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Marburg

Somabend, 18. März 1905

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Ang. Koch, UniversttStS-Buchdruckerek 40. AfftfiTW.

Marburg, Markt 2L Tckephon 55.

Bl

'Nachdruck verboten.)

®ie erst einmal recht nett zu den Revisionisten. Die Erregung des Aba. Bebel über die AuS- lteferungsverträge verstehe ich nicht angesichts vec Tatsache, daß kein politischer Verbrecher au Grund dieser Verträge ausgeliefert wurde. Ich lege Einspruch ein gegen die Vorwürfe des Abg. Bebel gegen den nicht anwesenden preußischen ^ustizminister, ich weise die unberechtiaten Ver­dächtigungen zurück. Auf die polittsche Seite des Konrgsberger Prozesses komme ich nicht wieder zunick. Herr Bebel,, Hand aufs Herz, haben Sie nicht auch schon Dinge mehrmals gesagt? Solche Heinen gegenteiligen Vorwürfe sollten wir uns gegenwärtig abgewöhnen. (Große Heiterkeit.) Wenn dis Sozialdemokratie den Krieg mit Ruß­land nicht will, warum schreibt denn die sozial­demokratische jo wohl disziplinierte Presse. (Zu- ruf: muß diszipliniert sein.) Jawohl, die sozial- demokratische Presse, die gut diszipliniert sein muß; ich erinnere an den Verweis, beinahe hätte ich gesagt an den Ukas des Abg. Bebel (Heiter- keit) gegen die sozialdemokratischen Redakteure. Wir mischen uns in die innerpolitischen Verhält- nisse Rußlands nicht ein. Und wenn eine Stutt­garter Volksversammlung erklärt hat, es sei P'/t eines jeden aufgeklärten Menschen, den russischen Freiheitskampf freudig zu begrüßen, so erkläre ich das für Unsinn, mit Verlaub zu sagen. (Heiterkeit.) Ein aufgeklärter Mensch darf nicht die Finger in jeden Topf stecken. (Lebh. allseittger Beifall.)

an. das der ist.

wir ge-

Der Reichstag

bot am gelingen Donnerstage wieder das übliche Bild des sozialdemokratischen Gezeters, an das man sich leider bereits hat gewöhnen müssen. Al- erster Redner hatte der Abg. Bebel das Wort, der gegen die gestrigen Ausführungen des Abg. Grafen Reventlow polemisierte und sich alsdann wieder in den üblichen Uebertreibungen gefiel. Er bezeichnete unsere Haltung gegen Rußland und den bestehenden Zustand der Auslieferung als eine Demütigung, behauptete, daß in keinem Europas sich ein Minister zu einer solchen Politik hergeben würde, nannte die Ausliefe­rungsverträge eine Schmach und eine Schande und zog sich damit einen Ordnungsruf des Prä­sidenten zu. Er behauptete ferner, daß der Ver­kauf bezw. das Verchartern von Schiffen einen Bruch der Neutralität bedeute und zog sich neue Zurechtweisung des Präsidenten zu mit der Be- Häuptling, preußische Richter und Staatsanwälte konnten keine Achtung mehr vor dem Justizmini­ster habeii, der so sehr das Recht beuge wie in dem Königsberger Prozeß geschehen sei. Der Reichskanzler, der sich zunächst mit dem Abg. v. Chrzanowski über dessen gestrige Ausführun­gen auseinandersetzte, erntete begreifliche Heiter­keit und Beifall, als er Herrn Bebel, der sich ge­stern über den von ihm gegen den Abg. v. Voll- mar gebrauchten Ton beschwert hatte, in humor­voller Weise über den bei der Sozialdemokratie herrschenden Ton belehrte. Er nahm alsdann die deutsche Rheederei gegen den Vorwurf des Neu­tralitätsbruchs in Schutz, da die deutschen Transportschiffe die russischen Schiffe nicht be­gleiten, sondern nur Kohlen nach bestimmten Plätzen führen. Mit Entschiedenheit legte er Einspruch ein gegen die vom Abg. Bebel gegen den Justizminister erhobenen Vorwürfe und Ver- dächttgungen. Allseitigen Dank erntete er jeden-, falls auf der Rechten und in der Mitte, als er erklärte, auf den Königsberger Prozeß nicht weiter zurückkommen zu wollen.

Aus der Rede des Reichskanzlers sind die nachstehenden Ausführungen bemerkenswert:

Ungleiche Brüder.

