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„Ich hörte, daß die Mitschuld des
Fenetrange so gut wie erwisen fei." „Das gerade nicht, mein Fräulein.
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Die neuen Verträge bilden tote jeder Vertrag einen Ausgleick widerstrebender Interessen. Sie können im ganzen angenommen oder verworfen werden, wenn auch nicht alle Erwerbsstände im deutschen Reiche volle Befriedigung erhalten. Dee Bundesrat habe die neuen Verträge gestern einstimmig angenommen. Die Verbündeten Regierungen hoffen, daß auch der Reichstag sie an- nehmen werde, im Interesse der inneren und äußeren Wohlfahrt des deutschen Reiches und der gesamten nationalen Arbeit. (Lebhafter Beifall.),
Tas Haus trift in die Tagesordnung ein und führt die zweite Lesung des Nachtragsetats für Südwestafrika zu Ende, wobei überall die Kom- missionsbeschlüsse bestätigt werden.
Es folgt, die zweite Lesung des Etats deS Innern. Die Besprechung beginnt mit der Resolution der Sozialdemokratie zum Bergarbeite» streik.
Abg. Sachse (Soz.): Die Ankündigung einet preußis-ben Berggefehnovelle kann uns nicht .16« halten, ein Eingreifen der Reichsregierung zu fordern. Was aus dem Klassenparlament herauskommt, können wir uns jetzt schon ausmalen, denn dieselben Versprechungen, die s.tzt von der preußischen Regierung gemacht werden, sind schon vor 15 Jahren ausgesprochen und nicht gehalten worden.
Abg. Dr. Semler (nL): warnt davor, die Novelle zum preußischen Berggesetz zu überstürzen.
Staatssekretär Gras Poladowsktz erkennt an, daß die Bergarbeiter den Streik bisher in Ruh« und Gesetzmäßigkeit geführt haben. Der preußisch« Handelsminister werde die Novelle zum Berggesetz beschleunigen.
Freitag 1 Uhr: Fortsetzung.
llmidimi.
Zur Berßaatlichunn des Bergbaues bringt der Berliner „Reichsbote“ in Sperrdruck folgenbe Meldung:
Wie wir von einer Seite hören, die sehr wohl darüber unterrichtet fein könnte, wird da? Verhalten der Berah°rren der Regierung gegenüber dieser willkommenen Anlaß geben, nebea der schon angekündigtkn gesetzlichen Regelung einer Anzahl der wesentlichsten Fragen auch ihrem alten Plane, der Verstaatlichung des gesamten westsälischen Bergbaues, neuerdings wieder näher: treten. Rich den Vorkommnissen der letzten Zett erarbtet sich die Regierung an ihr gelegentlich der Hiber, ia - Affäre gegebenes Versprechen, einer solchen Verstaatlichung nicht nühertreten zu wollen, nicht mehr gebunden. Wie unser Gewährsmann versichert, wäre der Erwerb bet Harpener G 'ellschaft das nächst» Biel. Diesmal aber wurde das Angebot bet Regierung an die Aktionäre birett im „ Reichsanzeiger“ erfolgen und kein Versuch gemacht werden, auf dem Weae der sekreten Vermittelung die Aktienmehrheit zu er'aogen.
Aus dem Ruhrgebiet liegen beute keine Nachrichten von bei- nberet Bedeutung vor.
Essen, 1. Febr. Die hiesigen Kruppsche» Werke sind andauernd äusierst stark beschäftigt.
dringender Verdacht gegen den Herrn liegt allerdings vor. Die Staatsanwaltschaft wird nicht umhin können, das Hauptverfahren t.egen ihn zu eröffnen. Ob dann ein verdammendes oder ei« freisprechendes Urteil erfolgt, wird Sache bet Geschworenen fein."
„Glauben Sie in der Tat an die Schuld des Herrn?"
Ser RiKcr zuckte mit den Schultern. Er hatte in seiner langjährigen Praxis schon so manche» feftsamen Fall erlebt, daß ihm auch die Schul- Henris nicht undenkbar erschien.
