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für die Stellen der alleinstehenden Lehrer an Schulen mit weniger als 30 Kindern und der der zweiten Lehrer um 200 Mk.

Deutsche Kolonien.

Ostafrika. Unter dem Namen Zentralafrika­nische Bergwerksgesellschaft ist eine Gesellschaft m. b. H. in der Bildung begriffen, die in den Landschaften Jkoma, Kassama, Ussongo und Saamuye, westlich vom Viktoria Nhansa, die durch Prospektoren der Zentralafrikanischen Seengesell- schäften gefundenen und für diese Gesellschaft bergrechtlich belegten Goldfelder ausbeuten will. Das Urteil der mit dieser Angelegenheit bisher befaßten Sachverständigen lautet besonders für die Felder von Jkoma hoffnungsvoll., Zur Bureneinwanderung wird derKolonialen Zeit­schrift" geschrieben:Den Buren , gefällt das Land ausgezeichnet, und sie sind mit der Unter­stützung, die ihnen zu teil wird, recht zufrieden. Sie haben daS nötige Zugvieh, Ochsen und Esel, für ihre Wagen am Orte gekauft. Außerdem besitzt jede Familie 2 bis 8 Milchkühe. Den Mais zu ihrem Lebensunterhalte kaufen sie von den Eingeborenen oder tauschen ihn gegen Wildfleisch ein. Saatkorn, Saatmais und Baumsamen ha­ben sie sich aus ihrer Heimat mitgttwacht. Bei der Anlage von Farmen bevorzugen sie die reine Grassteppe mit einem Bach oder Fluß in der Nähe. Die bei Aruscha angesiedelten Buren ha­ben mit wendender Post an ihre Verwandten die Aufforderung ergehen. lassen, ebenfalls dort­hin zu kommen. Von Mai ab ist txcher ein grö­ßerer Burenzug nach den nördlichen Teilen Deutsch-OstafiÄas zu erwarten. Nach den An­gaben der Buren darf man auf eine Zuwande­rung von über 1000 Leuten rechnen."

Frage gewesen, soweit Frankreich in Betracht kam. Bonnefon fährt dann sehr vernünftig fort:Seit­dem hat der Kronprinz, indem er sehr vorsichtig vermied, den französischen Boden zu betreten, uns zum Verständnis gebracht, daß die Aera der Gefühlswallungen vorüber ist und daß wir in der Periode der Korrektheit bleiben. Man darf aus dieser nicht her..ustreten, um in eine Periode verhaltener Feindseligkeit zu gelangen. Das Interesse der beiden Völker, gebietet ihnen, höf­liche und rücksichtsvolle Beziehungen zu unter­halten, und die Nadelstiche zu vermeiden, die un­nütz verwunden. Wenn kaiserliche Prinzen sich auf unser Gebiet begeben sollten, so muß man sie meiner Meinung nach mit ausgesuchter Höflich­keit empfangen. Je mehr wir unsere Politik auf das positive Gebiet der Tatsachen verlegen, umso mehr werden wir die instinktiven Ausbrüche unserer Gefühle zum Schweigen zu bringen ver­mögen und umso mehr Aussicht haben wir, viel­leicht friedferflg die Vergangenheit wieder gut zu machen! und die Zukunft zu verbessern."

