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Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, UntversttätS-Buchdrnckerei 40. SV(ti)T(L Marburg, Markt 21. — Telephon 55. ™
Marburg
Sonntag, 29. Januar 1905.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Erstes Blatt.
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Die Parlamente.
Folge der auf den verschiedensten Gebieten hervortretenden Mißstände in der inneren Verwaltung Rußlands nach Ausbruch des ruf. Wch-japanischen Krieges wächst jetzt in der »Eschen Bevölkerung in großem Umfange eine Bewegung an, welche darauf abzielt, das Volk Mitregierung zuzulassen und gesetzgebende Körperschaften einzurichten. Ob diese immer weitere Volkskreise ergreifende Bewegung einen wirklichen Erfolg erzielen wird, läßt sich noch *W Vorhersagen, aber im Hinblick auf die Be- mrebungen, auch in Rußland ein Parlament ein- zufuhren, dürste eine llebersicht über die arla- mentarischen Institutionen in den Hauptkultur- lindern von Interesse sein.
Das älteste Parlament besitzt Großbritannien. Drer sind die Grundlagen schon vor länger als sechshundert Jahren geschaffen worden. Das Mngste Parlament, im Jahre 1889 zugestanden K-rV\bleIen Bestimungen dem preußischen nach- gebildet hat Japan mfzuweisen. Ein ziemlich übereinstimmendes Merkmal der Verfassungsein, nchtungen in den verschiedenen Ländern besteht darm, daß das Parlament aus zwei gesetzgeben- den Körperschaften zusammengesetzt ist. Diese betwn Körperschaften haben bei den einzelnen Volkern verschiedene Namen. In Großbritannien herßen sie Ober- und Unterhaus oder auch das Haus der Lords und das Haus der Gemeinen, in den Vereinigten Staaten von Nordamerika werden sie Senat und das Haus der Reprasen- tauten genannt, in Frankreich, Italien und Spa- men Senat und Deputiertenkammer, in Ungarn Magnatentafel und Abgeordnetenhaus, in Oester- r«ch, Preußen und Japan Herren- und Abgeord- netenhaus.
~ Mitglieder der Herrenhäuser (Senat, »oa«s der Lords usw.) sind fast immer Privile- gterte: Prinzen, Vertreter von Familien, die dem sogenannten Uradel angehören, große Grundbesitzer, Bürgermeister der großen Städte tzehe Geistliche, , Gelehrte, Staatsbeamte usw., wahrend die Mitglieder der Abgeordnetenhäuser (Haus der Gemeinen, Deputiertenkammer Re- prasentantenhaus) aus allgemeinen Wahlen hervorgegangen sind — ganz gleich, wie im einzelnen das Wahlrecht beschaffen sein mag. Eine Ueberelnstimmung besteht auch darin, daß die .Herrenhäuser meist weniger Mitglieder haben als die Abgeordnetenhäuser. Das Verhältnis ist aber oft kein festes, durch die Verfassung be- ftlmmtes, sondern in den Monarchien kann die Regierung das Herrenhaus durch Personen ihres Vertrauens erweitern. Wenn das in größerem Umfange geschieht, so spricht man von einem „Pmrs)chub".
In Großbritannien kann das Oberhaus kein Gesetz abändern, dos mit Geldbewilligungen
Oberstleutnant Emmerich.
Von L. Müller.
(Schluß.)