(Fortsetzung folgt). -
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Auch die Erhöhung des Zolles für toarmblüftge Pferde sei von wesentlicher Bedeutung. Der Hopfenzoll sei freilich im autonomen Tarif mit 70 Mark angesetzt gewesen, während nur eine Erhöhung um 6 Mark zu erreichen war. Bei einigen anderen landwirtschaftlichen Produkten seie sogar eine Ermäßigung gegen die bisherigen vertragsmäßigen Sätze zugestanden. Die Herabsetzung der Fnttergerste liege im Interesse der Viehzüchter. Die Herabsetzung der Holzzölle fei nötig gewesen im Hinblick auf Rußland und unseren eigenen Bedarf. Aus demselben Grunde sei das oberichlesische Schweinekonftngent von 1260 auf 2300 erhöht. Gegenüber dieser erheb- licken Verbesserung der landwirtschaftlicken Zölle 'ei es auch gelungen, der Aussuhrindustrie nach Möglichkeit ihre Lebensbedingungen zu erl alten, trotz des Erstarkens namentlich auch der aitslän- discken Industrie. Dadurch, daß die betreffenden Verträge nickt gekündigt seien, sei die Kontinuität unserer alten Handelsbeziehungen gewahrt, die neuen Verträge sollen am 15. Februar 1906 in Kraft treten. Die Industrie könne sich also ein Jahr lang auf die neuen Verhältnisse einrickten. Mit Genugtuung verzeichnete er das russische Zugeständnis von der Gleichstellung jüdischer und christsicker Handelsreisenden, sowie die Erleichterung von Kans und Verkauf von Grundbesitz. Von russischen Probibiftvzöllen könne gar keine Rede sein, wenn auch manche Zollerhöhnna hätte in Kauf genommen werden können. Für die deutsche Mgfckinenindustrie bedeute der russische .Handelsvertrag einen außerordentlich hohen Er- lolg. desgleichen für die Konfektionsindustrie. Unsere gesamte Industrie werde unter dem Regime der neuen Verträge weitere gr.ße Fortschritte macken. Die Behauptung, fast bei größerer Festigkeit mebr zu erreichen wäre, fei eine feere Redensart. Hätten wir einen Zollkrieg an- langen sollen, so würde sich gegen uns eine wirtschaftliche Koalition gebildet haben. Der Kurs der deutschen Interessen sei zwischen den beiden Leuckttürmen in die landwirtschaftlichen und industriellen Interessen sicker gesteuert worden.
„Aber mein Fräulein, dazu lag ja nicht der geringste Anlaß vor! Und es mußte chnen doch sehr peinlich sein, in einer solchen Angelegenheft vernommen zu werden, die später sicherlich durch alle Blätter geht. Die Hauptverhandlung findet öffentlich statt, Ihr Name würde auch öffentlich genannt werden, das ist immer sehr unangenehm für eine Same, und ich hatte ja in der Tat keinen Anlaß! Der keine Vorfall im Zigeunerdorf ist ja auch ohne Ihre Aussagen vollständig klar- gelegt."
„Ich scheue die Unannehmlichkeiten des öffentlichen Verfahrens nicht, wenn es gilt, für einen Unschuldigen Zeugnis abzulegen."
„Allerdings, wenn das der Fall ist, ich meine, wenn Sie zur Sache selbst noch etwas neues und wichttges mitzuteilen haben, dann wäre es Ihre Pflicht, vor dem Gericht zu er-
Marburg
Freitag, 3. Februar 1905
Der Reichskanzler über die neuen Handelsverträge.
