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Erstes Blatt
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„Ich wußte es", flüsterte Gisela, „daß er ner ehrlosen Handlung fähig war." »
Erscheint wöchentlich Ftebat mal.
Druck und Verlag' Job. Ang. Koch, llmverptäts-Buchdruckerei 40.
Marburg, Markt 2L — Telephon 55. M
besessen," sprach Shirt von Usedom stände nicht hier."
Austnerksam blickte Gisela auf.
„Was wollen Sie damit sagen, Usedom?"
nal keinen Vorteil haben. (Zurufe: Nachteilei) Und nun die Streifs. Die sozialpolitische Gr- sctzgebung hat den Arbeitern wesentliche Vorteile gebracht und der Mittelstand mußte die Lasten tragen. Dann Kommen aus Berlin die Ketzer und wiegeln die bis dahin zufriedenen Arbeiter auf. । (Sehr richtig!) Durch die großen Streik gehen dem Nationalvermögen Millionen verloren. Aber der Bergarbeiterstreif lag im Interesse der Ar- beiterfiihrer. Sie haben die Leute jahrelang aufgewiegelt, und dann wurden sie iie Geister, die sie riefen, nicht wieder los. (Sehr wahr!) Dabei wird für die Arbeiter durch den Streik im Nuhrrevier absolut nichts erreicht. Schlimm ge- nug, daß die Regierung obendrein mtt den Sozialdemokraten liebäugelt! (Lebh. Zustimmung). Der Mittelstand hat den Schaden davon! (Sehr wahr!) Um so notwendiger ist unser Zusammenschluß., Die Regierung muß endlich merken, daß wir ein Faktor sind, mit dem auch sie zu rechnen hat. (Beifall.) Die Handwerferfreundlichkeit der Liberalen ist lediglich unlauterer Wettbewerb. (Sehr richtig!) Herr Jakobskötter hat in der konservativen Partei einen üblen Einfluß ausgeübt. (Lebh. Zussimmung). Aber dieser Einfluß ist jetzt beseitigt. Treten Sie bei Wahlen geschlossen für die rechtsstehenden Wahlen ein und drängen sie überall die Mittelstandsfrage in den Vordergrund. Für Handwerk und Landwirtschaft, das muß unsere Losung sein. Es ist ein Irrtum, daß der Landwirt ber‘ Feind des Städters sei: auch der Landwirt ist ein wcrteschaffender Mann, der im Schweiße des Angesichts arbeitet. Lassen Sie uns einig und energisch arbeiten und der Sieg wird unser sein. (Lebh. Beifall).
In der Diskussion betont Abg. Werner, daß auch er der Handwerkerorqanisation sympathisch gegenübersteht. In der Kanalvorlage wird das j dicke Ende nachkommen: die Regierung wird später die Fortsetzung bis Magdeburg verlangen. «Lehr richtig!) Der Bergarbeiterstreif zeigt wieder einmal die Bnitalität des Großkapitals. Warenhäuser und Konsumvereine sind schwere Schädiger des Mittelstandes, die auch durch die Gesetzgebung angefaßt werden müssen. Die vom Reichskanzler angekündigte Heimatspolitik muß in erster Linie der Erhaltung des Mittelstandes dienen. Die Reichstagskandidaten müssen nicht I nur Worte, sondern auch Taten fijr den Mittel- stand übrig haben und müssen ständige Fühlung- I nähme mit dem Mittelstände unterhalten. Die I Erhaltung des Mittelstandes ist das beste Gegen- I wittel gegen dieSozialdemokratie. (Sehr richtig!) I Gott erhalte den Mittelstand in Stadt und Land. I (Lebh. Beifall.) I
Nunmehr begründet Obermeister Rahardt- I Berlin einen Antrag auf Verschmelzung des I Bundes der Handwerker mit der deutschen' Mit- I telstandsvereinigung. Es ist zweckmäßig, den I letzt bestehenden Dualismus zu beseitigen und I deshalb empfiehlt Ihnen der Ausschuß Annahme I »ec beantragten Verschmelzung. Dann werden I sick die Ortsgruppen schnell vermehren und ver- I größern. tBeifall). |