Original-Roman von Irene von Hellmuth. I (?yo:net}ungj I

Eugen fühlte sein Herz heftig klopfen; er I wagte nicht zu fragen, und doch hätte er viel I darum gegeben, erfahren zu können, was sie ab- I hielt. Das alte Mißtrauen stteg wieder in ihm I auf. Er mußte Gewißheit haben um jeden I Preis, und nahm sich vor, sich dieselbe bald zu I verschaffen.

."Es tut mir aufrichtig leid," begann nun I Hemz, sich an Milly wendend,daß auch ich die I freundliche Einladung nicht annehmen kann, ich I habe mich mit einigen Kameraden versprochen." I

£>, wie schade, können Sie Ihr Versprechen I denn nicht rückgängig machen?"

Leider nein," war die Antwort,wir wollen I morgen den Zirkus besuchen, und haben uns des I mrfen Andrangs wegen bereits Bilette besorgt. I

soll ein sehr amüsantes Programm sein." I rvar hsfttg zusammengezuckt. Toten- I biüpe bedeckte ihr Gesicht. Sie legte, kaum wis- I ..die Hand über die Augen, um |

w tätliches Erschrecken zu verbergen. Ihr Atem I .hing rasch, tM ganze Zimmer drehte sich plötzlich i um sie, wie Mi tollen Wirbel. Ein Schwindel I ^erfaßte sie, und raubte ihr momentan jede klare Besinnung.

! Milly, die Violetta scharf beobachtete, be­merkte wohl die außerordentlich Erregung des Mngen Mädchens, und sie deutete sich dessen Be- nehmen auf ihre Weise. Sie glaubte bestimmt, Violetta würde mit Heinz den Zirkus besuchen

Abg. Frhr. Hehl zu Herrnsheim (nl.): Die Rede des Abg. Bebel ändert an der Tatsache nichts, daß gestern die Mehrhett der staatserhal- tenden Parteien dem Reichskanzler ihr Vertrauen ausgesprochen hat. Wir schließen uns dem Meine Freunde sind auch der Ansicht, daß Verhalten des Herrn Reichskanzlers in Frage der Neutralität durchaus unantastbar (Beifall bei den Natl.)

Mbg. Schrader (fr. Vgg.): In Polen sind nnt dem deutschen Gedanken nicht vorwärts kommen, wohl aber in Elsaß-Lothrlngen. Und warum? Weil wir dort eine gerade umgekehrte Politik getrieben haben als hier. Die Sozial­demokraten haben einen Antrag mit Minister- Verantwortlichkeit des Reichskanzlers gestellt. Ich weiß nicht, wie die Herren das meinen. Wir buben keinen Grund Rußland Verlegenheiten zu bereiten, das besorgt es selbst.

Abg. Böckler (Dtsch. Reformp.): Der Reichs­kanzler hat es unseren Studenten verdacht, daß sie ein Telegramm nach Innsbruck an unsere deutschen Stammesbrüder gesandt haben. Wenn unserer Jugend das verboten wird, verbietet man ihnen national zu denken, man wird ihnen das Höchste nehmen. Das Wort vom Burenrummel des Reichskanzlers wird int Lande viel Kopf- Mitteln erregen. Im Namen des Grafen »tebentloto habe ich zu erklären, daß er die Aus­führungen Bebels für zu unbedeutend hält, um sich daraufhin zum Wort zu melden. (Sehr gut! rechts.) Ich stehe durchaus mit dem Abg. Re- venttow auf dem Standpunkt, daß die Rasse- nnschungen nicht gefördert werden dürfen, und es ist bekannt, daß wir auch Gegner der Verbin- düngen von Christen mrd Juden sind. Die Re-

Vor 100 Jahren hat ein deutscher Dichter ge­sagt:Niemals war gegen das Ausland ein Volk so gerecht wie Du." Das sttmmt. Aberder Dichter. fügte hinzu:Sei nicht allzu ge­recht, die anderen denken nicht edel genug, um zu sichen, wie schön Dein Fehler fei." Wir haben nur zu lange für die polnischen Aspirationen ge­schwärmt, jetzt sehen wir, daß die großpolnische Agitation die Polen von den Deutschen abson­dert, die feine Gemeinschaft zwischen den beiden Völkern will, die die Kluft immer breiter und tiefer macht. Es ist natürlich, daß wir uns da­gegen zur Wehr gesetzt haben, und unsere ganze Politik ist nur die der Verteidigung. (Sehr rich- tig! rechts.) Wir denken nicht daran, die Polen zu vertreiben, wir wollen aber auch nicht von de» Polen vertrieben werden. Das Ansiedelungs- gesetz steht nicht im Widerspruch mit der Ver- sassung des Reichs, aber die Bestrebungen der großpolnischen Agitation richten sich gegen den Art. 1 der preußischen Verfassung von der Ein- , UIU) -$uven nno

