Marburg
Somtag, 12. Februar 1905.
Erscheint wöchentlich neben mal. !
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Marburg, Markt 21. — Telephon öS.
mit dem MeMatt für die Kreise Marburg und Kirchtzai«.
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Zweites Blatt.
Vie Tätigkeit der englischen und der deutschen Gewerkschaften.
Die englischen Gewerkvereine (Trades Unions) fctl> an Mitgliederzahl den sozialdemokratischen Gewerkschaften Deutschlands um fast das Dop- pelt« überlegen. Während jedoch diese Organisationen infolge ihrer terroristischen Propa- toaata und ihrer Streiktreibereien in den letzten Jahren rapide zugenommen haben, ist das eng. lische Gewerkschaftswesen im Jahre 1903 gegen das Vorjahr um mehr als 23 000 Mitglieder, nämlich von rund 1 925 000 auf rund 1 902 000 aurückgegangen. Diese Erscheinung wird mit •ent gewerblichen Niedergange in Zusammenhang gebracht. Dem würde aber die Tatsache einigermaßen widersprechen, daß der Vermögensbestand mn Schlüsse des Jahres 1903 mit zusammen «hcr4 550 000 L,tr. (also über 91 Millionen Mark) oder 4 Lstr. (80 Mark) für das Mtglied Me bisher größte Höhe erreicht hat. Zum Vergleich set angeführt, daß am Schlüsse desselben i^ahres der Vermögensbestand der sozialdemo- kratischen Gewerkschaften Deutschlands bei einem Bestände von rund einer Million Mitglieder auch schon auf der stattlichen Höhe von rund 13 Mill Mark, also 13 Mark für das Mtglied, angelangt ist. Dieser günstige Finanzzustand der be- bmtend jüngeren deutschen Organisationen ist aber dadurch zu erklären, daß deren Mitglieder Wn- Beitragszahlungen zu leisten haben, aber bafür lange nicht so viel Vorteile zugewandl erhalten, als die Mitglieder der Trades Unions.
Abgesehen von den Politischen Unterschieden -Wischen den nationalgesinnten englischen Gewerkvereinen und den deutschen internationalen Gewerkschaften, unterscheiden sich die erst et> Ahnten Organisationen von den letzteren dadurch, daß sie in höherem Maße das Unter- stützungswesen Pflegen und daß bei ihnen die Aufwendungen für Streiks hinter denen für Unterstützungszwecke ganz wesentlich zurückbleiben. Im Jahre 1903 sind von den hundert ^ößten englischen Gewerkvereinen allein für Unterstützung von Arbeitslosen über eine halbe Million Pfund, d. i. zehn Millionen Mark verausgabt worden Die wzialdemokratischen Gewerkschaften Deutschlands hatten — wie die „Kreuzzeitung" ausführt — für diesen Zweck in demselben Jahre nur wenig über eine und eine Viertelmillion übrig. Dabei betrugen die Gesamteinnahmen der englischen Organisationen im Berichtsjahre rund 2 Mill. Mund, oder 40 Millionen Mark, die der deutschen Gewerkschaften aber fast sechzehn und eine halb-- Million Mark. Die Einnahme der englischen Gewerkvereine betrug mithin pro Mitglied 20 Mark, bei den deutschen Gewerkschaften 16Z4 Mark. Das starke Mißverhältnis der deutschen und der englischen Ziffer der Arbeits- losennnterstübnng springt in die Augen.
Dieses Mißverhältnis tritt auch bei den übrigen Ausgaben zutage. Es wurden im Jahre 1903 von den hundert größten Gewerkvereinen Englands zu Nnterstiitzungszwecken insgesamt
verboten.)
„Zineunerllebe".
Von O. CIftet.
W'Ng.)
Er wollte davon eilen, aber tn demselben Augenblicke flog das Mädchen auf ihn zu und erfaßte seine Schulter mit derbem Griff. Einen Schreckensschrei ausstoßend, sank Bourgeois in die Knie.
„Erbarmen, Erbarmen!" wimmerte er.
Mit den glühenden Augen eines gereizten Raubtiers beugte sich Marianne über den un- tzlucklichen Mann.
