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Zweites Blatt
Nsmarck als Gesandter in Paris.
Zn einem großen Werke „Bismarck et son ’itinps" will Paul Matter von französischer Seite aus ein Bild des genialen Mannes entwerfen, der. Frankreichs größter Feind gew.sen tmfc dessen.Größe doch auch seine Feinde aner- L»nen muffen. In der „Revue Bleue" ver- Kjentlicht er schon jetzt einen Abschnitt des DncheS, in dem er die Zeit der Bismarckschen Ge- jstndtschaft in Paris (1862) behandelt. Obwohl nun der Franzose eine nach den Quellen ge- flriekete objektive Darstellung bieten will, so flt eS doch interessant, zu sehen, wie er die Kon- Waste zwischen dem größten Deutschen und dem fremden Milieu besonders fein herausarbeitet. Aismarck schied, als er am 22. Mai zum Ge- fanMen in Paris ernannt wurde, gern aus Berlin, wo er, in unglückliche parlamentarische Intriguen verwickelt, sich nicht behaglich fühlte. Zunöchst war es seinem tatkräftigen Wesen ein Rergnügen, auf fremdem Boden und in fremdem Stinte Fuß zu fassen und alle Schwierigkeiten zu, überwinden. Er machte bei dem Kaiser und bei den, hohen Staatsmännern Besuche und kam bald mit all den anderen Akteuren in jenem großen Drama in Berührrmg, das sich in wenigen Jahren abspielen und dessen Held er sein sollte. Napoleon III. gegenüber kam er sich vor wie „Joseph vor der Frau des Potivhar", wie er in einem Briefe an Bernstorfs meint: „Der Kaiser wollte durchaus, besonders bei einer Unterredung im Park, von Fontainebleau, ein Bündnis mit dem König von Preußen schließen. Diesen Vor- Mng durste Bismarck aus diplomatischer Höf- lichtest nicht ohne weiteres ablehnen; annehmen aber konnte er ihn noch weniger, „da er dann dem jeder Annäherung an Frankreich abgeneigten KissenKönig Wilhelms zuwider gehandelt hätte". „Lange streiften die beiden durch den Park res Hüten Königs Heinrich und des großen Napoleon: der eine, mit dem fahrigen, versonnenen Mick in die Ferne schweifend, mit dem schwachen und schwankenden Wollen, gab sich in langen Neben seinen Träuniere'en hin; der andere, das Auge fest und durchdringend geradeaus gerichtet, «wrschütterlich in seinem Denken und eisenfest in feinem Wollen, schwieg und verhielt sich re- fenstert, während er jede Blöße des Gegners genau bemerkte. Noch manchmal haben die bei- den in ihrer späteren Laufbahn solch einen Spaziergang gemacht, bis 'n jenem Taae, da der Kaiser, iniide und matt, in einem alten Wc^en auf einem Strohbündel saß zu Donch^ry". Auch mit einem anderen seiner spateren Gegenspieler traf Bismarck bald in Beziehung. „Im Ver- ferste seiner Besuche begegnete er auch einem kleinen, lebhaften und beweglichen Greis, M. Tbiers. Die beiden sahen sich nicht zum er'ten Male. Schon 1843 war der junge Krautjunker dem Führer der Opposition vorgestellt worden. Er Ifeffc ihn auf feinen späteren Reisen wiederge- fehen, und die Lull wandelte ihn an, mit diesem hinreißenden Plauderer sich wieder zu unterhalten. Aber der alte Minister Louis Philipps befühle keine offiziellen Gesellschaften mehr und die fremden Gesandten wagten sich nicht mehr nach feinem Haus auf dem St. Georgs-Platz. llis- marck kümmerte sich um keine gesellschaftlichen und politschen Vorurteile und eines Abends betrat er zur allgemeinen Iteberraschung en Salon van Tbiers. Nach den späteren Erzählungen des geistreichen Franzosen soll hier Bismarck viel von her zukünftigen Politik , Deutschlands enthüllt haben. Ja, in einer weiteren Unterredung soll er sogar Tbiers den Vorschlag gemacht haben, er werde ihn mit dem Kaiser wieder aussöhnen und sie wollten gemeinsam die Verhältnisse Europas ordnen. Eines Tages freilich mußten sie beide zusammen daran arbeiten, zmn großen Schmerz des patriotischen Franzosen". Allmählich begann sich Bismarck in Paris recht unbehaglich zu fühlen. „Er hatte wenig zu tun, lehfe wie ein Jung- stelle einsam in dem großen Palast, der des Abends immer völlig verlassen war, denn die Sekretäre und Attaches der Gesandschast flogen aus, nm sich als junge Leute zu amüsieren, doch er als „ein braver deutscher Familienvater" fand memandem, mit dem er hätte verkehren mögen. Tr speiste im Restaurant wie einHagestolz, manch-
