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mit dem KreWlait für die Preise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Donnerstag, IS. AM 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck Md Verlag' Joh. «ug. «och, UnwersitätS-Buchdruckerei
Marburg, Mark 21. — Telephon 55.
4O.Jahrg.
Neueste Telegramme.
' Berlin, 12. April. Der Kaiser hat bei Besichtigung des Kreuzers „Hertha" in Neapel als Belohnung für die Besatzung befohlen, daß das Schiff nach Rückkehr in die Heimat für die Oster» tzeit in WUhelmshaven bleiben soll, damit die Besatzung das Fest mit den dortigen Angehörigen feiern kann.
Berlin, 12. April. Der evangelische Feld- ßrobst der Armee, Wirklicher Geheimer Rat D. Richter, tritt aus Gesundheitsrücksichten in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist der Ober- psarrer des Gardekorps, Konsistorialrat Wölfing, dessen Nachfolger der Garnisonpfarrer, Militär- jvberpfarrer Goens in Berlin wird.
Hohenstein (Ostpreußen), 11. April. (Amtlich.) Bei der heutigen Ersatzwahl zum Abgeordnetenhaus im 7. Wahlkreis des Regierungsbezirks Königsberg wurden insgesamt 331 Stimmen abgegeben, die alle auf den Rittergutsbesitzer Hermann Nehbel-Sallusken (Kreis Neidenburg) zkons.) fielen. Nehbel ist somit gewählt.
Wien, 12. April. Die „N. Fr. Pr. erklärt In entschiedenster Weise auf Grund einer c.n maßgebendster Stelle eingeholten Information die in mehreren , ausländischen Blättern aufgetauchten Gerüchte über Abdankungsabsichten des Kaisers Franz Josef für völlig unbegründet.
Paris, 12. April. Anläßlich der Konsti- tilierung des internationalen Instituts für Ackerbau in Rom werden sich Präsident Loubet und Minister Deleassch fenierKriegsminister Berteaux, Marineminister Thomson und der Minister deS Innern Etienne nach Rom begeben. Berteaux und Thomson werden zuerst abreisen, der Präsident, Telcass^ unld Etienne mit den französischen Fachmännern zu einem später noch nicht sestge- setzten Zeitpunkt.
Madrid, 11. April. Heute wurden die Opfer tot Wasserwerk-Katastrophe beerdigt. Die geplante große Manifestation der Arbeiter unterblieb aus Besorgnis vor Unruhen.
Washington, 11. April. (Reuter.) England «nd Deutschland haben gemäß einem Ersuchen der Vereinigten Staaten die Absicht kundgegeben, einen Ingenieur als Mitglied für den Beirat r Panamakanal-Kommission zu ernennen.
Washington, 11. April. Der Chef der amerikanischen Motte aus der ostasiatischen Station Meldet dem Marineamt, daß er den Kreuzer -,Raleigh" mit einigen Torpedobootszerstörern jnach der Insel Palawan geschickt habe, um die vmerikanische Neutralität zu wahren. Es wird erklärt, daß keinem Kriegsschiff der beiden Krieg- Mhrenden gestattet sein soll, Häsen auf den Philippinen als Stützpunkte für seine Operationen zu benutzen.
Teheran, 11. April. Bon halbamtlicher Quelle herlautet, der Schah werde sich Ende April über Rescht und Baku nach Europa begeben.
Die Welt-Agrar-Kammer.
Von Otto von Kiesenwetter
2. stsllvertr. Direktor im Bund der Landwirte, Ee- schäftssührer der .Internationalen landw. Vereinigung für Stand und Bildung der Eetreidepreise'.
I.
