Erstes Blatt
dem Reichskanzler
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zuständiger Seite die entgegenkom- mit dem Fürsten
Erscheint wöchentlich klebe» mal.
Druck und Verlag' Joh. Lug. Koch, UmverjitätS-Buchdruckerei 40.
Marburg, Markt 21. — Telephon 65. u
morgen, wenn Sie ausgcruht haben. Fürs erste kommen Sie mit mir und dann werden wir weiter sehen."
Violetta machte eine heftig abwehrende Bc- lvegung.
„Soll ich aufs neue das Gnadenbrot bei fremden Leuten essen? — Ach Zerr, — Sir Wilsen nicht, wie bitter es schmeckt, ich habe cs ge- kostet, cs hat mich gedemütigt — feder Bissen auoll mir im Munde — ich — kann cs nicht mehr."
Der Fremde lächelte.
, „Also stolz sind Sie auch," meinte er gutmütig, „ja, wer sagt Ihnen denn, das', Sic bei mir Gnadenbrot zu essen bekommen? Nein, Sie sollen sich Ihr Brot schon verdienen."
„Ich sagte Ihnen doch, mein Arm muß sich erst kräftigen--"
„Ganz recht. Holzhacken sollen Sie auch nicht damit. Welcher Art Ihre Beschäftigung sein wird, muß sich erst. zeigen., Aber arbeiten sollen Sie doch. Ich bin ein einsamer, alter Mann, der weder Weib noch Kind hat, und die Zeit wird manchmal recht lang. Wie wärs, loenn Sie da ei» wenig für Unterhaltung sorgten? Wenn Sie mir vorlesen könnten — meine Augen werden nämlich schon etwas schwach — außerd-m gibt es auch sonst allerlei Beschäftigung in .nrinem Hause, denn die Wirtschafterin kann ohnehin nicht alles allein besorgen."
„Ach, Sie sind so gut," hauchte Violetta, und ließ es jetzt willig geschel"n, daß der Fremde sie wie ein Kind bei der Hand nahm, und mit ihr die enge Straße hinabschritt. Manchmal blieb er stehen, wenn der Gang des jungen Mädchens
Umschau.
Die deutsche Schiffbauindustrie.
Unsere großen deutschen Schiffahrtsgesellschaften haben den Bau einer großen Reihe von Schiffen . in Auftrag gegeben, da der jetzige Schiffsbestand den erweiterten Ansprüchen nicht mehr genügt. In früheren Jahrzehnten werden die großen Schiffe fast ausnahmslos in England gebaut, da in Deutschland nur kleine Schiffswerften bestanden. Wie in vielen anderen Industrien, so hat hat sich in den lebten dreißig Jahren auch in der deutschen Schiffbauindustrie eine große Umänderung vollzogen. Die kleinen Werften an der Nord- und -Ostsee sind zurückgedrängt worden von den Großbetrieben. Zwar ist der englische Schiffbau dem deutschen heute noch überlegen, aber der Vorsprung in Bezug auf Größe und technische Ausgestaltung der Anlagen und Höhe der erbauten Tonnenzahl wird immer geringer. _ Was den Ausbau der Schiffe anbetrifft, so können die deutschen Groß.verften schon jetzt mit den besten englischen Betrieben konkurrieren. Zu den deutschen Großbetrieben im Schiffbau kann man etwa ein Dutzend Unstr- nehmnngen zählen. Die Zahl der in diei'en Großbetrieben beschäftigten Arbeiter, die 1898 30 000 betrug, kann man jetzt auf 60 000 ein« schätzen. Allein seit 1893 ist die Gesamttonnage der gebanten Schiffe um das Fünffache gestiegen. Dabei hält aber die Konzentration im Schiffbau noch immer an, und die Werften legen neue Anlagen an. Ein Nachteil besonders, den die deutschen Schiffswerften gegenüber den englischen haben, der teure Transport der Rohmaterialien, soll nach und nach beseitigt werden durch Anlegung von Hochofen- und Walzwerken in der Nähe der Werften. Sind erst dikst aevlanr->n Werke in Tätigkeit, so wird der deutsche Schiffsbau von neuem einen regen Aufschwung nehmen und leichter mit den englischen Werften in Wettbewerb treten können.
Marburg
Mittwoch, 19. April 1905
Der ruMch-mmnilchf Ene-r.
