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Marburg
Donnerstag, 6. Aprll 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck Md Verlag' Joh. Aug. Koch, Utnvcrsitätr-Buchdmckeret Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
40. Jahrg.
Xcueße Telegramme.
München, 4. April. Das Abschiedsgesuch des Kriegsministers Frhrn. v. Asch wurde genehmigt. Der kommandierende General des dritten bayeri- schm Armeekorps Frhr. v. Lorn wurde zum Kriegsminister ernannt.
Brüssel» 4. April. Der berühmte Mldhauer Meunisr wurde heute früh 7 Uhr tot im Bette gefunden. Ein Herzschlag hat sein Leben beendet.
Paris, 4. April. Die sozialistische Gruppe der Kammer beauftragt« Jaurös und Prestensä, bei -er Regierung eine Interpellation über die Lage in Marokko und über die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland einzureichm.
Madrid, 4. April. Um dem französischm Einfluß entgegenzuwirken, beschloß die Spanische Naturwissenschaftliche Gesellschaft dte Ausrüstung zahlreicher Expeditionen nach Marokko. Auch das ^Centro Cowercial Hispano-Maroaui" entwickelt große Rührigkeit zum gleichen Zweck.
Taormina, 4. April. Der Herzog von Sachsen- Koburg und Gotha ist um 11 Uhr hier angekom» wen und auf dem Bahnhof von den Prinzen Vitel Friedrich und Oskar empfangen worden.
Maddalena (Sardinien), 4. April. Der Semaphor signalisierte beute Abmd die Durchfahrt der „Hamburg", die, vom „Prinz Friedrich Karl" begleitet, nach Neapel geht.
Konstantinopel, 4. April. Eine heute aus Athen eingetroffene Meldung besagt, daß die griechische Regierung an die Garantiemächte der Autonomie Kretas ein Rundschreiben geschickt habe, welches die kretensische Bewegung verwirst und die Unterstützung der Mächte zur Herstellung der Ordnung erbittet, zu welchem Behufs sie auch «ihrem Vertreter in Kanea die nötigen Jnstruktio- nen gegeben habe.
Das Mittelmeer—kein französischer See!
Der so harmonisch und alänzend verlaufen« Besuch, den der deutsche Kaiser auf der „Ham- bürg", begleitet von dem Kreuzer ..Friedrich Karl", der marokkanischm Safmstadt Tanger ab- gestattet hat, ruft die Erinnerung wach an die minder friedliche Msite, die vor einem halben Jahrhundert ein preußisches Kriegsschiff der marokkanischen Küste abgestattet hat. Der Vorgang, der sich im Jahre 1856 absvielte. ist mit 'den ersten Anfängen der preußischen Marine ver. knüpft. Die unter dem Befehl des Prinzen Adal- dert stehende Korvette „Danzig" wurde damals vei einer Landung an der Riffküste von der räuberischen Bevölkerung mit Flintenschüssen emp- fangen und mußte sich mtt einem Verlust von 7 Toten und 18 Verwundeten zurückziehen. Wel- .cher Wandel der Zeiten! — Der Abstecher nach Tanger, ist durch die begleitenden Umstände und durch die Erklärungen des Reichskanzlers Grafen Bülow im deutschen Reichstage und des Ministers des Aeußeren, Delcassch im französischen Senat zu einem politischen Ereignis geworden, dessen Bedeutung nur eine Vogel-Strauß-Volitik verkennen kann. Als Frankreich vor einem Jahre
bk 'Vn<f>druck verboten.)
Ungleiche Brüder.
Original-Roman von Irene von Hellmuth.
»Wie das riecht, wie das duftet," wiederholte er mehrere Male. „Man denkt da unwillkürlich an den lieben, deutschen Weihnacktsbaum, und das mutet gleich so heimatlich an. Ach ja das deutsche Vaterland, das Vaterland überhaupt man lernt es erst richtig schätzen, wenn man fern davon ist. Es verliert doch niemals seinen Reiz." l
Fritz Hebart schien sehr bewegt. Seine blauen Augen blickten eigentümlich, beinahe schwermütig von einem zum andern.
„Also das sind Deine Kinder," begann er wieder, sich an die Schwester wendend. „Hm, — uq, komm mal her, Mädel, laß Dich betrachten," rief er lebhaft Else zu. Jg, ja, — das Fräulein kann alle Tage heiraten, hat wohl ihr Herz schon verschenkt, was?"