mit durchreisenden Fremden, mit Russen, mü SSenft, mit dem er in „Petit Moulin Rouge" <ber-,!?1’0f war und dann höchst ernsthaft über •w £ettriehen Verhältnisse sprach; er verbrachte ferne Abende im Bois ,fn Saint-Germain. Er «kchwnd es bitter, seine Frau, seinen .<>a""mlt feine Kinder entbehren zu müssen, besonders sein Pferd, das ihm einige Zerstreuung gewährt hätte und von dem er in Briefen häufig spricht." Um och-u zerstreuen, fuhr er nach London, besuchte Et schnell die große Ausstellung und amüsierte sich dornst, „die schönen Pferde und die hübschen SefWer zu betrachten. Er hatte bei einem Diner auf ter russischen Gesandtschaft eine lange
Unterredung mit dem Führer der Opposition, Disraeli, dem er von seinen Plänen e-zählte. Er wollte, wenn er nach Deutschland zurückkehre, die Armee reorganisieren „mit ober ohne Hilfe der Kammer,,. Nach dem Bericht des 1 -chsischen Gesandten Vitzthum von Eckstädt soll er dann fortgefahren sein: „Wenn die Armee stark genug sein wird, dann werde ich die erste Gelegenheit ergreifen, um den Krieg an Oesterreich zu erklären, den deutschen Bundesstaat aufzulösen, die mittleren und kleineren Staaten zu unterwerfen und Deutschland eine nationale Einigkeit unter der Führung Preußens zu geben." Als Disraeli, ein wenig erstaunt und verwirrt, Vitzthum von Eckstädt diese Neuerungen erzählte, sagte er hinzu: „Nehmen Sie sich vor dem Manne in Acht; der will das, was er da sagt, wirklich ausführen." Bei seiner Rückkehr nach Par'? femb Bismarck die alte Langeweile wieder vor. Die Oete der von der sommerlichen Hitze geplanten Großstadt, eine H ine Indigestion, der in feinem Toilettenzimmer herrschende Schwamm, die Enge seiner Treppe, kurz alles bot ihm Anlaß zu Aerger und Beschwerden. „Aber," so fügt der Franzose hinzu, „das waren nur Vorwände; des, was ihn unruhig machte, war nur die ein- ^rage: „Werde ich zur Macht gelangen und wann und wie?"
Die Bedeutung der schweren Schiffs- Artillerie.
Bei der Belagerung von Port Arthur hat es sich herausgestellt, daß die Japaner erst dann entscheidende Fortschritte in dem Niederkämpfen ter russischen Festungsartillerie machten, als sie Geschütze schwersten Kalibers wirken ließen. Aeßn- lich wird es sich auch bei den Kämvfene zur See Verhalten. Und wenn in Deutschland bis vor kurzem das Hauptgewicht auf die sogenannte mittlere Artillerie bei unseren Linienschiffen gelegt worden ist, so läßt sich dieser Standpunkt fernerhin nicht mehr festhalten, ohne unsere Schiffe in Seekämpfen von Hause aus in eine artilleristisch ungünstige Lage zu bringen gegen- über Kriegsschiffen anderer Nationen, welche die uns fehlenden Geschütze schwersten Kalibers aufweisen.
So finden wir auf den englischen, nordameri- kanischen, japanischen, französischen, italienischen und russischen Linienschiffen — auch auf den älteren — überall Kanonen von 30,5 Zentimeter Kaliber, während sogar noch unsere Wittelsbach- Klasse nur 24 Zentimeter-Kanonen besitzt und erst die neuesten Linienschiffe vom Typ „Preußen" erhalten solche von 28 Zentimeter Kaliber. Deshalb konnte auch der erste Lord der englischen Admiralität, Earl of Selborne, in der Oherhans- sitzung vom 8. August ganz trocken erklären, daß die Ueberlegenheit der englischen Schiffsartillerie gegenüber der deutschen eine erhebliche sei. Er wies darauf hin. daß es in der ganzen deutschen Flotte kein Geschütz von mehr als 9,4 Zoll Kaliber gäbe, während die englische heimische Flotte lOzöllige, zwölfzöllige und 13s^zölllge Geschütze führe.
