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mit dem Keeisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expedition 2 Mk, bet allen Postämtern 2,25 Mk. <e$cL Bestellgeld).

Jnserttonsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Reelamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Sonntag, 12. März 1905.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Slug. Koch, Universitäts-Buchdrucker« 40. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon »5.

Drittes Blatt.

Bevölkerungsbewegung im Jahre 1903.

In dem Vierteljahrshest zur Statistik des Deutschen Reichs 1905 I wird, wie in früheren Sihren, die Bewegung der Bevölkerung au: rund der-Eheschließungen, Geburten undSterbe- fälle veröffentlicht. Tie Arbeit gibt Nachweise nicht nur für das Reich und die einzelnen Bundes­staaten, sondern auch entsvrechende Daten für das Ausland., Ferner werden Mitteilungen über Alter, bisherigen Familienstand, Religionsbe­kenntnis der Eheschließenden, über Mehrlinzs­geburten und Mehrlingskinder sowie über Alter der Gestorbenen, insbesondere über die Sterblich­keit der Säuglinge gemacht.

Im ganzen wurden im Satire 1903 463 150 Ehen geschlossen (1902: 457 208), die Zahl der Geborenen betrug 2 046 206, darunter 1 983 078 Lebendgeborene (2 089 414 bezw. 2 024 735), die Zahl der Gestorbenen 1 234 033 (1 187 171).

Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ist gegenüber dem Vorjahr die Eheziffer nur um ein geringes zurückgegangen (von 7,92 auf 7,91 ou: 1000 Einwohner), erheblicher ist der Rückgang der Geburtenziffer (von 36,19 auf 34,94 vT.), welchem eine Erhöhung der Sterbeziffer (von 20,56 auf 21,07 vT.) gegenübersteht. Der Ge­burtenüberschuß, der im Jahre 1902 absolut und relativ namhaft gestiegen war (von 851 824 oder 15,09 vT. des Jahres 1901 au« 002 243 oder 15,63 vT.), ist im Jahre 1903 etwas geringer, hat aber immer noch die beträchtliche Höhe von 812 173 oder 13.87 vT.

Die Eheschließungen des Jahres 1903 treffen der Zeit nach zunächst auf die Monate Oktober, Mai, November und Avril. Das Alter der Hei- ratenden war bei den Männern in 43,7 vH. der Fälle 2530 Jahre, bei den weiblichen Personen in,56,0 vH. der Fälle unter 25 Jahren. Ab­weichend von der Regel waren die Frauen älter als die Männer, die sie heirateten, .ei 95 577 Eheschließungen oder 20,6 vH. der Gesamtzahl. Von den heiratenden Männern haben fast neun Zehntel zum erstenmal sich verheiratet, von den heiratenden Frauen etwas über neun Zehntel. Ledige Männer mit ledigen Frauen heirateten in '400 899 Fällen, Witwer mit Wiwen in 10 914 und in 481 Fällen Geschiedene mit Geschiedenen. Etwas über neun Zehntel der Ehen waren reli­giös ungemischte Ehen, die Eheleute waren bei 276 468 Heiraten evangelisch, bei 140 965 katho­lisch und bei 3831 israelitisch. Mischehen wurden '40 914 (8,8 vH.) eingegangen, davon waren 39 045 Ehen zwischen Evangelischen und Katho­liken, 497 zwischen Evangelischen und Israeliten und 138 zwischen Katholiken und Israeliten.

