den vorhandenen großen Docks, daS steht fest. Daß sie neue Kessel erhalten haben, ist dagegen gänzlich ausgeschlos­sen, da die baltische Flotte doch in zu drohender Nähe war, also nach dieser Richtung hin schon durch ihre Anwesenheit im Indischen Ozean einen gewissen Druck auf die Entschlüsse der japanischen Marineleitung ausgeübt hat, der nicht zu unterschätzen ist. Man konnte nach dem Aus­laufen der baltischen Flotte in Japan n'cht daran geben, so große Verbesserungen tote daS Ein­bauen neuer Kessel an Stelle der alten, lange in Dienst gewesenen vorzunehmen, weil das zu viel Zeit erforderte, und muß sich begnügen, die alten weiter zu verwenden, was für die sslahrtaeschwin- digkeit der Schiffe in Betracht kommt. Dann ist aber gemeldet worden: Alle Schifte haben ihre verbrauchten Geschützrohre ausgewechiclt, die ge­samte schwere Artillerie ist durch ne"e ersetzt. Das glauben wir nicht in vollem Umfange. Gewiß toören die Rohre abgebraucht, denn wenig hat bie Flotte nicht geschossen. Aber wir glauben nicht, daß die vier Linienschiffe mit je vier 30,5 cm- Rohren neue erhalten haben., und zwar aus dem Grunde nicht, weil einerseits Japan vor dem Kriege solche Refervogefch'"we nicht "---rätig ge­hakt hat, andererseits solche auch nicht bei de» englischen Lieferanten, nämlich bei Armstrong u. Mckers, Vorrat',a gelegen h^en denn die bauen solche Geschütze nur auf Bestellung. Nun ist allerdings zu Beginn des Krieges der Auftrag für den Bau von zwei Linienschiffen an die bei­den Firmen ergangen, die zusammen acht 30,5 cm erhalten, aber das wären erst acht, und dir dürften jetzt erst fertig geworden sein. Auch bei volle Ersatz der anderen schweren Geschütze auch nur auf den modernen Linienschiffen und Panzer­kreuzern ist sehr unwahrscheinlich, denn es wäre» vierunddreißig 20,3 cm, ein 25,4 cm und Huw dert"ndsechffg 15,2 cm zu rsetzen wwcs.n, und das ist doch etwas reichlich, (r--'ianb liefert ja tapfer und hilfreich allen Kriegsbedarf, darunter Geschütze und Munifton, wenn auch gelegentlich Kohle otf Schiffen anderer Flagge als Konter­bande behandelt wird, t'nr die 210 s^weren Ge-

81 'Nachdruck verboten.)

Ungleiche Brüder.

Original-Roman von Irene von Hellmuth.

(,^>>!!etzung.)

Stein, Onkel, ich konnte es nicht über mich gewinnen, einem Mädchen vorzulügen, daß ich es liebe, wo jeder meiner Gedanken einer andern gehört! Ich konnte nicht ein Wesen zum teeib begehren, das in meinem Herzen nicht den «einsten Raum einnimmt, und niemals ein­nehmen wird, denn ich fühle es, ich werde über­haupt nicht mehr lieben können! Schmachvoll wäre es mir erschienen, und ich hätte die Achtung vor mit selbst verloren. Ich wäre meines Lebens nimmer froh geworden! Einen Handel mit der Ehe werde ich nicht treiben, und sollten die an­dern mit mir zu Grunde gehen!"--

Na, siehst Du, ich kannte Dich besser, als Du selbst Dich kennst," sagte der Onkel in einem Ton, aus dem die innere Befriedigung herausklang, ich erkannte Deinen ehrenwerteit Charakter so­gleich. Aber nun sage mir vor allem, wann bist Du oeiiu zurückgekommen?"

Gestern abend," lautete die Antwort.Die Reise wurde nur ans geschäftlichen Rücksichten unternommen, und zog sich eigentlich länger hin als ich beabsichtigt hatte. Wäre ich doch niemals fortgegangen! Ach. daß ich nicht ahnte, was sich alle? in der kurzen Zeit ereignete!"

Was ist denn geschahen? Erzähle doch!" drängte der Onkel, der ziemlich laut svrach, als wollte er, daß er im Nebenzimm gehört #>rbe. -

Der andere fing nun in ausführlichen Worten w erzählen an, von einem Mädchen, das er mit »ein Vater im Gartenhause untergebracht, ein

Mädchen, so jung ttnb z ft, so schön und tut- schuldsvoll, wie er nie eines gesehen.

Und nun," fuhr er fort,während meiner Abwesenheit starb ihr Vater; sie wohnte der Be­erdigung bei und ist seitdem spurlos verschwun- den! Ich erfuhr es gestern bei meiner Ankunft. Zu Hause nennen sie das Mädchen ein undank­bares Geschöpf, das einfach toeglief, wer weiß, wohin. Ich dachte zuerst, sie wäre vielleicht zum Zirkus zurückgekehrt. In aller Morgenfrühe war ich dort, tim nachzufragen aber niemand weiß etwas von ihr, keiner hat sie gesehen! O mein Gott, wenn sie, ganz einsam, ganz ver­lassen, ganz arm wie sie war, einen verzweifelten Schritt unternommen hätte, ich überlebte es nicht! Wer weiß, was sie mit dem Mädchen gemacht haben aber sie sollen mir Rede stehen, ich fordere Rechenschaft!"