Diesen Augenblick benutzte Emmerich, er gab seinem Pferde die Sporen und m gestrecktem Galopp ging es in den Wald hinein, die Husaren hinter ihm her. Am Ende des Waldes angekommen, sprang er von seinem Pferde und in einen mit Schilf bewachsenen Waffertümpel, wo er bis zum Kopf untertauchte. Die Husaren suchten die ganze Gegend ab, aber an die Flachsröste, in welcher Emmerich steckte, dachten sie nicht. Emmerich flüchtete, wie es Nacht wurde zurück zum befreundeten Wirt, der ihn auf dem Heuboden versteckte, bis die Gegend wieder sicher war. Unter der Zusage einer gro- Ben Belohnung geleitete ihn der Wirt in der folgenden Nacht mit anderen Kleidern angetan in das vier Meflen entfernte Hauptquartier des i Herzog Ferdinand. Auch der Bote war glücklich an feinem Ziele angekommen und der Herzog I war gerade dabei, um die Depeschen zu lesen. , „Gott, sei Dank, daß Sie da sind, Emmerich/ I jagte er, „ich habe das ganze Felleisen mit dem I Inhalt." Emmerich erhielt eine große Belohnung I unb jeder der beiden anderen wurde mit dreihun- I bert Taler belohnt. I
Nach beendetem Kriege ernannte Friedrich I «ber Große Emmerich zum Forstmeister, Kriegs- I unb Domänenrat. Emmerich, an das Kriegs- I leben gewohnt, hatte jedoch keine Ruhe, der Ausbruch des amerikanischen Krieges mit Eng- I land erweckte wieder die alte Kriegslust in ihm, I und er erhielt von England die Erlaubnis, als | Oberstleutnant und Kommandeur ein Korps I Achter Truppen zu errichten. Auch in der neuen I Welt wurde fein Name gefürchtet, ja seii . unge- I wohnliche Raschheit und unerwartetes Erscheinen I nntten unter den Feinden brachte diesen den I wawben bei, er könne sich unsichtbar mache«. I
verbunden ist, es kann also die vom Unterhaus angenommenen Gesetze mit finanziellen Folgen nur annehmen ober ablehnen, auch noch in anderen Ländern bestehen Bestimmungen, welche den Herrenhäusern bei finanziellen Gesetzen ein gewisses Zurücktreten gegenüber dem Abgeord- netenhause vorschreiben. Es soll damit verhütet werden, daß die Gesetze wegen kleiner Umänderungen zwischen den gesetzgebenden Körperschaften hin- und hergeschoben werden. Beim Deutschen Reich kann man von einem Einkammersystem sprechen. Zwar haben wir neben dem Reichstag noch den Bundesrat als gesetzgebende Körperschaft, aber der Bundesrat ist kein Parlament nach Art des preußischen Herrenhauses oder des britischen Oberhauses, sondern eine Delegation von Regierungsvertretren. Die Mitglieder stimmen hier nicht nach ihrer freien Uebcrzeugung, sondern sie haben nur die Weisungen ihrer Regierungen zu befolgen. Die übrigen deutschen Staaten haben meist das Zweikammersystem. Die beiden Großherzogtümer Mecklenburg dagegen haben noch gar keine eigentlichen parlamentarischen Einrichtungen; hier eristieren nur sogenannte „Landstände", die meist aus den Rittergutsbesitzern und den Vertretern der Städte gewählt werden.
Eigentümliche parlamentarische Einrichtungen bestehen in Oesterreich-Ungarn. Alle die Ange» legenheitcii, die beide Reiche betreffen, wie Zoll- und Steuerwesen, Reichsfinanz-, Reichskriegswesen und Aeußeres werden von einem parlamentarischen Ausschuß geregelt, der den Namen Delegation führt. Diese Delegation wird, mit jedem Jahr abwechselnd, in Budapest und Wien zusammenberufen: zu ihr stellt jedes der zwei Reiche 60 Delegierte aus den Reiben der beiderseitigen gesetzgebenden Körperschaften; daß jedes der beiden Reiche noch zwei Kamern bat, ist schon erwähnt. 3um Schluß verdienen noch die parlamentarischen Einrichtungen der Schweiz betrachtet zu werden. Hier gibt es einen Ständerat, der aus Delegierten der Kantone besteht, und einen Nationalrat, dessen Mitglieder aus allgemeinen Wahlen bernorgeben. Außerdem bestehen aber auch noch in den einzelnen Kantonen Reinere Parlamente. Daneben ist noch das Referendum eingeführt, demzufolge jedes Gesetz zur Volksabstimmung vorgelegt werden muß, Wenn eine bestimmte Anzahl Bürger es verlangt. Die übrigen mittleren und kleineren Staaten in Europa haben ihre parlamentarischen Einrichtungen meist denen größerer Staaten nachgebildet, in der Türkei aber gibt es noch kein Abgeordnetenhaus, trotzdem das „Jungtürkentum" schon lange darauf gedrungen bat. Die Macht der Parlamente in den einzelnen Ländern ist verschieden, hier wirkten die geschäftliche Entwickelung des Parlaments und die Zustände des Landes viel mit. Als das mächtigste gilt noch immer das englische Parlament; von ilm sagt man, daß es zwar nicht eine Frau in einen Monn uniWanbeln könne, daß es aber sonst die Macht zu allem habe.
