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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Freitag. 10. Mörz 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck Md Verlag' J oh. Aug. Koch, UniverjitätS-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
40. Jahrg.
Neueste Telegramme.
Berlin, 8. März. General v. Trotha meldet, daß die Verfolgung einzelner Abteilungen bet Herero so gut wie ergebnislos gewesen ist und daß nirgends mehr Widerstand geleistet wurde.
©erlitt, 6. Mürz. (W. B.) Dem Abge- oktmetenhattfe ging ein Gesetzentwurf betreffend dü^MWs^rung einzelne'- Bestimmungen deS Allgemeinen Berggesetze- von 24. Juni 1865/92 zu
Dresden, 9. März. Die Staatsregierung verfügte zur Schiller-Jahrhundertfeier den Ausfall des Unterrichts und Veranstaltung von Fest-Gedenkfeiern an allen Schul- und Lehranstalten des Königreichs.
Heidelberg, 8. März. In der Schwabensache der Herausforderung der hiesigen Tageblattredakteure auf schwere Säbel wurden die Studenten Kurt Dietrich au8 Berlin und Walther van HeeS auS Mühlheim zu fünf Tagen Festungshaft, und Fritz Elsässer auS Mannheim zu zwei Tagen Festungshaft nebst den Kosten verurteilt. Als strafmildernd wurde berücksichtigt, daß die Kritik und die darin enthaltenen Ausdrücke .Roheit" und „Unanständigkeit" weniger als Rüge wie als Beleidigung empfanden werden mußten.
Karlsruhe, 8. Ma. „ Wie von der Karlsr. Ltg." bekannt gegeben wird, hat der Großherzog durch allerhöchste Entschließung vom 8. dieses Monats den Präsidenten des Staats-- Ministeriums und Minister deS großherzoglichen Hauses und der auswärtigen Angelegenheiten Staatsminister Dr. v. Brauer auf sein Ansuchen wegen leidender Gesundheit unter besonderer Anerkennung seiner ausgezeichneten, langjährigen und erfolgreichen Dienste in den Ruhestand versetzt, unter gleichzeitiger Verleihung der höchsten badischen Auszeichnung, deS Hausordens der Treue. Der Minister der Justiz, deS Kultus und Unterrichtswesens Frhr. von Dusch wurde unter Belastung in seiner Stellung zum Staatsministn urj) Präsidenten des Staatsministerder Ministerialdirektor Geh. Rat Frhr. Marschall von Bieberstein zum Präsidenten des Ministeriums des großherzoglichen Hauses und der auswärtigen Angelegenheiten und zum Wirkt Geh. Rat ernannt.
Petersburg, 8. März. Amtlich wird erklärt, daß die Blättermeldung, wonach der Präsident deS Ministerkomitees Witte sein Abschiedsgesuch eingereicht haben sollte, durchaus falsch ist.
Die Schlacht bei Mulden
Ist jetzt schon eine Woche ununterbrochen im Gange. Tag und Nacht tobt der Kampf auf den weiten Feldern der Mandschurei, die vom Blute der beiden Gegner gedüngt werden. Die Verluste an Toten und Verwundeten sind erschreckend, so hoch wie in keiner der Schlachten früherer Kriege. Die „Times" meldeten, daß die Gesamt
zahl der Opfer auf beiden Seiten mindestens 100 000 betrage. Die Russen leisten mit zäher Ausdauer dem Ansturm der Japaner Widerstand aber ihre Lage ist äußerst bedrohlich und der Rückzug nordwärts unvermeidlich, damit sie nicht von den einzelnen vorgeschobenen javanischen Heersäulen umklammert und zur Waffenstreckung gezwungen zu werden. Die Umgehunasoverationen der Japaner sind geglückt und eine Division ist bereits in der Richtung auf Tieling, weit im Rücken der Russen vorgedrunaen.
