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JnsertionSgebühr: die gespaltene Zeile oder Deren Raum 10 Pfg.

Neclamen: die Zeile 85 Pfg.

Marburg

Sonntag, 9. April 1905.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Job. Slug. Koch, UmversttätS-Duchdrnckerei 40. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon a5.

Erstes Blatt.

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Ist Religion Privatjache?

V- Karl Kautsky, das Haupt der soziaioemo- kratifchm Rechtgläubigkeit, hat in seinerAgrar­frage" (S. 213) einmal gesagt:Da? Packen der Massen ist zumal auf dem Lande keine so ein­fache Sache." Um dieses Geschäft den sozialdemo­kratischen Agitatoren und Hetzern zu erleichtern, hat die Partei in ihrem Programm bekanntlich die Religion alsPrivatsache" erklärt. Grade hierdurch hat die Sozialdemokratie am klarsten gezeigt, daß ihre ganze Weltanschauung ein Ge­webe von Läge und Heuchelei ist. Jeder, der die Entwicklung der Sozialdemokratie nicht kennt und nicht in der Lag« ist, auf Grund geschichtlichen Tatsachenmaterials die Wahrheit über die Hal- tung der maßgebenden Leuchten der Sozialdemo­kratie zur Religion und Kirche festzustellen, sollte durch jenen Satz im sozialdemokratischen Partei­programm in den Glauben versetzt werden, daß die Sozialdemokratie ihren Anhängern volle Frei­heit in religiösen Fragen laste. Dies ist der ärgste Bauernfang, der jemals vorgekommen ist, hat doch der alte Liebknecht auf dem Partritao. zu Halle 1890 (Protokoll S. 185) mit zvnischer Offenheit erklärt, daß man jenen Satz von der Erklärung der Religion alsPrivatsache" um deswillen im Programm belassen habe, weil er der Partei sehr gute Dienste geleistet habe, d. h. weil die Sozialdemokratie mit ihm denjenigen, denen der Glaube an Gott noch nickt geschwunden ist und die noch religiöse Begriffe haben, gar trefflich Sand in di« Augen streuen könne.

Wer die sozialdemokratische Parteilitteratur und ihre Parteiprogramme durchmustert, findet auf Schritt und Tritt unumstößliche Beweise da­für, daß die Sozialdemokratie ganz im Gegen- satz zu dem heuchlerischen Satze im Vartüvro- gramm die christliche Religion und Kirche in leidenschaftlicher, ost geradezu lästernder Weste bekämpft und angegriffen hat.Christentum und Sozialdemokratie ^efen sich wie Feuer und Wasser gegenüber", schrieb am 9. März 1874 der Volksstaa", das Organ Liebknechts, und am 7. September 1876 nannte dasselbe Blatt di« christ­liche Kirche ein tollphantastisches Resiaions'y'tem". Auf dem Parteitage zu Halle 1890 (Protokoll ®. 194) äußerte ein Redner:Wenn wir einmal den sozialistischen Staat haben, werden wir sehr leicht mit der Resigion fertig werden", und in seiner Gedächtnisrede auf Karl Marx erklärte Liebknecht am 11. Januar 1883:Zu der Zeit, wo die Sozialdemokratie herrschen wird, wird die Kirche ein Märchen der Vergangenheit sein".

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Taormina, die Erholungsstätte des deutschen Kaiserpaarr» in Sizilien.*)

Vom Meeresufer reckt sich, steil und schwin­delnd, em jah zerborstenes Klippengebirge hinauf; in den nackten Fels ist ein Fußweg gehauen, nur einige Kakteen und Aloöu wachsen zwischen den Steinen; oben, hoch oben erblickt man Häuser blendendweiße Mauern, Balkon«, dazwischen daS dunkle Laub von Zitronen- und Orangebäumen, und leider auch, das Bild häßlicv verunstaltend, dw riesigen Lettern eines Hotelschildes. Man klimmt den Fels hinan; man glaubt oben ange» kommen zu sein und siehe da, hoch über diesem GMÄ streben neue Gipfel zum Simmel empor, neue Felsen, neue Klippen, phantastisch geschnit­ten, zinnenbekränzt, mit kleinen weißen Häusern besäet; und zackige Mauern klettern an dem Rande der scharfen Felsen hinauf, und Türme wehen dort oben: find es Ruinen von alten Grie­chenfesten? sind es mittelalterlich« Sarazenen- oder Normannenbauten? Das Auge vermag nicht und sucht auch nicht, es zu unterscheioen; es ist geblendet von der vollendeten Schönheit dieser Formen, von dieser magischen Farbenpracht. Und weiter, noch weiter, noch höher, noch schwind delnder klimmen abermals FelSzacken in die Luft und oben, ganz oben, von dem blauen Aether weiß abstechend, ein Kastell, ein Schloß, eine Burg!

