mH dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Donnerstag, 16. März 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Univcrsitäts-Buchdruckerei 40« Marburg, Markt 21. — Telephon 65. “
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Zweites Blatt.
Umschau.
Unsere W c' »f ä 6 in l e it « n Stadt u„ d Land.
Gestützt auf eine tendenziös zurechtgemachte > ' Statistik hat Professor Brentano die von ihm
" und seinen Nachbetern »och heute aufrecht erhol- •-v-tene Behauptung aufgestellt, die Wehrfähigkeit - " - sei in industriellen Bezirken mindestens ebenso ftarf wie auf dem Lande. Wenn man aber die Industriearbeiter besser nähren und ihnen kürzere Arbeitszeit gewähren würde, dann würden diese in ihrer Wehrhaftigkeit die Landbevölkerung weit, überragen. Daß eine solche Theorie nicht richtig sein kann, sagt dem erfahrenen Menschen schon der Verstand. Aber die Brcntanosche Richtung geht mit ihren Theorien so unfehlbar vor, daß es gut ist, dagegen ein zuverlässiges Ziffern- material sprechen zu lassen. Wir beziehen uns hierbei auf die Rede, die Staatssekretär Graf von Posadowsky kürzlich im Reichstage gehalten und worin er Zahlen aus den bisherigen Erhebungen mitgeteilt hat. Der Herr Staatssekretär bemerkte «. a. folgendes:
„Von den Rekruten, die auf dem Lande geboren und in der Landwirtschaft oder anderweit beschäftigt waren, sind rund 58% Prozent als waffenfähig ausgehoben worden. Aber von denen, die in der Stadt geboren und nicht in der Landwirtschaft beschäftigt waren, also von der rein städtischen Bevölkerung, die auch nach ihrer Erziehung und Beschäftigung den städtischen Verhältnissen unterworfen ist in Beziehung auf Gesundheit und Lebensführung, waren nur 53% Prozent als waffenfähig ausgehoben worden. Sehr lehrreich wird diese Statistik, loenn man auf kleinere Gebiete übergeht, Durchschnitt 'des gesamten Heeresersatzes sind tauglich von denen, die in der Stadt geboren wurden und nicht in der Landwirtschaft beschäftigt waren, also wieder die eigentliche städtische Bevölkerung, rund 53% Prozent: im Bezirk des dritten bmu- denburgischen Armeekorps mit einer sehr großen Industrie waren aber nur 41% Prozent Waffen- fähig, und in Berlin Stadt sogar noch nicht ganz 33 Prozent, im gesamten Jnsvektionsbezirk Berlin nur 36% Prozent. Sie sehen also, daß hier der Prozentsatz von 53% Prozent bis etwa 33 Prozent sinkt. Daß hiernach doch mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit sich ergibt, daß die rein städsische industrielle Bevölkerung eine gewisse Schwächung des Organismus zeigt, das, glaube ich, kann nach diesen Zahlen nicht mehr bestritten werden." Danach werden Brentano und sein Anhang ihre Konzepte zu verbessern haben. _
Werktätiger Patriotismus.
Am 13. November vorigen Labres wurde vom Gesamtausschuß des Deutschen Ostmarkenpereins der Beschluß zur Gründung eines deutschen Oft- markenschatzes gefaßt. Veranlassung war dis außerordentliche finanzielle Bereitschaft des Po- lentums. Der polnische Nasionalschatz, der jetzt in. Paris untergebracht ist, soll den Polen, wie die neuen Satzungen ausdrücklich h-rvorheben, ---------- die Möglichkeit geben, groß angelegte polittfche Plane durchzuführen, während anderseits die Marcmkowskivereine mit beispiellosem Erfolge die wirtschaftliche Kleinarbeit, besonders die Stärkung eines polnischen Mittelstandes betret- ben- Lediglich diesen Wirtschaftlicken Gefahren die dem östlichen Deutschtum und besonders dem durch-polnische Konkurrenz und politischen Boykott bedrängten deutschen Mittelstände drohen, wstl der Ostmarkenverein mit der Gründung seines Schatzes begegnen. Zur Erreichung die- ses Zieles ruft er das gesamte deutsche Volk auf. soll die Polenvolittk Erfolg haben, io muß endlich die nationale Lauheit schwinden, müssen alle Deutschen ohne Unterschied der Partei und Kon- feiston sie mit energischer Mitarbeit und finanzieller Beihilfe unterstützen. Und keine bessere Gelegenheit, findet sich — so sckläat ein Artikel ini Marzheft der „Ostmark" vor — fein patrio- tifcfteg Pflichtgefühl in Taten umzusetzen und seine Freunde zu gleicher Opferwilligkeit anzu- regen, als ein Fest, das im vertraute Kreise der Familie gefeiert wird. Die nationale Gesinnung oarf eben nicht nur ein schönes Dekorationsfttick lein nut dem man nach außen bin wirkt, sie muß pch »n vcrsönlichen Leden des Einzelnen diilch die -tat beweisen. Gerade hier vermag sie auch am besten vorbildlich z» wirken. Aber wie weit sind wir voll diesem Jdsaliustande noch entfernt.
