Marburg
Freitag, 10« Februar 1905
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Marburg, Markt 2L — Telephon 55. "
Ein Jahr Krieg.
I.
5n der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 1994 griffen die Japaner die auf der Außen- reede vor Port Arthur liegende russische Flotte an und brachten den beiden besten und modernsten Panzerschiffen deS Geschwaders, dem „Zäsarewitsch* * und dem „Siettotfan*, sowie dem ^Kreuzer „Pallada* schwere Beschädigungen bet.
war^die damals überraschend gekommene Eröffnung der Feindseligkeiten. Am nächsten Tage sand ein Gefecht zwischen der russischen und japanischen Flotte statt, in dem mehrere andere russische Schiffe mehr oder weniger beschädigt wurden. Bei Tschemulpo wurden am gleichen Tage die beiden russischen Schiffe „Warjag" und „Korejetz* zur Selbstvernichtung genötigt. Von dielen Schlägen hat sich die russische Marine in Ostafien nicht toieder erholt und die Japaner sind die ganze Zeit über Herren der See gewesen. Das traurige Schick- bj? Stufst in Port Arthur ist bekannt. L.as Geschwader in Wladiwostok ist zur Zeit lahmgelegt, nachdem eS letztmals im August etnt^e kühne Streiszüge unternommen hat.
Nickt minder trübe Rückblicke gewähren die Ereignisse bei dem russischen Landheere. Am 1. Mat erzwangen die Japaner den Uebergang über den Jalu und drangen in die Mandschurei ein.
26. schloffen sie nach dem siegreichen Gefecht bet Kintfchou die südliche Spitze der iLiautung-Halbinsel von der Verbindung mit iben im Norden stehenden Raffen ab und vollendeten oie Einschließung Port Arthurs. Ein Entsatzversuch der Ruffen am 14. und 15. 3ant mißlang. In den nächsten Kämpfen Nüssen aus dem Norden der Liautung- Halvinsel ver> rängt, Niutschwang wurde besetzt und die russische Mandschurei-Armee ging allmählich bis zum Liaufluffe zurück. Vom 24. August bis zum 2. September tobte dann der Kampf bei Liaujang, der auf beiden Seiten Mwere Opfer forderte, aber mit dem Rückzüge bw Russen bis zum Schaho endete. Anfangs Dnübec versuchte General Kuropatkin die Offriisiue Latt? auch zuerst einige Erfolge, mußte aber nach blutigen Kämpfen wieder zurück und behauptete ungefähr die alte Stellung. jSettbem beschränkte sich die Tätigkeit der beiden -Armeen auf kleinere Gefechte und gegenseitige Beschiessungen, der Hauptkampf drehte sich um i^oit Arthur. daS mit Beginn dieses Jahres |fieL Ge,.eral Kuropatkin unternahm vor einigen ^»en einen erneuten Vorstoß gegen den linken ^japanischen Flügel, wurde jedoch zurückgeschlagen und seitdem herrscht wieder der zum großen i^-etl durch bte bittere Kälte bedingte unfrei» Willi, iiftfURanb in der Mandschurei.
.. ...ii wir >uö dem bisherigen Verlaus des fKrtrz.cS ? Xu elften Mißerfolge der Ruffen waren unbesiceitbar auf die höchst mangelhaften Vor-
verboten.)
Htgeuttcrlieöe".
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-Na, jetzt hat er ja Geld, sich einen anderen Un erfchlupf zu suchens Nit loahr, Jocke. ^rlaßt riwi) heute nacht die Höhle in der Dachs-
„Weiß " entgegnete mürrisch der Bursche *3* -nutz in ich zuerst etwas erholen von dem Marsch hierher. Hab mich von Paris bis hierher auf Diebeswegen schleichen müssen, damst mich die Gendarmen nicht faßten. Und dann muß ich mir neue Kleider anschaffen, in diesem Habit kann ich nicht nach Amerika gehen.*
Er zeigte höhnisch grinsend seine durchlöcherte ^acke und fuhr fort: „Ein paar Tage wird es schon noch dauern, ehe ich fortkomme.*
. --Ihr seid verrückt," fuhr zornig der Gastwirt auf, „doch ich kümmere mich nit mehr um Euch. Macht, was Ihr wollt."