*) Aus: Schneegans, Sizilien. 2. Stuft Zeh. 6 Mark. Geb. 7 Mark. Verlag von F. A. Brockhaus in Leipzig.

Dieser Tage hat nun in einer Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins für den 3. Berliner Reichstagswahlkreis Dr. Paul Bern­stein einen Vortrag gehalten über die Frage:Ist Religion Privatsache?" Nach demVorwärts" vertrat Dr. Bernstein den Standpunkt, die Eman­zipation von ber Religion sei die Voraussetzung politischer und wirtschaftlicher Aufklärung. £2 ernt wir, so führte er aus, den Menschen nicht aus dem ersten Stadium seiner Entwicklung: den religiösen Vorstellungen, befreien, können wir ihn nicht zur politischen Reife fördern. Diejeni­gen, welche in den religiösen Anschauungen '"ecken bleiben, seien Hinderniste der sozialdemokratstchen Bewegung. Aus diesen Gründen dürfe die Reli­gion nicht als Privatfache gelten. Aus unserer F. .deruna: Trennung der Kirch« vom Staat, er­gebe sich die Konsequenz, daß wir auch gegen die Religion, Stellung nehmen muffen, denn Kirche und Religion seien untrennbar. Die ersten sozialdemokratischen, Führer seien fast alle Frei­denker gewesen, die sich von der Religion und Kirche emanzipiert hatten. AIS dang die Partei größer wurde, habe sie mit Rücksicht auf das Hin­dernis, welches die religiöse Gesinnung der Bauern der sozialdemokratischen Agitation ent­gegensetzte, den Progrcmnnpunkt ausgestellt: Re­ligion ist Privatsache. Also nur aus taktischen Rücksichten, vor allem uni Wahlststnmen zu ge­winnen, sei dieser Punkt in das Programm auf­genommen worden. Das sei nicht nur Wider­sinn, sondern Heuchelei. , Warum sollten wir nicht versuchen, die religiösen Elemente zu be­kämpfen. Mit religiösen Dummköpfen könnten wir nichts anfangen, denn wer unter dem Ein­fluß der Geistlichen stehe, könne kein zuverlässiger Sozialdemokrat fein. Nicht die Gewinnung von Mitläufern und die Eroberung von Mandaten dürfe uns die Hauptsache sein, sondern die Ge­winnung bewußter Sozialdemokraten. Die sozial- demokratische Agitation dürfe sich nicht nur stützen aus die wirtschaftlichen Derbesterungen, die die Verwirklichung der sozialistischen Forde- runaen dem Einzelnen bringt, sondern man müsse Aufklärung vom Grund aus verbreiten. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, müsse mit der religiösen Aufklärung begonnen werden, ehe die politische und wirtschaftliche Aufklärung folgen könne. , Daraus ergebe sich, daß der Punkt: Re­ligion ist Privatsache, aus dem Programm ge­strichen werde.

Hier wird also von einem Sozialdemokraten ganz offen zugegeben, daß der ganze Satz von 5er Erklärung der Religion als Privatsache ledig­lich zum Zwecke des Bauernfanges in das sozial­demokratische Programm hineingekommen ist. Zwar haben sich einige Redner in jener Versamm­lung gegen diesen Standpunkt Dr. Bernsteins verwahrt, aber die Mehrzahl der Anwesenden erklärte sich, wie selbst derVorwärts" zugeben muß, mit dem Redner völlig einverstanden. Es bleibt also dabei, daß die Sozialdemokratie, wie Bebel am 31. März 1881 im Deuticken Reichs­tage ausdrücklich erklärte,aus religiösem Gebiet den Atheismus erstrebt". Diese Tatsache wird man den sozialdemokratischen Agitatoren, nament­lich wenn sie auf dem Lande Stimmenfang trei­ben wollen, immer wieder und wieder w r Augen halten müssen.

