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mit dem Kreisblatt für dre Kreise Marburg und Kirchhain.

SonnLaqs-eilager JUuMM Son«i-,ZS^^G

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Marburg

Dienstag. 24. Januar 1905.

Erscheint wöchentlich sieben «al.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerek 40.

Marburg, Markt 21. Telephon 55. °

in BWBaa»a w»

Revolution?

.-toF8. ° bem ewig denkwürdigen 14. Jali L78S die Bastille in Paris gestürmt worden Kar und damit die französische Revolution ihren »fang genommen hatte, gelangte die Nachricht stvn diesem für die Weltgeschichte so bedeutungs­vollen Ereignis erst in der Nacht zum 15. Juli tzachBersailleS, wo König Ludwig XVI. weilte. De^Herzog von Liancourt übernahm es damals, den König, der sich schon zur Ruhe begeben hatte, von den Vorgängen in Paris in Kenntnis »u fetzen. Ludwig XVL richtete sich bestürzt im Bette auf unb rief:Das ist also eine Revolte?" *7 »Nein, Sire," erwiderte ihm der Herzog, wt>o8 ist eine Revolution!"

An diese Szene wird man erinnert im Hin» blick auf die Vorgänge, deren Schauplatz jetzt St. Petersburg ist. Eine schicksalsschwere Stunde scheint für Rußland und Kaiser Nikolaus ge­schlagen zu haben.. Bleibt eS bei der Arbeiter- tevol te oder sind die Unruhen, die Anfänge einer großen Revolution, das ist die bange Frage, die setzt allenthalben aufgeworfen wird und deren ent­scheidende Beantwortung schon die nächsten Stunden oder Tage bringen können.

Die letzten Nachrichten aus der russischen Hauptstadt lauten sehr beunruhigend. Wie wir bereits gestern Abend durch Extrablatt meldeten, ist es zu schweren Zusammenstößen zwischen Militär und Arbeitern gekommen. Wir geben nachstehend die bisjetzt vorliegenden Telegramme wieder:

r Petersburg, 22. Fan. 'Heute Mittag 2 Uhr «ag eine vieltausendköpfige Menge nach dem Win- terPalais-Platz, wo es bei den Zusammenstößen mit dem Militär etirn 150 Tote und viele Ver­wundete gab. In dem Wassili-Ostrow-Stadtteil wurden Barrikaden gebaut und die Telegraphen- Icitung zerstört. Die Arbeiter sind mit Säbeln rind Werkzeugen bewaffnet. Gegen 3y2 Uhr er- folgte ein Zusammenstoß auf dem Newski-Pro- fpckt, wobei es 30 Tote und viele Verwundete jgab. (Wiederholt^

Petersburg, 22. Jan. Von der Liteiuibrücke pog eine Arbeitermenge, um sich mit den bei der «Sampsonsebrücke, angesammelten Arbeitern zu vereinigen, in die Nähe des dritten russischen Arbeiterklubs. Es wurde eine Aufforderung ver­lesen, um 2 Uhr nachmittags vor dem Winter- Palais zu sein. Der Vorschlag, Ruhe zu halten, wurde mit Hurra ausgenommen. Hierauf pas­sierten die Arbeiter die Sampsonjebrücke iner Richtung auf die Troizkibrücke, um auf den Pa­laisplatz zu gelangen. Die Truppen hinderten die Menge nicht. Auf der Petersburger Seite wurden 4000 Arbeiter durch Ulanen in zwei Par- feieit geteilt. Die Mehrzahl der Arbeiter zog weiter. Ter abgeschnittene kleinere Teil wuchs rasch und zog dem ersten Teil ruhig nach. Als sie die Troitzkibrücke erreichten, stießen sie auf gnfanterie und Ulanen. Die Musik spielte zum orrücken. Die Menge blieb unentschieden stehen. Die Reiter warfen sich mit blanker Waffe aus die

4t> »zscsg 'Machdruck Verboten.)]

^Iigeunerliebe".

Von O. Olster.

tFortsetzung.)' -

...Gedulde Dich nur noch wenige Tage," hatte Marianne erwidert.Dann ist alle Gefahr für «teilte Verwandten vorüber, dann magst Du wie­der zu Deinem Regiment, magst hingehm, wohin Du willst."

Marianne, bist Du mir böse, daß 'ch nicht mit Dir nach Frankreich gehen will?"

Nein, ich bin Dir nicht bös! Ich denke. Du hast recht, daß Du nicht desertieren willst, aber für mich ist's ein Unglück."

