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'Nachdruck verboten.)
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versteckten Hause angekommen, bei dessen Anblick Violetta einen Ruf freudiger Ueberraschung nicht unterdrücken konnte. Es erschien ihr alles märchenhaft; das Haus mit seinen hell getünchten Mauern, das aus der dunklen Umgebung förmlich herausleuchtete, machte aber auch einen wunderbar anheimelnden Eindruck. Ein paar Stufen führten zu der ebenfalls weiß gestrichenen Türe, die Eugen Mertens mittels eines kleinen Schlüi- sels cfsnete.
„Tch habe eine seltsame Vorliebe für dieses H?us," sagte er dabei, „manchmal zieht es mich Ivie mit unsichtbaren Banden hierher, deshalb frage ich den Schlüssel stets bei mir. Ich habe mir da so ein Junggesellenheim eingerichtet, quartiere mich oft wochenlang hier ein. Es ist deshalb stets mit allem Nötigen versehen. Im Sommer ist es wie ein Dornröschenschloß, denn bis au* das Dach hinauf ziehen sich die Ranken dec wilden Rosen, die hier so üppig blühen, wie itir« gcn&§ sonst. Aber es hat auch im Winter seinen besonderen Reiz für den, der --gern für sich stllein ist."
Er hatte dabei ein Zimmer links vom Korridor geöffnet ließ den Alten auf die schwellenden Polster eines großen Divans niedergleiten, und zündete dann eine von der Decke herabhängende Lampe an.
Violetta stand indessen noch immer unter der Türe, als wagte sie nicht, einzutreten, und schaute mit leuchtenden Augen auf die aus gediegenen, alten, glänzend polierten Möbeln bestehende Einrichtung. Sie meinte, dergleichen noch nie ge- sehen zu haben. Sie konnte den Blick nicht menten von der hohen Männergestalt, die dort unter der Lampe stand. Das Licht fiel auf ein vollO, weiches Haar und auf ein paar seelenvolle Augen. . Engen Mertens weidete sich an der Freude des lungcit Mädchens.
„Gefällt es Ihnen hier?" fragte er lächelnd, sind fuhr dann fort, als Violetta nur mit i
mit dem KeeWlatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Dienstag, 28. Februar 1905
unbedingte akademische Freiheit in unsere« Sinne anerkannt hat."
Der Verband alter Bu scheu» schafter an technischen Hochschulen, der Rhein- Matngauverband, sah sich veranlaßt unter ' '?zug- nähme auf die letzten Ereignisse an unseren Hochschulen und insbesondere an unseren technischen Hochschulen in Hannover, Braunschweig und Charlottenburg eine Kundge bung zu er» lassen, in der c~ tu den verschiedenen Fragen Stellung nimmt. Aus der uns zugegangenen Erklärung vom 23. ds. Mts. entnehmen wi« folgendes:
Um unseren Standpunkt noch einmal festzulegen und um die eingeleitete Bewegung nachdrücklicher zu gestalten, schließen wir uns tetS Resolution an, welche auf der am 21. ds. Mts. tagenden Akademikerversammlung in München mit bedeutender Mehrzahl angenommen worden ist.
„Wir legen Verwahrung ein gegen die Beschränkungen der akademischen Freiheit, wie sie in der jüngsten Zeit zu Tage getreten sind.. Diesen Vorgängen gegenüber gibt der Verband ter Erwartung Ausdruck:
1. Daß in Zukunft auf den Senat einer Hochschule nicht wieder, tote es in Hannover geschehen ist, von der Regierung ein Druck ausgeübt wird, der den Senat nötigt, seinen in einer akademischen Frage bereits angenommenen Stand- punkt völlig zu ändern;
, 2. daß es der deutschen Studentenschaft jederzeit unbenommen bleibt, Stellung zu nehmen sowohl zu akademischen, wie zu nationalen Fragen-
3. daß es den Studierenden verschiede deutschen Hochschulen nicht verwehrt wird, Verfolgung gemeinsamer akademischer oder n naler Bestrebungen sich zu verständigen.