Von den 2 046 206 Geborenen des Jahres '1903 waren 1 983 078 oder 96,91 vH. Lebend-, 63 128 oder 3,09 vH. Totgeborene. Ehelich Waren 1 875 672, unehelich 170 534 oder 8.33 dH. Mebrlingsgebnrten waren unter den Ge­hurten 26 265 (13,0 vT.), und zwar im wesent­lichen Zwillingsaeburten. Drillingsgeburten wa- Len es 270, in Bayern kamen 2 Vierlingsgeburten vor. Im ganzen kamen bei den Mebrlingsge- hürten 52 804 Mebrlingskinder 26 816 Kna­ben und 25 988 Mädchen zur Welt. Der Zest nach erfolgten die meisten Geburten des Jahres 1903 im Februar, September, Mat und April, die wenigsten in, den Monaten Oktober und Juni. Das Gesagte gilt insbesondere für die ehelichen Geburten. Uneheliche Kinder wurden am meisten in den Monaten Februar, März. April, Mai, am wenigsten im August und Oktober geboren. Die Totgeburten waren am häufigsten in den Mona­ten August. Oktober und Juni.

Sterbefälle sind am häufigsten voraekommen in den Monaten Februar, Januar, August, Sep- tember und März, am wenigsten im November, Dezember und Juni. , Ein Vergleich mit der Temperatur und den Niederschlagsmengen (bezw. auch der relativen Feuchtigkeit) in den einzelnen Monaten 1903 und 1902 zeigt, daß in den Sommermonaten des Jahres 1902 kühlere Tem­peratur und mäßige Sterblichkeit, in den Som­mermonaten 1903 dagegen größere Hitze mit übernormalem Niederschlag und hohe Sterblichkeit Zusammenfallen. Dieser Zusammenhang äußert sich besonders in der Zunahme von Todesfällen infolge akuter Darmkrankheiten in den Sommer- nanc?ten 1903 gegenüber den gleichen Monaten * i Davon wurden namentlich die Säuglinge betroffen. Es starben an akuten Darmkrank- Men < »^^en Monaten Juli/September 1903 rund 10 000 Säuglinge mehr als :.t demselben Zeitraum des Jahres 1902.

' Ueberhaupt sind an den Sterbefällen beson­ders stark die Kinder, insbesondere die Säuglinge, beteiligt. Nicht weniger als 404 529 oder (1902: 33,0 vH.) aller Gestorbenen oes Jahres 1903 waren noch nicht 1 Jahr alt, inbe§ im Verhältnis zu den Geburten (ohne Tot- geburten), betrachtet, starben nicht weniger als «0,4 vH. im Säuglingsalter. Am geringsten ist

die Altersklasse der 1020 Jährigen unter den Gestorbenen vertreten. Mit steigendem Alter er- hl'ht sich wieder der Anteil an der Summe der Gestorbenen.

Von den 404 529 im Berichtsjahre gestorbenen Säuglingen waren 351 086 ehelicher und 53 437 unehelicher Abkunft. Auf 100 eheliche Geburten entfielen somit 19,3, auf 100 uneheliche Geburten nicht wenigerals 32,7 Todesfälle der Säuglinge.

Fast ein volles Drittel der unehelich Ge­borenen stirbt im ersten Lebensjahre.

Besonders hoch erscheint die Säuglingssterb­lichkeit in Westpreußen und Posen, Bayern rechts des Rheins, Königreich Sachsen, Sachsen-Alten­burg, den beiden Reuß.

Parlamentarisches.

Reichst««.

Berlin, 10. März.

