Deutsche Kolonien.
Südwestafrika. Nach einer in Berlin ringe- ^offenen Melduna vom 26. März befindet sich General Trott a auf dem Wege nach dem südlichen Kriegsschauplatz; er ist am 25. März Don Rehoboth nach Kub abmarschiert. Nach einer Meldung des Generals aus Rehoboth vom 25. haben bte Gefechte vom 10. und 11. März in den farasbergen den Erfolg gehabt, dab sich die Bande Morengas nach allen Seiten zerstreute. Oberst Deimling hatte die A bücht, die Orte Hasuuc, Garabis, Slinkdoorn, Kalkfontein, sowie die Karasberge und Aurub mit kleinen gemischten Mbreihtngen zu besetzen, um die Gegend weiter vom Feinde zu säubern. Major . Kamptz kehrte mit dem Rest der Truppen und Beutevieh nach Keetmannhoop zurück. Aus dem Wege dorthin wurde er am 19. März östlich von Hurub von etwa 100 Rotten Wien angegriffen, von denen infolge der günstigen Artilleriewirkung 50 fielen; diesseits sind drei Reiter gefallen und einer verwundet. Am 22. März wurde die Ab- teilung Kamptz wieder von 150 bis 200 Hottentotten angeriffen; diesseits fiel ein 3urt vier Reiter und ein Bur wurden verwundet. Die feindlichen Verluste konnten der Dunkelheit wegen sicht festgestellt werden.
Aamer««. Aus Berlin wird vom 26. ds. gemeldet: Rach einem Telegramm des Gouverneurs von Kamerun vom 24. März ist die Lage im Schutzgebiet feit dem Telegramm vom 13. März, wonach jede unmittelbare Befürchtung ausgeschlossen war, unverändert. Mit der Möglichkeit eines Buli - Angriffes wird gerechnet. DeShal b wurde Kribi verstärkt. Vorläufig ist alles ruhig. Die Verwaltung im Südosten hat unter Hinweis ans die Gührung an verschiedenen Stellen und aus die im November des vorigen Jahres erfolgte Ermordung des Kaufmanns Kundenreich gleichfalls Verstärkung erhalten. Die Ermordung Kundenreichs ist der einzige Fall von Unruhen, welchen der Gouverneur auf die auS» brückliche Aufforderung der Kolonialabteilung namhaft gemacht hat. Nach über Kongo hierher gelangten Privatnachrichten ist eine ausreichende Sühne durch Bestrafung der beteiligten Eingeborenen bereits erfolgt.
An das Telegramm des Gouverneurs von Kamerun, das am SamStag durch „W. T.-B." verbreitet wurde, (und unS leider erst nach Schluß der Redaktion zuging), knüpft die ,91 A. Z." an hervorragender Stelle die nachstehenden, jedenfalls aus dem Auswärtigen Amt stammenden Betrachtungen: .In Anbetracht dieses Sachverhalts ist es unerfindlich, wie die ^Nationalzeitung' in ihrer Abevd-AuSgabe vom 22. d. M. die alarmierende Mitteilung von dem LuSbruche eines allgemeinen Ausstandes in Südkamerun in die Welt setzen konnte, und wie sie v» der Behauptung kam, daß spätesten» am 2L K M. die amtlichen Stellen im Besitze der Nachricht über den Ausbruch dieses angeblichen Ausstandes gewesen seien. Nach dem neuesten Telegramm de» Gouverneurs darf man wohl erwarten, daß die„Nationaheitung" zugesteht, in gröblichster Weise mystifiziert worden zu sein. Was die Ermordung de» Kaufmann» Kundenreich anlangt, von der in dem Telegramm de» Gouverneurs die Rede ist, so hat fich dieser Fall am 21. November vorigen Jahre» ereignet, Mrd zwar in der äußersten Südostecke von 'Kamerun, die durch Hunderte von Meilen unbewohnten Urwaldes von dem übrigen Schutzgebiete getrennt ist. Jeder Zusammenhang dieses Falle» mit einem allgemeinen Ausstande ist de»- »alb der Natur der Sache nach gänzlich auSge- fchloflen. Eine amtliche Berichterstattung des Gouverneurs in dieser Angelegenheit hat bisher picht vorgelegen und bannte nicht vorliegen, da hie Verbindung zwischen dem Gouvernement und der Eanga-Ngoko-Station eine außerordentlich schwierige ist und längere Zeit erfordert. Dagegen find der Süd-Kamerun-Gesellschaft über den Kongo Nachrichten über das Vorkommnis and über die erfolgte Bestrafung der Einge» vsrenen vor einiger Zeit zugegangen/
Ausland.