Welchen gewaltigen Zuwachs von Wirkung aber z. B. nur der Unterschied von roenmen Zentimetern Kaliber ausmacht, möge aus sollenden Zahlen hervorgehen. Bei der Gesamtleistunas- fähigkeit eines Schiffsgeschützes nach Traaweite und Geschoßwirkung kommt in erster Linie die sogenannte totale lebende Kraft des Geschosses an der Mündung des Geschützes in Betracht. Dieselbe beträgt bei dem deutschen 24 .Zentimeter- Geschütz 5000 Meter-Tonnen, dagegen bei dein 28 Zentimeter-Geschütz genau das Doppelte 10 000 Meter-Tonnen, bei dem 30,5 Zentimeter- Geschütz der englischen Marine 13 780 Meter- Tonnen und bei demselben Gstchütz der französischen Marine sogar 14 000 Meter-Tonnen.
Daß natürlich hiermit auch die Durchschlags- fähigkeit der Geschosse wächst, liegt auf der Hand, und deshalb ist es auch ungefähr richtig, wenn die englische Zeitung „Daily Mail" vor einiger Zeit folgendes Bild hrachte: Ein englisches schweres Schiffsqeschiih und das schwerste deutsche Schiffsgeschütz feuern auf zwei Seemeilen Entfernung gegen dieselbe Panzerplatte. Das eng- lische Geschoß durchschlägt die Platte glatt, während das deutsche Geschoß in dec Platte stecken bleibt.
Ebenso beziffert der Kaiserliche Marine-Oberbaurat Kretschmer in feiner Aufsehen erregenden Abhandlung „Gefechtswert von Kriegsschiffen" den Gesamtwert der Schiffsartillerie auf der „Braunschweig" nach ihrer Leistungsfähigkeit mit der Zahl 35,63, während das nordamerikanische Linienschiff „Louisiana" die Zahl 49,9 erhält. DaS ist ein recht großer Unterschied. Und Unter- schiede in der Artilleriewirkung lassen sich beim j besten Willen bei einem Kampfe nicht ausgleichen, in welchem die brutale Macht dec Zerstörungsfähigkeit eine so große Rolle spielt. Nach derselben Au fmachlmg liegt aber die Ursache der. artilleristischen Unterlegenheit der „Braun, schweig" darin, daß die „Louisiana" ihr <m schwH
rer und Zwischenartillerie — welch letztere bei unseren Linienschiffen überhaupt fehlt — erheblich überlegen ist. Dort erhalt der Wert der schweren Artillerie des amerikanischen Linienschiffes die Ziffer 25,15, des deutschen Linienschiffes dagegen nur die Ziffer 19. Ferner kommt bei ersterem die Zwischenartillerie mit 10,19 hinzu, und wenn auch die mittlere Artillerie bei unS die Ziffer 15,47 gegenüber 11,12 bet den Amerikaner erhält, so genügt das eben noch lange nicht, um unsere große Unterlegenheit an schwerer und Zwischenarttllerie auszugleichen. Diese im Auslande Wohl bekannten Tatsachen müssen klipp und klar denjenigen Flottengegnern gegenüber angeführt werden, welche dem deutschen Volk wegen Mangel an stichhaltigen Gründen '»egen die vom Deutschen Flotten-Verein verlangte Revision des Flottengesetzes weis machen »ollen, wir hätten allerdings eine an Schiffszahl schwache Flotte, aber dagegen sei dieselbe „sonst" den anderen Flotten überlegen. Im Gegenteil: Deutschland braucht nicht nur mehr Schiffe, sonder« auch stärkere Schiffe!!!
Marbnris und Umgegend.
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Martznra. 14. Februar.