„Ja," fiel die Mutter rasch ein, und warf einen Prüfenden Blick auf den Bruder. „Else hat sich vor kurzer Zeit verlobt, aber — lieber Gott, — 1 Wit dem Heiraten hat es twch gute Wege." ' -
. v>Ehalb denn? Nur frisch darauf los i ."T <5un? kwfreit hat noch niemand gereut, e
e. ,lc9. iui}gett Jahren aebetratet, dann Ware ich nicht so ein alter, mürrischer Junggeselle geworden, der sich manchmal doch recht einsam fühlt, trotz---'
Da stockte er Plötzlich, mitten im Satz». Er hatte den lauernden Blick Frau Adelheids c.u?ge- fangen, die sich leicht vorgebeucft. und ihn begierig ansah, als wollte sie ihm die Worte vom Munde ablesen.
: „Trotzdem es wir eigentlich an nichts fehlt," ^vollendete er dann ruhig und gleichmütig.
das Kolonialabkommen mit England abschloß, worin letzteres ihm in politischer Beziehung freie Hand in Marokko einräumte, glaubte es, über Deutschland und über die deutschen Interessen zur Tagesordnung übergeben zu können. Und als sich an das französisch-englische Abkommen vor einem halben Jahre das französisch-spanische ‘ Marokko-Abkommen schloß, da meinten die französischen Politiker aufs neue, es genüge, Deutschland zu ignorieren, um mit ihm fertig zu werden.
Durch die Erklärungen, welche der Reichskanzler Graf Bülow im Reichstage abgegeben hat, und durch den Kaiserbesuch in Tanger, der gleichsam symbolisch andeutete, daß wir uns den Platz an der marokkanischen Sonne nicht nehmen und uns in der Verfolgung unserer rein wirtschaftlichen Interessen in Marokko durch fron- zösische Eroberungs- und Monovolisierungspläne nicht beeinträchtigen lassen wollen, ist man in Frankreich anscheinend eines Besseren belehrt worden. Und die Erklärungen des Herrn Del- cassä im französischen Senat zeigen eine gewisse Erkenntnis, die hoffentlich der erste Schritt zur Besserung ist. Es darf danach w.bl erwartet werben, daß die französische Regierung nicht zögern wird, der Ankündigung, daß sie die wirtschaftlichen Interessen der anderen Mächte in Marokko nicht verletzen wolle, hinreichende und bindende Zusicherungen folgen lasten werde. Anderenfalls wird man sich in Frankreich an die deutscherseits vertretene Auffassung gewöhnen müssen, daß der Weg von Berlin nach Fez nicht über Paris führt.
Es mag den Franzosen peinlich sein, daß sie aus ihrem Marokko-Rausch so unsanft aufgestört wurden. Die französischen Chauvinisten träumen gern von einem großen afrikanischen Frankreich, welches sich von der Küste des Mittelmeeres bis zum, Kongo im Süden und im Westen zu dem Atlantischen Ozean erstrecken soll, und von der Verwirklichung des Men, französischen Schlagwortes: „das Mittelmeer — ein französischer See." Aber dieser, Traum und diese Parole ist in der rauhen Wirklichkeit nun einmal nicht in die Tat umzusetzen. Ist man doch sogar in England, dessen Mittelmeerstellung durch ein völlig unter fron- Sesischem Einfluß stehendes Marokko erheblich geschwächt werden würde, im Grunde des Herzens durchaus mit den Bestrebungen einverstanden die Unabhängigkeit Marokkos so weit als möglich zu erhalten. Das gleiche Interesse aber hat Jta- liett, dessen Position in Biserta ohnehin durch das französische Korsika bedroht wird, und endlich haben auch Spanien und Oesterreich-Ungarn als Mittelmeermächte alle Ursache, dem bei Marokko einsetzenden französischen Plan, das Mittelmeer Zu einem französischen See zu degradieren, schon in den Anfängen entgegenzutreten.
Die Behauptung, daß Deutschland in diesem Punkte isoliert dastehe, ist somit durchaus unzu- trerfenb. Das weiß man auch in Frankreich, und schon deshalb hat man dort keinerlei Neigung zu einer Konflikispolitik.