Italic«. Ueberdie Reise d er Kaiserin t»d die Begegnung mit dem italieni- qen Königspaar, die am Samstag tiefe Falte lag zwischen seinen Augenbrauen. . In der Tat schien Eugen die ganze Welt um A her vergessen zu haben. Er starrte vor sich ‘‘in. nur manchmal fuhr er fich mit der Hand 'ixrdj das dichte Haar, wie in Gedanken verloren.
(Forfetzung folgt.)
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p Wissenschaft, Kunst und Leben.
,, . : . . Kirchenkonzert.
t Den größten Arbeitsanteil am gestrigen Kon- »ertabend hatte Pfarrer Degenhardt-Zim- «ersrode. Zurückhaltend und feinfühlend fn der Begleitung spielte er in hervorragender Meisterschaft mit kräftigem Empfinden Bachs Mandiose H-moll Fuge; das an Schattierungen f* reiche F-dnr Pastorale Bachs kam durch sinn- »emäßen Registerwechsel in den einzelnen Sätzen Ausgezeichnet zur Geltt.ig; den ganzen Abend mit allen kleinen Unebenheiten und Ver- Wmmungen versöhnend die letzte der sechs großen B» A- 0- H Fugen Schumanns, ein Denkmal,, »ere perennins. Frau Kimpel-B e r H n g ihrer glänzenden Sopranstimme überraschte h die Kraft und Fülle ihres Organs, dem e Anstrengung zu viel zu sein schien: auch die sten Töne kamen voll, spielend heraus, so daß Htm gerne gewußt hätte, in welchen Lagen ihre l Stimme die Grenze fände. Vollendet sang sie, N dieser Art sicher nur von wenigen erreichbar, ^bte Arie aus Mendelssohns Elios: ^Höre »vaell- die wie für sie geschrieben erscheint; sie
’M M Msttel dazu: ein» mächtige, klare Stimme,
Nachmittag in Civitavecchia stattfand, wirb von dort gemeldet: Die Jacht „HohenzollernE mit der Kaiserin an Bord ist in Begleitung be8 Torpedoboots .Sleipner" und zweier italienischer Torpedoboote, die bi» Monte Argentario int» gegengefahren waren, unter Geschützsalut angekommen und ging im Süden deS Vorhafens vor Anker. Der deutsche Konsul begab sich sogleich an Bord. Die Ueberfahrt der .Hohenzolleru" von Genua nach hier war gut, trotz eines Unwetters, das die Jacht zwei Stunden nach ihrer Abfahrt von Genua auszuhalten hatte. Die Kaiserin dankte dem deutschen Konsul, der sich an Bord begeben hatte, für den Empfang, und äußerte, daß Re glücklich wäre, Italien, den König und die Königin wiederzusehen. Der Kommandant der Garnison und der Hafenkommandant hatten fich gleichfalls an Bord begeben zur Erweisung der Ehrenbezeugungen, ebenso der Unterpräfekt und der Abg. Galuppi. die der Kaiserin tm Beisein deS Prinzen Ettel- Friedrich ein Bukett überreichten, wofür die Kaiserin ihren Dank auSsprach. Die Ankunst deS Königs und der Königin von Italien und de» jugendlichen Thronfolgers, deS Prinzen von Piemont, erfolgte um l1/, Uhr. Die Stadt war festlich geschmückt. Die Majestäten begaben fich sofort zur .Hohenzollern/ Bei ihrer Ankunft an Bord der .Hohenzollern' wurden oer König