Die Forderungen, welche Emmerich nach beendig- I tem Kriege an England stellte, Waren bedeutend, I er verließ England und siedelte nach Köln über. I Ungeachtet, daß er feine An'prüche immer wie- I derholte, blieb es bei einer kleinen Pension, I welche ihm England bewilligt hatte. Emmerich I versank immer mehr in Dürftigkeit, er gab sei- I neu Aufenthalt in Köln auf und zog nach Ober- I Hessen. Zuletzt wohnte er in Marburg in der I Barfüßerstraße im „Gasthaus zur Stadt Frank- I furt" jetzt Nr. 12. Hier. War es. wo er in die I Verschwörung verwickelt Wurde, Welche Ende I Juni 1809 in Marburg zum Ausbruch kam. I Seine Beteiligung War offenkundig, er wurde I verhaftet und infolge kriegsgerichtlichen Spruches I endete sein tatenreiches Leben. I
Der andere Leiter des Marburger Aufftandes I War der Professor der Medizin, Hofrat Heinrich I Sternberg. Ein unparteiischer Zeitgenosse schil- I bert ihn als einen „unruhigen Kopf, den die I Sucht, von sich reden zu lassen, veranlaßt habe, I eine politische Rolle zu spielen." Sternberg, der I zur Zeit des Auffrandes krank im Bette lag, War I bei diesem gar nicht beteiligt gewesen. In seiner I Wohnung, Renthoffttaße 4, hatten die Znsam- I menkünste der Verschworenen ftattgcfnnbcn. Nach |' seiner Verhaftung, da Sternberg immer noch krank War, wurde er in die eigene Wohnung des Generalkommissars her hohen Polizei, von Wolff, der in der Reitgasse Nr. 4 im späteren Hüter'schen Hause wohnte, geschasst, wo ihm Wolff Geständnisse herauspreßte, die Sternbergs Schuld klarierten. Am 12. Juli wurde er, ob- gleich noch nicht genesen, mit den anderen Beteiligten auf 5 Wagen nach Cassel ii? Kastell gebracht, wo gegen die Gefangenen sofort die kriegsgerichtliche Untersuchung eingelehet Wurde. Man hatte Sternberg durch die Kreuzverhöre arglfftiger Inquirenten, durch Zeuguiffe ihm feindlich gesinnter Personen, durch die Hoffnung auf die Gnade des Königs zu dem Geständnis verlockt, daß er, durch die Klagen über zu hohe
Die Preffe als Machtmtttel.
In der „Wiener Arbeiterzeitung" verbreitet sich der Bebelsche „Großinquisitor" Kautsky über den Wert der Presse. Er schreibt dabei u. a. folgendes:
„Die Gefährdung der Volksmassen durch eine irreführende Presse ist aber in stetigem Wachsen. Waren es anfänglich am meisten die demokratischen, volksfeindlichen Elemente, die sich der Presse bedienten, um das Volk aufzuklären-, suchten die herrschenden Klassen ihre Sicherung vornehmlich durch eine Unterdrückung der Presse zu bewirken, so macht der zunehmende Weltverkehr dieses immer mehr unmöglich. Und damit wechselt die Taktik der herrschenden Klaffen. Immer weniger durch Unterdrückung, immer mehr durch Korrumpierung der Presse suchen sie ihre Macht zu behaupten, , durch eine korrumpierte Presse suchen sie die Volksmaffe selbst zu korrumpieren und zu degradieren, indem sie auf ihre niedrigsten Instinkte spekulieren und ihnen schmeicheln."
Man würde sich irren, wenn man sich der Meinung hingeben wollte, Kautsky habe hier in einer Anwandlung von Ehrlichkeit eine Schilderung der sozialdemokratischen Presse geben wollen. Mit den vorstehenden Worten wollte der „Genosse" vielmehr die — bürgerliche Presse kennzeichnen. Nun leugnen wir ja nicht, daß es leider bürgerliche Zeitungen gibt, die an der Korrumpierung der Massen teilnehmen, auf deren niedrigste Instinkte aus Geschäftsrücksichten spekulieren und den Massen schmeicheln. Aber im großen und ganzen wird man das der bürgerlichen Presse, namentlich der den politischen Parteien dienenden, nicht nachsagen können.