„Leider ist es noch selten in deutschen Lan- den" — so klagt der angeführte Artikel mtt Recht — daß die Familie an Tagen des Glücks und der Freude ihre Gedankeii z>.m Vaterlande erhebt, in dessen Schuhe sie steht und unter dessen Hut sie alle Güter und Gaben eines mächtigen
und geordneten Staatswesens genießt. , . Wie erziehlich würde es sein, wenn der Hausvater bei jeder erfreulichen Gelegenheit alle, die mit ihm der gesegneten Stunde sich freuen, um sich versammelte, ihre Blicke über den engen Familienkreis hinaus auf die große, im Vaterlande vereinigte. Familie lenkte, auf deren Nöte und Bedürfnisse hinwiese und schon die Knabeii und die Mädchen lehrte, wie sehr sie sich selbst beglücken, ivenn sie ein kleines Opfer bringen, das den Zwecken des Vaterlandes dient!"
Wir geben diese Anivnina gern weiter und hoffen, daß sie in weitesten Kreisen offene Herzen und freigebige Hände findet.
ParkffMLmarijchLs.
Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus.
Berlin, 13. März.
DaS Haus nahm heute zunächst die Gesetzentwürfe über die Erweiterung der Stadtkreise Königsberg und Dortmund in dritter Lesung endgiltig an und setzte dann die zweite Lesung des Etats fort. Der Etat der Staatsschuldenverwaltung wurde ohne erhebliche Erörterung bewilligt und dann die am Sams- tag begonnene Beratung des Etats der Zentral- genvstenschaftskasie fortgeführt. Gleich den Abgg. Faßbender (Ztr) und Kreth (kons.) gab Finanzminister Frhr. v Rheinbaben der Genugtuung über die bevor- stehende Vereinigung der beiden großen Genosten- schaftsverbände Ausdruck, während Abg. v. Brockhausen !kons.) gegen die von freisinniger Seite gegen die ländlichen Genostenschasten fortgesetzt erhobenen Vorwürfe Beschwerde führte. Beim Etat der Verwaltung der indirekten Steuern lenkte Abg. Frhr. b. Hehdebrand (kons.) die Debatte auf die beabsichtigte Einführung einer Reichserbschastssteuer. Finanz- Minister v. Rheinbaben erwiderte, von einem Fortfall der preußischen Erbschaftssteuer könne ebensowenig die Rede sein wie von der Einführung der Reichseinkommensteuer. Den Bedenken des konservativen Redners traten die Abgg. v. Ehnern (nl ), Herold (Ztr) und Gamp (skons.) bei. während Abg Dr. Witwer (frs. Bp.) mit einer Reichseinkommensteuer grundsätzlich einverstanden war.
DienStag 11 Uhr: Fortsetzung der Etalsberatung.
Ausland.
Amerika. Der soeben erschienene Geschäftsbericht der „Hamburg-Südamerikanischen Dampfschiffaßrts- Gesellschaft' enthält einige intereffante Mitteilungen über den deutschen Ausfuhrhandel nach Brasilien. Trotz der weitgehenden Schuhzollgesetzgebung Brasiliens und der Vorzugszölle, die während eines Teiles des Jahres die Vereinigten Staaten genoffen, ist die deutsche Ausfuhr nach Brasilien gewachsen, wenn auch nicht in dem Maße, wie die Entwicklung des Landes und die bedeutenden Eisenbahn- und Hafenbauten in Rio es hoffen ließen. Die umfangreichen Materialbauten hierfür fielen zum größten Teil England zu, als Folge der dort bewirkten Finanzierung dieser großen Unternehmungen. Der ausgehende Verkehr nach Nord-Brasilien habe sich erfreulich entwickelt und die Kaufkraft des Amazonenstrom-GebieteS sei in Uebereinstimmung mit der Preislage deS Haupt-Exportartikels, Gummi, recht erheblich gewachsen. Das Ausfuhrgeschäft nach Mittel- Brasilien zeigte gegen daS Vorjahr keine große Veränderung, dagegen fanden die Dampfer häufig nicht genügende Rückladung infolge der erheblich kleineren Kaffee- und Tabakernten. Weiterhin erwähnt der Bericht die in Gemeinschaft milder.Hamburg-Amerika-Linie" erfolgte Beteiligung an der Gründung der wiederholt erwähnten brasilianischen Küstenlinie, die in erster Linie den Ackerbau und Viehzucht treibenden deutschen Kolonien in Südbrafilien den bisher entbehrten sicheren und regelmäßigen Absatz ihrer Erzeugnisse vermitteln soll.