Voigt-Friedenau teilt noch mit, daß in der I Mittelstandsvereinigung die einzelnen Berufs- I stunde besonders organisiert sein sollen. Der I
ginnen können, der Wahlkreis wäre unser gewesen. (Sehr tvahr!) Das nächste Mal ist er unser. Nun sagt man von der „Kreuzzeitung" bis zur freisinnigen „Berliner Morgenpost", wir tragen Verwirrung ins Volk. Wird aber der Mittelstand selbständiger und untersttitzt die । rückgratfesten Abgeordneten, dann wird dem gan
zen Volke geholfen. (Sehr richtig!) Mit allge- meinen Redensarten lassen wir uns freilich nicht abspeisen und auch das Recht der.Kritik an den bestehenden Parteien lassen wir uns nicht neh- men. Was soll man dazu sagen, daß die Natio- nalliberalen im Reichstage gegen ihren eigenen Antrag betr. die Bauhandwerkerforderungen stimmten. (Heiterkeit.) Die konservative Partei scheint in wirtschaftlichen Fragen zerissen zu fein; mir müssen auch hier jeden einzelnen Mann auf seine Zuverlässigkeit prüfen. Auch das Zentrum hat in seinem Programm gute Forderungen für dus Handwerk. Leider drängt es konfessionelle Fragen auf Kosten der wirtschaftlichen in den Vordergrund. Hingegen haben sich die antise- mitischen Parteien im allgemeinen rückgratfest gezeigt. Der Mittelstand soll den Einfluß be- halten, den er zu unserer Väter Zeiten besaß. Wir wollen nicht, daß das Großkapital zum Kerrn der Produzenten und Konsumente'i werde. (Sehr wahr) Wir kämpfen weiter für die Parole „Für deutsche Arbeit!" auf daß deutsche Art und deutsches Wesen erhalten bleibe. (Lebh. Beifall.)
Darauf verbreitet sich stellvertretender Bundes- Vorsitzender, Reichstagsabgeordneter Pauli-Pots- tent über die „heutige wirtschaftliche Lage". Drei Hauptfragen beschäftigen heute bas gesamte Volk. Handelsverträge, Kanal und Streiks. Noch immer, wird von gewisser Seite das Brotwncher- g"schrei betrieben, obwohl nachgerade jedes Kind weiß, daß die Höhe der Zölle aus die Lebensmittelpreise direkten und ausschlaggebenden Einfluß nicht „hat. Ist etwa unter den Caprivi'schen Verträgen die Lebenshaltung besser aeworden? Haben wir etwa kein Interesse an der Erhaltung der Landwirtschaft, die doch zum Mitt-Mand ge- hort? (Sehr richtig!) Da zetert der Handels- vertragsperein gegen den Bund der Landwirte, der nur für bie eiaene Tasche wirtschafte. Wer aber denkt so Piel an das eigene Portemouaie I tote gerade der Handelsvertragsperein? (Sehr I wahr!) Was soll aus der Landwirtschaft werden, I toenn dieses wichtige Gewerbe nickt mehr ren- I kabel ist? Dann würde das industrielle Prole- I toriat erhöht werden, und der Arbeiter hätte I Zwar billiges Brot, aber auck niedrige Löhne. I (Lebh. Zustimmung.) Die Entwickelin g der I englischen Landwirtschaft ist wahrlich eine ein- I dringliche Warnung. Brotwucker treiben nur I diejenigen, die auf dem Wege des Zwischenhan- I tet§ die Getreidepreise in die Höhe treiben niöch- I ken. (Lebh. Zustimmung.) Gewiß, auch in den I neuen Handelsverträgen ist mancherlei zu tadeln, I aber sie haben sich doch von den Caprivi'scheil I Bahnen abgewandt und werden auch den in- I dusiriellen Interessen hinlänglich gerecht. Auch I bte Kanalvorlage hatte erbitterte Erörterungen I hervorgernfen. Schlepvmonopol und Schiffahrts- I abgaben waren scheinbar für die Linke bittere I Pillen. Der Mittelstand wird natürlich vom Ka- I
Bund der Handwerker.
Generalversammlung vom 12. Februar 1905.
•1* Berlin, Concordia-Säle.