Nach den neuesten Meldungen aus Mukden vom 8. entbrannte gestern wieder ein heißer Kampf im südlichen Teil des Westflügels, besonders bei dem Detachement des Generals Zer- pitzky. Auf javanischer Seite touren dort 50 000 Mann mit 200 Geschützen am Kampfe beteiligt: doch wurden alle ihre Angriffe von Zerpitzky abgeschlagen. Der General setzte sich während des entscheidenden Geftckts selbst an die Spitze eines Regiments und führte es zum Gegenangriff vor. Die Rn^en benutzten dabei die aufgehäuften javanischen Leichen als Schutztoehr, nachdem sie sie nur flüchtig mit Erde bedeckt hatten. Die betreffende Stellung wurde öfters erobert und wieder verloren: zuletzt blieb sie endgiltig in den Händen der Russen. Die Mannschaften drängten sich in ihrer Freude an General Zerpitzky heran und küßten ihm die Hände. — Die Russen haben sich mit größter Bravour geschlagen. Nach einer Depesche aus Mukden wurde General Zerpitzky, als er im Kampfe auf der Westfront äußerst bedrängt war, von vier sibirischen Regimentern unstützt, die unter klingendem Spiel tote auf dem Exerzierplatz vorrückten, immer dem Feuer entgegen. Die Verluste, welche diese tap- seren Truppen durch die unausgesetzt Platzenden Schrapnells erlitten, waren sehr bedeutend.
London, 8. Marz. Nach einer Depesche aus Jnkou ist der linke japanische Flügel 8- -10 Kilometer westlich von Mukden voraedrunqen und hat den Russen den Rückzug abaeschnitten. Der rechte russische Flügel und ein Teil des Zentrums seien umzingelt. Die Hauptmacht der Russen bei Fuschun scheine ' h auf Tieling zurückzuziehen. Kuropatkin verlegte sein Hauvtauartier nach Fuschun und hielt dort Kriegsrat ab. Die Hauptreserve des russischen linken Flügels, bestehend aus 20 000 Mann Elitetruppen, trat den Rückzug an. Am Hunho dauern die schweren Kämpfe fort. Die sich zurückziebenden Russen treffen Vorbereitungen zur Zerstörung der Eisenbahn nördlich von Mukden.
Der Rückzug der Rusten scheint nach den neuesten Meldungen sich langsam unter fortwährende. Kämvfen zu vollziehen. Ein gestern Abend eingetroffenes Telegramm des Korrespondenten des „Reuterschen Bureaus" im Hauptquartier des Generals Kuroki meldet über Fuscin: .freute früh haben die Russen unter dem Schutze der Dunkelheit die ganze Linie längs des Schaho geräumt und sind in vollem Rückzüge nordwärts, von der javanischen Infanterie hart bedrängt. Vor dem Rückzüge setzten die Russen eine große Menge Vorräte in Brand, die dann die Nacht hindurch verbrannten. Der Fall Mukdens scheint unmittelbar bevorzustehen. Die Japaner bedrängen die Russen hart auf dem östlichen Flügel.
Mukden, 8. März. Nordwestlich von Mukden wird starker Kanonendonner gehört. Die Wände der Häuser in Mukden erzittern. .Die Schlacht tobt auf den Kaisergräbern.
Die russische Flotte
hat, wie ein Vrivattelegramm des Pariser „Temps" aus Tananarivo auf Madagaskar von gestern meldet, die Gewässer bei Nossi-Bs verlassen um nach Dschibuti zurückzufahr '. Vermutlich wird sie dort die Schiffe des unterwegs befindlichen dritten Geschwaders erwarten.
Umschau.