Dänemark. Das in Kopenhagen erscheinende deutsche Blatt, dieKopenhagener Zeitung" warnt deutsche Arbeiter und Hand­lungsgehilfen dorthin zu kommen, weil schon eine ungewöhnlich große Zahl arbeits­loser Deutschen in Kopenhagen sei.Tausende von dänischen Handwerkern, schreibt das Blatt, sind arbeitslos, und in einer öffentlichen Ver­sammlung der Handlungsgehilfen und Kontoristen am 21. Februar wurde bekannt gemacht, daß ca. 10000 Handlungsgehilfen und Kontoristen in Dänemark stellenlos sind, und von diesen allein 6000 in Kopenhagen. Bei diesen traurigen Derhältniffen sehen sich dann unsere deutschen La dsleute bald der bitteren Not gegenüber, im fremden Lande, deffen Sprache sie überdies nicht verstehen. Sie wenden sich dann gewöhn­lich an die Mildtätigkeit der hiesigen Deutschen, an die hiesigen deutschen Vereine und besonders an den deutschen Hilfsverein. Bei der Not aber, die in vielen hiesigen deutschen Familien herrscht und die zu mildern doch die Hauptsorge der hier lebenden wohlhabenden Deutschen sein soll und auch ist, können nur die wenigsten Bitten um Hilfe berücksichtigt werden. Wäre es da nicht ratsam, wenn daS hiesige deutsche General­konsulat dem Beispiel des norwegisch-schwedischen, das in Schweden und Norwegen die Arbeiter durch die Zeitungen warnen läßt, hierher zu kommen, folgt und auch in deutschen Zeitungen eine solche Warnung erließe?"

Vereinigte Staate« von Amerika. Eine Skandalaffäre ersten Ranges zieht die St. Louiser Weltausstellung nach sich. Die Bundesregierung ordnete eine strenge Unter­suchung an. Die Ausstellungsdirektion soll nämlich Grundbesitz sowie Bauwerke, von denen der vierte Teil des Erlöses der Regierung zu­stand, weit unter dem Werte verschleudert haben. Insbesondere wurden der Chicago Housewrecking Company Objekte im Werte von 2 Millionen Dollars für 45 000 Dollars übertragen, die bei der Ausschreibung auftretenden Mitbewerber waren lediglich Scheinkonkurrenten. Außerdem wurden ihr noch Grundstücke, die nicht ausge­schrieben waren, unbezahlt zugeschanzt. Die Chicagoer Gesellschaft, die bei diesem Geschäft Teilhaberin gewiffer Ausstellungsmatadoren war, hatte dabei selbst Millionen Gewinn. Den Löwenanteil steckten die erwähnten AuSstellungs- grüßen ein.

Parlamentarisches.

Reichst««.

* Berlin, 6. März.

Am Bundesratstisch: Graf Posadowsky. , Bei schwachem Besuche setzte heute der Reichs­tag die allgemeine Besprechung über den Etat des Innern fort. Abg. Dr. Potthoff (fr. Vgg.) trat für die Privatangestellten ein und äußerte Be­denken gegen die Resolutton des Zentrums über die Bestechlichkeit der Angestellten. Abg. Werner (Deuffche Reformp.) wandte sich gegen das Hau- fierunwesen, gegen die Konsumvereine und Offi- ziersvereine wie gegen die Warenhäuser. Un­erläßlich sei die Einführung des BefähigungS- nachweises für das Baugewerbe. Das Reichsamt des Innern müsse durch Errichtung eines Reichs- arbeitsamtes entlastet werden. Abi. Horn- Sachsen (Soz.) beleuchtete die Lage der Glas­arbeiter und forderte die sonntägliche Betriebs­einschränkung in Glashütten. Abg. Thaler (Ztr.) nahm sich der Angestellten der Rechtsonwätte an. Abg. Mertens (fr. Vp.) bemängelte, daß die Durchführung des Kindeffchutzgesetzes nicht immer den Absichten des Gesetzgebers enffpricht, da viele die Kinderarbeit als nie versiegende Heim­arbeit betrachten. Letzter Redner war Abg. Dr. Wolff (wirtsch. Vgg.), der sich das Wort des Staatssekretärs zu eigen machte, daß ohne Agrar- polittk keine verständige Sozialpolittk möglich sei, und den Staatssekretär aufforderte,, nicht nur der Lokomotivführer, sondern, zugleich der Re­organisator unserer Sctzialpolittk gu sein. Er­freulich sei t'- nachttägliche Erläuterung der mißverständlichen Bemerkungen des StaatSsttre- tärs über dieAssoziatton des Kapitals." Be­dauerlich sei die ablehnende Haltung des Staats­sekretärs zu allen Mittelstandsforderungen.

