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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg md Kirchhain.
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Marburg Erscheint wöchmtlich siebe« mal.
Mtttwoch, 22. Februar 1905. $n"* "1 401 *rg.
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Beni statistischen
K&ne von Handwerksberufen gegenüber, I»igenden:
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Verlangen nach Gesell«
junge .Künstlerin mit
toißfürfidj an heiße, sonnendurchglühte Länder > voll »arbenvrackt und Blumeudutt an bunt.
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Bauschlosser Uhrmacher Klavierstimmer Steinmetzen Schriftsetzer Maurer
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Stellt man
nie Dagewesenes dein Publikum zeig.n könnte. Und jetzt habe ich etwas! O, der Philipp Nor- mann wird beweisen, was er kann, — die Herren Direktoren werden sich noch um mich reißen, sage ich Dir! Sine Berühmtheit unter den Clowns will ich werden! In vier Wochen äurt unser Kontrakt hier ab, und dann muß ich infolge meiner neuesten Entdeckung Engagement bei dem größten Zirkus der Welt bekommen! Ich werde viel Geld verdienen, Violetta, und dann brauchst Du auch nicht mehr zu Fuße zu gehen, — eine Equipage kaufe ich Dir, wie sie schöner nicht erigiert!" —
Violetta hatte den Vater mit keiner Silbe unterbrochen, nur ein uuoläubiger Ausdruck lag auf dem jungen, schönen Gesicht. Sie sagte auch jetzt kein Wort, als der Alte, schwer aufatmend, schwieg. Sie schien an derlei Auslassungen schon gewöhnt zu fein. Es ließ sich auch bezweifeln, ob sie überhaupt davon etwas gehört hatte, denn sie, saß jetzt, den dunkellockigen Kopf i - die auf. gestützte Hand gele. t, bewegungslos vor dem wackligen Tisch und starrte in die trübe brennende Lampe. Die schwarzen Augen glühten förmlich aus dem bleichen, bräunlichen Gesicht, das von eigentümlicher, fesselnder, fremdartiger Schönheit war.
Doch ganz plötzlich mit einem Schlage änderte sich die Freude an ihrem Berufe, ja dittelb- schlug in das Gegenteil um. Dos junge Mädchen war eines Abends nach der Vorstellung eben auf dem Heimwege begriffen, und schritt hinter zwei lebhaft plaudernden Herren, deren ziemlich laut geführte Unterhaltung ihr ungewollt i die Ohre« drang.
wohl für die Heeresverwaltung als ar# für unsere Industrie von außerord ntlicher Bedeutung sein wird und wohl verdient, in weitesten Kreisen Beachtung zu finden. „Bei der Verwendung von Massenheeren" — so heißt es in ber „Köln. Volks-Zeitung" — „wie sie in zukünftigen Kris« gen iw Europa die Wahrscheinlichkeit bilden werden, muß damit gerechnet werden, daß die Anforderungen an das Verkehrs- und Nachrichten- wesen ganz erheblich größere sein werden, als dies in früheren Feldzügen der Fall ivar. Dazu hat sich, auf Grund zahlreicher militärischer Uebungen und dank der Bestrebungen und opferfreudigen Mühewaltung der Industrie heraus- gestellt, daß als Hilfsmittel für die vorgenannten Zwecke der Kriegführung das Automobil mit die erste Stelle einnimmt und bei keiner Operation fehlen darf. Gleichzeitig ist sich aber die oberste Heeresleitung darüber klar geworden, daß weder das Kriegsleistungsgesetz noch die zur Verfügung stehenden materiellen Mittel dazu ausreichen, im Ernstfall für den HeereSbedarf diejenige hohe Zahl von Automobilen und Motorzweirädern zu beschaffen, die nach ungefährer Berechnung für die, Sicherstellung der für diese Verkehrsmittel bestimmten Dienstleistungen als erforderlich angesehen werden müssen. In diese Lücke hat das soeben begründete deutsche Automobilkorps einbegriffen, und es darf auch nach den an dieser Stelle bereits besprochenen Satzungen erwartet werden, daß die Mitglieder dieses Korps die auf sie gesetzten Hoffnungen in vollem Maße erfüllt werden. Dazu gehört freilich auch, daß auf dem einmal betretenen Wege nicht stehen geblieben, sondern durch weiteren Ausbau, durch Verbesserung und Vervollkommnung seiner Einrichfimgen und durch Lösung praktischer, vielfältiger Aufgaben mit der Zeit diejenige vollendete Organisation erreicht wird, die sich allen SB >d)f elf äffen des Krieges gewachsen zeigt. Man wird dazu gut tun,,sich die Vorbilder der bei anderen Staaten, bereits feit einiger Zeit bestehenden gleich- artigen Institutionen etwas näher aazusehen, um von ihnen das zu lernen, was sich als zweckmäßig und anwendbar bewährt hat."