Die Zukunft «userer Abiturienten ist ein gerade jetzt vor Ende des Schuljahres zeitgemäßes Thema, das R. Bünaer im Märzheft der „Preußischen Jahrbücher" behandelt. , Der Verfasser betrachtet die für alle Eltern wichtige Frage von einem besonderen Standpunkte und kommt dabei zu nachstehenden beachtenswerten Folgerungen. Wenn auch das Wachsen der Abi- turientenzahl an sich uns keine Sorge zu machen braucht, so sieht es dagegen übel mit der richtigen Verteilung dieses Nachwuchses auf die sogenannten gelehrten Berufe aus, die Theologie, Jurisprudenz, Medizin usw. Was die Berufswahl bestimmt, ist, abgesehen von ganz besonderer Neigung oder von Familientradition, ja immer die Aussicht auf das Fortkommen, welche bie augenblicklichen Verhältnisse bieten. Wo jetzt Mangel an Anwärtern für das eine Fach erscheint da strömt alles hin: das erzeugt hier Heber- füllung, in einem anderen Fach wieder Mangel: und so kommt es zu außerordentlichen und schäd- lichen Schwankungen und Rückschlägen in jedem Fach. Müssen wir nun diese maßlosen Schwankungen als ein unabänderliches Hebel ansehen, und hilflos zusehen, daß sie sich mit all ihren üblen Folgen immer wiederholen? Dünger verneint dies aufgrund folgenden Gedankenganges: Maßgebend für die Berufswahl sollten nicht die Verhältnisse des einzelnen Berufes fein, wie sie der Abiturient in dem Zeitpunkt vorfindet, wo er sich für ihn auf der Hochschule vorzubereiten beginnt, sondern die Verhältnisse, tote sie sich in der Zeit nach dem Abschluß seiner Vorbereitungszeit, den 7 bis 9 Jahren, die sie im Durchschnitt heutzutage dauert, gestaltet haben. Und eine annähernde Schätzung dieser kommenden Gestal- ten läßt sich finden. Dafür gibt die Statistik und ihre immer fortschreitende Vervollkommnung in der Beschaffung des Materials wie in seiner Verwertung die Handhabe. Mit frilfe der Statistik kann heutzutage die Zukunft der Verhältnisse für jene einzelnen Berufe berechnet, und den Abiturienten und ihren Eltern fo ein Anhalt für die Berufswahl an die Hand gegeben werden, ein Anhalt, der natürlich nickt auf unbedingte Sicherheit Anspruch hat, der aber "das ständige Schwanken zwischen schlimmster Heberfüllung und größtem Mangel beseitigen kann. Dazu gehört nur, daß einige Prozent unterer Abiturienten sich von den Ergebnissen jener Statistik in ihrer Berufswahl beeinflussen lassen. Dünger macht gleich selbst den Versuch, uns über den zukünftigen Bedarf ort Juristen und Philologen — nach etwa 7 bis 9 Jahren — zu unterrichten, und arbeitet er da auch mit lückenhaftem Material, so beweist er jedenfalls, daß er mit feinem Grund- gebauten recht hat, daß sich der Weg für ein sachgemäßes Urteil über bie zukünftigen Aussichten in jenen Berufen für einen bestimmten Zeitpunkt finden läßt. Wir schließen uns daher Bringers Forderung an, daß dieser Weg betreten, und weiter und für die Dauer ausaebaut werde, und
zwar durch eine staatliche statistische Zentralstelle,, die zunächst einmal für einen möglichst beträchtlichen Zeitraum rückwärts das notwendige Material zu beschaffen, zu bearbeiten. Jabr für Iahe zu ergänzen, und für die Verwertung zu bet« öffentlichen hätte. Nur der Staat durch eine solche amtliche Zentralstelle kann die. statistische Arbeit in der Vollkommenheit leisten, die verlangt werden muß, und er hat bie Pflicht biefec Leistung. In biefer Art feine Angehörigen zu beraten, wäre doch eben auch eine soziale Fürsorge für sie, und eine solche, deren Sege.. sich handgreiflich geltend machen wurde.
Die Unruhe« i« R«ßl««d.
©o8no»ice, 8. März. Entgegen derMeb düng ausländischer Blätter ist festzustellen, daß das Standrecht hier nicht verhängt worden ist. Die Stadt ist ruhig. In der Ortschaft 6» werze (Kreis SoSnowice) feuerte am 4. d. M eine Patrouille auf 80 Arbeiter, die der Auf» forderung, auSeinanderzugehen, nicht gefolgt waren. Drei Arbeiter wurden getötet, drei verwundet. Die Beerdigung der Getöteten, die gestern stattfand, verlief ruhig. In den Kasimiv gruben wurde die Drahtseilbahn durch eint Dhnamitexplofion unbedeutend beschädigt. Dil Ausbefferung erfolgte sofort.
TifliS, 8. März. In einer Konferenz deS Generalgouverneurs von Baku mit Vertretern der Verwaltung und der Bevölkerung wurde festgestellt, daß die jüngsten Kämpf« zwischen Armeniern und Mohamedanern durch die verbrecherische Tätigkeit deS revolutionäre« armenischen Komitees hervorgerufen find. Mehrere Verbrecher wurden in Baku verhaftet, unter ihnen ein Mitglied deS internationalen revolutionären Komitees und zwei Frauen. Bei den Verhafteten wurden zahlreiche Proklamationen gefunden, durch welche eine Verschwörung gegen den Gouverneur entdeckt wurde.
