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nachmittags am Eiserner/ Tor des Tunnels an. Run erfolgte die feierlich» Eröffnung. Der Zug fetzte die Tunnelfahrt fort und langte gee.i 2 Ubt in Brig an. Die letzten fünfzig Meter vor der Eisernen Pforte bc8 Tunnels legten die italienischen FestoLste zu Fuß zurück, eie erwarteten nun den von Brig ter kommen­den schweizerischen Feftzug mit den mit der Ceffnung deS LorS beauftragten Persölick!?eiten. Um 12V< Uhr hörte man durch die Pforte dcn Pfiff der schweizerischen Lokomotive; Jnbelrufe ertönten und drei D.inuten später tat sich das Tor auf. Hochrufe auf Italien und die Schweiz begleiteten den feierlichen Borgau,g. ?t 3ai

genicur Bra i au und der Bif'vf von Nrvora einerseits sowie der Ingenieur Sulzer und der Bischof von Sitten ai d-rerieitS überschritten zuerst die Mitte des Tunnels und umarmten einander. U ter den Klänoen der italienischen und schwe-zerischen Nattona'hymne beglück­wünschten sich die Italiener i n > Schweizer

Dellt.'." :s Reich.

Bersin, 3. April.

Seine Majestät.d« Kaiser hat n Tord der .Hamburg" am Samstag Nachmittag 5% Uhr Gibraltar verlassen und die Fahri nach Port Mahon an getreten, lieber den Besuch in Gibral­tar wird noch berichtet:

Bei hem Diner, das der Gouverneur Freitag Abend zu Ehren des Kaisers gegeben bat, waren 40 Personen anweftr.d. Der Gouverneur hielt eine eindrucksvolle Rede auf den König und den Kaiser. Nachher fand Emvfana bei Lidy Wbite statt und dann ein glänzendes Fest für die Flotte in den erleuchteten Covent Gardens. Der Kaiser blieb bis 1 Ubr morgens. Am Samstag Vor- mittag stattete der Kaiser dem Ko' '-eadmiral Prinzen Ludwig von Battenberg, dem Komman­deur des zweiten englischen Kreuzereschwuders, einen Besuch auf seinem FlaggschiffDrake" ob, ging dann an Land, unt.enahm eine Spazierfahrt und besuchte das herrsich gelegene reue Militär- Hospital. Dann fuhr der Monarch b;. herrlichstem Wetter nach Europa-Point. Zur FriMtückstascl an Bord herHamburg" waren gelob- der Gouverneur Feldmarschall Sir George White mit Gemahlin und Töchtern, Kontteadmiral Prinz Ludwig von Battenberg und andere Offiziere der englischen Marine. Die Gäste l s Kaisers blieben bis nach 5 Uhr an Bord; die Kapelle der Hohenzollern spielte.

Vor der Abreise ließ her Kaiser durch den Admiral a la suite Kontteadmiral von Müller einen Kranz am Grabe der deutschen Seeleute niederlegen, die im Jahre 1856 bei Tresforcas in dem Lanoungsgesecht von Mannschatten der Danzig" gegen Riffpiraten gefallen sind.

.;Der Kaiser richtete an Eisenbahn- Minister von Bu - de aus Gibraltar vom 1- April folgendes Telegramm: Nachdem hie Wasserwirtschaftliche Vorlage nunmehr auch die Zustimmung des Herrenhauses gefunden hat, drängt es mich, Ihnen meinen Dank auszusvre- hen für die aufovsernde Tätigkeit, welche Sie diesem für die wirtschaftliche Zukunft unseres Vaterlandes so hochbedeutsamen Werke gewidmet haben. In voller Anerkennung ~' -er treuen Dienste, welche so wefenlich zur Lösung her Auf­gabe beigetragen haben, habe ich Ihnen den hohen Orden vom schwarzem Adler verliehen und meinen geheimen Kabinetts­rat beauftragt. Ihnen das Ordensabzeichen zu behändigen. Wilhelm R.