schillernde Vögel, an Palmen- und Orangenhaine. Und in der Tat war Violettas Mutter von Geburt eine Spanierin gewesen, deren Schönheit und heißblütiges Temperament sich auf . ,c Tochter vererbt hatte. Violettas Mutter war als Trapezkünstlerin bei einem Wanderzirkus, der bald hier, bald dort seine Zelte aufschiägt, ange- stellt. gewesen, lernte dabei den viel älteren Draht- seilkünstler Philipp Gottlieb Norman» kennen, und bald vereinigten sich beide fürs Leben. Nor- mann. der feine schöne Frau leidenschaftlich geliebt. wußte sich^als sie kaum nach dreijähriger Ehe starb, vor Schmerz nicht zu fassen, und die Kollegen :. ußten ein, wachsames Auge auf ihn haben, um ihn vor einem unüberlegten Streich zu bewahren. Violetta ahnte damals roch nichts von alledem. Der Vater nahm das Kind allabendlich mit nach dem Zirkus: daher war es nicht,zu verwundern, daß die Kleine lchon in dem zartesten Alter lernte, am Trapez i id auf dem Drahtseit zu „arbeiten". Sie kannte nichts an- deres und war von Jugend auf daran gewöhnt, im Zirkus aufzutreten. Mit zehn Jahren hatte sie schon mehr von der Welt gesehen, als mancher sein ganzes Leben lang, denn sie war weit herum- gekommen mit dem Vater, der bald in Deutschland, bald im Ausland Engagement suchte und fand.
Jeder lieble das schöne, aufgeweckte und kluge Kind, und manche Anstellung geschah nur Vio- lettas wegen, die durch ihre unglaubliche Geschmeidigkeit, durch ihre graziösen, unnachahmlichen Produktionen und schwierigen Kunststücke das Publikum geradezu enlzückie. Zumal in den letzten Jahren, wo Normann nach und nach zu : itetf aeworden war um mit der früheren EleaanZ I
Eine ganze Weile blieb es still in dem kleinen Giebelstübchen, zu dessen bleigefaßten Fensterscheiben der Schnee von den umliegenden Dächern hereinblickte. Der Anblick des Schnees wollte so gar nicht zusaminenstimmen mit der südländischen Schönheit Violettas. Wenn man bas Mädchen betrachtete, dann dachte man un-
und Violetta hatte kein schäft.
Früher arbeitete die Lust und Liebe. Ihre
diesen Zahlen einige Amte zusammengestellte
Wangen gl'" len, ihre Augen glänzten, wenn sie hoch oben am schwebenden Trapez hing, wenn die taufen dkövfige^ staunende Menge ihr zuiubelte, sie mit Beifall überschüttete und wenn sie immer litt immer! wieder vor dm appla dierenden Zuschauern erscheinen mußte.
Stellenlosigkeit meistens viel länger als bei Arbeitern und Handwerkern.
Trotz alledem soll nicht vor dem Eintritt in ben kaufmännischen Beruf gewarnt werden. Wer Über eine gute Schulbildung und über einen strebsamen Geist verfügt, findet im Kaufmannsstande sehr oft ein gutes Fortkommen. Allerdings : ohne eine gründliche Schulbildung geht's nicht. Es soll damit nicht gesagt sein, daß der Besuch einer höheren Schule unerläßlich ist. Auch mancher Volksschüler hat es schon zu guten Stellungen gebracht. Ein Unfug ist aber, wenn Schüler. die loegen mangelnder Begabung nicht einmal die erste Klasse der Volksschule erreichen konnten, .Kaufmann werde». Aull) der Durchschnittsschüler wird lediglich die Schar der Bedauernswerten vermehren, die ihr oanzes Leben lang Gehälter von 900—12üJ Mark beziehe». Nur die besten Volksschüler, die fähig und ernstlich gewillt sind, ihre Schulbildung in den Lehr- und Gehilfenjahren zu vervollständigen, haben Aussicht, später einmal eine bessere Stellung zu erlangen.
