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Sonntaas-eilager Mutz

M 27

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Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag- Joh. Ang. Koch. UmvcrMtS-Buchbruckerei 40« Iabia. Marburg, Markt 2L Telephon 55. ö

Marburg

Mittwoch, 1. Februar 1905.

Die neuen Handelsverträge.

außerordentlichen Umständen;

2) aus Rücksichten auf die öffentliche Sicher­heit;

3) auS Rücksichten der Gesundheitspolizei oder zum Schutze von Tieren oder Nutz­pflanzen gegen Krankheiten oder Schäd­linge;

4) zu dem Zwecke, um auf fremde Waren

Nachdem der formelle Teil abgewickelt war, fuhr der Untersuchungsrichter fort:

Sie stehen im Verdachte, mit den Schmugg­lern, die sich zumeist aus den jetzt abwesenden Zigeunern der Dachsburg rekrutierten, gemein­same Sache gemacht zu haben, ja, ihr Anführer, sozusagen, gewesen zu sein. Bekennen Sie sich schuldig oder nicht?"

Ich bin nicht schuldig."

Sehr wohl. Wollen Sie.mir einige Fragen beantworten? Sie haben am 15. September des verflossenen Jahres Fräulein Gisela Mark­wardt aus den Händen der Zigeuner befreit."

Ich wehrte einige Zudringlichkeiten der Zi­geuner ab."

Wie kani es, daß die Zigeuner Ihnen sofort folgten und nicht gegen Ihr Einschreiten prote- süerten?"

Die Zigeuner kennen mich und wissen, daß sie von Schloß Fenetrange nie unbeschenkt Weg­gehen."

Sie sind am 20. Oktober mit dem Unter­offizier Berger und der sogenannten Zigeuner- Marianne zusammen im Walde gesehen worden. Wie kamen Sie dorthin?"

Ich weiß es nicht mehr. Wahrscheinlich lvar ich auf meinem Spaziergange begriffen; jene Be­gegnung war rein zufällig."

Sie sagten dem Unteroffizier, wenn er einen Freund nötig habe, solle er sich an Sie wenden."

Möglich, daß ich etwas derartiges gesagt habe. Ich erinnere mich, daß mir das Liebes- Verhältnis, welches zwischen dem deutschen Unter- offizier und der Zigeunerin bestand, viel Spaß machte."

Bestellungen

sür die Monate Februar und März auf die

Das Verhör war zu Ende. Der Richter machte sich einige Notizen, dann ließ er Henri de Fenetrange ersuchen, einzutreten. Henri hatte feit dem Abend, als Leutnant von Usedom von ihm das Ehrenwort verlangte, daß er nicht ab- reisen toüröe, sein Zimmer nicht niehr ver­lassen.

Er hatte mit niemandem, außer mit seinem Vater gesprochen; der Verdacht, der auf ihm buhte, schien ihm so schmachvoll, daß er darunter »u erliegen glaubte; denn schon der Verdacht, mit Schmugglern gemeinschaftliche Sache gemacht zu haben, dünkte ihm ein unauslöschlicher Fleck auf seinem bisher so reinen und blanken Ehrenschilde. Bleich, aber mit stolz erhobenem Haupte trat Henri vor den Untersuchungrichtec.

Wollen Sie nicht Platz nehnien, Herr Baron?"

Ich danke," entgegnete stolz ablehnend Henn. ,,^ch ziehe es als Angeklagter vor, vor uie'nem Rlchrer zu stehen."

Der Un.rriuchungsrichter lächelte. Er harte 'm Anfang der Untersuchung schon oft solchen Trotz be» den Angeklagten gefunden. Das gab suh mit der Zeit.

Wie Sie wollen, mein Herr," erwiderte er leicht.Ich setze voraus, daß Sie wissen, um welche Angelegenheit es sich handelt."

Henri verbeugte sich.

So darf ich Sie bitten, mit Ihre Persona- neu anzugeben."

verboten.) Jigeuuerliebe".

Von O. Ölst er.

>e.pUtln.)

