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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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vierteljährlicher Bezugspreis, bet bet ExpLition 2 Mk„ b« allen Postämtern 2,25 Mk. vejcl. Bestellgeld).
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Marburg
Sonntag. 26. Februar 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UnwersttätS-Buchdruckerek Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
40. Jahrg.
Zweites Blatt
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tp '-'•brutf berbolen.)
Mädchen mit innigem Ton.
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„Lassen Tie bas, mein Fräulein," tönte die Stimme des jungen. Mannes neben ihr, „wir mässen sehen, das; wir einen Wagen bekommen, anders können wir den Leidenden nicht vom Fleck schaffen. Er hat ja furchtbare Schmerzen."
Violetta sah das ein.
„He," rief er gleich darauf einem Mann, anscheinend einem Arbeiter zu, „Hunt Ihr vielleicht rasch einen Wagen besorgen?"
„Gewiß, Herr Mertens, soll sogleich geschehen," lautete die Antwort, und dienstbeflissen eilte der Angeredete davon.
Eine kleine Viertelstunde mochte vergangen sein, als sich ein Geräusch von heranrollenden Rädern vernehmen ließ. Violetta atmete erleichtert auf. Die Kälte drang ihr durch die dünnen Kleider, Hände itnd Füße waren ganz steif geworden. Sie suchte sich durch Hin- und Hergehen etwas warm zu halten, Fhr war so bang ums Herz, die ausgcstcmdene Angst lag ihr in allen Gliedern, noch immer meinte sie das Krachen und Knistern dicht an ihrem Ohr zu vernehmen.
„Sie frieren wohl sehr?" fragte der junge Mann teilnehmend.
Violetta nickte nur. Sie sehnte sich unbeschreiblich nach Ruhe, nach einem stillen Plätzchen, wo sie die halb erstarrten Mieder erwärmetr konnte. Hilfreiche Hände hatten den Kranken in den Wagen gehoben, dann gegen die Pferde an.
„So darfst Du nicht sprechen, ''Jäter," entgegnete die Tochter mit einem schwac en Versuch, den Alten anfzurichteit, obwohl ihr die hilfl.se Lage, in der sie sich befanden, selbst die Tränen in die Augen trieb — „unsere HtBarschaft habe ich gereitet, es reicht doch fürs erste ans. Wir müssen sehen, ein billige? Quartier zu sin- den — freilich für diese Nacht bleibt uns keine Wahl, wir müssen ins nächste beste Gasthaus."
„Und auch das ist für uns eine zu große Aufgabe, bedenke doch, Violetta, die wenigen Mittel sind bald aufgebraucht."
Aus dem Kreis von Neugierigen, der die armen Abgebrannten umstand, trat eine hoch- gewachsene Männergestalt auf die beiden zu, und sich an das junge Mädchen wendend, begann er mit seltsam wohltönender Stimme: „Mein Frän- lem, ich bin glücklicherweise in der Lage, Ihnen und Ihrem Vater Obdach bieten zu können. Die Wohnung, an die ich dabei denke, wird von mei- ner Familie nur im Sommer benützt und steht jetzt völlig leer. Ich stelle Ihnen dieselbe gern zur Verfügung. Ich war eben auf dem Heimwege begriffen, und hörte zufällig von dem Mißgeschick, das Stc betroffen. Es ist nicht allzuweit von meiner Wohnung, ich denke, wir werden Ihren Vater schon transportieren können."
. Dankbar, mit Tränen in den Augen schaute Violetta auf den Sprecher, dessen Teilnahme ihr so unendlich Wohltat. Sie hätte vor ihm auf die Knie sinken und seine Hände küssen mögen.
„O, ich.oanke Ihnen, mein Herr, im danke Ihnen," — sagte sie mit erstickter Stimme, bemüht, ihrer Betvegung Herr zu werden, „möge Gott es Ihnen lohnen."
„Bitte, bitte, mein Fräulein," wehrte er fast verlegen, und betrachtete das vor ihm stehende Mädchen, dessen Züge er im ungewissen, stacken,- Den Schein dec nächsten Straßenlaterne nicht
Regierung und Studentenschaft.