* Die Biegenstraße. Die Biegenstraße hat ihren Namen bekommen von der Feldlage, durch die sie stihrt, d. 6. das Feld am Biegen. So steht es wahrscheinlich geschrieben in der Flurkarte. Was aber in der Karte steht, ist bekanntlich vielfach nicht ganz richtig. Die richtige Bezeichnung ist oft unverständiger Weise in das sogenannte Hoch- oder Schristdeutsche übersetzt. Die Gegend heißt richtig die „Biche", und so beißt sie, weil da „gebicht" wurde. Was „bichen" ist, das werden heutzutage nur Wenige noch wissen. Deshalb will ich es erklären. In früheren Zeiten bis gegen 1850 wurde noch nicht mit Soda ober gar mit Bleichsoda, d. i. mit Ehlor,zusah gewaschen, sondern mit Aschenlauae. Kohlen wurden damals nicht gebrannt. Es wurde mit Holz geheizt, vornehmlich mit Buchenholz. Dafür hatte Jeder Holzasche und daraus bereitete man die Lauge. In einen grauen Korb wurde etwas Holz gelegt, darüber ein Leintuch. Hierauf wurde Holzasche gefüllt. Der so bcr"''"fe Korb wurde dann über einen Zuber gestellt, auf den zwei Stangen ober schmale Bretter gefegt waren, unb dann wurde auf die Asche Wasser gegossen, das die Asche auslaugte und unten langsam durchtrovste, ähnlich wie man Kaffee durch einen Deutel filtriert. Die so gewonnene Lai'-ie wurde dem Wasser beiaemischt, in dem die W'ftche gewa'chen wurde. Dies Filtrieren der Lauge nannte man „bichen". Das Bichen und auch da? Waschen wurde von vielen Leuten auf der Bleiche vorgenommen, die aber damals nicht Bleiche hieß, sondern „Biche". Die Leute ginnen mit ihrer Wäsche auf die Piche. Wer „Bleiche" gesagt hätte, wäre gar nickt verstanden worden. Man fragte einander, "bei wein dicht ihr denn?" Für die Erlaubnis nämlich, dorten zu bichen, mußte man den Be» sstwrn der Biche etwas bezahlen. Es waren drei Besitzer. Der Name von einem ist mir entfallen. Die beiden anderen hießen Keuscher und Ochs. So sollted nun die neue Straße eigentlich Bi-chen- siraße beißen ode, gar nach bester „Am Bichen". Es ist überhaupt zu bedauern, daß bi? guten alten Namen verschwinden ober mobernifi.'rt werden, was eigentlich in einer Universitätsstadt, in der die Sprachwissenschaft die Valks- sprache höher einschätzt als das „Hochdeutsche", nicht geschehen sollte. Wenn der „Grüw" wieder am „Grien" hieße und der Pilorimstem wieder „Bilchenstein", das wäre auch schöner. „Bilche" heißt „Welle". Ein Lahnarm soll früher bis dahin gegangen fein. Die sogenannte „Bildung" hat überhaupt viel verballhornt und ist noch manchmal stolz darauf. „Amoeneburg", die „liebliche", klingt viel gebildeter als „Omene- burg", die Burg über der Ohm. Ich habe sogar eine Dame gekannt, der war „der lichte Küvvel" viel zu ordinär, und sie sagte „der kahle Gipfel". Freilich hat sie damit keine Schule gemacht. Daß alte Namen wie die beiden „Drecklöcher" und 'das „Schindersgäßchen" verschwinden, bas mag im Interesse der Anwohner hingehen. Andere originelle Namen wie z. B. den „scheppen Ungewiß" fiir das Gäßchen zwischen 'Wettergaste unb bem Weg über den Markt könnte man konservieren. Alte Marburgerin.
* Für Zivilanwärter und Zivilonwärterbe- amte. Man schreibt uns: In dieser ernsten Zeit, wo durch bevorstehende Veränderungen in der Zivilversorgung, in den Pensionsverhältnisten und in der Hinterbliebenenversorgung der Beamten wichtige Ereignisse im Leben der Be- amtenschgft vorbereitet, und wo die ans dem Zivllstande hervorgehenden und hervorgegangenen Sfeamien. immerinehr in ihrer Existenz bedroht werden, ist es mehr denn je nottoenbig, daß sich cüc Zivilanwärter, dem Beispiele der Dcstftör-
anwärter folgend, zusammenschließen, nm dn gegebenen Augenblick ihre Interessen wirksam vev- frden zu können. Leicht erreichbar ist dieses für jeden Zivilanwärter durch den Anschluß an bett Verband der Zivilanwater des Deutschen Reichel (Sih: Hannover), welcher seit 1901 besteht. Er zählt z. Zt. 50 Vereine mit annähernd 4000 Mitgliedern und 150 Einzelmitglieder auS allen Beamtenklasten im Reichs-, Staats- und Kommunaldienst. Nähere? über Zweck und Ziele dieses Verbandes ergeben seine Werbeschriften und seine zweimal monatlich erscheinende Verbandszeitschrift. Alle diese Schriften werden auf Wunsch jedem Zivilanwärter kostenfrei zugesandt durch den 2. Verbandsschriftsfiihrer, Regierungssekretär Schade in Hildesheim, Roonstroße 20, IL
* (Siner her xrößten jemals beobachtete» Soanenslecke» ist von den nächsten Tagen an mit geeignet bewaffnetem Auge wahrzunehmen. Er ist 100 000 Kilometer lang unb 76 000 Kilometer breit, hat also eine Oberfläche von 13 Millionen Quadratkilometern. Seine größte Ausdehnung zeigt er im Monat August, und man darf gespannt sein, ob er einen bemerkbare« Einfluß auf das Wetter ausüben wird.