Bei schwachem Besuche setzte der Reichstag heute die zweite Beratung des Etats des R e i ch S a m t s des Innern fort. Abg Dr. Mugdan (ftf. Bp.) rechtfertigte gegenüber den Angriffen der Abgg. Fraßdorf und Zubeil <Soz.) seine Darlegungen über das Ver­hältnis der Aerzte zu den Krankenkaffen. Abg. Dr. Groeber (Ztr.) befürwortete nochmals den Antrag auf Maßnahmen gegen das Bestechungsunwesen und verlangte Ausdehnung der Arbeiterschutzgesehe auf die Hausindustrie, in deren Interesse der Abschluß von Tarifverträgen und die Verschärfung der Wohnungs- inspektion liege. Aba. Fröhlich (D. Refp.s beleuchtete die mit der Konzentration des Kapitals verbundenen Gefahren und erklärte sich bereit, alle Maßnahmen zu Schutz und Förderung der wirtschaftlich Schwachen insbesondere des Handwerks zu uMerstützen. Abg. Scheidemann (Sozi polemisierte gegen die Bemerkungen des Abg. Mugdan; die Angriffe des Redners auf den abwesenden Abg. Becker wies Abg. Büsing (nl.) zurück. Staatssekretär Graf PosadowSkh trat der Auffassung entgegen, daß die Auswahl der im Reichsversicherunas- amt zu hörenden Sachverständigen nach Politischen Gesichtspunkten erfolgt sei, und versicherte, der er­höhte Schutz der Bauarbeiter werde mit Nachdruck verfolgt. Aba. v. Böhlendorfs lkons) wandte sich gegen die ablehnende Haltung des Staatssekretärs zum allgemeinen Befähigungsnachweis, der auch auf dem Handwerkertage zu Magdeburg von der über­wiegenden Mehrheit gefordert sei. Hoffentlich bringe die angekündigte Novelle zur Gewerbeordnung den Befähigungsnachweis für das Baugewerbe; ste werde dem allgemeinen Befähigungsnachweise den Boden bereiten. Nach weiteren Reden der Abgg. Kopsch (ftf- Bp.) und Tutzauer <Soz.) wurde die Weiterbe­ratung auf Sonnabend 1 Uhr vertagt.

Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus.

Berlin, 10. März.

Tas Abgeordnetenhaus setzt« heute die zweite Lesung des Eisenbahnetats bei der Besprechung der Angelegenheit der Beamten und Arbeiter fort. Die Abgg. Stroffer lkons), Knie lZtr.) und v. Bülow- Homburg (nl.) nahmen sich einzelner Beamtengruppen an. Die Bemerkungen des Abg. Goldschmidt <frs. Vp.>, der der Eisenbahnverwaltung vorwarf, sie erziehe die Arbeiter zu Speichelleckern und Heuchlern, veranlaßten Minister v. Budde zu energischer Abwehr und erneuter Darlegung leiner Beziehungen zu Beamten und Arbeitern. Er warnte, unter den Eisenbahnern Un­zufriedenheit zu säen, bezeichnete sich unter lebhaftem Beifall als den ersten der Arbeiter der Eisenbahn­verwaltung und versicherte fein fortgesetztes Bestreben, für die Beamten und Arbeiter nach Kräften zu sorgen Abg. v. Savignh lZtr) richtete an die Beamten das Ersuchen, zur Vermeidung von Mißstimmung unter anderen Berufsständen in den ^Petitionen nur berech­tigte Forderungen vorzutragen. Abg. Gamp lfrkons) trat den Ausführungen des Abg. Goldschmidt gleich­falls entgegen. Dem Abg v. Czarlinski (Hole) er­widerte der Minister, auf den preußisch hessischen Bahnen werde deutsch und nicht Polnisch gesprochen. Schließlich rechtfertigte der Minister noch einmal seine Stellung zu den Konsumvereinen. Der Rest der ordentlichen Ausgaben wurde bewilligt.

Sonnabend 11 Uhr Fortsetzung.

Deutsche Kolonien.

Südwestafrikt». Wie die, Wettkorr." hört, ist die Absicht, bereits im Frühjahr die Ovam- bo» zu bekriegen, fallen gelassen worden. Wenn letzthin verschiedentlich berichtet worden ist, e8 schwebten Verhandlungen mit Portugal wegen des Durchzug« durch portugiesisches Gebiet für unsere Truppen, so ist da« unrichtig; ebenso wenig wird an eine Kooperation mit den Portugiesen gedacht. Ehe nicht mindesten« die Otavibahn fertig gebaut ist, kann ein Ovambo- krieg nicht geführt werden, weil die großen Entfernungen und da« Klima größere Trans­porte unmöglich machen. Auch ist hier be­sonders die Pferdesterbe zu fürchten. Ein Feld­zug, nicht gegen alle Ovambos, aber gegen den Häuptling Nechale, um den Ueberfall von Ambutoni zu sühnen, wird allerdings in kolonia­len Kreisen gewünscht, aber man muß mit der Gefahr rechnen, daß sich dann die Ovambos solidarisch erklären würden und daß dann die Expedition gegen einen einzelnen Häuptling einen großen allgemeinen Kampf herbeisühren

