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Ein Monat war vergangen. Violetta konnte xun, Len Urm in der Binde, den Tag außer«
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Der junge Leutnant war wie ein buntschillernder Schmetterling; wenn inan ihm die blendenden Farben, die leuchtende Außenseite abstreifte, so blieb allerdings nichts mehr übrig als graue, häßliche Nüchternheit. Heinz besaß kein tiefes Gemüt, er war eine egoistische Natur. Und doch galt er als der erklärte Liebling aller, mit denen er in Berührung kam, währ-red sich niemand Mühe gab, die schönen Eigenste ttcn Eugens. kennen zu lernen. Dieser war freilich nach außen hin oft wortkarg, fast abstoßend, und sagte seinen Nebemnenschen keine Schmeicheleien, ja manchmal bekam man von ihm recht derbe Wahrheiten zu hören.
Der Vater war der einzige, der den wahren Wert Eugens erkannte. Die beiden hingen auch mit wahrhaft schwärmischer Liebe und Hingebung aneinander. Es waren Eugens schönste Stunden, wenn er abends, wo die anderen sehr häufig in Gesellschaft gingen, bei dem alten Herrn sitzen konnte, ihm die Zeit vertreibend durch Vorlesen, oder ihm Bericht erstattend über den Gang der Geschäfte.. Freilich waren diese Berichte in der letzten Zeit manchmal recht trübe ausgefallen, und dabei verschwieg Eugen dem Vater manche Enttäuschung, manchen Verlust. Er mochte den alten Mann nickt aufregen. Eugen leitete alles selbständig, der Vater war nur dem Namen nach noch Bessker der Fabrik. Er hatte infolgedessen auch keine genaue Kenntnis von den Einnahmen, und mußte seine Gattin, wenn sie einen größeren Geldbetrag nötig hatte, immer an Eugen weisen. Der „Knicker", wie sie ihn mit Vorliebe tttu- tterte, untersuchte dann stets ganz genau, ob di«
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UmvcrsitätS-Buchbruckerei 40. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon ob.
Marburg
Somabend. 1. Apiil 1905
Neueste Telegramme.
> Berlin, 31. Mürz. Prinzessin Heinrich von Preußen tritt am 1. April die Reise nach Rußland zum Besuche des Zarenpaares und der Großfürstin Sergius an. Sie gedenkt sechs Wochen in Petersburg und Moskau zu weilen und Mitte Mai heimzukehren. Prinz Heinrich wird seine Gemahlin nach Rußland begleiten, aber bereits am 10. April die Heimreise antreten.
— In Sachen der einheitlichen Personentarifreform findet hier am 5. Mai abermals eine Konferenz von Vertretern der deutschen Eisenbahnverwaltungen statt.
Greifkwald, 30. März. Bei der heutigen Lac.dtagSersahwahl im zweiten Wahlbezirke des Regierungsbezirks Stralsund wurde von Hennigs, Riltergutsbefitzer in Techlin (kons.), mit allen 248 abgegebenen Stimmen gewählt.
Hamburg, 30. März. Der Truppentransportdampfer „ßulu Bohlen" auf der Reise von Swakopmund nach Wilhelmshaven mit der ersten Staffel des MarineexpeditionSkorps ist am 29. Mürz in Las Palmas eingetroffen.
Taormina, 30. März. Die deutsche Kaiserin und die Prinzen Eitel Friedrich und Oskar besichtigten heute das Griechische Theater, das Palais Corvaia und das kleine römische Theater. Auf dem Wege trafen die Herrschaften eine größere Anzahl deutscher Touristen, die ihnen eine Ovation darbrachten.
Lissabon, 30. März. Die Kaiserschiffe .Hamburg" und „Friedrich Karl" passierten um 12 Uhr 50 Min. nachmittags südwärts fahrend den Semaphor von San Julian. Die Station für drahtlose Telegraphie in Cascaes sandte einen Scheidegruß, glückliche Reise wünschend.
Bachmnt(Gouv. JekaterinoSlaw), 30. März. Unter den Bauern in Caseno macht sich eine Bewegung gegen die deutschen Ansiedler bemerkbar. Die Bauern drohen ihnen, ihre Ländereien fortzunehmen, wenn sie sie nicht gutwillig hergäben. Gestern nacht sind eilig Kosaken hingeschickt worden und die Behörden haben sich an den Ort des Ereignisses begeben.
Der russisch-japanische Krieg.