Als vor einiger Zeit der Plan des Königs von Italien, eine internationale Welt-Agrar- Kammer in Rom zu errichten, bekannt wurde, begegnete er auch in Deutschland gewissen Bedenken und starken Zweifeln. Er war so weitgreifend und vielseitig, die seiner Durchführung sich entgegenstellenden Schwierigkeiten schienen so bedeutend, ja unüberwindlich, daß man die Idee als unausführbare Utopie ansah. Die deutsche Presse war trotz oller Anerkennung der ihr zu Grunde liegenden hochherzigen Absichten der Ansicht — insoweit sie sich überhaupt über die Durchführbarkeit äußerte —, daß es sich hier um einen „schönen Traum" des Königs von Italien handle, der menschlich groß und ideal gedacht, doch nie sich verwirklichen könne und werde. Auch die Preßstimmen der anderen Ländern äußerten sich in ähnlichem Sinne und sahen meist von einer fritifdjen Stellungnahme ab, indem sie sich auf die rein referierende Wiedergabe seiner Emzel- heiten beschränkten, wie sie in einem Handschreiben des Königs von Italien an seinen Ministerpräsidenten und in dessen Instruktionen an die diplomatischen Agenten Italiens im Auslande erkennbar wurden. Nicht so die Presse Italiens, die diese warmherzige Juitiasive des Königs von Italien mit Enthusiasmus begrüßte und sich den Anbruch einer glücklicheren Aera für die Landwirtschaft aller Länder, namentlich aber für die italienische, versprach, die bekanntlich erst recht nicht auf Rosen gebettet ist.
Wie ferner bekannt sein dürfte, ist der ursprüngliche Gedanke zu diesem Plane dem König von Italien von einem Amerikaner, Herrn David Lubin, nahegebracht worden. Lubin ist selbst Grundbesitzer in Kalifornien, zugleich aber auch der reiche Mitinhaber einer dortigen Großfirma, die sich mit dem Handel landwirtschaftlicher Er- zeugnisfe befaßt. Er ist für die Verbreitung feiner Idee sehr intensiv tätig gewesen und eB ist und bleibt bemerkenswert, daß es jenem schlich- ten amerikanischen Bürger gelang, das Ohr des Königs zu gewinnen und ihn für sein Projekt so einzunehmen, daß dieser nun mit dem ganzen Gewicht und der Bedeutung seiner Persönlichkeit und seiner sozialen Stellung diesen Plan der- tritt. Und dies dürfte wohl das größte Verdienst ßnbinS im Hinblick auf die zu gründende Welt- Agrar-Kammer gewesen sein.
Gerade der Umstand aber, daß der Plan von einem amerikanischen Geschästsimanne austzing, ließ die gegen das Projekt sich ausdrängenden ZweifÄ und Bedenken als besonders berechtigt erscheinen und eine sorgsame, aus Grund möglichst umfassender Jnformafionen anzustellende nüchterne Erwägung und eindringende Prüfung aller einschlägigen Verhältnisse und begleitenden Umstände war daher um so mrfjr am Platze. Man mußte sich einerseits sagen, daß trotz aller gewichfigen Bedenken, die sich gegen die Mögfich-
keit der Durchführung des Projektes geltend machten, dieses doch, wenn es zweckmäßig crga- nisiert und in praktischer, namentlich aber den Bedürfnissen und den Jnteresien der Landwirt- schäft, für die es gedacht ist, wirklich Rechnung tragender Weise gestaltet und geleitet werden würde, ersprießliche Dienste leisten könne, daß aber andererseits, wenn diese Voraussetzung nicht erfüllt wurde, für die landwirtschaftlichen Interessen feine Besserung, sondern eher eine Benachteiligung oder Schädigung zu besorgen 'wäre, ja ohne Zweifel eintreten würde.
Da die Staatsoberhäupter fast aller europäi- schen Staaten, einschließlich des Deutschen Kaisers, dem König von Italien auf feine telegraphische Notifizierung ihre Freude mtb Sympathie geäußert hatten, kann daran nicht gezweifelt werden, daß der Plan in die Wirklichkeit übersetzt werden wird. Angesichts dieser Situation erscheint es für die Landwirte, speziell für die leitenden Stellen ihrer Organisationen in allen Ländern nicht mehr tunlich, dem Unternehmen gegenüber in der bisherigen untätigen, neutralen Reserve zu verharren. Es gilt daher, dahin Einfluß zu nehmen, daß diese Wett-Agrar- Kammer so organisiert werde und in Funktion trete, daß sie wirklich Nützliches leisten kann.