Brrulischtes.
Die Hygiene des täglichen Lebens spielt eine wichtige, leider noch vielfach unterschätzte Rolle in der Erhaltung unserer Gesundheit und unseres Wohlbefindens. Durch Unreinlichkeit und Nachlässigkeit finden noch immer gefährliche Keime und Ansteckungsstoffe jeglicher Art ungehinderte Verbreitung, die durch geeignete Maßnahmen und Vorrichtungen leicht beseitiat und unschädlich gemacht werden können. Eine solche nützliche und segensreiche Einrichtung ist der verachtete Spucknapf, vorausgesetzt, daß seine Konstruktion ihrem Zwecke entspricht. Der Spucknapf ist dazu bestimmt, den Auswurf des Menschen, das Sputum, aufzimehmen und zu verhindern, daß die darin enthaltenen Schädlichkeiten nicht auf andere Personen übergehen. Wenn man bedenkt, daß z. B. Tuberkelbazillen direkt durch das Sputum übertragen werden, und daß sie in dem Auswurf Tuberkulöser oft in geradezu ungeheurer Menge vorhanden sind, so wird man die große Wichtigkeit des Spucknapfes für die Reiner Haltung geschlossener Räume ohne weiteres zugeben.
Die meisten Spucknäpfe aber, die im Gebrauche sind, entsprechen nicht entfernt der Funktion und dem Zweck dieses wichtigen Möbels, ihre Anlagen schlagen den einfachsten Gesetzen der Hygiene ins Gesicht. Um nun über diese so ernst zu nehmende Frage Aufklärung und praktische Belehrung zu bringen, ist in der bekanntlich zur Zeit in Frankfurt a. M. befindlichen Ausstellung „Volkskrankheiten und ihre Bekämpfung" (im Gebäude der alten Wcißsrau en schule, Weißfrauenstraße), die bei völlig freiem Eintritt bis abends 10 Uhr geöffnet ist, eine Muster-Kollektion von hygienischen Spucknäpfen, von Spei-Gefäßen und -Vorrichtungen aller Art ausgestellt, der die neuesten Errungenschaften der Wissenschaft und Technik zugrunde, liegen. Da die Verbrennung des Auswurfes die sicherste Desinfektion barftettt, so finden sich darunter auch eine Anzahl verbrennbarer Spucknäpfe und Speiflafchen sowie Taschentücher. Ferner ist dort eine sehr zu «mp- fehlende präparierte Lösung zu sehen, welche zur Füllung der Spucknävfe bient: sie heißt „Physikalisch-chemische AuSwurfsdesinfektion nach Dr. Thom" und ist praktisch und billig. Es wäre im Interesse des allgemeinen Wohls außerordentlich zu wünschen, daß die hier vorgeführten Errungen- schaffen modernster Hvaiene nun auch praktische Verwendung und weiteste Verbreitung fänden.
Verurteilung wegen übermäßig langer Arbeitszeit. Das Schöffengericht in Mülhausen hat ein interessailtes Urteil gefällt. Der Inhaber des größten Damenkonfekttonsgeschäfts (Ville de Nimes), Heinrich David, hatte seine Arbeiterinnen in 36 Fällen nach %9 Uhr abends und über 11 Stunden täglich beschäftigt, ohne daß eine Eintragung in die zur Vormerkung der lieber- arbeit bestimmten Tafel stattgefunden hatte; in einem Falle hatte er die Eintragung erst nach Beginn der lieberarbeit bewirkt. Urteil: 100 Mark Geldstrafe event. 11 Tage Gefängnis und ein Tag Haft.