„.Hab ich Dich endlich!" zischte sie zwischen den Lohnen. „Bist Du gekommen, um mich nochmals m den Abgrund zu stürzen? Aber diesesmal soll es Dir nicht gelingen — diesesmal ist die Reibe an mir,— Tu mußt sterben — sterben —"
In wahnsinniger Rachsucht umklammerte die Dirne mit ihren Händen krallenartig den Hals des Mannes und suchte ihn zu Boden zu wnicren.
„Hilfe!" Hilfe!" kreischte er. „Sie erwürgt mich fte mordet mich."
_. Leh, Christel," rief schaudernd die alte Martha, „das Matdel ist wahnwitzig! Reiß sie von ihm zuruck —"
Me eine Bildsäule stand der Köhler, rührte -ich nicht und schaute mit starren Augen auf den Mit dem Mädchen ringenden Mann. Blitzartig Meg die Erinnerung an jenen Tag in seiner «eele auf, da er den Gastwirt auf dem Teusels- steg getroffen und später die schwer verwundete Marianne gefunden. In ihren Fieberphantasien
fast 1,3 Millionen Pfund, also 26 Mllionen Mark; für Streikzwecke rund 172 400 Lstr., also etwa 3 450 000 Mark; für Verwaltu-gs- und andere Kosten fast 427 000 Lstr. ober 8 540 000 Mark verausgabt. Die Streikunterstützung betrug also 9,1, die Arbeitslosenunterstützung 26,6, sonstige Unterstützung 41,8 und der Aufwand für Verwaltung und sonstige Kosten 22,5 pCt. von der Gesamtausgabe. Bei den sozialdemkratischen Gewerkschaften Deutschlands war int Jahre 1903 die Unterstützung für Streiks eine enorme, sie betrug 4 529 672 Mark Dafür hatten die Geweickschastskassen für Unterstützungszwecke ins- gesamt nur 3 728 288 Mark übrig, dabei sind die Ausgaben für Rechtsschutz und Stellenvermittlung noch mit inbegriffen. Eine ebenfalls sehr hohe Summe haben in dem erwähnten Jahre die Ausgaben siir Verwaltung, einschließlich der Agitation und der Verbandsorgane beansprucht, nämlich 3 114 000 Mark. Es würde für den deutschen Arbeiter höchst lehrreich ''ein, wenn sie die bevorstehenden Ausgabeposten d.r deutschen Gewerkschaften mit den gleichen, der fast doppelt so starken englischen Trades Unions vergleichen wollten, ober — vergleichen könnten, denn die Möglichkeit hierzu wird ihnen in den ihnen zu- gänalichen Blättern nicht geboten werden.
Bei den deutschen Gewerkschaften besteht die Unterstützung der Arbeitslosen allerdings noch nicht lange; aber bei den »roßen Aufwendungen, welche bei ihnen die Streiks verursachen, wird es wohl niemals dazu kommen, daß die englischen Unterstützungszisfern auch nur annähernd erreicht werden. In England ist das Unterstützungswesen von jeher bei den Trades Unions stark ausgebildet gewesen. Schon im Jahre 1892 betrug die Summe für Arbeitslosenunterstützung in diesen Organisationen rund 6,5 Mill. Die deutsche Soz ialdemokratie widerstrebt bekanntlich der Ausbildung dos Unterstützungswesens in den Gewerkschaften, weil sie fürchtet, daß alsdann die Bewegung „versumpfe", in das Fahrwasser der Trades Unions gelangen könne. Daß dieses Fahrwasser aber für unsere Arbeiterschaft vorteilhafter fein würde als das des Klassenkampses, der die Gewerkschaften zu reinen Streikvereinen macht, kann unmöglich bestritten werden.
Wenn sich die deutschen Arbeiter einmal ernsthaft die Frag, vorlegen würden, was ihnen die Gewerkschaften für die recht erheblichen Steuern, die sie ihnen auferlegen, nützen, so werden sie, wie aus vorstehenden Ziffern ersichtlich ist, recht wenig greifbare Vorteile aufzählen können. Nimmt man aber noch die Tatsache hinzu, daß die Gewerkschaften, um ihre Organisation zu stärken, ihre .Hauptaufgabe darin suchen, gegen das Unternehmertum zu hetzen, Klassen- haß zu verbreiten und dadurch Streiks hervorzurufen, summiert man die großen Opfer, welche die Arbester bei dichen Streiks bringen müssen, und unter denen zahlreiche Arbeiterfamilien verbluten, so gelangt man notwendigerweise zu dem Schlüsse, daß die Gewerkschaften den Arbeitern weit mehr Schaden als Vorteil bringen. Die englischen Gewerkvereine aber halten gck von diesen Vorwürfen frei; das macht, weil sie von Arbeitern geleitet werden und Politische, insonderheit revolutionäre Einflüsse von sich fernhalten.
