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matographischen Vorführungen haben in ausgezeichneter Weise das Verständnis für die Zwecke und Ziele des Vereins in die breiten Schichten des Volkes getragen. Als ein alle Erwartungen übersteigendes Agitationsmittel erwiesen sich lia nach der Wasserkante (Hamburg, Helgoland, Kiel, Bremen und Wilhelmshaven) unternommenen Schülerfahrten, an denen sich unter erprobter Führung insgesamt 2000 Lehrer und Schüler beteiligten. Die Fahrten fanden bei den Marinebehörden, den Direktionen der Hamburg-Amerika- Linie und des Norddeutschen Lloyd, bei den Hauptausschüssen von Bremen und Hamburg, sowie dem Verkehrsverein in Kiel dankenswerte Unterstützung.
4 Beilagen vervollständigen den Bericht und geben die Bilanz vom 31. Dezember 1904, die Uebersicht über die Jahresabrechnung für 1904, die Uebersicht des Mitgliederbestandes und der Organisation und endlich den Entwurf eines Voranschlages für 1905.
Wenige werden das 15 Quartseiten Text enthaltende Heft aus der Hand legen, ohne zuzugestehen, daß der Verein im Berichtsjahre unverdrossen bei der Arbeit war und daß er trotz der durch die erhöhte Agitation bedingten Ausgaben seine Finanzen in musteryaster Ordnung hält.
I WelthandelSstatistik.
I Nach einer Statistik des englischen Handels- I amtes über den Umfang des Außenhandels der I wichtigsten Länder im Jahre 1904 steht das Ver- I einigte Königreich Großbritannien weitaus an I erster Stelle. Der Gesamtwert des Außenhandels bezifferte sich auf rund 15,63 Milliarden Mark, I woran der einkommende Verkehr mit 9,62 Mil- I liarden Mark, der ausgehende mit 6,01 Milliar- I den Mark beteiligt war. An zweiter Stelle steht I Deutschland mit einem Gesanitumsatz ton 11,46 I Milliarden Mark im Außenhandel, wovon die I Einfuhr 6,29 Milliarden Mark, die Ausfuhr 5,17 I Milliarden Mark beanspruchte. Ziemlich nahe dein deutschen Außenhandel kommt der nord- amerikanische mit einem Gesamtwert von 10 25 Milliarden Mark. Im Gegensatz zu dem in England zwischen Einfuhr und Ausfuhr Herr- schenden Verbältnis war in den Vereinigten Staaten die Ausfuhr mit einem Totalwert von 5,94 Milliarden Mark beträchtlich höher als die nur 4,31 Milliarden Mark wertende Einfuhr. Frankreich bewältigte in 1904 einen Gesamt- Handel von 7,2 Milliarden Mark, und zwar 3,63 Milliarden Mark in der Einfuhr und 3,37 Milliarden in der Ausfuhr. In Belgien betrug die Einfuhr rund 2,1 Milliarden Mark, die Ausfuhr 1,64 Milliarden Mark, in Oesterreich-Ungarn 1,7 Milliarden bezw. 1,72 Milliarden Mark, in Italien 1,48 bezw. 1,29 Milliarden Mark, in Japan 750 Millionen bezw. 760 Millionen Mark. Zu Großbritannien treten noch hinzu der indische
I Außenhandel mit 127 Millionen Mark Einfuhr und über 2000 Millionen Mark Ausfuhr, so' ie der ägyptische Außenhandel mit 420 Millionen Mark Einfuhr und 426 Millionen Mark Ausfuhr.
Marburg
Sonntag, 23. April 1905.
Umschau.
Jahresbericht des Deutschen Flottenvereins.
Der soeben erschienene „Jahresbericht des Deutschen Flottenvereins für das Jahr 1904" betont in der Einleitung, daß Deutschland einer beichleunigten und erheblichen Vermehrung der schlachtflotte bedarf, wenn es seine Weltmacht- stellung behaupten, wenn es seinen Handel über see schützen,wenn es sich den Frieden erhalten will.
Die Zahl der Einzelmitglieder hat um 14 831, die der körperschaftlichen Mitglieder um etwa 40 000 Köpfe zugenommen, so daß die Gesamtfolgeschaft des Vereins 688 004 Personen ausmacht.