„Und Ihr wißt wirklich nichts bon der Marianne, Monsieur Bourgeois?*
„Laßt mich in Ruhe mit der Dirnel Ich weiß nichts!"
„Dann werd' ich selbst nachsorschen. Aber, Monsieur Bourgeois, merkts Euch, . ) geh nit wieder fort, ehe ich nit die Marianne wiedergefunden hab, tot oder lebendig.*
Bourgeois war wieder allein. Ties in Ge- Lanken versunken saß er da. Plötzlich zuckte ein teuflisches Lächeln über fein Gesicht. Rasch erhob -r.fich und öffnete abermals seinen Schreibtisch. Die Briefe und Rechnungen flogen nur so durch feine Hände. Die Wertpapiere wurden sorgsam in eine kleine Ledertasche gepackt, das bare Geld tn Rollen zusammengelegt und in eine Geldtasche ürtan, dis sich der Wirt bann um den Lech
bereitungen zurückzuführen. Rußland ging sozusagen ganz unvorbereitet in den Kampf, für den die Japaner systematisch und zielbewußt alle Kräfte ihres Landes gesammelt haben. Der oegentoärtige Feldzug ist für unseren Generalstab eine Fundgrube, wie sie nicht ergiebiger fein könnte. .Die rusfis -.e Armee versteht nicht anzugreifen. Sie hat noch keine Ahnung davon, daß der Schützenschwarm die einzige Kampsessorm der Infanterie ist und daß die Erringung der Feuerüberlegenheit die Vorbedingung jedes Erfolges im Angriff ist* urteilte einer der deutschen Offiziere auf dem Kriegsschauplätze. Auch im Verlaus des Krieges ist vieles übersehen, schwere Fehler gemacht worden. Die ölte, überlebte Kolonnentaktik durfte einem in modernem System nach preußischer Schule erzogenen Feinde gegenüber nicht angewandt werden. Die russischen Subalternoffiziere ermangeln sehr der kriegSwiffen- schastlichen Bildung, ohne die bei unS kein Leutnant ist, die Fähigkeiten der Stabsoffiziere zur selbständigen Leitung größerer Verbände schienen auch nut gering zu sein und die Leistungen der obersten Führer als Strategen und Taktiker find bisher auch nicht hoch anzuschlagen. Das Prestige des russischen Heeres ist dahin. Wir haben an dieser Stelle den Krieg Rußlands gegen Japan wiederholt und ausführlich unter den verschiedensten Gesichtspunkten behandelt. Wir haben auS unserer Sympathie für Rußland nie ein Hehl gemacht, denn wir halten den Sieg Japans aus politischen und auS ethischen Gründen nicht sür wünschenswert. Wir hoffen auch immer noch, daß Rußland mit Ehren aus dem Kampfe hervorgehe, aber trotzdem verschließen wir uns nicht der für Deutschland wichtigen Tatsache, daß der Verlauf des Krieges die geheime Furcht vor der militärischen Stärke unseres östlichen Nachbars, mit der man in Deutschland immer rechnen mußte, als übertrieben und gegenstandslos erkennen ließ. Schade, daß unser alter Moltke diesen Krieg nicht mehr erlebt hat. Rußland ist nach wie vor wertvoll als Freund, aber als etwaiger Gegner — ein Fall, der allerdings kaum eintreten wird — nicht mehr so mit ängstlichen Augen anzusehen, wie man daS früher, selbst im G neralstabe, zu tun pflegte. Wir wissen, wie unsere Land- und Seemacht beschaffen und was sie zu leisten im Stande ist und wissen letzt auch genau, wie es damit in Ri ßland de^ellt ist. Die letzte Entscheidung ist noch nicht gefallen. Selbst wenn Rußland ganz obenauf kommt, wird das der Erkenntnis seiner Schwächen keinen Abbruch tun. Vorläufig I find neue Armeekorps nach dem Osten unterwegs, auch zur See soll die Scharte wieder ausgewetzt werden. Die Mandschurei «ft das weite Felo, auf dem die Würfel fallen. Die Aussichten sind unbestimmt, wie eine weitere Verachtung zeigen wird. -g.
schnallte. Nach einer halben Stunde etwa erhob sich Bourgeois. Scheu blickte er sich um, doch kein Laut war hörbar, kein menschliches Auge hatte sein geheimes Tun beobachtet.