Mr erklären fernerhin, daß wir das Betone« des konfessionellen Gegensatzes auf nicht rein religiösen Gebieten und insbesondere auf unseren Hochschulen verurteilen. Wsi halten c.. für äußerst bedenklich, daß studentische Korporationen bestehen, welche von ihren Mitglidern die Zuge- Hörigkeit zu einer bestimmten Konfession verlangen.
ch Der Verband ist außerdem der Ansicht:
1. daß auf die, den konfessionellen Verbindungen angehörettden Studenten ein Gewissenszwang ausgeübt wird, der mit den Grundsätzen der akademischen Freiheit niemals vereinbar ist;
2. daß das Ansehen der akademisch Gebildeten leiden muß, und daß ihnen der Kampf um Besserstellung ihrer wirtschaftlichen Sage erschwert wird, wenn sie durch das Hervorkehren des konfessionellen Gegensatzes in zwei sich fremd gegenüberstehende Gruppen geschieden werden;
3. daß die zunehmende Beurteilung weltlicher und politischer Fragen vom konfessionellenStand- punkt ans für die Zukunft des gesamten deutschen Volkes eine ungeheure Gefahr in sich birgt und daß es darum Pflicht aller national Gesinnten und akademisch Gebildeten ist, dieser Entwicklung entgegen zu treten.
Frankfurt a. Main, den 23. Februar 1905..
„Wie herrlich muß e3 hier im Sommer sein," meinte Violetta, bewundernd zu den hohen, alten Bäumen aufsehend, die zu beiden Seite des engen Weges standen.
„O ja, es ist schön hier," fiel Eugen Mertens mit bewegter Stimme ein. „Sie ahnen gar nicht, tote reizend es sich hier lustwandeln läßt an schwülen, warmen Sommerabenden. Wenn drüben die Nachtigall ihre süßen Weisen singt, wenn men nichts hört als das leise Rauschen in den Baumkronen, das Flüstern der Blätter, das Riefeln der Quelle, di. dort, unweit jenes Pavillons aus einer kleinen, künstlichen Grotte hervor- sprudelt, wenn dazu der Mond sein Silberlicht über Blumen und Sträucher gießt, Sann sitze ich gerne auf jener halbversteckten Bank und träume
dabei vergesse ich dann alle Sorgen, vergesse, — daß — das Glück nicht bei uns wohnt — —"
Er brach kurz ab, als hätte er schon zu viel gejagt, und schaute' finster vor sich nieder.
„Was könnte Ihnen wohl zum Glücke feh- len?" klang es fragend von Violettas Lippen. „Ich meine, wenn ich mir das Bild vergegenwärtige, das Sie soeben vor meinem geistigen Ange erstehen ließen, hier müßten glückliche zufriedene Menschen wohnen!"
Der junge Mann antwortete nicht sogleich. Er nickte nur ein Paarmal mit dem Kopf, endlich nahm er das Gespräch wieder auf: „Wie ich Ihnen schon bemerkte, wohnt meine Familie im Sommer in diesem Hause, wohin ich Sie jetzt führe. Wenn es auf mich ankäme, ich würde das ganze Jahr in dieser stillen, friedlichen Einsamleit bleiben, aber meine Mutter liebt das nicht. Sie wtll Menschen sehen, wie sie sagt, deshalb verlassen wir, wenn die Tage kürzer zu werden Beginnen, stets das idyllische Plätzchen und quar- neren uns wieder dort an der lebhafteren Straße
Sie waren während des Gesprächs an dem unier einer Gruppe von weißbehangenen Fichten
Neueste Telegramme.
Dresden. 26. Febr. Das Gesamtministerium beschloß gestern weiterhin, daß von der sächsischen Regierung nichts mehr in der Mon- tlgnoso - Angelegenheit geschieht. Die Angelegenheit soll als Privatsache betrachtet und einem Florentiner Rechtsanwalt die Austragung überlassen bleiben.
Gmundk«, 26. Febr. Nach hier einge- troffenen Nachrichten aus Kopenhagen, wo die Prinzessin Olga von Cumberland derzeit mit
ihren Eltern weilt, wird die Verlobung der Prinzessin mit dem ältesten Sohne des Kronprinzen von Schweden, Prinz Gustav Adolf, "ach Ablauf der Trauer für die Prinzessin Mary von Hannover im kommenden Juni offiziell verkündet werden.