Dienstag 1 Uhr: Fortsetzung und Nachtrags- - abkommen zu den Handelsverttägen.

Preutzischer Landtag. 8bfleorbnetr"bnn6.

* Berlin, 6. März. Am Ministerttsch: v. Budde.

Das Abgeordnetenhaus erledigte heute zu­nächst den Antrag der Abgg. Krause (nl.) und Gen. auf Gewährung von Notstandsdarlehen an Kleinschiffer. Der Antrag fand zwar nicht bei der Staatsregierung, wohl aber bei allen Par­teien des Hauses eine freundliche Aufnahme und wurde der Budgetkommission überwiesen. Darauf begann die zweite Lesung des Eisenbahnetats. Die Beratung eröffnete Minister v. Budde mit einer längeren Rede, in der er es als Pflicht, der Eisenbahnverwaltung bezeichnete, den öffentlichen Verkehr zu bedienen durch betriebssichere, aus­reichende und flotte Zugführung im Personen- und Güterverkehr und nach Tarifsätzen die der weiteren Entwicklung des Erwerbslebens, ange­messen Rechnung tragen. Der Minister wies ein- gehend nach, was alles zur Verbesserung des Ver­kehrs geschehen sei, und betonte die mannigfachen Vergünsttgungen, die gerade der neue Etat den Eisenbahnbeamten bringe. Darauf begann die Besprechung der Bettiebsmittelgemeinschaft, in deren Beurteilung sich alle Redner im wesent­lichen dem Abg. v. Pappenheim (kons.) anschlos- sen, der die Begründung der Betriebsniitttlge- meinschast billigte, aber in ihr nicht den ersten Schritt zur Schaffung von Reichseisenbahnen er­blicken wollte.

Mittwoch 11 Uhr: Fortsetzung.

Verall zurückgeschlagen. Am hefttgsten tobte -er Kampf auf dem rechten Flügel von der Ort- schäft Madjapu bis zu dem am Morgen besetzten Nuesintun. Die Arttllerie wechselte bis zum Abend Schüsse. Im Zentrum rückten die Ja- paner bis westlich von Sachepu vor. Unsere Truppen machten bei ihren Gegenangriffen öst- sich vom Putilowhügel gegen hundert Gefangene. Auf dem linken Flügel dauern die Angriffe auf unsere Stellungen im Rayon Kandolisa und bei der Abteilung Rennenkampfs fort. Die japani­schen Kolonnen, die gegen den Kutulinpaß vor- kückten, stellten die Angriffe ein und zogen sich nach Süden zurück. Trotz der Kälte nimmt der am 24. Februar begonnene Kampf, der sich auf der ganzen 120 Werst langen Front bis Mulden ausbreitet, einen immer hartnäckigeren Charakter an. Die Japaner erleiden große Verluste. Wir verloren an Verwundeten gegen 15 000 Mann.

General Kuropatkin meldet vom 5. März: In der Front bei Mulde« herrsch. Ruhe. In der linken Flanke und auf dem rechten Ufer des Hunhe bei dem Dorfe Madapu nahmen, die Ja- paner heute Morgen wieder energisch die Offen­sive auf. Zwei Angriffe wurden zurückgeschlagen; un Norden von Madapu dauert die Schlacht mit Erfolg für uns fort. Das Zentrm hält die Stellungen am Schaho bis zu dem Dorfe Schahepu. Die auf den Nowgorod- und den Putilowhügel heute Nacht ausgeführt n Angriffe wurden zurückgeschlagen. Heute Morgen führ­ten wir Gegenangriffe aus und nahmen, zwei Revolverkanonen. Gegen unsere Stellung in der Gegend von Erdagu richtet der Feind nur Ar- ttlleriefeuer. Heute Nacht griffen die Japaner Kadonisan an, indem sie am Schaho Geschütze und Revolverkanonen auffuhren; alle Angriffe wurden zurnckgewiefen. Der gegen die Stellung von Kutulin gestern Abend 11 Uhr gerichtete Angriff wurde zurückgeschlagen. Auf der äußer­sten Flanke war die Nacht ruhig.