Hervorzuheben bleiben die Leistungen in der Seewohlfahrtspflege, die zumeist infolge der Ertragnisse einer Gesellschaftslotterie im Berichtsjahre eine außergewöhnliche Ausdehnung erreichten. Aus dem Chinafonds gelangten 11 892, "us dem gleichen Fonds der Provinzialgruppe Berlin-Mark Brandenburg 1460 Mk. tut Auszahlung. Das Seemannshaus für Unteroffiziere und Mannschaften der Kaiserlichen Marine erhielt alsl. Jahresrate 15 000 Mk., der Deutsche Schulschiff-ercin 10 800 Mk., die Deutsche Seemannsmission in Großbritannien 2000 Mk., die Seemannsheime in Neufahrwasser, Königsberg r. Pr., Stettin, Emden zusammen 1500 Mk., das Komitee für die Deutsch-Evangelische See- mannsmission in Berlin 500 Mk., der Vaterländische Frauen-Verein in Wilhelmshaven 500
Gesellschaft Schiffbrüchiger 100 Mk.
Seitens der Landes- und Provinzialgruppen sind außerdem noch Stiftungen und Zuwendungen in der Höhe von 28 336 Mk. gemacht wor- den, von denen nur 2, die Stiftung des Landesverbandes Braunschweig für S. M. S. „Braunschweig" mit 11 500 Mk., die des Landesverbandes Großherzogtum .Hessen für S. M. S. „Hessen" mit 10 000 Mk. hervorgehoben werden sollen.
. Aus dem interessanten Abschnitt IV „Litera- nsche Betätigung" ergibt sich, daß „Die Flotte" (die monatlich erscheinende Vereinszeitschrift) eine Auflage von 280 000 — jetzt 310 000 — Abdrücken erreicht hat. Die „Mitteilungen des Deutschen Flottenvereins" unter ehrenamtlicher Leitung des Generals Keim erschienen 32 mal und fini)_ in je 2500 Abdrücken an Zeitungen, Geschäftsstellen, Behörden, Abgeordnete usw. versandt worden.
Unter „Agitation und Werbetäsigkeit" sind die bezüglichen, von einer beachtenswerten Arbeitsfreudigkeit Zeugnis ablegenden Leistungen ütarsichtlich zusammengestellt. Hier möge nur I erwähnt werden, daß 15 Handelskammern den Bestrebungen des Vereins voll zugestimmt haben.
636 Vorträge wurden von einer stattlichen Reche von Rednern gehalten, unter denen sich in ganz Deutschland geachtete und bekannte Herren, ourchweg aber nur Persönlichkeiten befin^.n, die ihre Fähigkeiten voll und ganz in den Dienst der vaterländischen Sache stellten. Auch die kine-
Es liegt im Interesse des Reichstages ebenso wie in dem der Regierungen, daß die Pensions- entwürfe noch in dieser Session verabschiedet werden. Das Zentrum hat bisher den Mttel- punkt des Widerstandes gegen eine schleunige Verschleppung der Entwürfe gebildet, e? hat die Ueberweisung an eine besondere Kommission verhindert und hat neuerdings auch die Kom- miffionsberatungen verzögert. Wenn man in Zentrumskreisen lesen wird, in welcher Weise die „Leipziger Volkszeitung" diesen Standpunkt ausbeutet, so wird man dort vielleicht stutzig werden und sich anders besinnen. Das Mehringsche Blatt schreibt nämlich:
„Es ist im Reichstag ein offenes Geheimnis, daß das Zentrum schon im Februar eine abermalige Vertagung der Session in Erwägung zog und daß es darum auch in letzter Zeit emsig auf die rechtzeitige Fertigstellung' des Etats hindrängte, weil damit der Regierung eine Gefälligkeit erwiesen wurde. Eine Liebe ist der andern wert, denkt es, darum wird die Regierung auch leichter in die Vertagung einwilligen, die den Abgeordneten das Almosen freier Eisenbahnfahrt während der Vertagung einbringt. Und um die Vertagung nun plausibel zu machen, setzte es. nut seiner Verschleppungstaktik bei dem Mi- litärpensionsgesehentwurf ein, verlangte weitläufige Unterlagen von der Regierung für das Gesetz, die die Regierung erst beschaffen muß, so daß der Entwurf in dieser Session nicht mehr Gesetz werden kann. Dann — soll die auf den Entwurf verwendete Arbeit nicht verloren gehen — muß vertagt werden. Für diese Taktik ist das Zentrum der stillschweigenden Zustimmung einer stattlichen Reihe von Abgeordneten anderer Parteien sicher, die alle die offene Hand nach dem begehrten Almosen ausstreck.'n. Man scheint gar nicht zu ahnen, wie man durch diese Bettelpolitik den Parlamentarismus diskreditiert und der Regierung selbst die Handhabe dazu bietet, für die Berücksichtigung dieser Betteltaktik immer größere Dienste zu verlangen."