ml Staatsgebildes (Lebh. Beifall.) Abg. I gierung muß mehr zielbewiißte nationale Polttik Bebel machte mir gestern Vorwurfe über den I treiben. (Beifall rechts) *

®.otCr ange- Abg. Heine (Soz.) "begründet folgende Reso- schlagen hatte. Ach, du lieber Himmel, reden I lutton: Die Verbündeten Regierungen zu er-

Erstes Blatt.

r- -

Neueste Telegramme.

Petersburg, 17. März. (Privattelegr. 8% Uhr Dorrn.) General Kuropatkin wurde seines Postens als Oberbefehlshaber der Man- dfchurei-Armne enthoben und durch General Linewitsch ersetzt.

Brrtt«, 16. März. DieNorddeutsche Allgem. Ztg." meldet: Die nach Abeffynien entsandte kaiserliche Mission, die zur Zeit in Adis Abeba weilt, wird demnächst die Rückreise nach Deutschland antreten. Die wegen eines deutsch-abeffynischen Handelsvertrages geführten Verhandlungen find zum Abschluß gelangt. Der Vertrag wurde am 7. März in Adis Abeba gezeichnet. Die Gesandtschaft beabsichtigt ihren Rückweg über den Tanasee und Massaua zu nehmen.

Berlin, 17. März. Wie dieT. R." hört, schweben Verhandlungen über die Unterbringung einer japanischen Anleihe unter teilweiser In» anfpruchnahme des deutschen Marktes. Es gilt für wahrscheinschlich, daß ein Abkommen zu­stande kommt.

Brest««, 16. März. Wie dieSchles. Volksztg." D.m Bergarbeiterstreik in Neurode meldet, haben die seit dem 15. Dezember v. I. im Ausstande befindlichen Bergleute in den heute abgehaltenen Versamm- uzen in Kunzendorf und Schlegel beschlossen, bedingungslos sofort die Arbeit wieder aufzunehmen.

Stuttgart, 17. März. Dem früheren Ministerpräsidenten Frhrn. v. Mittnacht, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, haben daS Staatsministerium, der ständische Ausschuß und die Abgeordneten, die einst mit ihm in der Kammer tätig waren, Glückwunschadreffen über­sandt. Das Befinden des Jubilars erfordett, Wie derSchwäb. Merk." berichtet, möglichste Schonung, fo daß er die ihm zugedachten Glück­wünsche nicht persönlich in Empfang nehmen kann.

Wie», 17. März. Der ungarische Minister­präsident Graf TiSza wurde gestern von dem Kaiser in Audienz empfangen. Auf Vorschlag des Grafen TiSza wird sich der Kaiser am Sonntag nach Budapest begeben, wo weitere Schritte zur Lösung der Krise unternommen werden sollen. Wahrscheinlich werden neuer­dings Berufungen von Politikern erfolgen.

Paris, 16. März. Viel kommentiert wird hier der Umstand, daß Kaiser Wilhelm sich für morgen beim französischen Botschafter in Berlin Bichourd zum Diner ankündigen ließ. Die Be­sprechungen in Berlin und Paris über gewisse, die deutschen Interessen berührende marokkani­sche Angelegenheiten nehmen, so heißt es, einen angenehmen Verlauf. Die Andeutung, die Gras Bülow gestern im Reichstage in dieser Be­ziehung machte, weckte hier das lebhafteste Interesse.

und es fei ihr deshalb unangenehm, daß der |Gehen Sie morgen nicht in den Zirkus - Leutnant davon sprach. Die Sache sollte wahr- I es liegt mir sehr viel daran!"__'

scheinlich heimlich gehalten werden. Sicher wa- IAh" machte er erstaunt,das ist jn- ren die beiden im Einverständnis. Milly freute I tereßantmöchten Sie mir nicht näher er- sich ungemein über diese Entdeckung; denn wenn I klären, weshalb ich den Zirkus nickst besuchen Eugen davon erfuhr, so war es hoffentlich vorbei I soll?"