Sind es Kirchen? sind es Moscheen? Ist es Wirklichkest? oder treten wir in das Gebiet eines morgenländischen Märchens? Und weiter geljt es, durch die engen Straßen der Stadt, zu jenem Vorgebirge, das rechts sich über die blaue See erhebt, wo in dem geborstenen Felsen die Ruinen des alten griechischen Theaters sichtbar werden. Welch wunderbarer Anblick in diesen winkeligen Straßen! Alle Jahrhunderte haben hier ihre Erinnerungen in den Stein gehauen: das christ­liche Mittelalter in die Spitzbogen dieser Kirch­türme; der Orient in diese reichverzierten Pfeiler; die Normannen in die massiven quadratförmigen Burgen; Rom und Hellas in die weite Rundung jenes Theaters, in die köstlichen korinthischen Ka- pitäle, in die schlanken Säulen, in die weißen Marmormauern, die, uns überall entgegenblicken. Und welch ein Anblick, wenn der Wanderer sich dort oben auf den höchsten Spitzen des Hemicy- klus hinsetzt und sein Auge über das Theater durch die weiten Oeffnungeu binunterschweifen läßt auf das silbern glitzernde Meer, über Taor­minas Felsen, über Hügel und Berge bis zu dem schneebedeckten Aetna, der, in Weichen Duft ge­badet, langsam und harmonisch aufsteigt, rauch­gekrönt, mächtig, drohend, das zaubcrvolle Bild in klassisch ruhiger Formvollendung abschließend.

Tauromenium Moözzia Taormina: di« Weltgeschichte schaut uns ans diesen drei Namen entgegen. Der Name der sarazenischen Stadt, die sich auf den Ruinen des griechischen und rö­mischen Tauromenium erhob, ist in der Geschichte kaum bekannt; nur in den Chroniken wird er vorübergehend genannt und vorübergehend erwähnen ihn die Reisebücher^ Wie eine

Umschau.

Bedingte Begnadigung.

Im Königreich Sachsen hat man mit der be­dingten Begnadigung bis jetzt die besten Erfah» runpe t gemacht. Bis Ende 1898 erhielten durch­schnittlich 217 Personen jährlich Strafaufschub, 1899: 295, 1900: 429, 1901: 525, 1902: 497, 1903: 810 und 1904: 934. Der Sprung von 1102 auf 1903 ist ein gewaltiger und ist darauf zurückzuführen, daß in dieser Zeit die Einfüh­rung einheitlicher Grundsätze für alle Bundes­staaten und in Sachsen eine erhebliche Erweite­rung des Kreises derjenigen Verurteilten er­folgte, denen die Wohltat einer bedingten Be­gnadigung zuteil werden kann. Drei Viertel aller Fäll e betrafen Jugendliche. 1904 wurde die Strafvollstreckung für weniger als 2 Jahre bei 31, für 23 Jahre bei 837 und für 3 und mehr Jahre bei 66 Personen ausgesetzt. Im gleichen Jahre wurden 407 Fülle durch Be­gnadigung und 156 durch Einleitung der Straf- Vollstreckung erledigt. Von den Jugendlichen (unter 18 Jahren) wurden 315 begnadigt, bei 127 wurde die Strafvollstreckung eingeleitet. Von den Perui teilten über 18 Jahre wurden 92 begnadigt, 29 mußten sich der Strafe unter­ziehen. Der Erfolg ist also besonders bei den Jugendlichen ein star-k in die Augen fallender (die nicht durch Be­gnadigung oder Strafvollstreckung erledigten Fälle entfielen in der Regel durch Flucht oder Tod).

Die Fürsorge für arbeitsuchende mittellose Wanderer

ist bekanntlich ein Gegenstand eines von den kon­servativen Abgeordneten v. Bodelschwiugh und v. Pappenheim im Abgeordnetenhause eingebrach, ten Antrages, der nunmehr die Kommissionsbe­ratung passiert hat. Die Kommission hat an Stelle des Antrages eine Resolution beschlossen, w rin die Staatsregierung ersucht wird, einen Gesetzentwurf zur Regelung der erwähnten Für- sorge vorzulegen und diesen unter Gesichtspuuk- ten zu gestalten, von denen u. a. folgende hervor­zuheben sind:

Es soll eine Bestimmung darüber getroffen werden, daß die Staatsregierung an ten Kosten in angemessener Weise sich beteiligt. Zur Ein­richtung, Unterhaltung und Verwaltung der Sta­tionen sollen die Kreise verpflichtet werden dürfen. Die Bestimmung darüber, an welchen Orten Wanderftationen einzurichten sind, soll dem Provinzialausschusse (Landesausschuß), welcher die beteiligten Kreisausschüsse zu hören hat, bei­gelegt werden. Sofern die Staatsregierung eine Beihilfe zu den Kosten gewährt, soll dem Ober- prästdenten die endgiltige Festsetzung des Sta­tionsnetzes und der zu benutzenden Wander- und Eiwnbahnstraßen nach Anhörung des Provinzial­ausschusses (Landesausschusses) zustehen. Die Provinz (Bezirksverband) soll ztvei Drittel ter entstehenden Kosten erstatten: das dritte Drittel soll auf den Kreis fallen, i.i dem die Wander- ftöttc liegt. Zur Mittragung deS Drittels sollen jedoch Jjie benachbarten Kreise, innerhalb welcher keine Station liegt, nach Maßgabe eines vom Provinzialausschusse (Landesausschusse) nach An­hörung der Kreisausschüsse aufzustellenden Ver-

Sühne für die Verheerung, welche der muselmanische Einbruch anrichtete, mag uns die Vergessenheit erscheinen, die sich über jene ent­setzliche Periode der sizilischen Geschichte gebreitet hat. Sei Stempel aber, den die Sarazenen die­ser Stadt aufgedrückt, ist nicht verwischt; ringS um das enggezogene Gebiet des neuen Taormina von der hohen Bergzinn« bis unten an das Ufer des Meeres, liegen die zellenarttg aneinander­gereihten, in den Fels gehauenen Grüber der Mu- ferntanen; sie bedecken den weiten Bergabhang, auf welchem sich die Häuser der Griechen- und Römerstadt erheben; jeder Spatenstich öffnet ein Grab; auf den Feldern modern die Knochen­reste unter der brennenden Sonne; em ganzes Volk ward hier begraben. Und eben in den engen, schmutzigen Straßen überkommt den Wanderer bei jedem Sck)ritt und Tritt das Ge­fühl, das wunderbar in die Seele sich bräunende, von widerstrebenden Gegensätzen bewegte Gefühl, von der Nähe des Orients, der nichteuropäischen, halb wilden halb verfeinerten asiatischen Kultur. Hinter weißer, zackiger Mauer erhebt sich ein maurischer Bogen; leichte Arabesken laufen am Gesimse hin; durch das roeitoffene I.ere Bogen­fenster blicken Valuten, das saftige Grün ihrer Blätter ruht auf dem tiefen Blau des südlichen Himmels.

Die Menschen, die sich in dem Gewirr dieser Straßen beioegen, tragen einen fremdländischen Typus: dicke aufgeworfene Lippen, gedrückte Nase niedrige Stirn, braun« Gesichtsfarbe, schwarzes wolliges Haar: ein Gemisch von Asien und Afrika, man möchte sie fast weiße Neger nennen. Em« andersgEtete, feinere, an den italienischen und

teilungsmatzstabes herangezogen werden können. Wanderstationen sollen möglichst nur in größeren Orten errichtet werden. Die mitten, fen arbeits­willigen Wanderer sollen von und nach den Wanderftationen und Arbeitsstätten auf den Preußischen Staatsbahnen zu ermäßigtem Tarif befördert werden. Innerhalb der Provinz (des Kommunalverbandes) ist tunlichst vomProvinzial- verbande (Bezirksverbande) eine Zentralarbeits­vermittlungsstelle in Verbind, .m mit den Wan- derarbeitsstütten zu errichten.*

Die Sozialdemokratie ist natürlich mit solchen, den mittellosen Wanderern zugedachten Wohl­taten nicht einverstanden, ihr sind auch hier aus­schließlich parteivolitische Gesichtspunkte maß­gebend. Obwohl es sich bei dem erwähnten An­träge um den Schutz wirklich hilfsbedürftiger Proletarier handelt, macht die Proletarierpartei Bedenken geltend. So schreibt dieSeihtiger Volkszeitung", es handle sich um einen Plan, der unter dem Deckmantel sozialer Fürsora- die Ar­beiterschaft aufs schwerste treffen wolle, dem der Stempel der Arbeiterfeindlichkeit auf der Stirn stöbe. Es solle einestaatlich organisierte Streik­brecherarmee" geschaffen werden. Man siebt also auch hier wieder, wieweit man der Sozialdemo- krafte gegenüber mitVersöhnungs"gedanle,i kommt.