Marianne, ich schwöre Dir, daß ich Dich nicht lasse."

Du wirst keine Schmuggler- und Zigeuner­dirne heiraten mögen. Du darfft auch nicht sie werden es Dir verbieten imd mich werden sie ins Gefängnis stecken."

Marianne!" I

Ja, das werden sie tun. Aber es macht mir nichts. Ich will erst Zeugnis für Dich ablegen, «md dann mögen sic mit mir machen, was sie wollen."

Das Gericht wird Dich nicht verurteilen. Du hist noch zu jung. Du konntest Dich Deinem Großvater nicht widersetzen, unter dessen Ein­fluß Tu bandeltest."

Ja, ja, magst recht haben oder auch nicht. Und jetzt gehe ich und will Abschied nehmen vom Großvater, der nach Frankreich flieht. Wenn er weit genug fort ist, dann magst auch Du jeefien.*

Sie war fortgegangen, nachdem sie den Ofen einmal versorgt und dem Kranken einen erfrischenden Trunk hingestellt hatte, so daß er ahn bequem erreichen konnte) -----.*-

eftva 9000 Köpfe zählende Menge und trieb sie zurück. Hierbei kam es zu mehreren Verwarn düngen. Alsdann stürzten sich die Zurückgetrie­benen in die umliegenden Straßen, verfolgt von der Kavallerie. Nunmehr drängte die Menge nach der Troizkibrücke, wo sie die Kavallerie mit der blanken Waffe empfing.

Petersburg, 22. Jan. Eine Menge Arbeiter, die sich am Aleranderplatz angesammelt hatte, versuchten das Gitter zu übersteigen, um nach dem Palaisplatz zu gelangen, sie wurden aber von den Truppen daran verhindert. Hinter dem Moskauer Schlagbaum nahmen die Arbeiter von der Kerosin-Niederlage Besitz. Im Wassili- Ostrow-Stadtteil gab es auch Tote. Hier ver­sammelten sich etwa 10 000 Arbeiter. Nachdem sie von der Brücke zurückgedrängt worden waren, wurden beim Arbeiterklub aus den Fenstern der umliegenden Gebäude eine große Anzahl Prokla­mationen geworfen. Ein Arbeiter richi.le von einem, Fenster eine Ansprache an seine Kamera­den, in welcher er auf die Gewalttätigkeit der Truppen wie auf die Haltung des Kaisers gegen das Volk hinwies. Die Menge nahm diese Rede sympathisch auf. Ein Arbeiter schrie:Nieder mit der Selbscherrschast!" Als auf der Schlüssel­burger Chaussee der erste blinde Sckmß fiel, be­gann die Menge energisch vorzudrängeu. Die Kosaken hieben anfangs mit Nagaikeu und der flachen Klinge, was mehrere Verwundungen zur Folge batte. Hierauf sanken die vorn stehenden Arbeiter in die Knie und flehten die Kowken an, sie zum Kaiser zu lasien. Sie riefen:M gehen nicht gegen den Kaiser, wir wollen ihm selbst die volle Wahrheit sagen. Seid gnädig, laßt uns zum Kaiser!" Ihr Mehen blieb jedoch ohne Wirkung. Alsdann drängte die Menge aufs Neue vor, worauf noch drei Salven abgegeben wurden. Die Menge wich zurück. 'Ein großer Teil zog sich jenseits der Newa zurück. Der klei­nere blieb zur Stelle, wurde aber von einer be­rittenen Patrouille zerstreut. Gegen 30 Per­sonen wurden hierbei verletzt. Dann wurde die Menge zerstreut. Die Sttmmung der Arbeiter war ruhig, wenn auch gedrückt. Um 1 Uhr 90 Min. nimmt der Andrang der Arbeiter zum Winterpalais zu. Das Militär zog die Säbel blank und hielt mit Mühe den Andrang aus. Dann wurde Verstärkung verlangt.