Allerdings auch nur bann, wenn sie eine wirklich gute Lehre durchmachen. Da it sieht es aber vielfach recht schlecht aus. Schreibt doch die Handelskammer in Lüdenscheid:
„Die Nichtigkeit der Behauptung — daß viel Lehrlingszüchterei getrieben wird — wird gleich uns jede Handelskammer zugeben müssen."
Es muß somit die Hauptsorge der Eltern fein, eine Lehrstelle ausfindig zu machen, bei der die Gewähr geboten wird, daß der Lehrling auch wirklich etwas lernt. Geschäfte, die keinen Gehilfen und mehrere Lehrlinge beschäftigen, ober solche, in welchen neben 3—4 Gehilfen ebensoviel ober mehr Lehrlinge arbeit n, sind zur Fortbildung der jungen Leute durchaus ungeeignet. Ungeeignet zur Ausbildung von Lehrlingen sind selbstverständlich auch Prinzipale, die selber nicht kaufmännisch ausgebildet sind und vi leicht nicht einmal einen fehlerfreien Brief schreiben können. Auch ganz große und ganz kleine Geschäfte haben ihre Nachteile. In jenen ist die Arbeitsteilung in der Regel so weit durchgeführt, daß der Lehrling nur in einigen wenigen Ar' ten beschäftigt wird. In ganz ff einen* Geschäften fragen«"' kommen manche kaufmännische Arbeiten gar nicht oder nur selten vor.
Für die Gesundheit der im Wachstum be- I sindlichen jungen Leute ist auch eine allzusehr I _ ausgedehnte Arbeitszeit überaus nachteilig. Es I ist eine beklagenswerte Unsitte, daß die Lehr» I finge (zumal der „jüngste Stift") in der Regel I lär-'r arbeiten müssen als die Gehilfen. I
■hif alle diese und noch Ville andere 'unkte I ist in einem Normal-Lehr-Vett - Rücksicht ge- I nommen, der vom Deutschnationalen Handlungs- I gehilfen-Verbande in Hamburg (Holsteuwall 4) I ausgearbeitet und von diesem gratis -n beziehen I ist. Es kann den Eltern, die zu Ostern ihren I Sohn in die kaufmännische Lehre geben wollen, I nicht genug empfohlen werden, sich diesen Ver- I trag kommen zu lassen. Zumal die Eltern, die I im kaufmännischen Leben nicht bew .• cri sind, I werden darin ruf so manchen beberttaenswerten I Umstand aufmerksam gemacht, zweifellos zum I Heil ihrer Söhne und des ganzen kaufr ännischen I Nachwuchses. I
„arbeiten" zu können, hätte er schwerlich Engagement gefunden, wäre nicht die liebliche, jugendliche, aufblühende Tochter neben ihm gestanden, die, — das sagten sich die svekulativen Direktoren stets, — schon allein die Anstellung ttbnte.
Von ihrem Vater hakte Violetta sich niemals getrennt. Sie blieben stets zusammen und der Alte hütete seine Tochter wie ein Kleinod. Keiner durfte ihr mit einem unpcr .den Wort nahen, er wußte sie geschickt von allem fernzuhalten, was ihr kindliches Gemüt verletzen konnte. Er hatte es seinem sterbenden Weibe feierlich gelobt, aus bas Kind ein wachsames Auge zu haben und dies Gelöbnis war ihm heilig. Vater und Tochter lebten stets zurückgezogen, sie ur’ • 'elfe, keinerlei Verkehr mit den Kollegen und Kolleginnen,
400 Mark im Jahre ober »och weniger, 401—600 Mark, 601—800 Mark.
801—1000 Mark.
.Valetta, beruhige Dich nur, es soll nicht wieder Vorkommen," beschwichtigte der Vater die Aufgeregte.
»Ja, ja, das sagst Du immerI"--
„Diesmal halte ich es gewiß! Sollst mal sehen! Und wenn ich die verwünschte Gicht erst einmal wieder los habe, dann paß' auf! Die cautje Jffielt wird staunen über den neuen Tric, ben mir ausgedacht habe. Ich in nicht mn|(Ä getoeje», mein Töchterchen! Unablässig A-etife id) darüber »ach. wie ich etwas Nmes. nock
A <r>,. Abr,Ifj verboten.)