Hamburg, 26. Febr. In den hiesigen Auswandererhallen brach unter den dort untergebrachten Auswanderern eine Revolte aus. Hierbei wurden vier Angestellte durch Messerstiche schwer verletzt.
GkUUsi, 26. Febr. Heute nacht brach au' einer großen mit Schmieröl und Fettöl beladenen Barke Feuer ans, welches sich bei dem heftigen Winde schnell ausbreitete und auch die aus dem Quai aufgespeicherten Waren ergriff. Die Behörden und die Feuerwehr erschienen alsbald auf dem Platze. Es gelang nach angestrengter, während der ganzen Nacht dauernder Tätigkeit, des Brandes Herr zu werden. Der Schaden ist sehr erheblich.
Moskau, 26. Febr. General Stössel ist hier ein getroffen und warm empfangen worden.
Port of Spam (Trinidad), 24. Februar. Professor Bastian, Direktor des Berliner Museums für Völkerkunde, der sich auf einer Forschungsreise befand, ist nach kurzer Krankheit im Alter von fast 80 Jahren im hiesigen Hospital verstorben. Die Leiche wurde in Gegenwart von Mitgliedern der deutschen Kolonie unter Assistenz des Pfarrers der Herrnhutergemeinde bestattet.
Ungleiche Brüder.
Original-Roman von Irene von Hellmuth.
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"„Mein Name ist Philipp Gottlieb Normann'', begann der Alte wieder und ans seiner Stimme Hang das Selbstbewußtsein des Künstlers. „Haben Sie von mir schon gehört? Nicht? —
Ah, das wundert mich aber in der Tat," sagte er erstaunt, als der andere den Kops schüttelte. ' „Ich sollte doch denken, mein Name ist berühmt! Waren Sie denn noch niemals —"
„Sind wir bald am Ziel, Herr Mertens?" tief Violetta dazwischen. Sie hatte sich hoch auk- gcrichtet und Jtiefe den Vater mit dem Ellbogen an. Sie fühlte, wie ihr eine jähe Nöte in die Stangen ftiej, wie ihr Herz rascher pochte. Um reinen Preis mochte sie zugeben, daß der junge Mann io unvermittelt die Wahrheit erfuhr.
Etwas erstaunt blickte Eugen Mertens auf bei der hastigen Frage Violettas, doch he er Antwort geben konnte, hielt der Wagen vor einem hohen eijernen Tor, hinter dem ein stattliches Gebäude sichtbar wurde.
, "®ir .find zur Stelle," jagte der junge Mann nnb bemühte sich, von dem Mädchen unterstützt, Bern Alken aus dem Wagen zu helfen. be- raylle den Kutscher, bann schloß er das Tor auf Langsam, ganz langsam kamen die drei vorwärts. Der Weg führte an einem großen Hause vorbei, durch den verschneiten Garten und bog Bann in eine schmale Allee ein.
Bioletta hatte Muße, sich das .Res zu be- trachten, da der Vater gezwungen war, oftmals stkhen zu bleiben. Trotzdem er kräftig unterstützt wurde, konnte er nur unter unsäglichen Mühen wne Schmerzen weitergehen.
Bestellungen
für den Monat März auf die »Oberhefftfche Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch
hain, Neustadt und Wetter, sowie von all«» Postanstalten und Landbriefträgern entgegengenommen.