Von diesen Gesichtspunkten ausgehend ergriff kürzlich der Hauptreferent der „Oesterreichischen Zentralstelle zur Wahrung der land- und forst- wirtschastlichen Interessen beim Abschluß von Handelsverträgen", Reichsritter Simitsch von Hohenblum in Wien, die Initiative zu einer Aussprache führender Agrarier der mitteleuropät- Länder. Sie fand am 19. März dort statt, wöbet die oben entwickelten Gesichtspunkte zum Ausgang der Erörterungen gemacht wurden. Man erkannte allgemein die idealen Ziele, Sie durch die bedeutsame Jnittattve deS Königs von Italien eingeleitet sind, als überaus wichtig und segensreich für die gesamte Landwirtschaft an. ES wurde betont, daß Sie rein nationalen Interessen nicht in den Kreis der internationalen Verhandlungen einbezogen oder irgendwie berührt werden dürften und daß die Aufgabe dieser Welt- Agrar-Kammer in Rom lediglich die Behandlung der internationalen, also der gemeinsamen Interessen aller Landwirte sei; mit anderen Worten, daß nur ein die nationalen Gesichtspunkte pflegender und berücksichtigender, die nationalen Verhältnisse und Bedürfnisse in keiner Weise beschränkender Jnternationälismus zur Betätigung gelangen dürfe. Herr Lubin, der bei jener Beratung anwesend war, entwickelte seine Ansichten mit einem Feuer und einer Beredsamkeit, die nur einer starken inneren Ueberzeugung entspringen konnten, und mit Argumenten, deren Originalität ein selbständiges tiefes Durchdenken der Frage, ja einen bei einem amerikanischen Geschäftsmann seltsam anmutenden weltfremden Enthusiasmus erkennen ließen. Wenn zwar auch, da Herr Lubin nicht die oberfläastichste Kenntnis der europäischen Verhältnisse besitzt, in seinem Organisationsplane viel Verfehltes und Schiefes, ja man möchte sagen, NaiveS, vorhanden ist, und man daher auf seine Vorschläge bei der praktischen Durchführung nicht wird aufbauen können, so mußten doch die Bedenken gegen seine
Person fallen, nämlich, daß man es hier mk einem smarten Amerikaner zu tun habe, der, t* dem er sich in der jetzt angebahnten Organisation eines befferen Nachrichtendienstes für die eurtx päische Landwirtschaft direkt beteiligt, für du Spekulationsinteressen des amerikanischen Ge- treidegroßhandÄS wichtige Informationen aust birefter Quelle für em Billiges zu erhalten jucht. Inzwischen hat das vom König von Italien berufene und in Rom zusammengetretene italienische Komitee zur Vorbereitung dec fon« stitulerenden Sitzung der Welt-Agrar-Kammer« die schon für den Mai d. I. in Aussicht genom< men ist, die Angelegenheit ausschließlich in feint Hand genommen. j
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Der russisch-japanische Krieg.
lütl der Mmschurri.
Japan ist dabei, dem russischen Plane der Reorganisation der Armee in der Mandschurei durch umfaffende Vorbereitungen zu begegnen, indem eS die gegenwärtigen Einheiten der» doppeln und stellenweise verdreifachen will. Man nimmt an, daß im Herbst die japanische« Streitkräfte über eine Million Mann stark sein werden, einschließlich der tatsächlichen Feldarmee von 700000 Mann. Die Japaner find fest davon überzeugt, daß sie Chardin nehmen, de» setzt halten und gleichzeitig gegen die Ruff« im Osten operieren tönnen.
London, 11. April. Wie dem „Moruing Leader' aus Petersburg gemeldet wird, habe der Zar beschloffen, seine sämtlichen Ratgeber zu einer groß« Konferenz zusammen zu berufen, um über die endgültige Fortsetzung deS Kriege» Beschluß zu fasten. General Lenewitsch ist angeblich ein energischer Gegner der FriedenSidee.
Petersburg, 12. April. Wie verlautet, hat der Zar einen Offizier mit einem eigen« Handschreiben an den General Lenewitsch gesandt. In dem Schreiben soll, wie eS heißt, der Zar genaue Instruktion« über die Fortsetzung des Krieges geben.
8« der russischer Flotte.