Die Absicht der verbündeten Regierungen, die Handelsverträge bis nach ihrer Verabschiedung im Bundesrat und bis zur Einbringung in den Reichstag geheimzuhalten, ist durch mehrere Ver­öffentlichungen in Wiener Blättern durchkreuzt worden. Diese Veröffentlichungen geben von dem Inhalt des deutsch-österreichisch-ungarischen Vertrages ein irreführendes Bild. Zur Ver­meidung weiterer Mißverständniffe '-ringt die Nordd. Allg. Zeitung" deshalb die folgende sachliche Darstellung des wesentlichen Inhalts der neuen Handelsverträge: , -

Am 1. Februar werden dem Reichstage vor- Verbote oder Beschränkungen anzuwenden, behältlich der Zustimmung des Bundesrats! die durch die innere Gesetz'ebung sur die

nunmehr die neuen Handelsverträge zur Be- I Erzeugung, den Vertrieb oder die Be-

schlußfaffung vorgelegt werden. Den Verhand- L

hingen mit den fremden Staaten war von An- w tm 3-LaiJe !eft^Ä f\nbr .4

fang an ihre Richtung durch die Grundsätze nffi.'*<, r" °De ^trage mit

gegeben, die in dem neuen deutschen Zolltarif I nPriAt&Ffo)'efc§*

ihren Ausdruck gefunden hatten. Das oberste I r1*eI au^ Meinungsver-

Prinzip, die möglichste Steigerung des Schutzes r 2atlf.Tr8e? Danach unter-

ber fnnhmirifAnii-i.ABn l I ltepe!i Verlangen des einen oder anderen

Sinlft Anträge auf eine weitere Kompetenz des Schieds-

tung sich auf beschränktem Gebiet bewährt.

W-i,° ewzurichtei'. Lsf-nsÄ u"d S

folgenden geben wir einen Ueberblick ständiguna" auch andere Meinungsverschieden-

»ber das Vertragswerk, ohne es in allen Einzel- freiten über Auslegung oder Anwendung der Zeiten darstellen zu wollen. Insbesondere müssen I Verträge schiedsgerichtlich ausgetragen werden «nr uns hinsichtlich der einzelnen Positionen I können.

bet Verrragstarife im wesentlichen darauf be- I Für den Zeitpunkt des Inkrafttretens der Ichranken, auf das Studium der Verträge selbst neuen Verträge find verschiedene Formeln ge-

Erweisen. I wählt worden, die einen gewiffe > Spielraum

Was die Form der Verträge betrifft. ließen und zugleich die Gleichmäßiakeit des

£ erscheinen sie als Zusatzverträge. Die Termins ermöglichten. Die Verträge mit

«rundtoxen der Verträge bleiben also be- I Italien, Belgien und Rumänien bestimmen die

stehen. Damit ist auch gesagt, daß an der in I Inkraftsetzung nach Ablauf einer Frist von

-ntdaltenen, die Tarifabreden ergänzen- I sechs Monaten von einem zu vereinbarenden

den Meistbegünstigungsklausel nichts geändert I Tage ab und setzen als frühesten Termin den

wird. Außer den Tarifen selbst find nur solche Punkte verhandelt worden, die eine Revision der bestehenden Vereinbarungen erforderten. Nach Möglichkeit sind die Bestimmungen der einzelnen Verträge untereinander ausgeglichen, vberheffifche ZeitttNg" nebst ihren I ungenaue oder zweifelhafte Bestimmungen durch Beilagen werden von unserer Expedition präzisere ersetzt worden. So haben die Verein- oii w . e. a. «r - , I barungen über Ausfuhr-, Einfuhr- und Durch-

(Markt LI) unseren Ausgabestellen r« Krrch- I fuhrverbote in den Verträgen mit Italien,

Hain, Neustadt und Wetter, sowie von I Belgien, der Schweiz, Rumänien und Serbien

allen Postanstalten und Landbriefträgern I fallende im wesentlichen gleichlautende Faffung

enigegengenommen. IDie vertragschließenden Teile verpflichten

sich, den gegenseitigen Verkehr durch keinerlei Einfuhr-, Ausfuhr- oder Durchfuhrverbote zu hemmen.

Ausnahmen, sofern sie auf alle oder doch auf alle diejenigen Länder angewendet werden, bei denen die gleichen Voraussetzungen zutreffen, können in folgenden Fällen stattfinden:

1) in Beziehung auf Kriegsbedarf unter

1. Januar 1905 und als spätesten den 1. Juli 1906 fest. Der Vertrag mit Serbien enthält ebenfalls die fechsmonatliche Frist und denselben spätesten Termin, als frühesten Termin aber den 1. Januar 1906. Im Schweizer Vertrag ist auf Verlangen der Schweiz die Faffung gewählt worden, daß der Vertrag an sich am 1. Januar 1906 in Kraft treten soll, Deutsch­land aber befugt ist, die Anwendung des deut­schen DertragstarifS bis zum 1. Juli 1906 zu verschieben. Mit Rußland ist vereinbart, daß die Inkraftsetzung 12 Monate nach Austausch der Ratifikationen, spätestens aber am 1. Juli 1906 erfolgen soll. Mft Oesterreich - Ungarn ist die Abmachung getroffen, daß der Vertrag am 15. Februar 1906 inkraft treten soll.