Petersburg, 30. März. Der „Rußj" meldet au§ Charbin: „Am 29. d. M. standen die Japaner 30 Werst von unS entfernt. Ein Angriff wird täglich erwartet. Die Zahl der feindlichen Tschungusen wächst. Eine Proklamation des Marschalls Ojama an die Bevölkerung sagt, er werde am 10. April in Charbiu einrückeu.
Die „Nowoje Wremja" meldet: Die Niederlage bei Sandepu, die den Ruffen am 25. Januar 10000 Mann kostete, sei aus die Nachlässigkeit des Oberkommandos zurückzuführen. Bereits am 20. Januar hätten Luftschiffer Croquis aufgenommen, auf denen Sandepu als stark befestigt bezeichnet wurde. Die am 25. Januar angreifenden Truppen waren davon nicht unterrichtet und erhielten die Croquis erst am 26. Januar.
London, 30. März. Das „Reutersche Bureau" meldet aus Petersburg: Hinsichtlich der Aussichten auf Friedensunterhandlungen ist die Lage, soweit es möglich ist, klar zu sehen, folgende: Die Bedinqungen, die Rußland annehmbar erscheinen, sind in den ministeriellen Kreisen erschöpfend beraten worden, und die Grundlagen, die Rußland zulasten würde, wenn FriedenSeröffnungen gemacht werden, sind in den Umristen festgesetzt worden. Die Verhandlungen würden, wenigstens in den ersten Stadien, von einer dritten Partei oder dritten Parteien geführt werden;^man nimmt an, daß Frankreich und die Vereinigten Staaten Vermittler fein werden.
Tokio, 30. März. (Meldung des „ Reuter- fchen Bureaus".) Der Dampfer „Jndustrh"ist auf der Fahrt nach Wladiwostok am 28. März von, den Japanern beschlagnahmt worden. Die Nationalität des Dampfers ist unbekannt.
den Reichstagsverhandlungen über das Zucker- steuergesetz im Jahre 1902 für eine weitere Ermäßigung der Zuckersteuer als notwendig er- achtet wurden, namentlich der Einnahmebetrag, sowie die Belastung des Kopfes der Bevölkerung, inzwischen eingetreten feien. Er macht ferner darauf aufmerksam, daß die Ausfuhr an Zucker einen Rückgang zu verzeichnen hat, der mit, dem Inkrafttreten • der Brüsseler Konvention eingesetzt hat. Die Ursache dafür sieht er vor allem in der Expansionspolitik der Vereinig! ;t Staaten von Amerika, durch die Deutschland in kurzer Zeit vom zweitbesten Absatzgebiet verdrängt ist. Auch nach England ist die deutsche Ausfuhr in stetem Rückgänge begriffen. Die übrigen Absatzgebiete werden für diese Ausfälle keinen Ersatz bieten. Der Rückgang in der Ausfuhr deutschen Zuckers wird in den nächsten Jahren noch schneller tverden, weil die Zuckerindusttieen aller Kolonialländer seit der großen Hebung der Preise im Oktober v. I. bemüht sind, ihren Zuckerrohr- anbau und ihre Fabrikation weiter ammdehnen. In der Minderernte ist der Hauptgrund für die hohen Zuckerpreise zu suchen. Deshalb kann ihnen aber auch das Prognostikon eines la gen Bestandes nicht gestellt werden. Tie Schattenseite der guten Preise ist, daß s'- in der Regel einen größeren Anbau im Gefolge haben.
Die deutsche Zuckerindustrie hat zwei Absatzgebiete, das Ausland und das Inland. Der Absatz nach dem Auslande geht immer schneller zurück. Deutschland müßte dahin streben, daß der Zucker, den es produziert, im Jnlande aufgezehrt wird. Die Giltigkeit der Brüsseler Konvention ist nur für wenige Jahre festgesetzt. In dieser Zeit muß es gelingen, einen möglichst großen Konsum zu erzeugen, um bei erneuten Verband- lungen dem Auslande gegenüber in abhängiger zu sein. Deutschland führt heute noch etwa 42 Prozent seiner Gesamterzeugung aus. Frank- reich nur noch 2,4 Prozent. Auch Frankreich war in der Kampagne 1902/03 noch mit 49 Prozent seiner Erzeugung auf die Ausfuhr angewiesen. Dort wurde die Zuckerstei nach der Brüsseler Konvention um 17 Prozent herabgesetzt und eine weitere Herabsetzung siebt in sickerer Aussicht. Auch ist in Frankreich durch Gesetz vom 5. Juli 1904 die Steuerfreiheit für Zucker zur Bereitung von Bier angeordnet.