und chie Königin vom Prinzen Eitel- Friedrich am Fallreep erwartet. Die Matrosen der „Hohenzollern" brachten drei Hurras aus, während die Musik die KönigShymne spielte. An Bord erwies eine Ehrenwache die Honneurs. Die Kaiserin empfing die Majestäten im großen Salon der .Hohenzollern" und begrüßte fie herzlich. Die Königin überreichte der Kaiserin einen herrlichen Blumenkorb. Bald nach dem Eintreffen deS Königs und der Königin fand an Bord der „^ohenzollern' eine Frühstückstafel zu 20 Gedecken statt, bei der die Königin zwischen den Prinzen Eitel-Friedrich und Oskar, die Kaiserin zwischen dem König und dem deutschen Botschafter saß. Um 31/, Uhr verabschiedete fich das KöniqSpaar. Die Kaiserin und die Königin umarmten fich herzlich. Prinz Eitel Friedrich und Prinz Oskar begleiteten daS Königspaar zum Bahnhof. AlS der König und die Königin von Bord gingen, erwies die Besatzung der „Hohenzollern' wiederum die Honneurs. Um 3’/t Uhr reisten der König und die Königin nach Rom ab, nachdem fie sich von den Prinzen Eitel-Friedrich und Oskar herzlich verabschiedet hatten. Die Prinzen kehrten dann an Bord der .Hohenzollern" zurück, die um 4% Uhr unter dem Salut der Geschütze in See ging.
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Ortgtnalartitel ist gemäß § 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe
»Qberheü. 8tg." gestattet.) Stadtverordnetenfitzung
§ Marburg, 24. März.
Zum drittenmale in dieser Woche traten heute die Stadtverordneten zu einer Sitzung zusammen, um endgültig den Voranschlag über die Einnahmen und Ausgaben der Stadthauptkasse unter Dach und Fach zu bringen.
Zunächst erledigte man einen Dringlichkefts- antrag; es handelte sich um die Errichtung einer neuen Oberlehrerstelle an der hiesigen Oberrealschule, die sich infolge der mehr zunehmenden Frequenz der Anstalt nötig macht. Man war damit einverstanden.
Bei Titel Elektrizitätswerk ergriff zunächst Stadw. Runkel das Wort. Er hielt den Unterschied zwischen den Preisen, welche die Bürgerschaft entgegen den Anstalten zahlen s'll, für m hoch und bezweifelte aus diesem Grunde die Rentabilität des Werkes. Stadtv. Schäfer nahm Bezug auf die letzten Mitteilungen in! der letzten Sitzung des Bürgervereins , bezw. auf den dort gemachten Vorschlag, die Herrenmühle zu beseitigen und dafür das Elektrizitätswerk an einer anderen Stelle zu errichten. Der frühere Besitzer habe jahrelang nichts an der Mühle verändern dürfen, weil sie zwecks Niederlegung angekauft werden sollte und jetzt wolle man sie plötzlich zu einem Elektrizitätswerk brauchen. Die Kommission möge doch auch erst mit der Universität und Bahn die Abnahme der Elektrizität regeln. Stadtv.-Dorsteher Justizrat Dörfsler bezeichnete den damals in der Siir-
