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Druck und Verlag: I. A. Koch, Univerfitäts-Buchdruckerei in Marburg. — Verantwortlich für die Redaktion: vr. Doerkes-Boppard m Marburg.______
Berruischtes.
• "Heidelberg, 17. April. Von einer Seite, "tdie nicht genannt sein triff, sind dem Stadtvat 550 000 Mark zur Errichtung einer Volksbade- sanftalt zur Verfügung gestellt worden. ____
UI m, 15. April. Im Städtchen Laidingxn -setzte sich jüngst ein etwas angeheiterter Hand- "gverker int Wirtshaus an einen Tisch, wo schon Lcr Ortsschultheiß saß, und trank diesem zu mit Den Worten: „Prosit Herr Schultheiß". Erzürnt 'ob solcher Zudringlichkeit und „Mißachtung" ließ ider Ortsgewaltige den Handwerksmann sofort seinsperren, der sich das aber nicht gefallen ließ, fsondcrn Anzeige erstattet^. Wegen Freiheitsberaubung verurteilte nun die Ulmer Straskam- flner den Schultheißen in Anbetracht feines rücksichtslosen Vorgehens zu vier Monaten. Gefängnis. • h ’
11 Im, 17. April. Das Offizierskorps des Regiments Nr. 120, bei dem der Kronprinz ä jla suite steht, widmet dem Kronprinzen laut .„Staatsanzeiger" zu seiner Hochzeit die Statuette eines württembergischen Infanteristen vom Jahre 1870.
„Der deutsche Thronfolger im Lichte nuferer Aeit" betitelt sich ein Büchlein, das Willey Seibert, der während der Bonner Zeit des Kronprinzen sein Lehrer der Musik gewesen ist, zum eLcrfasser hat. Unter anderm plaudert Seibert nn dem Buche über Studentisches aus der Bon- pter Zeit. Sehr viel Freude scheinen demnach die Mcrren Borussen an ihrem Konkneipanten nicht 'erlebt zu haben, denn dieser hatte die Eigenschaft, daß er nicht stark trinken konnte. Daraus erbeben sich dann die Meinungsverschiedenheiten, nie wie Seibert berichtet, sich erst legten, nachdem „Chargierte und Leibburschen zur Berichterstattung nach Berlin befohlen" worden waren. Die älteren Semester der trinkfesten „Preußen" kehrten nicht mehr nach Bonn zurück; „sie grollten sich in anderen Verbindungen, die dem Ernst des Trinkens gewachsen waren, aus. Für den Kron- Prinzen blieb nicht viel rnehx übria als äußerer
Verkehr. Jedenfalls kein innerer Zusammen- Hang. Und im Hintergründe für alle Beteiligten etwas Mißstimmung". Von der zweijährigen Bonner Studienzeit hält Seibert sehr wenig; er vermißte einen Führer für den Kronprinzen, eine überragende Persönlichkeit, die sein Wesen harmonisch vertieft hätte. Eine solche Persönlichkeit sei in Bonn nicht gefunden worden, und so müsse das Bewußtsein trösten, daß die zwei Jahre zumindest nicht geschadet hätten. Hervorgehoben sei, daß Seibert des Kronprinzen Temperament als entgegengesetzt zu dem des Vaters hinstellt; er „ist ruhig„ macht einen fast leidenschaftslosen Eindruck „, , v Der erste Eindruck von seiner Person ist: Stolz. Wer näher zusieht, findet eher Zurückhaltung darin." — Alle solche Aenßerun- gen wollen natürlich mit der nötigen Reserve ausgenommen sein.
Hunderttauseude von Mark sind dieser Tage wieder in Berlin bei Grundstücksverkäufen verdient worden. Am Wittenbergplatz soll ein großes Kaufhaus errichtet werden, und für die hierzu erforderlichen neun Grundstücke wurden 6 Millionen Mark gezahlt. Einer der Verkäufer verdient den Berliner Blättern zufolge 300 000 Mark, ein anderer und zwar innerhalb fünf Wochen 160 000 Mark, während sich die übrigen mit 60- bis 130 000 Mark begnügen mußten. Das wird ihnen gewiß recht schwer gefallen fein!
Blüten und Früchte des Aberglaubens. Aus Amsterdam wird der „Voss. Ztg/ geschrieben: Der Direktor des Schlachthofes in Maastricht legte der Redaktion der „Zeitschrift für Tisr- arzileikunde" ein merkwürdiges gedrucktes Rundschreiben vor, an dessen Kopfende ein Pferd, eine Kuh und ein Schwein abgebildet waren. Es heißt: „Kräftiges Gebet, welches zur Heilung aller Krankheiten, von welchen jedes vierfüßige Tier ergriffen werden kann, dient, wie: Kolik, Blähung, Milchfieber und noch andere bis heute an den tierärztlichen Schulen gar nicht bekannten Krankheiten. Anweisung: Bei der Kolik^eines Pferdes muß man zuerst die Färbendes eueres nennen, dann ein Vaterunser unA S>er gegrüßt
zu Ehren des h. Sebastian, des h. Ribanus, des h. Andreas und des h. Servatius beten, sodann mache man dreimal das Kreuz über das Pferd und spreche dabei: „Ich segne dich im Namen des h. Leo!" Ist dies mit großem Glauben vollbraucht, dann wird man sich überzeugen, daß das leidende Tier von seinen Schmerzen erlöst sein wird. N. B. Infolge der vortrefflichen durch diese Gebete erzielten Resultate hat deren Verfasser eine goldene Medaille (von wem? wird nicht gesagt) verehrt bekommen." Unterzeichnet ist das Blatt von einem anonymen „Mitglied der Brüderschaft von St. Hubert (Ardennen)", während das geistige Eigentumsrecht Vorbehalten und vor Nachdruck gewarnt wird! Ein sicher ebenso untrügliches Heilmittel, aber in diesem Falle für Menschen, bieten die hochwürdigeu Kamillianer- patres in Vaals (ebenfalls Limburg) der leidenden Menschheit an. Es heißt in dem betreffenden Zettel wörtlich: „Aus den Steinen des Zimmers, welches der heil. Kamillus von Lellis bei Lebzeiten bewohnte, wurde nach dessen Tod ein Staub bereitet, der noch immer Gnaden der Heilung zugunsten! derjenigen Kranken hervorge- ! bracht bat, die ihn mit gläubigem Vertrauen auf * die'Fürbitte dieses Heiligen angewandt haben. • Zur Bestärkung des Vertrauens aller Christ- 1 gläubigen auf diesen Helden der christlichen i Nächstenliebe hat unser heiliger Vater, Papst
Leo XIII., ihn zum besonderen Schutzpatron der | Kranken und Hospitäler ernannt. Unter den I vier Wundern, weiche der Papst Benedikt XI v. 1 für die Selig.- und Heiligsprechung des heil. Ka-
iiüllns anerkannte, befanden sich zwei, die auf Amvcndrmg dieses Staubes hin gewirkt haben. Gebrauchsanweisung: Die Kranken nehmen diesen Staub entweder in etwas Wasser, oder sic streuen; ihn auf die wunde Stelle, unter Anrufung des; heil. Kamillus, ihres Patrons. Im Falle einer, wunderbaren Genesung ist mau gebeten, die Um-, stände den .Kochw. Kamillianerpatres zu Vaals gütigst mitzuteilen." In Holland besteht zwar, fein Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerbs aber doch ein solches gegee Kurpfuscherei., "