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Sonntag. 19. März 1905.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UniversitLtr-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Zweites Blatt.
Netteste Telegramme.
Droirtheim, 17. März. Kaiser Wilhelm wird, laut einer beim deutschen Konsulat eingetroffenen Benachrichtigung, auch in diesem Sommer -wieder eine Reise nach Norwegen unternehmen.
Rom, 17. März. Die .Agencia Stefani' meldet aus Söul: Auf Betreiben des italienischen Gesandten erteilte die koreanische Regierung der italienischen Kolonialgesellschaft eine Minen- konzesfion. Der Vertrag wurde am 15. März unterzeichnet. Die Konzession erstreckt sich auf 25 Jabre.
Colombo, 17. März. Prinz Friedrich Leopold von Preußen ist auf seiner Reise nach Ostasien hier eingetroffen.
Tananariva, 17. März. Das russische Geschwader, das bisher bei Rossi Bö lag, ging gestern nachmittag von dort mit unbekannter Bestimmung in See.
Petersburg, 18. März. Man erwartet die Veröffentlichung eine? kaiserlichen Erlasses, durch welchen die Nationalversammlung für den Monat Mai einberufen wird.
CharbiU, 17. März. Die „Petersburger Telegraphen-Agentur' meldet aus Tschantafou von heute: General Kuropatkin reist heute abend nach Petersburg ab; General Linewitsch übernimmt das Amt deS Oberbefehlshabers.
Londo«, 18. März. Wie den „Times' aus Petersburg unterm 17. d. MtS. gemeldet wird, sind dort mehrere noch unbestätigte Berichte eingetroffen, nach denen die Russen bei Tieling eine schlimme Niederlage erlitten haben sollen, die sie zwang, ihre Vorräte und einen Teil der Artillerie im Stich zu lassen.
Loudou, 17. März. Das Gesetz betreffend die Einführung deS achtstündigen Arbeitstages für die in den Kohlenwerken beschäftigten Personen unter achtzehn Jahren wird in zweiter Lesung mit 190 ceren 132 Stimmen angenommen.
Deutsche Wünsche aus Brasilien.
Die brajilianischen Deutschen bilden in gewisser Beziehung den Stolz unseres Auslanddeutschtums. Ihrer überwiegenden Mehrzahl nach sind sie aus ärmlichen Verhältnissen heraus nach Brasilien gekoinnien und haben sich dort ir: Laufe der Generationen zu einem soliden Wohlstände und wirtschaftlicher Tüchtigkeit entwickelt. Dies ist manchem von ihnen um so schwerer gefallen, als er aus städtische,: Verhältnissen heraus vor die rauhen Anforderungen des Urwaldes gestellt wurde. Allen Anfeindungen der Lusobrasilianer '(fo heißen die portugiesisch-romanischen Brasilianer im Gegensah zu den Deutsch-Brasilianern) haben diese Deutschen aber in einer Weise Trotz geboten, die geradezu bewundernswert erscheint,
22 ' °> ----druck verboten.)^
Ungleiche Brüder.
Original-Roman von Irene von Hellmuth.
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Und doch brachte er kein Wort über seine Lippen. Da kam zwischen den Bäumen schon das Helle, reizende Haus in Sicht. Nun noch ein i^aar Schritte, und sie hatten es erreicht. Das junge Mädchen blieb stehen und hob jetzt zum erstenmale die Augen zu dem schweigsamen Manne empor. Da traf sie ein solch leidenschaftlicher Blick, daß ihr Herz rascher zu klopfen begann. Sie standen im vollen Mondschein, man konnte daher alles deutlich unterscheiden.
„Gute Nacht," flüsterte sie, und reichte ihm die Hand, die er mit leisem Druck einige Sekunden feschielt, dann zog er die bebenden Finger an seine Lippen.
„Gute Nacht, — Violetw, — auf Wiedersehen!"
Mehr brachte er nicht heraus. Gleich darauf fiel die Türe ins Schloß.