Bei gutem Besuch und in Anwesenheit einiger meickstagsabgeordneter wird die Versammlung dr^rck den Bundesvorsitzenden Buchdruckereibe- sitzer Horn-Berlin eröffnet. Redner weist auf die Hobe Bedeutung der Versammlung für den ge- Ernten Mittelstand hin und heißt alle Erschiene- neu herzlich willkommen. In das Hoch auf S:. Majestät den Kaiser stiinmt die Versammlung be- »en'tert ein. Den Geschäftsbericht erstattet der gkschäftsführende Vorsitzende Voigt-Friedenau: Als unsere Bewegung einsehte, prophezeihte man es, unsere Bewegung werde im Sande verlaufender Mittelstand, insbesondere das Handwerk, könne nicht selbständig vorgehen. Auch wir wußten, daß uns ein schweres Stück Arbeit be- verstehe. Aber wir haben erlebt, daß der Geist im Handwerk ein anderer wurde. So wird und mutz es gelingen, dem Handwerk einen machtvollen Einfluß auf die Gesetzgebung zu verschal- ■ft»- Wie eifrig wir zu tun hatten, zeigt die Tatsache, daß 1760 Eingängen 8073 Ausgänge gegenüberstanden. In 3 Monaten wurden 243 öffentliche Versammlimgen abgehalten, denen die Gründung einer ganzen Reihe von Ortsgruppen folgte. Besonders erfreulich ist der Erfolg in Altenburg, wo bereits über 100 Ortsgruppen bestehen und wo bei der Reichstagsersatzwähl dank unserer eifrigen Agitation der Sozialdemokrat »us dem Felde geschlagen wurde. (Beifall.) Auch in Pommern und Brandenburg sind nicht unbeträchtliche Erfolge zu verzeichnen. Freilich wolle man niest, alles Heil vom Bundesvorstand er- ,warten; wären wir organisiert und gestellt wie der Bund der Landwirte, dann könnten wir u>ohl allen Anforderungen hinsichtlich öffentlicher Versammlungen gerecht werden. Bei der Reichstagswahl Frankfurt-Lebus tvollte man den Mit- I telstand überrumpeln (sehr wahr!). Der amtliche Apparat arbeitete mit Hochdruck für den Nationalliberalen Bassermaiin. Die politische Vergangenheit Basiermanns, namentlich f 'nc Haltung in der Bauhandwerkerfrage, machte uns ein Eintreten für ibn unmöglich und so warben wir für Herrn v. Iagwitz, der 2800 Stimmen auf sich vereinte. (Bravo!) In Ierick'w konnten wir die Zersplitterung der Parteien nicht mehr Verbindern. Unser Programm wurde von I de» Freisinnigen wie von den Nationalliberalen abgelehnt. (Hört! hört!) Den beiden anderen I büigeriichen Kandidaten haben wir unsere Unter- I stutzuug gewidmet. Durch Wahlmanöver, nicht I mit den Waffen des Geistes, hat dort der Frei- I sinnige gesiegt. (Pfui!) In Kalbe-Aschersleben gab uns ter Nationalliberale Placke ebenfalls I unbefriedigende Erklärungen und so stellten wir I unfern allverebrten Obermeister Rahardt als I Kandidaten auf, der nicht weniger als 3147 I Stimmen auf sich vereinte. (Lebh. Beifall.) Hätte die Agitation nur eine Woche früher be- I
Usedom mit trübem Lächeln das Wort, „Herr von Feneirange geht vollständig unbefleckt und unberührt aus der Untersuchung hervor. Es eine unselige Verkettung von Umständen Mißverständnissen, welche seinen Namen in Untersuchung verwickelten."
Die Uurutzen in Rußland.
, Die Lage im Weickfekaebiet ist urvl-rändert. Die schwache Hoffnung, daß stck die Arbeiter am Montag zur Arbeit melden würden, hat sich nickt erfüllt. Der Riesenstreik oebt weiter. Das Militär hält sich am Tage zurück, tritt ater dm Abendstunden auf Straßen und Plätzen in erdrückender Stärke hervor. Mit der Au- cchlung
Marburg
Mittwoch, 15. Februar 1905
Schweinen zwischen beiden ein. Giselas Her, war leickt und froh geworden. Ihre innere Ueberzeugring, daß .«enrt unfckufdia war. statt» jetzt auch unumstößliche, äußere Beweise erbosten. Ihr feuchtes Auge binq mit innigem Ausdruck an dem kleinen Sckloß drunten inmitten der alten, zerbröckel"den Wirtschaftsgebäude. Als sie zur Seite blickte, beoeanete sie Lein forschenden Auge Usedoms. Sie errötete und senkte die Augen. Sie fühlte, daß Kurt ihre Gedanken erraten hakte
„Nein, mein Fräulein, nahm Leutnant von
Giselas Argwohn war erwacht. Das aber- maliae Erscheinen Leutnant von Usedoms hier ie Finstingen war ihr sofort ausgefallen. Die Jagd allem würde ihn kaum nochmals nach Finstingen geführt haben, nachdem er so viel peinliches hier erlebt hatte. Plötzlich schoß ihr ein Gedanke durch die Seele, daß der Streit der beiden Herren noch nicht ausgetragen und daß es Sitk- sei, solche Streitigkeiten mit der Waffe auszufechten. Sie trat näher an Leutnant von Usedom heran und sprach, ihn bittend anblickcnd:
Zum Ausstand der Beraarbeiter.