„So," sagte er flüsternd zu sich, „jetzt hinauf zu dem Offizier. Er mag das Nest in Dachsburg ausheben: derweil bin ich schon über die Grenze, der Nachtschnellzug bringt mich noch heute nach Nancy und morgen früh bin ich in Paris. Von da auS gehts nach Calais, und dann Adieu, Europa! — mich siehst Du nimmer nieder ... . Oder noch besser, ich such die schweizerische Grenze zu gewinnen. Dort verfolgt mich niemand. Die französische Grenze ist stark bewacht."
Jetzt ward es in der vorderen öoststube lebendig. Einige Gäste verlangten nach r3ein. Monsieur Bourgeois ging hinüber und bediente die Leute. Dann sagte er feiner Haushälterin und der Magd, sie möchten für die Gäste sorgen, er habe noch einen kleinen Gesckjäftsgang zu machen und febre in einer Stunde etwa zurück.
„Ist denn der Herr Offizier droben in seinem Zimmer?" fragte er schließlich die Wirtschafterin.
„Ja, Herr * entgegnete diese. „Er ist oben. Er hat schon nach dem Abendessen verlangt."
„Ist es bereit?"
„Ja. Herr."
„So werde ich es selbst hinaufbringen."
Monsieur Bourgeois ergriff die ber itstehende Platte mit den Speisen und begab sich noch dem Zimmer des Offiziers.
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Die Hüffe des alten Köhlers Christoph lag hoch oben auf der Halde an einem der mächtigsten Bergkegel, welche sich in dem mittleren Teile der Vogesen erheben. Die Kuppe sollte von dem dichten, fast zum Urwald gewordenen Forst befreit werden, um von neuen Tannen und Fichten
Umschau.
Zum Bergarbeiterausstand.
Wie aus Essen über die allgemeine La^e
i« Äu|rgeiitt
berichtet wird, macht sich bei den Ausständischen, wie schon gestern gemeldet, fortaesetzt Unzufriedenheit mit der Siebener - Kommtsfion bemerkbar wegen der Ermäßigung der Forderungen durch fie. Vorgestern fand in Essen eine äußerst stark besuchte Bergarbeiterversammlung statt, um gegen die Kommission Stellung zu nehmen. Mit großen Anstrengungen gelang es dem Reichstagsabgeordneten Hue, die Versammlung zu Ende zu bringen. Es wurde eine gegen die Siebener- KomMission gerichtete Resolution angenommen.
In Bochum beriet gestern die Siebener» kommission über die in der heutigen Revierkonferenz zu machenden Vorschläge. Das Ergebnis der Beratungen soll streng geheim gehalten werden. Heute nachmittag sollen im ganzen Ruhrgebiete Bergarbeiter-Versammlungen stattfinden, in denen die Beschlüsse der Revierkonferenz, die nach Ansicht gut informierter Persönlichkeiten keinesfalls die bedingungslose Wiederaufnahme der Arbeit proklamieren, bekannt gegeben werden. Die Gesamtsumme der in diesen Tagen von der Streikleitung au8» gezahlten Unterstützungen beläuft sich auf 1060000 mk.
In Berliner parlamentarischen Kreisen, die mit den Bergarbeitern Fühlung haben, rechnet man, wie der „Frkf. Ztg.* gemeldet wird, bestimmt damit, daß der Streik aus Mangel an Geldmitteln schon in den nächsten Tagen zu Ende gehen wird.
Tir Lage in Oderschlefien
bat keine wesentliche Verändern ig erfahren. Die Zahl der Ausständischen ist nach wie vor schwankend. Eine vorgestern in Kattowitz ab- gehaltene Bergarbefferverfammlung beschloß, Vorstellungen bei den Gruben wegen Lohnerhöhungen und wegen Beseitigung verschiedener Mißstände zu erheben. Ein Flugblatt fordert die Streikenden zum Ausharren auf, mahnt aber von dem Generalstreik ab.
Eine zeitgemäße Mahnung.