Drinnen aber im halbdunklen Hausflur stand Violetta und preßte beide Hände gegen die Brust. Em nie gekanntes, wonniges Gefühl quoll in ihrem Innern auf, sie lehnte mit klopfendem Herzen am Türpfosten und schloß die Augen, die von Tränen funkelten. „Ob das Glück nicht zu groß ist für mich?" fragte sie sich. Sie fühlte «in heißes Sehnen nach ihm, — dem ihr junges Herz entgegenjauchzte, der sie erlösen würde aus dem Leben, das sie bisher zu führen gezwungen war und das ihr mit jedem Tage unerträglicher wurde. Und plötzlich glitt sie neben der Türe
zumal wenn man sie mit der Verlassenheit der nordamerikanischen Deutschen vergleicht. Allmählich aber droht diesem Deutschtum eine immer stärkere Gefahr. Das deutsch« Red' kümmert sich viel zu wenig um sie und kann dies auch vielleicht nicht in der nötigen Weise tun. Das deutsche Volk im Reiche aber hätte die Pflicht, den brasilianischen Vorgängen mit größerer Aufmerksamkeit zu folgen. Der volksvergessene Teil der nordamerikanischen Deutschen scheint nämlich neuerdings seitens der Iankees als Völkerkitt in einem neuen Sinne verwandt werden zu sollen. Denn es ist ausfällig, wie viel „deutsch-amerikanische" Unterstützung jetzt den deutschen Gemeinden in Brasilien zuteil wird. Und es kann jeder sich an den Fingern herzählen, welche Wirkung dies haben muß: Die Deutsch-Amerikaner treten dort nur als Pioniere bet Monroedoktrin auf. Dem könnte nur durch eine gute Presse entgegengearbeitet werden und die deutsch-brasilianische Presse ist gut, was ihre Haltung uni. Gesinnung anlangt. Sie ist aber sehr wenig bemittelt. Zur Zeit gibt es in ganz Brasilien außer einigen Fachblättern nur 18 deutsche Zeitungen; unter diesen erscheinen nur zwei, „Deutsche Zeitung" in Sao Paulo und „Deutsches Volksblatt" in Porto Alegre, täglich, die übrigen erscheinen ein-, zwei- oder dreimal wöchentlich. Höchstens 10 Blätter haben eine Auflage von 1000 Stück. 3000 Auflage wird von keinem erreicht. Die Gesamtauflage der deutschenPresse Brasiliens dürfte 25 000 kaum erreichen. Tas steht in unleugbarem Mißverhältnis zu den 400 000 in Brasilien ansässigen Deutschen. Die Ursache ist vorwiegend darin zu suchen, daß die meisten Blätter, besonders die südbrasilianischen, überwiegend aus eine ländliche Bevölkerung angewiesen sind, die auf die Tagespresse nicht den Wert legt, wie eine städtische. Dazu kommt, daß zumal in den Urwaldkolonien schon aus Sparsamkeitsgründen sich zwei, drei, vier und mehr Familien zum Bezug eines Exemplars der in Frage kommenden Zeitung zusammen zu tun pflegen. So müssen denn die deutschbrasilianischen Blätter sich sehr einschränken und können sich insbesondere nicht den Luxus eines eigenen direkten Nachrichtendienstes gestatten. Aus Mangel an solchem müssen sie bei den lusobrasilwnischen Zeitungen zu Gaste gehen, die von der „Agence Havas" oder dem „Newyork Herald" bedient werden und natürlich nur deutschfeindliche Nachrichten bringen.
Um diesem Zustande ein Ende zu machen, regte die „Deutsche Post" von Sao Leopoldo die Einrichtung eines aus gemeinsamen Mitteln der deutsch-brasilianischen Presse zu unterhaltenden transatlantischen Kabeldienstes an, die andern Blättern aber bezeichneten diesen Plan als undurchführbar wegen der wirtschaftlich schwachen Stellung der deutsch-brasilianischen Presse. Es ist auch der Vorschlag aufgetaucht, die deutsche Regierung möge durch geeignete Unterstützung die deutsch-brasilianische Presse in den Stand setzen, durch zuverlässige Nachrichten aus Deutschland dem systematischen Verleumdungsfeldzuge der nordamerikanischen Nachrichtenbureaus wirksam entgegenzutreten; und dies könnte etwa in der Weise geschehen, daß wichtige Meldungen, an deren wahrheitsgetreuer Uebermittelung das Deutschtum hüben >vie drüben ein Interesse habe, durch Vermittelung der Gesandschaften und Kon
nieder, barg den schönen Kopf in den Händen und weinte, — weinte vor Glück! Sie wußte es, sie wurde geliebt von einem treuen, redlichen Herzen, wußte es, ohne daß ein Wort darüber gesprochen war. Würde er Anstoß nehmen an ihrem Beruf? Würde er sie deshalb weniger lieben, weil sie Trapezkünstlerin war? Würde er sich ihrer schämen?