Die Geschäftsanordnungen im Reichs­tage sind von mafcaebenher Seite rn Einver­ständnis mit den Führern her Parteien dahin getrosten worden, daß am Montag (8. April) die Plenarsitzung ausfällt. Dagegen werden am Dienstag (4. April), Mittwoch (5. Avril), Don­nerstag (6. Avril) und Freitag (7. April) Ple­narsimmgen abgehalten und her Nachtrags- sowie der Ergänzungsetat und Wahlprüfungen behan­delt werden. Der Nachtrags- und Ergänzungs­etat müssen an die Budgetkommission verwiesen werden. Am Sonnabend (8. April) werden die Osterferien beginnen.

Auf Anordnung des Reichskanzlers von den Gewerbeaussichtsbeamten veranstaltete Er­hebungen über hie Arbeitszeit der Fa- brifar Beitertnn en sind nunmehr vom Reichsamt des Innern in einer Denkschrift her- ausgegeben worden, über die Dr. F. Specht m derSozialen Praris" berichtet. Der Gesamt­eindruck ist in der Haupstache, daß fiü die Ar­beiterinnen in Fabriken und in diesen gleichge­stellten Anlagen die Einführung des gesetzlichen Zehnstundentages auch in Deutschland nicht nur möglich, sondern auch nützlich ist.

Die Post- und Telegra hen- fchule in Bersin ist für immer geschlos­sen worden. Wie der Staatssekretär firätfe in einer längeren Ansprache dabei ausfiibrte, ha­ben die wachsenden Anforderungen ^n die Ver­waltung dazu geführt, für die Vorbildung her Beamten ein akademisches Studium sinzufuhren, so daß die Beamten hie Kenntnisse bei ihrem Einttitt schon mitbringen, die fie bis­her erst im Laufe ihrer Dienstzeit, zum Teil an ber Schule, erworben haben.

Parllimentlirisches.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Berlin, 1. April.

Das Andenken dcs verstorbenen Abg. Wallbrecht fratlib) wird durch Erheben von den Sitzen geehrt.

Die Vorlage ans Abänderung der Amtsgerichts- bezirke Bochum, Mayen. Zell a. d. Mosel wird auf Antrag des Abg. Linz tEtr.i nach kurzer Debatte an die Justizkammission verwiesen, desgl. auf Antrag des Abg. v. Wenden lkons.) der Gesetzentwurf über die Aenderung des Amtsgerichtsbezirks Köslin, Kolberg tob Körlin. Die Gesetzentwürfe auf Abänderung der Umt-zerichtsbezirke Lzarnikan, Filehne und Schön- ernte, Alt-Landsberg und Lichtenberg werden in erster tob zweiter Lesung erledigt. Der Gesetzentwurf betr. die Erhebung von Kirchensteuern in den Kirchen- geinden und Parochialverbänden der evangelischen deskirche der älteren Provinzen der Monarchie, k i» den katholischen Kirchengemeinden und Ge-

famtverbänden werden nach kurzer Debatte in dritter ßtfung angenommen. Es folgt die Fortsetzung der ersten Beratung des Ge'etzentwurfs betr. die Erwei­terung und Vervollständigung des Staatseisen bahn- nrtzes und die Beteiligung des Staats an dem Bau von Kleinbahnen. Abg. Eickboff (ftf. Dpi wunickt ten Bau von Bahnen von Erkelenz nach Opladen unv > on Heiliaeuftadt noch Mühlhausen, fowie die Erriitung einer Halte'ielle mit Stückgutverkehr in tzffelder an der Strecke Lcinesei de - Eichwege. Ab), v. Stauth llonsi befürwortet den Bau einer Lime von Metz ritz nach Ttt icbarhiq. Abg. Frvr. v. Zedlitz ikoni > gibt seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß die Borla-e besonders auch Londesteil; berncküchtigt. die wirttchasilich gurückciebliebrn sind. _ Das gelte namentlich von der geplanten Linie Mühlbausen in Thur, nach Treffurt R'dner bittet die Regierung auch weiterhin das Bai,r"etz auszubauen, ohne Rück- ficht daraus, ob fist eine Linie gleich rentieren Werve oder nicht. Jede neue Linie wir» doch den Derkchr fieleetn und dadurch zur Ver mehrung der Einnahme beitragen. Ab . Herkenrath lkons , bittet um bessere Verbindung des Wefierwcitvrirriries mit dem Sieger- land. Nachdem noch eine Reihe weiterer Wünsche geäußert sind, erklärt Unterstaatssekretär Fleck, die Babnverwaltuna habe noll-s Verständnis dafür, welche Bedeulunz oft auch tune Verkehrswege für die wirtschaftliche Hebung des Landes haben Eie werden daher die voraebrachten Wünsche wohlwollend prüfen. Hierauf oeht die Vorlage an, die Budget» tommitRon. Es folgen Petitionen. Sie find nicht von aBflemeir-m Juiereffe und werden nach den ,>ommrsfionser ägen erledigt. Damit ist die Tages- ordnung ertedigr. Präsident v Kröcher ltU auf eine Anfrage des Adg Dr v. Heyd-brandl lkons., mit, daß tr d-n Beginn der O 'erfenm für den 11. April in Aussicht genommen habe.