lieber die Einbringung der Handelsverträge in den Reichstag wird uns ..us Berlin von unserem 4>-Parlamentsberichterftatter gemeldet:
Das Haus war gestern gut besucht, besonders oer Bundesratsttsch. Vor Eintritt in di: Tages- "hielt das Wort der Reichskanzler Graf Bulow: Meine Herren, ich habe die Ehre, diesem Hoheit Hause das Uebereinkommen zu den mit Italien, Belgien, Rußland, Rumänien, der Schweiz, Serbien und Oesterreich-Ungarn be- ftchendenHaildelsverträgen nebst den dazu gefangen Denkschriften zur verfassungsmäßigen Beratung vorzulegeii. Die Verbündeten Regie- rungen hoffen, daß Sie, meine Herren, diesem Uebereinkommen Ihre Zustimmung erteilen und oamtt em Werk, das für die finanzielle, wirt- Ichaftltche und politische Zukunft des Reiches von ""j^nientaler Bedeutung ist, einem glücklichen Abschluß entgegenführen werden. Ich habe nicht die Absicht, heute auf die Einzelheiten der Verträge einzugehen. Wenn über den einen ober nnberen Punkt nähere Auskunft gewünscht werden sollte, so werden die Herren Staatssekretäre und ihre Kommissare bereit sein, solche Auskunft aM erteilen. , Ueber die allgemeinen wirtschafts- pclitifchen Ziele, die wir bei der Erneuerung unserer Handelsbeziehungen zum Auslande ver- folgen, habe ich mich mehr als einmal eingehend dieser Stelle ausgesprochen und ich möchte tmch heute auf die nachstehenden Gesichtspunkte beschranken. Wer auf die wirtschaftliche Entwick. lmig Deutschlands zurückblickt, wird sich der Ueberzeugung nicht verschließen können, daß Industrie und Handel während der letzten Fghr- zchnte an Umfang und an Bedeutung sehr er- fabkich zugenommen haben. Unter dem Schutz be3 Tarifs von 1879 und seiner Ergänzungen erstärtte allmählich die deutsche Industrie und nahm ihre Entwicklung zum Großbettiebe. Da t«t in den 80er Jahren bei den Handelsstaaten die Tendenz hervor, sich mit hohen Zollschranken abzuschließen und der deutschen Industrie den Absatz der überflüssigen Erzeugnisse in das Ausland zu erschweren. Aber diese uns drohende Ge- fahr des Ersttckens in Uebervroduktion wurde anfarrgs der 90er Jahre durch den Abschluß der Handelsverträge im wesentlichen befchworen, und es imirbe durch jene Handelsverträge eine feste Grundlage für den internationalen Warenaustausch auf eine längere Reihe van Jahren geschaffen. Seitdem nahmen Industrie und Handel bei uns einen glänzenden Aufschwung, der 1896 einsetzte und bis um die Mitte des Jahres 1900 bauerte. Von diesem Zeitpunkte an flaute die wirtschaftliche Auswärtsbetoegung allerdings ab, Handel und Wandel gerieten ins Stocken, es zeigten sich sowohl auf dem inneren Markte wie in den auswärtigen Absatzverhältniss. gewisie Schwierigkeiten. Immerhin vermag dieser teil- toeife Umschlag an dem otiamten Bilde einer Periode des Aufblühens von .Handel und Wandel unter dem Regime der Handelsverttäge nichts Wesentliches zu ändern. Auch heute deuten die Einnahmen aus dem Eisenbahnverkehr darauf Yin, daß diese Geschäftsstockungen im Großen und
Erhöhung der als wesentlich,
fei. Die bezeichnete er
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
__________ Sonntaasbeilager JAutzMtrs SsuMMM
fort. Dabei war der treffliche Gastwirt von einer fast kriechenden Unterwürfigkeit, eine Eigen'ckaft, welcke die Herren oft peinlich berührte.
„Es ist mir. als wenn der Mann ein Geheimnis zu verbergen hätte", batte einmal der Richter zu dem Offizier geäußert, als sie in der Herrenfftebe" des Ggfckauses bei einem Schoppen Wein znsaminensaßen Als der Untersuchungsrichter eben feine Akten zufarnmenpacken wollte, klovste es an seine Zimmertür und Monsieur Bourgeois steckte sein fchlaues Gesicht herein.
„Ick bitte um Verzeihung für die Störung, Herr Richter," sagte er denn' ^g. „Es ist drunten eine Dame, welche den Herrn Richter dringend zu sprechen wünfcht."
„Eine Dame? nannte sie ihren Namen nicht?" . „Nein, doch ich kenne sie. Es ist Mademoi- sell. Markwardt."
„Wie? Tie Tochter des Besitzers der Eisenwerke ?"
„Ja. Herr Richter."
„Bitte, führen Sie die Dame sofort hierher.“ Gisela nahm zögernd auf dem Sessel Platz, den ihr der Richter anbot.
„Sagen Sie mir, mein wertes Fräulein, was Sie zu mir führt. Sie sehen, ich bin vollständig überrascht."
Giselas Wangen färbten sich in tiefer Glut.
„Es wird Ihnen seltsam erscheinen", begann sie stockend, „daß ich zu Ihnen komme, aber ich denke, es war meine Pflicht, zu kommen."
„Ihre Pflicht?"