Die bekannte Rede, welche der Erste Zivillord der britischen Admiralität kürzlich gehalten hat. sah einer schlecht verhüllten Krieasdrohnng verzweifelt ähnlich. Sür den, der sich mit Politik beschäftigt, war es klar, daß dieser Rede bald eine Berichtigung folgen werde. Diese Abschwächung ist auch inzwischen eingetreten und der Redner wie die englischen Zeitungen erklären, es sollte durch die Rede nur betont werden, daß England zur See mit allen „möglichen" Feinden zu rechnen habe.
Was von solcher nachträglichen Berichtigung zu halten ist, weiß jeder. Haben doch alle englischen Zeitungen die Rede zuerst übereinstimmend in einem Wortlaut gebracht, der darüber keinen Zweifel ließ.
dort anpffanzen zu können, deshalb b..tte auefi der alte Christoph die Erlaubnis erhalten, seine Hüffe auf dem „Donon", so hieß dor Berg, auf- zubauen und das Dickicht von wildverwachsenen Tannen, Buchen ulw. niederzuschlagen.
Schon zwei Jahre hauste Christoph r": feinem Weib und zwei Knechten droben auf dein Donon: feilen kam er in die Täler und die Wohnstätten der Menschen. Da saß er oft Nächte lang vor seiner Hütte und starrte schweigend hinein .in den dunklen Wald, der sich kaum zehn Schritte von der Hütte entfernt ausbaute.
Martha, Christophs Weib, setzte sich neben ihren Gatten und arbeitete an einem sckner eno- losen Gewebe, den langen Winterstrümpfen für ihren Mann. Mit der großen runden Brille auf der starken Habichtsnase, dem zahnlosen Munde und den tausend Fältchen in dem geblichen, rund- lichen Gesicht war Martha das wahrhaftige Bild der Hexe aus dem alten Märchen: aber wer ein-
• mal in diese großen, blaßblmien Augen gesehen, der vergaß gewiß niemals wieder den Ausdruck der reinen Herzensgüte, die sich in diesen Augen wiederspiegelte.
Auch am heutigen Frühlingsabend saß das Paar vor der Hütte, während die beiden Knechte sich an dem rauchenden Kohlenmeiler zu schaffm machten, welcher auf der Mitte des bereits abgeholzten Platzes gleich einer mächti-wn schwarzen Pvramide zum sternenhellen Fniblingshimmel emporragte. Ein zottiger, großer Hund lag dem Ehepaar zu Füßen.
„Wie ists. Christel," nahm nach einer längeren Pause Frau Martha in dem breiten elsäs- fischen Dialekt das Wort, „willst nit die Zigeunerdirne endlich nach Finsffngen bringen?"
„Weiß nit, Martha," entgegnet: der alte Köhler. „Ich brings nit übers Herz, das arme Ding ins Gefängnis werfen zu taffen.*
daß ihre Spitze sich direkt gegen Deutschland richtete. Selbst die jetzt versuchte Abschwächung kann die Tatsache nicht aus der Welt schaffen, baß in jener Rede von der Nordsee gesprochen worden ist mit der Betonung, daß gegebenenfalls die englische Flotte einen vernichtenden Schlag führen werde, ehe man auf der anderen Seite die Kriegserklärung in den Zeitungen gelesen hätte. Und die übrigen „möglichen" Gegner Englands wohnen doch nicht an der Nordsee, welche nicht umsonst die „Deutsche See" heißt. Deshalb ist es auch eine leere Ausrede, es seien ebenso gut die Vereinigten Staaten, Frankreich, Rußland usw. gemeint gewesen. Es hat also hier eine Entgleisung stattgefunden insofern, als ein hochgestellter Beamter geheime Absichten und Vorbereitungen seiner Regierung, die ihm nur «uf amtlichem Wege zur Kenntnis gelangt sein können, vor weiteren Kreisen auS- geplaudert hat. Es muß allerdings zugegeben werden, daß die beabsichtigte Maßnahme, u '.mittelbar nach der Kriegserklärung, vielleicht auch vor derselben die deutsche Flotte anzugreifen und abzutun, zwar brutal, aber das zweckmäßigste Mittel zur Erzielung eines durchschlagenden Erfolges ist.