Der deutsche Handelsvertraa mit Marokko datiert vom 1. Juli 1890: er kann 'Urzeit re- vidiert werden. Die deutschen Handelsbeziehungen zu Marokko sind in den letzten Jahren erheblich zurückgeganaen. 1900 betrug die deutsche
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Er fuhr sich mit der linken Hand durch sein noch sehr dichtes Haar und ließ verstohlen seine klugen Augen herumschweifen.
Else sah, daß ihm am kleinen Finger ein Prächtiger Diamant funkelte, und warf Heinz einen triumphierenden Blick zu, der deutlich sagte: „Hast Du den Rina bemerkt? Arme Menschen pflegen keine Diamanten zu tragen."
Onkel Fritz tat sehr harmlos. Er gab sich den Anschein, als hätte er nichts vernommen.
»Ra also, um wieder auf die Heiratsgeschichte zu kommen," begann er weiter, „wo liegt denn der Haken?"
Frau Adelheid seufzte schwer.
„Heutzutage, — weißt Du, — muß ein Mäd- chcn doch auch em Vermögen in die Ehe mit- bringen--"
Wieder erfolgte ein schwerer Seufzer, der die Fortsetzung andeuten sollte.
„Da hapert es wohl?" vollendet« Onkel Fritz achselzuckend. „Hm — ich verstehe, va muß sich bas kleine Fräulein freilich noch etwas gedulden."
Frau Adelheid war ein wenig enttäuscht. Freigebig schien er also gerade nicht zu sein, der Herr Onkel.
„Ich möchte Dir nun Deine Zimmer zeigen," begann die Dame des Hauses wieder. „Du wirst es Dir bequem machen wollen nach der langen Reise. Glücklicherweise haben wir schon alles vorbereitet, und ich möchte wiffen ob Dir das Arrangement zusagt."
„Was heißt Arrangement," lachte er. „Ich habe mein Gepäck gleich noch dem Hotel schaffen lassen, ich möchte Euch in keiner Weise belästigen. Ich wohne im Gasthof zur Eiche, bis ich ein passendes Quartier gefunden habe. Das wird nicht schwer fein, denke ich."
Einfuhr in Marokko 2 066 000 Mark, sie ist bis 1902 zurückgegangen auf 1 520 000 Mark. Die Ausfuhr aus Marokko nach Deutschland ist in diesem Zeitraum zurückgeganaen von 5 160 000 Mark auf 3140 000 Mark. Im Jahre 1900 bestanden im Konsulatsbezirk Tanaer 16 deutsche Handelshäuser mit einem Betriebskapital von fast 2 Millionen Mark, die Einfuhr. Ausfuhr und Kommissionsgeschäfte, besonders mit Deutschland und England betreiben. Ein Bankgeschäft erzielte im Verkehr mit Deutschland, England uni Frankreich Kassen Umsätze in der Höbe von mehr als 20 Mill. Mark. Die dem Handel durch deutsche Häuser gewährten Kredite überstiegen 2 Mill. Mark und sollen namentlich in Zeiten guter Ernte sich höher lewerten. Der deutsche Plantagenbetrieb besteht im we'entlichen aus Traubenpflanzungen. Der deutsche Grundbesitz beschränkt sich auf die Städte und ihre Umgebung. In dem Schiffahrtsverkehr von 4 der marokkanischen Häfen, auf die fast 1 Million ReaistertonS entfielen, überwog die deutsche Flagge. Einschließlich der recht florierenden Vertretungen deutscher Jndustriefirmen und Versicherungen werde sich, wie es in der Denkschrift von K JO heißt, der Gesamtbetrag der mit Marokko verknüpften Geldinteressen von 8—10 Mill. Mark stellen. Es ließe sich abc. gewiß mehr machen!
Der Krieg.
Vom Kriegsschauplätze
wird der Petersburger „Nowoie Wremja" auS Gundschulin gemeldet: Gegenwärtig ist unsere Armee völlig konzentriert. Unsere Vorlinien stehen nach Süden von der Station Sipingai senkrecht zur Bahn, nach Norden von der Station Schuanmaodse etwa parallel mit dem Laufe des Loiniho Eine Schlacht läßt sich in nächster Zeit kaum erwarten, obgleich auch die Javaner Neigung zeigen, sich zu konzentrieren und unter Deckung ihrer Kavallerie eine tiefe Umgehung vorzunehmen. UnserKundschafterdienst kann nur gehoben werden, wenn sich unsere Ansicht über die Ethik der Spionage ändert und wir große Summen für sie auswerfen. Enorme Dienste haben uns hier die chinesischen Beamten und die Tschungnsen geleistet.