die sie jubelnd und kraftvoll zur Geltung zu brin- gen versteht. Herr Schubert-Berlin besitzt eine wanne sympathische Stimme, die ihre besten Wirkungen in tieferen Lagen und in dunkleren Tönen erzielt; sie hat einen intimen Reiz und bei ihrer leichten Anpassungsfähigteit läßt sie auf ein feines Empfinden ihres Trägers schließen. Die Eigenart von Sänger und Sängerin kamen in den Duetten deutlich zum Ausdruck; Frau Kimpel, die alle Schwierigkeiten sfimmfich spielend überwindet, geht manchmal versLchien- derisch mit ihren Mitteln um. wird dadurch unvorsichtig, so daß Feinheiten, z. B. im Ansatz an einzelnen Stellen darunter litten. Die einzelnen Programmnummern sind zu tefannt,. als daß man etwas darüber zu sagen brauchte; Novitäten waren die Kompositionen von Berger, Hermann und unserem Sänaer L. Schubert; Hermanns „Golgatha" ist fraglos die beste. Als eine in jeder Beziehung schwache und durchaus unzulängliche Leistung muß Schuberts Duett, Psalm 117, bezeichnet werden. Ist es schon gewagt als Rom- äin der Gesellschaft solcher Heroen aufzu- , wie sie das Programm aufwies, so ist es unverständlich, wie ein Künstler mit so feinem Gefühl wie Herr Schubert so unvorsichttg sein kann, mit einem derartigen Machwerk vor die Oeffentlichkeit zu treten; sollte das Duett hn Manuskript vorliegen, so möchten wir den Sänger in seinem eigenen Interesse bitten, es ungedruckt zu lasten und vorläufig in seinem eigensten, erfolgversprechenden Gebiet, bei dem Gesang, zu bleiben. —6.
gervereinsversammlung gemachten Vorschlag, das Werk am sog. „schwarzen Brückchen" zu errichten, als hinfällig, weil der Mühlgraben dem Fiskus gehöre.
Stadw. Rechtsanwalt Rohde fügte hinzu, daß der Mühlgraben nach seinen Erkundigungen bi« zur Mühle als öffentliches Gewässer zu bewachten fei. Bei der Mühle fei erst der frühere Besitzer und jetzt die Stadt natürlich Eigenttimer des Mühlgrabens.
Der Oberbürgermeister bemerkte hier, daß die Genehmigung zum Abbruch der Mühle wohl nie- malS gegeben würde, denn diese sei als ein Bau- denkmal zu betrachten. Ter Erbauer deS llniber- sttätsgebäudeS, Baurat Schäfer in Karlsruhe, habe das Universitätsgebäude in feinem Unterbau der alten Mühle angepaßt.
Stadw. Storck bezweifelt, daß sich in den ersten Jahren das Elektrizitätswerk rentieren würde, das mache aber nichts, denn der Erfolg komme später. So fei eS bei jedem größeren Be- triebe hn Priatleben und bei der Gasanstalt Hobe man ja auch diese Erfahrung gemacht. Es wäre überffüssig, ängsttich zu fein, Fachleute hätten den Plan ausgearbeitet, ein möglichst billiges Werk unter Benutzung der Wasserkraft und Zn- hüfenahme von Gasmotoren als Reserve zu schaf- fen und jedenfalls fei auch die Sache so richtig. Man habe die Herrenmühle gekauft, weil andernfalls die Unwerfität dort eine eigene Anlage gemocht hätte und nun möge man dem Antrag zu- ftimmen.
