@6er
Vierteljährlicher Bezugspreis^ btt oer ExpMion 2 Mk, bet allen Postämtern 2,25 M. <ejcl. Bestellgeld).
JnferttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Rcclamen: die Zeile 85 Pfg.
Marburg
Donnerstag. 23. Februar 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck Md Verlag- Joh. Slug. Koch, UnwersttätS-Buchdruckerei 40. ctö6to Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
mH dem Kteisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
SauuraaSberlaget WuKlMeß SEiaaMM .
Untersuchung sie ausländi- Zerstörungs-
Die Einbe-
Ter rusfisch-mvanische Weg.
Zur Kriexslagk
wird gemeldet: In Petersburg erhalten sich die Gerüchte über einen durchgreifenden Wechsel in den Kommandostellen der Mandschurei-Armee. Man will den bei der Truppe beliebten Kuro- patkin in schonendster Form abberufen, indem man verkündet, daß daS zweite FeldzugSjahr notwendig vcllständig neue Führer erfordere. Daher sollen auch die Chefstellen aller drei Armeen neu besetzt werden. Don die'er Maßnahme würde selbstverständlich Abstand genommen werden, falls die jetzt im Zuoe befindlichen Um«
die gesetzlichen Mittel nicht. Es mußte c tf eine zwangsweise Durchführung des Betriebszwanges größeren Wert gelegt werden, wie bisher. Dies tst tn der Novelle geschehen. Kommt der Besitzer seiner Verpflichtung nicht nach, ernennt der Staat einen Verwalter und kann das Werk später zwangsweise versteigern. Diese Maßregeln sind gerade in der heutigen Zeit sehr dringend. Weitere Zechenstillegungen müssen verhindert werden, um hauptsächlich den ansässigen Arbeitern ketneit unberechenbaren Schaden zuzufügen. Die Novelle sucht das Ziel dadurch zu erreichen, daß sie unter tunlichster Abkürzung des ganzen Ver- fahrens, jedoch unter Wahrung der berechsigten Interessen der Besitzer und der dinglich berech- ttgten Gläubiger, die baldige und erfolgrüche Zwangsversteigerung des Bergwerks herbeizu- führen fucht, den Erwerber des Bergwerks zum Betriebe des Bergwerks verpflichtet, Uneben aber sämtliche einzelnen im Verfahren borge- sehenen Maßnahmen mit Rechtswirkung gegen dritte ausstattet.
Der Entwurf der zweiteii Novelle zum Berg- gesetz, durch die die wirtschaftliche Lage der Bergarbeiter aufgebessert und allzu rigoroses Vok^ gehen der Bergwerksbesitzer gegen ihre Arbeiter bei Streitigkeiten verhindert werden soll, wird in 6er nächsten Woche im Abgeordnetenhause erwartet. Er soll mit der ersten Novelle zusammen ,m Plenum nach dem Kultnsetat behandelt werden.
Umschau.
Die Unruhen in Rußland.
Zur Ermordung des Grossfürsten Sergius.
Petersburg, 21. Februar. Der Mörder des Großfürsten Sergius hat bisher sein Inkognito nicht gelüftet. Als ihm mit Rücksicht auf seine bei Ausfiihrung des Attentats erlittene Verwun- düng der erste Verband angelegt wurde, bat er, man möge mit ihm delikat und human umgeben; er protestierte hefsig dagegen, seine Wollwäsche abzulegen, aus Furcht, daß er sich erkälten könnte. Er trug neue Wäsche mit dem Stempel eines bekannten Moskauer Wäsche-Magazins.
Das Reutersche Bureau meldet aus Peters- burg: In Zarskoje wurde das Kriegsrecht erklärt in Anbetracht der großen Anzahl von Drohbriefen, die im Palast eingegangen sind. Der Chef der Geheimpolizei erließ Instruktionen zur Ergreifung besonderer Vorsichtsmaßregeln zum Schutze der kaiserlichen Familie, da ein Attentat befürchtet wird. Nach einer Dailv-Mail-Mel- düng wurde befohlen, daß die Klitschen der Großfürsten keine Abzeichen mehr tragen sollen. Bei Haussuchungen bei verdächtigen Personen wur
den vier Bomben gesunden. Die durch Sachverständige ergab, daß scheu Ursprungs und von enormer kraft waren.