Tie Dauer der Verträge ist gleichmäßig biS zum 31. Dezember 1917 festgesetzt, und zwar mit einjähriger Kündigunsfrist. Heber diesen Termin hinaus können sie täglich mit gleicher Frist gekündigt werden. Nur im Ver­trage mit Oesterreich-Ungarn haben sich beide Parteien Vorbehalten, 12 Monate vor dem 31. Dezember 1915 mit Wirkung auf dieses Datum zu kündigen. Wird von diesem Rechte nicht Gebrauch gemacht, so treten dieselben Be­stimmungen in Wirksamkeit wie bei den anderen Verträgen.

Der Handelsvertrag mit Griechenland vom 9. Juli 1884 läuft seit dem 20. Februar 1895 auf einjährige Kündigung. Eine Revision des­selben ist, um den neuen deutschen Zolltarif in Kraft setzen zu können, nicht erforderlich, da die in bemf°Iben für die Einfuhr nach Deutsch­land vereinbarten Zollsätze ui d Zollbefreiungen entweder dem onto^omen neuen Zolltarife, und den in den neuen Verträgen enthaltenen Sätzen entsprechen, oder soweit dies nicht der Fall ist (Korinther u^b Va'onea) auch nach dem Inkraft­treten der neuen Verträge und des neuen Zoll­tarifs unbedenklich weiter gewährt toerben können.

Wir wenden uns nun den einzelnen Ver­trägen in der Reihenfolge ihres A Zchluffes zu, indem wir zünächst wichtigere Bestimmungen des VeriragStexteS geben und danach jedesmal etue Erörterung der unS von dem betreffenden Lande in dem neuen Vertragstarif gewährten Zugeständnisse folgen kaffen.

Umschau.

Zum Bergurbeiteruusstaud i« Ruhrgebiet.

Die Siebenerkommission der streikenden Berg­leute hat gestern einen Aufruf erlassen, in dem es heißt:

Die Situation ist den Streikenden sehr günstig. Das ganz- Volk steht hinter uns. Die Gesetzgebung bereitet Gesetze zum Schutz der Berg­leute vor. Das ist schon ein großer Erfolg irrt- seres Kampfes! Nunmehr heißt es festhalten, mit der bisherigen ruhigen Entschlossenheit, den u>rs aufgenötigten Kampf durchzuführen. Haltet Euch streng im Rahmen der Gesetze, zeigt Euch

Ha! Und Sie wollten wahrscheinlich dieses nicht sonderlich passende Verhältnis weiter unter- stützen, um den deutschen Unteroffizier zu ver­leiten, den Dienst zu verlassen?"

Mein Herr, wofür halten Sie mich?"

Sie sind der Kapitän Henri de Fenetrange, angeklagt eines schweren Verbrechens und ich bin Untersuchungsrichter in dieser Angelegenheit ich bitte Sie, sich besten bei Ihren Antworten gütigst erinnern zu wollen!" erwiderte der Richter in scharfem Tone.Sie find noch einmal mit der Zigeunerin zusammen gesehen worden, und zwar erst vor wenigen Tagen. War dieses Zusammentreffen ebenfalls zufällig?"

Ja."

Sie wußten, daß man seitens der Gerichte die Zigeunerin suchte, da sie über das Verschwin­den des Unteroffiziers sicherlich Auskunft geben konnte?"

'Ja."

Weshalb zeigten ©ie, der Behörde nicht an, daß sich die Zigeunerin wieder in Finstingen auf­hielt?"

Ich fühlte keinen Beruf zum Denunzianten in mir."

Wissen Sie, daß Sie sich dadurch zum Mit­schuldigen eines Verbrechens gemacht haben?"

Ich wußte nicht, daß ein Verbrechen vor­liegt. Der Unteroffizier ist mit der Dirne davon- gelaufen eine alltägliche Geschichte."

Sie wußten nicht, daß der Unteroffizier, als er die Schmuggler an der Grenzeiche traf, nieder- gefchossen und in den zu Ihrem Schloß gehörigen Turm gebracht worden war?"

^Nein." 1 ' r

^Sie kennen den alten Turm?"

der Sympathie, die Euch aus allen Volkskreise» zuteil wird, würdig. Hallet fest an Eures Recht, wenn dec Kampf auch schwer und entbefr rungsreich wird. Ohne Opfer kein Erfolg! Ken Wanken, kein Weichen, immer standhaft uns einig! Es kämpft sich nicht schlecht für Wahrh« und Recht!"

Wie derFrkf. Zig." aus Essen gemeldet wird, sind bei dem christlichen Gewerkverein bis­her 102 000, beim alten Verband 320 000 Mart Streikunterstützung eingelaufen. Um eine« übertriebenen Bewertung dieser Beträge vor­zubeugen, sei erinnert, daß jeder Tag jetzt etttx 600 000 Mark Lohnausfall bringt.