Tokio, 4. Aprll. Nach einer Meldung aus dem Hauptquartier trieb am Sonnabend ein Teil der Streitkräfte, welche Kaluan besetzt halten den Feind nach Norden. Der Feind machte in Aischenko, 26 Meilen nordöstlich von Kayuan, Halt.
Dem „Ruß" wird aus Charbin gemeldet: An der Front herrscht vollständige Stille. In Charbin wird eine aufgeregte Stimmung der Chinesen beobachtet. Viele chinesische Kaufleute ver- kaufen billig ihre Waren, und schließen die Magazine. Der größere Teil handelt jedoch ruhig weiter. In der russischen Bevölkerung hat sich die Aufregung gelegt. Aus dem Norden ankommende Passagiere verurteilten heftig die Miß- stände auf der Station Mandschuria, wo haarsträubende Diebereien an Gepäck usw. verübt werden.
„Aber Onkel," mischte sich Euaen ein, „Du wohnst natürlich bei uns, darüber ist doch kein Wort zu verlieren, es ist ja alles bereit."
Frau Adelheid tat gekränkt.
„Ich bitte Dich, sprich nicht mehr davon, im Gasthaus wohnen zu wollen. Ich werde doch meinen einzigen Bruder, nach dem ich mich jahrelang gesehnt, nicht bei fremden Menschen wohnen losten."
„Na, mir ist es auch lieber so," lachte er gut gelaunt, „wenn Ihr Platz HM, ich werde Euch in diesem Falle natürlich eine angemessene Wohnungsentschädigung bezahlen."
Wieder flog ein rascher, triumphierender Mick der Mutter zur Tochter hinüber, doch beeilte sie sich zu versichern: „Wer denkt denn gleich an so etwas, ich freue mich, wenn Du Dick bei uns recht wohl fühlst. Doch jetzt entschuldigst Du mich wohl für kurze Zeit. Die Hausfrvuenpflichteu rufen mich, ich will Auftrag geben, daß Du etwas ordentliches zu essen bekommst, und gleich mit der Köchin für morgen das Menü zusammenstellen."
„O bitte, bitte, keine Umstände, liebe Adelheid!" rief er ihr nach. „Ich bin einfach bürgerlich zu speisen gewohnt."
Das schien ihr nun wieder nicht ganz angenehm zu fein. Schon im Begriff hinauszugehen, wandte sie sich noch einmal um.
„Du siehst eigenllich gar nicht darnach anS. Man dächte eher an einen Feinschmecker; gestehe es nur, Du willst eben keine Umstände machen," sagte sie nachdenklich.
. „Ich versichere Dir, ich speise stets ganz ein- fach. Nach dem äußeren Schein darfft Du nicht urteilen; der täuscht nur allzu oft!"
Er lachte leise auf, und trommelte mit seinen dicken Fingern auf ber Tischplatte.
Die Friedensacriickte werden von Petersburg beständig dementiert. So wird von gestern wieder berichtet: „Einige russische Zeitungen geben ein Telegramm des „Echo de Paris" vom 30. März wieder, nach welchem Graf Lamsdorff dem Kaiser üor estellt haben soll, das Ende des Krieges mit Japan sei wünschenswert wegen der Wahrscheinlichkeit von Verwickelungen in Mazedonien. Die Petersburger Telegraphen-Agentur ist zu der Erklärung er- mächtigt, daß diese Meldung durchaus unbegründet ist."
