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mit dem Kreisblati für die Kreye Marburg und Kirchhain.
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Karte vom Kriegsschauplatz
Vierteljährlicher Bezugspreise btt der Expedition 2 $lt, bet allen PostSmtem 2,25 Mk. <ejcl. Bestellgeld).
Jnserttonsgebühr: die gespaltene Zeile oder derm Raum 10 Pfg, Reclamen: die Zeile 25 Pfg.
Erscheint wöchmtlich sieben mal.
Druck md Verlag- Joh. Ang. Koch, UmvcrsitätEtchdruckerei 40. 5ta&T(L Marburg, Markt 2L — Telephon 55. <**
Marburg
Sonntag. 12. März 1905
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Der Ruckzug der Raffe«.
* Die Japaner versuchen mit aller Macht den Russen nachzudrängen, um den Rückzug in eine Katastrophe zu verwandeln. Die Russen werden fortgesetzt in scharfe Nachhutsgefechte -verwickelt. Die Meldung, daß 200 000 Russen umzingelt seien, klingt sehr unwahrscheinlich, idenn die Japaner haben eine entsprechende Macht nicht konzentriert. Reuters Bureau wird von vertrauenswürdiger, aber nichtamtlicher Seite gemeldet: Die russischen Streitkräfte westlich vonMnkden betragen zwei Armeekorps. Das japanische Detachement, das die Eisenbahnen zerstörte, drängt dieRussen nachNorden. Ein Teil des japanischen Zentrum« drängt die Russen ebenfalls nach Norden und zwar längs der Mukdenstraße; er ist jetzt sechs Meilen nördlich vom Hunho mit ihnen im Kampfe. Der äußerste re.- te Flügel der Japaner befindet fich fünf Meilen von Fushun. Alle russischen schw eren Geschütze und viele Feldgeschütze
Zweites Blatt.
17 'Nachdruck verboten.)
Ungleiche Brüder.
Original-Roman Von Iren« von Hellmuth,
l^mffepung.)
\ ' »Sie sind so , schön, mein Fräulein, — bitte, . bitte, bleiben Sie doch noch einen Augenblick! Ich habe Ihnen so viel zu sagen! Mein Fräulein, wenn Sie wüßten, wie ich Sie liebe! Ihr Anblick hat mich bezaubert!--Nur einen Kuß —
einen einzigen! Sie müssen mein werden! — Bitte, gewähren Sie mir eine Zusammenkunft, dort — in jenem Pavillon! Ich muß Sie nochmals sprechen — und sollte ich es erzwingen! Fräulein, — ich liebe Sie so sehr!"--
In diesem Moment hatte sich das junge Mäd- chcn losgerissen. Krachend flog die Türe ins Schloß. Drmnen wurde hastig ein Riegel vorgeschoben.
Heinz stampfte zornig mit dem Fuße auf.
„Teufelsmädel,- rief er, und seine (stimme ;bebte in verhaltener Leidenschaft, „warte nur, braune Hexe!"
. Er wandte sich um. Doch plötzlich fühlte er .'sich gepackt, zwei Hände spannten sich um seinen Hals, als wollten sie ihn nicht mehr loslassen.
»Erwürgen möchte ich Dich mit diesen meinen Hände»! Wärst Du nicht mein Bruder, — »ei Gott — — —«
wurden von den Japanern erbeutet. Die Russen scheinen eine Bewegung nach Osten auf Fushun auszuführen, um fich nach Norden zurückzuziehen.
Tokio, 10. März. (W.B.) Wie Marschall Ohama berichtet, hatten die Einschließungsmanöver der Japaner einen vollkommenen Erfolg. Die Japaner erbeuteten eine große Zahl von Gefangenen und eine gewaltige Menge Waffen, Munition und Vorräte an Kriegsmaterial. Zu genauen Feststellungen fehlt es an Zeit.
Petersburg, 10. März. (W. B.) Generaladjutant Kuropatkin meldet dem Kaiser unterm 10. dS.: In der Nacht zu heute begann der Rückzug aller unserer Armeen. Nachts wurde nicht gekämpft, doch hielt daS Geschütz- und Gewehrfeuer die ganze Nacht an.
Niutschwang, 10. März. Nach eingegangenen Meldungen ziehen sich die Russen anscheinend in daS Hügelland
Eugen war seiner Sinne nicht mehr mächsig, so sehr übermannte ihn die Wut. Wie ein gereizter Löwe stand er vor dem Erschrockenen, der sich vergebens bemühte, die umklammernden Hände von seinem Halse wegzubringen.
„Alle Wetter, bist Du denn toll geworden?" schrie Heinz, als er wieder zu Atem gekommen war. „Was fällt Dir bentt ein, wie ent wildes Siier über mich herzufallen? Weshalb eigentlich? Was habe ich verbrochen? Weil ich das Mädchen heimbegleitete, das mir unterwegs begegnete? Aber ich tveiß schon. Du bist eifersüchtig, Du bist selbst verliebt in diese Teufelshexe! Dankbar solltest Du mir fein, wenn ich Dich auf diese Weise vor einer Torheit bewahre, die Du zu machen im Begriffe bist, und die Du Dein ganzes Leben lang zu büßen hättest! Heirate doch die blonde Milly, ich kann Dir keinen besseren Rat geben! Die da drinnen fft arm wie eine Kirchenmaus, die wirst Du ja niemals heimführen können!"
„Du aber noch viel weniger!" tief Eugen, der sich inzwischen etwas gefaßt hatte: doch noch immer klang seine Stimme gereizt und drohend. . „Ich? — Na, ich habe auch wahrhaftig noch nie daran gedacht, das Mädchen zu heiraten! Das fehlte mir gerade noch! Wie kommst Du auf solche Gedanken?"