Eri w a, 8. März. Heute vormittag dauerte» die Unruhen unter den Mohamedanern und Armeniern fort. Mehrere Personen sind verwundet. Nachmittags hielten die mohamedanische« und armenischen Geistlichen gemeinsam Seelen» meffen für die Toten, woraus die Geistlichen, Amtspersonen und viele städtische Notabeln i« einer Prozession durch die Stadt zogen, u» versöhnend auf die Einwohner einzuwirken.
Deutsches Reich.
Berlin, S. März.
— Seine Majestät der Kaiser ist, wie bereit» gemeldet, gestern Mittwoch vormittag 11‘fc Uhr in Wilhelmshaven eingetroffen und wurde am Bahnhofe von dem Staatssekretär deS Reichsmarine- amteS Admiral v. Tirpitz. dem Generalinspekteur der Marine, Admiral von Köster, und dem Ehes de» Marinestation der Nordsee Admiral v. Bendemam, empfangen. Er fuhr zum Exerzierhause, wo die Ber- eidigung der Marinetruppen stattfand. Der Kaffer hielt darauf eine Ansprache an die Rekruten. Bo« dem Exerzierhause fuhr der Kaiser nach dem Osfizie^ kasino, wo daS Frühstück eingenommen wurde. Nach Beendigung deS Frühstücks fuhr der Kaffer um Uhr vom Kasino aus zum Hasen und begab sich an Bord des Linienschiffes .Kaiser Wilhelm II. , wo abends ein Festmahl stattfand, an dem 2o Personen teilnahmen.
15 'Nn-Hbrnck verboten.)
Uugleiche Brüder.
Original-Roman von Irene von Hellmuth.
iflortsetzung.)
Violetta kam immer noch nicht, Eugen überlegte, baß er schließlich doch nicht bie halbe Nacht hier zubringen konnte, unb baß feine Familie ihn sicher erroartete. ^Deshalb trat er endlich den Rückweg an.
Gedankenvoll schritt er den mondbeglänzten Pfad entlang, und kam zu dem Entschluß, dem Mädchen morgen die schriftliche Aufforderung tzuaehen zu lassen, sich nach einem anderen Quartier umzusehen.
Unter diesen Gedanken betrat er das gemeinsame Wohnzimmer. Zum großen Verdruß des jungen Mannes hatte feine Schwester Else Besuch von ihrer Freundin. — Fräulein Milly ^anfefmann toar ein hochaufgeschossenes, schmäch- lige§ Ding mit strohblondem Haar und eigentümlich langem Halse. Die schmalen, blutleeren Lippen vermochten kaum die etwas zu groß geratenen Zähne bedecken, so daß dieselben beim kleinsten Lächeln unangenehm hervorstachen. Die hell bewimperten, ivasserblauen Augen hatten einen beinahe stechenden Blick, der allerdings jetzt beim Eintritt Eugens diese Eigenschaft völlig verleugnete.
■ , »Ah, da sind Sie ja," rief bie junge Dame. ßie gab sich keine Mihe, ihre freubige Heber« iraschung zu verbergen, sondern sprang lebhaft auf, und streckte dem Bruder ihrer Freundin die
Hand entgegen. Halb zögernd ergriff Eugen bie bargebotene Rechte. Es hatte ben Anschein, als wollte er sich wieber zurückziehen, unb Fräulein Milly mochte etwas bergleichen ahnens benn sie begann sofort in ihrer lauten, geräuschvollen Weise: „Wir sprachen soeben von Ihnen, Herr Mertens, ja, ja, wenn man ben Fuchs nennt, kommt er gereimt!"
Else würbe ein wenig rot bei den Worten der Freundin und sandte einen halbbittenden Blick zu dem Bruder hinüber. Sie fürchtete, er möchte, wie gewöhnlich, auf dergleichen Reden, die Milly unbegreiflicherweise für witzig hielt, eine sarkastische Antwort geben. Doch diesmal war die Befürchtung grundlos. Eugen schien kaum hinzuhören, wenigstens veränderte sich kein Zug in seinem Gesicht. Wahrscheinlich hatte er wieder Aerger im Geschäft gehabt, denn zwischen seinen Augenbrauen lag eine tiefe Falle, was bei ihm immer ein Zeichen der Verstimmung war.