Bon der Flotte
wird der „K. Z." geschrieben:
Verschiedene Schiffsnachrichten lassen kaum noch einen Zweifel daran, daß die russische Flotte nach langem Verweilen in Madagaskar nun doch den Vormarsch nach Ostasien an getreten hat und daß man mit ziemlicher Sicherheit im Laufe der nächsten vier bis sechs Woche« auf einen Zusammenstoß der russischen und japanischen Srestreit- kräfte rechnen muß. Dieses lange Hinzögern kann zum Teil dadurch erklärt werden, daß man die Bereinigung mit dem dritten Geschwader ab- warten wollte. Darüber, wo die Vereinigung der russischen Seestreitkräfte stattftnden wird, herrscht begreiflicherweise Geheimnis. Es liegt aber in der Natur der Sache, daß die russischen Geschwader sich ungefähr in der Gegend der Tschagos-Jnseln treffen werben, da sie von dort aus ihre Vormarschlinie freier wählen können, als wenn sie sich etwa in der Geaend der Male- dinen versammelten. Diese Inseln oürden gewissermaßen den Vormarsch durch die enge Malakkastraße vorschreiben, liegen aber auch außerdem auf der großen Schiffsstraße nach Ostasien, wo die Flotte keine 20 Seemeilen zurücklegen kann, ohne fortwährend von Handelsdampfern beobachtet zu werden, die von ihrer Wissenschaft am nächsten Hafen kein Hehl mache:, würden. Die Japaner würden somit bei einem Vormarsch über die Maledinen und durch die Maläkkastraße ununterbrochen ganz genau über die Lage der russischen Flotte unterrichtet fein und ihre Maßnahmen entsprechend treffen zu könne... ..gegen liegt die von ben Tschagos-Jnseln c"Ziehende südliche Straße durch die Sundastraße oder daS Gewirr der der Malaiisch-Australischen Inseln viel weniger auf dem großen Schiffskurs und gestattet eine größere Verheimlichung des Vor- inarsches, obgleich man auch hier nicht annehmen kann, daß er sich ganz unbemerkt vollziehen wird. Daß japanische Kriegsschiffe bereits im Malaiischen Archipel eingetroffen find, ist r reftS gemeldet worden, doch sieht man noch nicht recht klar, ob es sich hier um das Gros der iapanischen Flotte, oder um eine Vorhut handelt, die nur zur Beobachtung und zur Belästiauna der russischen Flotte besteht. Es liegt auf der Hand, daß die Verhältnisse sich für die russisch Flotte um so ungünstiger gestalten, je näher st. an die japanische Operationsbasis heranrückt. Den Japanern würde dadurch die Verpfleg»- und Kohlenversorgung ihrer eigene- Schiffe wesentlich erleichtert werden, während die Rusten nu auf ihre Begleitdampfer angewiesen sind, berm Vorräte sich immer mehr erschöpfen müssen, s" T"- -nr die
Frau Mertens besprach dann ausführlich daS Menü für den kommenden Tag.
„Also Steinbutt^. dann Lendenschnitten, gebratene Hammelskeule und Süßspeffe," bemerkte sie, „aber machen Sie es recht fein, zierlich garniert und schmackhaft."
Als sie wieder in das gemeinsckaftlicke Wohnzimmer zurückkehrte, befand sich Onkel Fritz in lebhafter Unterhaltung mit ihrem Gatten, dessen Rollstuhl man an den Tisch herangeschoben hatte. Eugen und Heinz waren hinausgegangen. Man wollte noch dem Esten noch einen kleinen Ausgang machen, und die jungen Männer kleideten sich eher um.
„Ich sage Dir, lieber Fritz," horte Fran Mertens ihren Gatten sprechen, „der Eugen, der ist pc.nz anders, er bat mir noch keine Sorgen gc macht, ein vorzüglicher Charakter, dabei ein wirklich seelenguter Mensch. Nack außen hin merkt man das gar nickt so; er zeigt sich nicht in seinem wahren Wesen, ober er besitzt ein gold- treues Herz und warmes Mitgefühl mit fremder Not. Du wirst das noch selbst herausfinden, wenn Du ihn näher kennen lernst. Er ist einer jener seltenen Menschen, die ihr Lickt unter den Scheffel stellen, besitzt eine raube Schale, aber einen guten Kern, ist ausdruckslos ri§ zur Bescheidenheit, und fleißig wie eine Biene. Ich danke Gott täglich, daß er mir diesen Sohn gab, ich wüßte nicht, was werden sollte ohne ihn.
„Ja, ja, streiche nur Deinen Liebling recht heraus," fiel Adelheid etwas pikiert ein, „er hak auch seine große Fehler; er ist ein finsterer, wortkarger Mensch, und geizig dazu. Man muß ihm von allen Ausgaben förmlich Rechenschaft ablegen. Da soll man sparen und bort. er verlangt zuletzt noch, daß ich . die Hausarbeit selbst besorge, um den Lohn für ein zweites Mädchen zu sparen."
(Fortsetzung folgt.)