mit feiner blinden, unbegreiflichen Vorliebe für IEin andermal," stammelte Violetta __ hier

ötefe§ Mädchen. Milly wurde in der Annahme I ist nicht der Ort, vielleicht später man be- uoch bestärkt, als sie bemerkte, daß Violetta dem obachtet uns" jP ' M

neben ihr sitzender? Leutnant etwas zuraunte, I Sie warf einen besorgten Blick auf Milly

rn ^sieben konnte. Sie versuchte I die sich anscheinend in eifriger Unterhaltung be- deshalb mit großem Eifer Eugen in ein Gespräch I sand. ' u

?ru verwickeln, um seine Aufmerksamkeit von dem IMr scheint, die kleine schwarze Here fängt UE, abznlenfen. Sie sollten ungeftert ihren I an, weniger spröde zu sein," dachte Heinz ver- Plan besprechen können, um nachher desto sicherer | gnugt.

Äenän-^b bann/ man er-Wollen Sie mir morgen in der Dämmer- ftihr, daß dieses Mädchen mit Heinz ausgmg stunde eine Zusammenkunft im Pavillon bewil-

oder heimliche ZusammenNinfte hatte, dann war I hgen, so feig drum, ich gehe dann nicht in

ev schon möglich, dcch es das Haus auf Nimmer- I den Zirkus!" flüsterte der Leutnant erregt.

(Sin flX CTniffu C Äert* 'v*___ I V___ _' _ « datte nur

Uo kombinierte sich Milly rasch em Planchen I den einen Gedanken, den neben ihr Sitzenden

äufammen, das, wenn ihre Voraussetzungen sie I von seinem Vorhaben abzubringen. Sie wollte

nicht bettogen, Wohl geeignet sein mußte, sie von I Eugen vorher über alles aufHären. Er durfte

öer Gegenwart der Verhaßten zu befreien. So es nicht von einem anderen erfahren. Es mußte

kam es auch, daß Eugen kaum etwas gewahr I sich ja eine Gelegenheit finden, vielleicht

wurde, wie zwischen Heinz und Violetta Rede I heute noch, oder morgen

und Gegenrede gewechselt wurde, die in gren- IAber hüten Sie sich, mich vergebens warten zenloser Verwirrung gar Nicht recht wußte, was zu lassen," klang es da Wiedel, ganz nahe an e£5£d, ~ .. I ihrem Ohr und so leise, daß Moletta es kaum

Ich mochte Sie um etwas bitten," raunte ! verstehen konnte. Sie sagte nichts; ihr Ivar fie unairffallig Heinz zu, der ihr leise lächelnd I plötzlich so bange geworden. Sie fühlte eine etwas.naher ruckte. innere Unzufriedenheit, eine quälende Sorge,

gab er ebenso zurück, während er die nicht schwinden wollte. Lange konnte sie das

♦Iart0en, ^nun-bart drehte. Gespannte I Geheimnis ihres Berufes nicht mehr ausrecht er- g'7?or,.U?8eilr-^0 °?L Innern hübschen Gesicht. I halten, das verhehlte sie sich nicht, und doch hielt D e Augen blitzten keck das hebende Mädchen, an. | fte das Wort noch immer zurück.

suchen, dem Reichstage in Bälde den Entwurf eines Gesetzes vorzulegen, durch welches eint wirksame polittsche und budgetrechüiche Verant­wortung des Reichskanzlers festgestellt wird. So­lange wir keinen Umfang der Verantwortlichkeit festgelegt haben, spielt die Volksvertretung eint nichtige, um nicht zu sagen lächerliche Rolle. Ein Teil der Verfassungen hat eine Ministerverant- Wörtlichkeit fürUnterlaffungen. Andere gehen noch weiter, so Schweden, wo die Regierung die Pflicht hat, gegen Maßnahmen des Königs, die gegen öie Verfassung verstoßen, fräfHge Vorstellungen zu erheben. Stellen Sie sich einmal vor, daß Bülow vor den Kaiser träfe und kräftige Vor­stellungen erhöbe. (Heiterkeit.) (' n Verant­wortlichkeit muß gegenüber dem Parlament, nicht gegenüber dem Kaiser, nicht gegenüber bei Bürokratie bestehen. Wenn eine solche Verant­wortlichkeit bestände, bann würde der Reichs­kanzler manches unterlassen, und manches ver­hindern, was heute vor sich geht. (Beifall links.)