Der Konflikt zwischen der Regierung und der Studentenschaft zweier preußischen Hochschulen steht schon geraume Zeit im Vordergründe des allgemeinen Interesses und die Erregung über die Voraänge der vergangenen Woche und der letzten Tage hat immer weitere Kreise in der Ö ffentlichkeit gezogen. Die akademische Jugend der meisten deutschen Hochschulen hat zu der Frage Stellung genommen und die allgemeine Sympathie ist zum über- wregenden Teile auf Seiten der Studentenschaft.
__ .. . „Stütze Dich hier
auf meine Schulter, — recht fest — so wird es
Ungleiche Brüder.
Original-Roman von Irene bo» Hellmuth.
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Aber vor ihren Augei, erfchiei, alles wie ein rowr Nebel, sie tastete nach einem Hall, nach euer Stütze, sie vermochte nicht mehr, sich auf- ircht zu halten, ohnmächtig stürzte sie nieder, noch ehe das Fentter erreicht nxir. —
In demselben Moment erschien aker auch der Netter in Gestalt eines Feuerwehrmannes. Rasch patte der Brave, die gefahrvolle Lage erkennend, das Mädchen in seine Arme genomm und eilte mtf der leichten Bürde zurück auf dem schwindelnden Wege.
m. ols sie unten angekommen waren, kehrte uSK* zurück. Ein Fieberschauer
schuttelle ihre Glieder, tvährend sie an die Gefahr dachte, der sie soeben entronnen.
Erschöpft und matt von der ausgestandenen Ang» kniete sic neben dem Vater nieder, um ein toemg auszuruben und zu überlegen, was sie zu- nächst beginnen sollten. Der Alte stöhnte vor Schmerzen. Er saß zusammengekauert - :f einem
Zne Hände um die schmerzenden Knie ae- ichlnngen. Die Nacht war bitterkalt und \ '
Tr9,fe.Ite!1 letzt am dunklen Himmelszelt. Vioietta fchnuegte sich eng an den Vater um ihn warmer zu erhalten.
„Wir mässen ein Unterkommen suchen, — grer können wir doch nicht bleiben," klagte sie.
„Laß mich hier," war die mutlose Antwort, „gehen kann ich nicht, wie soll ich da ein Unterkommen finden? Was Hegt daran, wenn ich j ewigen erfroren aufgefunbeit werde, — es ist ja tieflei# am besten für mich. Wir sind ja nun soliig mittellos."
Bestellungen für den Monat März auf die
«DArrheffifche Zeitung" nebst ihren Stellagen werden von unserer Expedition sfMnrkt 21) unseren Ausgabestellen in Kirchen, Neustadt und Wetter, sowie von I Zur Wahrung der akademischen Freiheit o/ktt Postanstalten und Landbriefträgern I wurde die deutsche Studentenschaft aufgerufen, ewtgegengenommen. I et^ infolge der bekannten Vorgänge in Hannover
____________ ___________________________ I und Charlottenburg, dann von der Marburger 111 • -----I Studentenschaft und hinwiederum wegen der
I bi.eJer letzteren drohenden, glücklicherweise jedoch viCUCIlC -SCICflTftHlUlC- I nicht verwirklichten, Gefahr einer Maßregelung Paris, 23. Februar. Die mit bet Beratung ®irt”ten 8U Gunsten der
Ls« Vorlage betreffend die Trennu»-- von Staat I notoet scheu Kommilitonen.