Die politische Lage ist nach wie vor noch ungeklärt.
rufung eines Semski Sobo r, einer landständi- schen Volksvertretung, die im Prinzip bereits beschlossene Sache war, wird vorläufig nterbleiben. Die Hoffnung, daß es möglich sein werde, die innere verworrene politische Lage Rußlands auf diesem Wege mit Hilfe der gesamten Bevölkenrng zu klär.'.i, muß demnach als gescheitert betrachtet werden. Die maßgebenden Kreise befürworten die schärfste Reaktion. In Moskau soll wieder
Stube, hatte etwas Abschreckendes für das in ungebundener Freiheit ausgewachsene Mädchen. Und wer würde sie nehmen ohne jede Empfehlung? Auch war sie klug genug, sich zu sagen, daß man das Unterrichten auch erle-nt habe» müsse. —--
An jedem Abend grübelte Violette darüber nach, ob sie nicht irgend einen anderen Beruf ergreifen könne. So auch heute, während ter Vater seine großen Zukunftspläne entbüllte. Leise durchschauerte es sie; denn in dem kleinen Stübchen war es nach und nach kalt geworden. Und doch empfand sie nicht die mindest- Lust, ihr Lager aufzusuchen.
. . Hastig stand sie auf und trat ans Fenster. Das Schneegestöber hatte aufgehört. Klar und hell stand die volle Mondscheibe am ^in...,el und der frisch gefallene Schnee glitzerte wie Millionen Diamanten im silbernen Glanz des. indes. Die kleinen Butzenscheiben hatten sich allmählich mit flimmernden Kristallblumen bedeckt. Violetta hauchte darüber hin, um bester hinaussehen zu können. Es war nichts zu erblicken als schneebedeckte, weißschimmernde Dächer, und weit unten ein winzig kleines Viereck, ein mit allerlei Gerümpel vollgepfropfter Hof, rings einaescklosten von hohen, grauen Mauern, so daß kein Strahl des Mondlichtes sich hinein verirren konnte.
Die zauberhaft schimmernde Schneelandschast übte einen mächtigen Reiz auf Violetta aus. Unverwandt betrachtete sie dieselbe.
„Bis der Frühling wieder in? Land kommt, wo werden wir da fern?* fragte sie, ohne den Blta tlbzuwenden. Sie merkte es nich., daß fir
tT> ■ "Kr,!rf verboten.)
Nrmlejche Brüder.
Original-Roman von Freue von Hellmuth.
' Air -trfstinfl.)
„Hast Du schon gehört," sagte der Eine davon, „daß sich Baron Steinberg in "e niedliche Kunstreiterin Nina bis über die Obr"n verliebt Hat?"
. Wie ist nur so etwas möglich!" lautete die un entrüstetem Tone gegebene Gegenrede. „Wie kann man sich in eine Kunstreiterin, überhaupt in eine Zirkusdame verlieben? Das ist eine «Lchmach für die ganze Aristokratie, für die ganze Gesellschaft!"
„Nun, nun," beruhigte der andere lachend, „ereifere. Dich nicht! Baron Steinberg will die ffeine Nina doch nicht heiraten."
. „Sprich den Gedanken doch nicht aus, er ist Wtr unerträglich," brauste der Begleiter wieder <mf, „Steinberg würde sich mit einer solchen Heirat überall unmtesich machen! Ein Mädchen vom Zirkus, bah, — es ekelt mich wahrhastiq davor.
Eine unsägliche Verachtung klang aus diesen Borten. Mehr hatte Violetta nicht gehört. In stürmischer Eile, mit hochklopfender Brust war sie zu Hause angelangt, das Herz drohte ihr zu zerspringen. Sie warf sich in leidenschaftlicher Erregung auf einen Stuhl, und krallte in wildem Schmerz die Hände in das dichte Haar.
Blitzartig ging ihr damals! bis Erkenntnis
sei, die in der sogenannten guten Gesellschaft niemals Aufnahme finden konnte.
„Und warum, — warum? Was habe ich verbrochen?" fragte sie sich stets. Weil andere ein lockeres, leichtes Leben führten, weil vielleicht manchen die Moral abhanden gekommen war, — deshalb wurden alle, die dem Zirkus angehörten, zu den Gemeinen geworfen, — alle, — ohne Ausnahme, — gleichviel, ob sie cs verdienten oder nicht! Wer gab jenen Sprechern das Recht dazu?. Gibt es gemeine, unwürdige Menschen nicht in jedem Stand und Beruf? Warum verdammte man diese nicht? Warum gerade die Mädchen vom Zirkus? Violetta fühlte es, jene Stimme würde ihr immer in den Ohren Hingen --immer.