Der Führer der Arbeiter, der Priester Gapon richtete an den Kaiser nachfolaendes Schreiben:

Herrscher! Glaube nicht, daß Di. die Minister die volle Wahrheit über die Lage sag­ten. Das ganze Volk vertraut Dir und be­schloß, morgen Nachmittag um zwei Uhr vor dem Winterpalais zu erscheinen, um Dir die T Not darzulegen. Wenn Dtt, wankelmütig, nicht vor dem Volke erscheinst, dann zerreißt Du t das moralische Band zwischen Dir und Deinem i! Volk. Das Vertrauen zu Dir wird schwinden, f da unschuldiges Blut zwischen Dir und Deinem Volk fließen wird. Erscheine morgen vor Dei­nem Volke! Empfange unsere Ergeb ^eitS« adresse mutigen Geistes! Ich, der Vertreter der Arbeiter, und meine tapfere Strvüterge- «offen garantieren Dir die Unverletzlichkeit Deiner Person!"

Von peinigenden Gefühlen bewegt, lag Fritz Berger da. Die Liebe zu dem Mädchen, das ihn so aufopfernd gepflegt und mit rührender Treue an ihm hing, der Mißmut über seine Schwäche, die ihm nicht gestattete, sich von seinem Lager zu erheben, die Sehnsucht, sich vor seinen Vor­gesetzten und Kameraden van dem schmählichen Verdacht zu reinigen, der auf ihm lastete, der Zweifel, ab es ihm gelingen werde, sich van die­sem Verdacht ganz zu befreien, die bange Frage, >vas später aus ihm und aus seiner Liebe zu Marianne werden solle, was fein altes Mütter­chen, fein Vater und alle feine Bekannten und Verwandten in der Heimat sagen würden, wenn er eiitu Zigeunerin, eine Französin, eineLand­streicherin" als seine Frau heimbringen wollte alle diese Erwägungen stürmten mit fast schmerzhafter Lebhaftigkeit auf fein Gemüt ein.

Je länger die düstere Einsamkeit um ibn währte, desto mehr Vertiefte sich der Kranke in feine Grübeleien, und feine durch vereinzelte Fieberschauer erregte Fantasie malte sich die Zu­kunft in den triibsten Farben aus. Wie, wenn er überhaupt nicht mehr aus diesem finsteren Keller befreit werden würde? Wenn er nicht mehr gesund würde, wenn er elend ht dem dump­fen Gewölbe su Grunde gehen müßte? Wo blieb nur die Marianne so lange? Mehrere Stunden mußte sic fort sein; das Feuer im Ofen war dem Erlöschen nahe, die Lampe tief heruntergebrannt, feuchtkalt legte sich die Luft auf des Kranken Brust. War Marianne denn wirklich treu? Sie sagte, sie wollte Abschied nehmen von ihrem Großvater: konnte das aber nicht ein Vorwand sein, um chre ^Entfernung als harmlos hinzu- stellen. Kannte Fritz nicht die unwiderstehliche Wanderlust der Zigeuner? Hatte Marianne nicht oft mit leuchtenden Augen und glühenden Wangen von ihren Wanderfahrten in fremden Ländern erzählt, wo sie durch ihre Wahrsagekunst

Bei den Kämpfen mit der Menge gab es am Winterpalais etwa 150 Tote. In der Nähe des Winterpalais auf dem Senatsplatze hielten die Arbeiter Automobile der Petersburger Agentur an, holten die Insassen heraus und zerbrachen die Wagen. Die wütende Menge rief beim Vor­überfahren von Offizieren:Ergreift sie!" Gegen 2V2 Uhr war der Platz vor dem Winterpalais von der Menge gesäubert. Die Truppen verfolg­ten die Aufrührer, die sich in den angrenzenden Straßen zerstreuten. Ein furchtbares Mld bot sich, als die Verwundeten und gräßlich entstell­ten Toten ilber den Newski-Prospekt transpor­tiert wurden. Unter ihnen befanden sich auch Frauen und Kinder.

_ St. Petersburg, 23. Januar. Die Zabl der Tobten bei den Sttaßennnruhen beläuft sich, wie bis gestern Abend 8 Uhr feftgefteHt wurde, auf 76, die der Verwundeten auf 233. Für heute hat die Regierung umfassende Schutzmaßregeln ge­troffen. (Aus dieser uns soeben aus Berlin zu- gegangenen telephonischen Meldung geht hervor, daß die von anderer Seite verbreiteten Nachrich­ten von mehreren Tausenden Todten und Ver­wundeten aus der Luft gegriffen sind.)

Ter rrüßsch-japamsche Krieg.