Ungleiche Brüder.
Driginal-Romaii von Irene von Hellmuth.
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„Du weißt doch, daß Dir der Arzt streng ber- Wen, hat, alkoholische Getränke zu Dir *u neh- l»en," begann sie, sich gewaltsam zur Ruhe zwingend. „Willst Du Dich denn duraaus zu Grunde richte», Vater? Soll ich ganz allein und verlaßen bleiben? Denkst Du gar nicht ein we- «iig an mich? Ich verlange ja nicht, daß Du ar- beite» zollst, ich sorge, schon für uns beide. Wenn Du mich nur iaenigstens begleiten könntest, — bcrnit id? nicht so allein zu gehen bra"chte. damit ich nicht w ichutzlos wäre! Vater, — es hat mich heute schon wieder jemand verfolgt! O. Du weißt lucht, weiche Angst ich ausgestanden Hal , — und -mterfrejsen liegst Tu hier und trinkst Brannt-
‘J*10fICV)°lftc schon. Dich von b-r unseligen Leidenichaft kuriert zu haben! Warunr schüttete ich auch das elende Getränk nicht aus bevor Du ^nnteftf"“ 2Sücr’€rt ^naus damit ruinieren
Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß das I Sergius als seinem Stellvertreter zu übergeben, mit Genehmigung des Kaisers ins Leben ge- I Davon nun wurde nichts Gutes erwartet, und rufene Deutsche freiwillige Automobilkorps so- I deswegen seien die Revolutionäre zur Tat ne»
Man schreibt uns: Was soll der Junge wer- ven? So lautet die Frage, die von den sorgenden BBern aufgeworfen wird, sobald sich die besonnen Eigenschaften und Neigunaen des Sohnes Wtennen lassen. Es ist gewiß nicht leicht, die ,10<$..?€lrt. künftigen Berufe zu beant- uwnen. Läßt sich doch der Schüler, auf desie» iWNgung es allerdings sehr m i t ankommt, nur BW zu leicht von der glänzenden Außenseite eines »erufs tauschen. Deshalb darf die Lust des Sah- »eÄ zu einem Berufe nicht e ein den Ausschlag geben. Es muß Sache der Elter» fei», die ötefgungen des Sohnes zu leiten und seine» Blick Yon dem Glanz der Außenseite ab und auf den wohren Inhalt des Berufs zu lenken.
Ostern steht vor der Tür. Die Frage nach gern künftigen Berufe wird h zahlreichen Fami- hen brennend. Da ist es am Platze einige Worte einen Beruf zu sagen, dem sich zilmal in Den Stabten t» jedem Jahre tausende von jungen Seinen zuwenden, zumal auch solche, die keine besonderen Wünsche »ach die' ober jenem Be- IMfe geäußert habe». Wir meinen ben Kauf- IBüKn§ftanö. Es ist ja menschlich erklä-lich, baß JW etanb, dessen Angehörige gut gekleidet sind »mp keine grobe körperliche Arbeit zu verrichte» ^ven, zumal auf jüngere Leute eine starke An- »ngSfraft a isübt. Wird doch durch ben an- jMtibigen Rock der Anschein einer gewissen Wohl- Mbenhelt erweckt.
[• ergibt sich schon ohne weiteres, baß breite lSchschte» ber Handlungsgehitten weit weniger Verdienen, als Handwerker. Man glaube nur’ ja nief, daß die an . ährten niedrige» Gehälter Vieler -Handlungsgehilfen nur an ganz junge Ge- Wen gezahlt würde». Es gibt zahlreiche Ge- JRfen, die n t e über derartige Gehälter hinaus- «wnen, gerade alle Handlungsgehilfe» von und 50 Jahren und mehr si' i es, denen Mch t selten die schlechtesten Gehälter bezahlt werden.
Dabei hat der Kaufmaniisstanb noch unter fi»er Geißel zu leiden, die sich wohl in keinem »"deren Berufe so fühlbar macht: die Stellen- »fififett. Bo» ben 500 000 Handlungsgehilfen, Zählen dürfte, sind in "ber Regel 18000 bis 20 000 stellenlos! Dabei Lauert bie
Wie sieht es in Wirklichkeit mit biefei Wohl- O^Se’t au§? Man lasse bie Zahlen reden:
Dos statistische Amt stellt fest, daß von 6697 ZaEurmsgehilfen im Jahre 1903 rund 1400 ®.i .jährliches Einkommen von 1000 Mark und weniger hatten. Es verdienten
48 Angestellte
Umschau.