Nach und nach legte sich freilich der grimmige Schmerz.
Dem Vater mochte Violetta nichts von dem erzählen, was ihr das Herz zerriß. Sie wußte, er würde sie doch nicht verstehen. Er hielt sich für einen großen Künstler, einen Künstler von Weltruf, während die Menschen doch nur mit Verachtung auf ihn herabblickten.
Eine Zeitlang ging Violetta mit dem Gedanken um, sich eine andere Eristenz zu schaffen, irgend einen Beruf zu ergreifen. Sie wollte sich die Achtung ihrer Mitmenschen erringen um jeden Preis!
Aber was sollte sie anfangen? Wohl hatte sie gelernt in drei Sprachen zu sprechen. Wenn sie Unterricht gäbe? Aber der Gedanke, den ganzen Tag sich mit unwissenden, Kindern herumplagen und still sitzen zu müssen ü; der dumpsur, engen
Die Berggesetznovelle gegen die Zechenstiüegung.
Der dem Abgeordnetenhause zugegangerie Gesetzentwurf, betreffend Abänderung der Para- Graphen 65, 156 bis 162, 207 a des allgemeinen perggesedes vom 24 Juni 1865/1892 und des jdritten Abschnittes des Ausführungsgesetzes zum Meichsgesetz über die Zwangsversteigerung und Die Zwangsverwaltung vom 23. September 1899 tepen wichtigste Bestimmungen wir bereits Btern gemeldet haben, wird in einer dem Eut- rfe beigegebenen Denkschrift folgendermaßen ens der Regieruna begründet:
Das allgemeine Berggesetz von 1865 verpflichtet in § 65 den Eigentümer eines Bergwerks zum Betriebe seines Werkes für den Fall, daß der Unterlassung oder Einstellung des Be- triebes überwiegende Gründe des öffentlichen Interesses entgegenstehen (Gefährdung der pffentlichen Sicherheit, Benachteiligung der allgemeinen Bedürfnisse des Konsumenten). Es ^vurde hierbei von der Voraussetzung ausge- «ngeu, daß das Prinzip der Selbständigkeit des Bergwerkseigentümers bei der Benutzung und ^Verwaltung feines Eigentums zwar die Beseitig- ßmg der bis dahin bestehenden Zwangspflicht tzum Betriebe angezeigt erscheinen lasse, daß es »der auch genüge für den Fall der Schädigung zibrrwiegend öffentlicher Interessen, den Besitzer »um Betriebe zu verpflichten. Das Bergwerks- ptgentum unterschied sich wesentlich vom zivil- Eechtlichen Sacheigentuni, es war nicht in das 58e- :ri>en des Besitzers gestellt, sein Eigentum zu benutzen oder nicht. Der vorerwähnte Grundsatz hw natürlich nur maßgebend für gewinn- ■rtngenbe Betriebe. Kam der Besitzer den Anforderungen des alten Gesetzes nickst nach, so konnte fein Eigentum versteigert oder aufgehoben Werten. Spndikate und Trusts waren da- Wals noch nicht vorhanden, und so waren die Be- stimmungen ausreichend. Der Bergbau ent- krickelte sich allmählich zu einer mächtigen Großindustrie. Es kamen Trusts, Spndikate, die nur i diejenigen Bergwerke in Betrieb nahmen, die den I größten wirtschaftlichen Nutzen versprachen, die übrigen als Reserve für die spätere Zukunft zu- pückließen. Eine besondere Erscheinung hat diese Entwickelung im Oberbergamtsbezirk Dortmund rezeitigt, wo Bergwerke von kavitflkräftigen vergwerksgesellschaften erworben wurden zu dem Zwecke, um deren Beteiligungsziffer am rheinisch- vestfälischen Kohlensyndikat aus den übrigen Vergwerksbesitz der Gesellschaft zu übertragen, I dtesen Besitz dadurch gewinnbringender zu gepalten, die erworbenen Bergwerke aber außer ivekrieb zu setzen. Diele Vorgänge haben mit I größter Schärfe erkennen lasten, daß das im geltenden Gesetze vorgesehene Verfahren zur Durch- I Mrung des im § 65 Absatz 1 enthaltenen Grundsatzes gegenüber den heute tu Betracht I Kommenden Verhältnissen völlig ungenügend sei, I hnt den öffentlichen Interessen wirksamen Schuh I ß» gewähren. DaS geltende Verfahren hatte I jgroße Mängel, es war zu zeitraubend, und des- I hakst wurde das Werk längere Zeit stillgelegt. tvaS bei der Zwangsversteigerung ein ungunsti- I «es Ergebnis erzielte. Es mußte das Gesetz geentert werden. Die Verpflichtung des Eigen- I tiimerä, in gewissen Fällen sein Werk zu betre'- I ven, ist heute nur eine theoretische. Zur zwangs- I toeifen Durchführung der Verpflichtung genügten I
etn Generalgouverneur ernannt werde-, nachdem dieser Posten eben erst eingezogen worden war. General Trepow soll seine Demission als Generalgouverneur von Petersburg abgegeben haben.