Die LondonerTimes" wollen von zuver lässiger -eite erfahren haben, daß Admiral Roschdjestwenskh in den nächsten drei Monaten keine weiteren Schritte unternehmen werde, um die Gewässer des indischen OzeanS zu er- reichcn. Die baltische Flotte werde dann von Madagaskar abseoeln und vielleicht den KurS nach Osten nehmen. Doch sei eS sehr unwahr­scheinlich, daß sie big zum indischen Archipel bringen werde, wo sie japanische Kreuzer treffen könnte. DaS Blatt ferner ft jedoch, daß der Zar sich für den Mittelweg zwischen der Zurück- betufung und der Weitersendung der Flotte entschieden habe. Admiral Roschdjestwentzky werde eine Basis für einen längeren Anfen- 'halt im indischen Ozean brauchen; die britische Admiralität möge Schritte tun, nm die britischen Inselgruppen im indischen Ozean davor zu schützen.

Beters bürg, 23. Januar. Die Ausel Saqalin bereitet sich aus einen mpauts^en Angriff vor. Die Einwohner haben, soweit es ihnen möglich war, ihr Eigentum verkauft und fliehen aus dem Lande. Auch Offiziere und Beamte reisen in größter Eile ab. Tie Preise für Lebensmittel find aufs äußerste gestiegen.

Petersburg, 21. Jan. (Meldung der Peiersburger Telegr. Agentur.) Bei Huanschan fand heute ein Vorpoftengefecht statt. Am 19. d. Mts. beschoffen die Japaner den Nowgorv- hügel, das Dorf Jalungsan, den Putilowhügel und die Dörfer Schahopao und Uoatong. Die russische Artillerie richtete ihr Feuer gegen die südlich von Nanganza stehende«! japanischen Truppen.

und ihren Tanz die Bewunderung der Menschen erregt hatte? Ach, und an ein solches wildes Ding hatte er, der Sohn des Försters in Wilde­mann, das Kind braver, ehrlicher Leute, sein Herz gehängt? Er Ivar ein Tor, an die Liebe imd Treibe eines Zigeunerkindes zu glauben.

Die Stunden vergingen. Nach der Berech­nung Fritz Bergers mußte es bereits Abend fein. Er versuchte sich zu erbeben, um neues Holz in den Ofen zu stecken, doch mit einem schmerzlichen Seufzer sank er zurück, er war noch zu schwach, er vermochte sich nicht aufrecht zu erhalten. Jetzt flackerte die Lampe noch einmal aus, um dann zu erlöschen. Tiefe Finsternis trat ein, welche die fiebernde Fantasie des Kranken mit Schreck­bildern erfüllte. Bald sah sich Fritz wieder im Kampf mit den Schmugglern; bald befand er sich allein mit Marianne im herbstlich bunten Walde und küßte ihren roten Mund; bald faß er zu Füßen seines Mütterchens dabeim im wilden Harngebirge, und der Nordsturm brauste durch die hoben Tannen. Dann sah er sich wieder inmitten feiner Kameraden; er hörte sie lachen und fpot- ten:Seht, da den Deserteur, der um einer Zi­geunerin willen den Fahneneid gebrochen, feinem Vaterland und seinem Könige die Treue nicht ge­halten! Seht den Deserteur herunter mit den goldenen Tressen von Rock und Aermel herunter mit der Kokarde vom Czako herunter die Medaille, die er erhalten, als er zwei Leute aus einem brennendem Hause geholt herunter den Nock des Königs, und die Sträflings-Klei­dung für den feigen Deserteur!"

Die Schreckbilder feiner Fan lasst drohten ihn wahnsinnig zu machen! Er stöhnte auf er schrie er seufzte in all seinen Fantasien kehrte eine Gestalt wieder ein finsterer, in einen dunklen Mantel gehüllter Manu, den er im setzten Augenblick gesehen, als er von dem Geschoß SeZ Schmugglers getroffen, mtiergefun«- '

Schanghai, 20. Jan. General Stösse erklärte hier während des Aufenthalts seines Dampfers, die den Japanern übergebenen russischen Kriegsschiffe im Hafen von Port Arthur seien so schwer beschädigt, daß ihre Wiederinstandsetzung ausgeschlossen sei.

Umschau.

Zu« Brrgurbeiterausstar k« Ruhrgebiet.

Wie aus Dortmund vom 21. ds. gemeldet wird, war die Lage fast unverändert! Die Anzahl der Arbeitswilligen auf den ein­zelnen Zechen ist ein wenig zurückgegangen Auf den Harpener Zechen ist eine kleine Besse­rung zu verzeichnen. Bon 22 800 Arbeitern sind 4450 gegen 4340 gestern angefahren. Das Stahlwerk Hösch hofft, am Montag mit belgi- scher Kohle, die in genügender Menge vor« Händen ist, den Betrieb wieder aufnehmen zu können. Die Westfälische Drahtindustrie i« Hamm muß 1200 Arbeiter feiern lassen, will aber sofort ausländische Kohlen beschaffen.