Stadw. Stroinsky war anderer Meinung. Das Referat deS Stadw. Rohde in der „letzten" Sitzung über das Elektrizitätswerk sei sehr übersichtlich gewesen, ein klares Urteil sich darüber zu bilden, sei er jedoch nicht im Stande, für einen Laien gehöre da mehr Zett und Studium dazu. Er halte immer an s e i n e m Vorschlag (nicht dem deS Stadw. Schäfer, wie irrtümlich berichtet) fest, eine Denkschrift auszuarbeiten und den Stadwerordneten 14 Tage Zett zu lassen, diese wichtige Frage eifrig zu studieren. In die Sür- gerschaft wäre dann auch manches gedrungen und sicher hätten auch die Zeitungen Auszüge und Erläuterungen daraus gebracht (selbstverständlich). Er müsse offen erklären, daß er nichts davon verstehe, die Kommission weiß alles und wir nichts. Ein Elektrizitätswerk müsse selbstredend errichtet werden und zwar so billig w'e möglich, vielleicht rentiere es sogar einmal, trenn Marburg 30—40 000 Einwohner habe. Den Mühlgraben zuwerfen, ginge nicht, deshalb stehe er auf dem Standpunkt, die Master- und Gaskraft zu be- nutzm. Der Redner kam nun auf die Verwal- tung des zukünftigen Elektrizitätswerkes zu sprechen. Er war der Meinung, daß die Stadt sich bei ihren Unternehmungen mehr konzentrieren müsse. In allen $etrieben mache man die Erfahrung, daß jede Nebenanlage teurer sei, als wenn sie mit dem Hauptbetrieb vereinigt würde. Hier Elektrizitätswerk, dort Gasanstalt, daL sei nicht richtig. Alles müsse in eine Hand, schon um der Einheitlichkeit halber, denn der Gasanstaltsdirektor sei sehr wohl ein Mann, auch dem Elektrizitätswerk vorzustehen. Man möge in Betracht ziehen, ob das, was er vorgeschlagen, nicht der Erwägung wert sei.
Stadw. Landgerichtsrat Gleim hatte sich eine solche Debatte nicht mehr vorgestellt. Beigeordneter Sardemann und Stadtv. Rohde hätten das Projekt erläutert und die übrigen Zuhörer seien auch alle Laien gewesen. Man habe eine Kommission gewählt und diese müsse es wissen. Er wiste nicht, weshalb man dem Anttaa nicht zu- ftimmen solle. Was die Verwalttmg anbelange, fo komme das später, man müsse nun einmal fertig werden und zwar recht schnell, am 1. Aripl tig werden und ztvar recht schnell, am 1. April 1. Oktober Licht da fein.
Stadw. Schaaf hielt die Erwerbung des Mühlgrabens und ebenfalls die Anlage desElektrizitäts- werkes in der Gasfabrik aus Gründen, die er näher bezeichnete, für ausgeschlossen. Man müsse also an der Herrenmühle festhalten, auf die Universität fei sicher zu rechnen, denn wegen dieser mache man ja haupffächlich die Anlage. Die Personal- und Verwaltungsfragen kämen später zur Erledigung.
Stadw. Schäfer zollte der Kommission volle Anerkennung, Stadtv. Engel sei darin aber der einzige Sachverständige, deshalb müsse man bei einem solchen % Millionenprojekt nicht genug Meinungen hören. Betreffs Anschaffung gebrauchter Gasmotore, wie man beabsichtigte, fei es eine heikle Sache, die müsse man erst genau prüfen, ob nicht nach kurzer Zeit neue Moto re nötig feien.
Stadtv. Storck bemerkt, daß dem Gaswerk eine Entlastung durch das Elektrizitätswerk gut
Stadttheater.
„Kabale und Liebe" von Friedr. Schiller.