Es gehört wirklich eine Unverfrorenheit und ein Pharisäismus sondergleichen dazu, gerade jetzt, wo die Korruptton der sozialdemokratischen Presse und ihr korrumpierender Einfluß auf weite Kreise klar am Tage liegt und in dem vernünftigeren Teile der Sozialdemokratie selbst erkannt Wirb, die bürgerlichen Blätter in solcher Weise bernnferzureißen und dafür die sozialdernokratt- schen Blätter überschwänglich zu loben. Kautsky schreibt über seine Parteipresse n. a.:
„Wo es der Sozialdemokratie nicht gelingt, durch eine starke, namentlich tägliche Presse dieser systematischen Verwüstung des Volksgeistes Einhalt zu tun, da versinkt das Prole- farität immer tiefer in politische Abhängigkeit und geistige Stumpfheit, da nützen ihm alle politischen Reckte und menfchenfteundlichen Volksbildungsbestrebungen nickts, da fft die Herrschaft und Ausbeutung für das Kapital völlig gesichert, , wie uns England beweist. Ohne starke sozialdemokratische Presse, die die Arbeiter polittsch selbständig denken und handeln lehrt, verstehen sie nicht, das Wahlrecht zu gebrauchen, bleibt die Kraft ungenützt, die in ihren Gewerkschaften steckt. Wie ganz anders dort. Wo eine selbständige sozialdemokra-
Steuern und sonstigen Bedrückungen der Franzosen veranlaßt, die Absicht gehabt habe, einige Tausend Mann zusammeumbringen und mit diesen nach Cassel zu ziehen, um Jerome zu einer Aenderung seines Regierungssyftems zu zwingen. Am Ausstande selbst fei er, Weif krank, nicht beteiligt gewesen. Ein Gnadengesuck für ihn Würbe an Jerome, der damals in Sachsen War, durch einen Staffettenreiter abgeschickt, es War erfolglos, denn erst am 19. Juli kehrte Jerome wieder in seine Residenz zurück.
Auf die Nachricht von der Rückkehr des Königs machte fick Sternbergs Gattin, obwohl sie ihrer Niederkunst entgegensah, von Marburg auf den Weg nach Cassel, um durch einen Fuß- fall vor dem Könige Gnade für ihren Gemahl zu verlangen. Sie kam bis Jesberg, hier nötigten sie die Beschwerden der Reise zur Umkehr. Sie wäre auch zu spät in Cassel eingetroffen, denn bereits am 19. Juli War das Todesurteil an ihrem Manne vollstreckt Worben. Zuerst traf Emmerich das Todeslos. Am Morgen des 18. Juli führte man ibn auf den Forst bei Cassel zur Hinrichtung. Ohne Furcht seinem Tode ent- gegenfehenb, rauchte er auf seinem letzten Gange die Tabackspfeise, die ihm im Leben unentbehrlich gewesen war. Ohne Binde vor den Augen, mit dem Ausruf: „Es lebe der Kurfürst!" gab er selber das Kommando „Feuer!" Fünf Kugeln gingen vorbei, die seckste traf ihn mitten ins Herz.
Am anderen Morgen wurde Sternberg erschossen. Schlecht getroffen sank er stöhnend nieder, man hörte ihn wimmern: „Ach meine Frau, meine armen Kinder!" Die Kugel eines mitleidigen Unteroffiziers vom Exkutions-Kom- mando, der ihm den Flintevlaus vor die Schläfe setzte, machte seinem Todeskampf ein Ende. Gleich nach Sternberg büßten die beiden andern Opfer ihre Anhänglichkeit an den Kurfürsten mit dem Tode. Es Waren dieses Wendel Günther aus Sterzhausen und Daniel Muth aus Ockers
tische Tagespresse gedeiht! Das beweist am besten die deutsche Sozialdemokratie."