Oberpräsident Nasse wird für heute wieder erwartet. Es herrscht im ganzen Revier die voll­kommenste Ruhe.

Dortmund, 30. Jan. Für die Streikende» bewilligte der Verband der rheinisch-westfälisch« Brauereien 5000 Mark.

Hamm t. Wests., 30. Jan. Die hiesige Union kündigte ihren 2000 Arbeitern wegen Kohlen« mangels zum 15. Februar.

Dortmund, 30. Jan. Die Aktiengesellschaff Menden und Schwerte mußte wegen Kohlen- mangels auch die Stistefabrik stillegen.

Ruhrort, 30. Jan. Die Phönixhütte kün­digte der gesamten Belegschaft von 3500 Mann, da es unmöglich sei, den Betrieb fortgufei . Dis Kündigung wird zurückgenommen, falls es ge­lingt, die nötigen Kohlenmengen aufzutreiben.

Dresden, 30. Jan. Am Freitag findet hi« einer Versammlung bürgerlicher Sozialreform« behufs Stellungnahme zum Ruhrstreik statt. Hauptreferent ist Geheimrat Profestor Böhmert.

Die Unruhen in Rußland.

Ter Sonntag ist in St. Petersburg ohne jed« Ruhestörung vorübergegangen, dagegen laute« die Nachrichten aus Moskau sowie a»8 d« größeren Städten des Westens immer noch beuu> ruhigend.

Warschau, 30. Jan. (W. B.) Der Ver­kehr in der Stadt ist vollständig eingestellt. Sämtliche Restaurants und Cafss, sowie di, Laden find geschlossen. In vielen Läden, Jnsti tuten und Bureaus sind die Fenster eingeschlagen. Die Zahl der Opfer an den gestrigen Unruhen ist nicht genau bekannt, man schätzt sie auf 160 Tote bezw. Verwundete.

M i t a u, 30. Jan. (W. B.) Der Ausstani bauert fort. Von der Gendarmerie ist eine Kom­pagnie nach Windau geschickt worden. Bei bew stattgehabten Unruhen ist ein Polizeibeamt« verwundet worden. Die Truppen haben von der Waife noch keinen Gebrauch gemacht. Von Wilm, wird ein Bataillon Infanterie und eine Batterir nach Liban geschickt werden.

London, 30. Jan.Daily Mail" meldet aus Warschau vom 29. Januar: T >r englisch« Generalkonsul und der Vizekonsul wurden aut offener Straße von russischen Husaren ange­griffen. Der Vizekonsul wurde von zwei Husar« niedergeritten und bedenklich verle der Generalkonsul ist unverletzt. Dazu wird dem Blatte aus Petersburg gemeldet, daß der eng­lische Botschafter zunächst eine Untersuchung ein­geleitet bat und die Behörden um Schutz für den Generalkonsul ersuchte.

Nattirlich!"

Wann waren Sie zum letztenmale in oder auf demselben?"

Ich erinnere mich nicht. Als Knabe bin ich öfter auf dem alten Gemäuer umhergeklettert." Später nicht mehr?"

Ich weiß es nicht. Meines Wissens gab e$ keinen Zugang zu dem Turm; das Gestrüpp in der Schlucht schien undurchdringlich."

Aber Sie haben stets ein reges Interesse für den Turm gezeigt?" fragte der Untersuchungs­richter.

Wie für alles, was mit meinem Geschlecht zusammenhangt," antwortete Henri.

Weshalb erließen Sie den Befehl, daß nie­mand versuchen solle, in den Turm einzudringen, und daß die Umgebung genau so bleiben sollen wie sie jetzt ist?"

Henri erstaunte. Ec hatte diesen BesM allerdings seinen Leuten erteilt. Wie war e8 aber möglich, daß derselbe dem Untersuchnugs. richter jetzt schon bekannt geworden war? D« Richter bemerkte den Ausdruck der Ueberraschung auf dem Gesicht Henris und lächelte fast un- merklich. Er glaubte, Henri an der empfindliche» Stelle getroffen zu haben und fuhr fort:

Sie _ scheinen durch die Frage überrascht z» fein. Sie hatten also einen besonderen Grunds den Besuch des Turmes zu verbieten?"

Allerdings" ^Und welchen?"

Ich arbeitete an der Geschichte meiner Fami­lie und glaubte, in dem alten Gemäuer Aufschluß über einige unklare Punkte in dieser Geschichte finden zu können. Ich beabsichttgte, int nächste« Frühjahr Ausgrabungen und Nachforschung« dort anzustellen." (Sortierung folgt.)