Löwen" gerufen, hotte seinen Namen verflucht und batte dann wieder flehentlich um Erbarmen gebeten. Der Vorgang auf dem Teufelssteg, als Bourgeois sie geschlagen und in den Abgrund gestürzt, hatte sie in ihren Fiebervbantasien fortwährend beschäfsigt. Der alte Köhler hatte die wilden abgeristenen Worte als Erzeugnisse ihrer fiebernden Phantasie hingenommen und ihnen keine Bedeutung beigemessen, jetzt Plötzlich verstand er diese Worte und mit Sckmudern dachte er daran, welches Verbrechen jener Mann dort, der sich verzweiflungsvoll gegen die Dirne wehrte, auf seine Seele geladen hatte.
„Hilfe, Hilfe!" kreischte Bourgeois nochmals und streckte die Arme empor. Wie ein Panther hotte sich Marianne an seinen .Hals fest geklammert — jetzt Preßte sie ihn nieder — kniete aus seiner Brust — röchelnd lag er da — wehrlos den Händen der Wahnsinnigen vreisgegeben.
Mit Gewalt zogen Christoph und Martha die Wütende von der Brust des bewußtlosen- Mannes. Die beiden Knechte eilten herbei und richteten Bourgeois auf, während Martha die Zigeunerin zurückhielt, die sich von neuem auf ihren Feind stürzen wollte.
„Fort — fort —•* stöhnte Bourgeois, der allmählich zum Bewußtsein wieder erwachte.
In demselben Augenblicke hatte sich Marianne losgerissen und mit wildem Rus sprang sie abermals auf ihren Gegner ein; in ihrer Hand blitzte ein scharfer Gegenstand, mehrmals sfieß sie den- selben in die Brust des Gastwirts, der mit einem entsetzlichen Schrei niedersnirzte. Triumphierend schwang Marianne das blusige Messer über ihrem Handle, dann eilte sie mit der Schnellig- tat eines..flüchtigen Rehes in den Wald, ehe die
Umschau.
Die N»r«he« i«
Warschau, 10. Febr. In den Gouver- nements Lublin, P'otzk und Sielce ist der Ausstand beerbet In Warschau und Lodz nehmen mehrere Fabriken die Arbeit wieder auf.
Warschau, 10. Febr. Mehrere Fabriken, die die Arbeit wieder aufnahmen, wurden von den Ausständigen gezwungen, sie wieder einzustellen.
SoSnowiee, 10. Febr. Heute wurde eine Bekanntmachung angeschlagen, nach welcher die Vertreter der Werkstätten, Fabriken und Gruben, sowie der Grubeninspektionen den Arbeitern erklären, die Besprechungen könnten erst nach Wiederherstellung der Ordnung aufgenommen werden, und schlagen vor, die Arbeit wiederaufzunehmen und Abgeordnete für die Verband- nnaen zu wällen.
L o d z, 10. Febr. Heute kam es hier neuerlich zu ernsten Streikvorgängen. Ausständige zogen nach den Fabriken und verlangten Abrechnung. Die Fabrikanten verweigerten dieselbe. Als Militär erschien, erfolgte ein Zusammenstoß. Bei der Fabrik Cheibler wurden vier Personen getötet und 78 verwundet; bei der Fabrik Markus Cohn sieben getötet und vierzig verwundet.
Kattowitz, 10. Februar. Die Zahl der gestrigen Toten bei dem Zusammenstoß in SoS- now'ce beträgt 31, die der Verletzten 90. Für Sonntag haben die Streikenden ein Meeting einberufen. Fortwährend trifft neues Militär ein. Ein von Zagorze kommender Arbeiterzug, der in Sielce demonstrieren wollte, wurde heute Mittag von Militär auseinandergehauen. Frks. Z.
D eutsch e S S eekabelwesen. !