würde, dessen erfolgreiche Durchführung zurzeit auS. den oben angeführten Gründen höchst schwierig wäre.

Ausland.

Fra«tteich. In dem z. Z. von der radi­kalen Demokratie beherrschten Frankreich erfreut sich bekanntlich die Landwirtschaft weitgehendster Fürsorge. Trotzdem eS auch dort relativ und dem Werte nach ebenso viel Großgrundbesitz gibt wie bei uns, hat dort noch kein Sozial­demokrat mit dem unwahren und ordinären Schlagworte .Brot- resp. Fleischwucher" gegen die Agrarzölle agitiert, welche vielfach höher sind, als die bei uns jetzt mühsam errungenen. Soeben hat nun wieder die überwiegend radikal-demokratische Deputiertenkammer einen Beschluß gefaßt, der von neuem beweist, wie opferwillig sie stets ist, wenn es gilt, dem land­wirtschaftlichen Gewerbe und gleichzeitig der Wehrkraft des Landes Förderung angedeihen zu lassen. Trotz des Widerspruches des Kriegs- Ministers nahm sie debattelos ei en Zusahantrag zum Militärbudget an, welcher die Mittel für Ergänzung des Pferdebedarfs der Armee erhöht, um so die Pferdezucht im allgemeinen, die von Armeepserden im besondern weiter zu beleben und zu unterstützen. Diese Nachricht wird merkwürdigerweise auch von unserer liberal- demokratischen Presse ohne irgendwelche kritisch- tadelnden Bemerkungen über eine solcheVer­schleuderung von Staatsmitteln", über unan­gebrachte Liebesgaben an die agrarischen Pferde­züchter wiedergegeben.

Vermischtes.

Salvatorbier. Die Paulaner Zacherl-Brauerei in München, die für ihr Frühlingsbier den NamenSalvator" allein beansprucht, stellte Strafantrag gegen die Münchener Großbrauerei zum Spaten, weil diese in geschriebenen Rech­nungen und gedruckten Bestellkarten ihre Pro­dukte alsSalvatorbier" bezeichnet hatte. Es wurde nun wegen Vergehens gegen das Reichs­gesetz zum Schutze der Warenbezeichnungen gegen die Besitzer der Brauerei zum Spaten, die Kom­merzienräte Karl und Anton Sedlmayr, sowie gegen den Leiter des Flaschenbierdepots der Spatenbrauerei, den Kaufmann Karl Dürr- wanger, öffentliche Anklage erhoben. Das Urteil lautäe für beide Angeklagte wegen Vergehens nach § 14 des Gesetzes zum Schutze der Waren­bezeichnungen auf eine Geldstrafe von je 150 Mark. Die Angeklagten wußten, daß das Wort Salvator" für die Paulaner Brauerei geschützt ist, sie behaupten aber, sie hätten das Recht, das WortSalvatorbier" zu gebrauchen, weil dieses durch ein Warenzeichen für sie geschützt ist. Allein das Zeichen ist ein Bildzeichen, und daher ist es nicht zulässig, aus dem Zeichen einige Worte herauszunehmen und zu verwenden. Wenn die Angeklagten meinten, dazu berechtigt zu sein, so befanden sie sich in einem strafrechtlichen Irr­tum, aus den sie sich nicht zu ihrer Entlastung berufen können. Mit Rücksicht auf diesen Irr­tum, der vom Gericht ausdrücklich anerkannt wird, wurde auf die geringste zulässige Strafe erkannt.