Der Verbrauch an Zucker stellt sich in Deutschland gegenwärtig auf etwa 34 Pfui.d pro Kopf der Bevölkerung. In England b ' ’igt Vieser Verbrauch 80, in Dänemark 60, in der Schweiz 52, in Frankreich 40 Pfd. Der Verein der Deutschen Zuckerindustrie glaubt ztvar nicht, chaß der Verbrauch in Deutschland sich jetzt schon soweit wie in England heben könnte, er hält es aber nicht für ausgeschlossen, ihn mit der Ze't auf.daS Doppelte zu steigern. Dann würde er bei einer Bevölkerung von GO Millionen über 19 Millionen Doppelzentner betragen, und damit wäre mi . 'dahin gelangt, die deutsche Produktion im Laude zu verzehren. Eine wesentliche Hebung des Verbrauchs läßt sich aber nur dann erwarten, wenn der Zucker erheblich billiger wird.
Aus diesen Gründen betrachtet es die deutsche Zuckerindustrie jetzt als ihre wichtigste Aufgabe, die Herabsetzung der Zuckersteuer von 14 Mark auf mindestens 10 Mark zu erreichen. Da die Reickseinnabmen sich bei der Ermäßigung von 20 auf 14 Mark er^hsich vermehrt haben, ja glaubt dcc Verein, daß sich die Steigerung der Einnahmen bei einer weiteren Herabsetzung dcw Steuersatzes ebenfalls fortsetzen werden.
Deutsches Reich.
Berlin, 31. März.
— Seine Majestät der Kaiser wird heute Mittag 1 Uhr Tanger verlassen und nach Gibraltar fahren.
— Die Erfahrungen im rusfisch-jopanifchen Kriege haben uns veionlaßt, daß besonders dem Min en- wesen der Marine eine bedeutend vermehrte Beachtung geschenkt wird, als bisher. Am 1. April wird, wie die,B.-M.-P." meldet, die erste der Minen» kompaanien formiert werden. Die Minenkompaanie wird 260 Mann umfaffen und in Kuxhaven stationiert loeiben. Für die Uebungsfahrten der neuen Minen- kompaqnie sind 6 Torpedoboote in Kuxhaven eingetroffen. Ein Gewährsmann teilt mit, daß unter den neuen Verhältnissen die Elbmündung in 12 Stunden vollkommen durch Station- und Streuminen gesperrt werden kann. Im Zusammenhänge mit der beabsichtigten weiteren Stationierung von Kriegsschiffen in Kuxhaven wird Kuxhaven in kurzer Zeit ein bedeutender neuer deutscher Kriegs Has en werden.
— Im Ministerium des Innern ist am Montag behufs Feststellung der Grundlagen zu einer um- fassenden, periodisch zu wiederholenden Vermögens-, Schulden-, Einnah men undAusgaben- Statistik lämtlichcr Preußischen Kom- munalverbände eine Kommission zulammen- getrcten, in die neben den Vertretern der Ministerien des Innern und der Finanzen sowie des Königlich Preußischen Statistischen Bureaus spezielle Sachverständige berufen worden sind. Es ist beabsichtigt,. zunächst die Finanzen der provinziellen Kommunal-
Zuckersteuer und Zuckerderbrauch.
Der VerAn der Deutschen Zucker-Jndufttie hat on den Reichskanzler und an die verschiedensten Staatssekretäre und Minister bn; Ersuchen gerichtet,. die, Zuckersteuer von 14 Mark auf min- bestens 10 Mark für den Doppelzentner herab- fetzen zu tvatlen. Der genannte Verein beruft fick darauf, daß alle Voraussetzungen, ■ die bei
Parlamentarisches.
- Reichst««.
Berlin, 30. März.