London, 6. März. Das Bureau Reuter bei Oku meldet vom 5. d. M.: Seit dem 28. Februar drängt der linke japanische Flügel nachdrücklich vor und greift ttotz großer Schwierigkeiten be­ständig an. Hefttge Schneestürme wüten. Die Bewegungen werden nachts durch Sternraketen und Scheinwerfer erhellt. Die Japaner nahmen die russischen Schanzgräben, die durch Drahtge­flecht geschuht waren, mit Maschinengewehren und dem Bajonett ttotz de? hartnäckigen Wider- standes der Russen, die sich jetzt in Unordnung zurückziehen, Waffen unb Bekleidungsstücke fort­werfen, um die Flucht zu erleichtern. Me Ja­paner erbeuteten eine Anzahl sechszölliaer Ge­schütze und Maschinengewehre. Ihre Angriffe wurden durch hefttges Geschützfeuer gedeckt. Me Belagerungsgeschütze Port Arthurs wurden ver­wendet.' Die Wirkung war furchtbar. Die Dör­fer wurden zerstört und die Erdverschanzungen vernichtet. Die Rusten sind entmutigt. In­zwischen beschränkt sich der Kampf im Zentrum auf einen Arttlleriekampf.

London, 6. März. Aus Schanghai wird be­richtet: Die Japaner sind im Begriff, eine fünfte Armee aus acht Divisionen, die 140 000 Mann stark und aus den Reserven der Jahrgänge 1887 bis 91 bestehen soll, aufzustellen. Drei Divisionen sind schon im Nordosten von Korea gelandet; bcr eine Teil davon soll gegen Wladiwostok vor­rücken, der andere soll versuchen, den linken Flü- gtt der Mandschureiarmee zu umgehen. Eine ja- panische Reservearmee zur Landesverteidigung in Japan ist aus Reservemannschaften der Jahr­gänge 1884 bis 86 aufgestellt worden.

§ Urdrr die Bedeutung deS Annonern-Berkrhrt find im Publikum hier und da die eigenartigstes Anschauungen verbreitet. Das gilt vornehmlich von den Chiffre-Annoncen, deren Aufgeber ost den ZeitungS-Expeditionen selbst nicht bekannt find, so daß eine Mitteilung deren Namen ihnen schon auS diesem Grunde unmöglich sein wurde. Außerdem liegt eS aber auch in der Natur der Sache, daß die Namen der Auftrag­geber, wenn sie den Geschäftsstellen der Zeitungen bekannt find, den ansragenden Interessenten nicht mitgeteilt werden dürfen. Die Tätigkeit der Expeditionen beschränkt sich nach Aufnahme der Inserate lediglich darauf, die auf diese ein­gehenden, schriftlich zu machenden Angebote (Offerten) zu sammeln und an die Annoncen- Auftraggeber zu übermitteln. Durch Beachtung dieser Punkte würde mancher Weg und manche nutzlose Anfrage den Jntereffenten erspart und unangenehme Geschäftsstörungen der Expeditionen vermieden. Bei Inseraten, bei welchen die Nachfragen in der Expedition der bett. Zeitung erfolgen, ist e8 im Interesse der raschen Beant­wortung erforderlich, daS bett. Inserat entweder mitzubringen oder sich die Jnseratennummer zu merken.