Es war gestern Nachmittag erfreulich zu sehen, daß Schiller noch heute wirkt, das Haus war gut besetzt und der Beifall war nach jedem Attschlusse sehr stark. Ein Boshafter machte zwar die Bemerkung, der regnerische, also langweilige Sonntagnachmittag und die ermäßigten Preise hätten ebenfalls ihr gut Teil an dem starken Besuche zu beanspruchen, vielleicht mehr noch als die Schiller- scheu Ideale, von denen das Stück aus deS Dichters Brausejahren so schön zu sprechen weiß. Doch das sei dahingestellt. Kabale und Liebe" war für die damalige Zeit von epochaler Bedeutung und man berauschte sich an den tönenden Worten über Freiheit und Gerechtigkeit, den grafen Gefühlen und edlen Aufwallungen über Menschentum, Frauentugend und Mannesehre. Heute pflegt man das Stück aus Pietät gegen dm unsterblichen Dichter, der es mit seinem Herz- blute geschrieben hat. Denn das historische Milieu (bekanntlich der Hof des Kurfiirstm von Hessen in Cassel) ist der Mehrzahl nicht mehr verständlich und den Kindern einer neuen Welt und Zeitan- schauung ist auch die Dichtung nicht mehr entsprechend dem Geschmack. Um so mehr ist es dann die Ausgabe der Darstellung neben einer die historische Wirklichkeit glaubhaft machendm Aufführung, neben dem äußeren Schein auch die Idee, dm ©ebanfen des Stückes zu den Zuhörem spre- chm zu lassm. Auf die Regie hätte etwas mehr Sorgfalt verwendet werdm _ dürfen, auch das
tue, sonst müsse man dort vergrößern. Ob matz die Verwaltung zusammenlege, fei eine anbete Frage, jedenfalls müsse der Leiter des Elektrizv tätswerkes ein Fachmann sein.
Beigeordneter Sardemann gab nunmehr kurze Erläuterungen. Man werde das Elektrizitätswerk fo billig wie möglich einrichtm. Er hege die fest» Hoffnung, daß e3 nach kurzer Zeit wieder ausgoi baut werden müsse. Die Universität, Bahn usw< würden bezüglich der Preise nicht anders tehan< delt, wie der Bürger, er Senfe an sog. Staffeltarife. Jedenfalls würde die elektrische Anlage» ein Segen für die Gewerbetreibenden fein, in Gießen seien in kurzer Zeit 90 Anlagen gemacht worden. Als Leiter müsse man natürlich einest Sachverständigen nehmen.
Stadw. Stroinsky meinte, daß die Kommis« fion ihre Pflicht getan und die Sta' rrorbnetert die Sache prüfen müßtm. Seiner Ansicht nach könne der Leiter der Gasanstalt sich recht gut die Kmntnisse aneignen und das Elektrizitätswerk miwerwaltm. Sein Vorschlag, daß man bett Elektrizitätswerk-Entwurf gedruckt den Stadtver« orbneten und damit zugleich auch der Oeffentlich- kett übergebe, scheine keine Gegenliebe zu finden. Wenn er wirklich dafür stimme, müste er bet Kommission die Verantwortung überlassen. EL habe auch gehört, die Turbinen feien schon vergeben. Ob der Gasverbrauch bei Errichtung de» Elektrizitätswerkes eingeschränkt toürte, fei fraglich.
Stadw. Schäfer wünscht Auskunft itbet_ die Gasmotore, ob man diese schon gekauft hätte, worauf Beigeordneter Sardemann erwiSert, daß sie nur offeriert worden seien. Auch Stadw. Eichelberg wamte vor dem Ankauf schlechter GaS- motore, welche Bedmkm durch den Beigeordneten Sardemann und den Stadtv. Bang jedoch zer« ftreut wurden.
Hiermit war die Diskussion geschlossen und Qimmte man dem Antrag, das Elektrizitätswerk in der von der Kommission vorgeschlagenen Weiss in der Herrenmühle zu errichten, zu. Man traf bann in die vertrauliche Sitzung ein.
Marburg, 27. März.
8 vttrirbs-Eriffnung. Wie schon kurz er« wähnt, soll am 4. April d. I. die feierlich« BetriebS-Uebergabe der Teilstrecke Marburg-Süd» Ebsdorf der im Bau begriffenen Eisenbahn in den Ebsdorser Grund stattsinden. DaS Pro« gramm hierzusist wie folgt festgesetzt: 1) 11.45 vor« mittags Versammlung der Festgäste am Süd» bahnhos. 2) 12.00 Empfang bet Vertreter btt oberen Provinzialbehörben von Cassel. 3) Be» fichtigung des neuen Bahnhofs bet Marburger Kreisbahn. 4) 12.20 nachmittags Abfahrt bet Festteilnehmet mit Sonbetzug nach Ebsdorf, Rückzug von da 2.30 nachmittags. Dann an» schließend Festzug zum Museum. 5) 3.00 nachmittags Festesten im Museum. (Der Preis de» trockenen Gedecke» beträgt 2 Mk.) Schluß bet offiziellen Feier gegen 5 Uhr nachmittags.