Wir können uns nicht denken, daß eine Partei wirklich so kleinlich sein könnte, die Vertagung der Reichstagssession deshalb zu betreiben, um den Mitgliedern freie Eisenbahnfahrt in den Sommermonaten zu ermöglichen. Aber in weiten Kreisen wird allerdings der Verdacht gehegt, daß diese Freifahrt bei den Vertagungswünschen mancher Leiste eine wesentliche Rolle spielt. Es wäre daher wohl angebracht, wenn zugleich mit der, Vertagungsverordnung die Aufhebung der Freifahrten während der Vertagungsperiode ausgesprochen würde. Doch muß unseres Erachtens grundsätzlich und in erster Linie darauf hingewirkt werden, daß die Vertagung der Session wieder zu einem seltenen Ausnahmefall werde, ■ö« der neuesten Zeit gehört ober der Schluß einer einfachen Session zu den seltenen Äus- nahmefl.llen. Wenn hierin ein Wandel herbei- aefnhrt würde, so wäre das vermutlich behufs Beschleunigung der Kommissionsarbeiten von günstiger Wirkung.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, llmversttätr-Buchdruckerei 40.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
lNachdruck verboten.)
Das ganz besondere Osterei.
Humoreske von Teo von Torn.
Nun winkt's und flüftert's aus den Bächen Nun dnftet's aus dem Tal herauf;
In ungestümer Sehnsucht brechen Die Knospen und die Herzen auf —
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mit dem Knisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.
Leutnant von Tettborn bekam einen brand» roten Kopf und fchien nicht übel Lust zu haben, dem „intelligenten Menschen" das Geibel-Tett- bornsche Poem um die Ohren zu schlagen. Er bezwang sich jedoch.
„Haben Sie schon solch ein Heupferd gesehen, Rabenow? Solch eine Wanzenhafte Unverschämtheit? Will mir der Kerl vorschreiben, an wen ich die Ostereier verschenken soll!? Mensch —■ ich — — na, danken Sie Ihrem Schöpfer, daß ich keine Zeit mehr habe! Aber wir sprechen uns noch, mein Lieber! Wir sprechen uns doppelt, wenn Sie die Geschichte nicht ordentlich besor- gen — und zwar an diese Adresse hier. Was steht da?"
„Fräu—lein Jta Be—ren—des," las der Bursche stotternd, „Weite Vorstadt 12."
„Was sollen Sie dorthin besorgen?"
„Diesen Brief und--und ein ganz be-
sonderes Osterei."
„Bitt' ich mir <ui8. Weg! — So ein Dro- medar , , »"
L i» I. t.
Das ist ein Familienfehler sozusagen. Ich habe erne kleine Cousine, die mit zwölf Jahren schon einen brillanten Strumpf strickt — bloß aufangen kann sie keinen. Da muß Mama helfen oder sonstwer. So geht's mir mit der Poesie. Wenn ich einen hübschen Anfang habe, danil macht sich das übrige ganz von selbst. Entschiildigen Sie mich nur einen Moment —"
"In einer knappen Viertelstuiide müssen wir zum Dienst, Tettborn!"
„Schön — also einen halben Moment. Seien Sie so lieb und klingeln Sie inzwischen meinem Kerl."
Richard Rabenow beugte sich aus dem offenen Fenster und riß an einem seitlich angebrachten Draht, bis hoch oben unterm Dache eine Glocke austmmmerte. Dann setzte er sich auf das Fenster- verschränkte die Arme und schaute dem Dichter zu, der mit der Schnurrbartbinde und in Hemdarmeln den Pegasus bändigte. Ein drolliger Anblick. Leutnant von Rabenow schien aber keinen rechten Sinn für den Humor der Situation zu haben. Er blickte ernst unb wollte eben zum Ausdruck bringen, was er auf dem Herzen hatte, als der Bursche eintrat.