Die Aufmerksamkeit aller Welt ist jetzt auf die Lage zur See gerichtet. Der Kriegsschauplatz in der Mandschurei ist ganz in den Hintergrund getreten. Kein Mensch weiß genau, wo sich zur Zeit
die russische Flotte
befindet, ivie weit sie sich schon der Insel Formosa genähert hat. Aus Paris wird berichtet, Rösch- djestwenskp habe direkt östlichen Kurs genommen, und steuere über die Bänke von Tisard auf die Philippinen zu. Das ist nicht wahrscheinlich, da diese Bänke kartographisch nicht festgelegt, also für die Schiffahrt sehr gefährlich sind. Aus gewissen Anzeichen will man schließen, daß die russische Flotte auf die Cnvos-Jnsel» südlich von Mindoro steuert. Das ist wohl möglich, aber unkontrollierbar. Jedensalls sind die Russen
Neueste Telegramme.
Berti», 17. April, Unterstaatssekretär a. D. Wirkt. Geh. Rat Meinecke, Mitglied des Staats» vates, ist heute Mittag gestorben.
Nltt dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
________________________ Sonntagsbeilage: Jllnstrirtes Sonntagsblatt.
hindern uns der geschilderten Verhältnisse auf- richtig zu freuen. Es kann für uns in der Tat nichts Erwünschteres geben, als daß dem friedlichen Vordringen unseres Kultureinflusses nach dem Orient, das denn doch schließlich auch eine politische Realität ist, hier an seiner Pforte der Weg in dieser Weise geebnet wird. O. K.
Berlin, 18. April. Der Kronprinz von Rumänien stattete am Sonntag einen längeren Besuch ab.
Berlin, 18. April. Von wird festgestelll, daß bis auf mende Unterredung Delcassds Radolin schlechterdings nichts
I nicht, wie man annahm, noch in den Gewässern I Formosas erschienen. Auch über den Aufenthalt I der japanischen Flotte ist nichts bekannt. Man I glaubt, daß sie sich bei den Pescadores-Jnseln I westlich von Formosa befindet, wo sie die Fokien- I Straße sperren, und von wo aus, wenn Rösch- I djestwenskp Formosa südlich durch den Bashi- I Kanal passieren sollte, sie sich dem Gegner an die I Fersen heften könnte. Telegraphisch wird ge- I meldet:
I London, 17. April. Das Reutersche Bureau I meldet aus Labuan: Die amerikanischen Torpe- I dobootszerstörer „Barry" und „Chauncy" trafen I hier von den Philippinen ein, um zu dem Kreu- I Zer „Raleigh" zu stoßen. Sie sahen nichts, weder I vom baltischen noch vom japanischen Geschwader, Saigon, 17. April. Admiral Jonguidres ist mit dem Torpedojäger „Takou" zu dem Kreuzer „Descacrtes" in die Kam-Ranh-Buck>t gefahren, in deren Nähe eine Anzahl russischer Schiffe ankern. Eine französische Firma in Saigon kaufte den Dampfer „Eridan" an, der gestern Abend mit einer vollen Ladung Lebensmittel verschiedener Art, die vom russischen Geschwader | bestellt waren, in See gegangen ist. Das russische Geschwader verlor seit seiner Abfahrt aus Europa nur acht Mann an Krankbeitcn, bei einem Effck- tivbestand von 18 000 Mann. Ein von Beri- Beri befallener russischer Offizier liegt im Hospital zu Saigon. Die Javaner nahmen auf der Höhe der Küste viele Kohlenschiffe weg, sind ober durch das plötzliche Erscheinen Roschd!estw<mskyS in Unruhe versetzt worden. Es wird bestätigt, daß das russische Hosvitalschiff „Orcl" keinen Verwundeten an Bord batte, da keine Schlacht stattgefunden hat. Unter den weniaen Kranken befindet sich ,der Fürst Kantakuzen. Sechs Personen japanischer Herkunft landeten am Kap St. Iagues in einer anamitischen Dschunke, schifften sich aber an demselben Abend wieder ein.
Hongkong, 17. Ahns. Der deutsche Dampfer „Brunhilde", der heute Margen hier angekommen ist, sah am 14. April 30 Seemeilen nördlich von Kap Vadaran an der Küste von Cochinchina drei russische Kreiner.