,„Ja, Herr R^^r. Ich erwartete von Tag Kft Tag meine Vorladung, um als Zeugin in vem schwebenden Prozeß gegen die Schmuggler- Sefellschast vernommen zu werden."
die Schweine, da die Arffzucht und der Verkauf von Schiveinen gerade von kleinen Landwirten betrieben werde.
faben diesen harten langwierigen Kampf aber mtt Erfolg gekämpft, mehr zu verlangen wäre allerdrngs unmöglich gewefen. Der Reichskanzler kennzeichnete dann den Zollschutz in Frankreich und ging ausführlich auf die Schwie- rrgkeiten bezüglich des Seuchenschutzübereinkom- mens ein. Er betonte, daß der deutsche Viehbestand einen Wert von mehr als 7 Milliarden darstelle und daher gegen Seuchengefahren sichergestellt werden müsse und bezeichnete das abgeschlossene Uebereinkommen als einen großen Fortschritt in dieser Richtung. Während wir früher die Grenze erst sperren durften, wenn eine Seuche eingeschleppt war, soll künftig uns die Sperrbefugnis schon dann zugestehen, wenn das Ausland verseucht ist. An Stelle der Regresiivsperre sei die Präventivsperre gesetzt. Die engere Begrenzung des Sperrrechts gegenüber der Einfuhr bon Schlachtvieh bezeichnete er für ungefährlich, da während der ganzen Dauer des alten Seuchenübereinkommens diese Praris ohne Gefährdung unseres Viehstandes geübt
der mit Schmugglern, Wilddieben und Mördern in Verbindung steht, schulde ich keine Genugtuung."
„Sie sind ein Ehrloser!" rief Henri in walm- , sinnigem Zorn, der ihm die ^"sinnung rn1,r>te. T. Scklgfen vockten ihm zum Z->rfvrin-en, die Hände ballten sich zur Faust, und er hätte f-ck auf den deutschen Offizier gestürzt, wenn nickt der alte Anatole beschwichtigend feine .Hand auf die Schulter feines jungen Herrn gelegt und ihm zugeflüstert hätte:
„Ruhe, mein Kapitän! Der Tag der Rache wird nock kommen!"
Vor Wut bebend stand Henri da. Tränen verletzter Ehre und ohnmächtigen Zornes traten ihm in die Augen. Ruhig, die Hand am Degengriff, stand ihm Leutnant von Usedom gegenüber, jeden tätlichen Angriff aufs entschiedenste zurück- zuweisen. Dem alten Diener gelang es, feinen jungen Herrn fortzuführen. In seinem Zimmer warf sich Henri auf das Sofa, verbarg das Gesicht in die Hände und brock *n ein krampfhaftes Schluchzen ans. Er fckämte fick di"f"r uumäun- lichen Tränen, und doch konnte et sich ihrer nicht erwebren.
_ Die Voruntersuchung war ab-rftfiloffen. Am nächsten Tag wollte der Unterfuchungsrichter ab- reisen, um die Akten der Staatsanwaltschaft zu übergeben. Mit der nockmaligen Durck'fckt der Akten beschäftigt, saß der Richter in seinen« Zimmer im „Goldenen Löwen". Er konnte mit feinem Quartier sehr Wohl zufriedeir {ein; denn einen aufmerksameren Wirt, als Bourgeois war, konnte man sich nicht denken. Er besorgte die Bedienung des Offiziers rmd des Richters fÄbft, und jeden Wunsch, den er den beiden Herten I nur an den Augen ablefen konnte, erfüllte er so-1
„Zigeunerlikbc".
Von O. Olsten
(Romepima )
Henri ward in seinem Groll ungerecht gegen den Er ward in seinen« Groll ungerecht gegen den scheinbar begünstigten Nebenbuhler und beschuldigte den Offizier, die Jntrigne gegen ihn ein- geleitet und durchgeführt zu haben. Der Unmut überwältigte ihn, so daß er in den Hof eilte und Leutnant bon Usedom entgegentrat.
„Sie haben mein Ehrenwort, mein Herr", rief er ihm entgegen, „daß ich mein Hans nicht verlassen werde, deshalb bann noch diese Wache vor der Tür? Ich denke, dos Ehrenwort eines französische«: Offiziers und Edelmannes sollte kekblt Ihne«: genügen."
Mit erstauntem Blick maß Leutnant von Use
dom den Erzürnten.
„Ick sagte Ihne«: schon", entgegnete er, daß diese Maßregel nicht Ihr: ‘-egen angeorbnet ist, sondern Ihrer Leute wegen, damit diese einen Verkehr mit der übrigen Bevölkerung u.iterbal- Wn können. Man weiß ja nicht mehr wer hier tchulmg und wer unsckuldig ist."