Violetta nahm sich vor, ihm morgen alles zu sagen, — und wenn er sie dann noch wollte, ach, das Glück war ja kaum auszudenken l Wie wollte sie ihn lieben und sich bemühen, jeden Stein aus seinem Wege zu räumen, seine Sor, gen mit ihm zu teilen. Wie herrlich mußte das fein, wenn sie ihm die Falten von der Stirn streichen durfte, wenn er liebkosend den Arm um sie legte und ihr süße Schmeichelnamen gabt. Und hier, in diesem Hause, wo ihr Glück begonnen, hier wollte sie wohnen, abgeschieden von der Welt da draußen. Hier würde sie stehen, und lauschen auf den Tritt des Geliebten, und ihm dann entgegenfliegen, sich an feine Brust werfen, ihm tausendmal danken für alle Wonne, für alles Glück.
Violetta träumte mit wachen Augen von einer schönen, herrlichen Zukunft. Sie ßchauerte leise zusammen und plötzlich durchzuckte eine jähe Angst ihr Herz. Hatte Eugen nicht heute einen Drohbrief erhalten? Wollte man ihn nicht totschießen? „Gott — mein Gott, — wenn ihm ein Leid geschähe? — Ja, — vielleicht lauerte man ihm draußen in diesem Augenblick auf? O, wenn man ihn tötete, — all mein Glück wäre dahin für immerdar!"
Leise, mit bebenden Lippen, sprach Violetta die abgerissenen Worte vor sich hin.
sulate den deutsch-brasilianischen Zeitungen zugänglich gemacht würden.
Ob dieser Vorschlag ausführbar «scheint, mag im Augenblicke dahingestellt Reiben, jedenfalls sollte man in Deutschland dieser recht em- ften Frage eine größere Aufmerksamkeit schenken. ES könnte ab« auch bet Einzelne zu seinem Telle dadurch zur Besserung bet Verhältnisse beitragen, daß er an die eine oder andere brasilianische Zeitung zuweilen kleine tatsächliche Mtt- teUungen üb« deutsches Leben in groß« Auffassung hinausschickte. Wie manche blöde Ansichtskarte bliebe besser ungeschrieben und tote manche inhaltleere Stunde könnte herrlich ausgefüllt toerben durch solchen Gedankenaustausch zwischen den Deutschen in bet Heimat und den deussch-brasflianischen Zeitungen. Vielleicht geben diese Zeilen hierzu Anregung.
Der rusfisch-japanische Krieg.
Die Lage
hat durch die Abberufung KuropatkinS eine wesentliche Klärung erfahren, denn die Ernennung deS Generals Linewitsch zum Höchst- komrnandierenden bedeutet den Sieg der Kriegspartei.
Wie eu8 Petersburg gemeldet wird, hat die ungnädige Abberufung KuropatkinS sowohl in der Hauptstadt als auch bei der Feldarmee in weiten Kreisen große Befriedigung hervorgerufen. Sofort nach dem Eintreffen der Depesche deS Zaren übergab Kuropatkin das Oberkommando an Linewitsch und verließ die Armee, um sich mit Extrazug nach Petersburg zu begeben. Die Ernennung LinewitschS wurde von der mandschurischen Armee mit großer Begeisterung aufgenommen. Von unterrichteter Seite wird versichert, daß Kuropatkin vor seinem Eintreffen einen Wink erhalten wird, nicht in Petersburg zu erscheinen, da man ihn hier nicht zu sehen wünscht. General Suchomlinow wird Stabschef von Linewitsch, die Generale Dragomirow und Dochturow werden einen ständigen KriegSrat bei Linewitsch bilden. Der Gedanke, den Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch zum Oberfeldherrn zu machen, scheint fallen gelassen worden zu sein.