Tokio, 17. Avril. Man rechnet hier aus, daß das baltische Geschwader am 12. Avril mittags in der Kamranhbucht anaekanimen ist. Es muß sich also, als es am 11. Avril mittags gesehen wurde, 48 Stunden im Haken aufaehalten haben. Die Meldungen von einem verlängerten Aufenthalt , des Geschwaders in den Gewäsiern von Cochinchina riefen in Tokio Ueberrafchnna hervor, da man allgemein Zweifel aebegt batte, daß Frankreich das Anlaufen feiner Häfen der Flotte einer kriegführenden Macht gestatten wstrde, die in Angriffsoperationen begriffen ist. Man er- wartet, daß Japan unverzüglich bei Frg"kreich Vorstellungen erhebt. Die Antwort wird hier mit Spannung erwartet. Wenn F-ankreich in Abrede stellen sollte, daß sich die Flotte innerbalb der Grenzen der französischen Territorialgewässer befindet, gebe dies Java» Gelegenheit, He Schisse Rofchdjestwcnskvs anzugreifen, ohne di: französische Neutralität zu verleben.
Zn der Mandschurei
ist in der Lage, abgesehen von den Meldungen über kleinere Zusammenstöße, keine Veränderung ein betreten. Nach einem Petersburger Tele- aromw der „Times" liegt dort eins zuverlässige
erfolgt ist. Ent- gegengesctztc Nachrichten dienen • nur der Er
haben nicht da? Recht, dieses Dasein ohne seinen Willen zu enden!"
„Aber loenn Gott r ich — sein Geschöpf, verhungern läßt — wenn er mir alles, alles nimmt, mich elternlos, heimatlos werden läßt, kann soll ich ein solches Leben nicht von mir werfen dürfen?" fuhr Violetta wild auf, und der ganze Schmerz, all das herbe, bittere Weh, 'as sich in den letzten Tagen in ihrem Herzen ngesam- melt, brach nun schrankenlos hervor in dem lei- j denschaftlichen Aufschrei: „Ich habe nichts zu j essen, — nichts zu triefen, das Asyl, *•' lebte Zufluchtsstätte hat man mir grausam geraubt, Verdienst kann ich nicht finden, weil mein Arm, den ich bei einem Sturz brach, mich daran hindert! Mein Vater starb — heute begruben wir ihn, was soll ich noch auf der Welt, verwaist, verlassen, arm wie ich bin? — Lassen Sic mich den erwählten Weg gehen, — hätten Sie mich nicht gehindert, nun wäre alles vorüber!"
Etwas verdutzt von dem wilden fM>af)ren des Mädchens, blickte der Fremde auf di- zierliche Gestalt nieder. I
„So arm, wie Sie sagen, ist Keiner auf Erden," begann er dann langsam, mit bewegter I Stimme. „Etwas zu hoffen und zu wünschen I bleibt doch jedem übrig."
„Mir bleibt -nichts, gar nichts mehr!" klang I es dumpf und schmerzlich zurück. „Ich habe auf der Welt fein Plätzchen, das ich mein nenne, als meines Vaters Grab!" —
Die Stimme klang so furchtbar traurig, daß es dem Manne ins Herz schnitt.
„Armes, armes Kind," sagte er teilnehmend, «Sie sollen mir alles erzählen, morgen, übet»
lieber all dem Sinnen mochte wieder eine halbe Stunde vergangen sein. Selten, daß jemand vorüberging, denn die alte Brücke lag abseits von dein belebten Teil der Stadt. Und wenn einer kam, der blieb wohl einen Augenblick kopfschüttelnd stehen und betrachtete die einsame Mädchengestalt, die dort unbeweglich am Geländer lehnte.
Violetta war zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um noch für etwas anderes Sinn zu haben. Sie beachtete die wenigen Passanteil gar nicht. Es entging ihr somit auch, daß ein Herr in einiger Entfernung stehen blieb, sich in den Schatten der Häuser drückte, und lautlos ganz teif; heran- fchlicb. Er ließ den Blick keine Sekunde lang von der dunklen Gestalt, und als diese sich mit einer raschen Bewegung auf das Geländer. schwang, da _— war er mit einem noch rascheren Sprung an ihrer Seite und erfaßte fm richtigen Augenblick, den Zipfel des oufflatternbcn Kleides, zog die zierliche Gestalt vollends l -ao und hielt sie mit beiden Armen fest.
„Obo. mein kleines Fräulein," was machen Sie denn hier für turnerische Hebungen?" sagte er mit einem mißlungenen Versuch zu scherzen.
Seine Stimme bebte vor verhaltener Erregung. Er versuchte, seinem Schützling in das Gesicht zu sehen, das f mlich aus der Dunkelheit berausleuchtete in seiner marmornen Blässe.