„Für meine Diener stehe ich ein."
,-Jch bedauere, die Bürgschaft nicht annehmen zu können."
„Sie scheine«« iiicht das Bewußtsein zu haben, daß Sie mich tätlich beleidigt haben?" 1 »Das wird die Untersuchung ergeben."
--Sie toerbn mir Genugtuung geben."
„Wenn sich, wie ich wünsche, herausstellt, daß Sie ungerecht beschuldigt worden sind, stehe ich jederzeit zu Diensten. Einem Mann indessen,
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Ganzen überwunden sind und Handel und Industrie wieder unter günstigeren Auspizien arbeiten. . Dagegen ist die Lage unserer heimischen Landwirtschaft, welche durch jene Handelsverträge ein großer Teil ihres Schutzes genommen toar, infolge des fortgesetzt unbefriedigenden Standes der Getteidepreise, infolge des Hinzu» tretens anderer ungünstiger Produktionsbeding-, itrtgen eine immer kritischere geworden. (Be- toegititg.) Dir Ergebnisse der letzten Volkszählung lassen deutlich die Verschiebungen erkennen, welche sich innerhalb der Bevölkerung des deutschen Reiches zu Ungunsten der Landwirtschaft während der letzten drei Dezennien vollzogen haben. Ich habe mehr als einmal an dieser Stelle gesagt: Deutschland ist nicht lediglich In- dusttiestaat (Unruhe), es ist Agrar- und Industriestaat. (Sehr richtig!) Weite Distrikte unseres Vaterlandes im Nordosten vornehmlich, aber auch im Südosten sind angewiesen auf den Betrieb der Landwirtschaft, ihnen fehlen die Vorbedingungen für eine gedeihliche Entwickl-ng der Jndusttie entweder ganz oder sie sind nur in spärlichem beschränktem örtlichem Umfange vorhanden. (Sehr «sichtig!) Ich betrachte die Erhaltung eines leistungsfähigen fefteingefeffenen Bauernstandes, der Grundlage unseres Nähr- und Webrstandes, als im höchsten staatlichen Interesse liegend. Wenn die Landwirtschaft krankt dann darf man sie nicht untergeben lassen. Dieser Rückblick ließ Har die Gesichtspunkte erkennen, von denen bei der Neuregelung unserer Handelsbeziehungen zum Auslande auszugehen toar: vor allem glaubten unsere Verbündeten Regie- ntngen an dem bisherigen Stiftern unterer Handelsbeziehungen festhalten und wieder langfristige Verträge absckließen zu sollen. Dann mußten wir zunächst in einer Revision des veralteten Zolltarifs eintreten. Damit knüpften wir an die Traditionen des Fürsten Bismarck an. Wir wollten unserem wirtickaftlicken Leben Sicherheit und Stetigkeit erhalten, unsere Aus- fnhrindustrie vor Ueberrcischungen etwaiger Willkür in der Zollgesetzgebung anderer Länder bewahren. Daneben wollten wir aber nunmehr auch unserer Landwirtschaft einen wefentlick erhöhten Zollfchutz gewähren; denn die Landwirtschaft toar es, die bei den letzten ^andelsver- trägen zu kurz gekommen war. Es war alfo ein verstärkter Zollfckutz sowohl ffir den deutfcken Getreidebau wie für die heimische Viehzucht unerläßlich, denn der Getreidebau bildet auck beute die hauptsächlichste Grundlage des landwirtschaftlichen Betriebes in Deutsckland.
Bei der Bedeutung des deutschen Getreidebaues ist die Höhe der Getreidepreise entscheidend für die landwirtschaftliche Rentablftfät. Das Maß der Erhöhung suchten wir zu finden unter Rücksichtnahme auf Industrie und Handel und ans die Konsumenten; es durste damals nur soweit gegangen werden als der Abschluß Tana- fiiftiger Verträge noch möglich erschien. Deshalb wurden die Minimalzölle in den Tarif gestellt. die während der Zolltarifverbandlungen die iimsttittenften Punkte waren. Von der einen Seite wurden sie als nick« ausreichend. her anderen für erorbitont erklärt. Wir faben dem. gegenüber an unterer Mittellinie festc-elmlteu Es batte große Schwieriokeiten, in den diandess. Verträgen die Minimalzölle durchzusetzeu. Wir
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