Deutsche Kolsmen.

©ühwefiafrita. Nach einer Meldung des Generals v. Tiotta v m 1. April trieben am 26. März Hottentotten 60 Ochsen der, Halb­batterie Stuhlmann aus Kransplatz nördlich von Gideon ab. Hierbei fielen von der V shwache 2 Reiter und 2 Buren. Die von der 10. Kompagnie aufgenommene Verfolgung blieb er aebviSloS, da Regengüffe die Spiren verwischt hatten. Eine halbe Kvmpaanie oriff am 26. März von Erosi HeusiS, etwa 50 Kilometer südwestlich von Windhut aus eine unter Andreas den Kuiseb abwärts gezogene Hererobande an. Nach fünfstündigem Gefechte gab der Feind feine Stellung auf. Diesseits sind ge­fallen , bezw. werden vermißt: 1 Offizier, 2 Reiter und 3 eingeborene Soldaten. Leicht verwundet ist 1 Unteroffizier. Dom Feinde fielen etwa 20 Mann. Zur Verfolgung be8 Gegners und zum Anffuchen der Vermißten wurde eine starke Patrouille unter Graf KönigSmarck entsandt. Eine halbe Etappen- Kompagnie marschierte nach Windhuk ab, um ihre Verpflegung zu ergänze.'. Die nunmehr in Windhuk eingetroffene 4. Etappen-Kompagnie wird der Patrouille Köniatzwarck umgehend folgen, um Andreas weiter zu verfolgen.

Marbsrsi imb UmgegeÄ.

(Nawdruct aller Cnginalartdel ist gemäß § 18 de» Urheberrechts nur mit der 6eutfi*en Quellenangabe

.Oberbest Ztg." gestattet.)

Marstura, 3. April.

Bie m rck - Sehen Ifeier.

Auf die vorn Ferien-Ausschutz ber Marburger Studentenschaft ergangene Einladung hin ver- fammelten sich am Samstag Abend im oberen Saale des Restaurant Seebode eine stattliche An­zahl ber während ber Ferien hier weilenden Stu- bierenben, Vertreter des akademischen Lehrkör­pers und ber Marburger Bürgerschaft, um den 90. Geburtstag des verewigten Fürsten Bismarck festlich zu begehen. Die Feier wurde sehr stim- mungsvoll eingdeitet. Auf der Terrasie nahmen hie Erschienenen Aufstellung, den Blick nach der Höhe gerichtet, auf bet die Bismarckfäule m wuchtiger Größe zum dunklen Himmel empor» ragte. Dann als brühen hie hellen Flammen auf hem Turm emporloderteu, erscholl aus hun- berten Kehlen bas feierliche Bismarcksieb:

.Nun steige ber Begeisttung Flamme hell­lodernd auf in tmferm Sang: Dem Manne gitts vom deutschen Stamme, hem Helden, her hen Drachen zwang, ber an des Rheines Rehenboeden gepflanzt des Reiches mächtigen Baum, hem Mann, durch den zur Wahrheit worden der Väter sehnsuchtsvoller Traum."