Als das Mädchen keine Antwort gab, fuhr er gutmütig scheltend fort: „Wer wird "ernt gleich einen solch verzweifelten Schritt ttntertich- nlen? Wissen Sie denn nicht, daß es als die schwerste Sünde gilt, sich selbst das Leben nehmen zu wollen? Gott rief Sic ins Dasein, und Sie I
Deutsche Sprache und Kultur in Serbien
I Wie wenige unserer Volksgenossen im Reiche haben eine Vorstellung von dem Geltungsbereich und der Machtstellung des Deutschtums im europäischen Osten. Wer hat eine Ahnung davon, daß es in Petersburg vier deutsche Gymnasien, in Moskau ein deutsches Gymnasium, ein deutsches Realgymnasiuin, ein deutsches Mädchengymnasium und eine deutsche Volksschule mit im ganzen an 1200 Schülern gibt? Wer weiß, daß die Sprache der Börse in Moskau die deutsche ist und daß man im ganze» weiten russischen Reiche mit der deulsckte» Sprache auskommt? Wir gravitieren eben immer nach Westen und Süden, von wo uns einst die Kultur gekommen, und ma- chen uns nicht klar, daß die Expansionssphäre unserer eigenen Kultur im Osten liegt.
lieber die Geltung unserer Sprache und Kultur in Serbien finden wir in einem südungari- schen deutschen Blatte Ausführungen, die wohl verdienen auch bei uns bekannt zu werden und die wir daher im Auszug wiedergeben. Serbien zählt — so heißt es da — sehr wenig Deutsche als Einwohner, ihre Zahl wird mit kaum 10 000 angesetzt, von denen sicherlich die Hälfte in Belgrad wohnt. Nichtsdestoweniger wird in allen Schulen des Landes von den Elementarschulen bis hinauf zu den oberften Lehranstalten die deutsche Sprache fast durchweg obligatorisch gelehrt. Dagegen beginnt z. B. der Unterricht im Französischen erst in der fünften Gymnasialklasse, der beste Beweis dafür, daß inan in Serbien die Kenntnis der deutschen Sprache als die bei weitem nützlichere ansieht. Beamtenschaft und Han- delswclt sind der deutschen Sprache zu großem Teile vollkommen mächtig, die Buchhandlungen setzen toeit mehr deutsche als französische, englische oder italienische Literatur ab. In Gast- und Kaffeehäusern findet man stets neben einer verschwindend kleinen Anzahl von anderen fremdsprachigen Blättern deutsche Zeitungen in größerer Anzahl und in mehreren Exemplaren. Auch erscheint in Belgrad ein deutsches Tageblatt. Handelsagenten, Speditionshäuser und größere Banken amtieren deutsch. Die jungen Serben besuchen mit Vorliebe die Hoch- und Fachschulen Oesterreichs, der Schweiz und Deutschlands, nur selten sucht einmal einer das von der öffentlichen Meinung so sehr umschwärmte Frankreich auf. Nach dem, benachbarte» Ungarn (Ofen-Pest) gehen nur ein paar Veterinäre. Deutsche Tbcater- gesellschaffen und dergleichen, die in der Hauptstadt des _ freiheitlichen Ungarns bekanntlich streng verpönt sind, werden in Belgrad sehr gern gesehen. In die deutschen Elementarschulen, von denen es zwei katholische und eine cvangc- lische gibt, schicken auch viele serbische Eltern ihre Kinder, besonders in die evangelische. Diese deutschen Schulen sind infolgedessen stets über» I füllt. Auch die deutschen Vereine, bereu es nach I deutscher Art eine ganze Menge gibt, üben eine I große gesellschaftliche Anziehungskraft aus. Da- I bei würde aber doch irren, wer glaubte, daß das I Deutschtum, in _ Serbien hervorragend beliebt I wäre. Es ist hier nicht anders wie im übrigen I östlichen Europa, speziell auch in Rußland. Die I Deutschen sind die Kulturträger des Osten?, aber I ihre Lehrmeister pflegen die Völker nicht zu lic- I lcn. Diese Tatsache aber braucht uns- nicht zu I
6erbo!cn.)
Ungleiche Brüder.
Original-Roman von Irene von Hellmuth.
Weckung des total falschen Eindrucks, als ob Deutschland an Sonderverhandlungen mit Frankreich etwas gelegen sei.