Im Jahre 1896 bildete sich die erste deutsche Kabelgesellfchaff. um ein deutsches Kabel von Emden nach Vigo an der spanischen Küste zu legen. Es war die mit 3,5 Millionen Mark begründete deutsche Seetelegraphen-Gesellschaft. In den seitdem verflossenen 9 Jahren sind wir auf dem Gebiete des Kabelbaues ein gutes Stück weiter gekommen. Nach Schweden und England wurden neun Kabel geleert, und in Ostasien wurde ein großes Werk begonnen. Vor allem aber Hal das Privatkapital seine Zurückhaltung aufgegeben und stattliche Summen in Kabelunterneh- mungen angelegt. Die Deutsche Seetelegraphen- Gesellschaff ist von der Deutsch-Atlantischen Tele- gravhen-Gesellschast übernommen worden, die jetzt zwei Kabel Emden—Azoren—New-Dark und das deutsch-spanische Kabel besitzt; sie repräsentiert ein Kapital von 44 Millionen Mark, das in Gestalt unterseeischer Telegraphenleitungen am Meeresgründe liegt. Die mit einem Kapital von 1 Million Mark ins Leben gerufene Osteuropäische Telegraphen-Gesellschaft hat sich die Aufgabe gestellt, zwischen Konstanza und Konstantinopel ein Kabel zu legen, ein Plan, der in absehbarer Zeit durchgeführt wird. Weiter ist die Deutsch-Niederländische Telegraphen-Gesellschaft zu neunen, die mit einem Aufwand von 14,5
Millionen Mark in der Südsee und Ostasie» Kabel legen wird, und zwar zwischen Menaiw und Guam und Dap und Schanghai. In bem Norddeutschen Seekabelwerk zu Nordenham, dack mit 6 Millionen Mark Kapital arbeitet, besitz« die vorgenannten Gesellschaften em zum Bau der größten Kabl eingerichtetes Werk. Die vier Kabelgesellschaften berffinen somit über Geld- mitttel in Höhe von 65,5 Millionen -kark. Was ferner von Wichtigkeit ist, Deutschland wird dadurch von den in fremden Hand« befindlichoi Kabellinien unabhängig. i fi . '
8h« «»SßNHb tief Beraefieitef.
Wie der .Frks. Ztg." aus Dortmund tele» graphiert wird, ist der Friede auch in den hiesigen Revieren noch nicht ganz gesichert. Nu» schwer entschließen sich die Streikenden zur Anfahrt. Am Samstag werden die Belegschaft« geschloffen zu den Zechen ziehen, mn anzufragen, wann die Arbeitsaufnahme erfolgen kann. Die Leute treten für den Einzelnen ein, und jede Weigerung der Zechen einem Agitator gegenüber, würde einen neuen Streik bringen.
B o ch u m, 10. Febr. (W. B.) Im Bochumer Revier fanden zahlreiche Belegschaftsversammlungen statt, die sich durchweg für die Wiederaufnahme der Arbeit aussprachen.
Essen, 10. Febr. In einer hier abgehaltenen Bergarbeiterversammlung gab Reichs- tagsabgeordneter Hub die Parole auS: ES wird weitergestreikt, da verschiedene Zeche« Bergleute, die sich zur Arbeit gemeldet, zurückwiesen. Die Siebenerkommisfion werde sofort zusammenberufen.
Nachdem der Streik beendet ist, oder wenigstens seinem Ende rasch zugeht, ist es an der Zeit, annähernd die Summe zu berechnen, welche i» diesem Streik verloren ging. Allein die verlorenen Löhne der Arbeiter berechnen wir auf fast 18 Millionen Mark und die Gesamt- verluste, welche der nationalen Arbeit und der Produktion entstanden find, belaufe« fich auf rund 90 Millionen Mark. Im einzelnen ist die Rechnung nach einer Aufstellung der „Rh.-W. Ztg." folgende:
1. Löhne.
10 Arbeitstage A 100000 Mk. Löhne 1000000 3DU.
21 Arbeitstage während des General
streiks zu ä 800000 Mk . . . 168'0000 ,
zusammen Löhne. . 17 800000 ML
2. Wert der nicht geförderten Kohle« und des Koks
5 Millionen Tonnen A 10 Mark
= 50000000 Mk., abzüglich der
schon berechneten Löhne..... 82200000 .