imä Kirche beau zagte Kommission er Depu- I Ueber den Begriff der akademischen Freiheit vertenkammer hat gestern sämtliche Artikel des I ist in den letzten Wochen viel geschrieben worden, pwgwrungsentwurss mit einiger. Abäiioerunge» I Freiheit des Lehrens und Lernens bedeutet sie angenommen. Am Dienstag wird die Kommis- für die einen. Die Grenzen sind sehr ver- i»n nochmals zur endgiltigen Beschluß.assung schieden, je noch der subjektiven Auffassima
Sehr. Pro- I die Regierung als eine Verletzung der Uni- 'M d^si'de^Deuis^ ^rvarb-Umversität versitätsdisziplin, was die Studenten, Prvfesioren
Geheimrat Lewald wird dieselben am nächsten I Diese Auffassung geht also Wester als die Dienstag formell übergeben. I ersterwähnte, und das mit Recht. Denn der
Saratow, 24. Februar. Die Erregung unter I Hochschuljugend darf nicht verwehrt werden zu den Arbeitern in den Druckereien nimmt zu. Ber I nationalen und anderen öffentlichen Fragen den Mihnlinien ber Umgebung von Saratow ist I Stellung zu nehmen und in ihren eigenen Anoer allgemeine Ausstand ausgebrochen. gelegenbeiten ihrer Meinung Ausdruck zu geben,
Tübingen, 25. Februar. SämtlicheHochschulen solange sie dabei den überlieferten nationalen Deutschlands sowie alle deutschsprachigen Hoch- I und ethischen Grundsätzen des deutschen Studenten- ichrrlen des Auslandes haben der hiesigen Stu- I tums treu bleibt. Innerhalb dieser Schranken ^'"Eenschaft ihre Zustimmung zu der ..[geregten I und der allnemeinen disziplinären Regeln steht SchUIer-Feier erklärt, die am 9. Mai in der I den Studierenden vollste Bewegungsfreiheit un^ SJeimarer Furstengruft stattfinden soll. I Selbständigkeit zu, vorausgesetzt natürlich, daß
Braunschweig, 24. Februar. Die „Braun- | hierdurch weder die Staats- noch die Erziehungs schweigische Landeszeitung" meldet: Der vom intereffen leiden.
«M«« M <mn bi. kommifsion ist es gelungen, in Beziehung auf die I Bevorzugung der Ausländer gewan st hat, die, vorhandenen Differenzen eine Einiaunä ru er. I namentlich die ost minderwertigen E erneute zielen. 9 9 8 aus dem Osten, trotz mangelhafter Vorbildung
. Hannover, 25. Februar. (Privattelearamm ) I unterden gleichen Bedingungen zugelaffen wurden Geheimrat Lannhardt, der Vorsitzende des „Frie- I uni) teilweise noch werden, so war der Wunsch deiisausschusses" der Professoren an der Techni- I ^et Studentenschaft, hierin eine Aenderiwg ichen Hochschule ist gestern Abend telegraphisch I anzuregen, sowohl aus nationalen wie aus zum Minister nach Berlin gerufen worden und I praktischen Gründen sehr berechtigt. Ungerecht- ‘)C“*e Vormittag ab. Man erwartet von I fertigt dagegen war das Einschreiten der Re- Konferenz mit dem Minister eine günstige I gierung in Sachen des Innsbrucker T legrammes.
Wendnug im Hochschulkonflikt. Niemand konnte deutschen Studenten verwehren
--------- I ihren deutschen Kommilitonen in Oesterreich, I die neben i öhmi''cher A maßung auch noch gege i
genau unterscheiden konnte. Dann versuchte er, mit Hilfe Violettas, den Alten auf die Beine zu bringen, doch mochte er wohl einsehen, daß das keine leichte Arbeit war. Normann stöhnte vor Schmerz und versicherte, keinen Schritt weiter gehen zu können.
„Versuche es doch, lieber Vater," bat das
I italienische zu kämpfen hatten, die wärmsten I Sympathien auszusprechen. Das war eine I nationale Sache, die Deutschland und baS I Deutschtum nicht wenig anging. Anders läge I freilich, die Sache, wenn etwa von deutschen I Universitäten mit russischen Revolutionären I Fühlung genommen werden sollte. Das würde I Staatszweck nicht erlauben und die Re- I Qterung Hütte allen Grund derartigen AnS- I schreitungen und Verirrungen aufs schärfste eit, eienguketen. Aber die deutsche Studenten- I fqhn>t ste ll ja nicht auf der Stufe wie fran- I Wäsche, serbische oder russische Studenten, die I Politik macken zu muffen glauben und sich mit I Froren befassen, die gänzlich außerhalb ihrer I Sphäre liegen. Glücklicherweise ist deren Bei- I 'viel nie vorbildlich gewesen und wird es hoffent- I lich auch niemals werden.