Während von allen andern Seiten die gestrige Reutermeldung, die auf eine Teilung der russischen Flotte hindeutete, bestätigt wird, telegraphiert der Korrespondent der Daily Mail seinem Blatte, ganz zweifellos hätten alle sieben russischen Schlachtschiffe Singapore passiert. Dies werde bestätigt durch den amtlichen Hafen» bericht, durch die FestungSbehörden und auch von dem japanischen Konsul, der sich bis in die nächste Nähe des defilierenden Geschwader« heranrudern ließ und jedes einzelne Schiff erkannte. In weiterer Bestätigung dieser Meldung erfährt dasselbe Blatt auS Hongkong, daß auch dem dort stationierten britischen Admiral von den HafenbehSrden in Singapore das Passieren von sieben Schlachtschiffen mitgeteilt worden sei.
13 Nachdruck verboten.)
Ungleiche Brüder.
L Driginal-Roman von Irene von Hellmuth.
tFor'ietzung.)
P „Ja — ganz recht, mir träumte. Du seiest gestorben," flüsterte Eugen, noch immer erregt pis ins Innerste.
Heinz lachte, daß die ganze Reihe seiner blitzenden Zähne sichtbar wurde.
„Na, so sehr pressiert es mir damit nicht, weißt Du! Wenn ich auch manchmal in einer Anwandlung von Wut die Drohung ausstoße, mir das Leben nehmen zu wollen, — so ist es doch Nicht so ernst gemeint. Es ist doch ein zu unangenehmer Gedanke, so ohne Sang und Klang eingescharrt zu werden und da draußen zu liegen Iles drunten in der Erde, den Würmern zur Speise. — Freilich, , ich habe ein verdammtes Pech, -- aber es soll ja nun besser werden. Wie ich hörte, bist Du zu der Erkenntnis gekommen, haß Du mir helfen „mußt, und ich segne Leinen Traum, der die glückliche Sinnesänderung zustande brachte, aus meines Herzen Tiefen! Bru- derherz, — Du bist doch ein guter Kerl! Siehst 5Du, es ist schön von Dir, daß Du mich aus den Krallen meiner Peiniger befreien willst!"
Heinz hätte es am liebsten gesehen, wenn Eugen, so wie er jetzt war, um Fräulein Milly .angehalten hätte,' denn wer konnte wissen, was Äm bis zum andern Morgen noch alles einfiel, vielleicht besann er sich wieder anders.
i Man muß das Eisen schmieden, so lange eS Warm ist!" dachte sich Heinz, und er war unablässig bemüht, dem Bruder die großen Vorteile »u schildern, die der ganzen Familie aus der so -^^Erwünschten Verbindung mit Fräulein Milly Drpluhen würden.
Auch bei den Eltern erregte es große Verwunderung, als die Brüder Arm in Arm und scheinbar im besten Einvernehmen das Zimmer betraten, — Heinz mit strahlendem Lächeln, Eugen blaß und angegriffen, etwas stiller noch als sonst, aber von Zeit zu Zeit einen lächelnden Blick auf den Bruder werfend, so, als ob er sich überzeugen wollte, daß Heinz wirklich frisch und gesund neben chm saß. Der junge Leutnant neckte sich mit seiner Schwester und befand sich überhaupt in bester Laune. i '
X. ......'
AIS am anderen Tag um die Mittagszeit ine Köchin wie gewöhnlich das Essen in das Gartenhaus brachte, hatte sie viel zu erzählen. Sie verplauderte manche halbe Stn.che zum großer Aer- ger Frau Adelheids. Doch das SAmpfen hals der Gnädigen sehr wenig.
Der Doktor, welcher noch täglich nach Violetta sah, trotzdem die Heilung des Armes sehr gut verlief, verabschiedete sich eben von dem jun-1 gen Mädchen, als die Köchin mit ihrem Korb eintrat.