* Die diesjährigen Meisterprüfungen würben in bet Zeit vom 6.-25. März unter dem Vorsitz deS SchreinermeisterS Fr. Bang abgehalten. Zu der am Samstag Nachmittag ab gehaltenen wiffenschaftlichen Schlußprüfunp war al» Vertreter der königl. Regierung in Castel Regie» tungSrat Listemann anwesend, außerdem waten Vertreter be8 Magistrates und der Handwerks« kämmet sowie die Vorsitzenden deS Gewerbe- verein» und deS JnnungSauSschusteS zugegen. Der Prüfung unterzogen fich 15 junge Handwerker und zwar der Maurer und Steinhauet Friedrich Wilhelm Groth von Marburg, bet Maurer Rudolf Mohr von Sattenberg, bet Maurer Carl Kreß von Ziegenhain, ber Zimmer» mann Adam Wagner von Damm, die Malet und Anstreicher Heinrich Fischer und Heinrich Knoch von Marburg, bet Schlosser und In» stallateur Emil Möbu» von Marburg, bie Schmiede Dietrich Klein von Marburg und Heinrich Schmidt von Beltershausen, bet Schreiner Johanne» Eiffert von Ockershausen, die Bäcker Jacob Matthäi und Hermann Bau» mann von Marburg, Wilhelm Trost von Frankenberg, Fritz Dickhaut von Amöneburg, George Manger von Wetter. Gegen 6 Uhr gab ber Vorfitzenbe ba» Resultat ber Prüfung bekannt, sämtliche Prüflinge hatten bie Prüfung bestauben unb zwar 5 mit gut, 4 mit im Ganzen gut, 6 mit genügend, woraus die Jungen Meister nach einer Ansprache be» Vorsitzenden,
Spiel ließ im Großen und Ganzen einiges 5ü wünschen übrig, von den starken Kürzungen abge- fefen Von den Einzeldarstellern boten Herr Lüttjohann und Frau Gartner sehr be- friedigende Leistungen. Herr Lüttjohann gab den Ferdinand mit schöner Natürlichkeit, dw sich jtm jedem deklamatorischen Pathos fernhielt. Frau Gartner war eine äußerst temperamentvolle Vertreterin der Lady Milford »nd der Beifall, den sie erhielt, war wohl verdient. Die Rolle der Luise war bei Fräulein hülfet ganz gut au|geboten jedoch spielte sie dieselbe etwas larmoryant unb empfindsam, wozu die Verleitung gerate hier sehr nahe liegt. Allerdings kann man über die Aufastung ter Rolle streiten. Herr Lin zen alS Präsident war stellenweise zu jobtal, etwas mehr Reserviertheit in Ton und Haltung wate vielleicht wirkungsvoller gewesen und hatte |eut sonst gutes Spiel noch gehoben. Herr d e vrni als Sekretär Wurm trat — tm Gegensatz zu tem Vorhergesagtem — M wenig hervor. Elüch die rote Perücke war unvorteilhaft. Erst itl jen letzten Szenen bot Herr de Giorgi, was man sonst von chm gewohnt ist. Herr C o n r a b i olS Kusikus Miller spielte gut und ansprechend und gefiel namentlich in ter Schlußszene. Fratt Fischer als Mutter war hn Spiel nicht zu te» anftanben, wohl aber in ter Maske, bte &u bte« fiisch war, fast zigeunerhaft. Herr Lipp et, als Hofmarschall war tadellos 1 int vestem Sinne — in Waske unb im StziL /, " --