Schon seit wahren hat der Deutsche Flolten-Ver- ein für eine Vermehrung unserer Schlachtflotte gekämpft. Im letzten Jahre bat er seine Stimme besonders eindringlich erhoben und deshalb von mancher Seite Angriffe und Anfeindungen erfahren muffen. Jetzt, nachdem über Englands Absichten im gegebenen Falle kein Zweifel mehr herrscht, wird allgemein zuzugeben sein, daß der Deuffche Flotten- Verein in seinen Bestrebungen einen weiteren Blick bekundete, als mancher Berufspolitiker. Besitzt die deutsche Reichsregierung, der Deutsche Reichstag, da» deuffche Volk dieselbe Entschlossenheit, dieselbe kühle Beurteilung der politischen Verhältnisse wie England, so wird man bei uns endlich von Worten zur Tat übergehen müssen, und diese Tat heißt: Wir bauen jetzt Schiffe, Schiffe und nochmals Schiffe! Aber bald, sonst könnte es am Ende zu spät werden.
Ein franzisifcheS Urteil über die Deutsche Kelonialgesellschaft.
In ber französischen Wochenschrift „l'Europe Coloniale*, die deshalb für uns beachtenswert ist, weil sie den Vorgängen ber deutschen Kolonialpolitik besondere Aufmerksamkeit widmet und weil sie mit eifriger Ueberzeugung für den Gedanken eintritt, daß Frankreich und Deutsch, land in kolonialen Dingen gemeinsam arbeiten und einig zusammenstehen sollen, lesen wir folgende Würdigung des Präsidenten der Deut- scheu Kolonialae'ellschaft Herzogs Johann Albrecht zvMeck'enbnrg: „DerHerzog Johann Albrecht zu Mecklenburg iss eine der wichtigsten Periö l'chkeiten der kcllo ialen Welt. Nachdem er ganz Dentsch-Ostafrika bereist, Indien besucht und dort an der Quelle die Art der englischen Kolonisieruno studiert hatte, wurde er vor zehn Jahren Präsident der Deutsche« Kolonia esellschaft. Seitdem hat er alle Hauptversammlungen und die in verschiedenen deutschen Stätten veranstalteten Kongresse geleitet. Dank feinen Bemüh.ngen haben die in Deutsch- oftafrita und CftaRen sich ni^e lassenden Deutschen für ihre Auswanderung U terstützuug und für Frauen un* junge Mädchen freie Ueberfaljrt erlangt. U ter seinem Vorsitz hat die Deutsche Ko>oniala sellschaft einen rieft en
„Glaubst wirklich, daß sie ins Gefängnis kummt?"
„Alleweil glaub icbs. Gehört sie doch sicherlich mit zu den Schmugglersleuten von Finsffngen und Dachsburg, von denen ich Dir erzählt hab."
„Mag sein, aber die Dirn ist so gary verrückt geworden, sie schwätzt nit ein ^ort mehr, und wenn fie mal schwätzt, dann ists dummeS Zeug.*
„Mußt bedenken, Martha, daß die Dirn einen harten Fall über den Felsen getan hat und ich fie halbtot aufgehoben hab. Wochenlang ocit sie ja im Fieber gelegen, und 's ist schier ein Wunder, daß sie davon gekommen ist mit den Löchern im Kopf und ' n zerbrochenen Rippen.*
„Wie mag die Dirn nur auf den Teufelssteg gekommen fein, daß sie abgestürzt ist von dem Felsen?"
„Ich hab sie schon gefragt; aber sie wills ntt sagen. Ich nlaub, sie weiß nichts mehr mn der ganzen Geschichte. Und da sieh, Martha, weshalb sollt ich das arme Maidele nach den Behörden abliefern ? Wenn ich wieder nach Finstingen und Dachsburg komme, dann geh ich nach dem Zigeunerdorf und sag den Leuten, daß sie die Dirn abbolen möchten und über die Grenz bringen —> meinethalben! Dann bab ich nichts mehr mit der Geschickt zu schaffen. Aber fo lang die Dirn oet uns bleiben will, mag sie bleiben: 's ist em armes Maidele, das man bedauern muß.*
„Hast reckt, Christel. Die Dirn kann hier bleiben, noch dazu, da sie nit gern fortgeot Denn als ich sie beut geftagt bab, ob sie wieder nach Finsffngen will, bat sie angefangen M meinen und immerfort mit dem Kovf geschüttelt. Mir tuts Herz weh, wenn ich die Dirn so weine» seh.*
„Ja, Martha, mir gehts auch so.*
(Fortsetzung folgt)«