Dir Ausstandsbewegung in den Provinzea macht inzwischen weitere Fortschritte, namentsich im Kaukasus scheint es zu größeren Unruhen gekommen zu fein, wobei auch religiöse Gegensätze in Frage kommen.
Petersburg, 21. Februar. Die Unruhen in Baku dauern fort. Die gegenseitige Erbitterung steigert sich bis zum Aeußersten. Die Leute fallen auf den Straßen übereinander her. Viele wurden getötet oder verwundet. In einzelnen Stadtteilen wird geplündert. In einem Stadtteil stehen Häuser in Flammen. Die Lage der friedfertigen Einwohner ist schreckl.ch. Es herrscht allgemeine Panik. Auch in Balakhanakh sind Unruhen ausgebrochen. Die in Baku stehenden Truppen sind offensichtlich unzureichend, um die Ordnung wiederherzustellen.
Baku, 21. Februar. Seit Sonntag werden in verschiedenen Stadtteilen Armenier von bewaffneten Mohammedanern überfallen. Die Ueberfälle nahmen gestern einen bedrohlichen Umfang an. Man spricht von vielen Toten und Verwundeten. Die Bevölkerung ist in höchster Angst. Jede Tätigkeit ist eingestellt; die Banken sind heute geschlossen. Die Unruhen bürsten auf Privatrache zurückzuführen sein.
Kaluga, 21. Februar. Ein Teil der Arbeiter in den Werkstätten der Eisenbahn Sysran- Wjasma ist gestern Nachmittag nicht zur Arbeit gekommen. Die Ordnung wurde nicht gestört.
Nowo Kadomsk, 21. Februar. Hier ist ein allgemeiner Arbeiterausstand ausgebrochen. Die Arbeiter verlangen Lohnerböbuna.
Liba«, 21. Februar. Die Zahl der Ausständigen ist bis zur Hälfte der gesamten Arbeiterzahl angewachfen und beträgt zur Zeit 5500. Bisher sind feine Ruhestörungen vorgekommen.
JeknterinoSlaw, 21. Februar. Die Verkäufer der hiesigen Ladengeschäfte sind in den Ausstand getreten. Der Gouverneur fordert (ie auf, ihre Forderungen durch ihre Vereinigung mitteilen zu lassen. Die Ausständigen verlangen eine zwölf- stündige Arbeitszeit, Sonntagsruhe, bestimmte Kündigungsfrist und Einführung einer Lebensversicherung.
Moskau, 21. Februar. Die Angestellten der Moskan-Kiew-Woronesch-Eisenbahn sind heute Abend in den Ausstand getreten. Es g-hen basier aus dieser Bahn von Moskau keine Züge ab. Auch die Annahme und Auslieferung von Gütern und Gepäck ist eingestellt worden.
gehungS-Operationen zu einem für die russischen Waffen ehrenvollen Ergebniffe führen sollten.
Petersburg, 21. Febr. Ein Telegramm des Generaladjutanten Kuropatkin vom 20. Februar an den Kaiser meldet: Die Japaner setzten ihren Angriff auf Tsinkhecheng fort, wurden aber von unserer Abteilung zurückge- warfen, welche am 19. Februar Dapinduchan besetzte. Am 18. Februar verbrannte eine Kosakenpatrouille in der Nähe des Dorfes Lichagu, 10 Werft nordwestlich von Chagumm, ein feindliches Depot für Lebensrnittel, nahm zwischen Lichagu und Chagumin einen Proviant» tranSport fort und verbrannte denselben, al» sie von 3 Seiten vom Feinde eingeschloffen warh worauf sie zu unseren Truppen durch die Berge zurück kehrte.