Petersburg, 17. März. (W.B.) Die Abberufung des Generals Kuropatkin von feiner Stellung als Oberbefehlshaber der Mandschureiarmee erfolgte unter Belassung in seiner Würde als Generaladjutant des Kaisers.
Petersburg, 17. März. (W. B.) Unter dem Vorsitz des Reichsratsmitgliedes Generals Roop wurde eine Kommission zu dem Zwecke ernannt, die Bedingungen der Kapitulation Port Arthurs klarzulegen und über General Stössel zu Gericht zu sitzen.
Aus der Mandschurei liegen nur wenige beglaubigte Nachrichten vor. Die Meldung über eine neue Schlacht, die bei Tieling stattgefunden haben soll (s. Neueste Telegramme), hat noch keine anderweitige Bestätigung erfahren. Die russischen Blätter fahren fort, die von japanischer Seite aus-
„O Gott, schütze den Geliebten!" betete sie, dann sprang sie in die Höhe, riß hastig die Türe weit auf und lief die wenigen Stufen hinab, in den Garten hinaus. Zög«nd machte sie einige Schritte vorwärts, blieb wieder stehen und lauschte. Nichts war zu vernehmen, liefe Stelle herrschte weit und breit.
Doch — dort — im Schatten der Bäunw regte sich etwas. Violetta strengte ihre Augen an, nut zitternder Freude erkannte sie nun die hohe, schlanke Gestalt Eugens. Der junge Mann schritt nun rasch auf sie zu, und befand sich im nächsten Moment an der Seite des jungen Mäd- chens. Doch der heiße Strahl in Violettas schönen Augen erlosch jäh. Eugen hielt plötzlich ihr Handgelenk wie mit eisernem Griff umspannt in seiner Stimme lag es wie dumpfes Grollen, als er hastig die Frage hervorstieß: „Wohin wollen Sie noch so spät? Was suchen Sie hier draußen? — Es ist ja fast eine Viertelstunde her, daß ich Sie verließ!"--
Violetta stand da. wie vom Blitz berührt. Eiseskälte lief ihr über bert Rücken, ihr Herz erstarrte förmlich bei den in drohendem Tone ge- sprochenen Worten.
Verflogen waren mit einemmale die süßen Zukunftsträume, das selige, wonnige Glücksgefühl, das sie vorhin wie mit goldenen Fäden umsponnen hatte. Ein Trotz wachte in ihr auf, wie er nur selten ihr Wesen beherrschte.
Eugen mißttaute ihr, würde ihr immer mißtrauen, würde ihren Worten, ihren Beteuerungen keinen Glauben schenken, sie war ja — „ein Mädchen vom Zirkus!"---
„Wohin Sie gehen wollten, möchte ich gern wissen," wiederholte der junge Mang bringen
gehenden Berichte über die letzten Erfolge eb* zuschtoächen.
So läßt sich die „Rowoje Wrewja' auf Tschantafu melden: Für die gute Stimmung der Truppen spricht die glänzende Abwehr bei wiederholten erbitterten Angriffe durch Teile deS zweiten sibirischen Korps. Die Meldungen aus Tokio über 26 000 russische Tote, 40000 Gefangene und die große Zahl der erbeuteten Geschütze, darunter 100 schweren Kalibers, sind bloS leere Erfindung. Die Japaner waren an Zahl überlegen, aber auch ihre Verluste müsse« größer als die russischen sein. Die Russe« nahmen eine große Zahl von Gefangenen, Ge schütze und Maschinengewehre mit sich. ES ver> dient Erwähnung, daß die Russen von einer Ortschaft, wo am 10. März ein großes Gefecht stattfand, bei Anbruch der Dunkelheit mit Gesang abzogen, ohne von den Japanern verfolgt zu toetben. Dagegen wird dem „L.-A." auS Chardin von gestern gemeldet: Was von Augen- zeugen de» Rückzuges der russischen Armeen über den Geist der Truppen berichtet wird, klingt überaus trübe. Der Rückzug ging stellenweise in völlige Desorganisation über. Vielfach wird die Ansicht vertreten, daß die Fortsetzung deS Kampfes den Russen jetzt keinerlei Aussicht auf Erfolg mehr bieten würde.