Die nächsten Feldposten nach Afrika gehen von Berlin am 10. und 13. März ab. Die erstere befördert nur Briefe, die zweite Briefe und Pakete. Die Feldpost vom 10. März benutzt den am 11. von Southampton abgehenden eng­lischen Dampfer, der dort am 28. März fällig ist. Von Kapstadt wird sie von dem Reichs­postdampfer am 7. April weiter befördert, so daß sie ungefähr am 9. April in Swakopmund ein­treffen kann. Schlußzeit für Feldpostbriefe und Karten für diese Poft ist der 9. März in Berlins Jedenfalls müssen die Sendungen so zeittg auf- geliefert werden, daß sie noch vor dem Marine- Postbureau bis zur letzten Verbindung nach Ham­burg, ab Schlesischer Bahnhof 11.23 vormittags, bearbeitet werden können. Die Feldpost vom 13. März benutzt den der Woermann-Linie ge­hörenden DampferEuropa". Er wird in direkter Fahrt am 12. April in Swakopmund er­wartet. Dieser Dampfer befördert auch Feldpost­pakete bis zum Gewichte von 5 Pfund gegen das Porto von 1 Mark.

* Zur Zeugenpflicht. Es kommt nicht selten vor, daß angesichts der Begehung irgend einer Straftat die Augenzeugen schleunigst verschwin­den oder die Angabe ihres Namens verweigern. Sie wollten sich der Unannehmlichkeit, vor der Polizei oder vor Gericht zeugen zu müssen, ent­ziehen. Hierdurch kommt aber mancher, der durch eine strafbare Handlung verletzt wird, um fein gutes Recht. Es erscheint daher angebracht, unter Hinweis auf eine Reichsgerichtsentscheidung dar­auf aufmerksam zu machen, daß ein jeder, der durch irgend eine Straftat verletzt wird, daS Recht hat, von den bei Begehung der strafbaren Handlungen anwesenden Personen Nennung des Namens und der Wohnung zu verlangen, und im Weigerungsfälle sogar die polizeiliche Sistie­rung des sich Weigernden zwecks Feststellung feiner Persönlichkeit zu veranlassen. a:,

* DieZiegenhainer Kanne". Der kurhessische Kommunallandtag hat bekanntlich beschlossen, zur Hochzeit des Kronprinzen eine silberne Kanne als Widmungsgeschenk des Bezirksverbandes dar­zubringen. Die Kanne soll eine Nachbildung der sogenanntenZiegenhainer Kanne" sein, welche sich unter den Sammlungen im Erdgeschoß der Casseler Gemäldegalerie befindet und zur alten Sammlung des Museums gehört. Es ist eine silberne, innen vergoldete Weinkanne aus der Hinterlassenschaft des Grafen von Katzeneln­bogen, deren Wappen zweimal an der Kanne angebracht ist. Die Benennung alsZiegen­hainer Kanne" ist übrigens nach dem alten Lenz- fchen Führer für die Sammlungen eine irrtüm­liche; der Stil der Kanne ist gothisch, fünfzehntes Jahrhundert, zweite Hälfte. Verfertiger und Ott der Entstehung ist unbekannt. Jedenfalls ist es ein Stück von prächtiger Arbeit.

* Warmes Esse« für Eisenbahnbeimte auf itx Stationen. Der von uns bereits erwähnte Für­sorge-Erlaß des EifenbahnrninisterS bezeichnet eS als eineAufgabe von besonderer Wichtig­keit", daß die Bediensteten, welche durch den Dienst verhindert find, daS Mittageffen in ihrer Häuslichkeit einzunehmen und die es sich auch nicht mitnehmen oder nachtragen lasten können, an Ort und Stelle ein kräftiges, warme» Mittageffen zu angemessenem Preise erhalten. Diese Aufgabe hätten in erster Linie die Bahn- hosswirte zu ermöglichen. Viele Bedienstete würden die Gelegenheit zur Einnahme deS Mittagessens zur gewohnten Tageszeit gern be­nutzen, wenn die dafür auszuwendenden Kosten im ttchttgen Verhältnis zu ihren Einnahmen ständen. Daß eS möglich ist, schon zu einem Preise von 30 bis 35 Pfennig eine angemessene MittagSkost zu liefern, sei aus einer ganzen Reihe von Stationen bereits dargetan. Der Minister bestimmte daher, daß überall da, wo seitens der Direktionen ein Bedürfnis anerkannt wird, die Bahnhofswirte vettraglich verpflichtet werden, ein Mittagessen mit Suppe für 40, höchsten» 50 Pfennig, ohne Suppe für 3040 Pfennig bereit zu haltm und daneben auch einen Teller Suppe allein für 10 Pfennig ab­zugeben. Zu ähnlichen Preisen würde auch nötigenfalls ein warmes Abendessen zu verab- abfolgen sein. Damit den Bediensteten durch weite Wege von der Arbeitsstätte nach den Bahnhvfswittschaften nicht ein zu großer Teil der Ruhezeit verloren geht und sie auch nicht gezwungen find, die Wirtschaften gegen ihren SBiHen aufzusuchen, sollen Einrichtungen getroffen werden, welche ermöglichen, daß die aus den, Bahnhofswirtschaften entnommenen Mahlzetten an den Aufenthaltsstätten eingenommen werden können. «iS zum 1. Februar 1908 siebt Minister v. Budde einem Bericht darüber entf gegen, was hinsichtlich der Beschaffung warm« Mittagessens für die Bedienstete» veranlaß» worden ist.