Breslau, 18. April. Im Beisein des Polizeirats Stäbler aus Bcutheu haben in verschiedenen Ortschaften des obcrschlesifchen Jnbustrie- bezirks bet bekannten polnische» Agitatoren Haussuchungen stattgefunden. Es fainbelt sich um Aufhebung eines großpolnischen Komitees, das schon seit längerer Zeit geheim mit dem Auslande lebhafte Agitation betreiben soll. Zahlreiche Schriften und Korrespondenzen wurden beschlag- nahmt und der Staatsanwaltschaft in Gleiwitz übergeben.
, Kiel, 18. April. Prinz Heinrich begab sich gestern Abend nach Darmstadt, um dort die Oster- feiertage, zu verlebe».
Leipzig, 18. April. Reichsgerichtspräsibent Dr. Gutbrod ist gestern Morgen an einer Lungenentzündung int 62. Lebensjahre gestorben. Gutbrod war am 10. März 1844 in Stuttgart geboren. Nachdem er 11 Jahre als Richter in Württemberg tätig gewesen war, trat er nach Errichtung des Neichsjtlstizamts 1877 in den NeichSdicnst, zuerst al? Hilfsarbeiter, 1880 als Vortragender Rat. 1892 wurde er Direktor des Reichsiustizamts. Am 1. November 1903 trat er an die Spitze des Reichsgerichts als Nachfolger des Reichsgerichtspräsidenten v. Oehlschlägcr. Gutbrod hat eine wesentliche Mitarbeit an der Sorbeteifung des Bürgerlichen Gesetzbuchs und der Nebengesetze dazu gehabt.
Rom, 17. April. Gestern Abend fand bei dem vrcnßischeit Gesandten Frhr. v. Rotenha» großer Empfang der Mitglieder der deutschen Kolonie und der sich vorübergehend hier aufbattenben Deutschen statt.
Nom, 17. April. Telegramme aus den Pro- diuzei! ineldeu: Auf allen Bahnhöfen herrscht vollkommene Ruhe, lleberolt ist nur ein Teil der Eisenbahnangestellten aller Klassen ausständig. Außer dem Minimaldienst, der für den Fall des Ausstandes bereits in allen Einzelheiten geregelt ist, ist es auf vielen Bahnhöfen möglich, auch andere Züge abguLffen.
Lugano, 17. April. Die italienische Behörde untersagte den Fernsprechverkehr mit der Schweiz. Gespräche mit Como und Mailand werden nicht mehr vermittelt.
Pari?, 18. April. Nach Meldungen aus Fort de France auf Martinique erfolgte» auf dem Mont Pelü wiederum starke Ausbrüche »n- I ter beträchtlicher Rauchentwicklung. Große Lava- I -massen strömen den Berg herab.
(tynr'-Tljnng.)
Mit wankende» Schritten, als versagten die Füße den Dienst, schritt sie dem Ausgang zu. Sie beachtete den Weg nicht, den sie einschlug. Ter stärker und stärker werdende Sturm peitschte ihre Kleider, sie ging immer langsamer, ohne Ziel. Sic war so müde und doch loanberte sie weiter. Wie lange sie schon herumgeirrt, wußte .sie nicht. Es mochten wohl Stunden vergangen sei». Endlich bog sie in eine schmale, menschenleere und nur schwach besuchte Seitengasse ein, und an einer alten, hölzernen Brücke Halt machend, lehnte sie sich erschöpft an das wackelige Geländer. Unten floß gurgelnd das dunkle Was- fer dahin.
Da unten winkte das Ziel — das Ende. Wo- zu »och zaudern? Warum wurde cs ihr plötzlich so schwer, das auszuführen, >vas sie sich in Ge- danken wohl schon hundertmal auSgedacht hatte? Was erwartete sie noch? Wer trauerte um sie, trenn sic nicht mehr da war? Keiner! Sie ber- gegenwärtigte sich das Bild, wie cs fein' würde, trenn man sie im Wasser fand. Wenige nur kannst'» die kleine Zirkuskünstlerin, : würbe vielleicht nicht einmal wisse», wer sie war. Dann scharrte man den toten Körper ein in die Kirchhofsecke und in einigen Tagen sprach niemand mehr. von dem traurigen Vorfall. So etwas war in einet großen Stadt ja nichts so Auß rge- wohnliches, und kam fast jede Woche vor.
Vierteljährlicher Bezugspreis, btt oer Expchition 2 Mk, Q!> bet allen Postämtern 2,25 Mk. <qrcL Bestellgeld).
e/,Ä 90 Jnsertionsgebübr: die gehaltene Zeile ober veren Raum 10 Pfg.
Reclamen: die Zeile 25 Pfg.