London, 21. Febr. Wie den „Times" aus Tokio telegraphiert wird, sollen die japanischen Verluste in der Schlacht bei Heikontai, in der die Ruffen 12000 Mann an Toten und Verwundeten einbüßten, 842 Tote, darunter 82 Lsifiziere, 8014 Verwundete, einschließlich 271 Offiziere, und 500 Vermißte betragen.
Bon der Flotte.
Port Louis, 21. Febr. Die russische Flotte mit ihren Kohlenschiffen, im ganzen 70 Schiffe, befand sich am 16. Februar auf der Höhe von Nossi Be.
FrederikSha vn, 21. Febr. DaS dritte russische Geschwader ist heute nach 2 Uhr in der Skagenbucht vor Anker gegangen, um Kohle« einzunehmen. Das Geschwader besteht au» fünf Panzerschiffen, einem Hilfskreuzer, drei Transportschiffen und einem Schleppdampfer. Die dänischen Begleitschiffe, das Kanonenboot .Güldborgsund" und daS Torpedoboot „Söb- jörnen" find heute früh hier eingetroffen.
Slagen, 21. Febr. Das dritte russische Geschwader bleibt bis morgen abend in der Skagenbucht. Die dänischen Lotsen wurden heute mittag hier gelandet.
Verschiedenes.
T s ch i f u, 21. Febr. Die beiden verhafteten Chinesen sagen über die Ermordung bei beiden Marineatt achöS Frhr. v. Gilgen» heimb und be Cuverville folgendermaßen auS: Die Attaches hätten zusammen mit russischen Zivilisten eine mit fünf Chinesen bemannt« Dschunke genommen. AlS sie auf der Höh« von Liaoschan waren, hätten die Chinesen, dir daS Herannahen eines Sturmes befürchtete« darauf bestanden, in die Taubenbucht zurück» zukehren. Die Reisenden hätten jedoch versucht, sie zur Weiterfahrt zu zwingen. Daraus entspann sich ein Kampf, bei dem drei Europäer über Bord geworfen wurden. Darauf seien die fünf Chinesen, da sie nach Port Arthur zurückzukehren sich fürchteten, mit der Dschunke nach Liaotschaufu nördlich von Tschifu gefahren. Die der Mordtat schuldigen Chinesen wurden hier durch Flüchtlinge auS Port Arthur identifiziert, die seinerzeit die Dschunke für die Attache» mieteten. Die Verhaftung der andern drei i« diese Angelegenheit verwickelten Chinesen wird erwartet.
keine Antwort bekam. Der Vater war ein wenig eingenickt, und Violetta fuhr fort: Jedenfalls schon wieder weit, weit von hier, wir haben ja keine Heimat, kein Vaterland!"
Und weiter fvann ie die Gedanken. Wie eine Zigeunerin war sie schon in der Welt herumgezogen, nirgends festen Fuß fassend, immer vo« Ort zu Ort. Dann plötzlich stand sie wieder vor lern Vater, der erschrocken aus seinem Halbschlummer emporfuhr, und die Tochter mit bei» nahe blöden Blicken anstarrte.
„Weshalb ließest Du mich nicht etwas Anderes lernen?" rief sie ihm aus ihren Gedanke« heraus ganz unvermittelt zu, und die schwarze« Augen blitzten ihn an. „Warum mußte ich gerade eine Zirkusdame werden, die die Mensche« verachten zu dürfen glauben?"
Er begriff offenbar den Sinn ihrer Red« nicht, denn er lächelte schlaftrunken: „„Geduld,, mein Töchterchen, — Geduld. Philipp Gottlieb! wird zeigen, was er kam, wenn er keine Gicht mehr hat. O, du wirst staunen. — die Welt wird staunen, und Gold und Ehre, — alles, — alles ist mein!"
Violetta wandte sich unmutig ab.
„Du bist ein Phantast, Vater!" murmelte ft» halb ärgerlich. <
Der Alte war ganz munter geworden.
„Ein Phantast? O neinl Du wirst icho^ sehen Du sollst mir helfen bei meinem Pla* mein Kind." i
(Fortsetzung folgt)». 1