Und nun sehe man sich an, wie die sozialdemokratische Presse in Wirklichkeit auf die Arbeiter wirkt! Zur „Selbständigkeit" will sie erziehen und gibt terroristische Parolen aus. Selbständig denken und Handeln Will sie lehren unä bietet ihren Lesern doch nur tendenziöse Darstellungen, Verdrehungen und gefälschte Berichte« Hat doch über diesen Zustand der Arbeiterlit- teratur und Preffe sogar das offizielle Gewerk-, schastsorgan schwere Klagen veröffentlicht! Schon die Art der Verbreitung fogialbemofrati« scher Blätter ist für die Erziehungsmethode zur „Selbständigkeit" bezeichnend; denn diese Verbreitung beruht hauptsächlich auf Zwang. Freiwillig würden blutwenig Arbeiter „ihre" Zeitungen miterhalten.
Der Schluß des. Kautskyschen Artikels lautete „Wohl empfindet jeder Parteigenosse, daß er ein Verräter an der Sache seiner Klaffe ist, wen« er einen anderen als einen sozialdemokratische« Stimmzettel abgiebt; daß er Verrat begeht, wenn er statt einer Gewerkschaft einem katholischen Gesellenverein beitritt. Aber noch viele empfinde« es nicht, daß sie ebensolchen Verrat begehen, wen» sie ein bürgerliches Matt einem Parteiorgan vorziehen, das erstere unterstützen und das letztere dadurch schädigen. Sie wissen nicht, bag Wahlkämpfe und gewerkschaftliche Kämpfe fruchtlos sind, Wenn sie nicht ein Erstarken der Parteipresse mit ihnen Schritt hält; daß es gflt, nicht bloß die Fäuste zu befreien, sondern auch bie Köpfe; daß die Hand nicht frei ist, bie von einem unfreien Kopfe gelenkt fft, und daß das wirksamste Mittel unter den heutigen Verhältnissen, bie Köpfe der Proletarier völlig frei von pfäs- fiscker und kapitalistischer Bevormundung und Verdummung zu machen und zu erhalten, die Presse ist. . . ." An dieser Fürsorge für die Parteipresse und an deren Wertschätzung sollte» sich auch die Konservativen ein Beispiel nehmen«
Umschau.
Deutscher Reichstag und englisches Parlament.
lieber die Geschäftsbehandlung im englische» Parlament wird der Münchener „Allgemeinen Zeitung" von ihrem Londoner Bericherstattep u. a. folgendes geschrieben:
„Das Unterhaus stand feit den 80er Jahren denselben Schwierigkeiten gegenüber, die nun auch die Arbeiten des Deutschen Reichstages hemmen. Die alte Geschäftsordnung, die „füu ein Haus von ©entfernen gemacht war", war auf die Dauer nicht mehr zugänglich; nach dem Vorgänge von Gladstone und W. H. Smith schuf Mr. Balfour in her Zeit von 1896—1902 eine neue Geschäftsordnung. — Die wichtigste Neuerung war der Zwangsschluß der Debatte, die closure. Jeder Abgeordnete ist berechtigt den Antrag zu stellen, doch müssen am der Abstimmung mindestens 100 Mitglider —
hausen, ehemalige hessische Soldaten. Ein weiteres Todesurteil wegen' des Marburger Aufstandes wurde nickt mehr vollstteckt. Auf Emmerich sind verschiedene Gedichte vorhanden.
Oberst Emmerich, erschossen am 18. Juli 1809«
Wer steht auf Cassels Forst«, So mutig und so groß? Wer löst die Waffenbinde Und macht die Brust jetzt blos? Und hebt die Heldenrechte Nur hoch zu Gott empor. Und nr+ den welscken Knechten: „Ihr Schergen tretet vor!"
„Ich fürchte nicht die Kugel!
Ich fürchte nicht den Tod! Schaut her in deutsche Augen, Schaut Deutschlands Morgenrot! Nun fertig! Vor! Gebt Feuer! Ganz Hessen hör es noch: Ich schwör' bei Gottes d.echten: Der Kursürst lebe hoch!"
Wer zieht denn grabe heute Fürs Vaterland das Los, Und sinkt im Ster, m siegend In Hessens Mlitterschoß?
Kurhessen gibt den Retter, Wie Preußen seinen „Schill" Für Deutschland noch ein Opfer, Es gibt es gern — doch still!
Es ist der Hessen Einer, Der Oberst Emmerich, Für Hessen stirbt er heute, Und Frankreich fürchtet sich! Sein Blut, das fließt hernieder. Das alte Hessenblut, Tränkt Hessenlandes Boden
' Und gibt ihm Emmerichs Mut« «