I In einem Falle war die Regierung der Sache I nach im Recht. Eine Aushebung der bestehen- I den kon'essionellen Verbindungen wie sie ge- I fordert wurde, war weder vom rechtlichen Stand» I Punkte aus zulässig noch nach den Grundsätzen I eben dieser akademischen Freiheit möglich. Jeder I Studierende hat das Recht sich mit Gleichge- I sinnten zusammenzuschließen, so wenig allerdings I aus studentisch - kameradschaftlichen wie au8 I nationalen Gründen eine derartige konfessionelle I Trennung wünschenswert erscheint.
Die drei Punkte, die einzeln und insgesamt I zu dem Konflikt der Studentenschaft mit der I Regierung geführt haben, boten der letzteren I eioentlich keinen Au laß so schroff vorzugehen, I wie sie es getan hat. Selbst die kleinen lieber» I gr ff .’, die man dem jugendlichen Eifer zugute I ballen mu\ konnten nicht als die schweren Der- I stöge mmesehen werden, als welche die Re- I gierungskommistare sie gualifizierten. Anstatt I die Verhandlungen von Anfang an in versöhn- I lichem Geiste und mit möglichstem Entgegen- I kommen zu führen, um die Gemüter zu be- I tu iigen, hat man durch ungerechtfertigte Schroff- I beit und starres Festhalten an den Paragraphen
I der Diszipl'.narbestimmungen die Erregung auf
die Spitze getrieben.
Die Debatten im Abgeordnetenhause haben das Gute gehabt, diese Tatsache unbestreitbar festzustellen. Dazu kommt ferner, daß den bei- den hier in Marburg geivesenen Kommissare» Aeußerungen in den Mund gelegt werden, dre von wenig richtiger Auffassung der Lage und von unangebrachter Geringschätzung der anderen Partei zeugten. Es soll hier nur eine üble Wir- kung dieser falschen Behandlung des Universitätsstreites angeführt werden. Der Bewegung
zu Gunsten der akademischen Freiheit, die immer noch in vollem Fluß ist, versuchten sich Kreise zu
| bemächtigen, in deren Händen man liefen Schutz
am wenigsten gern sähe. Die ganze Haltung
der politisch linksstehenden Parteien und bereit Presse ließ bereits erkennen, daß sie die ganze
Bewegung zu verbreiten und für ihre Zwecke
auszunützen versuchte!!. Es wurde auseiuanoer
gesetzt, daß eine wissenschaftliche Freiheit, btt allein de» Inbegriff der akademischen Freiheit darstelle, nicht denkbar sei ohne die vollste bürgerliche Freiheit, d. h. aus dem Demokratische» in! klare Deutsch übersetzt, daß die akademische Freiheit in Deutschland nur gewahrt werden könne, wen» die alles, nivellierenden Tendenzen der Demokratie auch in unsere Hochschtilen hineingetra- gen werde». Da sehr bedauerlicher Weiss ton Seiten der demokratischen Parteien der Versuch gemacht wird, die Hochschuliugend für ihre ideale zu gewinnen, so lag die Befürchtung - ce, daß eine Brüskierung derselben durch Regierungsorgane, diesen Tendenzen neue Nahrung geben werde. Wie berechtigt diese Auffassung der Lagt ist, zeigen z. B. die Betrachtungen öe5 dem Abgeordnete» v. Gerlach sehr nahestehenden Blattes der „Berliner Zeitung", die, als sie sah, daß für den politischen Radikalismus aus der Bewegung nichts hcrauszuschlagen war, „entrüstet" schrieb:
„Wir glauben nicht, daß »ns der Acker, über den der Pflug gegangen ist. Frucht fragen wird . . . Die Herren vom antisemitischen Verein Deutscher Studenten, vom noch antisemitischeren akademischen Turnvereine sind ihre Führe". Potentaten, deren Regierungen die SGasProsessuren und die Privatdozentengesetze machen, werden mit bombastischem Sckiwulst als Schirmherren der akademischen Freiheit antelegraphiert. eS werden in beit Versammlungen der Herren, die sich als Vorkämpfer für die akademische Freiheit gebärden, Resolutionen angenommen, von denen wir gestern erst eine Probe gerieben haben, Resolutionen, die geradezu ein Schlag ins Gesicht der akademischen Freiheit sind, lind noch nicht anderthalb Dutzend von 3000 Mann lehnen solche Resolutionen ab! Nein und dreimal Nein! Das ist nickt die akademische Freiheit, worum hier.das Geschrei erhoben wird. DaS ist weiter nichts als antisemitisch - chauvinistisch- kultirrponkerischer Qnalm, parfümiert mit allerhand schönduftendem Räucherwerk dos aber bald verfliegt. Und ehe sich nicht das Bürgertum die wahre bürgerliche Freiheit erkämpft und errungen hat, ehe es sich nicht wenigstens zum Kampf tun die bürgerliche Freiheit aufgerafft hat, darf man auch von den Sötzn"» dieses Bürgertums nicht erwarten, daß sie um * 1 * * * * * * ’.e wahr, akademische Freiheit kämpfen werden."
Die Studentenschaft möge sich diese Eha^akte- ristik ihres Kumpfes merken. Wie anders hätte sie gelautet, wenn man die Bewegung ins demokratische Fahrwasser geleitet hättet
All das hätte die Regierung bedenke» müssen ehe sie einen Feldzug begann, in dem sie jetzt den Rückzug ange' :ten hat. Im Interesse dec Autorität ist dies bedairerlich. Zu be'- großen Mehrheit der deutschen Studentenschaft kann man aber trotz des Vorgefallenen das Vertrauen haben, daß sie auch weiterhin unbeirrt '.hren nationalen Verpflichtungen treu bleiben wird und wie bisher auch in Zukunft ihre ei men Angelegenheiten mit Würde zu wahren versteht. —s«
der junge Mann rief dem Kutscher die Aorefse zu, und das Gefährt rollte über holperiges Pflaster in mäßiger Eile hin, Violetta schmiegte sich in die Ecke des Wagens und betrachtete, so weit die vorüberhuschenden Lichter ber Laternen dies zuließen, verstohlen das Gesicht ihres Gegenübers.
„Wer mag er nur sein?" dachte sie, „der u»S so hilfsbereit bei sich aufnehmen will? Er fragte nicht »ach Namen und Stand — ob rt weiß, daß wir — vom Zirkus sind? Sicher nicht, sonst würde er uns geringschätziger behandeln."
„Wohin führe» Sie uns denn eigentlich?* unterbrach Violettas Vater das mimitenlange Schweigen.
„Ah, pardon, — ich glaube, ich habe ganz vergessen, mich vorzustellen," lautete die höfliche Antwort. „Mein Name ist Eugen Mertens. Ich weiß nicht, ob Ihnen die Eisengießerei MertenS bekannt ist?"
Er schaute fragend das junge Mädchen an und als dieses verneinend den Kopf schüttelt^ fuhr er fort: „Sie sind wohl noch nicht lange hier?"
„Nein — kaum drei Wochen."
„Ah, so, — da sind Sie noch ziemlich fremd' in der Stadt?"
Offenbar hätte er gern Näheres über die Verhältnisse seiner Schutzbefohlenen erfahren,, aber Violetta schwieg beharrlich. Sie scheute sich, zu dem ernst, beinahe streng blickenden Manne von ihrem Beruf zu sprechen. Sie fürchtete, et würde verächtlich die Lippen aufwerfen, wenn es hörte, wer und was sie eigentlich war, und bal schien ihr plötzlich unerträglich. Es mußte sich eine Gelegenheit finden, bei welcher sie ihm beweisen konnte, daß sie nicht unwert war, in seur Haus aufgenommen zu werden. j
(Fortsetzung folgt) j;