* Wichtig für den Schwrinrhaudel. In einem Rechtsstreit ist von der höchsten juristischen Instanz des Reiches rechtskräftig entschieden worden, daß der Landwirt, welcher dem Schweinehandler Ferkel verkauft, auch wenn em bestimmter Tag für die Abnahme vereinbart ist unb der Schweinehändler die Abnahme unterläßt, di» Schwein« nicht verkaufen darf, sondern nur Anspruch auf Futtergeld und sonstigen Schaden t>at. Man behalte sich also das Recht zum Weiterverkauf ausdrücklich vor.
Hessen-Nassau und NachLargebiete.
Cafskl, 13. Febr. Die Firma Henschel «. Sohn bat au8 Anlaß der Fertigstellung der 7000. Lokomotive wiederum erhebliche Zuwendungen für ihre Angestellten und Arbeiter beschloffen, und zwar werden der Beamten» Pensions-Witwen- und Waisenkasse 100 000 IRL überwiesen, während die Arbeiter Grnt sikotionen im Gesamtbeträge von rund 50000 Mk. er» halten, deren Höhe sich nach der Jahre richtet, welche sie bei der Firma beschäftigt sind.
Nirder-Ofletden, 13. Febr. Der Ortsarmenverband Marburg war gegen die Ge- meinde-Krankenkrsie Nieder O leiden auf Ersatz von Krankenhaus - Kosten für den Schreiner- gehilsen W. Pfe ffer von Kroß-Braschen klagbar gewv'den. Pfeiffer, der mit einem chroni- fchen Leiden behaftet ist, kam am 16. Dezember 1903 in Nieder-Ofleiden an und suchte bei einem Schreinermeifter Arbeit. Seine Krankheit zwang ihn jedoch alsbald, die Arbeit anSzu- setzen, und begab sich bereits nach vier Tagen ins Krankenhaus zu Marburg. Der Meister meldete ihn, da er krank war, nicht zur Gemeindekrankenkaffe an und gab ihm bei seinem Weggang, in der Annahme, daß er später wieder zu ihm zurückkehre, ein Geldgeschenk, keinen Lohn. Durch die Verpflegung in dem Marburger Krankenhaufe sind Kosten entstanden, die der OrtSarmenverband Marburg von der Gemeindekrankenkaffe Nieder - Öftesten ersetzt verlanote, mit der Begründung, baß Pfeiffer in Nieder Ofleiden in einem versicherungspflichtigen ArbeitsoerhältniS gestanden habe. Die Beklagte bestritt dies, indem sie behauptete, daß Pf. bereits krank und arbeitsunfähig nach Nieder» Ofteiden gekommen, deshalb auch nickt ver» sicherungspflichtig gewesen sei, sie also für die Kosttn seiner Krankheit nicht aufzukommen habe. Der Prov nzial Ausschuß kam in feiner heutigen Sitzung zu der Überzeugung, daß Pfeiffer ein versicherungspflichtiges ArbeitsverhältniS in Nieder Ofleiden nicht eingegangen sei, auch nicht habe eingehen können, da er arbeitsunfähig war. Tie Klage deS Ortsarmenverbands Marburg wurde deshalb kostensällig abgewiesen.
(.Gieß. Anz.")
Siege«, 13. Febr. Dem wegen Vernichtung einer großen Anzahl Obstbäume auf der Chauffee von Hützemert nach Wegringhausen verhafteten Clem.ns von Hützemert nach Wegeringhaufen ist eS vorgestern gelungen, aus dem hiesigen GerichtsgefängniS zu entweichen, ohne daß man seiner bi8 jetzt wieder hätte habhaft werden können.
Vermischtes.
Verschüttete Bergleute. Vergangenen Freitag nachmittag wurden beim Herunterholen losen tStfrftw ün Tagbau des Ramrneläberger Bergwerkes bei Goslar durch Sprengung zwei Bergleute rerichiftfet und getötet.