Der Siebenerkommission ist es gelunoen, die Delegierten des Essener Bezirks von der Nutzlosigkeit weiteren Widerstandes zu überzeugen. Maßregelungen sind bisher nicht vorgekommen: nur mußten auf einzelnen Zecken die Be'- arbeitet ein Schriftstück unterschreiben, daß, falls sie in der gegenwärtigen Bewegung nochmals die Arbeit niederlegten, sie sich für kontraktbrüchig erklären.
Dortmund, 13. Februar. Der Str^'k in den Dortmunder Revieren ist vollständig erloschen» Fast alle Zecken arbeiten beute in drei Schickten. Mehrere Werke wollen Ende der Woche schon eine Abscksooszablung ein treten kaffen.
Esten, 13. Februar. Kardinal Fischer, Erzbischof von Köln, hat der „Essener Volksztg.* eine zweite Svende von 1000 Mark zeneben lassen mit foloentem Schreiben: „Anbei Übersende ich weitere 1000 Mark zur Unterstützung nttl.ten- der Veraarbeiterfamilien und füge den Wunsch bei, test die Bergleute fick sämtlich dem ' luffv der Delegiertenverfammlung vom 9. d. M. an« schlössen und unbeirrt durch unüberlegte Aufreizungen überall die Arbeit wieder aufnehmen« Kardinal Fifcher, Erttnfckof von Köln.
London, 13. Februar. In einer beute hier abgehaltenen Sonderpersammlung der Dels- aierten der Bergarbeitervereinigung von Großbritannien wurde die «""willmung einer wöck.-it- licken Unterstützung von 2000 Pfund St. an die ausständigen teutften Bergleute autaebeißen. Ez wurde mitaeteirt, daß bis letzt 4000 Pfund St. M diesem Zwecke gezahlt feien. Da nunmehr bet Kampf beenbet ist. wurde beWtoffen, m.r noch einen einmaligen Betragvon 2000 Pfn d St. zu leisten.
Bund der Handwerker wird also eine Abteilung der Mittelstandsvereinigung sein.
Nach dem Anträge des Ausschusses ' bernimrnl die Mittelstandsvereinigung sämtliche Ältst ., und Passiva, sowie sämtliche Ortsgruppen des Bundes der Handwerker.
König-Altenburg giebt der Hoffnung Ausdruck, daß im Falle der Annahme des Antrag; auch der Bund der Landwirte in der Mittelstands- Vereinigung aufgehen werde.
Der Antrag des Ausschusses wird unter lebhaftem Beifall einsttmmig angenommen.
Damit find die Hauptpunkte der Tagesordnung erledigt.
Die weiteren Punkte „Anträge der Ortsverwaltungen" und „Verschiedenes" rufen wesentliche Erörterungen nicht hervor.
bm seit einigen Tagen zurückgekehrt," ertiuberfc Gisela, leicht errötenb in dem Ge-
„O, nichts mein Fräulein! Es ... Randbemerkung, ackten Sie nicht darauf.
verboten.)
Ziffeuuerliebe".
Von O. Olster.
1 ^' 'tthung )
diesen Gedanken beschäftigt, war der am Rande des Waldes oberhalb des Schlaffes Fenetrange angekommen. In diesem Augenblick rauschte es in dem Gebüsch hinter Kurt. Ein schlanker Jagdhund brach sich Bahn und blieb mißtrauisch stehen, als er den fremden Manu erblickte. Kurt glaubte den Hund wiederzuerkennen. Hatte er nicht Herrn Markivardt damals auf der Jagd begleitet, die Kurt im .Techssturger Revier mitgemacht? Kurt versuchte den Hund heranzurufen, dieser jedoch stieß ein toutes Gebell aus und eilte in den Wald zurück. Nach wenigen Augenblicken kehrte er jedoch mietet zurück, blieb stehen und sah sich oftmals nach dem Fußpfade um, der einige Schritte entfernt «us dem Walde heraustrat. Kurt vernahm lerchie schnelle Schritte auf demselben. Neugierig toer ter einsame Wanderer sein könnte, ging er einige Schritte den Waldpfad entlang rind sah sick plötzlich Gisela Markwardt gegenüber. Ein freudiger Schreck durchzuckte fein Herz. Er be- merffe, wie Giselas Wangen eine leichte Blässe Eckte und sie erschreckt die Hand auf das un- gcftum icklagcnde Herz preßte.