Abg. Stadthagen (Soz.): Ich hoffe, daß un­sere Resolution: den Herrn Reichskanzler zu er­suchen, dem Reichstage baldigst einen Gesetzent- Wurf zur Sicherung der Aufenthaltsverbältnisse der Ausländer im Reiche vorzulsgen, die Zustim- mung der Mehrheit des Hauses finden wird. Es heißt oftmals von der Regierung, wir haben den Betteffenden nur ausgewiesen, nicht auggeliefert

Nach weiteren Bemerkungen deS Abg. Grö- ber (Zent.) vertagt das Haus die Weiterberatung auf Freitag 1 Uhr.

Der rusfisch-mlmnWe Erleg.

Heber den Rückzug der Russen liegen noch immer keine zuverlässigen Nachrichten vor, auS denen man ersehen könnte, ob eS allen Teilen des russischen Heeres gelungen ist, sich in Sicherheit zu bringen. Nachdem die Japaner gestern nacht Tieling, das 69 km nordöstlich von Mukden liegt, besetzt haben, dürften die Russen ihr ganzes Bestreben jetzt darauf richten, nach Charbin mit der Eisenbahn und nach dem 275 km nordöstlich von Tieling gelegenen Girin zu gelangen. Charbin ist von Tieling etwa 350 km entfernt. Charbin liegt am Vereini­gungspunkte der beiden großen nach Port Arthur und nach Wladiwostok führenden Bahnzweige toie an der wichtigen Flußschiffahrtslinie Sun- gari-Amur. Die militärische Bedeutung von Charbin ist dadurch bedingt. Auch ist eS ein wichtiger Industrie- und Handelsplatz. Charbin wurde 1900 von den Russen gegen die Boxer vev teidigt und ist mittlerweile wohl befestigt worden.

Nach Berichten auS Tokio besagen die letzten Nachrichten von der Front, daß die russischen Truppen in erschöpftem Zustande und gehemmt durch ihre vielen Verwundeten, ununterbrochen nördlich Tieling auf Kaihuan zurückfallcn, wo fie sich voraussichtlich verschanzen werden, ob­gleich dieser Platz zur Verteidigung nicht ge­eignet ist. Der Korrespondent derNowoje Sßiemja* meldet: Nachdem die russischen Truppen Tieling geräumt haben, sind sie auf Stellungen nördlich von Tieling zurückgegangen; hier ist eine heftige Schlacht zu erwarten.

Als die kleine Gesellschaft sich endlich trennte hatte Fräulein Milly wieder Gelegenheit, sich zu ärgern, da Heinz sich nur zögernd und wider­willig zu entschließen schien, sie zu begleiten. Offenbar paßte ihm das sehr wenig, aber es blieb ihm feine andere Wahl, da Eugen so selbst verständlich sagte:Warten Sie einen Moment, Fräulein Normann, ich beabsichtige ohnedies, noch einen kleinen Spaziergang durch den ©ar­ten zu machen, ich werde Sie begleiten.""*

Heinz," wandte er sich dann in ruhigem, doch enffchiedenen Ton an den Bruder,Du kannst ja Fräulein Milly nach Hause bringen."

Er hatte mit Absicht laut gesprochen, damit es alle hören konnten, denn er ahnte, daß der Herr Bruder keineswegs freiwillig mit Milly gehen würde. Nun, da Heinz sich überlistet sah, konnte er seinen Aerger kaum unterdrücken. Aber, sein Wahlspruch war:Lieber tot, als ungalant!* und so ließ er sich nichts merken.

Eugen schritt schweigend neben Violetta durch den winterlichen Garten. Sie fühlte, wie der Blick des ernsten Mannes auf ihr ruhte, uni) dies machte sie befangen und ängstlich. Es fiel ihr gar nichts ein und doch war ihr dies Schwei­gen furchtbar peinlich. Sie hatte ihm alles sagen wollen und fand nun wieder den Mut nicht dazu. Daß auch er so beharrlich schwieg, ärgerte sie beinahe.

Eugen suchte vergebens nach einem _ passen­den Wort. Er hielt sich selbst für unbeholfen und linkisch. Hatte er sich dazu die Gelegenheit, mit dem schönen Mädchen allein zu sein, beinahe er­zwungen, um nun stumm wie ein Fisch zu blei­ben? Was wollte er ihr nicht alles sagen! Er hätte sie an sich reißen mögen, um ihr zu bekea-