Der Sprecher hielt tief seufzend inne. Die Lauscherin am Fenster, die da saß wie ein Marmorbild, unfähig, sich zu rühren, hörte jetzt etwas, das wie Schluchzen klang, und ein unge­heurer Jubel bemächtigte sich ihrer.

Der Mann da drinnen, der gute, edle, er weinte, weinte um sie! O Glück, kauin zu fassen, o Wonne, kaum zu begreifen! Da drinnen saß einer, der um ihr Leben bangte, als wäre es für ihn das kostbarste Gut auf Erden. Konnte denn die Welt so schön sein? Konnte es so viel Glück geben?

Das kleine, pockoude Herz drohte die Brust 'zu sprengen, als jetzt in dem Zimmer ein Stuhl gerückt wurde, und ein zögernder Schritt sich der Tür näherte.

Und da stand Eugen Mertens wie sestgebannt auf der Schwelle ttnb starrte das Mädchen an, dessen Augen aufleuchtend an den seinen hingen, dessen Mund ein süßes Lächeln umspielte.

Dann ein jauchzender Aufschrei:

Violetta sie lebt sie lebt wirklich!"

Das klang jubelnd, Ivie zwischen Lachen und Weinen. Eugen war hinzugestürzt, hatte die Geliebte zu sich gerissen, ohne Frage, ohne ein weiteres Wort. Dies unverhoffte, gänzlich un­vorhergesehene Wiederfinden der v. loren Ge­glaubten hatte plötzlich jede Schranke niederge­rissen, jedes Bedenken besiegt, jede Frage über­flüssig erscheinen lassen. Eugen Mertens wußte es in dem Augenblick, als er das selig erschau­ernde Mädchen in stürmft^er Wonne ans Herz drückte, daß er geliebt wurde, so heiß und leiden­schaftlich, wie er selbst liebte. Er fragte nichts, er küßte nur die roten Lippen, unb es kam über den stillen, ernsten Mann wie ein Rausch, tote ein Taumel.

Lange hielten sie sich umschlungen. Eugen wußte nicht, wie die Geliebte gerade hierher kam, er wußte nur, daß sie da war, daß er sie tr den Armen hielt, und daß er unaussprechlich glücklich war.

Seine Blicke senkten siu in die schonen Augen des Mädchens, das, den Kopf etwas zuruckge- bogen, an seiner Brust lag und zu ihm auffah mit unbeschreiblichem Ausdruck.

Fritz Hebart aber hatte eilig Frau Jakobi herbeigeholt, trat leise :nit ihr an die Türe, die nickst geschlossen war, ließ einen Blick ins Zimmer werfen und fragte dann mit strahlendem Lächeln:Wissen Sie nun, was demKinde" ge­fehlt hat? Der wars, mein Neffe."

Das war allerdings eine Ueberraschung für die gute Frau."

yUnb nun schleunigst für ein gutes Mahl ge­sorgt," raunte Fritz Hebart ber Wirtschaftlerin zu.Denn wenn bie beiden da brlr.nen auch vorerst nicht an Essen und Trinken denken, so

wollen wir doch einfttoeLen das Nötige herbei- schaffen."

Frau Jakobi nickte lächelnd.

Sie denken doch immer an alles," sagte sie. Dann eilte sie mit jugendlicher Behändigkeit davon.

Aber ber Tisch war längst gedeckt, und alles vorbereitet, die Liebenden jedoch schienen ver­gessen zu haben, daß es außer ihnen m h andere Menschen auf der Welt gab.

Onkel Fritz wurde etwas ungeduldig.

Ihr müßt doch bedenken, daß man von ber Liebe allein nicht leben kann," rief er.

Dann saßen sie bei dem würdigen Mahl unb vermochten doch kaum einen Bissen zu genießen. Mit dem Trinken ging es etwas besser. Man stieß an auf eine glückliche Zukunft, unb hatte sich babei so viel zu erzählen, daß ein Paar Stunden rasch verflogen. ,

Nun erst berichtete Onkel Fritz ausführlich, wie er Violetta gefunden hatte.

Eug:i schauderte bei dem Gedanken an daS was dal verzweifelnde Mädchen beinahe in be« Tod getrieben hätte.

Als der junge Mann fich aber bann zum Aufbruch rüstete, erwachte bei Violetta die Angst um ihr Glück.

Um Gott Eugen, Deine Mutter, Dem« Geschwister! Was werden sie sagen, wenn sie er- fahren, bu& Du Dich mit mir verlobt haft? bringe Dir ja nichts mit als meine beiße Liebe ttnb den innigen Wunsch, Dich glücklich zu machen." ,

Das wird sich finden." sagte Onkel Fritz mit so ruhiger Zuversicht, daß auch Eugen bie plötzlich aufjteigenbe Beklemmung rasch überwand.

(Schluß folgt).