sSann sollen Frauen heiraten? Ein von den Züricher Aerztinnen eingeholtes Gutachten über das ehefähige Alter des weiblichen Geschlechtes lautet dahin, daß nach ihren ärztlichen Erfahrungen nicht nur vom ethischen, moralischen und volkswirtschaftlichen, sondern auch vom gesundheitlichen Standpunkte aus die Eheschließung des weiblichen Geschlechtes vor zurückgelegtem 18. Lebensjahre durchaus zu verwerfen ist. Hätten die Aerztinnen das fraglicke Gesetz zu bestimmen, würden sie unbedingt mindestens das zurückgelegte 20. Jahr als unterste Grenze festsetzen. Denn auch mit 20 Jahren hat in unserem Klima und unserem Zeitalter der weibliche Körper seine volle Entwickelung noch nicht erreicht. Die Wahrscheinlichkeit einer erhöhtenDisPositton zu schwerer Blutarmut. Lungenerkrankungen und anderen gesundheitlichen Schädigungen, frühzeitiges kör- perliches und geistiges Altern der Mütter und die Erzeugung einer schwächlichen Nachkommenschaft sind meist die Folgen der zu frühen Heirat des weiblichen Geschlechtes. Sehr bemerkenswerte Ausführungen über das zu frühe Heiraten der Frau machte auf der jüngsten Versammlung südwestdeutscher Irrenärzte Dr. Beyer in Sitten- Weiler auf Grund seiner Erfahrungen als Nervenarzt. DMinach kann das zu frühe Heiraten an der Entstehung schwerer nervöser Erkrankungen der Frau die Schuld tragen. Leider ist die Meinung sehr verbreitet, daß die Ebe ein Heilmittel bei manchen krankhaften Zuständen und namentlich bei Nervosität sei. Die Ehe schafft aber derartig neue Verhältnisse in physischer, seelischer und sozialer Hinsicht, daß sich ihre Wirkung niemals mit Sicherheit Vorhersagen läßt. Dr. Beyer macht auf die bemerkenswerte und noch wenig befannte Tatsache aufmerksam, daß Geisteskrankheiten und schwere Nervenkrankheiten gerade häufig im 20. Lebensfahre beginnen. Dieses Alter hat demnach die Bedeutung einer Quarantänezeit, und vor dem 21. Lebensjahre sollte kein Mädchen heiraten. • -
Gegen die Mückenplage. Wir lesen in der Franks. Wochenschrift „Die Umschau" (herausgegeben von Dr. I. tz. Bechtold): „Der Magistrat der Stadt Breslau hat beschlossen, die alljährlich herrschende Mückenplage planmäßig zu bekämpfen; dazu ist der Pstui von Geh.-R. Prof. Flügge ausgearbeitet. Nach diesem ^lane ist es in erfter Linie erforderlich, die in den Kellern und Erdgeschossen der Häuser oft massenhaft überwinternden Mücken vor Eintritt der wärmeren Witterung zu vernichten. Aus jeder solchen überwinternden Mücke gehen bis zum Ende des Sommers schätzungsweise 75 000 Millionen neue Mücken hervor. Die Änffuchung der Mücken in ihren Schlupfwinkeln und ihre Abtötung durch eine für Me^'cken unschädliche Räucherung, an geeigneten Stellen durch die Flamme einer Löt- stnnpe, erfolgt durch städtische Desinfektion. Außer der Tötung der überwinternden Mücken ist ferner in Aussicht genommen, auch die in Gewässern sich entwickelnden Larven zu vernichten. Es handelt sich dabei hauptsächlich um stehende, nicht tiefe Wasseransammlungen. Diese sollen entweder durch Zuschüttung beseitigt werden, oder
das Wasser imrd mit Malachitgrün und anderen larventötenden Mitteln versetzt. Die Breslauer Behörden gehen von der wissenschaftlich begründeten Tatsache aus, daß die Micken zu den gefährlichsten Uebertraaern von Krankheiten gehören."
Ein weibliche» Schutz«»«» dürfte ein Unikum sein. In dem Städtchen Huga in Colorado ist das Unglaubliche zur Tatsache geworden. Dort wurde nämlich eine Mutter von zwölf Kindern von ihren Mitbürgern einstimmig zum Schutz- manne gewählt. Als Begründung dieser seltsamen Wahl wird angegeben, daß die Einwohner beschlossen, wer ein Dutzend amerikanischer Mädels und Jungens in Zucht und Ordnung zu erhalten vermöge, der sei auch die zur Auftechterhaltuna der öffentlichen Ordnung geeignete Person!
Eingesandt.
Für die unter dieser Rubrik Detöffentltäjten Artikel übernimmt die Redaktion nur die preßgesetzliche Bet* antwortung, nicht aber die dem Publikum gegenüber. Weiterführung der Bahn Marburg—Dreihausen.