Der auch in roter bcnaaliitfier Beleuchtung strahlende Turm gewährte einen prachtvollen An­blick. Nach der Rückkehr in den Saal nahm fo- dann der Kommers seinen Anfang.

Der Vorsitzende, cand. Phil. T r e t o w (Akai. Neuphilolog. Verein) eröffnete hen offiziellen Teil mit einem donnernden Salamander auf S. M. den Kaiser, worauf die Teilnehmer die Nationachymne sangen.

Nach dem Absingen zweier weiteren Lieber ergriff Herr Tretow das Wort zu folgender Rede: Hochverehrte Festverfammlung! Kommilitonen!

Eingedenk der Ptticht aller Vaterlandsfreunde immer wieder an die Ruhmestaten ter Väter zu erinnern und die Begeisterung für die grohen Männer der Vergangenheit wachzuhalten, haben wtt uns hier verfammcll.

Die Marburger Studentenschaft feiert beute hen neunzigsten Geburtstag des größten deut­schen Mannes, b.3 Begründers unserer natio­nalen Einheit, des deutschen Reiche^. Abc- nicht allein feiern wir Studenten diesen Tag, sondern mit uns vereint feiern ihn die Vertreter des aka­demischen Lehrkörpers und der Bürgerschaft un­serer Universitätsstadt. Diese unsere hochver­ehrten Gäste heiße ich zunächst herzlichst willkom­men und banke ihnen für ihr Erscheinen. Durch das einige Zusammenhalten von Bürgern, Pro­fessoren und Sttdenteu ist kürzlich auch in Mar­burg ein sichtbares Zeichen unseres Dankes ent- standen, die Bismarcksäule. Beute Abend loderte ihr Feuer zum zweften Male ins Lahntal hinein, und dankbaren Herzens haben bei seinem An­blick? alle wiederum des Schöpfers unferes Rei­ches gedacht.

Wahrlich, feine leichte Arbeit hat er für uns getan. Was man nach den Freiheitskriegen ber- gebens «hofft, waS her deutsche Bund während

her ganzen Zett feines Bestehens nicht vermochte, er allein h_l es vollbracht. Sobald er erkannt hatte, daß eine Einiguna der deuttchen Sttaten r möglich fei unter Preußens Fübc"rschaft und unter Ausschluß Oesterreichs, stiel tt er energisch diesem Ziele zu. 1866 kam er V . bereits be­deutend näher, und als bann 1870 die deutschen Stämme S"^tt ar. Seite ihr Mitt h'r die gemein­same heilige Sache, für das denttche Vaterland vergasten hatten, da knüvste er das Band fett, das alle umschlang, er machte rie Emitzrit voll- kommen und grün bete das denttche Kaiserreich.

Dankbar bat bas deutsche Volk stets die Ver- diensie seines Msmarck anerkannt. Wc*ll i'etten ist ein großer Mann scheu zu seinen Lebzeiten so geehrt roorben wie er. lieberen begann man, ihm Dmk Mer und GedächtniSfäulen auf den Höben zu errichten, von denen an **> otttcken gefttaaen helle Feuer ins Land ( '.neinleuchten und hie Erinnerung on den Schäfer unserer Einheit wachzubalten und bei den späteren Ge­schlechtern wachhatten werben. Zu einem be­sonderen Freudenfeste für das deutsche Volk eher wurde der Geburtstag des Fnri n. Aus allen Teilen he§ Reiches ftrnmte es nach Frie- drichsruh, um ihm immer wieder die Treue und Verehrung zu zeigen, die man ihm entgegen­brachte.