„Sind Sie da, Kanieß — ?"
„Zu Befehl, Herr Leutnant."
Tettborn batte flüchtig aufgesehen. Nun überlas er aufmerksam das Geschriebene — und er sah, daß es gut war.
„Wollen Sie mal lesen, Rabenow?"
„Nee, lassen Sie nur."
"Aber cs ist wirklich brillant geworden —" „Trotzdem."
„Na, dann nicht," warf Leutnant von Tettborn etwas gekränkt hin, kniffte das Blatt zusammen und schob es in ein Couvert. „Kanieß'"
„Herr Leutnant."
„Sie, sind ein intelligenter Mensch, Kanieß — wenn Sie wollen. In diesem Falle bitte ich mir aus, daß Sie Ihren gesamten Grips zusammen, nehmen. Hier find zehn Mark. Sobald Sie mit
„Sie tun dem Manne Unrecht, Tettborn," sagte Leutnant von Rabenow, nachdem Bursche das Zimmer verlassen. Er wundert — und mit Recht. Ich wundere mich auch. habe mich gestern abend schon gewundert, als Sie mir Ihr Herz ausschütteten. Wenn Ihnen heute in aller Herrgottsfrühe auf Bude geturnt bin, so geschah das eigentlich in der Hoffnung, Sie von einem unüberlegten Schritt abhalten zu können —"
has nicht, mein Lieber. Ich Achte sogar sehr gut, wenn ich mir Mühe gebe' Nur der Anfang macht mir Schwierig? :ten.
Leutnant von Tettborn ließ das Buch sinken Er hatte die Strophe sehr eindrucksvoll reziftert. Selbst strakosch oder Matkowsky hätten das nicht bester machen können — wenn sie ebenfalls durch eins Bartbinde behindert gewesen wären.
„Was sagen Sie zu diesem Versch, Rabenow?"
„Sehr schön, sehr schön."
»Nicht wahr? Warten Sie mal — von wem ist denn das? Emanuel Geibel. Hm — meinen Sie, daß Jta Berendes Geibel kennt?"
»Das wird sie wohl. Ob ihr gerade diese Strophe geläufig fein wird, ist —"
„Ist nicht anzunehmen, was? Mein' ich ^'ch- so em Pech gibt es ja gar nicht. Außer- E"'st Geibel ziemlich passä. Wird kaum noch
Den Klimbin machen jetzt Arnold Holz, Otto x$uliu§ Bierbaum und die Brüder Ich tverde also bei dem Versuch bleiben —
Nrm winkt s und fiüsteri's aus den Bächen
~ ~ - Sehnsucht brechen
Die, Knospen und die Herzen auf__
Wirklich famos. Paßt auch zu Ostern wie cits^cfnovclt. foctbc nun schnell noch ein Haar Reihen zudichten, damit die Schoss ganz akttiell wird. Setzen Sie sich ’n Augenblick oder rennen Sie wenigstens nicht herum. Dabei kann kein Mensch dichten, übrigens so gehässig?"
„Sie werden dem alten
Im vorigen Jahre ist der Reichstag, statt regelrecht geschlossen zu werden, vertagt worden. Den Vorwand — denn zwingende Gründe waren für di« Vertagung nicht vorhanden — lieferte me in der Kommission befindliche Börsengesetz. Novelle. Man meinte damals, die wertvollen Arbeiten der Börsenkommission dürften nicht verloren gehen, sondern müßten in die neue Ses- Tion hinübergerettet werden. Was ist aber in Wirklichkeit gewonnen worden? Die Kommissions- arbeiten haben auch jetzt noch nicht ihren Abschluß erreicht, was im vorigen Jahre in der Kommis- fion airsgearbeitet worden ist, war pro nihilo. Möglicherweise wären wir sogar auch in der Börsengesetzreform heute weiter, wenn der Reichstag geschlossen und von dem Bundesrat eine ne ie, eingeschränkte Gesetznovelle borgelegt worden wäre.
Dagegen haben sich in der diesjährigen Reichs- tagssession die üblen Folgen der Vertagung mit besonderer Deutlichkeit gezeigt. Die ungeheuer- siche Menge von Antrags-, Resolutions- und Peirtionsmaterial, die auch jetzt noch unerledigt un Reichstage liegt, svricht in dieser Hinsicht eine beredte Sprache. Die Initiativanträge nebst Nesolritionen, sowie die Petttionsberichte sind heute ungefähr 120 Nummern stark, sie belasten die Reichstagsgeschäftsführung über alle Maßen, und die Verhandlungen über diese „offen Kamellen" tragen zur Verödung des Hauses, zu seiner Unfähigkeit, über wichttge Dinge die notwendigen Beschlüsse zu fasten, bei.