Tokio, 17. März. (Amtlich.) Marschall Oyama berichtet: In Tieling befinden sich große Eisenbahn-Anlagen, ähnlich wie in Lian- Hang. Große Mengen von Proviant und Futtei waren in der Nähe gelagert, wovon die Russe« zwei Drittel verbrannten. Die Beute ist groß, aber noch nicht gezählt. Zahlreiche Gefangene wurden auf dem rechten Flügel gemacht. Die genaue Anzahl ist jedoch noch nicht gemeldet.
Deutsches Reich.
Berlin, 18 März.
— Seine Majestät der Kaiser wohnte gestern nach dem üblichen Morgenspaziergang einem Kon- kurreuzreiten deS Berlin • Potsdamer Reitervereins zusammen mit der Kaiserin und dem Kronprinzen im Tattersall bei. Nach Beendigung deS Reitens verteilt« die Kaiserin die Preise. Abends war der Kaiser einri Einladung deS französischen Botschafters Bihourt zum Diner gefolgt
— Anläßlich der Vermählung des Kronprinz en soll eine Medaille geprägt werden, die di« Bildnisse des Kronprinzen und der Herzogin Seeili« zeigt. Die Medaille wird in der Münze hergestell! werden.
— Der Eisenacher Hochschnltag hat hin sichtlich des Verhältnisses zwischen Professoren uni Studenten noch folgenden, nachträglich bekannt gk gebenen Beschluß gefaßt:
„Der Verband deutscher Hochschulen ist der An sicht, daß Angriffe auf die akademische Freiheit bei Studierenden notwendigerweise auch Angriffe auf di« der Professoren und damit der gesamten Hochschulen bedeuten. Trotz der bedauerlichen Tatsache, daß an verschiedenen Hochschulen die akademischen Behörden nicht immer ihre selbständige Stellung genügend betont und sich ohne zwingenden Grund mit der Studentenschaft in Widerspruch gesetzt haben, hat di« deutsche Studentenschaft angesichts deS Eintretens einer Anzahl von Hochschullehrern für die akademische Freiheit zu ihren Professoren das feste Vertrauen, daß sie mit ihr vereint stets bestrebt fein werden, dialten Tradftionen der Hochschulen zu schützen."
der, drohender als zuvor, ohne jedoch ihre Han! loszulassen.
Violetta warf den Kopf zurück und schürzte verächtlich die Lippen. Ein gutes Wort hätte sie demütig und sanft gemacht, einer Bitte auj feinem Munde wäre sie nicht widerstanden; aber wie er so vor ihr stand, hoch ausgerichtet, so gan- anders, als er sie eben verlassen, da bäumte sich auch ihr Stolz auf, und kein einziger Gedanke von vorhin hatte mehr Raum in ihrer Seele. Sie kam sich furchtbar dumm und kindisch vor in diesem Augenblick. Wie hatte sie nur eine Minute lang glauben können, daß der Mann, der jetzt so kalt vor ihr ftanb. sie liebe! Woher war ihr nur ein solcher Gedanke gekommen? Es wäre ihr unmöglich gewesen, den wahren Grund ihres Erscheinens anzugeben, und wenn sie jetzt gesagt hätte: „Ich ängstigte mich um Ihretwillen, die Sorge um Sie trieb mich noch einmal aus dem Hause, ich fürchtete, es könnte Ihnen ein Leid geschehen," — ob er ihr das glauben würde? Nein, er durfte und sollte nickt wissen, daß ihr Herz sich einen Augenblick lang einer süßen und träumerischen Hoffnung hingegeben, sie war zu stolz, es ihm zu zeigen.
Trotzig, mit finster zusammengezogenen Brauen stand sie vor ihm, aber sie schlug den Blick nicht nieder. Der volle Mondesglanz fiel auf ihre zierliche, schlanke Gestalt, die Augen sprühten förmlich. In der.magischen Beleuchtung kam sie Eugen noch viel schöner vor, — aber, was half die Schönheit, wenn das Herz verderbt war? Wieder, wie so ost schon in diesen Tagen, suhlte er die bangen Zweifel c.it der Ehrenhaftigkeit dieses Mädchens in sich auf-. steigen. "(Fortsetzung folgt.) f