Deutsches «ei UndeutscheS.
Wir Deutsche sind oft seltsame Leute. So strömten in Stuttgart dieser Tage Tausende | von Personen zu einer Protestversamm- klung gegen die Petersburger Mißregiernng | zusammen und sprachen ben „unterdrückten I russischen Brüdern" ihre Sympathien aus. I Zwei Tage vorher aber wies eine Versammlung, I welche gegen die Vergewaltigung der Schwa- I ben im südlichen Ungarn einberufen I wurde, nur eine Hendvoll Besucher auf. Bei I dieser Versammlung aber handelte es sich nicht I um den „erwachenden russischen Bruder im I Osten", sondern um wirkliche leibliche Brüder, I um deutsche Volksgenossen, um Glieder deS I schwäbische» Stammes, deren Voreltern vor I anderthalb Jahrhunderte» sich in Umarn eine I Heimat gründeten, mit deutschem Fleiß das I Land urbar machten. Städte und Dörfer an Stelle der sumpfigen Wüste setzten, aber in all I dieser Zeit bis auf den heutigen Tag ihre schwäbische Eigenart, ihre heimische Sprache und Sitte wahrten. Ub heute sehen sich die Nachkommen dieser Banater Schwaben zu einem Kampf für ihre Freiheit und Unabhängigkeit gezwungen, der um so furchtbarer wirb, als ihnen bet Verlust ihrer heiligsten Güter, ihrer Sprache unb ihrer nationalen Eigenart, droht. Gerade im gegenwärtigen Augenblick hat fich der nationale Größenwahn, bie Unersättlichkeit und bie Selbstsucht der Magyaren zu einer Kraftanstrengung ziFammengerafft, bie für I unsere schwäbischen Stammesgenoffen im Banat das Schlimmste befürchten läßt. In Liefern Augenblick wäre in ber schwäbischen Hauptstadt eine Sympathiekundgebung zu ihren Gunsten gewiß nicht unangebracht gewesen, denn auch in Ungarn gibt unb gab es Vorgänge, bei bene» „Schweigen nicht nur ein Armutszeugnis, sondern ein Verbrechen ist" für ein Kulturvolk,
unb wieviel mehr für bie eigenen Stammes- I »ie UnrnSen k« Wiifefnnh genossen! Aber bie Schwaben im Banat er- Wnr“’eB in ««felnnb.
hielten in Stuttgart kein Zeichen ber Sympathie. I 3« Ermordung des Großfürsten Sergius Nur einige Tuhenbe von Personen versammelten I wird bem „L.-A." aus St. Petersburg gemeldet! sich unb lauschten mit bewegtem Herzen bem I Wie Großfürst Sergius, sollen auch noch anbert
Redner, welcher bie magyarische VerfolgungS- I Mitglieber bc8 Zarenhauses in ben letzten
sucht schon in jeder Weise am eigenen Leib er- I Tagen zahlreiche Drohbriefe erhalten haben, fahren hatte. Wann werden wir endlich aus- I Eine unbeschreibliche Unruhe hat sich ber ganzen hören, nicht nur international, fonbern auch I Bevölkerung bemächtigt. Wer Halbwegs in der
gut national zu benfen unb zu empfinden? I Lage ist, kehrt jetzt Rußland ben Rücken, um
Haben wir denn von unserem Bismarck gar | im Auslände bie weitere Entwickelung bei nichts gelernt? Freilich, bie .deutschen" Demo- I Dinge abzuwarten. Der Handel stockt voll« traten, die in Stuttgart und in ben anderen | ständig. Zur Erklärung für bie gewaltsame Städten die Versammlungen zugunsten der I Beseitigung des Großfürsten Sergius wird hier
russischen Revolutionäre veranstalteten, kümmern I ein Gerücht verbreitet, das wohl Erwähnung
sich um wirklich nationale Fragen nicht. Wie I verdient. Danach fühle sich der Zar furchtbar
sollten sie auch! I müde und abgespannt. Er habe beabsichtigt,
I fich für einige Zeit zur Erholung von PeterS- Das deutsche freiwillige Autorno» I bürg zu entfernen und die Regierungsgeschäfte
bilkorps. I während feiner Abwesenheit dem Großfürsten