(Rl'Mt'inapsFfti'sirk" nhor I fi-9e $Qlt.en; Die Demokraten weigern der Ne-
„xycuiungqugniu) DOCr I gtenmg ja so ziemlich alles, besonders die Mittel
berhtenfthnTI" 2 I ßur Verstärkung der Wehrmacht. Anders liegt die
„ut,ivicu[iuvu . I Sache beim Zentrum. Was der Angriff des Ab-
Erst wenige Wochen sind Zerflossen, da sandte I geordneten Gröber bezweckte, ift nicht recht er- unfer Kaiser an den Präsidenten des Flotten- I Schon die Abstriche, die das Zentrum
Vereins ein längeres Telegramm, in welchem er I ™ der Budgetkommission an der Summe der ausdrücklich die verdienstvolle Tätigkeit des deut- I Unterstühungsgelder für Südwestaf ’ia machte, schen Flottenvereins lobend anerkannte. Kürzlich I haben mit Reckt allgemeineVerurteilung erfahren, nun wurde dieselbe Tätigkeit des Vereins bei den I Ob der Widerstand gegen die Flottenforderungen Beratungen der Marinebudgetkommission des der Regierung etwa wieder den Zweck hat, eine Reichstags von dein freisinnigen Abgeordneten I Entschädigung auf kirchenpolitischem Gebiet her- Müller-Sagan auss schärfste kritisiert und der I auszuschlagen? Auf den nationalen Charakter Zentrumsabgeordnete Groeber machte gleichfalls I der Zentrumspartei würfe diese Spekulation ein einen groben Angriff auf den Verein, indem er I bedenkliches Licht.
ihn als „gemeingefährlich" zu bezeichnen sich I Für den deutschen Flottei.verein werden diese herausnahm. Von feiten des FlottenvereinS ber« I Angriffe nur ein neuer Ansporn sein, in dem wahrte sich der Präsident Fürst Salm gegen diese I fortzufahren, was er und mit ihm viele Hundert- ungualisizierbaren Anwürfe in einer öffentlichen I tausende Deutscher als wichtig und vorteilhaft Erklärung und überließ die Beurteilung des I für das Reich erkannt haben. Alle Mückle treiben Falles der Oefsentlichkeit. Dies, hat auch mit I Weltpolitik, das Deutsche Reich ist durch seine ihrer Ansicht nicht zurückgehalten unL die Mehr- I Besitzungen und seinen Handel in allen Weltteilen heit der deutschen Presse verurteilte mit nicht miß- I interessiert. Zu unserem starken Heere brauchen zuverstehenden Worten die Haltung der beiden I wir eine starke Flotte, um etwaigen Verwicklun- Ab,geordneten. I gen, die nicht ausbleiben werden, gewachsen zu
Am Samstag beschäftigte sich auch der Reichs- I fein. Die Tätigkeit des Flottenvereins ift vertag bei der zweiten Beratung des Marineetats I dienstvoll, gemeingefährlich aber sind die Bemis dem Flottenverein. Die Verhandlungen des I strebungen, die den Ausbau der deutschen Flotte schwach besuchten Hauses erinnerter, lebhaft an die 8« beschränken versuchen. —s.
traurige Zeit des alten deutschen Reichstages in I s 1 iS - ■ ss
Regensburg im 17. Jahrhundert, wo sich die I ,
mottenstaubigen Verrücken über den Anstrich I UMsMllU.
ter Schilderhäuser in Straßburg des Langen und ! «ut »eteennit« n n heit h e n t f» t« Breiten unterhielten, während inzwischen die alte ® ® ' ■« « » « I ■ « ■ < « B e «t f * e «
Reichsstadt und Festung den Franzosen in die > Hochschulen.
Sänbe fiel. , Anstatt, daß unser Reichstag die | , Auch die Studentenschaft der Universität
Notwendigkeit der Verstärkung unserer Flotte I Kiel hat zu dem Kampfe um die akademische ™rfbaMo§ anerkenne und die nützliche Tätigkeit I Freiheit Stellung genommen. Eine Vertreter- ^oKenbere,rnl Hörbild dienen lasse, I sitzung Kieler Korporationen hat folgende Reso- un.erhielt man sich gleichwie über oie Farbe I lutivn anaenommen * I
der Schilderhäuser - über den „offiziäftn" Cha- lunon angenommen.