3 Verluste an ausgefallener Eisenbahu- fraebt
Täglicher Ausfall 450000 Mark;
durchschnittlich 25 Tage rund . . 10000000 , 4. Mehrpreis für Hereingeholte fremd
ländische Kohlen........ 10000000 ,
5. Verlust der infolge Kohlenmangels
ausgefallenen Löhne und Verdienste
der Kohlenverdraucher geschätzt auf 20000000 , insgesamt. . 90000000 AU.
Diese Rechnung ist natürlich nur annähernd; aber sie wird ziemlich zutreffen, ist jedoch eher noch zu niedrig als zu hoch gegriffen.
Tie Bevölkerung Finstingens ur j der Um- gegend befand sich in hochgradiger Aufregung. Die Ueberraschilngeii folgten sich aber auch Schlag auf Schlag. Heute nacht hatte man in dem Zi- geunerdorf unterhalb der Dachsburg das Schmugglernest des alten Josef ausgehoben und diesen sowie den Jockel Schmidt mit gefesselten Händen in das Gefängnis von Finssingen ein- gebracht. Ein Grenziäger ging jetzt mit dem geladenen Gewehr vor dem Gefängnis auf und ab, um einerseits die Gefangenen zu bewachen, andererseits aber auch die sich herandrängenden Leute abzuhallen, welche gar zu ger. durch das kleine vergitterte Fenster geschaut hätten, um den alten Joses und Jockel Schmidt zu sehen.
Wie war es nur zugeganaen, daß man die beiden schlauen Spitzbuben überrumpelt hatte? Sicherlich war es das Verdienst des langen Offiziers, der seit einigen Tagen im „Goldenen 'Löwen" logierte. Es mußte ein verteufelt kluger Mann sein, dieser Offizier. - Gestern spät am Abend hatte man ihn noch mit dem Maire und dem Gendarmeriewachtmeister sprechen sehen, bann waren alle drei zu dem Obersteuerkontrolleur gegangen und kurz darauf sah man diesen mit zwei berittenen Grenzjägern und dem Gendarmeriewachtmeister die Straße nach Dachsburg entlang sprengen. Der Offizier, hatte sich, als wenn nichts geschehen wäre, wieder nach dem „Goldenen Löwen" begeben. Aber Bourgeois, der Wirt vom „Goldenen Löwen", mußte ja etwas näheres wisien! Man eilte daher nach dem Wirtshaus, um daselbst eine Ueberraschung zu erfahren.
Im "Goldenen Löwen" ginge« die Grenzjäger, der Maire und der Gendarm ein und
Die Bediensteten des Hauses, die alle Haushälterin, die Magd und die drei Knechte befanden sich unten in sicherer Verwahrung, uni während die Knechte im mürrischen Schweige« vor sich hinstarrten, schluchzten die Frauenzimme» so herzzerreißend, als ob sie in der nächste« Stunde zum Schaffst geführt werden sollten.
Wo aber war Bourgeois? — Er war nirgend- zu finden, seit gestern hatte ihn niemand mehr gesehen. Im vorderen Gastzimmer saßen der Maire von Finssingen, der Obersteuerkontrolleur und Leutnant von Usedom beisammen. Ma« hatte soeben das Protokoll aufgesetzt und las e- nun nochmals durch, um es dann zu unterschreiben. Die Aussage des Leutnants von Usedom lautete:
„Gestern abend kurz vor acht Uhr brachte mir der Wirt Bourgeois das Abendessen auf mei« Zimmer. Hierbei teilte er mir mit, daß er jetzt eine vollständige Auflärung über die bekannte Schmuggelgeschichte erteilen könne, wenn man verspräche, während der ersten Untersuchung seinen Namen nicht zu nennen, da e: fürchtete- von den Kameraden der Schmuggler an seinem Eigentum oder gar an seinem Leben geschädigt zu werden. Ich wies diese Zumutung natitrfidj zurück, und gab ihm anheim, sich mit seiner Mitteilung an den in Finssingen stationierten Obersteuerkontrolleur oder den Gendarmeriewachtmeister zu wenden; ick hätte mit der Untersuchung nichts mehr zu tun. Der Gastwirt wollte indesse» nur eine Mitteilung machen, und da ich selbst begierig war, nähere Aufklärungen zu erhalten- so veranlaßte ich ihn, mir die Mitteilung zu machen, indem ich ihm versprach, dann selbst Anzeige bei der Behörde zu erstatten. MonsieuU Raumesis teilte mir darauf mit, daß er erfahre^