Marbnrq und Umgegend,

(Nachdruck aller Originalattikel ist gemäß 8 18 bei Urheberrecht- nur mit der deutlichen Quellenangabe

Oberheff. Ztg " gestattet.)'

Marburg, 7. März.

8 Fastnacht. DaS fröhliche FaschingStreiben, da» in den letzten Jahren zu Fastnacht hier herrschte, mußte man heute, wenigstens in der ersten Hälfte des Tages, ganz und gar ver­missen. Die Ursache ist leicht zu erklären, sie liegt darin, daß die Studenten, die sonst den größten Teil der Maskietten auSmachten, wegen deS SemesterschlufleS meistenteils unsere Stadt bereits verlassen haben.

* Lahntal-Sängerbund. Bei dem am Sonn­tag im RestaurantSchipkapaß" in Gießen stattgehabten Sängertag des Lahn tal - Sänger­bundes wurde nach der Erstattung deS ®e« schäftSberichtS der Gesangverein Kirchharn bei Marburg in den Bund ausgenommen. Sodann erfolgte die Verleihung von Diplomen für 25jährige aktive Mitgliedschaft an drei BundeS- mitglieder; eS find dies die Herren Karl Schneider und Aug. Stuhl vom Liederkranz Weilburg und Gustav Richard vom Gesang­verein Grünberg. Bei dem im Jahre 1906 in Gießen abzuhaltenden Bundessest sollen folgende Gesamtchöre zum Vortrag kommen: 1. Hymne von Herzog Ernst, 2. daS deutsche Lied von Gernhardt (beide Chöre mit Orchesterbegleitung), 3. Weihe deS Gesanges von Mozart (mit Rück­sicht auf den 150. Geburtstag deS Meisters), 4. DaS Schifferlied von Eckhatt und 5. Der Soldat von Fr. Silcher. (Gieß. Anz.)

§ Zum Bärenulk. Die vittfachen Angttffe, die von den Anhängern derLöwentheotte" gegen den Bärenbrunnen gerichtet worden sind, haben dem lebenden Modell, dem Korpsbären Kusch, den Aufenthalt in dem schönen Marburg verleidet. Unter Leuten, die so wenig zoologische Kenntnisse hätten, daß sie sein getreu nach Natur gefertigtes Konterfei auf dem Brunnen nicht von einem Löwen unterscheiden könnten, behage eN ihm nicht weiter zu leben, und er zieht es daher vor, im Zoologischen Gatten in Frankfurt a. M. ein besseres Dasein als unbestritten anerkannter Bär in standesgemäßer Gesellschaft zu führen. Morgen Mittwoch schüttelt daher Meister Husch den Staub Marburgs von seinen Tatzen. Wie wir erfahren, wird er in großer Begleitung mit Musik mr Bahn seiet!et werden.

Ausland.