.Ach, liebes Fräuleinchen," begann sie sogleich „lassen Sie mich nur ein wenig niedersehen, damit ich Ihnen erzählen kann. Meine „Madame" wird mich zwar wieder eine alte Plaudertasche schelten, ober das macht nichts' unsereins muß sich doch auch ein wenig unterhalten. Lassen Sie dabei das Essen nicht kalt werden, es wäre schade. Wir hatten heute die ersten jungen Tauben, müssen Sie wisien, die sind so zart und weich, es ist eine wahre Pracht. .Herr Eugen hat mir aufgetragen, zwei schöne Exemplare fiir Sie extra zu befargen. And der Herr Heinz, unser Herr Leutnant, war heute besonders gut aufgelegt. Er steckte mir heimlich hinter dem Rücken der Ma- dame zwei Flaschen Rüdesheimer in den Kotib;
die soll ich Ihnen bringen, Fräuleinchen, und Sie sollen mal auf sein Wohl trinken, hat er gesagt, und es sich gut schmecken lassen. Denken Sie sich, der ist nun fein heraus, denn gestern Abend, da wurde es ausgemacht, daß sich unser Herr Eugen mit dem Fräulein Milly verloben wird. Aber, um Gotteswillen, was haben Sie nur?" unterbrach sich die Redselige, als Violetta plötzlich zu» rücksank und das blaßgewordene Gesicht mit der gesunden Hand bedeckte, während ein schluchzen- der Ton aus ihrer Kehle drang. Doch im näch- ften Augenblick hatte sie sich gefaßt und sagte ruhig: „Ein kleiner SchwindÄanfall, weiter nichts, dergleichen kommt bei mir zuweilen vor, — es göht schon vorüber."
Und während MolettaS Vater den Korb auspackte, und für die Tochter daS Essen mundgerecht machte, wie er es seit dem Unglücksabend immer tat, erzählte die Köchin weiter: „Ja, Sie müssen nämlich wisien, Fräulein Milly ist eines der reichsten Mädchen in der Stadt, und unser Herr Engen macht da eine gute Partie. Aber glücklich sieht er deswegen doch nicht aus; er macht immer ein so trübseliges Gesicht. Na, wenn er erst einmal richtig verlobt tft, wird eS schon anders werden. Nun also, lassen Sie sich weiter erzählen, — aber Sie essen ja gar nicht," unterbrach sie sich wieder, als sie bemerfte, daß Violetta tiur nut der Gabel herumstocherte, ohne etwas zu genießen, — „schmeckt eS Ihnen nicht? Ich habe mir doch so viele Mühe gegeben, es ist wirklich was Feines!"
„O ja," beeilte sich Violetta zu versichern, „Sie sind ja so gut zu mir, Marie, ich weiß gar nicht, wie ich Innen alles vergelten soll, — ich bin ja nur ent arme# Mädchen."
„Ach Was, lassen Sies nur gut fein,* meinte Marie treuherzig, „es ist doch Christenpflicht, baß man tzmander LÄsteht. Also, wo bin ich denn ■
stehen geblieben. Ja so, daS wollte ich erzählen. Ich stehe gestern Abend in meiner Küche und höre da auf einmal einen Mordsskandal! Nun denken Sie, unsere Madame war mit dem Onkel Fritz, — WaS ihr Mmder ist —, furchtbar zusammen- geraten. Der gute, alte Herr wollte es durchaus nicht leiden, daß sich unser Herr Eugen mit dem Fräulein Milly verlobt. Sie muffen nämlich wissen, daß das Fräulein Milly alle Tage gelaufen kommt, und der Onkel kann sie nicht aus- stechen, weil sie so zudringlich ist, wie er sagt. Gestern nun, da ärgerte er sich schrecklich. Es ist eine ®ünbe und eine Schande, schrie er so laut, daß ich jedes Wort deutlich verstehen konnte und schlug dabei auf den Tisch, daß alles nur so klirrte. Aus dem Heiraten soll man kein Geschäft machen, er werde es nimmermehr zugeben, daß der Herr Engen sich für den leichtsinnigen Bruder opfere und eine Frau nehme, die er gar nicht liebe. Da fei er auch noch da, um es zu verhindern, und die anderen sollten sich schämen.
Darauf ist unsere Madame schrecklich in die Hitze geraten. Sie lasse sich ihre Kinder nicht verhetzen, schrie sie, Eugen sei nicht gezwungen wordm, er wolle sich freiwillig verloben. Sage lieber „opfern", rief da der Onkel und stieß einen Stuhl um. Frage doch Deinen Sohn, ob er die liebt, die Ihr ihm aufzwingen w.llt, ober eine andere.
So stritten sie sich herum. Die Madame wurde immer 'zorniger, und sagte zuletzt, , er solle sich nicht da hineinmismen, eS ginge ihn nichts an.
„Gut," erwiderte der alte Herr, „so kann ich ja geben; aber zuvor möchte ich (rügen selbst fragen, ob es bet dieser Verlobung bleibt*
(Fortsetzung folgt)