Zu der herrlichsten Kundgebung fiir den flf(t- Reichskanzler kam es gelegentlich seines adit- zigstens Geburtstages im Jahre 1895. Un­zählige Abordnungen aus dem In- und Ausland brachten ihm zu diesem Tage ihre Huldigungen dar. Unter diese" auch die Vertreter der deut- scheu Univeri'täten. Auf den beitrigen Univer­sitäten war der EinheitSaedanfe nie ganz er- loschen aewefen, und als Bismarck ihn nun plötz­lich Verwirksicht hafte, ha sudelte man ihm zu als der Verkörperung her nationalen Einheit. Nach­dem am 1. April die Rektoren der Universitäten als Verttefer des Lehrkörpers dem Fürsten eine Adresse überreicht haften, begrüßt en über fünf- tausend deutsche Sfiidenten den Alf-Reichskanzler mit Hurra und SMägerksirren. Auch sie über­reichten mit einer Ehrengabe eine Adresse, in der sie hem Fürsten itre unwande!ba"e Tre>re, sowie das Gelöbnis auslvrachen, an Msmarcks Werke fapseren Sinnes sesthalfene zu wollen. Gerührt banfh? ber greife Selb für beide Ehrungen. Er betonte, hast es das Verdienst der deutschen Uni­versitäten sei, das gener her dciitsck'en Einheit Jahrhunderte lang erhalten zu haben, b' He Zeit gekommen, da ihm wieder Brandstoff ziwe- führt und es von neuem hoch mttflmmnfe. So­dann ermahnte er die nfnbemif** Jugend, sestzu- Halfen an dem Reiche wie es fei und stets Treue zu Kaiser und Reicki zu bewahren.

Heute feiern wir nun den neunzigsten Geburtstag. Wir können nicht mehr, wie Lor zehn Jahren, dem Fürsten unsere Huldigung barbrinaen. Am 30. Iusi 1898 wurde er aus dieser Welt abberufen. Aber wir feiern feinen Gelmrfsfag zum Gedächtnis an feine Taten und al? Dank für fein Werk. Und so wollen wir denn das Gelöbnis erneuern, das die deutschen Stu- benten ihm 1895 in Friedrichsrusi gaben. Mr wollen weiter treu zu Kaiser und Reich stehen. Bismarck soll brr Leitstern der akadc ischen Ju­gend bleiben, und unter dem Feldgeschrei Bis- marck wollen wir stets ein treten für die Erhal­tung der nationalen Güter. In diesem Sinne fordere ich die Anwesenden auf. mit mir einzil- stimmeu in den Rus: Bismarcks Werk, unser ge- einte?, starkes deutsches Vaterland Hurra l Hurra I Hurra!

Begeistert stimmte alles ein und sang bann Deutschland, Deutschland über Alles".

Bald na^her ergriff Geh. Reg.-Rat Professor Dr. Th. Fischer das Wort zu einer kurzen, aber oft von stürmischem Beifall begleiteten An­sprache, in ber er zunächst seinen und der üorigen anwesenden Universitätslehrer Dank aussprach für die Eingang, der man gern gefolgt fei. Vor genau 10 Jahren habe er als damaliger Rektor unferer Philippina die Freude und Ehre gehabt bei der großartigen Huldigung Zeuge zu fein, welche die gesamte beutidie Studenteittchätt lern 80jährigen Fürsten Bismarck in Friedricksrirh darbrachte. Es sei eht unvergeßlicher Anblick ge­wesen, von ber Terrasie des Herrensitzes, wo er in der Nähe des Fürsten gestanden, die weite Fläche vor dem Schlosse zu sehen, wo Tau­sende deutscher Studenten bis wett in den Sach­senwald hineinstanden, die blitzenden Schläger erhoben zum Gruße Bismarcks. Und dann der Vorbeimarsch, die fubelnden Zurufe, die Freude, als der Fürst Rosen hevabstteute, die man auf- fing, glücklich sie als heiliges Andenken mitnehmen zu können. Als Vertreter berAlten Herren" her deutschen Burschenschaften habe er, erzählte Professor Fischer weiter, ein zweites Mal kurz darauf Gelegenheit gebenei Fürst Bismarck zu weilen.Wir hatten Miaut ein stattlich Haus", diese Anfangsworie des allen schönen Liedes habe der Fürst zum Abschied ge­sprochen und er, (Fischer) habe die Empfindung gehabt, als wenn der greife Fürst öamft eine be­deutsame ernste Mahnung aussvrechen wolle. Vie­les habe sicki seit Msmarcks Tode geändert.