Trotz der schlechten Erfahrungen, die regel- mäßig mit einer Vertagung des Reichstages über die Session hinaus gemacht werden, hört man fetzt auch wieder schon munkeln, daß die diesjährige Session nicht geschlossen, sondern vertagt werden solle. Zwar schiebt man diesmal Glicht die „wichttgen" Kommissionsarbeiten für Sie Börsennoveffe als Dertagungsgrund vor, dafür hat man aber einen anderen Grund gesunden: die Hinüberrettung der Militärpensionsentwürfe! Es wäre traurig genug, wenn ein solcher Auf. fffiub der so dringend notwendigen Refonnarbeit aus dem Gebiete der Versorgung alter Militärs nm ein Jahr eintreten müßte. Der Reichstag bat fast einstimmig wiederholt die verbündeten Regierungen dazu gedrängt, die Pensionsvorlagen möglichst zu beschleunigen. Die Verbündeten Regierungen sind diesem Wunsche nachgekommen: als der Reichskanzler hiervon die Ankündigung machte, mürbe diese mit größter Befriedigung begrüßt; — und heute will der Reichstag auf eine Verschleppung dieser wichtigen Angelegenheit hinarbeiten?
der Arbeit fertig sind, gehen Sie aus und kaufen em ,Osterei. Tas beste und vor allen Dingen o r i g i n e I l st e Osterei, welches Sie auftreiben können. Lassen Sie sich nicht was ^'beliebiges in die Pjoten stecken — nicht etwa fo’n Dings nut ein Paar schnäbelnden Tauben drauf oder gar mit einem Guckloch, durch das man den Oster- Hasen Eier legen sieht. Etwas ganz Besonderes und Eigenartiges muß es sein. Sie haben Zeit, sich alle Auslagen anzusehen und das Originellste auszuwählen. Verstanden?"
„B'fehl, Herr.°:utuantl"
»Sehr freundlich, mein Lieber," erwiderte Tettborn und vollendete feine Toilette mit einer Hast, die beinahe verlegen ausfah. „Sehr freundlich. Aber es nützt nichts. Es ist alles wohl überlegt. Ich habe 'keine Lust mehr, mich von meinem Oheim unterm Hund behandeln zu lassen. Nachdem er mir wegen der lumpigen dreitausend Mark Schulden das Haus verboten und das stille Verlöbnis mit meiner Cousine aufgehoben hat, werde ich eben meinen eigenen Weg gehen."
„Schon recht. Aber wohin führt Sie dieser Weg —!"
„$u einer reichen Heirat, und dadurch zur materiellen Unabhängikeit. Glatt heraus. Ich sehe nicht ein, weshaw ich es nicht so machen soff, wie tausend andere, benen es dabei wohlgeht und die lange leben auf Erden. Mich bindet nicht das . geringste wehr, seit Elisabeth mir schriftlich ernnrt hat, daß sic mit den Maßnahmen ihreS Vaters, also auch mit unserer Trennung, ei::tar. standen sei. Jetzt ist mir alles Wurscht. Alles! Wie Fräulein Jia beim letzten Faschingsbaff ins Zeug gegangen,, ist Regimentsgespräch: auch sonst macht sie kein Hehl daraus, daß sie sich für mich interessiert. Es wird also kaum jemand wundernehmen, wenn ich ihr nun wirklich den Hof mache und mir die Anwartschaft auf ein halbes Milliönchen sichere."
„Das alles haben Sie mir schon gestern gesagt, Tettborn, und fast mit denselben Worten. Ein Beweis, wie ost Sie sich diesen Kuhhandel haben
„Ich verlasse mich au' Sie. Sobald Sie Rechte gefunden haben, befestigen Sie daran sen Brief und bringen beides--"
»Sehr wohl, Herr Leutnant. Fräulein Eli- sabeth von Garden, Stromstraße 30."
Anton Kanieß hatte damit eine Probe feiner rafctari Auffassung geben wollen, ihm gräulich vorbei.