Ein gesegnetes Alter. Der älteste Mann Tirols, derHögger Jäkele", Jakob Pichler, ist auf dem Berghof in der Gemeinde Riffian bei Meran an der Influenza gestorben. Er ist 104 Jahre, 7 Monate und 8 Tage alt geworden. Pichler genoß seit der Anwesenheit des Kaisers im Passeier im Jahre 1898 eine jährliche Gnadengabe. Er war geistig rüstig; die letzten zwei Jahre verbrachte er im Bette. 104 Jahre alt ist die nunmehr nach eintägigem Kranken­lager in Altheim bei Landshut verstorbene Straßenwärterswitwe Karoline Meier geworden. In Regensburg kam sie am ersten Tage des ver­flossenen Jahrhunderts, am 1. Januar 1801, zur Welt.

Ein neues Msttel znm Entfernungschätzen. Das richtige Abschätzen von Entfernungen ist für das Militär von allergrößter Wichtigkeit. Es läßt sich sogar sagen, daß eine unbedingte lieber- legenheit im Entfernungsschätzen auf einer Seite den Ausgang eines Gefechts entscheiden kann. Das trifft sowohl auf die Artillerie wie auf die Infanterie, wie endlich auch auf die Marine zu. Tas Entfernungsschätzen wird daher nicht nur mit jedem Mann besonders geübt, sondern man hat auch besondere Apparate dafür erfunden und angewandt. Der Kapitän Boelher von der Ma- r'me der Vereinigten Staaten hat jetzt ein sehr einfaches Mittel zu einer ziemlich genauen Be­rechnung von Entfernungen angegeben, das we­nigstens in gewissen Fällen gute Dienste wird leisten können. Angeblich ist es bei der cmeri- kanischen Marine bereits mit gutem Erfolg ein- geführt worden. Sein Vorzug besteht darin, daß keinerlei Hilfsmittel dazu nötig sind. Der Mann

der eine Entfernung 6erimmen will, streckt bett richten Arm in der Richtung auf den zu beobach­tenden Gegenstand gerade vor sich aus und vi­siert nach der Spitze des ausgestreckien Zeige­fingers nach einander mit dem rechten und nit dem linken Auge. Wie jeder sich durch einen Versuch überzeugen kann, ist dann die Spitze des Zeigefingers das eine Mal auf einen anderen Punkt gerichtet, als das andere Mal, ober mit anderen Worten, die Spitze des Fingers scheint sich auf dem beobachteten Gegenstand zu verschie- ben. Um die Entfernung zu bestimmen, muß man nun erstens den Abstand der beiden Augen von einander kennen, der durchschnittlich 7 Zenti­meter beträgt, zweitens den Abstand des ? üge- fingers vom Auge; drittens muß man ungefähr wissen, welcher Länge die Verschiebung der Fin­gerspitze auf dem beobachteten Gegenstand mt- spricht. Die letztere Bedingung wird nun nicht immer erfüllbar sein. Beim Seekriea kennt man jedoch in der Regel die Schiffe des Gegners mit all ihren Maßen genau, so daß sich daraufhin die Entfernung mit aller wünschenswerten Sicher­heit würde ermitteln lassen. Auf dem Lande könnte man sich an gewisse Einzelheiten halten, wie den Abstand von Telegraphenstangen und' ähnliches. Es wird den Praktischen Versuchen überlassen sein, zu ermitteln, inwieweit das burH feine Einfachheit ausgezeichnete Verfahren eine zuverlässige Anwendung wird finden können.