Die akademische Jugend, die Blüte der Nation, möge diese Mahnung stets beherzigen und sich allezeit im späteren Leben als treue Deutschs im Sinne Msmarcks bewähren. Die deutsche Stu­dentenschaft habe in den letztverga. reuen Wochen und Monaten ein schönes Bettviel mannhaften Auftretens und starker Einigkeit gegeben, das ihr die weitgehendsten Sympathien erworben habe. Diefe hierbei betätigte Gesinnung möchten die Kommilitonen auch im ferneren Lebe Hochhalten, bann fei cs um die Zukunft Deutschlands gut be­stellt. In diesem Sinne forderte ber Redner zu einem donnern den Salamander auf die fht- hentisck" Einigkeit auf, der dann gerieben wurde, während nochmaliger langanhgltender, lebhafter Beifall Pro^skor Fischer für seine Ausführungen zustimmend dankte. Lied um Lied folgte «.ann und der Kommers nahm einen feuchtfröhlichen Verlauf, bis es nach Mitternacht ex est hieß.

* Ter Präsident be Ober«

landesgerichts in Caffel, Mirkl. Geh. Oberjustiz- ral Dr. Eccius, der, wie bereits vorgestern ge­meldet, am 1. April fein 50 jähriges Dienst­jubiläum beging, wurde zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz ernannt.

* Von der Post. An Stelle des nach Gaffel an die O erpostdirektion versetzten PostdirektorS Schlifter hat als heften Nachfolger Pvstdirektor Rautenl»erg die Leitung deS hiesigen Postamts am 1. Avril übernommen.

* Fernsprechverkehr. Das hiesige Postamt tfÜ zum Sprechverkehr mit folgenden Orten zugelas­sen: Bicken, Birstein, Gotha, Grafrath (Kreis Solingen), Hattenheim, Lambrecht, Lennep, Li- chenroth, Liebenau (Bez. Cassel), Neustadl (Haardt), Niederhövels-Eupel, OhligS, Rade­vormwald. Remscheid, Ronsdorf, Schwelm, So- linaen, Völzberg. Vohwinkel, Wasunaen, Wer­melskirchen, Wissen und Wüstwillenroth. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch beträgt je nach ber Entfernung für die Dauer von 3 Minuten 50 Pfg. und 1 Mark.

* Vom Jtgerdoiacllon. Am 1. April find, entspreche-'' der neuen Verordnung, nach bet bet fern hiesigen Bataillon Studierende bet Pharmazie und Medizin nunmehr auch am 1. April angenommen werden dürfen, 12 Stu­dieren be der Medizin ol8 Emjäf>rig-Frerwillig eingefteHt worden.

; Aosgestrilte Zeichnnnge«. Im Vereinslokal deS FortbildungsvereinS (Herberae zur Heimat) sind auch diesmal wieder die Leistungen der Zeichenfchüler vom Winterhalbjahr zur Ansicht ausgestellt. D e Arbeiten stellen den Schülem fowohl als auch ;hren Lehrern das beste Zeug­nis au?.

* Pilosttra-Kkisr. An einer von deutschen Katholiken unternommenen Pilgerfahrt nach Palästina, die vom 4. April bis 20. Mai dauert, nimmt mich der hiesige katholische Pfart« Dt. Weber teil, bet bereit? ppH-o Marburg ver» lofte K-t.