Der Reichstag setzte heute die dritte Lesung bei Etats beim Etat des Reichsamts des Innern fort. Die Abgg. Südekum und Fräßdorff (Soz.) polemisierten gegen den Abg. Mugdan in der Frage der Krankenkaffen. Abg. Dr. Mugdan (frs. Vp.) wies diese Anzapfungen zurück. Aehnliche Fragen veranlaßten die Abgg. Thiele und Scheide* mann (Soz.), sowie Dr. Becker-Heffen (nl.) zu längeren unwichtigen Auseinandersetzungen. Schließ* sich wurde dieser Etat bewilligt, nachdem noch bg. Becker-Löhn (Zent.) gebeten hatte, die Mittel für die gemeinnützigen Baugenoffenschaften auch den Arbeitern in den Militärwerkstätten in Siegburg zugänglich zu machen, ein Bedürfnis, das Staatssekretär Graf Posadowsky grundsätzlich anerkannte. Beim Etat der Heeresverwaltung gab Kriegsminister v. Einem eine ausführliche Schilderung des vom Abg. Dr. Müller-Meiningen (frs. Vp.) bei der zweiten Lesung vorgetragenen Falles des Leutnant- Dietz in Mainz, deffen Selbstmord mit dienstlichen Gründen in Verbindung gebracht wurde. Abg. Dr. Müller- Meiningen glaubte nun auf die jahrelange Drangsalierung des Leutnants durch einen Oberst verweisen zu sollen. Der preußische Kriegsminister versprach alles zur Aufklärung dieses Falle- tun zu wollen und bedauerte, daß der Verstorbene anscheinend in den schweren Stunden niemand befunden habe, dem er sich hätte anvertrauen können. Diesen Ausführungen trat Abg. v. Oldenburg (kons.) bei, indem er es zugleich für ausgeschlossen erklärte, daß ein Offizier des deutschen Heeres fahre* lang drangsaliert werde. Auch der in der zweiten Lesung zwischen den Abgg. v. P a ch n i ck e (frs. Vp.) und v. Treuenfels (kons.) ausgefochtene persönliche Streit weckte heute noch einmal Widerhall. Eine Reihe weiterer Etats wurden nach längerer Erörterung bewilligt.
Freitag 1 Uhr: Fortsetzung.
Das AboNnement auf die „Oberheffifche Zeitung", das größte, Meistgelesenste «uv weitverbreitetste Blatt Marburg, der lkMgeMUd kostet vierteljährlich nut 2.25 Mk. Anssrate habe« beste« Erfolg.
Ungleiche Brüder.
Originai-Roman von Irene von Hellmuth. iFo!!seVung.)
Solcke und ähnliche Szenen wiederholten sich öfters. zwischen Mutter und Sohn. Eugen grübelte immer darüber.nach, wie es nur komme, daß die Mutter unb die Schioester mit wahrhaft vergötternder Liebe an Heinz hingen, dessen Leichtsinn beinahe sprichwörtlich war, dessen Der- schwendiingssncht der Familie schon ein Kapital gekostet hatte. Der Kummer um den Sohn hatte apch den Schlaganfall des Vaters mit herbeige- führt, infolgedessen die linke Seite geläbmt blieb, so daß er an den Rollstuhl gefesselt war.
Aber dem leichtsinnigen Liebling hatte das alles kqum ein Wort des Tadels von Seiten der Mutter eingebracht, höchstens bat sie ihn, doch in Zukunft sparsamer zu fein. Und wie er sich bieä ju Herzen nahm, das bewiesen die neuen Schul- den, die Heinz gemacht hatte, und die man dem Vater verschwieg aus Rücksicht für seinen leidenden Zustand. - Aber Heinz wurde trotz alledem dem stillen, ernsten Bruder vorgezogen, die Mutter war stolz auf diesen Sohn, sie zeigte sich gerne in seiner Gesellschaft. Freilich, Heinz war em glänzender Kavalier, der sich die .Herzen aller zil erobern verstand, er konnte von hinreißender Liebenswürdigkeit sein, wenn er nur wollte. Vermochte doch Eugen selbst nicht, ihm lange zu tzürnen, wenn Heiqz es darauf abgesehen hatte, thn zu verföhnen.. _________ _
verbände, sodann die der Kreise und zuletzt diejenigen der Gemeinden statistisch aufzunehmen. Mr gegenwärtigen Tagungen der Kommission bezwecken di» Feststellung der Modalitäten, unter denen die Pro. vinzialverbände in ihren finanziellen Beziehungen zm Zahl gebracht werden sollen.
— Der preußische Bergarbeitertag beschäftigte sich gestern mit der Frage des Wagennullens. Es wurde eine Resolution angenommen, in der es u. a. heißt: „Für unreine Wagen dürfen kein« Strafabzüge erfolgen; es sei denn ein grob-fahrlässiges oder absichtliches Verschulden des Arbeiters vorhanden. Ein solches gilt nur als gegeben, wenn ei« Fünftel und mehr des Förderwagens an Bergen besteht." Dann wurde über das Strafwesen und die amtlichen Untersuchungen gesprochen.
mit dem KreMatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Ausgabe wirklich so dringend notwendig sei, und verweigerte nicht selten die Herausgabe der verlangten Summe. Bei allen Einkäufen mußte ihm überdies die Rechnung vorgelegt werden.
^.Du mußt mehr sparen, Mutter," pflegte er zu sagen, und sie nahm das gewöhnlich sehr übel aus.