Im Luftschiff von Loudon nach Paris. AuS London wird berichtet: Zum erstenmale ist eS einem Luftschiffer gelungen, von London nach' Paris zu fahren. Am Sonnabend verließ bet Luftschiffer Jacques Faure mit einem Gefährten in einem Luftballon den Kristallpalast i t London und landete nach sechsstündiger F"hrt in St. Denis; er brauchte also zu seiner <"ahrt von London nach Paris zwei Stunden weniger als die schnellste Eisenbahnverbindung. Die Fahrt verlief ohne jeden Zwischenfall bei günstigem Wind, es war nur außerordentlich kalt; dec Kanal wurde in einer Höhe von 100) Metern passiert, aber die Luftschiffer konnten noch in die­ser Höhe das Rauschen der Wellen hören. Der Ballon war mit einem Schlepptau versehen, ähn­lich wie der Ballon es hatte, mit dem Andrs den Nordpol zu erreichen versuchte. Das Schlepptau hat während der Ueberfahrt über den Kanal sehr gute Dienste getan. Der Ballon wurde beinahe in gerader Linie von London nach Paris getrie­ben und hatte eine mittlere Geschwindigkeit von 80 Kilometern in der Stunde. Ein Versuch, den Luftballon zu lenken, wurde nicht gemacht, ob­wohl die Absicht bestand, durch einer, besonderen Mechanismus und mittels einer Luftschraube ein Steuer zu konstruieren.

Uniformierte Bürgermeister. Einen recht sonderbaren, aber durchauszeitgemäßen ? itrag" haben die Ortsschulzeu des Kreises Zerbst in An­halt an die Kreisdirektion Zerbst gerichtet: sie wünchsen Uniformen. Welch nette Perspektive eröffnet dieser Antrag, der einemdringenden Bedürfnis" abhelfen soll. Die Herren Orts- schützen werde nnatürlich auch einen Si'ckel er­halten, damit sie das nötige Ansehen bekommen. Man sieht, daß diese Herren mit der Zeit fortge- schritten sind und wissen, woraus es bei ihrem Amt ankommt. Betreffs des Aussehens der Uni­formen soll leider die Ansicht unter den Herren eine geteilte fein, so daßernste Verwicklungen'' befürchtet werden müssen, wenn nicht eine Einigung erzielt wird. Die herzoglich anhal- tische Kreisdirektion Zerbst hat nun an die Orts­schulzen folgendes Rundschreiben gesandt:Es ist seitens verschiedener Ortsschulzen die Frage ange­strengt worden, ob es nicht angebracht sei, sie mit einem äußeren Abzeichen zu versehen, so daß bei Amtsverrichtungen ihre Stellung zu erkennen ist. Die Ortsschulzen werden aufgefordei-t, sich zu dieser Frage zu äußern."

Alles verkehrt. Von einer Leserin wird bet Voss. Ztg." geschrieben: In einem Miets­bureau im elegantesten Westen beobachtete ich dieser Tage eine kleine Szene. Eine mit be­kannte, den besten Gesellschaftskreisen ange­hörende Dame unterhandelte,mit einem Stellung suchenden Dienstmädchen. Die Unterhaltung hat schon eine geraume Weile gewährt, die selöstbe- wußte Art, wie das Mädchen das Verhör dec Dame führt, fällt dieser uchtlick mehr und mehr auf die Nerven. Schließlich nimmt das Frage- uud Antwortspiel folgende Wendung: Das Mäd­chen: Und wer besorgt das Fensterputzen? Die Dame (ironisch): Oh, das besorge selbstver­ständlich ich. Das Mädchen: Und wie isteS mit dem Stubenbohnern? Die Dame: Wird natürlich von mir besorgt. Das Mädchen; Und wer hilft beim Großreinemachen? Die Dame: Mein Mann und ich. Das Mädchen (das jetzt endlich stutzig wird): Und :,-r Plättet die feine Wäsche? Die Dame: Aber natürlich ich! Aber nun bitte sagen Sie mir: Könnens Sie Französisch? Das Mädchen (verdu«YL Französisch? Nein, das kann ich nicht. Die Dame: Können Sie Klavierspielen? DaI. Mädchen: Nein, natürlich nicht. Die DameZ Können Sie meinen Kindern bei den Schul-