* Eine außerordentliche Feldpost nach Afrtka ermöglicht der Abgang des gecharterten Dampf«S Clara Menzel" von ber Wörmann-Linte. Et geht am 5. April von Hamburg in See und ist etwa am 3. Mai in Swakopmunb. Der Damp­fer befördert sowohl Feldpostbriefe als gelbpoft« Pakete, gür den 2 0. April ist wieder bet Ab­gang eines Tnippentransvortbampsers vorge­sehen, für den dieLulu Bohlen", ebenfalls von der Wörmann-Linie, vorgesehen ist. Sie soll am 14. Mai im Schutzgebiet emtreffen. Außer die­sen beiden außerordentlichen Feldpost^ bieten sich fünf fahrplanmäßige Gelegenheiten zur Beförde« rung der Feldpost. Im Monat April gehen so- mit insgesamt acht s^ldposten nach Afrika. Die zweite Feldpost des Monats benutzt i n am 15. von Hamburg abgehenden Reichspoftdampfer, bet am 9. Mai in Swakopmunb ist. Ebenfalls am 15. geht ein englischer Dampfer von Southamp­ton nach Kapstadt, wo er am 2. Mai eintrifft und voraussichtlich am 5. Mai Anschluß nach Swakop-. mund erhält. Am 19. April wird dem R"'chs« postbampfer ein Nachversand von Briefen in Ant­werpen zugeführt. Am 22. April folgt wieder ein englischer Dampfer ab Southampton, er ist etwa am 9. Mai in Kapstadt. Ihm folgt am 28. April wiederum ein englischer Dampfer von dem genannten Hafen, Ankunft etwa am 15. Mai. Den Beschluß bildet wiederum rin Wör­mann Dampfer, ber am 30. April den Cam­burger Hasen verläßt unb an einem der letztes Tage des Monats Mai in Swakopmuich eintrifft. Dieser, wie alle deutschen Damvfer, Mcrberf auch Feldpostpakete. Die englische:. Damvfep können dagegen nur zur Briefpost benutzt werden.

8 Kreiskrik«rr-V«ba»». Im großen Saale der Hotels Freidhos tagte gestern mittag um 2 Uhr beginnend bet 15. Delegiertentag deS Kreiskri egerverbands Marburg. Den Vorsitz führte Landrat v. Regelein, der auch mit herz­lichen Begrüßungsworten die Versammlung er­öffnete. Die Fritstellung ber Präsenzliste er­gab, daß 40 Vereine mit etwa 60 stimm­berechtigten Vertretern anwesend waren; 3 Vereine fehlten. Der Generalrapport und bie Veteranenstatistik, erstattet durch den Schrift­führer RechnungSrat Vvß, «gab folgendes Bild: Im vorigen Jahre zählte ber Verband 43 Vereine mit 1971 Mitglieder >, es gingen ab 107 und traten 240 hinzu, sodaß der Ver­band jetzt 2104 Mtglieder zählt, unter diesen find 117 Ehrenmitglieder. Die Parole wurde in 52 und die Jahrbüch« i« 1492 Exemplaren gehalten. In Ellvhausen und Rodenhausen sind Vereine m der Bildung begriffen und steht ihr Anschluß an den Verband zu erwarten. KriegS- veteranen sind 331 vorhanden, 1773 haben keinen Feldzug mitgemacht, 34 beziehen Inva­lider,Pension, 10 Deteranen-Unterstützung, teil­weise erwerbsunfähig als unterstützungsbedürftig find 60, außerdem liegen 20 Anträge vor. Rendant Döring gab daun feinen Kaffen- und DerwaltungSbericht. Die Einnahmen betrugen 3381,42 Mk, die Ausgaben 3301,42 Mk., V«- mögen 1398,81 Mk. AuS dem DerwaltungS- brricht ist zu erwähnen, daß der Verband wieder in jeder Weife Unterstützungen gegeben hat, dre Gesamtsumme der durch den Verband gezahlten Summe betrug im vorigen Jahre 2364,65 Mk. Bei dieser Gelegenheit wurde auch eine Statistik üb« dre zur Zeit im Kreise noch vorhandenen Kriegsteilnehmer, einerlei ob fie einem Krieger­vereine angehören ober nicht gewünscht. Diesem Wunsche soll stattgegeben »erben. Betreffs beS Derbandsfestes hat fich Nieberweimar und ßalbetn gemeldet. Der erstere Verein gedenkt sein 25jähriges Stiftungsfest und derjenige zu Catderu Fahnenweihfest zu feiern. Die Ver­sammlung beschloß, das Verbandsfest am 25. Juni in Niederweimar zu feiern und da­mit auch den Delegiertentag zu verbinden. Als »eiteret Punkt stand bie Besprechung der silbernen Hochzeit deS Kaiserpaares auf der Tagesordnung. Hierüber erstattete Rendant Döring bas Referat und brachte deu betr. Auf­ruf zur Verlesung. AuS demselben »ar zu entnehmen, daß der Vorstand deS deutschen Kriegerbundes beschloffen hat, deu Majestäten ein Kapital zu überreichen mit der Bitte, be»