Fräulein Milly fuhr rasch fort: „Sie wollen gar nicht erfahren, was wir von Ihnen sprachen?"
Da auch jetzt keine Antwort erfolgte, vlauberte bie junge Dame unbeirrt weiter: „Es toar natürlich nur Gutes: Else erzählte mir, daß Sie gestern ein armes Mädchen und dessen Vater im Gartenhause ausgenommen hätten. Wie gut Sie sind, Herr Mertens! Was ist denn das für ein Mädchen, es soll ja sehr schön sein?"
„Ja, ja, — gewiß," nickte Eugen zerstreut.
„Aber — arm, nicht wahr?"
, »Mein Fräulein, das iveiß ich wirklich nicht. Sie begreifen, — bei einer so kurzen Bekanntschaft.- ---------
Um seine bärfioen Lipven spielte nun doch ein spöttisches Lächeln. Fräulein Dankelrnann hatte nämlich die Gewohnheit, jedes Ding nach feinem Geldwert zu schätzen.
„Ich möchte Ihren Schützling wohl einmal sehen," begann die junge Dame wieder.
„Da müssen Sie sich aber beeilen, mein Fräulein, beim lange wirb mein „Schützling" nicht hier wohnen. Es war ja nur ein Notfall."
Das klang wieder so grimmig, daß Else einen fragenden Blick auf den Bruder heftete. Fräulein Milly dagegen atmete sichtlich erleichtert auf.
■ »Sie tun auch sehr recht, Herr Mertens, bas Mädchen nicht lange in Ihrem Hause zu be- . halten. Man weiß ja nicht, was es für eine Person ist, unb bie Klatschsucht erhielte dadurch leicht schlimme Nahrung."
„Die Klatschsucht?" fuhr Eugen zornig auf. „Sie sollten doch wissen, Fräulein, daß ich mich um dergleichen unwichtige Dinge niemals kümmere. Mein Tun und Handeln vermöchte sie nicht zu beeinfluffen; ich fühle mich über kleinliche Bemängelungen der Klatschbasen durchaus erhaben. "
Fräulein Milly zuckte bie spitzen Schultern, was sie immer tat, wenn sie nichts zu antworten wußte.
„Du konntest übrigens bas Fräulein, — na, wie heißt sie bock gleich —"
„Fräulein Normann," half Engen der Schwester.
„Ja, Fräulein Normann, — Du köm test sie einmal zu uns einlaben, damit mau das Mädchen
sechs Uhr.
(Fort'" '—g tolfltj
zu sehen bekommt. Ich bin sehr neugierig uni Mama auch. Sie soll ja noch sehr jung feint* sagte Else lebhaft.
Engen schaute bie Schwester prüfend atu Man sah es, baß irgenb ein Gedanke ihn ausschließlich beschäftigte. Rasch -ging er auf ElseU Ansinnen ein, ohne länger barüber nachzudenken.
„Es ist gut, ich werbe das Mäbchen für morgen einlaben, wenn Du es wünschest. Sie font« men boch auch, Fräulein Milly?"
Sein Ton toar jetzt beinahe freunblidj.
„Gewiß, sehr gern,,, beeilte sich Milly zu versichern. In ihre Wangen stieg das Rot bett Freude. ■
„Bis wann soll ich mich etnfinben? Etwff um vier Uhr, paßt es so?"
Eugen schüttelte ben Kops. Er halle bett Plan, Violetta bis zum Abenb festzuhalten, uni zu ergründen, ob sie blieb ober nicht. Wenn fit fort wollte, mußte sie doch irgend einen Gruni angeben.
„Um vier Uhr kann ich noch nickt vom Geschäft abkommen," erwiderte tx sinnend, „und da ich denke, Fräulein Normann wird sich in der ihtt fremden Gesellschaft nicht wohl fühlen,, möchte ich auch dabei fein. Sie ist, glaube ich, fehl schüchtern. Wir wollen deshalb den Besuch auf eine spätere Stunde verlegen, sagen wir alftt