Frankreich. Der BerlinerFigaro"-Korre- spondent gibt einen kurzen und selbstverständlich nicht ganz einwandsfteien Ueberblick über die Ge­staltung in dem Verhältnisse zwischen Frankreich und Deutschland in den letzten Jahren, wobei er besonders darauf Nachdruck legt, daß der deuffche Kaiser, da er seine Liebeswerbungen von Frank- reich nicht hinreichend gewürdigt erkannte, sich jetzt auf eine korrekte Haltung dem wesllichen Nachbarn gegenüber beschränkt. Deutschland schmolle geradezu mit Frankreich seit der Ver­ständigung dieses Landes mit England und gebe das ganz offen zu erkennen. Habe doch der Kanzler in seiner letzten großen Rede über die äußere Politik erklärt, daß die Beziehungen Deutschlands zu fünf Großmächten herzliche, mit Frankreich dagegen nur korrekte und ruhige wären. Korrekt und ruhig, aber nicht herzlich wäre Deutschland» Haltung in der marokkanischen

Deutsches Reich.

Berlin, 7. März.

Seine Majestät der Kaiser besuchte gestern Montag Morgen dea Reichskanzler, hörte den Vor­trag de» TbesS de» Zivilkabinetts und begab sich gegen 12 Uhr nach Cbarlottenburg, wo die Akademie der Künste eine Gedächtnisfeier für Menzel veranstaltete. Außer dem Kaiser und der Kaisettn wohnten der Feier die Herren der Umgebungen, die Minister Studt und Frhr. v. Rbeinbaben, Hau»- «inister v. Wedel, namhafte Persönlichkeiten derHof» K' "'chaft und der Diplomatie, die Generalität, ler und Gelehrte bei Die Feier begann mit einem Tranergefang für gemischten Chor Professor Anton v. Werner hielt die Gedächtnisrede. Er feierte bett großen Einsamen als einen der Ersten unter den Künstlern aller Zeiten, als leuchtende» Vorbild an «Hentern Fleiß und strenger Selbstkritik, als Deutsch­land» getreuesten Sohn. Den Schluß der Feier bildete Beethoven» fünfte Symphonie.

Die Hochzeit de» Kronprinzen, deren Termin nach den letzten Dispositionen für Mitte Mai festgesetzt war, wird nunmehr, wie der .Lok.-Anzeiger' erfahrt, erst im ersten Drittel de» Juni statffinden.

Man hofft im Abgeordnetenhause die Beratung de» «tat» bi» zum 18. März beenden «nd den Etat am 20. März dem Herrenhause über­weisen zu können. Tie Finanzkommission des Herren­hauses wird dann sofort die Beratung de» Etat» be­ginnen. so daß da» Plenum de» Herrenhauses etwa «tm 24. März zur Etatsberatung zusammentreten kann. Die Kanalvorlage wird tm Herrenhause erst nach Erledigung des Etats beraten werden, des- reichen die inzwischen noch vom Abgeordnetenhause «ms Herrenhaus gelangenden Vorlagen.

Der Antrag, den der konservative Abge- Srbnete Frhr. v. Zedlitz der Unterttchtskommission heS Abgeordnetenhauses zu Nummer 2 des Kom­promißantrages, betreffenb Ausgleichung unbil­liger Ungleichheiten in der Besol­dung der Dolksschullehrer und in der Belastung der verschiedenen Schulverbände unter­teilet hat, fordert in das kommende Schulunter. Haltungsgesetz folgende Besttmmungen aufzu- Dehmen:

1) Der Mindestsatz' des Diensteinkommens beträgt für erste und alleinstehende Lehrer, mit Ausnahme derjenigen an Schulen mit weniger als 30 Schülern, 1200 Mk. Grundgehalt und 180 Mk. Alterszulage,

für alleinstehende Lehrer in Schulen mit weniger als 80 Schülern und für nachgeordnete Kehrer 1100 Mk. Grundgehalt und 180 Mk. ßlltersztÄage;

ter Staatsbeittag wird erhöht: für die 1' Melle» der ersten und der alleinstehenden Kchrer, mit Ausnahme derjenigen an Schulen mit weniger als 30 Schülern, um 500 Mk..

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