Oberhausen, 21. Januar. Trotz der energischen Aufforderung der Führer der Berg­arbeiter an die Streikenden, im Ausstande zu verharren, steht jetzt bereits fest, daß die Zahl der Arbeitswilligen am Montag ein» bedeutendeVermehrung erfahren wird. Die Verwaltung der ZecheFreie Vogel und Unverhofft" bei Hörde hat die Forderungen der Bergleute anerkannt. Die gesamte Belegschaft dürfte am Montag die Arbeit wieder aufnehmen. DieKöln. Volksztq." fordert die Regierung speziell den Handelsminister, auf, energischer vorzugehen; namentlich Mnister Möller stehe der Situation recht zaghaft gegenüber.

Berlin, 22. Januar. Der Reichskanzler Graf v. Bülow empfing gestern nachmittag den aus dem Ruhrgebiet zurückgekehrten Oberberg­hauptmann v. Velsen zu längerer Unterredung.

Zur Verstärkung der Sicherheitsorgane ist eine Abteilung der Polizei, 4 Polizeileutnants, 9 Wachtmeister und 121 Schutzmänner, von Berlin in das Streikgebiet an der Ruhr abgr* gangen. Gestern nacht wurden Gendarmerie­kommandos der Kreise Niederbarnim und Teltow vom Lehrter Bahnhof au8 über Hannov-r und Minden nach dem Ruhrgebiet befördert.

Wiesbaden, 22. Januar. Nachdem di« Wiesbadener Maschinenfabrik infolge Kohlen- mangels die Arbeitszeit von 10 auf 8 Stunden herabgesetzt hat, wird am Montag eine weite« Verkürzung um drei Stunden stattfinden, der bei längerer Dauer des Kohlenstreiks die Ein« stellung deS ganzen Betriebes folgen soll.

DerBreslauer Zeitung" wird auS Ober­schlesien geschrieben: Seit einigen Tagen häufen sich die Anfragen nach Kohlen, zur schleunigen Verladung nach dem westlichen!

fen war. Wer war dieser Mann? Schon frühem in seinen Fieberfantasieu hatte sich sein Geist, mit dieser dunklen Erscheinung beschäftigt, und? auch jetzt kehrte sie zurück, um ihn zu mortem* und zu quälen. Er griff mit den Händen nach dem finsteren Phantom! Vergebens! Höhnisch grinsend entschwand dasselbe, um im nächsten Augenblick wiederzukehren.

Der Kranke hielt es auf dem Lager nicht rneh'ts aus. Mit gewaltiger, durch das Fieber erhöhten Kraftanstrengung sprang er empor. Wankens stand er still und hielt sich stöhnend an dem Tische in der Mitte des Gewölbes fest, mit irren Blickens die Finsternis zu durchdringen strebend, einen* Augenblick schien es, als ob das Fieber nachge-j lassen habe, Fritz atmete freier, doch kehrte eS Zurück, ein schriller Ton erklang draußen, eil raschelte do, da war auch die finstere Gestalv wieder! Uni) jetzt dröhnten laute Schläge bitrdg die unheimliche Stille. Eine Tür zersplittert^? Stimmen wurden laut, der rote Schein boitf Fackeln fiel in das unterirdische Gemach und bo-! leuchtete grell einige menschliche Gestalten. «

War es Wirklichkeit, war es ein Mld seiner! fiebernden Fantasie? Blitzte der rote Schein beri Pechfackeln auf blanken Knöpfen und Waffen A Scuditete er wieder in den suchenden, spähenden' Augen deutscher Soldaten. Da die lange Ge< statt, war dies nicht sein Offizier, der ihm einst! den Fahneneid abaenommen? Ja, es war Wirk­lichkeit, man kam, um ihn zu holen, um ihm dis Tressen abzureißen, des Königs Ehrenkleid ihn ehrlos zu machen, ihn, den feigen Deserteur!

Sehen Sie, Herr Leutnant, daß ich recht hatte?"

Ja, Schröder, Sie hoben recht gehabt. Sßeg, hatte das aber auch benfen können? Also fiter!xa hat sich der Unglückliche versteckt?- /

(Fortsetzung folgte/