ratter des Flottenvereins. Als wenn der Reichs- t unterzeichneten Kieler Korporationen tag nichts Besseres zu tun hätte! | beglückwünschen die Marburger Studenten- I
Peinlich berührt hat di. Haltung des Staats- schäft dem gegenüber dem preußischen Kultus- sekretürs der Marine v. Tirvitz, der den Flotten- Ministerium im Kampf um die akademische Herein nur lau verteidigte und zudem noch eine I Freiheit errungenen Erfolge. Wir stehen in I gewisse Kritik an dessen Programm übte. Das I Uebereinstimmung mit den überall an deutschen I war sehr bedauerlich, denn Pflicht des Staats- I Hochschulen gefaßten Protestresolutionen auf | sekretärs wäre es gewesen, nicht nur den Verein I dem Standpunkt, daß die akademische Freiheit I ?u verteidigen, sondern auch ihm ein dankbares I unbedingt erheischt: I
Zeugnis auszustellen, daß er durch seine Wirk- I n k <n i i I
famfeit den Marineforderungen der Regierung . V ®a.8 Recht der studentischen Vertretungen eine verständnisvolle Aufnahme bei der Mehrheit ™ "Ütemelnen akademischen Fragen Mit anderen des deutschen Volkes gesichert hat. Befremdlich I Hochschulen in Verbindung zu treten, I
ift auch, daß man seitens der nationalen Par- I 2) da8 Recht, über „den Kopf ber akade- I teien sich nur sehr lässig des Flottenvereins an- I mischen Behörden und deS Kuratoriums hinweg* I genommen hat. Um so mehr i1 's Pflicht ter I sich direkt an daS zuständige Ministerium zu I Preße, hiergegen zu protestieren und den Verein I wenden, I
gegen Beschimpfungen von leider unverantwort- I 3) das Reckt a»ck die qiroff» i« I
sicher Seite in Schutz zu nehmen. Die Herren J « auch die Presse m allgemeinen
Gröber und Müller-Sagau sind dieVertreter einer ^identischen Fragen in Anspruch zu nehmen,
kleinlichen, engherzigen und politisch beschränkten | Wir begrüßen mit besonderer Befriedigung, I Minderheit unseres Volkes, die absichtlick vor den I baß nach den in den Verhandlungen am 14. I
weitgesteckten Zielen unserer Nation die Augen I und 15. Februar in Marburg der Marburger I
verschließen und ein Verharren auf ihrem I Studentenschaft gegenüber abgegebenen Er- I
philisterhaften Standpunkt für das einzig Rich- klärungen Se. Exzellenz der Kultusminister die I
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Ioh. Ang. Koch, Univcrsitäts-Bnchdruckerei 40
Marburg, Markt 21. - Telephon 55. ' *’“*’*»•
baftem Kopfnicken geantwortet hatte: „Ich eile jetzt, und sende Ihnen eines unserer Mädchen her, um Feuer machen zu lassen. Sie sind ganz ausgefroren, und Ihr Vater braucht ebenfalls ein warmes Zimmer."
„Nein — 0 nein," unterbrach '-hn Violetta heftig abwehrend, „Sie treiben Ihre Güte wirk- sich zu weit, — ich kann das auf keinen Fall annehmen! Es ist schon sehr spät, das Haus vorn an der Straße lag vorhin bereits völlig dunkel. Sicher ist niemand mehr wach. Sie werden doch nicht meinetwegen die Leute aus dem Schlaf aus- stören wollen? Uebrigens bin ich gewohnt, mich „ selbst zu bedienen!"
Eugen blickte auf die kinderkleinen Hände des jungen Mädchens. «C : feines Lächlen spielte um seine Lippen.
Violetta merkte es und rief fast ängstlich: „Sie glauben mir Wohl nicht?"
O doch —doch, aber unsere Damen von beute verstehen gewöhnlich nicht viel von den Geschäften des .Haushaltes."
Violetta fühlte einen schmerzenden Stich int Herzen.
Für eine Dame hielt er sie. Wer weiß, waZ er sagen würde, wenn er wüßte, daß sie eins Zirkuskünstlerin war. Vielleicht hätte er sie dann nicht in sein Haus geführt. Sie fühlte plötzlich wieder, wie so oft in der letzten Zeit, den brennenden Wunsch, etwas anderes zu fein, etwas, dessen sie sich nicht zu schämen brauchte. Und die Worte, die ihr damals einen so tiefen Stachel ins Herz gedrückt, fielen ihr jetzt wieder ein, jene spöttischen, verächtlichen Worte, die ihr immer und immer in den Ohren klangen: „EiA Mädchen vom Zirkus, — bah, — es ekelt mich davor l"
(Fortsetzung folßt.) "
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