„Ah, Herr von Usedom, diese Ueberrasckung' i ®ie kommen Sie hierher?" fragte sie mit leicht tebenber Stimme, intern sie nach und nach ihre Fassung toieber gewann.
."Dieselbe Frage könnte ich Ihnen zurückgebeu, wem gnädiges Fräulein. Ich glaubte Sie noch in Berlin." I
genommen hat! Jetzt bin ich nur als Privat- mann hier."
.--Wohl um der Jagd obzuliegen? Haben Sie meinen Vater schon gesprochen?"
„Noch nicht. Vielleicht werde ich morgen das Vergnügen haben."
In diesem Augenblick erscholl ein lauter «arm von Finstingen herauf zu dem Standort der beiden.
„Mein Gott," sprach Gisela, „was ist im Storf für ein Aufruhr! Sehen Sie nur, Herr t>on Usedom, wie die Leute hin Und her eilen! Un- dort auf der Straße nähert sich ein Wagen bem Dorfe, umgeben von Gen barmen unb Grenz- iagern. Was hat das alles zu bedeuten?"
„Es hat zu bedeuten," erwiderte Kurt ernst, „teiß man die Häupter der Schmugglerbande endlich gefangen genommen hat und daß jetzt endlich volle Aufklärung in diese dunkle Angelegenheit kommen wird."
. Gisela erbleichte. •
"Man hat den Zigeuner-Josef und den Jockel Schmidt gefangen?"
„Ja, diese Leute unb noch jemanben, der der Hauptmann ter Bande w"r. Von ihm wurden olle Unternehmungen geleitet, obgleich er persönlich nur einigen ter Gesellschaft bekannt war."
„Wer ist es?" fragte Gisela stockend, fürchtend, den Namen des ihr teuren Mannes zu hören.
„ES ist ter Gastwirt 'Bourgeois vom „Goldenen Löwen" in Finstingen."
„Ah!" Gisela atmete erleichtert auf.
"Wie war es möglich, daß der Mann so lang unenrdeckt blieb?"
In kurzen Worten erzählte ihr Kurt die Ereignisse, soweit sie ihm selbst bekannt waren. Als er feine Erzählung tes tet hatte, trat tiefes
danken, daß sie ohne vorher eingeholte Erlaubnis ihres Vaters von Berlin abgereist war. Aber | sie hatte es nicht mehr ertragen können, bei ihrer
Taute zu weilen, die, in der Gesellschaft Berlins vollständig aufgehend, Gisela in einen Strom von täglichen Vergnügungen mit hineingerissen hatte, die dem bedrückten Gemüt des jungen Mädchens schal unb fabe erschienen. So hatte sie denn, kurz entschlossen, wie es ihrem Charakter ent- sprack, ihrem Vater depeschiert, daß sie jetzt, wo der Frühling angebrochen fei, nach Finstingen zurückkehren werde, und war zugleich : nt der 5De- teicke von Berlin abgereift, so daß eine Rück- antwo.rtuug ihres Vaters unmöglich gemacht wurdet
Herr Markwardt war wohl anfangs sehr überrascht gewesen, aber schließlich hatte er sich zulneden gegeben, um so eher, als er sich in ferner Villa doch reckt einfam gefühlt hatte und fern Groll gegen Henri de Fenetrange stark im schwinden begriffen war, nachdem er erfahren batte, daß die Untersuchung gegen Henri wohl bald eingestellt werden würde.
„Ich bin dem Leben unb Treiben der Großstadt entflohen," fuhr Gisela leicht lächelnb fort, „um beit erwachenben Frühling hier in bei, herr- Itdien Walbern ter Vogesen zu feiern. Meine Kindheit habe ich, wie Sie ja wissen, in einer raticherfüllten Fabrikstadt verlebt; erst nackbem mein Vater bie hiesigen Eisenwerke gekauft, habe ich den Reiz einer ursprünglichen Natur kennen unb heben gelernt. Aber Sie, Herr Lentiiaiit, was führt Sie toieber nach Finstingen? Ich glaubte, Ihr Kommanbo sei bcenbigt?"
..Allerbings, . bereits seit einigen Monaten; sickdem man hier die Gendarmerie und die I Steuerbeamten vermehrt ha», waren wir nicht I to.eJto nötig. Gott sei Dank, daß dieses mir I Mchst unangnehme Kommando ein rafn>.s Ende I
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sttnntaasbeilager ZAuMkteß ----------
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