Geehrter Herr Einsender von Nr. 611 Weil eher als mein Eingesandt bedarf das Ihrige del Richtigstellung. Sie als Nordecker kennen allerdings das Terrain besser als ich. Da müssen Sie aber auch wissen, daß es ein Projekt Dreihausen—Leidenhofen—Winnen—Nordeck rc. gibt oder gegeben hat. Auf dieser Stelle ist, wie uns von autoritativer Seite mitgeteilt wurde, ein Tunnel nötig und zwar bei Winnen. Ob man auf der neuerdings projektierten Linie ein Tunnel nötig hat oder nicht, das kann ich nicht sagen. Jedenfalls sind aber die Schwierigkeiten nicht geringer als auf der anderen Strecke.
Außerdem müssen Sie wissen, daß von Wermertshausen nach Nordeck 1 Stunde Wegs und von Nordeck am Kahlenberg entlang, über Kesselbach, nach Londorf, wie ja die projektierte Linie verläuft, ebenfalls 1 Stunde Wegs ist; das sind 10 Kilometer; wie Sie da von 5—6 Kilometern reden können ist mir unklar.
Nun zu Ihrer vielgerühmten Rentabilität, speziell für Marburg oder die Kreisbahn. Die Lungsteinbrüche in Nordeck liefern fast das ganze Material nach Kesselbach in die Steinschneiderei. Wenn diese überhaupt verladen werden, dann durchlaufen sie nur die kurze Strecke von Nordeck nach Londorf auf der Kreisbahn. Als Bausteine werden sie in Marburg ?c. überhaupt nicht gebraucht.*) Auch Basalt wird Marburg und Umgegend nicht von Londorf beziehen, denn eS be- kommt denselben viel besser in Dreihausen uni dazu noch billiger.
An Handelsgeschäften kommen nur zwei in Betracht, die mit Getreide und künstlichem Dünger handeln, und diese sind ftoh, wenn sie pro Tag einen Doppelspänner umgesetzt haben. Wo da für die Bahn 7—8 Waggon Herkommen sollen, das begreife, wer will.
Aber was Sie bezüglich kes Bergwerkes bei Bernsfeld gesagt haben, bedarf derRichtigstellung. Nicht Weitershain, sondern der Bahnhof Bernsfeld soll die Verladestelle des großen Werkes werden. Und diese Stelle liegt nur 700 Meter von der Erzwäsche entfernt, sodaß die Erze also mit leichter Mühe auf den Bahnkörper --eschafft werden können. Diese Erze durchlaufen aber die ganze Strecke der Kreisbahn, da sie nach Westfalen gehen. Wenn sich die übrigen Erzfelder ebenso günstig erweisen als das jetzt in Angriff genomntene, so ist sogar eine Hochofenanlage in Aussicht genommen.
Von der Holzindustrie Mücke hat Marburg wohl weniger Genuß, desto mehr aber die Kreisbahn, denn genannte Holzindustrie bezieht jetzl schon ganz bedeutende Mengen Holz aus bei Oberförsterei Roßberg u. a.
Und wenn Sie glauben für Marburg sei au5 den hessischen Orten kein Verkehr zu erwarten, so beweist der letzte Marburger Markt gerade daS Gegenteil, . denn da waren die Landleute aus unserer Gegend scharenweise vertreten. M—.
*) Da irrt der Einsender; in Marburg werden im Gegenteil sehr viele Lungfteine Verarbeitet. Die Red.
Marktberichte.
Cassel, 13. März. (Biehmarktsberickt > Schlachtvieh. ES kosten die 50 k? Schlachtgewicht von Ockfen I. Qualität 70-72 Mk., H. Qualität 67-69 Mk„ IIT. Qualität 64-66 Mk., Bullen T. Qualität 60 bis 62 MI., II. Qualität 57-59 Mk., Kühe I. Qualität 62-64 Mk., IL Qualität 59-61 Mk., III. Qualität 56-58 Mk , Schweine I. Qual. 58-60 Mk., II. Qual. 55-57 Mk., 3. Qualität 53-54 Mk., Kälber daS k? Lebendgewicht 35—38 Pf„ Hammel 65—70 Pf. Austrieb: 25 Ochsen, 6 Bullen, 65 Kühe, 4 Rinder, 125 Schweine, 82 Kälber und — Hämrnel.
Verantwortlich für die Redaktion:
Dr. DorrkeS-VoPvard m Marburg.