Heinz war Rfyon wieder der lustige, sorglose Geselle, der er immer gewesen. „Wie ich darauf komme?" brauste Eugen auf und stand mit zorn- ftmkelnden Blicken dicht vor dem lächelnden Bruder. „Sprachst Du denn dem jungen Mäd-
nordöstlich von Mukden zurück. Ihr Rückzug erfolgt ohne alle Ordnung in einzelnen Abteilungen, die sich in aller Eile verschanzen, um die Verfolgung aufzuhalten. Große Rückzugsgefechte haben nicht stattgefunden. Die Russen werden ihren Widerstand in dem rauhen Gelände östlich der Eisenbahn längere Zeit nicht aufrechthalten können, da sie keine Möglichkeit haben, sich Vorräte zu verschaffen. Die Russen können vielleicht ve^uchen, durch ein nach Nordosten führendes Tal Kirin zu erreichen, doch droht ein besonderes japanisches Korps vom Ualu ihnen diese Richtung abzuschneiden. General Kuroki rückt nach Nordwesten vor und drängt die Russen auf NogiS Armee zu. Die Verluste auf beiden Seiten sind ungeheuer groß. Es wird angegeben, daß daS russische 16. Armeekorps bei Taschitschiao tatsächlich aufgerieben wurde.
Tokio, 10. März. (Amtlich.) Marschall Ohama berichtet, daß (wie schon von unS gemeldet) die japanischen Truppen vormittags um
chen nicht eben erst von Liebe? Batest Du denn nicht um einen Kuß? Weshalb tatest Du denn das?"
Heinz lachte nun, wirklich belustigt, hell auf.
„Du großes Kind, Du! — Wenn ich alle Mäd- then. denen ich von Liebe gesprochen, und die ich um einen Kuß gebeten, heiraten müßte! — Da käme eine anständige Leporelloliste zusammen! Blicke mich doch nicht so strafend an, Eugen! Nimm das Leben von seiner heiteren Seite, Du kommst leichter durch und hast mehr Vergnügen! Ich bitte Dich, tue ich denn etwas Unrechtes? Wenn ich ein Mädchen küsse, — na, das ist doch wirklich keine Sünde! Im Gegenteil, ich habe schon mancher Schönen dadurch eine heimliche fülle Freude bereitet, also Gutes gewirkt, wenn auch auf meine Weise!"
Er drehte sich nach diesen Worten auf dem Absatz herum, und wollte weiter gehen, doch Eugen hielt ihn zurück.
„Wo trofft Du die junge Dame?" fragte er hastig und doch etwas verlegen.
Heinz blinzelte den Bruder von der Seite an. „Dame?" lächelte er schalkhaft, und Eugen fühlte, wie ihm das Blut heiß in die Wangen stieg.
„Wo ich sie immer treffe," fuhr Heinz fort, „ich sah sie heute bereits zum vierten oder fünften Mal denselben Weg daherkommen."
„Und war sie allein?"
Die Frage kam nur stockend heraus.
„Ja, ganz allein. Sie ging wie immer sehr rasch, aber da ich fett beute morgen weiß, daß
10 Uhr Mukden beseht haben. Er berichtet ferner, daß die Einschließungsoperationen seit einigen Tagen erfolgreich durch» gefühtt seren und daß der blutigste Kampf an mehreren Punkten in der Nähe von Mulde» im Gange fei.
Tokio» 10. März. Nach hier einge» troffenen Nachrichten auS dem Hauptquartier hat die russische Rückzugsbewegung schon am 6. März, abend«, begonnen. Gener« Nogi ist am 9. März früh bereit« in Mukde» gewesen, hat aber auf die Besetzung dieser Platzes keinen militärischen Wert gelegt und die Stadt gleich wieder verlassen, um fich nördlich zu wenden. Der Rückmarsch der Russen ist nicht, wie man erst hier annahm, durch de» Druck der beiden Flügelarmeen erfolgt, sonder» den Ausschlag gab der erfolgreiche Vormarsch des westlichen Teile« der japanischen HeereS« körper im Zentrum.
wir gewiffermaßen Hausgenossen ftr.b, so sprach ich sie an. Ich bin viel zu galant, um zugebe« zu können, bafe ein junges Mädchen zu so botw gerückter Stunde allein auf der Straße bleibt« Ich bot ihr meine Begleitung an, hatte abee Mühe, ihr zu folgen. Sie lief beinahe. Ich glaube, — sie wollte mich los sein. Kaum ei« Wort sprach die Kröte mit mir. Hast Du mich etwa bei ihr angefchwärtt?"
Eugen schien die Frage überhört zu haben« Sie schritten schweigend zusammen den Garten« weg entlang. Dann berührte der Aeltere leicht! den Arm des Jüngeren.
„Und fragte]! Du sie nicht," woher sie kommen — was sie so spät außerhalb des Hauses zu tu«! habe?"
„Aeh, mein Lieber, wer wird so neugierig fein! Ich habe gar fein Verlangen darnach, es zu erfahren. Das Mädchen ist sehr hübsch, e$ gefällt mir; aber über ihr Tun und Lassen will ich durchaus keine Aufklärung haben! Was geht es mich auch an? Wer weiß, wenn ich sie fragte, ob sie mir die Wahrheit sagen würde! Kranke» Pflegerin ist sie jedenfalls nicht, das weiß ich bc« stimmt!"
Heinz lachte wieder übermütig auf, und 6e« schleunigte seine Schritte. - . , J.
„Miserables Wetter," brummte er, „die Kätto dringt durch den dicksten Mantel."
„Sagtest Du nicht vorhin, daß das Mädchen atm fei?" begann Eugen wieder, indem er sich bit mühte, mit dem Bruder gleichen Schritt zu halten, „sprach sie davon?"