Straf Umwandlung.

In der ZeitschriftDaS Recht" wird anläßlich eines bestimmten Vorganges eine interessante Frage des Begnadigungsrechtes erörtert. Ein Angeklagter, der wegen versuchter Erpressung zu einer Gefängnisstrafe von 14 Tagen verurteilt wurde, war auf Grund eines Gnadengesuchs zu einer Geldstrafe von 500 Mark verurteilt worden. Die Geldstrafe erwies sich als uneinbringlich. In dem bestimmten Falle war nun ihre Zuruckver­wandlung in Gefängnisstrafe nicht möglich, da inzwischen der Angeklagte sich ins Ausland begeben hatte. Es erhebt sich nun die Frage, wie in solchen Fällen die Geldstrafe wieder In Ge­fängnisstrafe umzuwandeln ist. Es kommt näm­lich gar nicht selten vor, daß, wenn m Gnaden­wege eine Gefängnisstrafe in Geldstrafe umge- wandelt wird, diese Strafe nach Maßgabe den Umrechnungssätze des Strafgesetzbuches verbi.it- nismäßig höher ist, als die ursprünglich festgesetzt« Gefängnisstrafe. Nach § 29 R.-Str.-G.-B. ist nämlich bei der Umwandlung von Gefängnis­strafe in Geldstrafe der Betrag von 3 bis zu 15 Mark einer eintägigen Gefängnisstrafe gleich zu erachten. In dem oben angeführten Falle wür­den also die 500 Mark Geldstrafe, selbst wenn man den höchsten Satz von 15 Mark = 1 Tag Gefängnis annimmt, nicht einer vierzehntägigen, sondern einer vierunddreißigtägigen Gefängnis­strafe gleichkommen. Wollte man also die im Gnadenwege festgesetzte Geldstrafe mangels ihrer Eintreibbarkeit entfbredknb der gesetzlichen Be­stimmung des § 28 wieder in Gefängnisstrafe umwandeln, so würde der Angeklagte nahezu drei Wochen mehr zu sitzen haben, als ihm im ursprünglichen Urteile zuerkannt toorbat waren. Damit aber würde die Begnadigung in ihr Ge­genteil umgetoanbelt fein. Wir sind deshalb mif demRecht" der Ansicht, daß in derartigen Fällen nicht die Umrechnung nach § 29 R.-Str.-B. statt- zufinden hat, sondern daß bei der Unmöglichkeit, di« strafbare Handlung -durch eine Geldstrafe zu

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an den griechischen Typus erinnernde Gesichts- bildung tritt sporadisch a ts der Bevölkerung her­vor, ähnlich tote Ueberreste von römischen und normannischen Altertümern sich aus dem Unter- grunbe von sarazenischen Bauten Hervorheben. Alles, Menschen und Häuser, legt Zeugnis ab von den chaotischen Schicksalen dieser Stadt, von dem toildtobenden, zerstörungswütigen Kampfe, der hier jahrhundertelang gekämpft wurde und in immer toiederkehrendem furchtbaren Ebben und Fluten die gestrigen Eroberer dem heutigen Sie­ger zu Füßen warf, welcher die nach Tongern Rin­gen zu hoher Blüte emprraestiegene Kulfttr, wie­der der Vernichtung Preisgab und auf ihren Ruinen eine neue Welt mit neuen Menschen, neuer Religion, neuer Kunst, neuer Staatsbil­dung zu Tage förderte. Es gibt kaum ein an­deres Land in der Welt, wo man tote in Italien, tote in Sizilien ganz besonders, dieses Bild deS ewigen Zerstörens und Wiederausbauens bet Menschheit in so greller Beleuchtung vor Augen sieht, kein Land, das in unserer Seele in dem­selben Maße die wehmütige Emvftndung ach- ruft, die uns überkommt, wenn wir mit Augen sehen und mit Händen greifen, tote wenig di» Macht auch der gewaltigsten Volker ,n der fern­sten Kulturen vor dem alles Bestehende immer wieder niederreißenden und neu ersetzenden Welt- Verhängnis bedeutet, wie leickst unb_ wie schnell und auf Nimmerwiedersehen die groß! :x Reich« und die noch so fest gegliederten Staat 'omvlerS wcgge'chm,-:-mt werden.