„Sparen, immer sparen, das war doch früher nid)t nötig," fuhr sie dann auf.
„Nötig wäre es wohl immer gewesen," lautete Eugens ruhige Entgegnung, „b.t Vater zeigte sich eben zu schwach unb nachgebig Dir gegenüber."
Wenn Eugen auf diese Weise die Mutter zwang, ihre Ausgaben zu beschränken, dann grollte ihm diese tagelang, ja manchmal glaubte sie ihn zu hassen. Sie sah es nicht, ober wollte es nicht sehen, daß der Sohn nur das Beste der Familie im Auge hatte, daß er sich aufrieb int steten Kampfe, daß er arbeitete von früh bis spat, unb dabei finsterer unb verschlossener wurde mit jedem Tag. Dem Vater gegenüber mochte er nicht klagen über fein hartes Geschick, unb die anderen verstanden ihn nicht. So stand er stets allein. Und als endlich nach langer Nacht der erste Sonnenstrahl auf seinen dunklen Weg fiel, als er zum ersten mal empfand, daß es auch für ihn noch ein Glück geben könnte, da mußte er sofort erkennen, daß es ihm unerreichbar ivar, daß er dem Drange seines Herzens nicht nachgeben durfte.
Vierteljährlicher Bezugspreise bei du Exp:dition 2 Mk., Tkß rjo bet allen Postämtern 2,25 Mk. c.exet. Bestellgeld).
$ Jnsertlonsgebühr: die gespaltene Zeile ovcr Deren Raum 10 Pfg.
Ncclamcn: die Zeile 25 Pfg.
Deutsche Kolonien.
Südwestafrika. Nach einer Meldung des Generals v. Trotha vom 29. März ging Hauptmann v. Oertzen gegen eine Herero- bande vor, die Oberleutnant Graf Schweinitz auf einem Patrouillenritt 40 Kilometer östlich von Otjituo festgestellt hatte. Die Abteilung Oertzen fand jedoch nur noch verlaffene Werften, da die Hereros, anscheinend durch Buschmänner gewarnt, zwei Tage vor ihrem Eintreffen abgezogen waren. — In Otjivero am Weißen Nossob,' 120 Kilometer östlich von Windhuk, stellten sich die Kapitäne Erasmus und Kamangati mit 150 Männern, Weibern und Kindern freiwillig. Major v. Estorff hat auf dem Vormarsch von Gobabis nach Süden am 23. März Awadaob am großen Nassob erreicht. Die Verbindung mit der Abteilung Meister ist hergestellt;
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halb. des Bettes zubringen. De. Doktor, ein gemütlicher, alter Herr, hatte sie wahrhaft auf. opfernd gepflegt. Es schlte ihr überhaupt nichts zur Bequemlichkeit. Die Kö- in, die Violetta ganz besonders ins Herz geschlossen hatte, Leckt« thr heimlich manchen guten Bissen zu. den sie sich am Munde abfparte. Sie brachte auf Befehl Eugens jeden Tag das Essen aus dem .Sorbet- hause unb versorgte Vater und Tochter mit allem Nötigen. Manche Stunde, ihrer freier Zeit toib- niete sie dem jungen Mädchen. Sie. hielt bi« Wohnung in Ordnung unb besorgte die Wäsche, dabei lehnte sie jeden Dank entschieden ab.
„Ach, lassen Sie das nur, Fräulein?, sagte sie immer, während ein gutmütiges Lächeln auf dem breiten, ehrlichen Gesicht lag, „ich mache das alle» * ja sehr gerne für Sie."
Eugen steckte der Dienerin heimlich mancher Taler zu für ihre vermehrte Arbeit, unb prägst ihr immer ein. es den beiden im ortenhaufi möglichst beguem zu machen.
„Für unfern Herrn Eugen ginge ick durch; Feuer, pflegte die Köchin stets zu sagen, wenn si« ein wenig plaudernd bei Violetta saß. „Sie können gar nicht glauben, Fräulein, was e: für ein guter Mensch ist. Die Madame unb unser Fraulein, — na, — darüber will ich lieber nicht reden, — es sind halt hochmütige Menschen, unb bet Herr Leutnant treibt es noch ärger; aber bet Herr Eugen ist gut, er ist der Besst von allen. Man sagt immer, er wird das Fräulein Milly heiraten, aber ich glaube es nicht; es wäre auch zu schade für ihn, denn lieb hat er sie mm gau- gewiß nicht, obwohl sie sich die Deine müde läuft
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